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4500 werden es nicht schaffen

Über ASPO Deutschland bin ich auf folgenden Artikel gestoßen: "Collapse: The Post-peak Narrative", sinngemäß übersetzt und interpretiert, "Zusammenbruch: Die Geschichtsschreibung nach dem Erdöl-Fördermaximum", vom 06.12.2013. Zu lesen auf culturechanche.org.

Darin wird beschrieben, wie sich verschiedene Entwicklungen in den verschiedenen Gesellschafts- und Wirtschaftsbereichen mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit ereignen könnten, wenn die globale Förderrate von Erdöl rückläufig sein wird. Der Autor Peter Crabb beschreibt dabei Ereignisse in unterschiedlichen Bereichen.

  1. Stillstand technologischer Systeme
  2. Wirtschaftlicher Absturz
  3. Institutionen werden handlungsunfähig
  4. Zusammenbruch des Ökosystems
  5. Gewalt und Konflikte
  6. Wegsterben der Bevölkerung

Das sind mögliche Szenarien, welche Crabb in seinem Artikel jeweils noch erläutert. Sie stellen sicher nicht die einzigen Varianten dar, sie sind in dieser Weise und Ausprägung dennoch nicht auszuschließen und als sehr wahrscheinlich einzustufen, denn es sind die typischen Merkmale einer zusammenbrechenden Hochkultur, die es in der Vergangenheit lokal auf dieser Erde immer wieder gab. Im Prinzip nichts Neues.

Ich denke am überraschensten und mental bedrohlichsten liest sich jedoch Punkt Sechs der oben aufgeführten Auflistung: "Wegsterben der Bevölkerung". Peter Crabb, ein Sozialpsychologe mit einer Anstellung an der Pennsylvania State University, der für diesen Artikel über 40 Bücher als seine Leselektüre benennt, geht davon aus, dass von den derzeit 7,1 Milliarden auf der Erde lebende Menschen nur noch an die 2 Milliarden Menschen leben werden, wenn sich nach einem zu erwartenden Systemzusammenbruch wieder ein stabiles und tragfähiges System eingependelt haben wird. Er bezeichnet diesen Prozess als Wegsterben von überschüssigen "Öl-Menschen" (Original: "petro people"). Die Todesursachen sieht er in Hunger, Infektionskrankheiten, extremen Temperaturen (vermutlich wegen fehlenden Klimaanlagen und Heizbrennstoffen) und Morde durch Überlebenskämpfe. Viele Menschen werden freiwillig ableben, weil sie das Elend, das sie auf sich zukommen sehen oder bereits mit ihnen oder um sie herum passiert, nicht mehr ertragen können.

Das düstere Bild das er aufzeigt, wird noch verstärkt durch die Bemerkung, dass es der Filmindustrie bisher noch nicht gelungen sei, Szenen von Tod und Leid so darzustellen, wie sie sich abspielen könnten, wenn die globale Ölförderung spürbar abnimmt.

Wie deprimierend.

Ist das jetzt die Wahnvorstellung eines durchgedrehten Psychologen? Es gab, wie er schreibt, einige Hinweise in seinen benannten Quellen, dass es 2 Milliarden sein werden. Die Begründungen darin fand er plausibel und schloss sich ihnen an. Ohne diese Quellen zu prüfen, stellt sich für mich die Frage, wie nahe diese an einer möglichen Realität mit 2 Milliarden "Überlebenden" auf unserem Planeten sind? Doch wie kann ein Überprüfungsansatz aussehen? Nun, was im Großen für unseren Globus gilt, müsste doch auch im Kleinen für meinen Wohnort Gültigkeit haben.

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Studie: Peak Oil – Herausforderung für Thüringen

Am 05.02.2014 wurde die von der Landtagsfraktion Bündnis90/Die Grünen im Thüringer Landtag beauftragte Studie "Peak Oil - Herausforderung für Thüringen" in Erfurt vorgestellt. Die Studie ist insbesondere für Bewohner Thüringens interessant. Doch auch Nicht-Thüringer können sich anhand der Studie ein Bild machen, welche Bereiche in einem Bundesland von Peak-Oil-Dynamiken betroffen sein können. Als Beispiel sei die hohe Pendlerquote benannt, die in Thüringen herrscht.

Die Studie an dieser Stelle wiederzugeben ist wenig sinnvoll. Daher soll nur ein einzelner Ausschnitt gewählt werden. Die folgende tabellarische Gegenüberstellung wurde inspiriert durch den 2. Entwurf des Thüringer Landesentwicklungsplans (LEP 2025), der relativ häufig die Endlichkeit der Rohstoffe als Argument für nachhaltigere Entwicklungswege heranzieht. Allerdings trifft der Plan letztlich die Besonderheiten der Peak-Problematik nicht ausreichend. Daher habe ich mir erlaubt, mal die Konnotationen, die Untertöne und damit verbundenen Suggestionen der beiden Konzepte "endliche Rohstoffe" und "begrenzte Fördergeschwindigkeiten" gegenüberzustellen. Je nachdem, ob man einen sozioökonomischen Organismus wie Thüringen aus dem Blickwinkel betrachtet "die Rohstoffe sind endlich" oder aus dem Blickwinkel "es gibt begrenzte Rohstoff-Fördergeschwindigkeiten" schwingen andere Untertöne mit, die letztlich zu anderen Haltungen dem Problem gegenüber führen.

Die Tabelle ist der Studie auf Seite 43 entnommen, im Kapitel über den Landesentwicklungsplan Thüringens:

Endlichkeit der Rohstoffe

Begrenzte Fördergeschwindigkeiten (Peak-Problem)

Probleme tauchen erst auf, wenn das Ende der Rohstoffe erreicht ist.

Probleme tauchen schon bei Annäherung an das Fördermaximum auf

Es bleibt viel Zeit bis zur Problemlösung (teilweise mehr als 100 Jahre).

Es bleibt sehr viel weniger Zeit bis zur Problemlösung. Akute Probleme können auftauchen.

Die Probleme tauchen dann abrupt auf.

Die Probleme entwickeln sich schleichend schon im Vorfeld.

Bis dahin werden wir technische Lösungen gefunden haben.

Sich auf ungewisse neue technische Lösungen zu verlassen kann gefährlich sein.

Nach dem Ende der Rohstoffe haben wir ein System, das funktioniert. Punkt.

Der Transformationsprozess ist ungewiss, auch weil die Probleme mit dem Überschreiten des Fördermaximums stärker werden.

Wir müssen nur das Energiesystem umbauen.

Wir müssen auch Umbauten an den Systemen vorsehen, die mit dem Energiesystem verbunden sind.

Wir können bis dahin mit den bekannten Paradigmen weiterarbeiten.

Wir müssen prüfen, ob unsere historisch erfahrenen Paradigmen noch gültig und hilfreich sind.

Wir haben es mit einem linearen Problem zu tun.

Wir haben es mit einem non-linearen Problem zu tun.

Tabelle 2: Unterschiedliche Suggestionen der und Schlussfolgerungen aus den Konzepten „Endlichkeit der Rohstoffe“ und „begrenzte Fördergeschwindigkeiten“

Studie: Peak Oil - Herausforderungen für Thüringen

Um die Diskussion über die Problemstellungen rund um Peak Oil anzuregen, freut mich eine weite Verteilung und konstruktive Diskussion der Studie und ihrer Inhalte.


Pressereaktionen:

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Massive Kostensteigerungen in der Ölindustrie

Man könnte meinen, das Öl- und Gasgeschäft müßte höchstlukrativ sein, seitdem sich die Ölpreise binnen weniger Jahre fast verfünffacht haben. Doch wird erwartet, dass selbst höchste Milliardengewinne von Jahr zu Jahr gesteigert werden, damit das Geschäft "zufriedenstellend" verläuft. Genau dieses weitere Gewinnwachstum haben die großen privaten Ölkonzerne aber 2013 nicht hingekriegt. Shell hatte nur 12 Milliarden US$ zum Silvesterfest übrig, Chevron nur 21 Milliarden, Exxon keine 9 Milliarden. BP sagt uns morgen, wie der Laden läuft. Für den Normalverdiener klingt das nach immensen Summen und zweifellos sind sie das auch. Aber da die Ölpreise 2013 fast genauso hoch waren wie 2012, muss den Konzernen das Geld irgendwo aus den Fingern geronnen sein.

Das WallStreetJournal hat einen längeren, sehr aufschlussreichen Artikel namens: "Explodierende Kosten bringen Ölriesen in Erklärungsnot". Demnach haben Chevron, Exxon und Shell in 2013 zusammen 120 Milliarden US$ ausgegeben, "um ihren Ausstoß an Erdöl und Erdgas zu erhöhen". In den vergangenen 5 Jahren hat diese Truppe eine halbe Billion US$ sprichwörtlich in der Erdkruste versenkt, um ... um dennoch eine weiterhin rückläufige Öl- und Gasförderung zu verzeichnen.

Die Ansprüche sind hoch. Chevron will bis 2017 seine Fördermengen um 25% steigern. Dafür hat das Unternehmen 2013 42 Milliarden US$ in die Hand genommen, ungefähr genausoviel wie Exxon und Shell. Dabei macht Chevron nur etwa halbsoviel Umsatz wie die beiden anderen. 2014 sollen es wieder 40 Milliarden sein, was die US-Wertpapieraufsicht auf den Plan rief. Laut WallStreetJournal befürchten die Aktienaufseher, weiter steigende Ausgabenpläne können die Liquidität des Unternehmens angreifen. Das wäre der finanzielle Supergau: Eines der Mega-Unternehmen der fossilen Branche steuert mangels Bargeld der Zahlungsunfähigkeit zu.

Damit es dahin nicht kommt, sortieren die Unternehmen sich um. Das allerdings macht aus Peak-Oil-Gesichtspunkten Stirnrunzeln. Wenn die Ölkonzerne Projekte auf Eis legen, weil sie sich nicht finanzieren können oder wollen, weil sie zu unsicher oder zu teuer sind: Woher kommen dann die 4 Saudi Arabiens, die wir bis 2030 finden müssen, damit wir den Peak Oil vor uns herschieben können? Wir kennen inzwischen Stichworte wie Shtokman oder Kashagan, Öl- und Gasprojekte die teils Jahre über dem Zeitplan liegen oder an denen nicht weitergearbeitet wird und Milliarden verschlungen haben. Shell trennt sich von Nordseeölfeldern und legt Gasverflüssigungspläne auf Eis und investiert stattdessen in eine - wie es beim WSJ heißt - "bisher nicht erprobte Technologie" eines schwimmenden Gas-Fördertankers. Statoil legt die Hoffnungen so mancher Grönländer ad acta, und zieht sich aus Explorationsvorhaben aus West-Grönland zurück: Um Ausgaben zurückzufahren.

Wenn die privat organisierten Ölkonzerne ihre Ausgaben zurückfahren, sich von Projekten zurückziehen, sich masslos verschätzen in den Kosten und den Zeitplänen für einzelne Mega-Projekte: Wann soll denn da bittschön die globale Ölförderung weiter steigen? Wenn das ein zeitlich befristeter Rückzug sein soll, damit die Ölingenieure mal in sich gehen können, sich sammeln; um dann mit neu sortierten und ausgeruhten Kräften neue Ölfelder auf diesem Planeten suchen zu gehen - dann bestünde ja Aussicht auf spätere Öl-Hochs. Doch tatsächlich legen die Konzerne just in jenen Zeiten so manches Projekt beiseite, in denen sie die höchsten Umsätze und höchsten Gewinne ihres Geschäftslebens machen.

Peak Oil? Voraus.

 

 

iea - oil production in absence of investment

Abbild 14.6: Ölförderung die wir von allen derzeit beförderten Ölfeldern beobachten würden, wenn es keine weiteren Investitionen gäbe. World Energy Outlook 2013 der Internationalen Energieagentur, S. 470

 

 


Nachrichtlich:

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BGR-Energiestudie 2013: Zwischen gigantischen fossilen Ressourcen und nahender Ölknappheit

Unsere Lebensweise stützt sich auf fossile Energierohstoffe. Für Deutschland beobachtet die "Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe" (BGR) mit Sitz in Hannover die Versorgungslage mit diesen Rohstoffen. Seit 1976 über 17 mal und seit 2004 jährlich erstellte die Behörde eine Energiestudie mit dem Untertitel "Reserven, Ressourcen und Verfügbarkeit von Energierohstoffen". Darin wird erläutert, wie sich die aktuelle Versorgungslage aus geologischer Sicht entwickelt. Die diesjährige Studie leitet mit dem Satz ein:

"Ein globales Maximum der Erdölproduktion, auch bekannt als „Peak Oil“, rückt näher."

In erster Linie dienen die jährlichen Analysen der Beratung des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie (BMWi), kurz: Dem Wirtschaftsministerium. Seit dem Mitgliederentscheid der SPD ist klar, dass dieses Ministerium in der kommenden Regierungsperiode vom SPD-Chef Sigmar Gabriel geleitet wird und dass die Energiepolitik des Landes ebenfalls in diesem Ministerium konzentriert wird. Die neue BGR-Studie enthält also Fundamental-Informationen für dieses Ressort und wird dort hoffentlich intensiv diskutiert. (mehr…)

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2014: Die nächste Debatten-Phase

Zu Beginn 2013 schrieb mir ein Leser dieses Blogs, dass 2013 für die Peak-Oil-Diskussion verloren sei. Aus allen Kanälen sickerte damals die Erkenntnis, Fracking würde zu neuen unerschöpflichen Ölquellen führen und Peak Oil sei obsolet. Auf dieser Aussage ruhten sich dann tatsächlich das ganze Jahr über die Journalisten und die Entscheider aus. Nun gut, vielleicht ist so ein Jahr Atempause auch mal gut.

Zu Beginn 2014 ist der Mythos der sich selbst mit Öl versorgenden USA, die demnächst die Welt mit Fracking-Öl überschwemmen wird, weiterhin aktiv. Einem Jahr einseitiger Berichterstattung setzen einzelne kritische Medienberichte nicht so schnell etwas entgegen. Doch zeigt sich, dass die Skepsis gegenüber der Fracking-Euphorie sowohl bei einzelnen Journalisten wie auch bei den wichtigen Statistik-Behörden EIA und IEA zugenommen hat. Und so liest man dieser Tage beispielsweise:

Es wird noch einige Zeit dauern, bis die Erkenntnisse von FAZ und Süddeutscher in den regionalen Medien ankommen und dort die zuvor aufgebauten Erwartungen an die neue Wundertechnik zurechtrücken. Auch schlafen jene nicht, deren fossile Geisteshaltung ein fortwährendes Mehr vom Gleichen fordern. In der ZEIT dürfen Daniel Yergin und Ralf Wiegert "Mehr Erdgas!" fordern und malen den Teufel am Abstieg der deutschen Industriekultur an die Wand, wenn nicht bald die unkonventionell förderbaren Erdgas-Reserven unter Europa angezapft werden. Ihre Argumentation bauen sie weiterhin auf dem Vergleich mit den niedrigeren Gas- und Ölpreisen in den USA auf. Dabei ist beim Thema Gas seit längerem spürbar, dass sich die derzeitigen Gaspreise in den USA nicht rechnen. Perspektivisch ist deshalb ein Gaspreisanstieg in den USA wahrscheinlich, zumal die in Europa förderbaren Gasmengen eher bescheiden ausfallen. Bei Öl zieht das Argument sowieso nur am Rande und kurzfristig: Seinen nächsten lokalen Peak in der Ölförderung werden die USA nach den letzten EIA-Analysen bereits 2016 erreichen:

US-Oelfoerdung 2014-2040

Peak Oil also tot? Keineswegs.

Ja: Die weiterhin steigende US-Ölförderung dämpft den globalen Ölpreis. Ja, die weiter steigende US-Ölförderung steigert die US-Selbstversorgung. Ja, die weiter steigende US-Ölförderung entlastet den globalen Markt. Doch der Ausblick der EIA vom 9. Januar 2014 ist keineswegs rosig. Die folgende Grafik zeigt, wie aus Sicht der EIA die Förderkapazitäten 2013 gewachsen sind, geteilt nach USA, Kanada und dem "Rest der Welt":

Was die USA an Kapazität zugelegt haben, hat der Rest der Welt verloren. Dabei ist die Fußnote zu dieser Grafik sehr aufschlussreich:

Hinweis: Nahezu alle Länder außer Saudi Arabien fördern mit voller Kapazität. Im Ergebnis entspricht das Kapazitäts- dem Förderwachstum in allen Ländern.

Was soviel heißt wie: Nennenswerte freie Förderkapazitäten gibt es nicht mehr. Alle Ländern außer den Saudis fördern mit vollem Einsatz. Was bedeutet: Störungen in der Ölversorgung einzelner Länder sollten besser nicht eintreten, denn es gibt außer den Saudis niemanden, der sie kurzfristig ausgleichen könnte. Politische Verwerfungen entlang der Ölförder- und Transportrouten lassen sich nicht nennenswert abpuffern und würden sich entsprechend stark auf die Ölpreisentwicklung auswirken.

Nun: Ein Schrumpfen der freien Förderkapazitäten gen Null ist ein untrügliches Zeichen dafür, dass wir im Grunde bereits am Ölgipfel angekommen sind. Mögen die globalen Gesamtzahlen noch ein bisschen steigen in den kommenden Jahren, wird sich dennoch am Grundproblem nicht mehr nennenswert steigerbarer Ölförderung nichts mehr ändern. Wenn der US-Output ab 2016 sein Maximum erreicht und noch ein paar größere Projekte wie Kashagan ans Versorgungsnetz gehen, mögen noch ein paar Barrel Platz bis zum Erreichen des "formellen Maximums" sein. An der kritischen Versorgungssituation, in der insbesondere Europa mit seinem unaufhaltsamen Fördersinkflug ist, werden die paar Vorstöße wenig ändern.

Es ist zu erwarten, dass die Journalisten, die den Fracking-Stern realistisch beim Sinken zuschauen, diese Thematik nun wieder aufgreifen. Wie Bürger, Entscheider und Politiker darauf reagieren, wird sich zeigen.

Sonstiges:

Bücher:

Langfristig:

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Peak Oil. Oder: Warum Dresden einen Ölkrisen-Vorsorgeplan braucht

Ohne Öl stünde der motorisierte Individual- sowie der Versorgungsverkehr in Dresden still. Die Stadt ist hochgradig verletzlich gegenüber Ölkrisen. Die finale Ölkrise steht jedoch bevor: Der Höhepunkt in der globalen Ölversorgung (Peak Oil), nach dessen Überschreiten stark steigende Ölpreise und Treibstoff-Verknappung zu erwarten sind. Der Vortrag diskutiert den Stand der globalen Ölversorgung und dessen Risiken sowie notwendige Schlußfolgerungen für die Daseinsvorsorge in Dresden.

Norbert Rost leitet als Wirtschaftsinformatiker der Büro für postfossile Regionalentwicklung, ist Gründungsmitglied des Postfossil-Institut (Hamburg) und Mitglied im Ortsbeirat Dresden Altstadt.

Siehe auch:

 

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IEA: World Energy Outlook 2013

Ich habe mir den neuen World Energy Outlook der Internationalen Energieagentur unter dem Blickwinkel auf Öl angeschaut. Mangels Zeit sind mir sicherlich diverse interessante Details nicht ins Auge gesprungen. Die wichtigsten Ölinhalte habe ich hoffentlich dennoch getroffen:

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Kommentarlos, Teil 38

„Da Stabilität einer der fundamentalsten Wünsche jedes Menschen ist, werden Gedanken gern verdrängt, die Umbruchsituationen berühren“, liest man in einem Grundsatzpapier der Grünen in Sachsen. Und auch Florian Kaiser, Umweltpsychologe an der Universität Magdeburg, sagt: „Mit Bedrohungsszenarien erreicht man vermutlich kein Umdenken.“

Wer sich trotzdem eingehend mit den möglichen Folgen von Klimawandel und Peak Oil beschäftigt, der läuft hingegen Gefahr, depressiv zu werden, manche sprechen bereits von der „Doomer-Depression“. Diese psychische Störung resultiert laut dem Grünen-Papier aus individuell wahrgenommenen Ohnmachtsgefühlen.

Die taz schreibt über "Klimawandel und Psychologie" (und bezieht sich auch auf mein 2011er Papier)

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Intentionale Redundanz – Plädoyer für einen Begriff

Ein Gastbeitrag von Ferenc Biedermann.

"Peak Oil" steht für die frappante Öl-Abhängigkeit der gegenwärtigen Gesellschafts- und Wirtschaftsform und für die mit dieser Abhängigkeit einhergehenden Gefahren angesichts der Endlichkeit eben dieses Energieträgers. Die Öl-Abhängigkeit stellt ein ganz erhebliches "Klumpenrisiko" für die moderne Form des Wirtschaftens dar – jedoch bei weitem nicht das einzige. Vielfältige Gefahren ergeben sich auch daraus, dass das heutige Wirtschaftssystem in historisch einmaligem Masse global integriert ist: An die Stelle zahlloser autarker Miniökonomien ist innerhalb weniger Jahrhunderte ein einziges, weltumfassendes Wirtschaftssystem getreten. Diese Entwicklung wird gemeinhin als Globalisierung bezeichnet. Ermöglicht wurde die Globalisierung nicht zuletzt durch das Öl als billigen Treibstoff eines immer intensiveren internationalen Waren- und Personenverkehrs.

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Peak Oil: Der Stand der Dinge

Als "Peak Oil" wird das Fördermaximum bei der Ölförderung verstanden (Peak = Gipfel, Oil = Erdöl). Hinter dem Begriff steht die Annahme, dass die Ölmengen, die in einer bestimmten Zeit gefördert werden können, sich nicht ewig steigern lassen, sondern irgendwann eine Grenze erreichen. Knapp 90 Millionen Fass "Öl" werden heute pro Tag auf der Welt bereitgestellt und verbraucht, diese Zahl gibt also die Fördergeschwindigkeit an: 90 Millionen Fass pro Tag. Da man nicht mehr Öl verbrauchen kann, als zuvor gefördert wurde, begrenzt die Fördergeschwindigkeit den Verbrauch.

In der Diskussion um Peak Oil wird oft die im Boden lagernde Ölmenge mit der Fördergeschwindigkeit verglichen,um beruhigend festzustellen, dass noch Milliarden Tonnen im Boden lagern und daher kein Problem zu sehen ist. Jeder Autofahrer wird aus Erfahrung feststellen können, dass das eine mit dem anderen nicht viel zu tun hat: Denn es ist nicht die Menge des Treibstoffs im Tank, die bestimmt, wie schnell das Auto fährt. Vielmehr ist für die Geschwindigkeit des Autos jene Menge an Treibstoff entscheidend, die durchs "Gasgeben" in den Motor kommt. Der Füllstand des Tanks läßt allerhöchstens Aussagen darüber zu, wie weit das Fahrzeug noch kommt, bis es liegenbleibt.

Peak Oil bezieht sich also auf die Ölmenge, die pro Zeiteinheit gefördert wird. Dabei ist meist die globale Ölförderung gemeint: Also die Summe aller auf dem Planeten aktiven Quellen. Und hier muss man feststellen: Weiterhin wächst diese pro Tag, pro Monat und pro Jahr geförderte Ölmenge. Der globale Peak Oil ist also noch nicht erreicht. Gliedert man den einen globalen Ölfluss aber auf in die einzelnen Ölflüsse, aus denen er sich zusammensetzt, muss festgestellt werden: Zwei Drittel der Länder, die jemals Öl gefördert haben, haben ein Maximum überschritten.

Folgende Tabelle gliedert die Ölförderung nach Förderregionen; und zwar so, wie dies die us-amerikanische Bundesbehörde Energy Information Agency (EIA) vornimmt. Außerdem unterscheidet die Tabelle zwischen "Öl-Arten", nämlich zwischen "crude and condensate" und "all liquids". "crude and condensate" ist jenes Öl, welches aus dem Boden kommt, in "all liquids" fließen auch Biotreibstoffe sowie Flüssiggase wie Propan und Butan ein, kurzkettige Kohlenwasserstoffe die bei der Erdgasförderung anfallen, die eigentlich kein Erdöl sind aber dieses in Teilen ersetzen können. Zugrunde liegen Daten von Januar 1994 bis April 2013 auf Monatsbasis. Da die Ölförderung im Monatsverlauf schwankt (da muss nur in einem Ölfeld ein technisches Problem auftauchen), ist nicht für jede Region klar zu sagen, ob das Fördermaximum nur ein kurzfristiges Phänomen ist und die Fördermengen bald wieder steigen oder ob der Förderrückgang unwiderruflich ist. Dies gilt umso mehr, je kürzer die jeweiligen Peaks zurückliegen:

Weltregion Crude+Condensate all liquids
bisheriges Fördermaximum
(in Mio Barrel pro Tag)
Zeitpunkt Veränderung seitdem bisheriges Fördermaximum
(in Mio Barrel pro Tag)
Zeitpunkt Veränderung seitdem
Nordamerika 13,554 April 2013 19,340
Zentral- und Südamerika 6,942 Dezember 2000 -4,74% 8,225 September 2011 -7,55%
Europa 6,909 November 1999 -56,77% 7,744 November 1999 -50,15%
Eurasien 12,852 März 2013 -0,11% 13,549 März 2013 -0,09%
Naher Osten 24,673 August 2011 -4,72% 27,516 August 2011 -3,68%
Afrika 10,168 Dezember 2007 -10,73% 10,963 Dezember 2007 -8,83%
Asien und Ozeanien 8,034 September 2010 -4,66% 9,337 September 2010 -3,55%
Die Welt 76,349 April 2013 89,845 April 2013

Die Tabelle zeigt: Global gesehen ist der Peak noch nicht überschritten, die Fördermengen sowohl des "echten Erdöls" (crude and condensate) wie auch von Erdöl plus Ersatzstoffe steigen weiterhin. Im April wurden insgesamt 90 Millionen Barrel täglich bereitgestellt. Die Tabelle zeigt zudem: Nur Nordamerika ist konsequent auf dem "aufsteigenden Ast". Eurasien und der Nahe/Mittlere Osten zeigen Daten, die nicht eindeutig sind, weil die Fördermaxima im März 2013 bzw. im August 2011 noch nicht weit genug zurückliegen, um endgültige Aussagen zu treffen. Zumal der größte Ölförderer im Nahen Osten Saudi Arabien schon in der Vergangenheit als sogenannter "swing producer" auftrat und die Förderung drosselte, um die Ölpreise zu stabilisieren. Es ist nicht auszuschließen, dass dies der Grund ist, warum im August 2011 ein Fördermaximum in dieser Weltregion auftrat: Weil Saudi Arabien den Hahn leicht zudreht, um die Ölpreise oben zu halten. Somit wären nicht geologische, sondern ökonomisch-politische Gründe für diesen lokalen Peak ausschlaggebend und ein Ansteigen der Fördermengen wäre machbar, wenn Saudi Arabien das will.

Nachhaltig den Peak Oil überschritten haben jedoch alle anderen Weltregionen: Süd- und Zentralamerika, Afrika, Asien und Ozeanien, Europa.  Noch ist der Förderabfall in den meisten dieser Weltregionen überschaubar: 4 bis 11% bei "crude and condensate" und 3 bis 9% wenn man auch die Ölersatzstoffe einbezieht. Nur eine Weltregion ist von einem enormen und im globalen Maßstab unvergleichlich starken Rückgang betroffen: Europa.

Aus einem langfristigen Blickwinkel her betrachtet - immerhin ist die industrielle Ölnutzung auf diesem Planeten inzwischen etwa 150 Jahre alt - ist das Erreichen der lokalen Ölfördermaxima also ein sehr aktuelles Phänomen: Mit der Jahrtausendwende kamen die ersten Weltregionen auf ihr Förderplateau, 10 Jahre später ist klar, dass sie in der Mehrheit sind. Aus diesem langfristigen Blickwinkel werden wir in Zukunft rückblickend sagen, dass wir den Ölfördergipfel im Grunde schon erreicht haben. Fraglich ist:

  1. Wie lange wandeln wir auf dem Plateau, bis die Weltölförderung in den "Sinkflug" geht (globale Decline-Phase)? In Europa dauerte das Plateau 6 Jahre, global könnten es durchaus 20 sein.
  2. Mit welcher Rate sinkt die Ölförderung dann? Werden es wie in Europa ebenfalls 5 bis 6 % pro Jahr?
  3. Welche Auswirkungen wird dies auf Wirtschaft und Gesellschaft haben? Lokal und global. Welche Anpassungsmaßnahmen sind zielführend? Wie gestaltet sich die Transformationskrise?

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