Wie schnell einzelne Risiken sich auf den Ölpreis auswirken war dieser Tage zu sehen: Noch am 1. Mai war der Ölpreis auf einem fallenden Pfad bei etwa 100 US$ angekommen, nur um sich am Montag den 6. Mai mit Meldungen von israelischen Militäreinsätzen auf syrischem Gebiet auf die Marke von 105 US$ heben zu lassen. 5% in einer Woche. Der Krieg zwischen Syrien, Ägypten und Israel war vor 40 Jahren Auslöser für die 1. Ölkrise und seitdem sind Unruhe-Meldungen aus dem Nahen Osten immer wieder für Preisschübe verantwortlich. Der Angriff sorgte für Ängste eines ausufernden Konflikts im arabischen Raum, der eine Hauptquelle für Exportöl ist. (weiterlesen …)
Iran: Der angekündigte Krieg
Im Konflikt zwischen Israel, den USA und dem Iran verschärft sich die Situation. Das israelische Militär testete jüngst ein Warnsystem, indem Mobilfunknachrichten über mögliche Raketenangriffe an die israelische Bevölkerung verschickt wurden. Auch wurde die Bevölkerung aufgefordert, sich mit Gasmasken auszustatten und ein (anonymes, aber wohl dem Verteidigungsminister zuzuordnendes) Haaretz-Interview spricht sich für einen Präventivschlag noch vor den US-Wahlen am 6. November aus. Ministerpräsident Netanjahu hat den ehemaligen Chef des Inlandsgeheimdienstes Avi Dichter zum neuen Minister für Zivilverteidigung berufen. Proteste gegen einen möglichen Krieg sowie die Sorge, dass Israel von verschiedenen Seiten angegriffen werden könnte, mischen sich in die Berichterstattung. (weiterlesen …)
Von Staats wegen
Politik oder Geopolitik ohne Blick auf die Energiefrage verstehen zu wollen, ist wie Wirtschaft verstehen zu wollen, ohne die Geldfrage zu klären.
Ägyptische Energieversorger haben das Gas-Lieferabkommen mit Israel gekündigt. Damit drohen Israel nach Regierungsangaben im Sommer Energieengpässe bis hin zu Stromausfällen, denn der Gasbezug aus dem Nachbarland Ägypten macht rund 40 Prozent des israelischen Bedarfs aus.
schreibt die FAZ
Auf die Pipelines von Ägypten ins jüdisch dominierte Nachbarland gab es seit dem politischen Umbruch 14 Anschläge, die laut FAZ dem extremistischen islamischen Milieu zuzuordnen sind. Energie als Achillesferse, Energie als Kampfplatz, Energie als Waffe - die Abhängigkeiten von den globalen Lieferstrukturen sind für jedes Land gefährlich. Israelische Verantwortliche hoffen, es handele sich mit der Vertragskündigung letztlich "nur" um eine ökonomische Diskussion, in deren Rahmen man beispielsweise zu neuen Preisfestsetzungen kommt. Befürchtet wird, dass die den Lieferungen innewohnende wirtschaftliche Komponente zugunsten politischer Fragen in den Hintergrund tritt und sich Konflikte um die Gaslieferungen entzünden. Da Energierohstoffe essentiell für eine "ordentliche" Kriegsführung sind, würde Gasmangel möglicherweise auch die Einsatzfähigkeit der israelischen Armee beeinträchtigen. (weiterlesen …)
Iran-Konflikt voraus
Was gibt es zum Iran noch zu sagen, außer dass sich die Welt in eine Sackgasse manövriert hat, die sehr, sehr viel mit Energiefragen (aber auch mit Weltanschauungen) zu tun hat? Der Iran will Atomenergie nutzen, so wie das viele Länder tun. Zumindest sagt das die iranische Regierung. Historisch kam die "friedliche Nutzung der Atomenergie" nach der Atombombe. Diese, so der Vorwurf, strebt Iran ebenfalls an - und dies sorgt angesichts der geopolitischen Situation im Nahen und mittleren Osten für Nervosität. Der Islam ist kein monolithischer Block, sondern zersplittert ebenso wie das Christentum in Untergruppen: Protestanten und Katholiken hier, Sunniten und Schiiten dort. Heilige Stätten mehrere Religionen auf engstem Raum und Konflikte mit der dritten großen monotheistischen Religion: dem Judentum und Israel. (weiterlesen …)
Syrien, Iran und Konflikte in der Strategischen Ellipse
Selbst für geopolitisch interessierte Ohren ist der Begriff noch längst nicht selbstverständlich: Die "Strategische Ellipse". Geprägt wurde der Begriff von der Zeitschrift Osteuropa. Er kennzeichnet ein Gebiet, "das sich vom Nahen Osten über den Kaspischen Raum bis in den Hohen Norden Russlands erstreckt. Darin befinden sich etwa zwei Drittel der weltweit bekannten natürlichen Erdöl- und Erdgaslagerstätten, die sich nach heutigem Stand wirtschaftlich fördern lassen (Reserve). Konkret betrifft dies Länder wie Saudi-Arabien, Russland, Iran, Vereinigte Arabische Emirate, Katar, Irak, Kuwait und Kasachstan." Einer Peak-Oil-interessierten Öffentlichkeit wurde der Begriff mit der Bundeswehr-Studie zu Peak Oil bekannt, von deren Seite 10 obiges Zitat stammt.

Heisser Herbst am Mittelmeer
... so beschreibt es der Tagesspiegel und die Wiener Zeitung. Der griechische Teil Zyperns will mit Probebohrungen nach Erdgas beginnen. Dazu haben die Zyprioten bereits vergangenes Jahr ein Abkommen mit Israel über die Grenzziehungen zwischen beiden Ländern geschlossen. Die Türkei hat nun mit dem türkischen Teil Zyperns ein vergleichbares Abkommen geschlossen, ebenfalls um Probebohrungen zu ermöglichen:
"Binnen einer Woche beginnen die Türkei und Nordzypern mit der Gewinnung von Öl und Gas in der ausschließlichen Wirtschaftszone Nordzyperns", kündigte Erdogan gleich nach der Unterzeichnung des Abkommens an. Die Türkei werde Kriegsschiffe und Kampfflugzeuge in die Region entsenden, die die "Situation kontrollieren" sollen.
Internationale Öl- und Gaskonzerne wurden von türkischer Seite gewarnt, sich nicht an einer Ausbeutung der Rohstoffe zu beteiligen.
Die Türkei liegt mit Israel im Streit um den Übergriff auf einen Hilfskonvoi, Griechenland steht vor dem Staatsbankrott, in Syrien brodelt eine Revolution (die die EU mit einem Ölembargo anfeuert) und in Ägypten sind noch ihre Nachwirkungen spürbar - alles Anrainer am Mittelmeer, in dem jetzt mit Öl und Gas gezündelt wird.
Peak Oil und die Bundeswehr-Studie auf der Herzlia Sicherheitskonferenz
Vom 6. bis 9. Februar fand die 11. Herzlia Sicherheitskonferenz statt. Diese Konferenz-Serie wird organisiert vom Institute for Policy and Strategy (IPS) und beschäftigt sich insbesondere mit Fragen der israelischen Sicherheitspolitik.
Als Redner der diesjährigen Konferenz war der Kommandeur des Zentrums für Transformation der Bundeswehr, General Axel Binder, eingeladen. Die Studie der Bundeswehr-Denkfabrik zu Peak Oil schlug in den vergangenen Monaten einige Wellen. Aus militärisch-strategischem Blickwinkel ist insbesondere die Strategische Ellipse interessant, die er auch in seinem Vortrag anspricht. Einen Ausschnitt des Vortrags liefert der YouTube-Kanal der Herzlia-Konferenz:
Zum Thema Peak Oil sprachen außerdem:
- James Woolsey, Ex-CIA-Direktor
- Yossie Hollander, Chef des israelischen Instituts für ökonomische Planung
- David Hobbs, Energie-Stratege
- Brenda Shaffer, Universität von Haifa
- Shaul Zemach, Generaldirektor des Ministeriums für nationale Infrastruktur
- moderiert wurden die 105 Minuten-Session von Sam Kiley, Sky News



