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Das Unerwartete erwarten? – Strategie in einer Welt der Ungewissheit

 

“Things that can’t go on forever usually don’t.”

Gary Hamel

 

Strategien sind Pfade der Interessenvertretung. Sie sind die Wegbereiter für Handlungsweisen, Umgangsarten und Dialogformen, um bestimmte partikulare Ziele zu erreichen. Strategien sind aber auch Vehikel der Unsicherheitsabsorption, denn die eingeschlagenen Strategiepfade dienen oft auch dazu, das Unerwartete aufzufangen und in nutzbringende Bahnen zu lenken.

So kommt es nicht von ungefähr, dass das „Strategische Management“ in großen Unternehmen einen prominenten Platz einnimmt. Was aber wird da eigentlich als Strategie bezeichnet? Welche Pfade der Interessenvertretung sind jene, die zeitgenössisch einer besonders hohen Frequentierung unterliegen? Oder spezifischer gefragt: Auf welchen strategischen Pfaden bewegen sich die „großen Akteure“ der Wirtschaft, um den aktuellen, wachstumsbedingten Krisentendenzen beizukommen? Um es vorwegzunehmen: Es sind recht einseitige Pfade, deren Wirksamkeit von wenigen Faktoren abhängt.

Die These dieses Beitrags ist daher folgende: Entwicklungsstrategien tendieren vor allem in großen Unternehmen immer mehr zu einem Synonym für Machtausübung und externe Kontrolle zu werden. Die folgenden Ausführungen sollen den Gehalt der These belegen und aufzeigen, warum jene Tendenz aktuell besonders relevant ist. (mehr …)

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IEA: World Energy Outlook 2013

Ich habe mir den neuen World Energy Outlook der Internationalen Energieagentur unter dem Blickwinkel auf Öl angeschaut. Mangels Zeit sind mir sicherlich diverse interessante Details nicht ins Auge gesprungen. Die wichtigsten Ölinhalte habe ich hoffentlich dennoch getroffen:

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Unverbrennbare Kohlenstoffvorräte

Nur naive Geister können annehmen, dass die Umwandlung von fossilen Energieträgern in Kohlendioxid absolut keine Reaktionen im planetaren System hervorruft. Üblicherweise gilt in diesem Universum das Gesetz von Aktio=Reaktio, nach welchem jede Aktion eine (Gegen-)Reaktion hervorruft. Die Anreicherung von Kohlenstoffverbindungen in der Atmosphäre verändert deren Zusammensetzung und zieht Wirkungen nach sich - wie stark diese Wirkungen sind, darüber kann man diskutieren. Aber dass sich keinerlei Reaktionen zeigen, ist nicht nur unwahrscheinlich, sondern aus einem systemischen Blickwinkel heraus: Unmöglich.

Allein dass die Menschheit über die Folgen der CO2-Anreicherung diskutiert ist Beleg für diese Aussage: Die Spezies Mensch diskutiert. Sie tut es in dieser Woche in Warschau, wo der nächste "Klimagipfel" tagt. Drastische menschliche Reaktionen sind bereits jetzt zu erleben: Der Vertreter der Philippinen, die gerade vom Taifun Haiyan betroffen sind, droht mit einem Hungerstreik, um eine Einigung der Staatengemeinschaft zu erzwingen. Kofi Annan, der von 1997 bis 2006 UNO-Generalsekretär war, fordert Umweltsteuern, um den Konsum zu drosseln - eine nicht ins Wachstumsparadigma passende Position. Seiner Meinung nach geht es ums Überleben der Spezies.

Für Telepolis habe ich eine Meldung ausgegraben, die neue Fronten in der Fossil-Diskussion aufzeigt: Eine Investorengruppe hinterfragt die Risiken, die sich aus dem Klimawandel und der weltweiten Diskussion um dessen Folgen für jene Konzerne ergeben, die stark mit fossilen Energieträgern arbeiten. Akzeptiert man, dass die Verklappung der Umwandlungsreaktion fossiler Energieträger (Kohlendioxid) begrenzt werden muss, stellt sich nämlich die Frage: Was bedeutet eine Limitierung der Kohlenstoffverbrennung für jene Unternehmen, die auf solchen Kohlenstoffreserven sitzen und diese als Aktiva in ihren Büchern haben? Der Artikel heißt

und ist hiermit zur Lektüre, Diskussion und Weiterleitung empfohlen.

Die neue Front, die hier aufgemacht wird ist eine, die nicht zwischen "Umweltschützern" und "Umweltverwertern" aufgemacht wird, sondern sie entsteht im Spannungsfeld zwischen Investoreninteressen und Management. Auch Investoren sind Menschen und daher interessiert am Überleben der Spezies. Doch kann sowohl die Diskussion um die Vermeidung von Kohlenstoffausstoß wie auch politische Entscheidungen dazu führen, dass der Wert von Kohlenstoffreserven in den Unternehmensbilanzen berichtigt werden muss - und dies führt zur Abwertung der Investorenwerte. Wie mit diesen Risiken umgegangen wird ist die spannende Frage, die eine Investorengruppe nun hinterfragt.

Für Peak-Oil-Beobachter ist diese Frage deshalb spannend, weil ein weiteres Limit in die Gleichungen eingezogen wird: Nicht nur der geologisch-technische Aspekt spielt für Peak Oil eine Rolle, sondern auch der politische Aspekt: Wenn sich die Menschheit einigt, die Kohlendioxid-Emissionen zu begrenzen, muss Kohlenstoff im Boden verbleiben. Öl-, Gas- und Kohlereserven würden demnach "unverbrennbar" (daher: unburnable carbon). Die Wirkungen auf das globale Gesellschaftssystem entsprechen jenen, die in der Peak-Oil-Diskussion bereits herausgearbeitet und thematisiert werden: Es ist egal, ob Öl nicht gefördert wird, weil diese Förderung zu teuer oder technisch nicht machbar wäre, oder ob es durch politische Entscheidungen und eine globale Genügsamkeit im Boden verbleibt. Beide Auslöser führen dazu, unseren Umgang mit den Energieträgern anzupassen.

Weiteres:

Nachtrag:

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Auferstehung einer Meldung: Australiens größtes Ölfeld

Durch diverse sogenannte "alternative" Medienkanäle hat sich in den vergangenen Tagen eine Meldung gebohrt, die meist (sinngemäß) überschrieben ist mit:

Größtes Ölfeld der Welt in Australien entdeckt.

Mit dem Unterton: Die Saudis müssen sich warm anziehen, denn jetzt sind sie nicht mehr die weltgrößten Ölbesitzer. Und überhaupt würde das neue australische Öl den Ölmarkt auf den Kopf stellen.

Als erstes fand ich diese Meldung im Diskussionsforum von Wallstreet-Online in einem Peak-Oil-Thread, der inzwischen über 1000 Seiten umfasst und wo auch diverse Leser (und Schreiber) dieses Blogs mitgeschrieben haben. Dort schrieb ein Nutzer namens XIO am 29.10.:

Grösstes Ölfeld der Welt in Australien entdeckt?
Massive Oil Discovery Is Deathblow For Saudis

und verlinkte auf eine Meldung bei MoneyMorning.com, eine dieser Webseiten, die ihre Glaubwürdigkeit daraus bezieht, ihren Lesern zu empfehlen wie man sein Geld vermehrt. (mehr …)

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Lars Thomsen: “80 Prozent Verschwendung, 20 Prozent Bewegungsenergie”

"Nun meine Damen und Herren, ich weiß nicht, ob Sie's gemerkt haben, aber wir sind angekommen am Ende des fossilen Zeitalters."

Lars Thomsen beim Vortrag auf der Motor-und-Umwelt-Konferenz in Graz, 12. September 2013

"Das was wir im Moment tun, in Verbrennungsmotoren - und ich möchte Ihnen nicht zu nahe treten - ist der absolute Wahnsinn. Unsere Kinder werden uns irgendwann in 10, 20 Jahren den Kopf dafür abreißen. Weil wir schaffen es, von einer endlichen Ressource, von einer knappen Ressource, von einer Ressource um die wir Kriege führen und die immer knapper und schwieriger zu fördern wird; wir schaffen es ungefähr 20 Prozent dieser Ressource in das umzuwandeln, was wir wirklich brauchen."

Renault legt bei seinen Elektrofahrzeugen die Idee von Eigentumsrechten großzügig (zu eigenen Gunsten) aus: Wer seine Leasingraten für die Batterien nicht zahlt, dem wird das Fahrzeug lahmgelegt.

 

Nachtrag:

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Kommentarlos, Teil 38

„Da Stabilität einer der fundamentalsten Wünsche jedes Menschen ist, werden Gedanken gern verdrängt, die Umbruchsituationen berühren“, liest man in einem Grundsatzpapier der Grünen in Sachsen. Und auch Florian Kaiser, Umweltpsychologe an der Universität Magdeburg, sagt: „Mit Bedrohungsszenarien erreicht man vermutlich kein Umdenken.“

Wer sich trotzdem eingehend mit den möglichen Folgen von Klimawandel und Peak Oil beschäftigt, der läuft hingegen Gefahr, depressiv zu werden, manche sprechen bereits von der „Doomer-Depression“. Diese psychische Störung resultiert laut dem Grünen-Papier aus individuell wahrgenommenen Ohnmachtsgefühlen.

Die taz schreibt über "Klimawandel und Psychologie" (und bezieht sich auch auf mein 2011er Papier)

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Vankor: Russlands größtes Ölfeld schon am Peak?

Reuters meldet, dass Rosneft die die vorhergesagten Fördermengen des größten Ölfelds Russlands Vankor nach unten angepasst hat. Laut Reuters ist das Ölfeld daher wichtig, weil es sowohl gen Westen wie auch gen Osten liefern kann. Rosneft sagt gegenüber Reuters:

"In the event of possible deviations, existing agreements and the most profitable supply routes will be prioritised."

"Im Fall möglicher Abweichungen (von der Produktion) werden bestehende Verträge und die profitabelsten Lieferrouten priorisiert."

Was nichts anderes heißt wie: Wer die besten Verträge mit dem Ölförderer macht oder gemacht hat, und wer am meisten zahlt, kriegt das Öl.

Diese Entwicklung ist angesichts dessen bedeutsam, dass Russland in 2012 für 36% der Öllieferungen nach Deutschland verantwortlich war und die russischen Ölfirmen ihre Liefermöglichkeiten nach China stark ausbauen. Bereits im Juni wurden sehr überschaubare Wachstumszahlen für die Ölförderung Rosnefts gemeldet verbunden mit intensiveren Geschäftsverbindungen nach China. China macht sich dabei den strategischen Vorteil zunutze, den Reuters "Cash now, Oil later" nennt: Vorabzahlungen auf später zu lieferndes Öl. Die absehbaren Steigerungen, die Rosneft für seine Ölförderung anstrebt (von 4,2 Millionen Barrel pro Tag heute auf 4,4 Millionen Barrel pro Tag in 2020) reichen nicht ansatzweise, um das chinesische Bedarfswachstum zu decken. Reuters nennt für China einen erwarteten Bedarf von 9,2 Millionen Barrel Öl am Tag in 2020. China importierte 2012 4,7 Millionen Barrel Rohöl täglich, das sind 700.000 Barrel Tagesimporte mehr als noch ein Jahr zuvor. Russland wird einen Großteil des Bedarfswachstums decken wollen/müssen. Wenn Rosneft nun noch seine Förderaussichten kürzt, wird das Verhältnis von Ölangebot und Ölnachfrage, dem in Russland vor allem Europa und China gegenüberstehen, arg strapaziert. Rosneft und China vereinbarten auch eine gemeinsame Erkundung neuer Ölfelder in Sibirien und dem Fernen Osten. Mögliche Funde sollen laut RiaNovosti gen Asien fließen.

Im Juni kam hier die Aussicht auf, die seit 2011 existierende Lücke zwischen dem für den US-amerikanischen Markt gültigen WTI-Preis und dem für den europäischen Markt gültigen Brent-Ölpreis würde sich wieder schließen. Doch auch heute klaffen 10 US$ als Preislücke zwischen Europa (Brent: ca. 107 US$) und den USA (WTI: ca. 97 US$), was angesichts der europäisch-russisch-chinesischen Ölsituation die Frage aufbringt: Steht der Ölmarkt mit dem Erreichen der vielen lokalen Ölfördermaxima vor einer Spaltung? Wird sich wie beim Gas eine stärkere Differenzierung der nordamerikanischen und der europäisch-eurasischen Situation ergeben, die jeweils unterschiedliche Versorgungsstrukturen und unterschiedliche Preise hervorbringt? Wenn Russland sich die Importabhängigkeit der (den Peak hinter sich habenden) Europäer und der aufstrebenden chinesischen Volkswirtschaft zunutze macht, könnten zwischen diesen Handelspartnern bald ganz andere Preise akzeptabel sein, als in den USA, die dank Fracking derzeit eine (relative) lokale Überversorgung haben, auch wenn sie die Öl-Selbstversorgung (trotz anderslautender Medienberichte) nicht erreichen.

 

Weitere Infos:

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ZDF: Vorstoß zu den letzten Reserven

Seit über 20 Jahren wird gebetsmühlenhaft vor einer Katastrophe gewarnt: dass uns in absehbarer Zeit das Öl endgültig ausgehen wird. Sieht die Zukunft wirklich so düster aus, wie Skeptiker sie malen, oder ist es gar nicht so schlecht um die Ölreserven bestellt? Obwohl der Verbrauch weltweit stetig zunimmt und weiter zunehmen wird, scheint es, als ob sich immer wieder in buchstäblich letzter Minute neue Ölvorkommen erschließen lassen. Die tatsächliche Entwicklung hat Pessimisten immer wieder die Argumente genommen. Was ist also dran am drohenden Ende des Ölzeitalters?

Heute, 22:45 Uhr im ZDF, "Abenteuer Forschung"

vorher: 19-21 Uhr: "Kommunen ohne Treibstoff". Vortrag in Tharandt

Außerdem:

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Intentionale Redundanz – Plädoyer für einen Begriff

Ein Gastbeitrag von Ferenc Biedermann.

"Peak Oil" steht für die frappante Öl-Abhängigkeit der gegenwärtigen Gesellschafts- und Wirtschaftsform und für die mit dieser Abhängigkeit einhergehenden Gefahren angesichts der Endlichkeit eben dieses Energieträgers. Die Öl-Abhängigkeit stellt ein ganz erhebliches "Klumpenrisiko" für die moderne Form des Wirtschaftens dar – jedoch bei weitem nicht das einzige. Vielfältige Gefahren ergeben sich auch daraus, dass das heutige Wirtschaftssystem in historisch einmaligem Masse global integriert ist: An die Stelle zahlloser autarker Miniökonomien ist innerhalb weniger Jahrhunderte ein einziges, weltumfassendes Wirtschaftssystem getreten. Diese Entwicklung wird gemeinhin als Globalisierung bezeichnet. Ermöglicht wurde die Globalisierung nicht zuletzt durch das Öl als billigen Treibstoff eines immer intensiveren internationalen Waren- und Personenverkehrs.

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380 Projekte, die die Welt verändern?

Dieser Artikel fußt auf einer betriebswirtschaftlichen Sichtweise auf Ölprojekte, denen ein Interview mit dem Shell-Chef Peter Voser zugrunde liegt sowie ein Papier von Goldman Sachs von April 2013, welches überschrieben ist mit "380 projects to chance the world". Beide Elemente kommen zusammen, weil in beiden Fällen der Begriff "Capex" fällt: "Capex" steht für "capital expenditure", am besten übersetzbar mit "Investitionsaufwand". Auf die Frage der Financial Times an Peter Voser, was sich bei Shell unter seinem Management geändert habe, verweist dieser auf geringere Investitionsausgaben (capex), die er infolge eines Niedrig-Ölpreis-Szenarios angeordnet hatte. Investitionsausgaben sind ja erst einmal Kosten, die ein Unternehmen hat, die daher den Gewinn schmälern. Ob aus Investitionen Gewinne werden, steht auf einem anderen Blatt. Laut Financial Times stieg der Aktienkurs von Total um 15%, nachdem der Konzern ankündigte, seine Investitionsausgaben nicht weiter zu erhöhen. Der "Peak Investition" ist bei Total damit (vorerst?) Teil der Unternehmensstrategie. Die Aktionäre belohnen diesen Schritt durch Kurssteigerungen: Total wird mehr Geld haben, welches möglicherweise als Dividende an die Aktionäre fließt. Goldman Sachs empfiehlt Shell einen vergleichbaren Schritt, worauf sich Peter Voser im Interview aber nicht für dieses oder nächstes Jahr festlegen will. Voser will die Investitionsausgaben (Capex) nicht deckeln, aber auf die richtigen Projekte warten - offenbar würde Shell mehr Geld investieren, wenn die "richtigen" Projekte vor der Tür stünden. (mehr …)

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