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Nachschlag: IEA WEO 2012 im Detail

690 Seiten umfasst das Papier der IEA, von dem die ASPO-Webseite als neues "Standardwerk" spricht. Um die Vorgehensweise der IEA zu verstehen, muss man sich klarmachen, dass die Agentur mit vier verschiedenen Szenarien spielt. Szenario 1 ist das Current Policies Scenario (CPS), bei dem die bisher installierten Energie-Politiken umgesetzt werden. Wenn also ein Land wie Deutschland ein EEG implementiert hat, dann fließen die Auswirkungen dieses Beschlusses in dieses Szenario mit ein. Alle bestehenden und installierten Beschlüsse finden sich in diesem Szenario ein und das Szenario schreibt also die heutige Entwicklung fort. Wenn die Europäische Union das Ziel ankündigt, bis 2020 20% weniger Kohlendioxid zu emittieren, 20% aus Erneuerbaren Energien zu nutzen und 20% höhere Energieeffizienz zu erreichen (20-20-20-Strategie), dann fällt diese Zielstellung in das "New Policies Scenario" (NPS), denn die Maßnahmen wurden noch nicht umgesetzt. Darin werden also alle Ankündigungen aufgenommen, die weltweit als zukünftige Schritte zu erwarten sind. Ob zu den Ankündigungen Beschlüsse und Umsetzungen erfolgen, wissen wir nicht, aber das New Policies Scenario geht davon aus, dass es passiert. Das 450er Szenario knüpft an dem global kommunizierten Ziel an, die Kohlendioxid-Konzentration in der Erdamosphäre nicht über 450 CO2-Teilchen pro Million Luftteilchen steigen zu lassen. Das 450er Szenario entwirft einen (aus IEA-Sicht) realistischen Entwicklungspfad unserer Energieversorgung, mit der dieses Ziel mit einer 50%igen Wahrscheinlichkeit (!) erreichbar wäre. Das "Efficient World Scenario" (EWS) untersucht die Frage, was passiert, wenn alle bekannten Effizienz-Werkzeuge, die ökonomisch machbar sind, umgesetzt werden und Politiken umgesetzt werden, die Marktbarrieren senken, die die Installation dieser Effizienzmaßnahmen verhindern. (Das könnten beispielsweise die Streichung von Subventionen sein.)

Man kann den 690-Seiten-Wälzer unter verschiedenen Blickwinkeln lesen, um sie alle abzubilden, müßte man ein 690-Seiten-Buch schreiben. Daher soll sich dieser Text auf die Frage konzentrieren: Was passiert, wenn wir mit der bisher installierten Politik einfach weitermachen? Wem die IEA-Aussagen dazu nicht passen, muss demnach für Änderung der bisher installierten Politik eintreten. Was passiert, wenn man Änderungen umsetzt, kann man dann an den weitergehenden Szenarien der IEA ablesen. Da die Diskussion um Peak Oil jedoch immer noch um die Frage geht, ob man sich überhaupt um dieses Thema kümmern muss, macht die Konzentration auf das Weiter-So-Szenario (Current Policies Scenario) Sinn. Denn sollte sich herausstellen, dass "Weiter So" nicht funktioniert, muss über Anpassungsmechanismen nachgedacht werden. (weiterlesen …)

IEA-World Energy Outlook 2012 – Peak Oil abgesagt?

Gestern wurde der jährliche World Energy Outlook (WEO) in London vorgestellt, heute wird der Energie-Bericht in Berlin präsentiert. Aus den bisher öffentlich zugänglichen Dokumenten läßt sich hinsichtlich Öl und Peak Oil folgendes herauslesen:

  • Die USA können bis 2030 einen Selbstversorgungsgrad mit Öl und Gas von 100% erreichen. Bis 2020 soll das Land zum größten Ölförderer werden und Saudi Arabien überholen. Der internationale Ölhandel konzentriert sich demnach in Richtung Asien, wo auch die größten Verbrauchs-Zuwächse zu finden sind. Diese Entwicklung gilt jedoch als Anomalie, denn die Tendenz weltweit geht in genau die entgegengesetzte Richtung: Die meisten anderen Länder können ihre Förderungen wenn überhaupt nur sehr begrenzt steigern oder weiten ihre Importabhängigkeit sogar aus. Dennoch erreicht die Ölförderung in den USA bereits zwischen 2020 und 2025 ihr Maximum bei etwa 10 Millionen Fass pro Tag. Öl und Gas zusammen erreichen ihren Peak um 2025.

Öl- und Gasförderung in den USA laut WEO 2012 (weiterlesen …)

Peak Oil verschoben: IEA prognostiziert sinkende Preise

240 Euro will die IEA für ihren neuen Mittelfrist-Report zur Entwicklung des Ölmarkts haben. Glauben wir SPIEGEL ONLINE ist darin ein Absinken des Ölpreises in den kommenden 5 Jahren zu erwarten. Vom diesjährigen Durchschnittspreis von 107 US$ auf dann 89 US$ soll sich das Preisniveau senken. Diese Entwicklung würde, sofern sie weltweit gültig ist, bedeuten, dass Peak-Oil-Auswirkungen auf volkswirtschaftlicher Ebene bis 2017 nicht eintreten oder spürbar werden, sondern dass wir in den vergangenen 4 Jahren ein zwischenzeitlichen Preis-Peak gesehen haben, der sich in den nächsten Jahren wieder abschwächt. (weiterlesen …)

Hohe Spritpreise geben Peak-Oil-”Vorgeschmack”

Ob es ein "Vorgeschmack" ist oder ob wir bereits mittendrin im "Peak-Programm" sind, werden wir bekanntlich erst in der Rückschau wissen. Sicher ist: Die hohen Spritpreise sorgen für Diskussionen und sie sorgen für Sorgen. Die Phänomene, die derzeit in den Medien aufgezeigt und kommentiert werden, sind Peak-Oil-Warnern wohlbekannt. Dennoch taucht das Ölfördermaximum in den Medien nur sehr dezent auf.

So meldet die Statistikbehörde EUROSTAT eine Inflationsrate von 2,6% im Euro-Raum. (weiterlesen …)

2 Euro pro Liter Benzin in Italien, Saudi Arabien will Ölförderung erhöhen

In Italien ist es nicht nur eine einzelne Tankstelle (wie kürzlich in Paris), wo Benzin 2 Euro kostet. Dort werden die 2 Euro derzeit eher zum Standard. 30% mehr ÖPNV-Fahrgäste sind zu verzeichnen. Schön, wenn es ÖPNV gibt. In Deutschland gibt der ADAC Tank-Tipps: Kaufen Sie nur soviel Sprit, wie Sie unbedingt brauchen, wenn der Preis hoch ist! Kaufen Sie mehr, wenn er runter geht. Vergleichen Sie Preise. Tanken Sie im Ausland! Aha. Bei 1,70 Euro pro Liter findet sich das Thema in den Medien wieder - doch die ADAC-Tipps gehen natürlich am Kern vorbei. Und überhaupt: Die Autofahrer zahlen pro Monat 98 Millionen Euro zuviel, weil die Konzerne 4,7 Cent pro Liter extra kassieren - so zitiert die BiLD eine Studie von EnergyComment, erstellt im Auftrag der Grünen Bundestagsfraktion. Doch so einfach ist das nicht, (weiterlesen …)

Iran-Krise spitzt sich zu: IEA würde Ölreserven bei Hormuz-Blockade freigeben

Beim Handelsblatt-Morgen-Newsletter war der Iran die heutige Topmeldung, nun wird berichtet, dass die Internationale Energieagentur (IEA) die Freigabe von Ölreserven für den Fall vorbereitet, dass sich die Iran-Krise zuspitzt. Bis zu 14 Millionen Barrel pro Tag seien im Gespräch, das sind immerhin 16% des weltweiten Tagesverbrauchs und fünfmal soviel wie die Ölmenge, die 1990 nach dem Einmarsch des Irak in Kuwait freigegeben wurden. Diese Größenordnung entspricht ungefähr den Mengen, die täglich durch die Straße von Hormuz verschifft werden.

Der Iran drohte im Kriegsfall damit, die Meerenge von Hormus zu blockieren, (weiterlesen …)

Ex-IEA-Analyst Olivier Rech: Abfall der Öl-Förderrate ab 2015

Olivier Rech machte im November Schlagzeilen, als er mit dem Ex-Bear-Stearns-Trader Luca Baccarini einen Fonds gründete, dessen Anlagestrategie auf steigende Ölpreise setzt. Konkret wurden 300 US$ in 2025 pro Barrel Erdöl genannt. Le Monde und gestern auch TheOilDrum veröffentlichten ein Interview mit dem ehemaligen Analysten der Internationalen Energieagentur, in dem es weniger um Preise für den Rohstoff geht sondern um das Absinken der Förderraten. (weiterlesen …)

Internationale Energieagentur warnt vor Ölkrise ab 2015

Die Internationale Energieagentur hat ihren Jahresbericht vorgelegt, der mehr Anstrengungen zum Klimawandel fordert, die PKW-Zahlen bis 2035 auf 1,7 Milliarden wachsen sieht und vor einer Ölkrise ab 2015 warnt:

Diese Krise kann entstehen, wenn nicht genügend Invesitionen im Nahen Osten und Nordafrika getätigt werden. Gemäß der IEA ist der Höhepunkt der Förderung von konventionellem Öl erreicht, seine Förderung soll weiterhin stagnieren und bis 2030 sogar auf 68 mb/d (Millionen Barrel pro Tag) leicht sinken. Um dieses leichte Sinken zu ermöglichen (und um es nicht noch größer werden zu lassen), werden jedoch zusätzliche Förderkapazitäten benötigt: Demnach sind "Brutto-Kapazitätserweiterungen im Umfang von 47 mb/d erforderlich, was dem Doppelten der derzeitigen Förderung aller OPEC‑Länder im Nahen Osten zusammen entspricht." (weiterlesen …)

IEA: World Energy Outlook kommt heute

Irgendwo in den Büros der Internationalen Energieagentur IEA sitzt ein Haufen schwerbeschäftigter Leute und bereitet die heutige Veröffentlichung des World Energy Outlooks vor, des Jahresberichts der IEA. Am Rande des G20-Summit in Cannes hat Fatih Birol, Chefökonom der IEA, bereits einige Themen und Daten durchblicken lassen. Zuhörer waren unter anderem die Chefs von Total, Shell, Toshiba. (weiterlesen …)

Ölpreisschock, Ölabhängigkeit und Postfossile Mobilität

"Wenn Öl bei 100 Dollar je Barrel bleibt, wird es so schlimm wie 2008."

So wird Ex-IEA-Geschäftsführer Nobuo Tanaka im Handelsblatt zitiert: Experte warnt vor Ölpreisschock. In Europa (Brent) kostet Erdöl derzeit ca. 108 US$ pro Barrel, in Nordamerika (WTI) ca. 91.

Die bayrischen Grünen haben auf ihrem letzten Landesparteitag einen einstimmigen (!) Beschluss zu Peak Fossil gefasst und den zugrundeliegenden Antrag sehr positiv diskutiert, nachlesbar ist der Beschluss hier. Dazu hatte man Volker Plass von der Grünen Wirtschaft Österreich eingeladen.

Dennis Meadows ist immer noch in der Republik unterwegs, im Deutschlandradio Kultur sagte er im Gespräch folgendes:

Die deutsche Industrie ist zum Beispiel abhängig von seltenen Erden. China ist zu Eurem Hauptversorger geworden ist. Und wenn China nun beschließt die Exporte zu stoppen und den Preis anzuheben, sieht man plötzlich die Grenzen in diesem Bereich. Die Ölpreise steigen, Eure Exporte werden teurer. Deutschland ist wesentlich abhängiger von Energieimporten als jedes andere EU-Land, über 60 Prozent Eurer Energie wird importiert. Sobald jemand den Gas- oder den Ölhahn zudreht, werdet Ihr Eure Grenzen spüren.

Die Akademie für Raumforschung und Landesplanung hat ein Positionspapier "Postfossile Mobilität und Raumentwicklung" erarbeitet und veröffentlicht.

Unverändert gibt es gesellschaftlich sehr einflussreiche Interessengruppen, die postulieren, dass die Verfügbarkeit von Öl und Gas auch langfristig gesichert sei, obwohl eine weiterhin wachsende Nachfrage bei zugleich sinkenden Zuwächsen in den weltweiten Reserven nicht mehr bestritten wird (Würdemann, Held 2009: 752). Die Zeichen mehren sich, dass die Zeiten billiger Energie vorbei sind: Ein geringeres Angebot, größere Nachfrage sowie weitere Faktoren wie geopolitische Konflikte, Umweltkatastrophen (Schindler 2011) oder spekulative Preissprünge führen zu enormen Preisvolatilitäten und -anstiegen für den Energieträger Öl. Die Erschließung des erforderlichen neuen Erdöls wird demnach sehr teuer werden. Die Preisszenarien der Internationalen Energie Agentur (IEA) sind insofern wenig plausibel, werden sie doch fast jährlich der realen Entwicklung nacheilend nach oben korrigiert. Ähnliche Trends sind für andere Rohstoffe zu erwarten.

Obwohl der Begriff "Peak Oil" nur in den Literaturhinweisen vorkommt, sollte das Papier insbesondere für Akteure in der Raum- und Stadtplanung Pflichtlektüre sein, denn es zeigt auf, wie Verkehr und Raumentwicklung zusammenhängen, wie dies unter der Annahme steigender Ölpreise weitergeht und welche kurz- bis mittelfristigen Lösungsansätze sinnvoll sind.

Nachtrag: Griechenlands Elite flieht aufs Land (SPON)

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