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Öl: Buffett steigt aus, Soros steigt ein. Handelsblatt diskutiert Europas Gas-Knappheit

Anknüpfend an die Erdbeben in der Region Groningen berichtet Benjamin Reuter im Handelsblatt über die Grundsatzfrage der europäischen Gas-Versorgung: Wie soll diese aufrecht erhalten werden, wenn Risiko-Gasförderung wie in Groningen gedrosselt werden muss, während zugleich immer mehr europäische Gasfelder keine nennenswerten Erträge mehr bringen? Eine überzeugend einfache Lösung hat auch dieser Artikel nicht zu bieten, beachtenswert ist aber, dass er nicht an einem Einzelproblem stehenbleibt, sondern den Bogen zur Gesamtversorgung schlägt:

Ging es bisher um die Sicherheit der Gasversorgung in Europa, war meist Russland das Thema. Dabei übersehen viele: Noch abhängiger ist die Europäische Union von der eigenen Erdgasproduktion. Denn fast die Hälfte des Energieträgers, den Verbraucher zwischen Lappland und Sizilien nutzen, kommt aus Norwegen, den Niederlanden und Großbritannien. In Deutschland fließt sogar zu zwei Dritteln europäisches Gas durch die Leitungen.

Aber die Förderraten in West- und Nordeuropa sinken dramatisch: Die Produktion könnte sich im schlimmsten Fall in den nächsten zehn Jahren halbieren. In Deutschland versiegen die aktiven Felder voraussichtlich 2025 komplett.

Währenddessen mehren sich die Berichte, die den Ölpreis über längere Zeit niedrig sehen. Im Interview mit SPIEGEL ONLINE prognostiziert der ehemalige Energiechef im US-Außenministerium Carlos Pascual, dass der Ölpreis bis Mitte 2016 auf dem heutigen Niveau bleiben könnte. Pascual arbeitet inzwischen als Vize-Chef der Energieberatungsfirma IHS. Der Tenor seines Interviews: Europa solle mehr Terminals ausbauen, mit denen Flüssiggas angelandet werden kann. Seine Ansage, dass dann Norwegen mehr Gas liefern könnte, steht im Widerspruch zum Artikel von Benjamin Reuter, der den Osloer Analysten Harris Utne mit der Aussage zur norwegischen Gasförderung zitiert: "Seit 2010 wurde kein größeres Gasfeld mehr entdeckt." Pascual liegt mit seinen Aussagen auf einer Linie mit der US-Außenpolitik, die seit geraumer Zeit in Richtung Europa drängt, man möge mehr auf Flüssiggas setzen.

In diese Kerbe schlägt auch der jüngste BP Energy Outlook 2035. Die WELT sieht eine Umkehr der Gas-Ströme von bislang Ost nach West nach künftig West nach Ost. Pipelines würden weniger wichtig. Betitelt ist der Artikel mit "Ära der Gas-Supertanker stürzt Russland ins Unglück". Ob die riesigen Gasmengen anderswo auf dem Planeten tatsächlich gefördert werden?

Aufmerksamkeit bekam dieser Tage die Meldung von Warren Buffets Investmentfirma Berkshire Hathaway, die bis Dezember alle Anteile an ExxonMobil und ConocoPhillips verkauft hatte. Als Begründung wurde der niedrige Ölpreis nachgereicht. Ganz aus dem Sektor hat sich der Investmentriese aber nicht zurückgezogen, am kanadischen Ölsand-Förderer Suncor Energy hat die Firma ihre Anteile sogar aufgestockt, auch an National Oilwell Varco ist Buffett weiter beteiligt. Insofern stellt der Rückzug keinen grundsätzlichen Rückzug aus der Branche dar. Einen Tag nach der Bekanntgabe von Buffetts Devestment explodierte nahe Los Angeles eine Exxon-Raffinerie, die einen Tagesdurchsatz von 155.000 Barrel pro Tag verarbeiten kann. Die Stahlarbeiter-Gewerkschaft fühlt sich in ihren Befürchtungen hinsicherlich der Sicherheitsstandards in der Branche bestätigt.

Während Buffett bei Exxon und ConocoPhillips aussteigt, steigt George Soros bei Devon Energy und Transocean ein. Das Manager-Magazin findet diese gegensätzliche Positionierung der beiden "Investment-Riesen" bemerkenswert. Allerdings sind die Größenordnungen sehr unterschiedlich: Während Buffett seit September 3,7 Milliarden Dollar abzog, steckte Soros 24,4 Millionen Dollar rein. Da liegt also eine Größenordnung von 100:1 dazwischen.

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25 Kommentare to “Öl: Buffett steigt aus, Soros steigt ein. Handelsblatt diskutiert Europas Gas-Knappheit”

  1. jur sagt:

    Die Frage ist wie Europa seinen Erdgasbedarf in Zukunft decken kann. Werner Zittel spricht diese Problematik auch schon seit Jahren an.
    Was ist in diesem Zusammenhang eigentlich von den angeblichen griechischen Erdgasvorkommen zu halten?

  2. Hansi sagt:

    Zum WELT-Artikel:
    Herrlich, wieder eine Studie die den Mythos von der Ölunabhängigkeit der USA beschwört und die WELT übernimmt das natürlich ohne zu hinterfragen:

    „Im Jahr 2030, so schätzen die BP-Analysten, werden die USA ihren Ölbedarf mit ihrer eigenen Produktion decken können.“

    Selbst die EIA sieht dort den Peak vor 2020 und das weit weg von einer Eigenversorgung. Ich glaube BP steht mit dieser Annahme ziemlich allein da und ich denke die glauben selbst nicht daran. Aber natürlich muss BP die Werbetrommel für Öl und Gas rühren, damit Wirtschaft und Nationen schön dabei bleiben und ja nicht umbauen. ;-)
    Wäre auch zu blöd, wenn BP über baldige Rückgange und mögliche Versorgungsprobleme berichten würde und sich damit selbst ins Knie schießen würde.

    Allein der Satz mit Öl-Eigenversorgung USA 2030 stellt den Wert der ganzen Studie mächtig in Frage.

    • Hansi sagt:

      Außerdem köstlich:
      -„Das große Wachstum der amerikanischen Schieferöl-Produktion hat einen dramatischen Effekt gehabt“, schreibt BP-Chef Dudley im Vorwort des Reports. „Das Öl fließt zunehmend von Westen nach Osten statt von Osten nach Westen. Es ist wahrscheinlich, dass dies so weitergeht, denn China und Indien treiben die Nachfrage nach Energie.“-

      Das Öl fließt also (bereits jetzt?) von Westen nach Osten und in Zukunft noch mehr. Wo genau fließt es denn von Westen nach Osten? Hier wird nicht nur impliziert, dass Nordamerika den gesamten Eigenbedarf an Öl decken kann, sondern dass es auch noch Öl „nach Osten“ fließen lassen kann.
      Wenn man es genau nimmt, steht hier sogar, dass Nordamerika demnächst die steigende Ölnachfrage in China und Indien durch Exporte decken wird. Einfach lachhaft.

      Ich stelle mir gerade vor, wie Menschen im Jahr 2050 diese Studie lesen und lauthals lachen müssen. Ungefähr so wie ich, als ich vor einigen Jahren in einem (ernst gemeinten) Buch aus den 1960ern laß, dass es im Jahr 2000 keinen Straßenverkehr mehr geben wird, weil wir alle mit fliegenden Autos durch die Luft reisen werden (auch für die kleinsten täglichen Erledigungen). :-) Das hat ungefähr das gleiche Level an Absurdität wie der von BP unterstellte Ölexport in großem Stil aus Nordamerika nach China und Indien.

  3. Markolf Weisshuhn sagt:

    (Zitat]
    Was ist in diesem Zusammenhang eigentlich von den angeblichen griechischen Erdgasvorkommen zu halten?
    [/Zitat]
    Dazu sehr erhellend und empfehlenswert ist die Lektüre von Müller, Dirk: „Showdown“
    http://www.droemer-knaur.de/buch/7786781/showdown

    Müller zeigt sehr überzeugend, daß diese Vorkommen real, und Gegenstand eines massiven Wirtschaftskrieges der USA gegen Europa sind. Das Sach-Buch ist ein buchstäblicher Wirtschaftskrimi!

    • Tom schülke sagt:

      Nun ja. Die kohlenwasserstoff cirrate dee green river formarion der usa sind auch real. Und weit grösser als die saudiarabiens…

      Nur leider noch kein öl und nicht förderbar und einem unterirdischen eroei.

      Urgendwie bezweifel ich so ein bischen dirk müllers fundiertes hintergrundwissen zum öl.

      • Jur sagt:

        Unter anderem FAZ und Handelsblatt haben ja auch schon mehrmals über diese Vorkommen berichtet. Mich interessiert einfach, wie man diese Rohstoffvorkommen bei Griechenland einschätzen soll.

        Auch wenn es mittel- bis langfristig nichts am Thema Peak-Rohstoff ändern würde, hätten diese Öl- und Gasvorkommen doch erhebliche Konsequenzen für die Gasversorgung Europas. Außerdem wäre es eine weitere Erklärung für die „Unruhe“ die es schon seit Jahren im Mittelmeergebiet gibt. Eine Einschätzung der Energy Watch Group würde mich interessieren.

  4. Frank Bell sagt:

    TTIP-Horror: Aktuelle Gesetzesvorlagen für Fracking

    Alle Proteste gegen Fracking werden wohl vergebens sein. Die Regierung arbeitet bereits an diversen Ausnahmetatbeständen. Da kommt das geplante Freihandelsabkommen gerade recht. Deutschland dürfte in Zukunft mittels TTIP zum Frackingparadies werden.

    Von Claudio Kummerfeld

    Genau die Art von Gesetz, nach dem ein auf “Investorenschutz” (zukünftig TTIP ICSID ?) spezialisierter Anwalt Ausschau halten würde, scheint ab sofort den Fracking Gesetzgebungsprozess zu durchlaufen. Ab 2018 geht´s los mit der “Expertenkommission” (welche Experten werden da reingewählt, und durch wen?). Bis dahin sollte TTIP auch verabschiedet und in Kraft sein.

    Wir zitieren aus aktuellen Inhalten des Bundeswirtschaftsministeriums:

    “Ab 2018 soll eine unabhängige Expertenkommission bestehend aus sechs Sachverständigen anerkannter Forschungseinrichtungen und Behörden überprüfen, ob kommerzielle Bohrungen genehmigt werden können. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass die Expertenkommission mehrheitlich die grundsätzliche Unbedenklichkeit hinsichtlich der Umweltauswirkungen bestätigt. Ob eine solche Genehmigung letztlich erteilt wird, liegt aber nach wie vor in der Verantwortung der zuständigen Bergbau- und Wasserbehörden der Länder.”

    Beschließt also ein Bundesland über die Bergbau- oder Wasserbehörde das Fracking abzulehnen, ist der perfekte Klagegrund für sämtliche ausländischen Öl-Unternehmen gegeben, sobald TTIP in Kraft ist. Man muss nicht einmal vorhaben gewinnbringend bohren zu wollen. Es scheint so zu sein, dass man lediglich vorher Bohranträge stellt, die dann abgelehnt werden – und wunderbar…. der erfolgreichen Klage vor einem internationalen Privatgericht steht nichts mehr im Weg.

    Ebenfalls ist dort dieses hoch interessante Zitat zu finden:

    “Das Fracking wird in sensiblen Gebieten wie Wasserschutz- und Heilquellenschutzgebieten sowie an Seen und Talsperren zur Trinkwassergewinnung verboten. Den Ländern wird die Möglichkeit eingeräumt, darüber hinaus auch in der Umgebung von sensiblen Wasserentnahmestellen Verbote zu erlassen. In Nationalparks und Naturschutzgebieten wird die Errichtung von Anlagen zum Einsatz der Fracking-Technologie untersagt. Die federführenden Bergbehörden müssen bei allen Zulassungen zum Fracking das Einvernehmen der Wasserbehörden herstellen. An die Entsorgung von Rückflüssen und Lagerstättenwasser werden höchste Anforderungen nach dem Stand der Technik gestellt.”

    Daraus leitet sich aber eine interessante Frage ab: Wenn Fracking für Wasserschutzgebiete verboten wird und folglich für das Trinkwasser eine Gefahr darstellt, warum darf es dann z.B. unter landwirtschaftlich genutzten Böden betrieben werden? Denn Gifte aus der Frackingflüssigkeit würde der Verbraucher dann ja über die Nahrung aufnehmen. Dem mit klaren Menschenverstand denkenden Bürger erschließt sich diese Logik nicht. Warum wird eine trinkwassergefährdende Maßnahme überhaupt erlaubt? Es wäre doch viel ehrlicher gewesen klar und transparent zu sagen “wir haben der Wirtschaft hier den Vorrang vor der Umwelt gegeben”. Genau aus diesem Grund, nämlich der Ablehnung von Fracking aufgrund von Umweltschutzfragen, haben US-Firmen in Kanada Kommunen außergerichtlich verklagt. Warum sollte es bei TTIP anders laufen?

    (…)

    http://www.mmnews.de/index.php/wirtschaft/36982-ttip-horror

    Mein Fazit:

    Es ist alles vergebens. Man sollte noch ein paar Jahre das Leben in vollen Zügen geniessen, dann ist Schluss. Denn die Hoffnung, dass die Verbrecher da oben bald zur Rechenschaft gezogen werden, habe ich lange aufgegeben.

    • Tom Schülke sagt:

      Heute gleube ich nicht darann, das unsere Bemühungen vergeblich sind.

      wie war noch Luthers Zitat? „und wüsste ich das morgen die Welt untergeht, so würde ich noch heute ein Apfelbäumchen pflanzen“.

      Nun, Ich habe das Gefühl, heute einen Wald gepflanzt zu haben. Seit 2 Wochen überschlagen sich für mich die Ereignisse. Das Architekturbüro in dem ich arbeite (500 Mitarbeiter), beginnt aufzuwachen.

      Seit 2 Jahren bin ich hinterher, einen Vortrag zu unseren Themen zu halten. Der Oberste Chef hat mich nun nach Berlin beordert, dort einen Vortrag zu halten, und mit dem Chef in Hamburg, hatte ich heute ein 1 Stündiges Gespräch. Er hat von meinem „Buch“ das ich zum Thema Stadt und Risiken schreibe, wind bebkommen und wir haben die Stunde überlegt, wie man das in die Firmenstrategie einbauen kann. Es wird thematisiert werden. Und Er hat verstanden, das wir handeln müssen.

      Manchmal.. sind die Türen nur angelehnt gegen die man anrennt.

      Also.. Heute ist ein richtig guter Tag… .

      Mein Fazit.. einfach nicht aufgeben..

      • Marcus Kracht sagt:

        Glückwunsch, Tom! Ich hoffe, dass dadurch etwas ins Rollen kommt. Ich schwanke ja auch immer zwischen Hoffnung und Resignation, aber ich denke, dass die geduldige Arbeit sich letztendlich auszahlen wird. Auf der Entscheidungsebene würden sicher auch viele anders handeln, wenn sie nur könnten, und da kommt der Druck von unten gerade recht.

        • Tom schülke sagt:

          Hallo Marcus
          Ich hab den eindruck es ist oft das Gefühl der Entscheider sie können allein ja nichts erreichen. In meinem Fall hatte sicher die positive Reaktion des obersten Chefs einen guten Einfluss auf den Chef in Hamburg. Nun werde ich darauf aufbauen. Zunächst die zwei Vorträge in Berlin und Hamburg. Dann der Aufbau eines Kernteams um nachhaltigkeit und resilienz. Dann die Entwicklung einer Architektonischer richtlinien. Einbau in die Marketingabteilung. Und übersetzung in die öffentlichkeitsarbeit und zuletzt richtige Projekte. Die Herausforderung wird sein das das ganze nicht beim marketinggag endet. Hübsches greenwashing. Solch ein riesenladen kann rufen und der Stadtbaudirektor kommt zum vortrag. So ein büro kann einfach als diskussionsvorschlag ein alternatives entwicklungskonzept für eine grossstadt vorschlagen oder die renaturierung schrumpfender städte in bilder giessen. Was für eine Chance.

          • Michael Egloff sagt:

            Auch von mir Anerkennung für Deinen Einsatz, Tom.
            Eine weitere kleine Insel der Weitsichtigkeit im Ozean der Kurzsichtigkeit.

            Zur Zeit schreitet ja leider der Trend zu immer höherer Urbanisierungsrate weiter voran.
            „Zurück auf´s Land“ war gestern. Heute strömen gerade junge Leute verstärkt in die Großstädte.
            Die dort zu erzielenden wesentlich höheren Mietpreise sorgen zudem für eine Konzentration des Baugeschehens vor allem in den Großstädten (von Bereichen wie Teilen des Ruhrgebiets mal abgesehen). Es ist also zu vermuten, dass der Urbanisierungstrend selbst im bereits hochurbanisierten Deutschland weitergeht in den nächsten Jahren.
            Und weltweit gilt dies ohnehin: jährlich kommen ca. 70 Millionen Stadtbewohner zusätzlich hinzu, vor allem in großen Ballungszentren.
            Also das Gegenteil dessen vollzieht sich derzeit, wie es mit Blick auf die nächsten 3…4 Jahrzehnte nötig wäre.
            Bäuerliches Wissen geht bei einem immer größeren Teil der Weltbevölkerung verloren, ebenso wie der Anteil der Menschen, die eigenes Ackerland besitzen.

            • Stefan Wietzke sagt:

              Na ja, wie schon öfter angemerkt, bin ich ja kein Freund der „zurück aufs Land“ Idee. Ich halte das für eine romantische Träumerei.

              Alle Kulturen, die mehr liefern als das eher schlechte (und kurze) Überleben waren und sind Stadtkulturen. Das galt selbst für die Gesellschaften Mittel- und Südamerikas, die auf Grund fehlender Erze nicht ins Metallzeitalter wechseln konnten.

              Das Charakteristikum einer zusammenbrechenden Kultur mit gleichzeitigem brutalen Bevölkerungsrückgang ist genau das Verschwinden der Städte. Es gibt keine Rückkehr aufs Land (außer den totalen Zusammenbruch). Und sollte sie erwungen werden dann hocken wir ganz schnell wieder mit den Rindern und Schweinen in einem Raum und die Lebenserwartung liegt wieder bei 40 Jahren. Das gilt überigens auch heute noch für die Bauernkulturen die relativ ungestört ihr altes Lebensmodell fahren.

              Allerdings sind die heutigen Städte für eine nachhaltige Zukunft nicht richtig strukturiert. Diese müssen daher umgebaut werden. Aber auch das machen wir ja seit mindestens 6000 Jahren.

              • Tom Schülke sagt:

                Hallo Stefan,

                ich glaub ich bin da recht nah bei Dir.

                für Sinnvoll halte ich eine weiter Verdichtung der Stadt, aber eben nicht als megacitys, sondern als Einzelne Quartiere innerhalb der Mobilitätsgrenzen der Zukunft. Das Ziel muß sein, das die Stadt der optimal geringen Wege entsteht, und das innerhalb der dann verfügbaren quartiere, der liebe Architekt der Zunkunft darf sich wieder mit Begeisterung der lebenswerten minimalisierten minimalwohnung widmen. Wie klein kann ich eine Wohnung bauen, so das man sie trotzdem ertragen kann, und im Gegenzug darf er dann mit Inbrunst den Städtischen öffentlichen Raum aufwerten, damit die Bewohner nicht den Wohnungskollaps bekommen. Und dafür darf er dann die Stadt komplett mit Elektrischen massenverkehrsmitteln mobilisieren und im Gegenzug hat man riesige dann überflüssige Asphaltflächen, die genau dieser Aufgabe dienen könnten.

                Stellt euch die Großstadt eurer Wahl mit Vogelgezwitscher und Essbaren Strassen, Nahrungsproduzierenden öffentlichen Parks und komunitygardens vor. und dazwischen Radwege und ansonsten Elektische Strassenbahnen.. Dann haben wir aucch noch die Minen der nächsten Generation, die konsumtempel der Innenstadt… jetzt leerstehend.. und wo sie abgeräumt werden, erhält die Stadt ein grünes Zentrum.. ahhh… das klingt gar nich mal so schlecht oder ?

              • Tom Schülke sagt:

                Ach eines trotzdem..

                Wir werden die heutigen Versorgenden Landstriche benötigen. Ansonsten geht das Licht aus. Daher kann die Stadt der Zukunft ausschließlich im Zusammenhang mit dem Umland gedacht werden Und das bedeutet, das trotz einer wie vorher beschriebnen verdichtung der Quartiere und der neuen nutzbarmachung der freien Stadtflächen für urban gardening, eine umfangreiche Initiative eingeleitet werden muß mit dem Ziel, Ökologische Kleinbauern im Einzugsgebiet der Stadt zu etablieren. Ohne wirds verdammt unangenehm. denn die Industrialisierte Landwirtschaft wird nicht überleben.

      • Bruno Müller sagt:

        Klasse Tom, ich drück Dir weiterhin die Daumen!

    • Bruno Müller sagt:

      Hallo Frank,

      immer schön entspannt bleiben.
      Der Ölkonzern Chevron macht die Fliege und gibt die Bohrerei nach Shalegas in Rumänien auf, nachdem er sich vor ein paar Wochen aus Polen verabschiedet hat.

      Zusammengefasst wird das aus dem Blickwinkel eines amerikanischen Beobachters und sicher auch inoffiziell von Chevron so gesehen: Es liegt nicht am Untergrund (vielleicht doch?), sondern an der Oberfläche. Es macht einfach keinen Spaß in Europa zu bohren, weil es Proteste gibt, weil die Geschäfte nicht mit den privaten Grundstücksbesitzern gemacht werden können und Alles viel zu dicht besiedelt ist. Auf die Ukraine haben sie seit einem Jahr keine Lust mehr.

      Ein Originalartikel kann hier eingesehen werden: http://neworleanscitybusiness.com/blog/2015/02/23/chevron-pulls-out-of-shale-gas-exploration-in-romania/
      Dieser Artikel kommentiert von Robert Hutchinson http://www.haynesvilleplay.com/2015/02/chevron-pulling-back-on-european-shale.html#more

  5. Ert sagt:

    Tip: Sustainable Living Festival „Great debate“ – „To Collapse Or Not To Collapse
    Pushing for economic ruin or building a great transition“
    mit Speakern: Foss, Holmgren, Monbiot, Sutton, Marshal und Moore: https://vimeo.com/119722889

    Der Knaller ist Nicole Foss ab Minute 33 – Sie zieht den Vergleich das Fracking etwa so währe als wenn man das verschüttete Bier mit einem Strohhalm aus dem Teppich saugt – und sich dabei einreden würde das es genau so gut ist und schmeckt wie das frische Bier von der Theke (also konventionelles Öl).

    Interessant ist auch was Sie zu der Komplexität sagt: „Our society will be forced to simplify. The paradox with low-energy-profit-ratio energy sources is they cannot sustain the level of complexity necessary to produce them. [..] If your solution rests on complexity, it’s not going to work. We’re going to contract and simplify, like it or not.“

    Alleine die 10 Minuten von Foss lohnen schon – Sie hat es wirklich raus einer der Kernproblematiken auf den Punkt zu bringen.

    Schönen Abend!

    • Stefan Wietzke sagt:

      Ich bin mir gar nicht mehr sicher, ob das Komplexitätsargument stimmt. Nur weil ein System größer wird, wird es nicht unbedingt komplexer. Die Fähigkeit der Menschen mit Komplexität umugehen ist in den letten 200.000 Jahren kaum gestiegen. Und es ist eher beschränkt.

      Wie konnten wir dann „komplexe“ Gesellschaften aufbauen? Weil es zwei mächtige Werkeuge der Komplexitätsreduktion. gibt Und das sind Abstraktion und Normierung. Normierung beseitigt Varianten aus dem System. Jedes größere Reich konnte nur dadurch bestehen, dass es viele „Varianten“ in seiner gesellschaftlichen Struktur und seinen Technologien beseitigt. Das aktuelle Verschwinden tausender von Sprachen (und das nicht durch Gewalt oder Unterdrückung!), religiöser Vorstellungswelten, Denkmodellen, Technologien usw. führen zu einer immensen Vereinfachung von Systemen.

      Normierung ist auch das effizienteste Verfahren um die Produktivität zu erhöhen (ermöglicht das Heben von Größeneeffekten).
      Inzwischen läuft dieser „Normierungsprozess“ global ab und das mit hoher Geschwindigkeit. Es ist kein Zufall, das sich die Allermeisten schnell in neuen Städten am anderen Ende der Welt zurecht finden. Es ist nicht erstaunlich wie sehr sich Mentalitäten in der Welt heute unterscheiden, sondern eher wie wenig.

      • Tom Schülke sagt:

        Das trifft sicher auf den einzelnen Menschen zu. Aber was Nicole Foss meint ist ja die Komplexität im System. die Systemelemente darinn reagieren ja ohnenin nur auf die wenigen Elemente mit denen Sie kontakt haben.

        Wenn Sie mit Ihrem Argument rech hat , das unsere alternativen Energiestrukturen nicht genügend output produzieren um Ihre eigene komplexität weiterzuführen, hat sie sicher recht mit Ihrer Strategie sich auf die Lowend lösungen zu konzentrieren.

        Eine reihe der Redner konnte ich mir nur mit Mühe anhören. Zu sagen es ist unvermeidlich, nichts kann da helfen ist keine strategische Option. Das blend ich lieber aus, auch wenn ich die Argumente als möglichkeit akzeptiere. Der Punkt ist doch, wir können es noch nicht sicher wissen. Also sollten wir uns bemühen, das mögliche auf den Weg zu bringen. Diese totalen dystopien, können wir von anfang an ausklammern.

        • Stefan Wietzke sagt:

          Da bin ich ganz bei dir. Verstehe auch nie warum die Untergangspropheten immer so einen Aufwand betreiben. Wenn ich davon ausgehe, das sowieso alles den Bach runter geht, dann mach ich entweder Party oder Bunker ausreichend Waffen ein. Den Rest kann ich mir dann schenken ;-)

          • Michael Egloff sagt:

            Nicht unbedingt Stefan.
            ich kann nur für mich sprechen. Aber wenn ich von gewaltigen zukünftigen Herausforderungen ausgehe – und das tue ich – dann ist das für mich eher Anlaß für rationale Analyse und rationales Handeln.
            Waffen bunkern oder Party machen würde ich hingegen als eher irrational bezeichnen.
            Wobei zugegebenermaßen viele Menschen in schwierigen und turbulenten Zeiten zu Irrationalität neigen.
            Allerdings sind die heutigen Zeiten ja noch nicht wirklich schwierig und turbulent, wenn man nicht zu den ca. 30% der Bevölkerung in den OECD-Ländern gehört, die schon heute wirtschaftlich absteigen oder in den tendenziell zahlreicher werdenden Ländern lebt, die in Chaos, Gewalt und extremer Korruption versinken, von Guatemala und Pakistan, über Libyen und der Republik Kongo bis hin zu dem Irak, Syrien oder der Ukraine. Um mal Beispielländer aus verschiedenen Regionen der Welt zu benennen.

          • Ert sagt:

            @Stefan

            Ich denke das Frau Foss einen konstruktiven Mittelweg einschlägt.

            Nach dem ich mich mit der ganzen Thematik befasst hatte war bei mir auch erst einmal „Untergangsstimmung“ angesagt. Aus der Erkenntnis das damit nichts gewonnen ist, sich nichts ändert und meine Lebensqualität für die Zeit wo alles noch läuft sich nicht gerade steigert – habe ich das dann verworfen. Ich habe aber aus dieser Phase einiges über mich gelernt und mir auch Gedanken gemacht wie ich in schlechteren Zeiten über die Runden komme.

            Der „Party like it’s 1999“-Fraktion gehören wir im Westen faktisch alle an – also verglichen mit Weltdurchschnitt und dem was „Sustainable“ wäre… Irgendwie macht aber auch diese Option, wird Sie noch exesiver ausgelebt, zumindest mich nicht glücklich.

            Fredmund Malik hat es mal gut formuliert: „Die Risiko-Frage ist nicht ob es kommt, sondern in welcher Situation man ist, falls es tatsächlich eintritt“.

            Ich denke genau das ist es was Frau Foss thematisiert – also das genug Menschen wach werden und sich nicht in (finanzielle) Abenteuer und langfristige Investitionen und Lebensabenteuer stürzen die schon aus heutiger Sicht kritisch sind, Ressourcen verbraten – und zukünftig wenig bzw. kaum eine Perspektive haben (unter den groben Rahmenbedingungen die die meisten von uns hier annehmen).

            Für mich geht es aktuell um einen pragmatischen Mittelweg – bei dem ich das Wachstumssystem nicht noch zusätzlich befeuere. Und da stehe ich (wie sicher auch viele andere) angesichts meiner aktuellen Beschäftigung in einem Konflikt.

            • Michael Egloff sagt:

              Exakt Ert,
              das, was sinnvoller weise zu tun ist ist genau das, was in allen Fällen sinnvoll ist. Also selbst dann, wenn Szenarien wirtschaftlicher und womöglich zivilisatorischer Zäsuren nicht eintreten sollten.
              Was ist falsch daran, egal wie es kommt, sich in Bescheidenheit und Empathie zu üben, also pfleglich mit Ressourcen und anderen Menschen umzugehen?
              Was ist falsch daran, seine Gesundheit (physische und mentale Leistungsfähigkeit) zu stärken?
              Und eine kritische Selbstreflektion kann auch nie schaden.

              Und genau ist das Richtige, egal, welches Szenario auch eintritt.
              Man kann also garnicht falsch liegen, wenn man sich sinnvoll auch auf negative Szenarien vorbereitet, selbst wenn diese, wie zu hoffen, ausbleiben.

              Auf umfassender Analyse basierende Antizipation von möglichen (!) negativen Szenarien der zivilisatorischen Menschheitsentwicklung muss also nicht das Geringste mit Misanthropie zu tun haben.
              Richtig gedacht eher mit dem Gegenteil: nämlich positive Seiten der Aufklärung und zivilisatorische Standards auch in sehr schwierigen Zeiten zu bewahren.

              Und das „Paradies“, was manche bewahren und vervollkommnen wollen, hat es ohnehin nie gegeben. Verdun, Auschwitz, die kambodschanischen Killing Fields oder das Abschlachten von Menschen im Irak und in Syrien sit ja wohl kaum als bewahrenswerter Zustand der menschlichen Zivilisation zu betrachten.
              Wir satuierte Mitteleuropäer schauen selbstverliebt auf unsere Lebensbedingungen und definieren den heutigen Zustand der menschlichen Zivilisation als etwas, das für die Zukunft zu retten wäre.

  6. What is Saudi Arabia not telling us about its oil future?

    If the Saudis are acting now to cripple U.S. and Canadian production for the reasons my friend suggests, it means world oil supplies are going to be much more problematic after 2020 than many people suppose. It implies that at some point in the next 10 years OPEC will cease to be able (rather than cease to be willing) to balance world oil supplies. And, it suggests that no one else will be ready to act in that role when the time comes.

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