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Suez, WTI vs. Brent, Bundeswehr und Ölspionage

Auf dem globalen Ölmarkt gibt es seit geraumer Zeit die Seltsamkeit, dass die Preise für verschiedene Rohöl-Sorten sich stark unterscheiden. West Texas Intermediate (WTI) kostet heute mit ca. 87 Dollar fast 15 Dollar weniger als die Nordseesorte BRENT (Charts bei  finanzen.net). Dabei ist beides ja prinzipiell derselbe Stoff. WTI wird in Nordamerika gehandelt, Brent in Europa. Und obwohl Erdöl ein globaler Rohstoff mit globalen Handelswegen ist, unterscheiden sich diese Preise derzeit so stark, dass man vermuten muss, es handele sich um zwei völlig verschiedene Produkte. Doch die geografische Verteilung macht hier viel aus. Telepolis weist darauf hin, dass die USA derzeit sehr guten Zugriff auf das Öl aus kanadischem Ölsand-Abbau haben und die Lager gut gefüllt sind. Auf dieses Öl können andere Akteure nicht so einfach zugreifen, es gibt keine nennenswerten Exporte von Nordamerika nach Asien. Asien besorgt sich seinen Stoff genau wie Europa im arabischen Raum und die Konkurrenz darum hebt den Preis für Brent.

Eine Analyse zum SUEZ-Kanal hat Telepolis auch: Dieser spielt eine untergeordnete Rolle in der Versorgung, die Entwicklungen in Ägypten werden deshalb als nicht so bedeutsam für die Ölpreise eingeschätzt.

Die Aufmerksamkeit auf den Rohstoff nimmt derzeit zu. In der Wirtschaftswoche beleuchtet Manfred Gburek den Zusammenhang zwischen Öl und Konjunktur und empfiehlt diverse Aktien. Wird Erdöl (noch stärker) zum Spekulationsobjekt ist absehbar, dass die Preisschwankungen stärker werden und die Preistendenz nach oben zeigt. Geld verdienen will vermutlich auch jemand in China: der Spiegel meldet Hacker-Angriffe auf die IT-Zentren von Ölfirmen. Unternehmensinterna sind bares Geld wert. Mit den Verbrauchsschätzungen der IEA beschäftigt sich Klaus Bergmann von esyoil und empfiehlt, sich Gedanken über die eigene Verbrauchssenkung zu machen. Aus dem Zentrum für Transformation der Bundeswehr ist zu hören, dass die im Sommer letzten Jahres versehentlich veröffentlichte Studie sich nach Überarbeitung im Lektorat befindet und demnächst eine "offizielle Fassung" zu erwarten ist. Ash Bennington weist auf NetNet bei CNBC darauf hin, dass neue Fördertechniken wie sie bei Gas bereits angewendet werden (Shale Gas) auch auf Öl anwendbar sein könnten, die ganze Öl-Industrie verändern könnte und die Idee eines Peak Oil verläßlich nach hinten schieben. Auch von der Wiener Zeitung werden wir beruhigt: Öl reicht wie vor 40 Jahren noch 40 Jahre, "vor dem Wochenende geht uns das Öl nicht aus".

Na dann: Schönes Wochenende!

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