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Die Sicherheit des Stromnetzes: Gedanken eines Peak Oilers

Der Workshop und seine Ergebnisse

Am 24. April fand im Düsseldorfer Landtag ein Workshop zum Thema "Damit das Licht nicht ausgeht: Energiesicherheit, Digitalisierung und die Folgen eines Blackouts" statt. Als Zugabe war Marc Elsberg, der Autor von "Blackout", eingeladen. Die insgesamt sechs Stunden teilten sich auf in einen Einführungsvortrag von Prof. Dr. Schwenzfeier-Hellkamp: "Die Evolution des Stroms: Wie Digitalisierung und erneuerbare Energien die Stromproduktion auf den Kopf stellen". Danach gab es drei Themenblöcke, einen zur Sicherheit der Stromversorgung, mit einem Vortrag von Prof. Strüker: "Von intelligenten Netzen bis erneuerbare Energien: Wie gestalten wir das Stromsystem der Zukunft versorgungssicher?", einen zweiten von Klaus Müller mit dem Thema "Intelligente Netze: Anfällig und gläsern? Herausforderung für Datenschutz und Datensicherheit" und einen dritten mit Benno Fritzen zu dem Thema "Katastrophenfall Blackout: Herausforderungen für Politik sowie Feuerwehr, THW und Hilfsorganisationen". Nach den Parallelworkshops gab es eine gemeinsame Abschlussrunde, bei der dann auch Marc Elsberg über die Entstehung seines Buches redete und ein wenig daraus vorlas, bis dann in einer Podiumsdiskussion alle Vortragenden noch einmal miteinander über ihre Erfahrungen erzählen durften.

Die Organisatoren von der Grünen Fraktion des NRW Landtags hatten nach eigenem Bekunden vor allem das Ziel, sich zu vergewissern, wie sicher das Stromnetz ist angesichts der zunehmenden Rolle der erneuerbaren Energien. Das Hauptaugenmerk lag dabei auf dem Problem, dass Wind- und Sonnenenergie nicht immer zur Verfügung stehen und das Netz somit flexibler gestaltet werden muss. Aus dieser Sicht sandte der Workshop eine klare Botschaft: die Flexibilisierung des Netzes ist kein Problem, die ist zu bewerkstelligen. Die Datensicherheit ist ebenfalls gesichert, nur beim Datenschutz wird man nachbessern müssen.

Der für mich ergiebigste Teil war die Zusammenfassung des THW und der Feuerwehr. Das Fazit ist, dass der Katastrophenschutz ziemlich vernachlässigt worden ist, wobei THW und Feuerwehr das Thema jetzt energischer angehen und sich besser vorbereitet fühlen, wohingegen die Einbeziehung des Bevölkerung noch ein Schwachpunkt ist, den es in Zukunft anzupacken gilt. Denn natürlich ist es auf der einen Seite nötig, den Ernstfall eines Blackouts zu üben und auch Vorsichtsmaßnahmen zu treffen, etwa ständig Vorräte für zwei Wochen zu haben. Auf der anderen Seite möchte man aber keine Panik verursachen in einer Bevölkerung, die einen solchen Ernstfall nur aus Erzählungen kennt und deswegen nervös reagieren könnte. Wie es scheint, sind derartige Sorgen wohl unbegründet, die Menschen verstehen durchaus den Sinn dieser Maßnahmen. Und es gibt zahlreiche Maßnahmen, die nur die Menschen selber wirkungsvoll durchführen können, weil die Hilfswerke im Ernstfall überfordert wären. Man müsste sie also nur dazu befähigen bzw. ermuntern.

Mein eigenes Fazit

Bevor ich mich anmeldete, hatte ich etwas andere Vorstellungen von dem Problem der Sicherheit des Stromnetzes. Für mich stellt sich dies nicht nur als Verteilungsproblem dar sondern auch als Mengenproblem. Die ganze Diskussion um Effizienz könnte man sich ja teilweise schenken, wenn immer genug Strom da wäre. Dass dem nicht so ist, sei es wegen der erneuerbaren Energien, sei es wegen des Atomausstiegs, das ist das eigentliche Problem. Die Verteilungsprobleme sind also auch Mangelprobleme. Diese wurden aber nicht oder jedenfalls nicht unter diesem Blickwinkel diskutiert. Es ist in diesem Land nach wie vor nicht schick, über Mangel zu reden. Ich hatte mich für den ersten Themenblock entschieden, den mit Prof. Strüker, weil ich annahm, er würde etwas über die Dimensionen des verteilbaren Stroms sagen können. Der stellte sich aber als Wirtschaftsinformatiker heraus und diskutierte die Energiewende letztendlich als Problem der korrekten Bepreisung von Strom. Meine Frage nach dem Wieviel blieb unbeantwortet.

Nur bei der anschließenden Pause sagte mir so mancher, dass dies wohl die eigentliche Frage gewesen sei. Ich nehme an, die gehörten eher zum THW oder zur Feuerwehr, denn das restliche Publikum schien eher aus dem Wirtschaftssektor zu kommen und wollte gewisse Probleme nicht sehen. Einer sagte mir, es gebe genug eneuerbaren Strom. Ich glaube aber nicht daran, und ich bin nicht alleine.

Das hat mich nachdenklich gemacht. Wie es scheint, mag man bei vielen Grünen nicht so gerne darüber nachdenken, dass der Wandel (die "Wende") nicht einfach nur bedeuten kann, dass man auf Erneuerbare umsteigt, sondern dass es da auch um eine massive Einschränkung geht. Es herrscht bei einigen eine Technikgläubigkeit, die mir sehr altbacken vorkommt.

Doch zurück zu dem Workhop. Da der erneuerbare Strom nicht so zuverlässig fließt, muss man an der Verbrauchsseite etwas ändern. Was kann die Lösung sein? Das Wort Einschränkung fiel wie gesagt nicht. So etwas kommt irgendwie bei Wirtschaftlern nicht vor. Die haben eine ganz andere Denke: für sie ist alles nur eine Frage des richtigen Preises. Wo früher ein Kraftwerksbetreiber mit nichts als der Lastkurve ausgekommen ist, sieht der moderne Ökonom, dass das Verteilungsproblem nicht etwa durch die Physik gelöst werden müsste sondern durch den Markt. Die Nachfrager würden schon aufhören nachzufragen, wenn der Strom nur teuer genug wird. Umgekehrt werden sie ihn massenhaft verbrauchen, sofern er nur billig genug ist.

Und das, so wurde mir irgendwann klar, erklärt dann auch die Notwendigkeit des Smart Grids beziehungsweise der zahllosen intelligenten Geräte, die ständig irgendwelche Daten zum Netzbetreiber senden oder von diesem empfangen. Sie werden nicht primär dafür gebraucht, um Stromangebot und -nachfrage zur Deckung zu bringen (das würde ja Zwangsabschaltungen beinhalten), sondern, um den Marktpreis zu finden, der Angebot und Nachfrage von selbst dahin bringt, im Gleichgewicht zu sein.

Das hat in mir einen Sturm von Fragen ausgelöst, die ich nicht im Einzelnen auflisten will. Ich möchte nur soviel zu bedenken geben: die Idee, die physikalischen Mechanismen stets durch Preismechanismen zu ersetzen, ist Teil einer weitgehenden Ökonomisierung, die vorgeblich ohne Zwänge auskommt, weil ja alles durch den Markt geregelt wird. Dass die Teilnahme am Markt in dieser Form selbst schon eine Zwangsveranstaltung ist, wird selten diskutiert. Dass aber der Verzicht eines Nachfragers mangels Geld für ihn irgendwie dasselbe ist als wie wenn aus anderen Gründen kein Strom da ist, sollte doch klar sein. Der Marktsprech ist nichts als die Tünche, die alles schöner aussehen lässt, und die es geschickt vermeidet, über die Dinge so zu sprechen, wie sie sich uns zeigen.

Konkret: es gibt schon jetzt Menschen in Deutschland, die keinen Strom haben, weil sie ihn nicht bezahlen können. In den USA gibt es Menschen, denen sogar der Wasseranschluss gesperrt wurde. Was nützt ihnen der Gedanke, dass Strom und Wasser verfügbar ist, sie nur leider nicht bereit (?) sind, den Preis zu bezahlen? Umgekehrt: wenn man Geld dazu hat, ist man in der Marktlogik berechtigt, so viel zu verbrauchen, wie möchte.

Wenn die Energie erneuerbar ist, mag das irgendwie angehen. Aber im Ernst glaube ich nicht, dass es in naher Zukunft so weit kommt. Bis dahin ist die Idee, die Rechtfertigung für Stromverbrauch allein in der Fähigkeit zu sehen, ihn auch bezahlen zu können, absurd. Sie leistet letztlich der weltweiten Zerstörung Vorschub. Denn noch immer leben wir nach der Devise, dass wir ein Anrecht auf die Dinge haben, solange wir sie nur bezahlen können.

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Die Europäische Energieunion und die Energie-Versorgungssicherheit

In die europäische Energiepolitik kommt Schwung. "Der Europäische Rat hat die Energieunion auf den Weg gebracht" heißt es in einer Aussendung der deutschen Bundesregierung. "Bei der Energieunion steht die Energieversorgungssicherheit in den EU-Mitgliedstaaten im Mittelpunkt" heißt es, und die Bundesregierung macht mit dieser Aussage gleich mal Ernst, indem tatsächlich die Versorgungsabhängigkeiten Europas auf den Tisch kommen:

Die EU-Energieversorgung in Zahlen:

  • Sechs Mitgliedstaaten beziehen ihr Erdgas von einem einzigen Lieferanten aus einem Drittstaat,
  • die EU deckt 90 Prozent ihres Rohöl- und 66 Prozent ihres Erdgasbedarfs durch Importe,
  • 75 Prozent des Gebäudebestands in der EU ist nicht energieeffizient,
  • der Verkehr hängt zu 94 Prozent von Erdölprodukten ab, die zu 90 Prozent eingeführt werden,
  • die Großhandelspreise in der EU sind bei Strom 30 Prozent und bei Erdgas über 100 Prozent höher als in den Vereinigten Staaten.

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Dieburg: Ölpreisabsturz – Alles wieder gut?

Ein Vortrag und Diskussion über Energiesparen, Peak-Oil und Klimawandel im Licht der aktuellen Ölpreisentwicklung

Eher ungläubig steht der Bürger vor der Tankstelle und staunt über seine Heizölrechnung. Darf er sich angesichts des Klimawandels über die günstige Energiepreise überhaupt  freuen?

War nicht das Ende des Erdölzeitalters ausgerufen? Sollten die Preise nicht in astronomische Höhen steigen? Gibt es doch „Öl ohne Ende“ wie die FAZ schreibt?

Norbert Rost, unter anderem Autor zweier Studien, die Peak-Oil auf Thüringen und Sachsen heruntergebrochen haben, lädt uns ein, sich gemeinsam über die aktuelle Situation auf dem Energiemarkt Gedanken zu machen. Mit Sachverstand und vielen Hintergrundinformationen beleuchtet er die Entwicklungen (und die Prognosen) der letzten Jahre.  Ebenso werden die Auswirkungen von möglichen Entwicklungen auf dem Ölmarkt diskutiert  – global, national und regional.

 

  •  4. März 2015, 19:30 bis ca. 21:30 Uhr
  • Pater Delp Haus, Steinstraße 5, 64807 Dieburg
  • es lädt ein: Bürger-Energie-Tisch Dieburg

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Öl: Buffett steigt aus, Soros steigt ein. Handelsblatt diskutiert Europas Gas-Knappheit

Anknüpfend an die Erdbeben in der Region Groningen berichtet Benjamin Reuter im Handelsblatt über die Grundsatzfrage der europäischen Gas-Versorgung: Wie soll diese aufrecht erhalten werden, wenn Risiko-Gasförderung wie in Groningen gedrosselt werden muss, während zugleich immer mehr europäische Gasfelder keine nennenswerten Erträge mehr bringen? Eine überzeugend einfache Lösung hat auch dieser Artikel nicht zu bieten, beachtenswert ist aber, dass er nicht an einem Einzelproblem stehenbleibt, sondern den Bogen zur Gesamtversorgung schlägt:

Ging es bisher um die Sicherheit der Gasversorgung in Europa, war meist Russland das Thema. Dabei übersehen viele: Noch abhängiger ist die Europäische Union von der eigenen Erdgasproduktion. Denn fast die Hälfte des Energieträgers, den Verbraucher zwischen Lappland und Sizilien nutzen, kommt aus Norwegen, den Niederlanden und Großbritannien. In Deutschland fließt sogar zu zwei Dritteln europäisches Gas durch die Leitungen.

Aber die Förderraten in West- und Nordeuropa sinken dramatisch: Die Produktion könnte sich im schlimmsten Fall in den nächsten zehn Jahren halbieren. In Deutschland versiegen die aktiven Felder voraussichtlich 2025 komplett.

Währenddessen mehren sich die Berichte, die den Ölpreis über längere Zeit niedrig sehen. Im Interview mit SPIEGEL ONLINE prognostiziert der ehemalige Energiechef im US-Außenministerium Carlos Pascual, dass der Ölpreis bis Mitte 2016 auf dem heutigen Niveau bleiben könnte. Pascual arbeitet inzwischen als Vize-Chef der Energieberatungsfirma IHS. Der Tenor seines Interviews: Europa solle mehr Terminals ausbauen, mit denen Flüssiggas angelandet werden kann. Seine Ansage, dass dann Norwegen mehr Gas liefern könnte, steht im Widerspruch zum Artikel von Benjamin Reuter, der den Osloer Analysten Harris Utne mit der Aussage zur norwegischen Gasförderung zitiert: "Seit 2010 wurde kein größeres Gasfeld mehr entdeckt." Pascual liegt mit seinen Aussagen auf einer Linie mit der US-Außenpolitik, die seit geraumer Zeit in Richtung Europa drängt, man möge mehr auf Flüssiggas setzen.

In diese Kerbe schlägt auch der jüngste BP Energy Outlook 2035. Die WELT sieht eine Umkehr der Gas-Ströme von bislang Ost nach West nach künftig West nach Ost. Pipelines würden weniger wichtig. Betitelt ist der Artikel mit "Ära der Gas-Supertanker stürzt Russland ins Unglück". Ob die riesigen Gasmengen anderswo auf dem Planeten tatsächlich gefördert werden?

Aufmerksamkeit bekam dieser Tage die Meldung von Warren Buffets Investmentfirma Berkshire Hathaway, die bis Dezember alle Anteile an ExxonMobil und ConocoPhillips verkauft hatte. Als Begründung wurde der niedrige Ölpreis nachgereicht. Ganz aus dem Sektor hat sich der Investmentriese aber nicht zurückgezogen, am kanadischen Ölsand-Förderer Suncor Energy hat die Firma ihre Anteile sogar aufgestockt, auch an National Oilwell Varco ist Buffett weiter beteiligt. Insofern stellt der Rückzug keinen grundsätzlichen Rückzug aus der Branche dar. Einen Tag nach der Bekanntgabe von Buffetts Devestment explodierte nahe Los Angeles eine Exxon-Raffinerie, die einen Tagesdurchsatz von 155.000 Barrel pro Tag verarbeiten kann. Die Stahlarbeiter-Gewerkschaft fühlt sich in ihren Befürchtungen hinsicherlich der Sicherheitsstandards in der Branche bestätigt.

Während Buffett bei Exxon und ConocoPhillips aussteigt, steigt George Soros bei Devon Energy und Transocean ein. Das Manager-Magazin findet diese gegensätzliche Positionierung der beiden "Investment-Riesen" bemerkenswert. Allerdings sind die Größenordnungen sehr unterschiedlich: Während Buffett seit September 3,7 Milliarden Dollar abzog, steckte Soros 24,4 Millionen Dollar rein. Da liegt also eine Größenordnung von 100:1 dazwischen.

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IEA sieht Russland am Öl-Peak, Fatih Birol wird neuer IEA-Direktor

Im jüngsten Ölmarktbericht nennt die Internationale Energieagentur den Ölpreisabsturz sowohl durch das erhöhte Angebot (USA, Irak) wie auch durch die Nachfrageseite getrieben: Die Welt werde mehr digital, was den Bedarf an Treibstoffen verringert. Großer Verlierer der Krise sei Russland, das durch einen einbrechenden Ölpreis, westliche Sanktionen und eine starke Rubel-Abwertung am meisten zu verlieren hat. Von 2014 bis 2020 werde die russische Tages-Ölförderung durch mangelnde Investitionen um 560.000 Barrel zurückgehen. Bei N-TV (via: dpa) klingt diese Meldung ein wenig wie ein "Sieg der Sanktionen". Dabei ist die russische Ölförderung heute wesentlich für die Ölversorgung Europas verantwortlich. Bei etwas über 10 Millionen Barrel derzeitiger Ölförderung pro Tag und einem Exportvolumen von 7 Millionen Barrel sind ein halbes Millionen Barrel zwar nur etwa 7% des Exportvolumens. Dennoch bedeutet dies, dass Russlands Käufer diese Menge an Treibstoffen bis 2020 einsparen oder aus anderen Weltregionen zukaufen müssen. Die IEA erwartet, dass der US-Fracking-Boom nicht am Ende ist, sondern nur eine Pause einlegt. Demnach könnte US-Light-Tight-Oil den Rückgang russischer Ölförderung ausgleichen und die globalen Exportrouten verändern. Dennoch bedeutet die Aussage der IEA, dass einer der Top-3-Ölförderer der Welt seinen Peak im Laufe der kommenden 5 Jahre überschreiten wird. Die IEA macht keine Aussage, mit welcher Geschwindigkeit die Ölförderung Russlands nach dem Jahr 2020 schrumpft.

Die IEA teilt dieser Tage außerdem mit, dass Fatih Birol ab September ihr neuer Direktor wird. Der bislang als Chefökonom der Agentur arbeitende Birol hat OPEC-Erfahrung und das Peak-Thema in dem von ihm verantworteten World Energy Outlook regelmäßig verarbeitet. Er wird oft mit dem Satz zitiert "Wir müssen das Öl verlassen, bevor es uns verläßt" und auf ihn gehen starke Bilder zurück wie das von den vier Saudi-Arabiens, die die Welt bis 2030 finden müsse, um den Rückgang der alten Ölfelder auszugleichen. Mit ihm rückt ein fachlich versierter Peak-Oil-Kenner, der Warner aber kein Doomer ist, an die Spitze der wichtigsten Energie-Organisation der Industrieländer (OECD).

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Geruhsame Feiertage! (mit Buch&Musik!)

Weihnachten gibt es allerorten wieder Kram, den keiner braucht, der aber Ressourcen zu seiner Herstellung verschlang. Wer Wohnung, Keller und Dachboden voll hat, kann sich inzwischen sinnvoll erleichtern: Oxfam hat in verschiedenen Städten Läden aufgebaut, in die Gebrauchtes gebracht und dort erworben werden kann. Die Überschusserlöse gehen zugunsten der Armutsbekämpfung durch Oxfam.

Wer dennoch noch sinnvolle Geschenke sucht oder sich gar selbst beschenken will, dem lege ich hiermit das frischgedruckte Buch von Nikolaus Huhn ans Herz: "Thüringen in kleinen Schritten" ist der aufgeschriebene "Hörende Fußmarsch", zu dem er mir vor 2 Jahren ein kleines Interview für peak-oil.com gab. Auch wer nicht in Thüringen lebt, könnte an dieser Erforschung Freude finden, zieht Nikolaus Huhn doch los, um zu Fuß zu erkunden, was eigentlich wäre, wenn das Selbstverständliche nicht mehr wäre. Die Inspiration wirkt auch anderswo. Wie jedes Jahr gilt: Sei kein bekloppter Klon - kauf nich bei Amazon. Sondern beim Händler um die Ecke!

Allen Lesern (und Nichtlesern) ein friedliches Weihnachtsfest und ein konstruktives Jahr 2015 mit Sound vom Formidable Vegetable Sound System zum Blog-Thema: Öl!

 

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Ölpreis im Sinkflug – Wirtschaftskrise voraus?

Nachher ist man immer schlauer.

Seit Juni 2014 schrumpfen die Ölpreise. Während sich sowohl der nordamerikanische WTI-Preis wie auch der europäische BRENT-Preis fast 4 Jahre lang in einem Korridor zwischen 100 und 120 US$ bewegten, sind sie nun seit 4 Monaten am Abtauchen. WTI kostet 87 US$ und auch Brent strebt rasant der 90-Dollar-Grenze zu. Die Entwicklung scheint Peak Oil zu widerlegen, doch muss man klar festhalten: 4 Monate sind kein Zeitrahmen, mit dem sich ein globales Ölfördermaximum leugnen läßt.

Es ist dennoch schwierig, einen klaren Grund zu finden, warum nun ausgerechnet seit Juni das vierjährige Preisplateau verlassen wird. Man könnte auf das Überangebot durch us-amerikanisches Fracking tippen, gepaart mit einem schrumpfenden Ölbedarf der US-Wirtschaft, in der sich zunehmend spritsparende Fahrzeuge bewegen. Man könnte auch unken, dass der Ölpreis (wie auch immer) bewusst gedrosselt wird, um im geopolitischen Spiel um Einflusssphären der russischen Abwärtsspirale einen noch schnelleren Drall zu verpassen. Wie auch immer dieser drückende Einfluss auf den Ölpreis zustande kommen soll, Russland, welches einen Ölpreis von über 100 US$ braucht um seinen Staatshaushalt im Gleichgewicht zu halten, dürfte vom Preisabschwung nicht beglückt sein.

Vielleicht aber ist der Ölpreisabschwung ein Vorbote. Ein Vorbote für eine schrumpfende Ökonomie. Wie 2008, als die legendäre 147-US-Dollar-Marke gerissen wurde und der Ölpreis binnen 6 Monaten auf ein kurzzeitiges Tief von 35 US$ krachte, sind auch heute die Meldungen hörbar, die einen Abschwung der globalen Ökonomie andeuten:

Die fossile Industriekultur benötigt Öl zu ihrem Betrieb. Schrumpft die industrielle Basis, schrumpft auch der Bedarf nach Öl. Wie 2008/2009 könnte der sinkende Ölpreis ein starkes Signal dafür sein, dass "der Aufschwung" mal wieder an die Decke stößt - an die Grenzen des Wachstums.

Krisenzone im Peak-Oil-Umfeld: Ende des Wachstums

Was den Tankstellenbesucher auf den ersten Blick freut, könnte sich zugleich als Problem für seinen Arbeitsplatz herausstellen. Noch ärger allerdings trifft es die langfristige Ölversorgung, wenn der Preis die 90-US$-Schwelle für längere Zeit unterschreiten sollte. Dann nämlich platzen bei den Ölkonzernen reihenweise die Bilanzen. Die exorbitant angestiegenen Investitionsausgaben der vergangenen Jahre wurden sicherlich nicht in Vorausschau eines Ölpreises von 35 US$ geplant. Sie rechnen sich nur, wenn hohe Fördermengen zu hohen Ölpreisen verkauft werden können. Hält die Ölpreisschwäche länger an, werden wir von Projekten lesen, die auf Eis gelegt werden. Dann allerdings steht die Ölversorgung der Zukunft infrage.

Die Wechselwirkungen zwischen Ölversorgungssystem und Weltwirtschaftssystem können sich beunruhigend aufschaukeln. Planungsunsicherheit für die Ölkonzerne wird einer künftigen Ölversorgung sicherlich nicht zuträglich sein. Zwischenzeitliche Preisrückgänge an den Tankstellen könnten dazu führen, dass Unternehmen die Ölfrage als wenig relevant einschätzen und Investitionen in eine Umstellung des Fuhrparks zurückstellen. Umso überraschter könnten sie angesichts einer künftigen Ölknappheit sein.

Die Wechselwirkungen mit dem seit 2007 sehr labilen Finanzsystem lassen sich kaum überblicken. Die EZB-Geldpolitik ist bereits ein eine "neue Phase" eingetreten, wie der EZB-Vize Vitor Constancio neulich sagte. Im Rahmen des Unter-Null-Zinsniveaus werden bereits die ersten Unternehmen mit Geldhaltegebühren auf ihre kurzfristigen Guthaben konfrontiert, nachdem seit August der Interbankenmarkt immer öfter mit negativen Zinsen operiert. Es ist schwer zu übersehen: Das Wirtschafts- und Finanz-System geht in einen neuen Zustand, ein bislang unbekanntes Fluidum über. Zweifellos sind wir auf dem Weg in eine Postwachstumsökonomie, ob allerdings bewusst und steuernd oder unbewusst und torkelnd wird sich zeigen. Das Risiko chaotischer Aufschaukelungen ist jedoch nicht nur gegeben, sondern möglicherweise demnächst auch in der Realität beobachtbar: Sollte der jetzige Ölpreissturz weitergehen und in einer Wirtschaftskrise münden, wäre dies eine Wiederholung des Musters von 2007 bis 2009.

Wie gesagt:

Nachher ist man immer schlauer.

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Steffen Bukold: Verknappungsrisiken statt Hubbert-Peak thematisieren

Das aktuelle Peak-Oil-Barometer stellt die von der Internationalen Energieagentur (IEA) erwartete Entwicklung der Ölförderung und der Ölnachfrage gegenüber und erweitert die Erwartungen der IEA um ein Risikoszenario. Risiken für die Ölversorgung und den Ölpreis ergeben sich insbesondere dann, wenn das Angebot niedriger ausfällt als erwartet oder die Nachfrage höher. Ich sprach dazu mit Dr. Steffen Bukold von EnergyComment, der das Barometer erstellt.

Norbert Rost: Im Szenario der IEA wachsen Ölangebot und Ölnachfrage nahezu im Gleichklang. Wenn sich die Versorgung so entwickelt, wie dargestellt, sind mindestens bis 2019 keine Probleme zu erwarten. Halten Sie die grundsätzliche Herangehensweise der IEA bei der Szenarienerstellung für realistisch?

Steffen Bukold: Die IEA hat in ihren Ölmarktprognosen zwei sehr unterschiedliche Herangehensweisen. Im World Energy Outlook, der die Jahre bis 2035 abdeckt, wird das Ölangebot vor allem aus dem Nachfragetrend abgeleitet, der seinerseits aus dem erwarteten Wirtschaftswachstum, den Kosten und strukturellen Veränderungen errechnet wird. Die Plausibilitätsprüfung stützt sich dabei vor allem auf Reservedaten und Ressourcenschätzungen.

Das wäre für eine kurzfristige Risikoanalyse natürlich zu grob. In der aktuellen mittelfristigen Prognose der IEA, die auch im Peak-Oil-Barometer zum Einsatz kommt, wird dagegen auf einer detaillierten Analyse der Projektebene aufgebaut. Da die meisten Ölfeldprojekte langfristiger Natur sind, kann man auf dieser Basis plausibel argumentieren. Auch auf der Nachfrageseite sind große Verwerfungen bis 2019 eher unwahrscheinlich, da Trends wie die Motorisierung in China oder der Rückgang der Ölheizungen in Deutschland eher langfristiger Natur sind. Die „Visibility“ ist also bei diesem Ansatz weitaus besser. (mehr …)

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Fracking zwingt USA zur Lockerung des Öl-Exportverbots

Laut Reuters haben die zwei US-Firmen Pioneer Natural Resources Co und Enterprise Product Partners LP die Erlaubnis erhalten, besondere Formen von Ölprodukten zu exportieren. Details nennt die Regulierungsbehörde U.S. Department of Commerce's Bureau of Industry and Security nicht, aber offenbar dürfen die Firmen sehr leichtes Öl exportieren, sofern es vorher irgendeine Art von Raffinierungsprozess durchlaufen hat.

Die Erlaubnis könnte medial interpretiert werden als den großen Fracking-Erfolg, der nun Früchte trägt, indem die USA zum Erdölexporteur wird. Dieser Schluß trügt, denn heute wie auch in Zukunft wird die USA weiterhin einer der weltgrößten Ölimporteure bleiben, der Fracking-Boom verringert nur zwischenzeitlich die Importmengen:

US-Oelfoerdung 2014-2040

Wichtig an dieser Nachricht ist eher die Achillesferse des Ölfrackings, die hier sichtbar wird. Denn das beim Fracking geförderte Light Tight Oil ist so leicht und "süß", dass es nur begrenzt kompatibel zur Raffineriearchitektur in den USA ist. Die meisten Raffinerien wurden schwerpunktmäßig so ausgelegt, dass sie viel schweres Öl aus Venezuela, Mexiko oder dem arabischen Raum verarbeiten können. Das leichte Öl des Fracking-Vorgangs kann in den Mengen, wie sie in den USA derzeit anfallen, gar nicht angemessen verarbeitet werden und wird daher mit Preisabschlägen gehandelt. Eine Studie von McKinsey kalkuliert, dass Light Tight Oil bereits ab einer Menge von 2,5 Millionen Barrel mit einem Preisabschlag von 2-3 US$ gehandelt werden dürfte und ab 5 Millionen Barrel sogar 5 bis 7 US$ günstiger zu kriegen ist. Da die USA inzwischen mehr als 3 Millionen Barrel täglich per Fracking fördern, dürfte der Stoff im Land schwer zu akzeptablen Preisen loszukriegen sein und er konkurriert mit den Kondensaten aus der Gasförderung (Propan, Butan). Die Regelung, dass diverse Light-Tight-Oil-Überschüsse oder vergleichbare Kondensate nun also auf den globalen Markt drängen dürfen, bedeutet also längst nicht, dass die USA zuviel Öl haben. Sie haben zuviel Öl schlechter Qualität - jedenfalls aus Sicht des Raffineriesystems. Dieses darf nun nach einem oberflächlichen Raffinerieprozess als "raffiniertes Produkt" gelten und einzelnen Firmen ist die Ausfuhr gestattet.

Noch immer klafft zwischen dem Ölpreis im US-Markt (WTI) und dem Preis im restlichen/europäischen Markt (Brent) eine Preislücke, die sich seit 2010 geöffnet hat. Heute, am 25.06.2014 beträgt diese Lücke 7 US$. Eine Liberalisierung des US-Ölmarkts hin zu mehr Exportmöglichkeiten dürfte dazu führen, dass die Preise in den USA leicht steigen, während die Preise weltweit leicht sinken (ceteris paribus). Da dies den US-Wählern schlecht zu verkaufen ist, ist wohl kaum zu erwarten, dass das Exportverbot grundsätzlich aufgehoben wird. Einzelne Firmen haben nun ein politisches Tor bekommen, durch welches sie den stürmischen Fracking-Erfolgsdruck ableiten können...

Weiteres:

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Nachlese: „Fracking für die Freiheit?“ in Hamburg

Vergangenen Dienstag luden BUND und PFI zu einer Diskussionsrunde unter dem Titel "Fracking für die Freiheit?" ein. Wegen eines Todesfalls in der Familie und überraschenden beruflichen Verpflichtungen musste die Runde ein wenig umgestaltet werden, so dass Jo Müller für Paul Nellen als Moderator einsprang und ich statt Christoph Senz einen Einführungsvortrag hielt.

Die Ursprungsidee für den Abend ging auf eine Kolumne von SPIEGEL-ONLINE-Kolumnist Jan Fleischauer sowie meine Antwort auf dessen Artikel zurück. Er forderte angesichts der Ukraine-Krise im März "Fracking für die Freiheit" und argumentierte, man müsse sich für unabhängigere Außenpolitik unabhängiger von russischen Gaslieferungen machen. In meiner Replik darauf wollte ich darauf hinweisen, dass Fracking nur einen winzigen Teil der russischen Gasimporte ausgleichen könne und mit hohen Risiken verbunden sei. Etwa 30 Besucher wollten diese Diskussion verfolgen, allerdings...

...allerdings schien so manche Argumentation von Jan Fleischhauer zu provokant, so dass erste Zuhörer bereits zu Beginn der Diskussion wieder dem Ausgang zustrebten. Er vertrat die Ansicht, dass in der Fracking-Diskussion sehr viel Irrationales in der Diskussion sei und warf den Fracking-Gegnern vor, diffuse Ängste zu pflegen, unter anderem vor dem, was da "aus der Erde kommen könne". Als Beleg führte er an, dass Fracking bereits seit den 1960ern auch in Deutschland praktiziert würde und erst jetzt - nachdem der Atomstreit gewonnen sei - sich das grüne Milieu neuen Schlachtfeldern zuwende. Die psychologische Dimension des Streits um Fracking bzw. hinsichtlich der Ausrichtung unserer Energieversorgung finde ich sehr spannend. Allerdings schien nicht jeder an dem Abend auf solch eine Debatte eingestellt.

Einigkeit auf dem Podium kam - in meiner Wahrnehmung - darüber zustande, dass über die Konsequenzen des Umbaus der Energieversorgung und des Verzichts auf Schiefergas und "Schieferöl" kaum diskutiert wird. Die Grünen, die Jan Fleischhauer als Lieblingsfeind erkoren hat (eine auf Gegenseitigkeit beruhende Verbindung), führen eine wachstumskritische Diskussion kaum noch, weil kaum Antworten da seien, die kompatibel zum gängigen Wählerwillen seien: Wie wolle man denn steigende Staatsausgaben und hohen materiellen Lebensstandard in Einklang bringen mit einer schrumpfenden Energiezufuhr und schrumpfender Wirtschaft? Mutige Systemdiskussionen, die aus dem Mantra "Egal wie wir Energieversorgung und Wirtschaft ausrichten, der Lebensstandard steigt" ausberechen, gibt es in der politischen Arena kaum noch.

Obwohl diese Überlegungen durchaus provokant daherkommen, empfand ich den Abend als lehrreich. Auch wenn das nicht alle so sahen, muss festgehalten werden: Es war der Versuch eine überfällige Diskussion zu führen. Eine Diskussion über die Widersprüchlichkeiten dieser Zeit, festgemacht an Fracking und Windrädern.

Dank an Paul Nellen und BUND für Organisation, Dank an Jo Müller für recht spontane Moderation, Dank an Jan Fleischhauer für interessante Diskussion. Dank an Zuhörer für kritische und konstruktive Fragen und Diskussionsbeiträge!

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