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80% der deutschen Wohnungen heizen direkt mit Öl oder Gas

Obwohl Ölheizungen kaum noch in neu gebauten Wohnungen verbaut werden, heizt fast jede dritte Wohnung in Deutschland weiterhin mit Heizöl. Wie untenstehende Abbildung aus dem jüngsten Quartalsbericht der AG Energiebilanzen zeigt, waren 2012 immer noch 29% aller deutschen Wohnungen mit einer Ölheizung ausgestattet. Fast jede zweite Wohnung heizt mit Gas:

Beheizungsstruktur des Wohnungsbestandes 2013

Während der Anteil der Ölheizungen im Wohnungsbestand seit 1995 langsam aber stetig abnimmt, nahm der der Gasheizungen immer weiter zu, auch wenn sich langsam ein Maximum herauskristallisiert. Direkt mit fossilen Energien werden 80% der deutschen Wohnungen beheizt. Der Anteil von Fernwärme blieb bei leicht steigender Tendenz nahezu unverändert, Festbrennstoffe nahmen stark ab (Vermutung: Kohle raus). Dder Anteil der Wärmepumpen am Gesamtbestand ist so gering, dass die Zahlen neben das Diagramm gesetzt wurden. Immerhin hat dieser Bereich den größten Zuwachs, auch wenn bislang weniger als 1% des Wohnungsbestandes hauptsächlich Umgebungswärme zum Heizen nutzt. Hinzu kommen zehntausende kleinere Solarthermie-Anlagen, die jedoch meist als Heizunterstützer dienen und selten Haupt-Wärmequelle sind.

Zwischen 1995 und 2012 kamen trotz stagnierender Einwohnerzahl in Deutschland 3,1 Millionen Wohnungen dazu. Die Vereinzelung nimmt zu, die Wohnfläche pro Kopf ebenfalls. Europas Überschreiten des Peak Oil und Peak Gas hat sich in der Heiztechnik im Wohnungsbestand bislang nicht wirklich niedergeschlagen.

Anderes:

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2013: Kaum noch Ölheizungen in Neubauten

Die AG Energiebilanzen hat ihren Quartalsbericht 4/2013 veröffentlicht. Darin läßt sich ablesen, dass nur noch in 0,7% aller im Jahr 2013 gebauten Wohnungen Ölheizungen eingebaut werden. Vor 2004 waren es noch über 10%:

Beheizungssysteme in neuen Wohnungen 2013

Auch Gasheizungen sind in Neubauten massiv rückläufig. Bis 2005 waren 3 von 4 Heizungen gasbetrieben, seit 2009 ist nur noch jede zweite neue Wohnung mit einer Gasheizung ausgerüstet. Die Lücke, die die fossilen Energierträger lassen, wird insbesondere von Wärmepumpen (von unter 10% bis 2005 auf fast ein Viertel ab 2009), Fernwärme (unter 10% bis 2006, ein Fünftel ab 2013) sowie Holz (Null bis 2003, über 5% ab 2009) gefüllt. Auffällig ist: Das Hochpreisjahr 2008, als der Ölpreis zwischenzeitlich über 140 US$ stieg, hat im Heizungsmarkt für eine grundlegende Verschiebung gesorgt. "Peak Ölheizung" wurde überschritten. Der bestehende Heizöl-Markt bedient also nur noch Altanlagen und Gewerbe.

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Studienvorstellung: Peak Oil und Thüringen

Im Auftrag der Fraktion Bündnis90/Die Grünen im Thüringer Landtag habe ich in einer Studie die Frage bearbeitet, wie gut Thüringen auf steigende Ölpreise oder Ölverknappung vorbereitet ist.

Einige Ergebnisse in Stichworten:

  • 63% der Thüringer Beschäftigen pendeln zur Arbeit in eine andere Kommune
  • 98,5% der PKW-Flotte sind mineralölbetrieben
  • 99,1% der Nutzfahrzeugflotte sind mineralölgetrieben
  • 200.000 Wohnungen (insbesondere 25% der 1- und 2-Familienhäuser) werden mit Heizöl geheizt
  • von den 100 größten Thüringer Unternehmen antwortete kein einziges auf unseren Fragebogen

Die Studie wird am 5. Februar 2014 in Erfurt vorgestellt:

  • 16 bis 19 Uhr, Thüringer Landtag, Raum F004
  • Begrüßung durch die Fraktion
  • Vorstellung der Studienergebnisse
  • Impulsreferate: „Wie gut sind Unternehmen und Kommunen in Thüringen auf steigende Ölpreise vorbereitet?“
    • Kathrin Hoyer (Beigeordnete der Stadt Erfurt, Dezernat Wirtschaft und Umwelt)
    • Nikolaus Huhn (Energie gewinnt!)
    • Cecilia Michel (IHK Erfurt, Abteilungsleiterin International – Innovation und Umwelt)
  • Abschlussdiskussion bis etwa 19 Uhr

Die Veranstaltung ist öffentlich und kostenfrei. Ich lade hiermit insbesondere Thüringer Interessierte dazu ein, hinzukommen, mitzudiskutieren und diese Einladung zu verteilen.

Um Anmeldung wird gebeten: 0361 - 377 26 90 oder per Mail, mehr Infos auf der Webseite.

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Dresden: Bei Stromausfall treibstofflos

Resilienz ist die Fähigkeit eines Systems, Störungen zu tolerieren.

Wir alle sind auf funktionsfähige Systeme angewiesen, an denen wir angedockt oder in die wir eingebettet sind. Das Dorf oder die Stadt, in der jede(r) von uns lebt, ist solch ein System. Ich will inzwischen wissen: Wie resilient ist meine Stadt?

Daher habe ich im Dezember eine Anfrage formuliert und über die Stadtratsfraktion Bündnis Freie Bürger an die Stadtverwaltung Dresden gestellt:

  • Wie lange können die Notstromaggregate der Dresdner Krankenhäuser diese im Fall eines längeren Stromausfalls versorgen?
  • Welche Einschränkungen sind im Notstrombetrieb hinzunehmen?
  • Wie viele der Dresdner Tankstellen können im Fall eines Stromausfalls dennoch Treibstoffe an Kunden ausgeben? Wie viele nicht?
  • Welche Treibstoffkapazitäten (in Liter und Streckenkilometer) halten die Dresdner Feuerwehren und die Dresdner Polizeistationen bereit, um ihre Grundfunktionen zu erfüllen?
  • Wie sichern Polizei und Feuerwehren ihre Funktionstüchtigkeit bei Stromausfall ab? Welcher Stromausfallzeitraum kann mit den vorhandenen Mitteln überbrückt werden?

Die Antworten sind jetzt öffentlich, insbesondere jene auf Frage 3 ist aus Sicht der Treibstoffversorgung interessant:

Keine der öffentlichen Tankstellen im Stadtgebiet ist in der Lage, bei Stromausfall Treibstoffe zu verkaufen.

Bleibt zu hoffen, dass die steigende Zahl an Eingriffen ins Stromnetz nicht dazu führt, dass wir einmal einen längeren Blackout ertragen müssen. Dafür ist nicht vorgesorgt.

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Das Peak-Oil-Problem lösen

Ich habe sehr viel Spaß, bei Vorträgen über Ölförderraten und Förderkurven, über Förderrückgänge in ausgewählten Ländern und geopolitische Risiken die anschließende Frage in den Raum zu stellen:

in-welcher-stadt-dieses-planeten

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2014: Die nächste Debatten-Phase

Zu Beginn 2013 schrieb mir ein Leser dieses Blogs, dass 2013 für die Peak-Oil-Diskussion verloren sei. Aus allen Kanälen sickerte damals die Erkenntnis, Fracking würde zu neuen unerschöpflichen Ölquellen führen und Peak Oil sei obsolet. Auf dieser Aussage ruhten sich dann tatsächlich das ganze Jahr über die Journalisten und die Entscheider aus. Nun gut, vielleicht ist so ein Jahr Atempause auch mal gut.

Zu Beginn 2014 ist der Mythos der sich selbst mit Öl versorgenden USA, die demnächst die Welt mit Fracking-Öl überschwemmen wird, weiterhin aktiv. Einem Jahr einseitiger Berichterstattung setzen einzelne kritische Medienberichte nicht so schnell etwas entgegen. Doch zeigt sich, dass die Skepsis gegenüber der Fracking-Euphorie sowohl bei einzelnen Journalisten wie auch bei den wichtigen Statistik-Behörden EIA und IEA zugenommen hat. Und so liest man dieser Tage beispielsweise:

Es wird noch einige Zeit dauern, bis die Erkenntnisse von FAZ und Süddeutscher in den regionalen Medien ankommen und dort die zuvor aufgebauten Erwartungen an die neue Wundertechnik zurechtrücken. Auch schlafen jene nicht, deren fossile Geisteshaltung ein fortwährendes Mehr vom Gleichen fordern. In der ZEIT dürfen Daniel Yergin und Ralf Wiegert "Mehr Erdgas!" fordern und malen den Teufel am Abstieg der deutschen Industriekultur an die Wand, wenn nicht bald die unkonventionell förderbaren Erdgas-Reserven unter Europa angezapft werden. Ihre Argumentation bauen sie weiterhin auf dem Vergleich mit den niedrigeren Gas- und Ölpreisen in den USA auf. Dabei ist beim Thema Gas seit längerem spürbar, dass sich die derzeitigen Gaspreise in den USA nicht rechnen. Perspektivisch ist deshalb ein Gaspreisanstieg in den USA wahrscheinlich, zumal die in Europa förderbaren Gasmengen eher bescheiden ausfallen. Bei Öl zieht das Argument sowieso nur am Rande und kurzfristig: Seinen nächsten lokalen Peak in der Ölförderung werden die USA nach den letzten EIA-Analysen bereits 2016 erreichen:

US-Oelfoerdung 2014-2040

Peak Oil also tot? Keineswegs.

Ja: Die weiterhin steigende US-Ölförderung dämpft den globalen Ölpreis. Ja, die weiter steigende US-Ölförderung steigert die US-Selbstversorgung. Ja, die weiter steigende US-Ölförderung entlastet den globalen Markt. Doch der Ausblick der EIA vom 9. Januar 2014 ist keineswegs rosig. Die folgende Grafik zeigt, wie aus Sicht der EIA die Förderkapazitäten 2013 gewachsen sind, geteilt nach USA, Kanada und dem "Rest der Welt":

Was die USA an Kapazität zugelegt haben, hat der Rest der Welt verloren. Dabei ist die Fußnote zu dieser Grafik sehr aufschlussreich:

Hinweis: Nahezu alle Länder außer Saudi Arabien fördern mit voller Kapazität. Im Ergebnis entspricht das Kapazitäts- dem Förderwachstum in allen Ländern.

Was soviel heißt wie: Nennenswerte freie Förderkapazitäten gibt es nicht mehr. Alle Ländern außer den Saudis fördern mit vollem Einsatz. Was bedeutet: Störungen in der Ölversorgung einzelner Länder sollten besser nicht eintreten, denn es gibt außer den Saudis niemanden, der sie kurzfristig ausgleichen könnte. Politische Verwerfungen entlang der Ölförder- und Transportrouten lassen sich nicht nennenswert abpuffern und würden sich entsprechend stark auf die Ölpreisentwicklung auswirken.

Nun: Ein Schrumpfen der freien Förderkapazitäten gen Null ist ein untrügliches Zeichen dafür, dass wir im Grunde bereits am Ölgipfel angekommen sind. Mögen die globalen Gesamtzahlen noch ein bisschen steigen in den kommenden Jahren, wird sich dennoch am Grundproblem nicht mehr nennenswert steigerbarer Ölförderung nichts mehr ändern. Wenn der US-Output ab 2016 sein Maximum erreicht und noch ein paar größere Projekte wie Kashagan ans Versorgungsnetz gehen, mögen noch ein paar Barrel Platz bis zum Erreichen des "formellen Maximums" sein. An der kritischen Versorgungssituation, in der insbesondere Europa mit seinem unaufhaltsamen Fördersinkflug ist, werden die paar Vorstöße wenig ändern.

Es ist zu erwarten, dass die Journalisten, die den Fracking-Stern realistisch beim Sinken zuschauen, diese Thematik nun wieder aufgreifen. Wie Bürger, Entscheider und Politiker darauf reagieren, wird sich zeigen.

Sonstiges:

Bücher:

Langfristig:

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Peak Oil. Oder: Warum Dresden einen Ölkrisen-Vorsorgeplan braucht

Ohne Öl stünde der motorisierte Individual- sowie der Versorgungsverkehr in Dresden still. Die Stadt ist hochgradig verletzlich gegenüber Ölkrisen. Die finale Ölkrise steht jedoch bevor: Der Höhepunkt in der globalen Ölversorgung (Peak Oil), nach dessen Überschreiten stark steigende Ölpreise und Treibstoff-Verknappung zu erwarten sind. Der Vortrag diskutiert den Stand der globalen Ölversorgung und dessen Risiken sowie notwendige Schlußfolgerungen für die Daseinsvorsorge in Dresden.

Norbert Rost leitet als Wirtschaftsinformatiker der Büro für postfossile Regionalentwicklung, ist Gründungsmitglied des Postfossil-Institut (Hamburg) und Mitglied im Ortsbeirat Dresden Altstadt.

Siehe auch:

 

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Brennstoffspiegel versteht Peak Oil nicht

Im Oktober veröffentlichte der selbsternannte Weltenergierat/World Energy Council eine Studie, die zu der Erkenntnis kam, dass noch eine große Menge flüssige Kohlenwasserstoffe - also: Erdöl - in der Erdkruste lagern. Daraus schlußfolgerten sowohl der Bericht wie auch der Chef der Agentur, Christoph Frei, dass "Peak Oil in eine ferne Zukunft verlegt sei".

Diesen Bericht hat 3 Monate später das Branchenmagazin Brennstoffspiegel wieder ausgegraben, und titelt: "Aktuelle Studien verstärken Zweifel an "Peak Oil"-Theorie". Die Autoren stellen die Frage, "wie lange die Ölreserven noch reichen" und beantworten sie mit einem Verweis auf die oben genannte Studie und auf die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe. Sie stellen fest, dass der Anstieg der weltweiten Ölreserven auf 216 Milliarden der Peak-Oil-Theorie widersprechen würde.

Dabei gilt: Die Peak-Oil-Theorie macht gar keine Aussagen über die Menge an Ölreserven, sondern befasst sich mit der Fördergeschwindigkeit von Öl. Die Mengen im Boden lagernder Ölreserven sagen nichts darüber, wie schnell das Öl gefördert und damit genutzt werden kann. Doch ist genau dies der kritische Punkt: Nicht die Menge des Öls im Boden sondern die Geschwindigkeit mit das Öl zur Nutzung und Verarbeitung bereitgestellt wird, ist für Wirtschaft und Gesellschaft überhaupt relevant. Damit ergeht an die Kollegen vom Brennstoffspiegel dieselbe Erinnerung wie an den Kollegen vom World Energy Council:

"Eine unkritische bzw. undifferenzierte Darstellung und Nutzung der Statischen Reichweite führt zwangsläufig zu Missverständnissen. Die Statische Reichweite ist nur bedingt dazu geeignet, belastbare Aussagen über die künftige weltweite Versorgung mit Energierohstoffen zu treffen."

Dies sagt die von den Autoren ebenfalls benannte Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) und warnt damit all jene, die einfach so die Ölreserven durch die heutige Ölförderung dividieren und mit der entstehenden Jahreszahl zeigen wollen, "wie lange das Öl noch reicht". Ölförderung ist nicht linear. Die BGR warnt zudem:

"Ein globales Maximum der Erdölproduktion, auch bekannt als „Peak Oil“, rückt näher. Nicht schon morgen, doch in einem auch für die heutigen Gesellschaften relevanten Zeitraum. Entweder weil die physische Erschöpfung der natürlichen Vorkommen keine wirtschaftliche Steigerung der Förderung zulässt oder weil der Bedarf dank alternativer Energiebereitstellung auf andere Weise gedeckt werden kann. Je nachdem zu welchem Szenario man tendiert und wie nahe der Zeitpunkt des Erreichens vermutet wird, kann man sich dem Lager der Pessimisten oder Optimisten zurechnen. In jedem Fall sind gravierende Änderungen in den Energiesystemen mit der Abkehr vom Erdöl verbunden."

Eine Steigerung der Ölförderung ist aus geologisch-technischen Blickwinkel laut BGR nur bis maximal 2036 möglich.

Fazit: Einseitig undifferenzierte Berichterstattung, die Äpfel mit Birnen vergleicht und damit schamlos Werbung für Ölheizungshersteller macht.

Weiteres:

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Chodorkowski, Yukos und die russischen Ölvorkommen

"Wo Rauch ist, ist auch Feuer" sagt man. Die Medienberichte über die Begnadigung des ehemaligen russischen Ölmanager Michael Chodorkowski kommen etwas zu euphorisch daher. Wie ein Freiheitskämpfer wird der Mann begrüßt, dessen Ölkonzern Yukos 2003 mit Sibneft zum viertgrößten privaten Ölkonzern der Welt fusionieren sollte (Meldung von August 2003). Im Oktober 2003 saß Chodorkowski bereits in Haft, Vorwurf: Steuerhinterziehung. Im November 2003 stoppte der Kreml die Fusion der beiden Giganten und es begann die Entkernung des Yukos-Konzerns.

Ulrich Heyden hat für Telepolis die Beziehung zwischen Putin und Chodorkowski anschaulich aufbereitet und es entsteht einerseits der Eindruck zweiter Akteure mit unterschiedlichen Vorstellungen für Mütterchen Russland. Andererseits wird ein Detail sichtbar, was in der Medienberichterstattung heute kaum benannt wird und das mit einem Blick auf die historische Ölpreis-Entwicklung noch brisanter wird. Heyden schreibt:

"Putin sah es vermutlich auch als Angriff auf seine Strategie der Stärkung Russlands, dass der Yukos-Chef - ohne Absprache mit dem Kreml - mit den US-Öl-Unternehmen Chevron Texaco und Exxon Mobile über den Verkauf von Yukos-Anteilen verhandelte."

Bei N-TV findet sich eine Meldung vom 3. August 2003, wonach Chevron 25% an Yukos kaufen wolle, was immerhin 6,4 Milliarden US$ kosten könne. Bereits in dieser Meldung heißt es, dass Yukos und Sibneft zusammen soviel Öl fördern würden wie Kuwait - kein Wunder, dass ein US-Unternehmen scharf auf diesen entstehenden Energieriesen sei. Auch ExxonMobil war interessiert an Teilen von Yukos: Ein 40%-Anteil wurde am 8. Oktober 2003 im Telegraph diskutiert. Ende September 2003 berichtet Russland Aktuell von den Plänen Chodorkowskis, Yukos bis 2007 zu einem internationalen Player im Ölgeschäft zu machen und sprach von einer absehbaren Fusion mit einem Konkurrenten. Außerdem bemerkt der Artikel:

"[D]ie Aktien von Yukos-Sibneft gelten als Schlüssel zu den Ölvorkommen Ostsibiriens".

Sowohl die Yukos-Sibneft-Fusion wie auch die Beteiligung eines US-Konzerns an den russischen Ölreserven wurde im November durch die Präsidentenpolitik verhindert. Daraufhin setzten die russischen Behörden diverse Dinge in Gang, die letztlich zur Überschuldung von Yukos führten (Steuernachforderungen) und zu einem anschließenden Verkauf wichtiger Unternehmensbestandteile: An russische Neueigentümer.

Diese "Neustrukturierung" von Yukos fand seinen Höhepunkt im Juli 2004, als der STERN berichtete: Yukos-Meldungen lassen Ölpreis verrückt spielen. Ein Blick in den Ölpreis-Chart liefert das interessante Detail, dass zum Höhepunkt der Yukos-Krise im Sommer 2004 der Ölpreis erstmals die 40-Dollar-Marke übersprang und seitdem nie wieder länger unter diese Marke fiel:

Ölpreis und Yukos-Krise

Auslöser war offenbar ein drohender Lieferstop. 2% der weltweiten Ölförderung und ein Fünftel der russischen Förderung gingen damals auf das Konto von Yukos: 1,7 Millionen Barrel täglich, mehr als (damals) Libyen.

Wie obiger Preis-Chart erinnert, lag der Ölpreis in den 30 Jahren zuvor um 20 US$ und stieg erst mit der Jahrtausendwende auf etwa 30 US$. 2004 war der Beginn einer bislang ungekannten Preisralley, die recht zielstrebig auf 140 US$ im Sommer 2008 führte und uns seit 2011 in einem relativ stabilen Preiskorridor von 100 bis 120 US$ hält. Das Jahr der Yukos-Krise, könnte als Kampf darum interpretiert werden, wem die russischen Ölvorkommen gehören: Privaten Eignern oder dem Staat, Russland oder US-Aktionären. Unter dem Titel "Der kalte russisch-amerikanische Ölkrieg" diskutierte das Saar-Echo damals die Konstruktionen, die Chodorkowski für sein Unternehmen vorgesehen hatte. So wie bei seiner Begnadigung deutsche Politiker eine Rolle gespielt haben, haben möglicherweise 2003/2004 ebenfalls deutsche Akteure ihre Finger im Spiel gehabt. Der deutsche Bundeskanzler Gerhard Schröder nannte die Causa Yukos im Dezember 2004 ein "Russland-internes Problem". Der gestiegene Ölpreis hatte Putin in eine vorteilhafte Lage versetzt: Er kündigte für 2005 bis 2007 die vorzeitige Tilgung von Krediten im Umfang von 30 Milliarden Euro an - auch an Deutschland.

Man kann schwerlich eine Absicht hinter den politischen Auseinandersetzungen um Yukos herauslesen, den Ölpreis steigen zu lassen. Dazu sind die Preisfindungsmechanismen zu komplex. Allerdings ist rückblickend klar, dass Putins Politik nicht nur dafür sorgte, die russischen Bodenschätze eindeutig in Russlands Händen zu belassen, sondern auch, die Einnahmen Russlands durch steigende Ölpreise zu steigern. Der Break Even Oil Price (BEOP), also der Ölpreis, um den russischen Staatshaushalt im Gleichgewicht zu halten, lag 2011 bei 108 US$ und 2012 bei 126 US$, also leicht ein Dreifaches dessen, was 2004 bezahlt wurde. Ein Ölpreis des damaligen Niveaus würde aus dem Russland von heute kein Energieimperium machen, sondern vermutlich ein am Staatsbankrott laborierendes Land. Stattdessen erleben wir einen aufsteigenden Riesen, der um die Ukraine kämpfen kann und über Syrien in den arabischen Raum hineinwirkt. Ob dies möglich gewesen wäre, wenn Chodorkowski damals Yukos an Chevron und ExxonMobil verkauft hätte?

Weiteres:

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EIA: US-Öl-Fracking erreicht seinen Peak in 2016

Die US-EnergyInformationAdministration (EIA) hat ihren Energieversorgungs-Ausblick auf das Jahr 2014 und danach veröffentlicht. Darin wird deutlich, dass die Ölförderung durch Fracking ihren Höhepunkt bereits 2016 erreichen wird. Damit bestätigt die EIA Vermutungen, die anhand der Bakken-Förderstatistiken hier im August veröffentlicht wurden. Der erst vor 8 Jahren eingesetzte Hype um Fracking wird zumindest beim Erdöl also schon nach etwas mehr als 10 Jahren seinen Höhepunkt erreichen.

US-Oelfoerdung 2014-2040

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