Zum Textbeginn springen . Zur Navigation springen .

Zukunftssteuer auf Mineralöl einführen!

Der DIHK feiert den Ölpreisabsturz als "milliardenschweres Konjunkturpaket". Beobachter des Ölpreiscrashs befürchten zugleich, dass Investitionen in Ölprojekte zurückgefahren werden und kommende Ölpreisanstiege umso heftiger ausfallen könnten. Die Nordsee-Förderer sehen beim aktuellen Preisniveau wirtschaftliche Schwierigkeiten, N-TV fragt, ob das Nordsee-Öl am Ende sei, was für die sowieso schrumpfende europäische Ölförderung keine gute Nachricht wäre. Der Chef des italienischen Energiekonzerns ENI warnt bereits, der nächste Ölpreisanstieg könne auf 200 US$ laufen.

Die deutsche Volkswirtschaft sparte von 2013 auf 2014 bereits etwa 6,5 Milliarden Euro für den Import von Öl: Waren es 2013 noch 55,4 Milliarden Euro, die für den Import von 90 Millionen Tonnen Öl ausgegeben wurden, dürften Ende 2014 nur noch etwa 48,9 Milliarden Euro für 88,5 Millionen Tonnen auf der Import-Rechnung stehen. Hält der aktuelle Ölpreis (und der aktuelle Euro-Dollar-Kurs) über das Jahr 2014 an, so stehen am Jahresende etwa 35,5 Milliarden Euro auf der Rechnung. Gegenüber 2013 hätte die deutsche Volkswirtschaft demnach 20 Milliarden Euro Importkosten gespart. Das ist in der Tat ein nennenswerter Kaufkrafteffekt. (Zahlen auf Basis der BAFA-Veröffentlichungen und eigenen Hochrechnungen)

Allerdings stellt sich die Frage: Wofür wird das Geld eingesetzt? Zum Schuhe kaufen? Zum Nägel lackieren? Mal wieder einen neuen IKEA-Schrank anschaffen, der nach 5 Jahren zusammenfällt? Ein neues Verbrennungsfahrzeug gekauft? Oder werden damit Häuser saniert und Heizungen auf dezentrale Energiequellen umgestellt, die Elektromobil- und ÖPNV-Infrastruktur ausgebaut, kurz: künftigen Ölpreissprüngen vorgebeugt? Wird die Ersparnis zum Konsum oder zur Investition verwendet?

Die vergangenen Jahre haben gezeigt, dass die deutsche Volkswirtschaft mit einem Ölpreisniveau von 100 bis 110 US$ wunderbar umgehen kann. Die Benzinpreise waren für viele Menschen lästig, aber offenbar erträglich. Würde der Gesetzgeber den aktuellen Ölpreisverfall durch eine entsprechende Steuer abschöpfen und die Steuereinnahmen in Zukunftsinvestionen lenken, stünden mal eben 20 Milliarden Investitionskapital zur Verfügung. Fast soviel wie die EEG-Umlage für 2014, die 21,5 Milliarden Euro betrug. Zwei Effekte würden erreicht:

  1. Es stünden nennenswerte Summen bereit, die Zukunftsinvestitionen ermöglichen.
  2. Es würden Fehlallokationen vermieden, zu denen der aktuelle Ölpreis verführt: Dieser suggeriert, Öl sei nicht knapp und man müsse daher auch bei Investitionen nicht auf einen Abschied vom Öl setzen.

Würde eine flexible Zukunftssteuer derart gesetzt, dass der Benzinpreis sich in einem Korridor von 1,50 bis 1,60 Euro pro Liter bewegt, und Ölpreissenkungen abgeschöpft, würde zudem größere Planungssicherheit existieren. Denkbar wäre sogar, Überschüsse aus dieser Steuer dazu zu nutzen, Ölpreisanstiege abzudämpfen, um akute Ölpreisschocks zu vermeiden.

Zitiert sei in diesem Zusammenhang mal wieder die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe, die seit mehreren Jahren folgende Aussage in ihrer jährlichen Energiestudie mitführt:

Erdöl ist der einzige nicht-erneuerbare Energierohstoff, bei dem in den kommenden Jahrzehnten eine steigende Nachfrage wahrscheinlich nicht mehr gedeckt werden kann. Angesichts der langen Zeiträume, die für eine Umstellung auf dem Energiesektor erforderlich sind, ist die rechtzeitige Entwicklung alternativer Energiesysteme notwendig.

PS: Am 24.01. lädt das Bündnis abgefrackt zu einer Fracking-Demonstration nach München

Flattr this! Bitcoin-Adresse: 197sddH9NhoSXuQLKx6pTSSe6oEJPf9xNa

Kommentarlos, Teil 60

Wie der Westen eine Rechnung ohne den Wirt machte: Dem Bürgerkrieg in der Ukraine gingen Planungen für eine Förderung von Erdgas im großen Maßstab voraus. Exxon, Chevron und Shell wollten dem Land mithilfe von Fracking-Technologie zur Unabhängigkeit von Russland verhelfen und Exporte in die Europäische Union beginnen. Ausgerechnet die an Gas reichen Regionen - die Krim und die Ostukraine - entschieden sich jedoch für einen anderen Weg.

Malte Daniljuk für Telepolis: "Neue Energie für Europa"

Flattr this! Bitcoin-Adresse: 197sddH9NhoSXuQLKx6pTSSe6oEJPf9xNa

Ölmacht Saudi Arabien: Ölgeld, Ölmonarchie und der Tod des Königs

Spätestens mit der Entscheidung des OPEC-Kartells im Herbst 2014, die Ölfördermengen nicht untereinander abzustimmen, fällt Saudi Arabiens neue Macht ins Auge. Die Sand-und-Öl-Monarchie am Persischen Golf hat sich geweigert, die große Last innerhalb der OPEC zu tragen und die übliche Rolle des Swing-Producers einzunehmen und für eine Stabilisierung des Ölpreises die eigene Ölförderung zu drosseln. Vielmehr hat man signalisiert: Liebe andere Kartell-Mitglieder Iran, Irak, Venezuela und liebe Nicht-Kartell-Mitglieder wie Russland: Drosselt selbst, wir Saudis sind nicht bereit auf Erlöse zu verzichten, wenn ihr es nicht auch tut. Das Ergebnis ist ein Ölpreiseinbruch ohnegleichen. Derzeit kosten WTI- und Brent-Öl etwas weniger als 50 US$ pro Barrel. Dieses Preisniveau bedroht die künftige Ölförderung, weil diverse, in Entwicklung befindliche Ölförderprojekte auf Basis eines doppelt so hohen Preisniveaus kalkuliert worden sind und den Projektverantwortlichen die Wirtschaftlichkeit der Projekte um die Ohren fliegen könnte. Unsicherheit ist das Ergebnis. Der große Ölförderausrüster Schlumberger hat in diesen Tagen 9000 Entlassungen angekündigt, der Konkurrent Halliburton hatte schon im Dezember 1000 Entlassungen angekündigt und die Firmen erwarten, dass es damit nicht erledigt ist. Shell entläßt 10% seiner 3000 Beschäftigten im Ölsand-Geschäft in Kanada. Saudi Aramco, der saudische Ölkonzern selbst, stoppte ein 2-Milliarden-Raffinerie-Projekt in Ras Tanura, baut aber sein Downstream-Geschäft weiter aus (Ölverarbeitung und Vertrieb Richtung Endkunde).

Öl: Ein Blick in die Daten

Folgendes Diagramm zeigt die saudische Ölförderung (blau) sowie den inländischen Ölverbrauch. (mehr …)

Flattr this! Bitcoin-Adresse: 197sddH9NhoSXuQLKx6pTSSe6oEJPf9xNa

Grüne Landtagsfraktion fragt nach Gas-Stresstest-Vorbereitungen in Sachsen

Im Oktober 2014 veröffentlichte die EU-Komission die Ergebnisse eines Stresstests für die europäische Gasversorgung auf Basis eines Gas-Boykott-Szenarios durch Russland. (siehe: Gas-Stresstest: Schneller Energienotfall bei russischem Gasboykott) Die Aufforderung der EU-Kommission lautete:

Staatliche Eingriffe sollten auf regionaler Ebene sorgfältig vorbereitet und nur vorgenommen werden, wenn dies notwendig ist.

Die Grüne Landtagsfraktion Sachsens hat in einer kleinen Anfrage vom 6. Januar die sächsische Landesregierung gefragt, wie die Landesregierung mit dieser EU-Empfehlung umzugehen gedenkt:

Auf Basis des Gas-Stresstests empfiehlt die EU-Kommission, staatliche Eingriffe auf regionaler Ebene sorgfältig vorzubereiten:

  • Welche Eingriffe bereitet die Staatsregierung vor und wie erfolgt diese Vorbereitung?
  • Welche Wirkungen eines russischen Gas-Boykotts auf sächsische Unternehmen und Haushalte werden erwartet?
  • Welche Empfehlungen an Haushalte, Unternehmen, Kraftwerksbetreiber und Kommunalverwaltungen gibt die Staatsregierung auf Basis der Stresstest-Ergebnisse und der vorzubereitenden Eingriffe?
  • Welche Änderungen an der Energiestrategie der Landesregierung ergeben sich?
  • Inwieweit hält die Landesregierung es angesichts der hohen Ölabhängigkeit gegenüber Russland für notwendig, Stresstests hinsichtlich eines Ölboykott-Szenarios durchzuführen?

Die Frist für die Antwort der sächsischen Staatsregierung auf diese kleine Anfrage des energiepolitischen Sprechers Dr. Gerd Lippold ist für den 6. Februar gesetzt. Ich werde über die Antwort berichten.

Flattr this! Bitcoin-Adresse: 197sddH9NhoSXuQLKx6pTSSe6oEJPf9xNa

Ölpreis: Kaufkraftgewinne, Steuerverluste, Projekt- und Finanzsystemrisiken und Saudi Arabiens neue Macht

Zum aktuellen Ölpreisabsturz wurde bereits viel gesagt und geschrieben. Die Wirkungen werden an mindestens vier Fronten sichtbar:

  • in den Ölimportländern sinken die Ölkosten und es wird Kaufkraft bei den Ölverbrauchern frei, die anderweitig einsetzbar ist. In Europa führt diese Tatsache dazu, dass der Ölpreiseinbruch als Konjunkturpaket gefeiert wird.
  • in den Ölexportländern sinken die Exporterlöse. Dies strapaziert die wirtschaftliche Situation der Ölförderer und der Staatshaushalte, denn die meisten Ölkonzerne sind im Staatseigentum und führen ihre Erlöse in irgendeiner Form in den Staatshaushalt ab. Schrumpfende Ölpreise führen zu schrumpfenden Staatseinnahmen, beim aktuellen Ölpreis gerät der Haushalt von immer mehr Staaten ins Defizit.
  • die Finanzierung von Ölförderprojekten steht in Frage. Dies betrifft sowohl die niegelnagelneue Fracking-Industrie in den USA, die Ölsand-Industrie in Kanada wie auch einen großen Teil von Offshore-Projekten weltweit, die unter der Annahme höherer Ölpreise als 50 US$ geplant und projektiert wurden. Der Ölpreisabsturz untergräbt nicht nur die Wirtschaftlichkeit bereits laufender und geplanter Projekte, er untergräbt auch das langfristigere Vertrauen von Investoren und Projektumsetzern in ein angemessenes Preisniveau. Zerohedge meldet die Insolvenz der ersten im Fracking engagierten Firma WBH Energy LB und listet weitere Firmen mit anfälligem Schulden-Gewinn-Verhältnis auf (Diese Liste führt eine Firma namens Cheniere Energy Partners LB an, die 44 mal soviel Schulden hat, wie sie als Jahresgewinn verzeichnet.)
  • das Ölpreisniveau vergrößert die systemischen Risiken für das weiterhin angeschlagene Finanzsystem, weil viele Ölförderer kreditfinanziert agieren und wechselseitige Absicherungsgeschäfte Finanzjongleure in Gefahr bringen. Wenn kreditfinanzierte Firmen ausfallen, müssen die Kreditgeber ihre Kredite abschreiben, was in dem labilen Finanzumfeld zu Kettenreaktionen führen kann, bei denen letztlich (man kennt das ja schon) die auflaufenden faulen Kredite durch "Schuldenpakete" wieder auf den Staatshaushalten lasten könnten.

Die Rentabilitätsschwäche der Förderfirmen wird Übernahmen und einen Konzentrationsprozess im US-Fracking-Geschäft vorantreiben sowie die Fracking-Aktivitäten bremsen. Mittelfristig ist ein Rückgang der US-Ölförderung wahrscheinlich, weil die Zahl der wirtschaftlich betreibbaren Förderstellen schrumpft. Schaut man sich an, wie schnell die US-Ölförderung in den vergangenen 10 Jahren angestiegen ist und kombiniert man dieses Bild mit dem Wissen um die rasanten Förderabfälle in den Fracking-Bohrungen, so wird deutlich, dass ein Abbremsen der Fracking-Aktivitäten schnell auch die US-Ölförderung wieder in Richtung des 2005er Niveau schieben kann.

us-oelfoerderung-2000-2014

Ein Jojo-Effekt ist zu befürchten: Während der Fracking-Erfolg seit 2005 die Ölnachfrage der USA auf dem internationalen Ölexportmarkt so stark schrumpfte, dass derzeit ein Überangebot auf dem Weltmarkt diesen rasanten Preiseinbruch hervorruft, so könnte ein Schrumpfen des Frackings die US-Importe ebenso schnell wieder ansteigen lassen. Genauso schnell, wie der Ölpreis einbrach, könnte er dann wieder anziehen; mit dem Ergebnis, dass die Unsicherheit bezüglich der zukünftigen Preisentwicklung eher zunimmt: Gibt es künftig nun niedrige oder hohe Ölpreise? Lohnt sich ein Investment in die Ausbeutung von Öl oder tut es das nicht? Offensichtlich hat der Ölpreis einen Stabilitätskorridor nach unten verlassen. Das Ergebnis ist Unsicherheit.

Unsicherheit statt Planungssicherheit torpediert die von der Internationalen Energieagentur erhofften Investitionsmengen in die globale Ölförderung, die aber notwendig sind, um das heutige Förderniveau aufrecht zu erhalten. Der rasante, vorerst als kurzfristiges Phänomen wahrgenommene Ölpreisabsturz manifestiert auf längere Sicht das Fördermaximum. Die Unsicherheiten bezüglich künftiger wirtschaftlicher Rahmenbedingungen könnten Geld aus dem Ölgeschäft fernhalten und damit zu einer sich selbst verstärkenden Abwärtspirale führen, wie sie Gail Tverberg in ihrer wenig ermutigenden Grafik darstellt:

Interessant in dem Zusammenhang ist die neuzubewertende Stellung Saudi Arabiens. Die Saudis haben das Ölkartell OPEC auflaufen lassen und signalisiert, dass sie nicht mehr als alleiniger Swing-Producer auftreten werden. In der Vergangenheit dämpfte Saudi Aramco zu große Preisausschläge dadurch, dass bei zu starkem Preisanstieg die Ölförderung auch kurzfristig gesteigert und bei zu großen Preisabschlag die Ölförderung gedrosselt wurde. Saudi Arabien hat für den Ölmarkt das bereitgestellt, was Betreiber von Stromnetzen "Regelenergie" nennen. Wo die Netzbetreiber die Frequenz des Stromnetzes in einem engen Frequenzkorridor um 50 Hz herum fahren, fuhr Saudi Arabien die Weltölversorgung von 2011 bis 2014 in einem engen Preiskorridor um 110 US$ herum. Der exorbitante US-Fracking-Erfolg hat saudisches Öl aus Nordamerika verdrängt: Man versorgt sich dort wieder in größerem Maße selbst, der US-Importrückgang zwingt die Scheichs dazu, ihr Öl anderswo zu verkaufen. Mit dem faktischen Aufkündigen des OPEC-Kartells und dem Rückzieher als Stabilisator für die Weltölversorgung zeigt die saudische Königsfamilie ihre (neue) Macht: An ihnen hängt eine stabile Ölversorgung und ein stabiler Ölpreis, sie können diesen bei Bedarf so stark drücken, dass eine Marktbereinigung (im Sinne aus dem Spiel fallender Ölfirmen und Ölfördergebiete) die Folge ist, sie können ihn aber auch zweifellos stark anziehen lassen - wobei ein Realität gewordener Beweis für diese Macht noch aussteht. Auch wenn jetzt ein einzelner saudischer Prinz (von denen es wohl 8000 bis 12000 gibt) sagt, man würde einen Ölpreis von 100 US$ nie wieder sehen, ist das kein Grund zu reiner Freude. Denn der Ölpreis ist eben längst nicht nur ein Kostenfaktor für Ölverbraucher, sondern auch der Investitionstreiber für Ölversorger. Hinzu kommt eine unsichere Zukunft für das mächtigste Ölland auf dem Planeten: Der 90jährige König Abdullah wurde zum Jahreswechsel mit akuter Atemnot ins Krankenhaus eingeliefert. Seine Tage sind gezählt. Machtkämpfe innerhalb des mächtigsten Öllandes stehen aufgrund fragiler Nachfolgeregelungen vor der Tür. Keineswegs bedeutet diese Situation Sicherheit für Annahmen über die künftige Ölstrategie des arabischen Staats.

Weiteres:

Flattr this! Bitcoin-Adresse: 197sddH9NhoSXuQLKx6pTSSe6oEJPf9xNa

Tatendurst in 2015?

Jahreswechsel sind gute Gelegenheiten, zurückzuschauen um zu erinnern, wo man herkommt und nach vorn zu schauen, um zu überlegen, wo man hinwill:

Im Blick zurück entsteh'n die Dinge,

im Blick nach vorn entsteht das Glück.

In höchste Höhen, wo wir schwindeln.

In tiefste Tiefen und zurück.

Tocotronic: "In höchsten Höhen" auf "Pure Vernunft darf niemals siegen", 2005

Die Ölfrage, die auf Peak-Oil.com diskutiert wird, wird vor allem als äußerer Impuls wahrgenommen: Etwas, was nur begrenzt selbst beeinflusst werden kann, sondern vor allem durch äußere Umstände vorgegeben wird. Man kann und sollte sie getrost als Rahmenbedingung einer ungewissen Zukunft lesen, will man Hoffnung hegen, sollte man die mit ihr verbundenen Risiken nicht als gesetzt sehen, sondern als beeinflussbar. Welche realistischen Handlungsmöglichkeiten hat aber der Einzelne? ist die Frage von Spigola in seinem Kommentar zum Weihnachtsposting.

Diese Frage soll 2015 hier öfter diskutiert werden, um Ohnmacht durch zunehmende (Selbst-)Ermächtigung zu ersetzen. Das Ausglimmen des Ölzeitalters soll nicht passiv ertragen, sondern trotz aller angenommener Widrigkeiten aktiv mitgestaltet werden. (mehr …)

Flattr this! Bitcoin-Adresse: 197sddH9NhoSXuQLKx6pTSSe6oEJPf9xNa

Geruhsame Feiertage! (mit Buch&Musik!)

Weihnachten gibt es allerorten wieder Kram, den keiner braucht, der aber Ressourcen zu seiner Herstellung verschlang. Wer Wohnung, Keller und Dachboden voll hat, kann sich inzwischen sinnvoll erleichtern: Oxfam hat in verschiedenen Städten Läden aufgebaut, in die Gebrauchtes gebracht und dort erworben werden kann. Die Überschusserlöse gehen zugunsten der Armutsbekämpfung durch Oxfam.

Wer dennoch noch sinnvolle Geschenke sucht oder sich gar selbst beschenken will, dem lege ich hiermit das frischgedruckte Buch von Nikolaus Huhn ans Herz: "Thüringen in kleinen Schritten" ist der aufgeschriebene "Hörende Fußmarsch", zu dem er mir vor 2 Jahren ein kleines Interview für peak-oil.com gab. Auch wer nicht in Thüringen lebt, könnte an dieser Erforschung Freude finden, zieht Nikolaus Huhn doch los, um zu Fuß zu erkunden, was eigentlich wäre, wenn das Selbstverständliche nicht mehr wäre. Die Inspiration wirkt auch anderswo. Wie jedes Jahr gilt: Sei kein bekloppter Klon - kauf nich bei Amazon. Sondern beim Händler um die Ecke!

Allen Lesern (und Nichtlesern) ein friedliches Weihnachtsfest und ein konstruktives Jahr 2015 mit Sound vom Formidable Vegetable Sound System zum Blog-Thema: Öl!

 

Flattr this! Bitcoin-Adresse: 197sddH9NhoSXuQLKx6pTSSe6oEJPf9xNa

Ölpreisverfall: Billionen-Risiko und kollabierende Nordseeölindustrie

Goldman Sachs hat 400 zukünftige Großprojekte zur Ölförderung untersucht, ob diese bei einem Ölpreis von 70 US$ noch profitabel sind. Weniger als ein Drittel dieser Projekte sind noch profitabel, Projekte im Gesamtwert von 930 Milliarden US$ sind es nicht mehr. Mithin besteht das Risiko, dass diese Investments mehr kosten als ihre Ölförderung einbringt. Diese Projekte stehen für eine Ölförderung 7,5 Millionen Barrel Öl pro Tag im Jahr 2025. Ihr Platzen würde also eine enorme Menge Zukunftsöl vom Markt nehmen.

Hinzu kommt, dass der aktuelle Ölpreis schon 10 Dollar unter der Analyse-Grenze von Goldman Sachs liegt und somit noch mehr Projekte betroffen wären. Auch sind die Tight-Oil und Schiefergas-Gebiete in den USA noch nicht in diese Analyse einbezogen - vermutlich weil sie aus vielen kleinen Projekte bestehen und nicht als ein Großes. Die Gerüchte, der Fracking-Boom der USA basiere auf inzwischen faulen Krediten, halten sich hartnäckig und könnten, die Vorstufe zu einer neuen Finanzkrise darstellen. Bloomberg zitiert den Energieminister der Vereinigten Arabischen Emirate damit, dass die OPEC erst eingreifen würde, wenn der Ölpreis unter 40 US$ sinkt.

Für 2015 stehen laut Bloomberg in den Ölfirmen Investitionsentscheidungen für 800 Projekte in Höhe von 500 Milliarden US$ an. Das aktuelle Preisniveau dürfte starken Einfluss darauf haben, ob die Entscheidungen zugunsten oder zuungunsten der Projekte ausfallen. Je länger das aktuelle Ölpreisniveau anhalte, umso mehr der "Zombie-Projekte" würden aufs Abstellgleis geschoben und damit könnte der anschließende Ölpreis-Anstieg umso rasanter ausfallen, warnt Bloomberg.

Dazu passt ein Bericht der BBC, nach welchem in der Nordsee beim aktuellen Ölpreis kein einziges neues Ölförderprojekt mehr profitabel wäre. Die Budgets in den aktiven Firmen würden für 2015 zurückgefahren, Personal entlassen, Projekte stillgelegt. ConocoPhillips entlässt in Großbritannien 230 von 1650 Arbeitern und kündigt eine Kürzung des Investitionskapitals um 20% für 2015 an. Goldman Sachs zufolge wäre eine Kürzung von 30% der Investitionsbudgets quer durch die Branche denkbar. Der Nordsee-Förderer Apache kürzt das Gehalt der Mitarbeiter ab 1. Januar um 10%.

Die Entwicklung widerspricht völlig den Szenarien der Internationalen Energieagentur, wonach in den kommenden Jahren jährlich 900 Milliarden US$ in neue Öl- und Gas-Investments gesteckt werden müßten, um das Förderniveau aufrecht zu erhalten. Allerdings hat die IEA auch schon andere prophetische Aussagen gemacht, so 2011, als sie vor einer Ölkrise ab 2015 warnte, wenn nicht genügend Investitionen fließen würden. Die Situation in der Nordsee bedroht zudem die sowieso schon wacklige europäische Ölversorgung. Der europäische Selbstversorgungsgrad mit Öl schrumpfte 2013 auf 26,5% auf das Niveau von 1982. Seitdem die Nordsee-Förderung 1996 ihren Peak erreichte schrumpft Europas Ölförderung seit 2002 um 4 bis 7% pro Jahr. Der Ölpreisverfall könnte die Entwicklung beschleunigen.

Jeden, der sich auch nur ein wenig mit Marktmechanismen auskennt, sollte dieser extreme Preiseinbruch beunruhigen.
Manche Ökonomen, die nun über das tolle “Konjunkturprogramm” und den Sieg über Öl-Oligarchen und Scheichs jubeln, kommen mir vor wie manche Urlauber in den Weihnachtsferien 2004 auf Phuket, die sich darüber freuten, wie herrlich breit plötzlich der Strand wurde und wie die Fische auf dem freigelegten Meeresgrund zappelten…
Ein Kommentator

Leider haben Politik, Behörden und die meisten Unternehmen diese Entwicklung weiterhin auf der leichten Schulter, obwohl sich hier ein Doppelrisiko aus Finanz- und Energiekrise auftürmt. Eine Peak-Oil-Strategie wird in den meisten Institutionen weiterhin nicht oder nicht angemessen diskutiert.

Flattr this! Bitcoin-Adresse: 197sddH9NhoSXuQLKx6pTSSe6oEJPf9xNa

Kommentarlos, Teil 59

Sollten die Ölpreise niedrig bleiben, werden Länder mit ohnehin labilen Haushalten in kurzer Zeit zusammenbrechen. Venezuela und Nigeria könnte es schon 2015 als erste treffen. Nach zwei bis drei Jahren wäre auch Russland, das zudem noch von den Sanktionen hart getroffen wird, zahlungsunfähig – oder Moskau müsste den Sozial- und Militärhaushalt radikal kürzen. Viele mittelständische Schieferölproduzenten in den USA werden insolvent und von finanzkräftigeren Konkurrenten geschluckt. Saudi-Arabien, Kuweit und die Emirate können dank großer Finanzpolster noch ein paar Jahre länger durchhalten.

Steffen Bukold für die ZEIT

Flattr this! Bitcoin-Adresse: 197sddH9NhoSXuQLKx6pTSSe6oEJPf9xNa

Ölpreisschwäche entwertet Währungen von Ölexportländern

Die aktuelle Ölpreisschwäche entwertet reihenweise den Wert der Währungen von Ölexportländern gegenüber Euro und Dollar. Russlands Rubel ist schon seit dem Ukraine-Krieg und den westlichen Sanktionen im freien Fall: Zahlte ein Rubel-Besitzer 2013 noch zwischen 40 und 44 Rubel pro Euro, muss er aktuell 80 Rubel hinlegen. Diese Entwicklung wird weitgehend medial breitgetreten, bislang aber unterbelichtet ist, dass auch die Währungen vieler anderer Ölexporteure sich stark gegenüber Euro und Dollar abwerten. Insbesondere die Norwegische Krone sackt grade ab: Anfang 2013 mussten 7,3 Kronen für 1 Euro bezahlt werden, zwischen 8,1 und 8,5 Kronen waren es im laufenden Jahr bis die OPEC-Entscheidung den Ölpreis absacken zu lassen die Währung plötzlich auf 9,3 Kronen entwertete. Auch Nigerias Naira sackt ab: Gegenüber dem US-Dollar von 160 im Sommer auf heute 180 Naira pro US$. Wenngleich vergleichsweise dezent, aber doch sichtbar, verliert auch der kanadische Dollar gegenüber dem US$ seit Sommer an Wert: Als Öl noch für 100 US$ zu verkaufen war, bekam man einen US$ für 1,06 Kanada-Dollar, heute sind es schon fast 1,17 - Tendenz sinkend.

Bei den Ölexportländern sticht Saudi-Arabien mit einem ganz besonderen Muster heraus: Auch wenn sich der Riyal-Kurs nur geringfügigst von 3,7505 auf 3,7534 verändert hat, ist diese Entwicklung dennoch beachtlich, denn sie zeigt, dass die saudische Währung aus der langfristigen Stabilität zum US$ vorsichtig ausbricht. Seit mehr als 15 Jahren hält die saudische Zentralbank die eigene Währung in einem konstanten Verhältnis von 1:3,75 zum US-Dollar, derzeit weicht dieses Muster vorsichtig davon ab.

Auch wenn noch unklar ist, was diese Entwicklung bedeutet, läßt sich doch eines feststellen: Die Wirtschaft der ölexportierenden Länder ist in jedem Fall von den Exporterlösen abhängig und ein Schrumpfen dieser Erlöse durch sinkende Ölpreise schrumpft den Währungswert mit. Wohin der plötzliche Preisverfall, der laut Analysten das ganze Jahr 2015 anhalten könnte führt und was dies für die Devisenmärkte und die betreffenden Länder bedeutet, ist noch unklar. Sicher scheint: Der Ölpreisverfall wirkt sich als tektonische Verschiebung auch in der Währungswelt aus. Ausgang? Ungewiss.

PS: Das Ölförderland Norwegen steht übrigens vor einem Überwachungsskandal besonderer Güte...

PPS (18.12.2014): Die Schweizer Notenbank senkt bezugnehmend auf die Währungsturbulenzen die Zinsen im CHF-Währungsraum unter Null Prozent...

Flattr this! Bitcoin-Adresse: 197sddH9NhoSXuQLKx6pTSSe6oEJPf9xNa

Pages: Prev 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 ... 51 52 53 Next