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Deutschland, Ukraine, Russland und die drohende Energiekrise

Nahezu unbemerkt von der Öffentlichkeit hat Wikileaks gestern fast 370.000 Nachrichten aus der US-Diplomatie von 1977 veröffentlicht: Die sogenannten "Carter Cables", benannt nach dem damals regierenden US-Präsidenten Jimmy Carter. Wer die bequeme wikileaks-Suchfunktion PlusD nach "Peak Oil" durchstöbert, findet 1140 Dokumente aus den Jahren 1973 bis 1977 und 2003 bis 2010. Darunter auch einen Bericht aus Thessaloniki vom 6. November 1973, betitelt mit "Treibstoffknappheit in Nord-Griechenland". Berichte über Knappheiten gab es nach dem Oktober 1973 aus verschiedenen Ländern in die USA zu vermelden, denn die erste Ölkrise war in vollem Gange. Was für ein Fundus für Geschichtsstudenten!

Es bleibt zu hoffen, dass der Konflikt um die Ukraine nicht zu ähnlichen Entwicklungen führt, wie damals. Das Potential dazu ist (leider) gegeben. Nachdem Europa sein Ölfördermaximum 1996 erreicht hat und seit 2002 die europäische Ölförderung zwischen 4 und 6% jährlich schrumpft, ist der "Marktanteil" russischen Öls in Deutschland enorm gestiegen. Jeder dritte hierzulande vertankte Liter Treibstoff oder Heizöl hat seinen Ursprung irgendwo in Russland:

Öl-Lieferländer-Deutschland-2013

Dennoch befinden sich Russland und Deutschland derzeit irgendwie auf Konfrontationskurs. Eine Situation, die scheinbar niemand vorhersah oder vorhersehen wollte, obwohl der Selbstversorgungsgrad Deutschlands mit Öl unter 3% und jener Europas unter 30% gesunken ist und obwohl die Gas-Streits zwischen Russland und der Ukraine seit 2006 regelmäßig eskalierten: Bis hin zu Druckabfällen in den Gaspipelines.

Zu Deutschlands Primärenergieverbrauch 2012 trug Öl 33% und Erdgas 21% bei, zusammen machen beide Energieträger also knapp die Hälfte der hiesigen Energieversorgung aus. Von dieser Hälfte liefert Russland mehr als ein Drittel, Putins Reich ist also für fast jede Fünfte Kilowattstunde zuständig:

(Fossile) Energieträger 2002-2012 in Deutschland

Dummerweise denken wohl viele Menschen bei "Kilowattstunde" an Glühbirnen, doch das, was Gazprom&Co. liefern, landet nur in Teilen im Strom-Netz, zu viel größeren Teilen landet es in Verbrennungsmotoren. Kohle und Strom können diesen Teil deshalb nicht kurzfristig ersetzen, weil die deutsche Fahrzeugflotte keinen Strom schluckt. Der "Marktanteil" Russlands im Verkehrssystem entspricht also ziemlich genau dem Anteil, den das Land an den Öllieferungen hat: 33%. Wenn Russland kein Öl mehr liefern würde, würde die Transportleistung des Verkehrssystems um ein Drittel schrumpfen: Jede dritte Kilometer müßte ausfallen.

Nun sollten diese Überlegungen nicht dazu dienen, den Teufel an die Wand zu malen. Sie sollen vielmehr deutlich machen, in welcher unangenehmen Situation wir uns befinden: Das Land, in dem wir leben, wird gerade in einen Konflikt hineingetrieben, der für die eigene Funktionsfähigkeit höchst "ungesund" ist. Eine Drosselung russischer Energielieferungen würde den Energiezufluss in das auf Gas und Öl gebaute Industriesystem behindern. Was mit Systemen passiert, denen die Energiezufuhr gedrosselt wird, weiß jeder Autofahrer: "Fuß vom Gas" macht langsam.

Schrumpfende Energiezuflüsse in ein Industriesystem bedeuten demnach: Weniger Mobilität, weniger sich drehende Maschinen, weniger Wirtschaftsleistung. Umgangssprachlich: Wirtschaftskrise.

Soweit muss es nicht kommen. Aber mit Blick auf die Zukunft muss die Frage gestellt werden: Soll das so bleiben?

Soll es so bleiben, dass ein ganzes Land, ja ein ganzer Kontinent weltpolitisch handlungsunfähig wird, weil er sich abhängig von weit entfernten Energiequellen gemacht hat? Das Problem, das hier beschrieben wird, ist ja nicht nur das Problem des jetzt plötzlich aufscheinenden Konflikts, sondern die sich über die Vergangenheit unsichtbar aufgebaute Energieabhängigkeit.

Nun läßt sich über diese Situation trefflich jammern und Schuldige suchen. "Die Politik" kann man schnell heranziehen, um vom eigenen Zutun abzulenken. Jeder bedenkenlose Verbrennungsmotorfahrer, jeder bewusstlose Globalshopper, jeder Autobahnen- und Flughafenausbaubefürworter und Plastiktütennutzer muss sich aber klarmachen, dass er Teil des großen Ölverteilungssystems ist und jeder seinen Tropfen in das nun zündelnde Fass hineingeworfen hat. Jede Kilowattstunde mag ihren Ursprung sonstwo auf diesem Planeten haben, aber verbraucht wird sie sehr lokal: In der Glühbirne, im Motor, in der Fußbodenheizung und - als "graue Energie" - bei jedem Konsumvorgang.

Schuldige zu suchen bedeutet für den Großteil der deutschsprachigen Menschen auf diesem Planeten, auf sich selbst zu zeigen.

Wie wir da wieder rauskommen? Kurzfristig: Gar nicht. Nur durch kluge, deeskalierende Diplomatie, etwas, was tatsächlich vorrangig auf Ebene der Politik passieren muss. Mittelfristig: Durch das Anerkennen der neuen energiepolitischen Rahmenbedingungen: Dass wir die Vorhalle des Peak Oil erreicht haben, in Europa sowieso. Durch Schrumpfung des Energieverbrauchs, durch Veränderung des Energiemixes und durch Abpufferungsstrategien für plötzliche Krisensituationen. Jede Kommune, die wenig energieabhängig ist, weil sie ihre Energieerzeugung lokal aufgestellt hat, die geringen Energieinput hat und wenige Abhängigkeiten nach außen, die mobil auch ohne Mineralöl ist; jede solche Kommune dürfte angesichts der heutigen Energie-Konflikt-Situation das haben, was Ökonomen alter Schule einen "Wettbewerbsvorteil" nennen. Resilienz, also Widerstandsfähigkeit gegenüber äußeren Krisen, ist ein lokal erreichbares Ziel, man braucht also auch keine Sündenböcke, außer sich selbst und die eigenen Nachbarn. (siehe auch: Interview mit Risikoforscher Ortwin Renn)

Langfristig muss das Anerkennen der neuen energiepolitischen Rahmenbedingungen dazu führen, dass Entscheidungen anders getroffen werden. Es gilt die Energiefrage zu berücksichtigen, die bislang auf kommunaler Ebene nur "freiwillige Aufgabe" ist und auf Bundesebene nur sowas wie ein Spielball zwischen Fossildenkern und Siliziumlobbyisten. Wenn neue Großflughäfen heute schon nachweisen müßten, mit welchem Treibstoff ihre Flieger in 2030 starten werden, wäre so manches Milliardengrab gar nicht erst gegraben worden. EnergyComment hat berechnet, dass die deutschen Energiestrukturen erst 2150 ohne fossile Energieträger auskommen würden, wenn der Umbau der Energieversorgung mit der Durchschnittsgeschwindigkeit seit 1990 fortschreitet. Das ist für eine angeblich so innovative und fortschrittliche Industriekultur ein Armutszeugnis, für die Bewohner dieser Kultur eine gefährliche Langsamkeit.

Das Energieverhältnis Europas und Russlands darf aber keineswegs auf den aktuellen Konflikt verkürzt werden. Denn dies würde dazu führen, so zu tun, als sei nichts geschehen, wenn sich die Lage in der Ukraine wieder beruhigt. Vielmehr gilt es, einen Blick auf die Öl- und Gasförderung in Russland zu werfen um festzustellen: Weit kann das Land von seinem nationalen Peak Oil nicht entfernt sein:

Russlands Öl 2012

Seit 2004, dem Yukos-Chodorkovski-Jahr, flacht die Ölförderung (blaue Kurve) stark ab. Im Ergebnis bleibt das Öl, was Russland zum Export anbieten kann (graue Kurve), relativ konstant. Die Ölpreisentwicklung von damals 40 auf heute 110 US$ hat Russland trotz gleichbleibender Exportmengen hohe Geldzuflüsse ermöglicht. Doch die Kurven lassen erahnen: Ewig hält das Förderplateau, auf dem sich die blaue Kurve in obigem Diagramm befindet, sicherlich nicht an. Und wenn der russische Eigenverbrauch (rote Kurve) wegen steigender (Auto-)Mobilisierung steigen sollte, schrumpft die Exportmenge noch schneller, als die Ölförderung. Zudem müssen sich Europa und Asien den russischen Ölexport künftig teilen: "Mit welcher Geschwindigkeit sich Russland beim Ölexport umorientiert, hat viele Branchenexperten überrascht. Binnen fünf Jahren hat das Land riesige Volumina nach Asien umgelenkt, die ursprünglich für Europa bestimmt waren" staunte letztes Jahr ein Reuters-Journalist.

Es ist absehbar, dass Russland nicht mehr jene Mengen Öl liefern wird, die es heute liefert. Darauf gilt es sich einzustellen. Die Suche der Europäer nach Ölquellen anderswo auf dem Planeten wird zu der Erkenntnis führen, dass Ölfelder mit steigenden Fördermengen nicht mehr so leicht zu finden sind und oft von anderen Ölnutzern beansprucht werden. Im historischen Maßstab können wir leicht feststellen: Wir haben den Peak Oil erreicht, jenen Moment, an dem sich die globale Ölförderung nicht mehr steigern läßt. Der konstruktive Abstieg vom Ölgipfel ist das, worum es jetzt gehen muss. Nicht gegen die Ukraine. Nicht gegen Russland. Sondern als gute Seilschaft: Gemeinsam.

 

PS: Ich habe ein Papier geschrieben, welches Dresdens Energieversorgung vor dem Hintergrund russischer Energielieferungen beschreibt. Interessenten mögen Kontakt aufnehmen.

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34 Kommentare to “Deutschland, Ukraine, Russland und die drohende Energiekrise”

  1. fliegen sagt:

    Fakten auf den Tisch. „Energieerzeugung lokal“ und „mobil auch ohne Mineralöl“ – wie, mit welchen Folgen und in welcher Menge ist das möglich? Von Anfang bis Ende. Alle Bestandteile. Also zum Beispiel Solarzellen und ihre Herstellung, seltene Erden… Wie viel von der Industrie ist dann noch möglich, sind dann überhaupt solche Großstädte wie Dresden funktionsfähig?
    Ich habe bisher das Gefühl, dass alle, die sich mit der Materie beschäftigt haben, entweder vom Wunschdenken geprägt sind und einfach mal glauben, dass „die Forschung wird schon was erfinden, wenn sie sich nur genug anstrengt“, oder keine vernünftige Antwort geben können.
    Wenn man, ohne Wunschdenken, ruhig und sachlich und ohne zu viele Unbekannten ökonomisch und ökologisch die Rechnung macht, und dann die Energiefrage immer noch nicht gelöst ist, dann sollte man ernsthaft darüber nachdenken, gänzlich dem industriellem System den Rücken zu kehren. Herr Patient, sie haben Krebs („Wachstum“), da hilft es nicht, zu beten („Forschen“), nur eine herte Therapie kann da helfen, wenn überhaupt. – da kann man aber auch nicht mehr von „Mobilität“ sprechen, denn das ist ein Begriff aus der Auto- und Flugzeug-Zeit, und auch nicht von „Städten im Wandel“, das sind dann keine Städte mehr.Und solche Worte wie „Resilienz“ empfinde ich als Blasen, da kann man jetzt alles mögliche interpretieren..

    Auf jeden Fall, weniger Energieverbauch ist auf jeden Fall gut! Wie viel weniger? 90%? Wie gesagt, Fakten auf den Tisch. Wenn die Industrie und die heutige Lebensweise noch zu retten sind, dann nur so.
    Aber auch das ist für die meisten schon als Alptraum. Und bei politischen und wirtschaftlichen Entscheidungsträgern erst recht.

    Und dann ist noch das Dilemma, dass bei einer geschrumpften Wirtschaft und Industrie, und bei ihrem Verschwinden erst recht, das Land sich nicht mehr so gut verteidigen kann gegen solche, die noch nicht geschrupft sind, und sich noch ne Weile mit Öl und Gas selbst versorgen können. Und angesichts der mit Leichtigkeit durchgeführten Anneksionen in der Ukraine scheint mir diese Angst berechtigt. Wenn Deutschland nicht mehr ausreichend Militär hat, dann besetzen vielleicht auch als hm, Russlanddeutsche getarnte russische Soldaten Rathäuser in Köln oder München… Ich bin mit allen Händen und Füßen gegen das Militär und Krieg, und das wäre der bitterste Argument gegen das Schrumpfen. Ich hoffe der greift nicht.

    • Norbert Rost sagt:

      @fliegen: Da ich fürchtete, dass die Diskussionen rund um die Energieversorgung aus Russland dazu führen, dass Verteidigungslinien aufgebaut werden, endet der Artikel so, wie er endet.

      Wogegen ich klar Position beziehen will ist, heute eine „Energierechnung“ zu machen, wie die Zukunft sein WIRD. Wem nützt die Zahl von „-90%“, wenn gar keine Aussage darüber getroffen wird, mit welchem Exergie-Wirkungsgrad die verbleibenden 10% genutzt werden? Und allein schon an den Begriffen merke ich, dass das eine reichlich akademische Diskussion würde…

      Vergessen wir nicht: Heute speisen wir in das globale industrielle System soviel Energie wie nie zuvor ein. Und morgen könnten wir das auch noch tun. Selbst in einigen Jahren werden wir Energiemengen einspeisen, die ein Vielfaches der 1930er Jahre sein werden. Das ist verdammt viel Pulver für einen Umbau des Systems.

      Im Grunde sind wir ja schon drin in diesem Umbau, „Energiewende“ nennt sich das in Mitteleuropa und führt – siehe Abbildung 2 – zu 12% Erneuerbaren (auf Ebene Primärenergieverbrauch!) im System. Ich bin überzeugt: Wir können den ganzen fossilen Kram rauswerfen und allein auf Erneuerbaren ein hochgradig exergieunterstütztes Leben führen – aber nicht in den heutigen Strukturen und Lebensweisen. Die Frage, wie eine Lebensweise letztlich aussehen wird, wenn die Gesellschaft nur noch auf Erneuerbaren steht, kann ich nicht beantworten. Aber darüber können wir gern (!) diskutieren, aber bitte nicht auf Prozente-Ebene.

      Die Energiewende wird eine Kulturwende. Punkt. Flüchtlinge und Kosmopoliten haben vielleicht eine Ahnung, was das heißen könnte: Solche, die schonmal von Kultur A zu Kultur B gewechselt sind.

      Resilienz finde ich mit „widerstandsfähig“ ganz gut übersetzt. Ein „Eigenschaftswort“. Guter Gegenpart: „verletzlich“.

      Für mich ist Resilienz in Dresden dann erreicht, wenn das Risiko durch Peak Oil (oder andere Störereignisse im Energiesystem) schwer getroffen zu werden, auf ein angemessenes Maß gesunken ist. Wenn du das messen willst: Ich will nicht frieren, nicht hungern und nicht Angst um meine Nächsten haben, wenn ein paar Pipelines gleichzeitig einfrieren oder ein paar technisch Versierte einen Blackout heraufbeschwören. Wenn die Systeme so gebaut sind, dass ich dennoch gut genährt bin, im Winter nicht die Sterblichkeit ansteigt und kein Alltagsleben auf dem Schwarzmarkt entsteht, ist für mich Leben möglich. Dann wäre die Stadt bezogen auf Peak Oil „widerstandsfähig“.
      Dieses Recht so zu leben gestehe ich jedem Menschen zu, auch die Russen haben es!

      Und ich denke, wir sind fähig dazu, solche Systeme zu bauen – und mit „System“ meine ich keine rein technischen, von Ingenieuren erdachten Maschinen. Sondern das ganze Sammelsurium aus Infrastruktur, Verhaltensweisen und kulturellen Vereinbarungen, Arbeits- Handwerks-, Wirtschafts- und Bautechniken, Wissensweitergabeformen, politischen Strukturen usw. Eben: Eine post-fossile Kultur.

      Wieviel vom heutigen Dresden dann noch im Dresden einer solchen Kultur steckt, wüßte ich auch gern. Sie wäre im Idealfall jedenfalls ein ziemlich resilientes Sub-System im Gesamtsystem des Raumschiffs Erde :-)

      • fliegen sagt:

        Auf jeden Fall bin ich kein Freund von Zahlen und Prozenten! Ich wollte nur was konkretes hören, und das akademisch zu machen war auch nicht meine Absicht, was mich interessiert, sind Dinge (und Sätze), die so nah am Boden sind wie möglich.

        Es ist bloß so, dass ich, verzeih mir die dreiste Bemerkung, jetzt in deiner Antwort keinerlei Inhalt finde. Enerigiewende. Ansonsten interessiert mich primär die Frage nach einer post-fossilen Kultur, wie sie aussehen soll, und was genau wir dafür umbauen soll. Und „erneuerbare Energien“ sagt mir immer noch nichts, denn dass sind Technologien, die in einen globalen Kontext eingebunden sind, und solange keine Solarzelle und kein Windrad mit ebenso erneurbarem Strom von Anfang bis Ende LOKAL produziert werden, existieren sie für mich quasi nicht.

        Ich kann, nein, ich will meine eigenen Fragen schon beantworten. (habe ich versucht, in einem Kommentar paar Einträge weiter unten) Und ich wünsche, dass es jeder tut, der sich mit diesen Fragen auseinandersetzt: wie stelle ich mir eine postfossile Kultur vor? Und ich frage mich eben: ist es realistisch, auch nur etwas von unserer industrieller Lebensweise beizubehalten, oder ist es nicht? Klar, es ist fast schon eine Suggestivfrage, weil ich zu diesen Technologien eine klare ablehnende Meinung habe, aber diese Diskussion lohnt sich auch für andere Meinungen.
        Und eben „was stattdessen“, das finde ich sogar wichtiger. Denn aus „nicht machen“ entsteht nur Passivität und Depression. Und in diese Fragen soll hauptsächlich die Energie reingesteckt werden, und zwar möglichst konkret und ohne Begriffswolken.

        • Norbert Rost sagt:

          @fliegen: Du fragst: „ist es realistisch, auch nur etwas von unserer industrieller Lebensweise beizubehalten, oder ist es nicht?“

          Diese Frage ist mir zu digital: industrielle Lebensweise AN oder AUS. Wo beginnt diese „industrielle Lebensweise“? Mit der Erfindung des Rades? Mit der Entwicklung von Hochöfen (Eisenhochöfen gab es im 15. Jahrhundert schon in der Lausitz)? Mit Fortbewegung per Fahrrad? (Weil vor-industriell könnte ja heißen: Pferd und Fuß.) Mit der Benutzung eines Motors? Mit der Anwendung eines Skalpells?

          Was soll man auf so eine Frage antworten, erst recht wenn du sie verbindest mit „realistisch“? Realistisch im Sinne von: Die Fortführung „industrieller Herangehensweisen“ ist gewollt, aber die Machbarkeit ist fraglich? Oder Realistisch im Sinne von: Ist es realistisch, dass diese Spezies überhaupt „Industriekulturelemente“ behalten WILL?

          Ich meine: Was soll man da antworten? Die Industrialisierung hat sich auf so verschiedenen Ebenen in unsere Kultur geschlichen, dass man sie nicht „vollständig rausrechnen“ kann, ohne in der vorherigen Agrar-/Feudalgesellschaft zu landen. Ist Buchdruck „Industrie“? Sind all die Erkenntnisse der vergangenen 300 Jahre wieder abzugeben, weil sie „Elemente der Industriekultur“ sind? Sind sie abzugeben, weil du eine klare ablehnende Meinung dazu hast oder weil es Argumente dafür gibt, es als erstrebenswert anzusehen, die Sterblichkeit wieder auf das Niveau von 1800 zu erhöhen und das Lebensalter entsprechend abzusenken? Willst du darüber diskutieren, was wir als „Ziel“ anstreben sollten oder willst du darüber diskutieren, was wir erhoffen sollten zu „behalten“?

          Will sagen: Deine Fragestellung ist mir überhaupt nicht präzise genug.

          Erwarte von mir keine fertige Kulturbeschreibung. Bin ich Ethnologe? Ich schrieb, was ich beobachte, nämlich einen Anpassungsprozess namens „Energiewende“. Wenn du diesen Begriff nur mit den Mediendiskussionen um Strompreise verbindest, trifft das das Bild, das ich damit verbinde nicht so ganz. Ich verweise dazu nochmal auf meinen Beitrag für das Telepolis-Buch:
          http://www.heise.de/tp/ebook/ebook_8.html
          Dort habe ich versucht zusammenzufassen, welche Wirkkräfte ich auf die heutige Kultur sehe. Wo das genau hinführt sollten wir beobachten.

        • Stephan sagt:

          Hallo fliegen,
          “ und solange keine Solarzelle und kein Windrad mit ebenso erneurbarem Strom von Anfang bis Ende LOKAL produziert werden, existieren sie für mich quasi nicht.“

          Wie soll das funktionieren? Willst Du die Produzenten von Anlagen für die Erzeugung erneuerbaren Stroms komplett vom öffentlichen Netz nehmen, damit diese völlig autark ihre Anlagen herstellen?

          Das wäre doch ziemlich unsinnig und würde die Produktion extrem verteuern, weil der Strom dann irgendwie saisonal gespeichert werden müsste. Die Technologien dafür gibt es zwar schon zum Teil, aber noch nicht für den Massenmarkt und sie sind deshalb derzeit, außer für Nischenanwendungen, einfach noch nicht bezahlbar bzw. „ökonomisch“.

          Es kommt ja inzwischen ein Strommix bei uns aus der Steckdose, der an manchen Zeitpunkten im Jahr zu geschätzt mindestens der Hälfte aus erneuerbarem Strom besteht, dann wenn der Börsenpreis für Strom am Spotmarkt bei 0 Euro pro Megawattstunde liegt, d.h. wenn im Sommer die Sonne mittags voll scheint oder wenn ein Sturmtief über Deutschland hinwegfegt, oder sogar darunter, d.h. im negativen Bereich. Dann laufen nämlich nur noch die Grundlastkraftwerke (AKWs und Braunkohlekraftwerke, wobei die letzteren dann wohl auch reduziert laufen so wie die Steinkohlekraftwerke).
          Eine solche Forderung

      • Bruno Müller sagt:

        @ fliegen und @ Norbert
        Eure angeregte Diskussion habe ich, verzeiht mir, gegen Schluss fast schmunzelnd durchgelesen. Jeder meinte auf den Punkt gekommen zu sein und der Andere hat den Punkt nicht so richtig erkennen können. So weitläufig ist das zu beackernde Peak-Oil-Feld, dass es mitunter passieren kann, dass der Eine den Anderen beim Ackern schon gar nicht mehr sieht.

        Ich denke, wir können uns den Kopf zermartern, über das, was zukünftig wünschenswert ist und über das, was realistisch erscheint. Wir werden keinen Volltreffer landen.

        Packt man den Hirsch-Report aus, ist davon auszugehen, dass wir auf eine Katastrophe (Nicht handelbare Wendung zum Niedergang) zusteuern, denn wir sind an Peak Oil angelangt und die Welt hat sich nicht darauf vorbereitet. Die wünschenswerte 20-Jahre-Vorbereitungs-Chance haben wir längst verspielt. Wie genau die Wendung abläuft, kann niemand vorhersagen. Und das schmälert die Möglichkeit, sich im Detail darauf vorzubereiten.

        Ich selber habe vor gut einer Woche den Großteil der Menschheit wegen/nach Peak-Oil verhungern sehen (zu dieser Logik stehe ich nach wie vor)und nun nimmt der von der EU eingesetzte ukrainische Premier Jazenjuk die Worte „dritter Weltkrieg“ (sicher nicht versehentlich)in den Mund. Dann würden die Menschen ebenfalls verhungern, nur der Auslöser hierfür wäre ein anderer. In solch einem Fall hätte ich, trotz aller Logik nicht recht gehabt. Dritter Weltkrieg? – Gott bewahre!

        Ich denke, es ist schon richtig, sich Gedanken über ernsthafte, sich abzeichnende Veränderungen zu machen, egal welches Ereignis diese auslösen werden. Eine Veränderung liegt in der Luft. Sie ist nach Faktenlage wahrscheinlicher als Kontinuität.
        Es ist richtig sich Gedanken zu machen, wie wir dann mit einer solchen Sondersituation umgehen, wenn die Dinge um uns herum nicht mehr rund laufen. Grundsätzlich ist es sicher richtig, eine Mindestvorsorge gegen Frieren und Hungern zu treffen. Selbst für diese beiden Punkte gibt es zig Meinungen und Varianten.

        Alles darüber hinaus wird sich zeigen, wo z.B. der Technologie- und Industrialisierungsgrad beginnen oder aufhören wird. Ob es die Handsäge zum Brennholz „machen“ braucht oder sich der Baumstamm mit einem höchst energieeffizienten Laserstrahl aus dem Smartphone zerkleinern lässt, wird sich zeigen. Klug wäre es, sich die Handsäge anzuschaffen. Die kann man so oder so weiter vererben Unklug wäre es, voll auf das Wundersmartphone zu setzen.
        Es lohnt sich aus meiner Sicht selbst im Aufbau von Resilienzen mehrschichtig zu fahren, wobei das „Herdfeuer“ gesichert sein sollte, bevor man sich für mehr elektrifizierte Bus- und Bahnstrecken in der Kommunalpolitik stark macht. Beides KÖNNTE richtig sein.

        Etwas tun macht auf jeden Fall Sinn – es geht auch um eine innere Vorbereitung.

        Sollten wir uns umsonst Gedanken gemacht haben, weil Alles gut wird – Na, umso besser.
        Und sollte Alles gut werden, weil wir uns Gedanken gemacht haben, dürfen wir uns getrost gegenseitig auf die Schultern klopfen.

  2. Tom Schülke sagt:

    „und solange keine Solarzelle und kein Windrad mit ebenso erneurbarem Strom von Anfang bis Ende LOKAL produziert werden, existieren sie für mich quasi nicht.“

    Worauf sonst sollten wir schon hinarbeiten als auf den Idealfall….

    und uns privat zunächst soweit unabhängig zu machen wie es uns richtig erscheint…

    Ideal wäre dann für mich das was Niko Paech formuliert.

    – sagen wir mal teilweise selbstversorgung , 15 Std Arbeit in Regionalen Wirtschaftskreisläufen und 5? Std in Globalen ?

    Zb. als Intelligente Kooperation verschiedener Staaten, um in den wichtigsten Bereichen, der Energiesicherheit diese zum Aufbau der Erneuerbaren notwendigen komplexen Produktionsketten zu realisieren ? Wieso nicht so ? Dann fällt eben aller Luxusblödsinn zuerst weg und ich würde keine Träne nachweinen… Naa gut.. meine Surfbretter sind leider auch aus Kunsstoffen …. seufz…. . Aber intelligente Reduktion dort wo es sinn macht und Globale Kooperationen dort wo es geht und notwendig ist.

    Selbstverständlich bleibt die Frage ob dieses System tragfähig wäre und ob am Ende der EROEI ausreicht das es sich selbst erhält. Doch selbst wenn dieses langfristig nicht der Fall wäre würde es den Abstieg bremsen.

    Die größere Gefahr sehe ich tatsächlich eher in den möglichen Rückckopplungen die das System sehr schnell aus dem metagleichgewicht schubsen könnten. Ich befürchte über die Hürde werden wir früher oder später steigen müssen.

    Nur ändert das nichts darann, das genau das was die TT Bewegung zb. unternimmt das Beste zu sein scheint was wir tun können.

    Jeep… Und meinen Ökobauernhof spaar ich mir doch noch zusammen… :-)

    • Florian Hoppe sagt:

      @Tom : Da muss ich sofort an einen Bericht über den Elektroautoboom in Norwegen aus der BdW vom Vormonat.

      Da musste ich zum meinem erstaunen lesen, daß Bund und Greenpeace GEGNER des Elektromobilitätsausbau sind, und dass nur weil der Strom bisher „nur“ zu 23,4% aus regenerativen Quellen stammt.

      Da musste ich echt den Kopf schütteln.

      • Florian Hoppe sagt:

        Wobei die 23,4% natürlich nur auf Deutschland bezogen sind. (In Norwegen sieht es ja dank Wasserkraft komplett anders aus..)

  3. Bruno Müller sagt:

    […] „Es ist absehbar, dass Russland nicht mehr jene Mengen Öl liefern wird, die es heute liefert.“ […]

    Schaut man sich die gesammelten Daten von Ron Patterson an,

    http://peakoilbarrel.com/eias-international-energy-statistics-updated/

    könnte dies sehr schnell der Fall sein.

  4. Michael Egloff sagt:

    Gerfällt mir, die Diskussion. WEIL sie kontrovers ist. Denn „Wo alle das Gleiche denken, wird nicht viel gedacht!“, wie schon Erich Kästner so treffend formulierte.

    Klar: niemand kann detaillierte Prognosen über die Zukunft machen. Alles sind Annahmen. Dessen bin ich mir auch bei meinen Statements stets bewusst.

    Ein Schlüsselsatz von Florian: „In Norwegen sieht es ja dank Wasserkraft komplett anders aus.“
    Bingo! Wir müssen lernen, nach Ländern und Regionen zu differenzieren.
    Welche Bevölkerungsdichte hat ein Land und welches Bevölkerungswachstum?
    Wie ist die Verfügbarkeit an natürlichen Ressourcen pro Kopf und wie die Erosionsgeschwindigkeit dieser Ressourcen? (Wasser, Boden, topographische/klimatische Verhältnisse, Wald, Fischbestände, Giftemissionen in die lokale Umwelt, usw. – alles pro Kopf oder bei Giftemissionen pro Fläche berechnet).
    Wie ist die regionale geopolitische Situation, die ethnische Zusammensetzung, die Verfassung zivilgesellschaftlicher Strukturen, der private Bewaffnungsgrad, der soziale Differenzierungsgrad usw.?
    Über welche Ressourcen an fossilen Energieträgern verfügt das Land und wie schnell werden diese Ressourcen reduziert? (auch wieder mit pro-Kopf-Berwertung)
    Um nur besonders wichtige Parameter zu nennen.

    Alle diese Punkte nach Ländern/Regionen durchbewertet ergeben ein völlig unterschiedliches Bild für die Entwicklung des jeweiligen Landes im Verlaufe dieses Jahrhunderts.
    Die Zukunft Norwegens, Schwedens, Kanadas, oder Brasiliens sieht dann völlig anders aus, als die von Bangladesch, Indien, Pakistan, Ägypten oder vielen schwarzafrikanischen Ländern.

    Schweden zum Beispiel hätte die Chance, zumindest ohne dramatische Bevölkerungsreduzierung/Hungerkatastrophen und mit halbwegs intakten gesellschftlichen Verhältnissen durch dieses kritische Jahrhundert zu kommen, Bangladesch, Mali oder Ägypten haben diese Chance nahezu nicht.

    Die spannende Frage ist natürlich: können sich die Länder mit den besten Zukunftsaussichten ungestört ihres Glücks erfreuen in einer Welt, in der geopolitische Verwerfungen ständig zunehmen (die existierenden Waffen verschwinden ja nicht nach Peak anything) und Milliarden von Menschen ausreichende physische Lebensgrundlagen abhanden kommen?

    • Michael Egloff sagt:

      Ergänzung: natürlich gibt es auch z.B. zwischen Kanada und Brasilien erhebliche Unterschiede in den Zukunftsaussichten. Trotzdem habe ich Brasilien durch seine exzellente Verfügbarkeit an natürlichen Ressourcen und des mittlerweile deutlich abnehmenden Bevölkerungswachstums mal der Ländergruppe mit den besseren Aussichten zugeordnet, trotz der schlechteren Bedinungen z.B. beim sozialen Differenzierungsgrad und daraus abgeleitet der Sicherheitslage.

      • Florian Hoppe sagt:

        Ergänend zur Diskussion übrigens hier noch mal ein Artikel auf Resilence.org, zum Thema ob man bei einem möglichen Kollaps auf dem Land besser aufgestellt wäre als in einem urbanen Gebiet.

        http://www.resilience.org/stories/2004-12-25/urban-vs-rural-sustainability

        Interessanterweise scheint man in einem urbanen Gebiet bessere Karten zu haben.

        Bestes Zitat:

        „In the Depression, farmers initially had the advantage of being able to feed themselves. But they soon ran out of other supplies: coal to run forges to fix machinery, fertilizer, medicine, clothing, and almost every other non-food item. Without those, they couldn’t grow food. Farmers who could still do business with cities survived. Those too remote or obstinate blew away with the Kansas dust. “

        Zusätzlich wären erfolgreiche Farmer auf dem Land auch stärker gefährdet Opfer von möglichen Plünderungen zu sein.

        • Frank Bell sagt:

          Im Krieg war die Landbevölkerung letztlich auf der besseren Seite.

          Was auch an den irren Flächen-Bombardierungen des verrückten Harris lag.

  5. Michael Egloff sagt:

    Ich denke, das ist eine sehr schwierige Einschätzung, Florian.
    Die Urbanisierung in ihrem heutigen Ausmaß und der heutigen Struktur ist für mich ganz klar ein Ergebnis des Ölzeitalters. Noch vor 100 Jahren war selbst Deutschland noch deutlich agrarischer und ländlicher geprägt.
    Wenn der (Groß-)städtische Wertschöpfungsmotor mal richtig ins Stottern gerät, vermute ich auf jeden Fall eine große Arbeitslosigkeit in den größeren Städten. Auf dem Land hingegen wird wahrscheinlich eher händeringend nach Arbeitskräften gesucht.
    Und was die Sicherheitslage angeht: in der Stadt sehe ich in der sozialen und übrigens auch ethnischen Differenzierung durchaus größeres Konfliktpotenzial, als auf dem Land.
    Um keine Mißverständnisse aufkommen zu lassen: ich bin für eine multikulturelle Gesellschaft. Das alte monoethnische Nationalstaatsdenken ist mir fremd.
    Aber Konfliktpotenzial im Zeitalter heraufziehender Verteilungskämpfe, von denen ich hoffe, dass sie überraschenderweise nicht auftreten, halte ich schon für gegeben.

    Ich denke, der heutige Urbanisierungsgrad wird ohne Öl keinesfalls aufrecht zu erhalten sein. Und die teilweise Deurbanisierung wird aller Wahrscheinlichkeit nicht geordnet und geplant über die Bühne gehen.
    Ich mag mir lieber nicht vorstellen, wie dieser Prozess z.B. im Großraum Tokio, in Mexico-City oder in Kairo ablaufen wird. Städte dieser Größenordnung werden ohne Öl praktisch nicht mehr funktionieren.

    • Ert sagt:

      @Michael

      Ich stimme Deinen Überlegungen durchaus zu.

      Die Frage ist letztendlich – wie schnell alles gehen wird und so eben auch, ob da Zeit für ein „geordnetes“ Runterfahren ist.

      Letztendlich leben wir (viele) heute in einem massiven „Raum-Luxus“. Studentenwohnheime vor 30-40 Jahren sahen viel anders aus, viele Singlewohnungen und auch mit SGB II ist bis 45qm (1 Person) oder 90qm (4 Personen) noch angemessen.

      Durch die billige Energie ist so viel „Normal“ geworden (inkl. Kfz) – viele mit denen ich Rede denken gar nicht mehr drüber nach… insb. das Thema Auto ist da sehr emotional…. nicht so sehr bei den Jungen… aber bei der Generation 40+.

      Die großen Ballungsgebiete mit Ihren Infrastrukturen die ständig gewartet, repariert und erneuert werden müssen werden spannenden Zeiten entgegen gehen. Krisengebiete und Entwicklungsländer zeigen aber das viel, viel geht… die Penthouse-Suite im 30 Stock ist ohne Lift und Wasser- und Klimatechnik aber sicher Illusion.

      Die Frage ist, wie die Thematik der Stromversorgung in Zukunft aussieht… öl sehe ich da eher als nicht so wichtig an.. das verpulvern wir aktuell wie verrückt – und da kommen wir auch mit 50% weniger noch gut über die Runden.

      • Traurig ist wie viel Energie=Geld in eine nicht nachhaltige Infrastruktur ausgegeben wird und wurde. In Wien z.b. diese gigantischen Museen, Theater etc. welche eigentlich auch dazu da sind um aller Welt zu zeigen wie viel Geld die Leihgeber haben. Leihgeber lassen Ihre Kunstwerke dort hängen um deren Wert zu steigern. Also wird momentan enorm viel „graue Energie“ in Luxus investiert. Ähnlich bei den vielen Immobilien welche wie gesagt nicht mehr beheizbar oder kühlbar sein werden. Oder auch beim Wald, welcher momentan so weit weg ist von einer Sekundären Nutzung. Es gibt massenhaft S/W Bilder von Nuss Alleen welche früher in allen Dörfern Usus waren. Traurig ist auch, dass alle Almende Wiesen und Eichenwälder nun privatisiert wurden. Diese Wiesen und Eichelwälder wurden von den Besitzlosen verwendet um ihre Schweine zu mästen. Eine relativ einfache Lösung wäre wieder essbare Landschaften zu schaffen, jedoch total out und schon, wie ich fürchte, zu spät. Hier noch ein Seitenhieb auf den verlogenen Kunstmarkt in meiner Heimat: http://www.meinbezirk.at/pfaffstaetten/leute/blase-am-kunstmarkt-als-symptom-fuer-den-homo-colossus-d928510.html

        • Ert sagt:

          @Peak

          Ja, der Punkt mit den Wiesen und dem Baumbestand ist ganz vordringlich. Aber Bäume Pflanzen ist Arbeit, Kostete Geld, die Bäume müssen teilweise Gepflegt werden und stehen den großen Maschinen im Weg….

          Und wer erntet das? Keiner will das mehr.. versuch mal Leuten eine Eigenernte anzubieten – wo aber auch das Fallobst oder „nicht perfekte“ Früchte mitgenommen werden müssen…

          In handhöhe Pflücken vielleicht.. Fallobst und Leiter – Nein Danke. Einzige Ausnahme sind wirklich alte Leute die das noch so kennen und den Wert von frischen Obst schätzen.

          Ansonsten gebe ich Dir recht… was immer noch an Infrastruktur gebaut wird – die in 20 Jahren keine Perspektive mehr hast….. aber das gleich doch auch im Kleinen… wer denkt bei dem Bau eines Hauses an die Nachnutzung.. also wenn die Kinder weg sind… wenn die „Bauer“ alt Werden… oder das ganze in die nächste Generation rutscht….

          • Frank Bell sagt:

            Obst wächst heute so, dass man keine Leitern braucht.

            Die neuen Züchtungen sind so, dass man mit minimalen Aufwand maximalen Ertrag erhält.

            Und ja, es handelt sich um konventionelle Zucht, nicht um Gentechnik.

          • Frank Bell sagt:

            P.S.

            „den Wert von frischen Obst schätzen“

            Kein Vorwurf, aber habt ihr überhaupt eine Ahnung von Selbstversorgung?

            NOCH ist es viel, viel billiger, Obst und Gemüse beim Lidl oder Aldi zu kaufen, anstatt Saatgut zu kaufen und den Garten zu bewässern und Unkraut zu jäten.

            Rein von den Kosten ist Saatgut und Bewässerung (noch) VIEL teurer als Obst und Gemüse aus dem Geschäft.

            Wir auf dem Land haben deshalb viel grössere Rasenflächen als früher.

            In Notzeiten ändert sich das sicher, aber zur Zeit?

            • Ert sagt:

              @Frank

              Tja.. so ist es eben.

              Und zu Deiner Frage: Selbstversorgung? Das ist eine Illusion heutzutage… aber ich habe einen Gemüse-Garten und eigenes Obst.. und plane noch zusätzlich dieses Jahr eine Streuobstwiese anzulegen.

              Wie Du schon sagst: Monetär lohnt sich das hinten und vorne nicht – mir sind aber die Erfahrungen wichtig die ich heute sammle (+ das gute Essen). Zu lernen was funktioniert und wie das alles zusammenspielt und die Infrastruktur zu schaffen… das geht alles nicht mal eben so….

            • Stephan sagt:

              Hallo Frank,
              „NOCH ist es viel, viel billiger, Obst und Gemüse beim Lidl oder Aldi zu kaufen,“

              die Frage ist aber was für eine Art Obst und Gemüse ist das?

              Karotten (Kilo für 1,20 Euro) schmecken meistens bitter (schlecht behandelt). Gurken (Stück für 40 Ct) riechen schon beim Schälen unangenehm. Obst wie Birnen, Pflaumen etc. sind meistens noch steinhart, wenn man sie kauft und haben dann später kaum Geschmack.

              Jetzt gerade wäre es die richtige Zeit, um z.B. in einem Eimer voll Erde (möglichst mit jeder Menge Humus) eine Kartoffel zu pflanzen und den Eimer in die Wohnung zu stellen. Nach drei Monaten hat man dann etwa einen Kilogramm Kartoffeln zum ernten.

  6. Ert sagt:

    Die Energiewende wird wohl gerade gekillt und die EEG-Umlage für den Selbstverbrauch kommt wohl auch – so Gabriel in der Hessenschau.

    Sigmar Gabriel: „Wir stehen knapp vor dem Scheitern der Energiewende“ (Hessenschau 17.04.2014; 03:40 Minuten): http://www.youtube.com/watch?v=y7Ca72-WxuI

    Ein bisschen mehr Info und ein weiterer Link unter: http://www.dasgelbeforum.net/forum_entry.php?id=313031

  7. Michael Egloff sagt:

    Ein sehr lesenswerter Artikel über die Folgen der Wasserförderung und in einigen Fällen auch der Gas- und Ölförderung auf Küstenstädte:

    http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/erdgas-und-wasserfoerderung-staedte-versinken-langsam-im-boden-a-966540.html

    Das Nildelta z.B. sinkt auch ab wegen des ausbleibenden Nilschlamms. Und das wird einen großen Teil der ohnehin extrem knappen landwirtschaflichen Nutzfläche unbrauchbar machen durch Versalzung. Zuswätzlich wirkt sich ja der Meeresspiegelanstieg negativ aus.
    Währenddessen wird die ägyptische Bevölkerung um weitere 50 Millionen anwachsen.
    Keine Chance für ein happy end…

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