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Unkonventionelles Öl – die Lösung für Peak Oil? Teil 3: Gas to Liquid

Nachdem wir uns im ersten Teil der Artikelserie mit „Tight Oil“ aus dichten Schiefern in North Dakota und im zweiten Teil mit der künftigen Ölgewinnung aus den Ölschiefern der Green River Formation beschäftigt haben, wird es nun um Prozesse gehen, mit denen man aus verschiedenen Ausgangsstoffen mit Hilfe physiko-chemischer Prozesse flüssige Treibstoffe herstellen kann. Als erstes schauen wir uns den sogenannten "Gas to Liquid"-Prozess (GtL) an.

Gas to Liquid - die Fischer-Tropsch-Synthese

Beim Gas-to-Liquid-Verfahren wird Erdgas, durch Zufuhr von Wasserdampf und Sauerstoff in ein sogenanntes Synthesegas umgewandelt. Dieses Synthesegas ist dann das Ausgangsprodukt für das berühmte Fischer-Tropsch-Verfahren, bei dem Kohlendioxid (CO2), Kohlenmonoxid (CO) und Wasserstoff  über einen katalytischen Prozess in flüssige Kohlenwasserstoffe umgewandelt werden. Dieses, nach seinen Entdeckern Franz Fischer und Hans Tropsch benannte Verfahren, wurde bereits 1925 entdeckt.

Schema des Gas to Liquids Prozesses Quelle: wiki commons

Der Prozess kam erstmals im größeren Maßstab während des 2. Weltkriegs in Deutschland zum Einsatz, damals vor allem deshalb, weil das rohstoffarme Deutschland Treibstoffe aus Kohle gewinnen wollte, um überhaupt Krieg führen zu können. (mehr …)

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Rekord-Förderrückgang in Großbritannien

Die ASPO weist auf den Bericht "Energy Trends" von Dezember 2011 des britischen "Department of Energy and Climate Change" hin. Demnach fiel die Ölproduktion des ehemaligen Netto-Ölexporteurs Großbritannien binnen 12 Monaten um 22,5%. Das ist der größte Rückgang seit Überschreiten des britischen Peaks anno 1995. Entsprechend stark sank der Export, so dass Großbritannien nun Netto-Importeur von Mineralöl ist und damit als zusätzlicher Nachfrager auf dem globalen Ölmarkt auftritt - mit entsprechenden Wirkungen auf die Ölpreise.

Auch die Gasförderung sinkt im Rekord. Sie lag binnen 12 Monaten um fast 30% niedriger und ließ die Gas-Importe um über ein Drittel ansteigen. Die Kohleproduktion sank um 10% und die Kohle-Importe stiegen um 42%. Der Energieverbrauch sank im selben Zeitraum um nur 2%, wobei der Verbrauch im Transportbereich um 3% sank, im Industriebereich um ein halbes Prozent, jedoch der Haushalts-Verbrauch sogar um ein halbes Prozent anstieg. Die installierte Kapazität von Photovoltaik-Anlagen verdopppelte sich allein vom 3. zum 4. Quartal 2011 auf etwa 260 Megawatt.

Der Abfall der Förderraten sowohl bei Öl wie auch bei Gas und Kohle ist sehr viel größer als der Abfall der Verbrauchsrate. Dadurch ist Großbritannien gezwungen, verstärkt Energie und Energierohstoffe zu importieren. Um die Energieversorgung krisenfester zu bekommen müßte im Grunde die Verbrauchsrate in derselben Geschwindigkeit sinken, wie die Förderraten. So lange das nicht passiert wird das Land seine Nachfrage auf den internationen Märkten weiter ausbauen und seine zusätzliche Nachfrage wird die Preise für Öl, Gas und Kohle entsprechend treiben sowie die globale Verbrauchsgeschwindigkeit erhöhen. Die Importabhängigkeit stieg im Betrachtungszeitraum um fast 16% auf ein neues Rekordhoch von 42,2%. Großbritannien ist eines der wenigen Länder, die "Energie- und Treibstoffarmut" statistisch untersuchen. Laut jüngstem Bericht galten 2009 4 Millionen britische Haushalte als "treibstoffarm".

Vom 2. zum 3. Quartal 2011 gab es einen starken Sprung in den Such- und Entwicklungs-Aktivitäten der Öl- und Gasförderer an Land, während die Entwicklung bekannter Quellen im Meer stark zurückging. Seit Ende 2008 importiert Großbritannien steigende Mengen von Flüssiggasen, insbesondere aus Katar. Ende 2011 machte diese Quelle etwa die Hälfte des Import-Gases aus und fast ein Drittel des Gasverbrauchs. Da Flüssiggas üblicherweise in entsprechenden Tankern transportiert wird, sollte Großbritannien ein starkes Interesse daran haben, dass die Seestraße von Hormuz offenbleibt. Ein Konflikt würde Großbritannien frieren lassen, aber auch die zu fast 50% auf Gas basierende Stromversorgung gefährden. Aus diesem Blickwinkel dürfte es interessant sein, die britische Haltung zum Iran-Konflikt zu beobachten.

Es bleibt zu hoffen, dass sich die (deutschsprachige) Medienlandschaft in ihrer Benzinpreisanalyse auch solche Fundamental-Entwicklungen anschaut.

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