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ARTE-Doku “Gas-Fieber” online

ARTE zeigt die meisten Sendungen nach der TV-Ausstrahlung 7 Tage online im Internet. So ist seit gestern Abend die Doku "Gas-Fieber" im Netz anschaubar. 83 Minuten über Fracking und Co.: Gas-Fieber bei ARTE.

Die Öffentlich-Rechtlichen, zu denen die deutsch-französische Kooperation ARTE gehört, haben sich mit der "Mediathek" zudem einen Kanal geschaffen, mit dem man ARTE-Beiträge (und die anderer Sender) auch später noch anschauen und vor allem: Herunterladen! kann. Die Mediathek-Software ist für Windows-Systeme ebenso verfügbar wie für Linux und MacOS. Wer also unsicher ist, ob er in den kommenden 7 Tagen bei ARTE zum Online-Schauen kommt, kann nach "Gas-Fieber" mit der Mediathek-Software suchen und die Doku abspeichern.

BP Energy Outlook und der Fracking-Hype

Die Firma BP mit Sitz in London hat kürzlich einen neuen BP Energy Outlook veröffentlicht. Darin versucht das Unternehmen wie in den Jahren zuvor einen Vorausblick der weltweiten Energieversorgung bis ins Jahr 2030. Die Annahmen, die dem Report zugrunde liegen, ähneln laut BP dem „New Policy Scenario“ der Internationalen Energieagentur (IEA). Die IEA, die ihren letzten Energiebericht im November 2012 veröffentlichte, geht in diesem Szenario davon aus, dass alle Nationen ihre angekündigten „neuen Energiepolitiken“ auch umsetzen. Die Schlußfolgerungen, die BP aus den Annahmen zieht, ähneln jedoch einem anderen IEA-Szenario: dem „Current Policies Scenario“, welches die derzeit gültigen Energiepolitiken änderungsfrei fortschreibt. BP erwartet also mit verstärkten politischen Maßnahmen laxere Ergebnisse. Für die Risiken in der Energieversorgung und die Umweltauswirkungen des Energiekonsums der Menschheit ist das eher negativ, für die im Öl- und Gasgeschäft tätige Firma BP eher positiv. Daher fällt es auch schwer, den BP Energy Outlook 2030 rein neutral zu lesen. Nicht selten finden sich darin Aussagen, die eher als politische Einflussnahme erscheinen, denn als neutrale Position.

Die Schlußfolgerungen des Berichts klingen dann auch wie eine subtile Handlungsaufforderung an den interessierten Politiker, alles vorzubereiten, damit BP seine Arbeit machen kann: „Wirtschaftswachsum benötigt Energie. Wettbewerb und Innovationen sind die dafür nötigen Schlüsselfaktoren (Energieeffizienz, neue Energiequellen). Energieversorgungssicherheit und Klimawandel bleiben Herausforderungen.“ (S. 80) Worauf der Konzern damit abzielt läßt sich erahnen, legt der Report doch sehr viel Wert auf die neuen, unkonventionellen Fördermethoden. Ein Drittel der Seiten dieses Outlooks sind direkt oder subtil mit den unkonventionellen Fördertechniken verbunden und man fragt sich, ob dies gerechtfertigt ist.

Aus diesen Überlegungen heraus ist ein etwas umfangreicherer Artikel für Telepolis entstanden, in dem ich versucht habe, die unkonventionellen Fördertechniken nochmal darzustellen, die aus meiner Sicht spürbare Einflussnahme der Förderindustrie auf die politischen Prozesse herauszuschälen und die Entwicklung nochmal in einem umfassenden Kontext zu setzen: Fracking: Auf zu neuen (Fall-)Höhen?

Kommentarlos, Teil 24

Sie schreiben in Ihrem Konzept, dass es "um eine Vorbereitung der Stadtbevölkerung auf die kommenden Veränderungen" geht. Wie sehen diese Veränderungen aus?

Brocchi: Unser Lebensstil und unsere Wirtschaft basieren maßgeblich auf einer begrenzten und schwindenden Ressource: Erdöl. Wir müssen also die Abhängigkeit vom Öl senken. Das betrifft vor allem die Mobilität. Da müssen wir Alternativen anbieten: Weg von motorisiertem Individualverkehr, hin zu Fahrrad und öffentlichen Verkehrsmitteln. Die sollen am "Tag des guten Lebens" kostenlos sein, wir sind da in Gesprächen mit den Kölner Verkehrsbetrieben.

Davide Brocchi im Interview mit dem WDR über den "Tag des guten Lebens" in Köln

 

TV-Tipp: Morgen, 29. Januar, 20:15 Uhr ARTE: Dokumentation "Gas-Fieber" im Themenabend "Schiefergas: Segen oder Fluch?" (Dank an C.F.)

Zukunft 2030: Wir haben gelernt.

Für den 25. Januar 2013 lud die Sächsische Landeszentrale für politische Bildung zu einem Tag unter dem Motto "Sachsen 2030 - Quo vadis?" ein. Diskutiert werden sollte "Zukunft". Im Folgenden wird der Redebeitrag von Michael Beleites dokumentiert. Er betonte, da er über Zukunft spreche, ist der Text natürlich im Konjunktiv gehalten:

Wir haben gelernt.

Die eigentliche Krise haben wir wohl noch vor uns. Es ist zu befürchten, dass irgendwann das auf Verschuldung gebaute Spekulationssystem aus dem Ruder läuft. Es könnte sein, dass die Finanzkrise eines Tages zu einer drastischen Geldabwertung führt, die die gesamte westliche Welt betrifft - und diese unmittelbar in eine schwere Ölkrise einmündet. Aus einer Ölkrise erwächst hier schnell eine Mobilitäts- und Produktionskrise. Und daraus folgt eine Versorgungskrise. Nach 75 satten Jahren könnte wieder Hunger einkehren. Es ist keineswegs auszuschließen, dass auch künftig Notzeiten kommen, in denen sehr viele Menschen hungern und auch verhungern; frieren und auch erfrieren. Auch in Sachsen. (weiterlesen …)

Saudi Arabien überall: Australien findet sehr, sehr viel Öl

233 Milliarden Barrel Öl wurden in Australien gefunden, was erneut den Vergleich zu Saudi Arabien provoziert. Das sind allerdings keine konventionell förderbaren Ressourcen, sondern Tight Oil, dessen Qualität und Wirtschaftlichkeit noch nicht getestet wurde. Ausreichende Probebohrungen gab es offenbar noch nicht. Als unter derzeitigen Bedingungen förderbar werden etwa 3,5 Milliarden Barrel eingeschätzt. Bei einem globalen Tagesverbrauch von ca. 90 Millionen Barrel also eine statische Reichweite von 40 Tagen. Natürlich kann dieses Öl niemals mit einer Geschwindigkeit von 90 Millionen Barrel pro Tag gefördert werden - was ja das große Problem des Frackings darstellt - , so dass diese statische Betrachtung eine Milchmädchenrechnung ist, die die Größenordnungen deutlich machen soll.

Dirk Maxeiner von der Achse des Guten muss also geantwortet werden: Schöner Fund. Ob die Australier ihr Land durchlöchern wollen, steht auf einem anderen Blatt. Ob es sich für die Förderkonzerne lohnt auf einem weiteren. Was die Förderung kostet und ob die Abnehmer diesen Preis bezahlen wollen auf einem Dritten. Euphorie ist unangebracht.

Kommentarlos, Teil 23

Ahmed Mater beispielsweise - einer der Mitbegründer von "Edge of Arabia" - ist praktizierender Arzt. Für eines seiner bekanntesten Werke, die Serie "Evolution des Menschen", die unter anderem 2010 in Berlin gezeigt wurde, bediente er sich der Röntgenfotografie. Auf fünf aufeinanderfolgenden Bildern ist die Transformation einer Tanksäule zum Menschen zu beobachten - der Schlauch mit dem Zapfventil entwickelt sich zum Arm, der eine Pistole an die Schläfe führt. Ein bitterer Kommentar zur Abhängigkeit der modernen Zivilisation vom Erdöl.

SPON/zenith: Moderne Kunst aus Saudi Arabien: Mohammed/Abdullah, wir müssen reden!

News / Aktuelles

Nachtrag:

Kommentarlos, Teil 22

Stolz verkündete Algier, die Gasförderung sei landesweit während des Zwischenfalls nicht zurückgegangen. Andere Gasfelder hätten die Förderung erhöht, um den Stillstand von In Amena zu kompensieren. Die wichtigste Aufgabe der Truppen war es, den Terroristen das Gasfeld, das für 18 Prozent des algerischen Gases aufkommt, möglichst unbeschädigt abzunehmen.

Süddeutsche: Geiseldrama in Algerien: Gas und Öl vor Menschenleben

Ein Kommentar zu “Peak Oil ist Geschichte” im ScienceSkepticalBlog

Diskussionen über die Ölversorgungssituation sind hilfreich, auch wenn sie zu anderen Schlüssen kommen, als sie auf peak-oil.com dominieren. Es sei ein Kommentar erlaubt zum Artikel "Peak Oil ist Geschichte im ScienceSkepticalBlog. Peter Heller beschreibt dort das Ergebnis eines Workshops, an dem die Mehrzahl der Teilnehmer ausgehend von der Fracking-Revolution zu dem Schluss kommen, die Peak-Oil-Hypthose scheitere am "falschen Blickwinkel".

Der Artikel beschreibt, wie Öllagerstätten im Boden strukturiert sind und dass sehr große Ölvorkommen in sogenanntem Muttergestein ohne Durchlässigkeit zu sogenannten Ölfallen existiert. Neue Fördertechniken wie die Kombination aus horizontalen Bohrungen und Hydraulic Fracturing (kurz: "Fracking") machen diese Ressourcen zugänglich. Verwiesen wird auf große Ressourcen, die im Boden lagern und die BP in seinem Statistical Review mit 1600 Milliarden Barrel angibt. Verwiesen wird auch auf die Bakken-Formation und die Studie von Leonardo Maugeri. In jedem Fall betont der Autor nie Fluss-Zahlen, sondern immer Bestands-Zahlen.

Das Problem, welches mit "Peak Oil" bezeichnet wird dreht sich jedoch nicht um die Frage, wieviel Öl im Boden ist, sondern immer um die Frage, mit welcher Geschwindigkeit wir es fördern können. Trägt man eine Zeitreihe der Fördergeschwindigkeit in ein Diagramm ein, ist die entstehende Kurve eine Linie, die Hochs und Tiefs kennt, beispielsweise so:

US Ölproduktion 1920-2010 (weiterlesen …)

Die Energiekriege

Im algerischen In Amenas nahe der libyschen Grenze hat ein islamistisches Kommando einen Standort des Ölkonzerns BP angegriffen und 8 Mitarbeiter des Ölkonzerns BP entführt. Laut SPIEGEL ONLINE wird der Überfall mit dem Militäreinsatz Frankreichs in Mali in Verbindung gebracht. Frankreich war sowohl Kolonialmacht Malis wie auch Algeriens.

Hervorzuheben an dem Konflikt ist die Verbindung zur Energieversorgung. Heutige Außenpolitik läßt sich kaum noch lesen und verstehen ohne diesen Aspekt. Der Überfall auf einen BP-Standort ist sicher nicht zufällig: Einerseits sind Angehörige westlicher Länder verstärkt in Öl- und Gasförderprojekten anzutreffen, andererseits werden auch die Strategen von Terrororganisationen zunehmend die Verletzlichkeit der westlichen Industrieländer im Bereich ihrer Energieversorgung verstehen und zu nutzen wissen. Wer ein Ölfeld in Algerien angreift, an dem ein westliches Unternehmen (mit)arbeitet, kann sich der Aufmerksamkeit sicher sein.

Das Eingreifen Frankreichs in Mali in dieser Woche hat ebenfalls mit Energieaspekten zu tun. Der französische Atomkonzern Areva fördert Uran in Malis Nachbarland Niger. In Mali selbst wurde ebenfalls Uran gefunden, Öl und Gas werden vermutet. Frankreichs Energieversorgung basiert massiv auf Atomstrom, dessen Brennstoff bekanntlich Uran ist. 78% der französischen Stromversorgung stammt aus Atomkraftwerken. (siehe wikipedia: Kernenergie in Frankreich) Ohne Zugang zu Uran hätte Frankreich ein massives Stromversorgungsproblem, ein Machtwechsel im Herzen Afrikas könnte die Lieferungen unsicher machen.

Weltweit entstehen und köcheln Konflikte mit Bezügen zu Energierohstoffen. Großbritannien und Argentinien bestreiten grade wieder einen Medienkrieg um die Falkland-Inseln, Japan drängte kürzlich chinesische Kampfflugzeuge aus dem Luftraum über den Senkaku-Inseln. In diesen Konflikt schaltet sich nun möglicherweise auch die USA ein, die offenbar Kampfflugzeuge und Soldaten auf Okinawa stationiert. Im Irak streiten sich Kurden und Zentralregierung um die Förderrechte und drohen sich mit Krieg, verganges Jahr stritten Nord- und Südsudan um Öl. Auch der Konflikt des Westens mit dem Iran ist ein Energiekonflikt, behauptet Iran doch seine Energieversorgung durch Atomstrom ausbauen zu wollen, während der Westen die (Neben-)Produktion von Atomwaffen befürchtet.

Erneut macht hier der Verweis auf die Bundeswehr-Studie Sinn, die mit Fortschreiten der Ölverknappung durch Peak Oil eine Neusortierung der internationalen Beziehungen und der Konfliktlinien beschreibt - entlang dem Ölverbrauch.

Anzeichen für Solarkriege gibt es bis jetzt nur zwischen China und Deutschland: Um Preise und Absatzmärkte.

Passend:

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