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Das (neue) Energieimperium: Die Ukraine zwischen Russland und Europa

Im Rahmen eines Schulprojekttages zum Thema "Mobilität global" diskutierte ich mit Schülern zweier 9. Klassen, was ein Land eigentlich braucht, um Mobilität bereitzustellen. Beispielsweise Automobilität. Die Aussagen: Fahrzeuge, Treibstoffe, Straßen und: Geld. Wozu das Geld? Na letztlich, um Fahrzeuge, Straßen und Treibstoffe zu kaufen. Ergo: Geld ist nur das Mittel zum Zweck. Was man eigentlich haben will ist das, was man für das Geld kauft - nicht das Geld selbst.

In Zeiten sich verknappender fossiler Rohstoffe laufen wir auf eine Situation zu, in der Öl und Gas weitaus wertvoller sind, als bloßes Geld. Da man Geld bekanntlich nicht essen kann und selbst sein Heizwert äußerst gering ist, haben Öl und Gas einen ganz eigenen Wert. Wer es hat, kann Mobilität ermöglichen und warme Wohnungen, kann Prozessenergie für Industriebetriebe bereitstellen und mit Gaskraftwerken elektrischen Strom erzeugen. Öl und Gas treiben unsere Welt. Im Film "Dune - Der Wüstenplanet" ist es das "Spice", das Reisen durchs Weltall ermöglicht. In unserer irdischen Welt des 21. Jahrhunderts ist es Öl und Gas, die Mobilität und industrielle Zivilisationen ermöglichen. Wohl dem, der Zugriff auf diese Energieträger hat.

An der Westgrenze des Europäischen Reiches tobt ein Kampf um Einfluss. Die Ukraine ist der Raum im Osten, den die EU gern zu ihrem Einflussbereich zählen würde. Aus Sicht von Putins Russland liegt der ukrainische Raum im Westen. Ob die Ukraine Teil der EU wird oder Teil eines Russland-Verbundes (den manche die neue Sowjetunion nennen), ist Streitpunkt. So zumindest liest man es in unseren - westlichen - Medien, in denen ein ehemaliger Boxer als politische Figur positioniert wird.

Heute wird klar, wie Putin gedenkt, diesen Richtungsstreit zu lösen: Russland hat angekündigt, Staatsanleihen der Ukraine im Umfang von 15 Milliarden US$ zu kaufen (also dem Staat Ukraine Kredit zu geben) sowie zugleich Rabatte auf Gaslieferungen einzuräumen. Welcher Ukrainer, der Interesse an einer warmen Wohnung hat wird dazu Nein! sagen? Was hat der deutsch-ukrainische Boxer zu bieten, außer sein Vorbild eines Millionär-Sportlers?

Natürlich: Die Spezialität der Europäischen Union sind Fördergelder. Milliarden über Milliarden werde jährlich ausgeschüttet. Politik per Portpokasse könnte man das nennen, was offiziell "Angleichung der Lebensverhältnisse" heißt. Ein Versprechen, was auch Putin abgegeben hat - zumindest für die Ukrainer in Russland. Was würde die Ukraine denn anderes tun, als das EU-Geld für jene Dinge auszugeben, die Russland letztlich liefert: Gas und Öl. Wer in der Ukraine strategisch an seine warme Wohnung denkt, der wird nicht umhinkommen festzustellen, dass Europa niemals jene Energie liefern wird, von der Russland noch reichlich hat. Schließlich schrumpft die Ölförderung Europas seit 2002 und die Gasförderung seit 2004. Sich von der EU mit Geld beliefern zu lassen, um dieses postwendend nach Russland zu senden, um von dort die warmen Wohnungen zu kaufen, bedeutet aus Sicht der Ukraine sich auf deine Doppel-Abhängigkeit einzulassen. Geld-Bittsteller gen Westen, Energie-Bittsteller gen Osten. Wenn einer der beiden "Partner" kein Geld mehr schickt oder sich beim Geld-gegen-Gas-Tausch querstellt, bleibt die Heizung kalt.

Öl- und Gasförderung in Europa

Peak Oil und Peak Gas zeigen auf, welche geostrategischen Veränderungen uns bevorstehen. Europäisches Geld ist nur das wert, was die industrielle Basis erschafft. Noch ist Europa im Bereich des Maschinenbaus stark, doch diese Stärke konzentriert sich zunehmend auf den deutschsprachigen Raum in Europa und der Vorsprung gegenüber den Schwellenländern schrumpft. Griechenland, Italien, Spanien und Portugal verkommen zunehmend zur deindustrialisierten Peripherie, zu abhängigen "strukturschwachen Großregionen". Man könnte meinen, die Ukraine kann sich entscheiden, selbst zu solch einer Großregion zu werden oder aber sich einem anderen Hegemon anzuschließen: Dem energiereichen Russland. Dass Russlands Politik zunehmend reaktionär wird und Minderheiten marginalisiert, kann jener Masse egal sein, die diesen Minderheiten nicht angehört und mehr Wert auf warme Behausungen legt. Die Moralkeule, Freiheit kontra Öl&Gas kann das EU-Projekt jedoch längst nicht mehr hochhalten, ist doch die Freiheit des Individuums in jenen EU-Regionen bereits stark eingeschränkt, die eben keine Exportprodukte liefern können. Wer angesichts der Wirtschaftssituation in Griechenland von "Freiheit" spricht, hat möglicherweise sein Politik-Studium gut, aber sein Wirtschaftsstudium schlecht abgeschlossen. Die Freiheit Putins ist eine andere wie die der EU.

Peak Oil & Peak Gas verschieben die Macht-Konstellationen, wie wir sie kennen. Die Abhängigkeit Europas von außenstehenden Energielieferanten nimmt von Jahr zu Jahr zu, so lange keine allumfassende Energiewende den Großteil des europäischen Energiebedarfs aus erneuerbaren Energien liefert. Noch kauft Europa sich im Tausch für deutsche Maschinen seine fossile Energie von außen ein - 100 Milliarden Euro kostet das allein die deutsche Volkswirtschaft pro Jahr. Von allen Weltregionen ist Europa jene einzigartige, deren lokaler Peak Oil nachhaltig - sprich: unumkehrbar - überschritten ist. Wenn diese Tatsache von den äußeren Mächten, von deren Lieferungen Europa abhängt, erkannt wird, wird der alte Kontinent erpressbar. Für die Ukrainer bedeutet eine Entscheidung hin zu Europa daher der schwerere Weg: In einem Sprachenkonglomerat sofort mit der Notwendigkeit einer Energiewende konfrontiert zu sein. Die Hinwendung nach Russland läßt dagegen dieselbe Sprache mit reichlich Öl und Gas verbinden.

Putins Politik setzt voll und ganz auf den Rohstoffreichtum Russlands als Instrument der Einhegung, als Werkzeug zur Machtausübung, als Pfand zum imperialen Ausbau. Lasst Chinas Wirtschaft noch ein paar Jahre wachsen und den Energiebedarf des asiatischen Riesen zunehmen und Europas Abhängigkeit von äußeren Energielieferanten noch etwas steigen, dann ist Russland das Land mit dem Energiejoker. Dieser Joker wird nicht nur Geld einbringen, mit dem die Industriegüter Europas und Chinas eingetauscht werden können, es bringt auch politische Macht mit sich, mit der sich all das eintauschen läßt, was für Geld nicht zu haben ist: Handelsverträge, Goodwill, Zugeständnisse. Russland kann mit diesem Pfund so wuchern, dass daraus ein neues russischzentriertes Imperium entsteht: Ein Energieimperium.

Für Europa ist der Kampf auf dem Schlachtfeld der fossilen Energieträger nicht nur nicht zu gewinnen, er ist bereits verloren! Das Überschreiten der lokalen Öl- und Gasförder-Peaks zeigt es. Europas einziger Weg ist die Suche nach einer neuen Form der Industriekultur, einer Kultur die nicht auf fossilen Rohstoffen basiert - denn deren Quellen liegen außerhalb Europas. Europas einziger Weg scheint in lokalen Energiequellen zu liegen, die zwangsläufig erneuerbar sind. Dieses Bild scheint für viele Europäer noch ungewohnt und aus dem fossilen Denken heraus vielleicht sogar unmöglich. Doch genauso unmöglich ist die Annahme, Russlands oder Saudi Arabiens oder Katars Öl und Gas wird auf ewig für umsonst oder "nur etwas Geld" zu haben sein. Der Umbau von den fossilen Quellen hin zu anderen Energiequellen ist mit dem bestehenden europäischen Industriesystem nur begrenzt kompatibel. Wir fahren in einem fossilgetriebenen Industriesystem, das auf diesen Energieträgern gewachsen und mit ihnen groß geworden ist. Erneuerbare Energiequellen an diesen Strukturen anschließen zu wollen erzwingt eine Wechelwirkung mit den Strukturen, in deren Fortlauf deren Umbau erzwungen wird. Die Energiewende ist eine Kulturwende. Auf wirtschaftlicher Ebene bedeutet diese Kulturwende, Industrie und Wirtschaftsstrukturen noch einmal völlig neu zu denken. Europas Wahl besteht darin, sich - wie die Ukraine - dem russischen fossilen Energieimperium anzuschließen, oder sich aufzumachen, eine neue Art der Energienutzung zu formen, für die das Wort "Imperium" nicht das richtige sein mag. Wenn es aber gelingt, bringt es möglicherweise größere Macht hervor als der Öl- und Gasreichtum Russlands: Die Macht, sich unabhängig - frei! - von fremden Energiequellen zu entfalten.

Mehr:

Nachtrag:

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Kommentarlos, Teil 40

Public Transport?

Gefunden bei wiwogreen

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Peak Oil erfordert eine Transformation der Wirtschaft

Ein Papier von Dr. Christian Kerschner hatte jüngst einige Verbreitung und Reaktionen in der interessierten Medienlandschaft gefunden. Ich habe ihm einige Fragen gestellt, die gemeinsam mit seinen Antworten bei Telepolis zu finden sind:

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Newsticker rund um die fossile Transformation

Das Manager-Magazin fragt, ob die fetten Jahre vorbei sind. Und meint damit, die fetten Jahre der Automobilindustrie. Peak Car, der Höhepunkt der Verkaufszahlen von Automobilen sei auch in den USA überschritten, und dies will was bedeuten. Joschka Fischer, der mal bei Opel seine Kollegen zur Revolution aufrief und daraufhin fristlos entlassen wurde und später Außenminister des Exportweltmeisters war, wirbt derzeit für BMW - genauer: für den Elektro-i3 des Bayrischen Konzerns. Nicht alle seine Parteifreunde finden das witzig.

Wird Erdöl bald billiger werden? fragt die NZZ mit Verweis auf die Entspannungspolitik mit dem Iran. Venezuelas Ölminister Rafael Ramirez antwortet: Bitte nicht. Die OPEC sei schließlich ein Kartell und müsse zwecks Preisstabilität die Ölmengen stabilisieren. Wenn also mehr iranisches Öl auf den Markt kommt, mögen doch bitte andere Kartell-Mitglieder ihren Output drosseln.

Der OPEC-Generalsekretär Abdallah Salem El-Badri wirft einen Blick in die Fracking-Entwicklung in den USA und meint, "an vielen Bohrorten gehen die Förderraten schon jetzt stark zurück, mitunter um 60 Prozent binnen eines Jahres". Der Schiefergasboom nähere sich somit seinem Ende. Der World Oil Outlook, den die OPEC am 7. November veröffentlichte, hat bei weitem nicht jene Aufmerksamkeit erhalten, wie der World Energy Outlook der IEA. In ihrem "upside supply scenario" sieht der OPEC-Bericht den Höhepunkt in der US-Fracking-Ölförderung im Jahr 2020 mit dezentem folgenden Förderrückgang, in ihrem Referenz-Szenario kommt der Tight-Oil-Peak 2017:

opec-woo2013-fracking-usa

(Sollte jemand Interesse verspüren, sich den WOO der Opec mal vorzunehmen um Wichtiges für diese Webseite herauszukristallisieren, nur zu...)

In Norddeutschland wächst währenddessen die Sorge vor Fracking-Aktivitäten, weil Hamburg eine Aufsuchungs-Erlaubnis erteilt hat. Das Deutschlandradio Kultur berichtet von "Angst vor Probebohrungen". Der neue Papst schlug sich bei einem Südamerika-Besuch auf die Seiten der Fracking-Gegner. Nicht nur mit warmen Worten, sondern in einem Kampagnen-T-Shirt - so zumindest berichtet Blickpunkt Lateinamerika.

Dass der Papst kritisch mit Bergbau-Fragen umgeht, sorgt im katholisch regierten Sachsen keineswegs für ein Umdenken in der Braunkohle-Frage. Inzwischen gab es drei Sprengungen von Briefkästen von Tagebau-Kritikern und andere Seltsamkeiten, die den Rahmen demokratischer Auseinandersetzung überschritten haben. Vattenfall dagegen positioniert sich in aktuellen Werbeanzeigen als Mäzen der Region. Nur schade, dass die Anzeigen nicht sagen, dass die abgebildeten Menschen alle direkt oder indirekt bei Vattenfall beschäftigt sind. Der Klima-Lügendetektor wundert sich zudem, wieso Azubis für die Zukunft der Kohle werben, obwohl heutige Kohle-Azubis definitiv nicht ihr ganzes Arbeitsleben in diesem Geschäft verbringen werden. Zukunft?

Die westliche Entspannungspolitik mit dem Iran läßt DIE ZEIT befürchten, dass die Konflikte sich verlagern. Iran und Saudi Arabien sind sich trotz gemeinsamer Mitgliedschaft im OPEC-Kartell spinnefeind. Europa könnte Schlichter spielen. Europa könnte aber auch aus anderen Gründen in einen Konflikt einbezogen werden: In den Konflikt der Ukraine, ob das Land sich nun eher der EU im Westen oder Russland im Osten zuwenden soll. Die Politik entschied jüngst für letzteres, hunderttausend (vor allem im westlichen Teil des Landes) gehen auf die Straße und sehen das anders. Das erinnert an den Gasstreit Russlands mit der Ukraine, der seit 2005 immer mal dazu führte, dass Gazprom dem Land den Gashahn abdrehte. Ganz Europa war davon betroffen, weil durch die Ukraine eine wichtige Versorgungspipeline von Russland in die EU läuft. Ist es auszuschließen, dass Gazprom in diesem Winter erneut die Hähne zudreht?

DIE ZEIT hat ein aufschlussreiches Interview mit dem Gazprom-Vize Alexander Medwedew geführt. Aufschlussreich nicht deshalb, weil das Interview vor Inhalten strotzt. Sondern eher, weil es das gerade nicht tut. Es geht - ganz banal - um Sportsponsoring. Die wichtigen Sachen halt...

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Stellungnahme der Energy Watch Group zum WEO 2013

Der World Energy Outlook (WEO) der Internationalen Energieagentur (IEA) ist ein jährlich erscheinender Bericht, der die Ausrichtung der globalen Energiepolitik begleitet und große Aufmerksamkeit bekommt. Die IEA wurde 1974 nach der ersten Ölkrise als Unterorganisation der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) gegründet. Die Energy Watch Group (EWG) ist ein nichtstaatliches Netzwerk, das eigenständig Analysen zu Energiefragen erarbeitet. Im folgenden die Pressemittelung der EWG zum WEO 2013:

 

Stellungnahme der Energy Watch Group zum World Energy Outlook 2013

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small is beautiful

E.F. Schumacher kritisierte in seinem Buch "small is beautiful" bereits 1973 die Verschwendunglust an fossilen Energieträgern. Er bemerkte, dass in der Gesellschaft nicht zwischen Ertrag und Kapital unterschieden wurde wird. Aus seiner Sicht wäre genau diese Unterscheidung dort am wichtigsten, wo der Mensch jenes "unersetzliche Kapital" aufzehrt, das er "einfach vorgefunden" und "nicht selbst geschaffen" hat. Zitat:

Sehen wir uns dieses "natürliche Kapital" etwas näher an. Zuerst, und am leichtesten erkennbar, haben wir die fossilen Brennstoffe. Niemand, dessen bin ich mir sicher, wird bestreiten, dass wir sie als Ertragsposten behandeln, obwohl sie unzweifelhaft zum Kapital gehören. Behandelten wir sie als Kapital, müsste uns an ihrer Bewahrung gelegen sein. Wir müssten dann alles in unserer Macht Stehende tun, um die gegenwärtige Verbrauchsmenge so klein wie möglich zu halten. Wir könnten beispielsweise sagen, dass das Geld, das aus der Verwertung dieses - unersetzlichen - "Schatzes" stammt, einem Sonderetat zugeführt werden muss, der ausschließlich der Entwicklung von Produktionsverfahren und Lebensmodellen dient, die nicht oder nur zu einem geringen Grade von fossilen Brennstoffen abhängen. Das und vieles andere müssten wir tun, wenn wir fossile Brennstoffe als Kapital und nicht als Ertrag behandelten. Wir tun aber nichts dergleichen, sondern genau das Gegenteil von alldem: Uns liegt nicht im Geringsten an Bewahrung, wir treiben den gegenwärtigen Verbrauch auf Höchstwerte, statt hauszuhalten oder die Möglichkeiten anderer Produktionsverfahren und Lebensmodelle zu untersuchen.

Neuauflage 2013, mit einem Vorwort von Niko Paech.

Bei Amazon anschauen, beim lokalen Händler kaufen. Wie Toni Mahoni uns unterhaltsam erinnert:

Frohe Weihnachten.

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Libyen, Syrien und Iran, November 2013

In der Presse wird eine neue diplomatische Ära mit dem Iran gefeiert. Israel findet es nicht so gut, dass der Iran wieder Uran anreichern darf. Lockerungen der Sanktionen werden offenbar diskutiert, auch wenn Reuters das US-Präsidialamt mit der Aussage zitiert, "in den kommenden sechs Monaten dürfen iranische Rohölverkäufe nicht zunehmen". Das läßt Ausblicke auf den 7. Monat zu. Und es bedeutet offenbar, dass keine weiteren Verschärfungen der Ölsanktionen geplant sind. In der NZZ wies Gerald Hosp schon vor 2 Wochen darauf hin, dass Iran schon vor den verschärften Sanktionen 2011 Mühe hatte, sein Förderniveau von 3,7 mb/d aufrecht zu erhalten. Derzeit findet rund 1 Mio Barrel Tagesförderung weniger den Weg aus der Erdkruste in die globalen Pipelines. Bereits Ende Oktober berichtete swiss-persian.ch über eine "neue Generation" iranischer Ölverträge, die am März 2014 ausländischen Investoren bis zu 100% der Fördermengen zusprechen würde.

Aus Syrien, wo Iran in einen Stellvertreterkrieg verwickelt ist, werden ebenfalls Nachrichten mit Ölbezug gemeldet. Demnach hätten "islamistische Rebellen" das größte syrische Ölfeld Al-Omar eingenommen. Die Ölversorgung der Assad-Regierung sei damit bedroht und damit die Treibstoffversorgung der Zivilbevölkerung und der Armee. Wenn die Assad-Regierung nun von der Selbstversorgung mit Treibstoffen abgeschnitten ist, ist sie noch viel abhängiger von äußeren Mächten. Die Süddeutsche Zeitung vermutet, dass die Assad-Regierung Treibstoffe auch aus dem Iran bekommt. Wenn eine Annäherung der Industriestaaten an den Iran zustande kommt, könnte dieser gedrängt werden, seine Treibstofflieferungen einzustellen, womit das Schicksal der Assad-Regierung besiegelt wäre: Ohne Treibstoffe dürfte die syrische Armee der bisherigen Regierung kein Schutz mehr sein.

Die MENA-Region (Middle East, North Africa) kommt nicht zur Ruhe. Wintershall hat nun seine Ölförderung in Libyen erneut eingestellt, meldet SPIEGEL ONLINE mit Bezug auf einen Bericht der WELT AM SONNTAG. Demnach ruht die Förderung schon geraume Wochen, weil die Exportterminals bestreikt werden. Laut News24.com verlangen die Protestierenden eine fairere Verteilung der Ressourcen ihrer Region, wobei der Artikel nicht klar macht, ob sich diese Forderung an die (instabile) libysche Regierung richtet oder an die Abnehmerländer. Deutschland bezog 2012 aus Libyen immerhin 9% seiner Ölimporte, was das Land zum viertgrößten Öllieferanten des Exportweltmeisters macht. Auch Österreich ist von der Exportblockade betroffen. OMV bezog vor dem Bürgerkrieg etwa 10% seiner Mengen aus Libyen und senkte aufgrund der aktuellen Situation in Libyen Anfang November seine Förderprognose für das Jahr 2013.

OMV kaufte sich kürzlich mit der größten Akquisition der österreichischen Industriegeschichte in norwegische Ölfelder ein, die wissen warum. Dort feierte RWE DEA Norge grade seinen 40. Geburtstag und läßt per Pressemitteilung verlauten: "Erdöl und Erdgas aus Norwegen auch in Zukunft gefragt". Nicht nur norwegisches Öl, könnte man sagen, denn auf Echo-Online wird eine erfolgreiche Probebohrung beim Bohrfeld Stockstadt vermeldet: Mitten in Hessen wird ein Feld reaktiviert, aus dem zwischen 1952 und 1994 sieben Millionen Barrel gefördert wurden. Die Wiedererschließungsbohrung stellt fest: Es gibt noch Öl im Feld. Ob es sich lohnt, daraus wieder zu fördern, wird derzeit geprüft. Sicher ist schon jetzt: Den libyschen Ausfall wird dieses Feldchen nicht ausgleichen können. Dass seine Wiederbelebung dennoch geprüft wird belegt, wie stark sich die Situation seit seiner Schließung 1994 geändert hat.

Fürs Protokoll:

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Der Satz im Koalitionsvertrag

Fritz Vorholz schreibt in der ZEIT:

Union und SPD begraben die Energiewende

Als Beleg zitiert er folgenden Satz aus dem Koalitionsvertragsentwurf vom 11. November:

"Wir werden prüfen, ob große Erzeuger von Strom aus erneuerbaren Energien einen Grundlastanteil ihrer Maximaleinspeisung garantieren müssen, um so einen Beitrag zur Versorgungssicherheit zu leisten."

Er leitet aus dieser Aussage ab: Die Betreiber von EE-Erzeugungsanlagen müssen mit den Firmen Geschäfte eingehen, die fossile Kraftwerke betreiben. Da Vorholz die Kilowattstunde fossilen Strom mit 6 Cent ansetzt, sieht er einen Zwangsakt kommen, bei dem die EE-Anlagen die fossilen Anlagen mitfinanzieren.

Ich fürchte, diese Argumentation greift zu kurz. (mehr …)

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Kommentarlos, Teil 39

 

Der Abbau von Ölsand – Ein Thema, das polarisiert. Während vielerorts große Hoffnungen damit  verknüpft sind, sind die negativen Folgen der industriellen Ausbeutung für die Natur unübersehbar.
Das neue Doku-Game Fort McMoney, das ARTE in Zusammenarbeit mit TOXA und dem National Film Board of Canada entwickelt hat, beschäftigt sich mit der schwierigen Gratwanderung zwischen Kommerz und Nachhaltigkeit.

Ab dem 25. November bekommen die Spieler für rund vier Wochen die Möglichkeit in die kanadische Stadt Fort McMurray, einen der weltweit größten Standorte der Ölsand-Industrie, einzutauchen. Als Bürger der Stadt können sie sich umfassend über wirtschaftliche, ökologische, politische und soziale Folgen des Geschäfts mit dem Öl informieren und bei regelmäßigen Volksentscheiden ihre Sicht der Dinge darstellen.

Ziel des Spiels ist es, sich möglichst viel Einfluss innerhalb des Mikrokosmos Fort McMurray zu verschaffen und die eigenen Ansichten durchzusetzen. Ebenso im Vordergrund stehen aber der dokumentarische Aspekt und der Anspruch, über eine umstrittene Energiequelle aufzuklären.

Unter folgendem Link gelangen Sie direkt zum Spiel: www.arte.tv/fortmcmoney

Die Redaktion von ARTE Future begleitet Fort McMoney mit zusätzlichen Informationen. Das Dossier finden Sie hier: http://bit.ly/ArteFMM

Nachtrag: Heute Abend, Korschenbroich, Vortrag mit Christoph Senz: Fracking - Segen oder Fluch?

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Video: Dresden im Wandel

Im Jahr 2012 trafen Friedrich-Ebert-Stiftung und Deutsches Hygiene-Museum Dresden mit einer kleinen Gruppe Peak-Oil-Interessierter zusammen und organisierten zwei Abende unter dem Titel "Dresden auf Entzug - Wie funktioniert die Stadt ohne Öl?". Das Veranstaltungsformat fand später Anwendung in Chemnitz und Weimar. (Und will in weiteren Städten angewendet werden!)

Jeder der Abende war für die durchaus zahlreichen Anwesenden eine Inspiration. Doch es wurde auch klar: Einfache Antworten auf die Frage, wie eine Stadt ohne Öl funktioniert, gibt es nicht.

Vielmehr gilt: Die Energiewende muss als Kulturwende gedacht werden, als eine fundamentale Veränderung unserer Lebens- und Wirtschaftsweise. Dummerweise ist es unerheblich, ob wir diese Kulturwende wollen oder nicht: Unser kuschelig fossiles Nest ist in Auflösung begriffen, sobald die Zuflüsse aus fossilen Energieträgern nicht mehr wachsen, sondern schrumpfen. Wie aber geht es dann weiter?

Einfache Antworten sind nicht zu erwarten. Vielmehr ist ein Transformationsprozess notwendig, der vieles verändern wird. Ein hoffnungsvoller Ansatz, wie dieser Transformationsprozess aktiv gestaltet, statt passiv erduldet werden kann, ist der Transition-Town-Ansatz. Er zielt nicht darauf ab, die Ölfördermengen zu erhöhen oder der ganzen Welt ein "neues System" überzustülpen, er zielt darauf ab, die Nester in denen wir leben, krisenfest zu machen: Unsere Städte und Dörfer.

In Dresden wurde die durch "Transition" formulierte Haltung erstmals 2010 sichtbar, als sich zuvor unbekannte Akteure auf der Transition-Konferenz in Hannover trafen und beschlossen: Transition muss nach Dresden kommen. Die Aktivitäten rund um diese lokale Handlungsmethode sind mit dem Titel "Dresden im Wandel" überschrieben. Anknüpfend an die zwei Entzugs-Veranstaltungen von 2012 ging es im Oktober 2013 darum, zu zeigen, was in Dresden schon alles passiert. Daher luden wir ein Dutzend Initiativen ins Hygiene-Museum ein, um die Stimmen dieser vielfältigen Stadtwandler hörbar zu machen. Der Abend hieß "Dresden im Wandel" und die Ebert-Stiftung war wieder dabei. Und mit dabei waren außerdem:

Auch dieser Abend wurde wieder mitgeschnitten (Dank an Sebastian Veit). Auch jene die nicht da waren, dürfen nachträglich teilhaben:

Nicht-Dresdner finden auf www.transition-initiativen.de mögliche Mitmacher in ihrer eigenen Umgebung.

Dresdner (und Umgebungsbewohner) treffen sich offline zum nächsten Evoluzzer-Themenabend ("Netzwerke") und online auf Dresden-im-Wandel.de oder der zugehörigen Mailingliste.

Die nächste Gelegenheit, über Peak Oil von Angesicht zu Angesicht zu diskutieren, ist am 22. Januar 2014, 19 Uhr im Restaurant "Bacchus", Clara-Zetkin-Str. 15. Es lädt ein: Der FDP Ortsverband Dresden West. Titel:

"Peak Oil" oder: "Warum Dresden einen Ölkrisen-Vorsorgeplan braucht."

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