Zum Textbeginn springen . Zur Navigation springen .

Peak-Oil-Debatte in der Bremischen Bürgerschaft

Noch zu Hoch-Ölpreis-Zeiten im Juli diesen Jahres stellten fünf Abgeordnete von Grünen und SPD im Bremer Landtag eine Große Anfrage "Bremische Strategie zum Umgang mit Risiken der Erdölversorgung und steigenden Ölpreisen". Mitte September hat die Verwaltung der Freien Hansestadt Bremen die 16 Fragen beantwortet, am 20. November diskutierte die Bremische Bürgerschaft die Fragestellung.

Dank Internet sind die zugehörigen Dokumente für jedermann verfügbar: Für Bremer, um sich ein Bild zu machen, wie die Stadtregierenden die Erdöl-Frage vor dem Hintergrund des Peak Oil diskutieren, für Nicht-Bremer, um mögliche Anregungen daraus zu ziehen, eine ähnliche Diskussion im eigenen Bundesland oder der eigenen Stadt anzustoßen. Wichtig zu wissen: In Bremen regiert eine rot-grüne Regierung. Die Anfrage kommt also nicht aus der Opposition, sondern aus Reihen des Regierungslagers. Interessant ist, dass die Anfrage und die Antworten kurz Bezug auf die Peak-Oil-Studien für Thüringen, Sachsen und die Bundeswehr-Studie nehmen.

Im Mitschnitt der Diskussion sind Redebeiträge zu hören von Grünen, CDU, SPD, Linke und Senator für Wirtschaft, Arbeit und Häfen Martin Günthner. Die Diskussion findet vor einem gerade mal zu einem Drittel gefüllten Saal statt, ist also weit davon entfernt, alle Parlamentarier zu erreichen:

71. Sitzung der Bremischen Bürgerschaft (Landtag, 14:30–18:00 Uhr) am 20.11.2014 auf Vimeo.

Der Wirtschaftssenator Günthner beruhigt: Bremen wäre im Vergleich zu anderen deutschen Bundesländern nicht überproportional betroffen. Na dann...

(Dank an Peter)

flattr this! Bitcoin-Adresse: 197sddH9NhoSXuQLKx6pTSSe6oEJPf9xNa

Ölpreis im Sinkflug – Wirtschaftskrise voraus?

Nachher ist man immer schlauer.

Seit Juni 2014 schrumpfen die Ölpreise. Während sich sowohl der nordamerikanische WTI-Preis wie auch der europäische BRENT-Preis fast 4 Jahre lang in einem Korridor zwischen 100 und 120 US$ bewegten, sind sie nun seit 4 Monaten am Abtauchen. WTI kostet 87 US$ und auch Brent strebt rasant der 90-Dollar-Grenze zu. Die Entwicklung scheint Peak Oil zu widerlegen, doch muss man klar festhalten: 4 Monate sind kein Zeitrahmen, mit dem sich ein globales Ölfördermaximum leugnen läßt.

Es ist dennoch schwierig, einen klaren Grund zu finden, warum nun ausgerechnet seit Juni das vierjährige Preisplateau verlassen wird. Man könnte auf das Überangebot durch us-amerikanisches Fracking tippen, gepaart mit einem schrumpfenden Ölbedarf der US-Wirtschaft, in der sich zunehmend spritsparende Fahrzeuge bewegen. Man könnte auch unken, dass der Ölpreis (wie auch immer) bewusst gedrosselt wird, um im geopolitischen Spiel um Einflusssphären der russischen Abwärtsspirale einen noch schnelleren Drall zu verpassen. Wie auch immer dieser drückende Einfluss auf den Ölpreis zustande kommen soll, Russland, welches einen Ölpreis von über 100 US$ braucht um seinen Staatshaushalt im Gleichgewicht zu halten, dürfte vom Preisabschwung nicht beglückt sein.

Vielleicht aber ist der Ölpreisabschwung ein Vorbote. Ein Vorbote für eine schrumpfende Ökonomie. Wie 2008, als die legendäre 147-US-Dollar-Marke gerissen wurde und der Ölpreis binnen 6 Monaten auf ein kurzzeitiges Tief von 35 US$ krachte, sind auch heute die Meldungen hörbar, die einen Abschwung der globalen Ökonomie andeuten:

Die fossile Industriekultur benötigt Öl zu ihrem Betrieb. Schrumpft die industrielle Basis, schrumpft auch der Bedarf nach Öl. Wie 2008/2009 könnte der sinkende Ölpreis ein starkes Signal dafür sein, dass "der Aufschwung" mal wieder an die Decke stößt - an die Grenzen des Wachstums.

Krisenzone im Peak-Oil-Umfeld: Ende des Wachstums

Was den Tankstellenbesucher auf den ersten Blick freut, könnte sich zugleich als Problem für seinen Arbeitsplatz herausstellen. Noch ärger allerdings trifft es die langfristige Ölversorgung, wenn der Preis die 90-US$-Schwelle für längere Zeit unterschreiten sollte. Dann nämlich platzen bei den Ölkonzernen reihenweise die Bilanzen. Die exorbitant angestiegenen Investitionsausgaben der vergangenen Jahre wurden sicherlich nicht in Vorausschau eines Ölpreises von 35 US$ geplant. Sie rechnen sich nur, wenn hohe Fördermengen zu hohen Ölpreisen verkauft werden können. Hält die Ölpreisschwäche länger an, werden wir von Projekten lesen, die auf Eis gelegt werden. Dann allerdings steht die Ölversorgung der Zukunft infrage.

Die Wechselwirkungen zwischen Ölversorgungssystem und Weltwirtschaftssystem können sich beunruhigend aufschaukeln. Planungsunsicherheit für die Ölkonzerne wird einer künftigen Ölversorgung sicherlich nicht zuträglich sein. Zwischenzeitliche Preisrückgänge an den Tankstellen könnten dazu führen, dass Unternehmen die Ölfrage als wenig relevant einschätzen und Investitionen in eine Umstellung des Fuhrparks zurückstellen. Umso überraschter könnten sie angesichts einer künftigen Ölknappheit sein.

Die Wechselwirkungen mit dem seit 2007 sehr labilen Finanzsystem lassen sich kaum überblicken. Die EZB-Geldpolitik ist bereits ein eine "neue Phase" eingetreten, wie der EZB-Vize Vitor Constancio neulich sagte. Im Rahmen des Unter-Null-Zinsniveaus werden bereits die ersten Unternehmen mit Geldhaltegebühren auf ihre kurzfristigen Guthaben konfrontiert, nachdem seit August der Interbankenmarkt immer öfter mit negativen Zinsen operiert. Es ist schwer zu übersehen: Das Wirtschafts- und Finanz-System geht in einen neuen Zustand, ein bislang unbekanntes Fluidum über. Zweifellos sind wir auf dem Weg in eine Postwachstumsökonomie, ob allerdings bewusst und steuernd oder unbewusst und torkelnd wird sich zeigen. Das Risiko chaotischer Aufschaukelungen ist jedoch nicht nur gegeben, sondern möglicherweise demnächst auch in der Realität beobachtbar: Sollte der jetzige Ölpreissturz weitergehen und in einer Wirtschaftskrise münden, wäre dies eine Wiederholung des Musters von 2007 bis 2009.

Wie gesagt:

Nachher ist man immer schlauer.

flattr this! Bitcoin-Adresse: 197sddH9NhoSXuQLKx6pTSSe6oEJPf9xNa

Fossile Schweiz: Peak-Oil-Studie kalkuliert monatlich CHF 1 Mrd. für fossile Energien

Die Schweiz hat ihre erste, umfangreiche Studie zu Peak Oil und den Risiken und Kosten des fossilen Systems. Unter dem Titel "Fossile Schweiz - Warum wir die Abhängigkeit von Erdöl und Erdgas reduzieren müssen" wurde das Papier vom SIPER-Institut von Daniele Ganser und Alexandre de Robaulx de Beaurieux im Auftrag der Schweizerischen Energie-Stiftung (SES) erstellt. Auf 70 gut lesbaren Seiten wird einerseits die Situation des Erdöls und andererseits die des Erdgases beschrieben und jeweils Visionen für Mobilität und Wärmeversorgung angerissen.

Für Leser des hiesigen Blogs dürften sich kaum bahnbrechende Neuigkeiten in dem Dokument finden. Allerdings ist es eine leicht lesbare, anschauliche und mit Grafiken aufgelockerte Lektüre, die man Neulingen gut auf den Schreibtisch legen kann. Insbesondere, wenn sie in der Schweiz leben oder wirtschaftlich mit ihr verbunden sind.

Weiteres:

flattr this! Bitcoin-Adresse: 197sddH9NhoSXuQLKx6pTSSe6oEJPf9xNa

Peak Oil: Der Stand der Dinge 2014

Ziemlich genau vor einem Jahr habe ich ein Zwischenfazit gezogen: Wo stehen wir hinsichtlich des globalen Ölfördermaximums? Damals lagen Daten der EIA bis April 2013 vor. Heute liegen Daten für 12 weitere Monate vor: Bis April 2014. Die folgende tabellarische Darstellung unterteilt die Welt in jene Ölförderregionen, wie sie die EIA vorgibt. Dabei fällt auf:

  • Die Weltölförderung hat auch in den vergangenen 12 Monaten zugenommen. Die Ölförderung steht an einem Allzeithoch - nie zuvor wurde auf dem Planeten mehr Öl gefördert als heute. Ein globaler Peak Oil ist nicht erreicht.
  • Europa ist die Weltregion, deren Ölförderung weiterhin am stärksten zurückgeht. 60% weniger Rohöl und Kondensate werden heute gefördert als zum Zeitpunkt des europäischen Ölfördermaximums anno 1999. Biokraftstoffe und Co. haben dafür gesorgt, dass die Gesamtmenge am "Flüssigenergie" leicht gegenüber dem Vorjahr zunahm, aber die Veränderungen sind marginal.
  • Afrika hat seinen Peak überschritten. Von 2012 zu 2013 schrumpfte die Ölbereitstellung um 6,7%, gegenüber dem Allzeithoch im Dezember 2007 wurde im April 2014 fast ein Viertel weniger Öl gefördert.
  • Zentral- und Südamerika, Eurasien und der Nahe Osten verlieren auf Monatsbasis gesehen zwar von Sommer 2013 bis April 2014 ein paar Prozente Ölförderung, aber die Zahlen sind nicht eindeutig, um das Überschreiten des Peaks für diese Weltregionen eindeutig festzustellen.
  • Nordamerika ist die einzige Weltregion, die ihre Ölförderung weiter steigert - und dies sehr beachtlich! Um 7,55% hat die Ölförderung von 2012 zu 2013 zugenommen und damit den entscheidenden Beitrag zur Steigerung der weltweiten Ölförderung geliefert.
Weltregion Crude+Condensate all liquids
bisheriges Fördermaximum
(in Mio Barrel pro Tag)
Zeitpunkt Veränderung seitdem bisheriges Fördermaximum
(in Mio Barrel pro Tag)
Zeitpunkt Veränderung seitdem
Nordamerika 14,370 April 2014 20,749  April 2014
Zentral- und Südamerika 6,942 Dezember 2000 -3,31%
2013: -4,74%
8,327 August 2013 -5,86%
2013: -7,55%
Europa 6,909 November 1999 -60,02%
2013: -56,77%
7,744 November 1999 -49,3%
2013: -50,15%
Eurasien 13,147 Juni 2013 13,855 Juni 2013 -1,51%
2013: -0,09%
Naher Osten 24,812 August 2013 -3,34%
2013: -4,72%
27,945 August 2013 -1,41%
2013: -3,68%
Afrika 10,168 Dezember 2007 -13,9%
2013: -10,73%
10,963 Dezember 2007 -23,02%
2013: -8,83%
Asien und Ozeanien 8,034 September 2010 -4,33%
2013: -4,66%
9,337 September 2010 -5,48%
2013: -3,55%
Die Welt 77,136 Februar 2014 90,998 Februar 2014
Welt abzüglich USA & Kanada 67,022 Januar 2011 -2,11% 74,974 Januar 2011 -2,51%

(mehr …)

flattr this! Bitcoin-Adresse: 197sddH9NhoSXuQLKx6pTSSe6oEJPf9xNa

Gemeinsam stärker

Vor dreieinhalb Jahren hat ein Referat meines Sohnes in der vierten Klasse mein Weltbild auf den Kopf gestellt. Tills Lehrerin sprach mich an, wie er denn darauf gekommen sei, in der vierten Klasse über Atomkraft referieren zu wollen. So ergab es sich, dass ich mit meinem Sohn gemeinsam anschauliche Bilder und Beispiele (wie groß ist ein Atom) und Youtubefilme zusammensuchte, um für 10jährige Kinder verständlich zu machen, worum es geht. Spät abends stieß ich bei der Suche nach einem Film zum Thema Kettenreaktion auf den wunderbaren Vortrag Prof. Dr. Albert Bartletts, der vor Studenten einen Vortrag über exponentielles Wachstum hielt.

Mitreißend, faszinierend, erschreckend. Es war als würden die Puzzleteile plötzlich auf erschreckende und beeindruckende Weise zusammenpassen. Und zugleich verwandelte sich der Boden meiner Zukunftserwartungen in tückischen Treibsand.

An diesem Abend hörte ich das erste mal den Begriff "Peak Oil". Eineinhalb Stunden später und nach einem weiteren Film "Peak Oil, ein böses Erwachen", saß ich erschöpft und geschockt auf dem Bürostuhl und mußte zunächst sehr tief durchathmen.

Monatelang hab ich recherchiert, versucht nachzuprüfen, gelesen und weitere Vorträge gehortet. Bücher, "the party is over", "Grenzen des Wachstums", End of Growth. Ich habe diese Bücher verschlungen. Und natürlich wurde Peak-oil.com zu einer der ständigen Anlaufstellen.

Die Kollegen im Büro reagierten gemischt. Skeptisch, Interessiert, ablehnend. Mein Chef reagierte mit der Bemerkung es mache ihm Angst, ohne dann weiter auf das Thema einzugehen. Ein Brief an den geschäftsführenden Gesellschafter des großen Architekturbüros in dem ich arbeite, prallte in eine ernüchternde Wattewand des Schweigens.

In einem Punkt haben meine Kollegen recht.

Tom, Du hast so viel darüber gelesen, gelernt. Wenn Du davon überzeugt bist, dann musst Du handeln.

Sie haben recht. Zu verstehen was auf uns zukommen kann, genügt nicht. Darüber zu reden reicht nicht aus. Sich mit der Situation zu arrangieren und den ersten Schrecken zu verarbeiten ist zu wenig.

Was wir benötigen sind Menschen, die handeln. Die sich von den alten trügerischen Träumen verabschieden und Vorreiter werden in einer Lebensrealität mit der die wenigsten von uns gerechnet haben. Mir ist noch nicht klar, was genau ich für mich und meine Familie tun kann. Ich möchte mithelfen bei den Herausforderungen, die vor uns liegen. Mir kommt es so vor, als stünde ich am Strand und nur wenige ausser mir erkennen die erste Gischt des heranrollenden Tsunamis, der unsere Welt verändern wird. Die Wenigen die es sehen sind die Vorreiter der Umweltbewegung, Energieexperten, Ökologen, Transitiontownmitglieder, wenige fortschrittliche Ökonomen, Ökodorfbewohner und Menschen wie Ihr hier auf diesem Blog.

Ich freue mich auf die degrowth-Konfernz am 05.09.2014 in Leipzig. Ich bin gespannt auf die Gesichter hinter den Namen, die ich hier so oft lese, und darauf wie ihr persönlich auf das Thema Peak Oil gestossen seid und wie Ihr damit umgeht.

Vor allem aber hoffe ich das wir gemeinsam Ideen finden, wie wir unser Anliegen besser verbreiten können und vielleicht den einen oder anderen am Strand warnen können, bevor der Tsunami anrollt.

Ich bin gespannt wer alles in Leipzig dabei sein wird und freu mich über jeden einzelnen der dort erscheint. Es tut gut aktiv zu werden.

Lieben Gruß,

Tom

Peak-Oil.com-Lesertreffen: 5. September, 17 bis 19 Uhr im Rahmen des OpenSpace auf der Degrowth-Konferenz

Die Konferenz-Organisatoren nehmen noch 100 Anmeldungen bis zum kommenden Montag, 11. August entgegen. Nicht-Konferenzteilnehmer sind ebenfalls willkommen, müssen aber mit möglichen Einschränkungen rechnen. Für den Abend werden wir uns einen Restaurant-Platz suchen.

flattr this! Bitcoin-Adresse: 197sddH9NhoSXuQLKx6pTSSe6oEJPf9xNa

Russisches Finanzministerium erwartet zurückgehenden Ölexport ab 2016

Die russische Nachrichtenagentur ITAR-TASS meldet, dass das russische Finanzministerium in den Budgetplanungen für die Haushaltsperiode 2015-2017 einen Rückgang der Einnahmen aus dem Ölexport um 4,5 Milliarden US$ für das Jahr 2016 erwartet. In 2015 liegen die Planungen unter den ursprünglichen Erwartungen, aber immerhin noch wachsend gegenüber 2014. Als Ursache wird ein Rückgang der Ölförderung benannt.

Damit bestätigen die russischen Behörden die Befürchtungen, dass der weltdrittgrößte Ölförderer (nach Saudi Arabien und den USA) und weltzweitgrößte Ölexporteur (nach Saudi Arabien) seinen Peak Oil erreicht haben dürfte. Solche Befürchtungen ließen sich einerseits aus der Dynamik der historischen Ölförderkurven ablesen, andererseits zuletzt durch einen Bericht des russischen Ölkonzerns LUKOIL, der auf diesem Blog im Mai besprochen wurde. Lukoil setzte den Beginn des Falls der russischen Ölförderung auf 2016-2017 fest. Das russische Finanzministerium geht in seinen Planungen offenbar davon aus, dass 2016 der Rückgang beginnt und die daraus resultierenden Erlöse ebenfalls sinken.

Risiken für die russische Wirtschaft

Dieser Vorausblick wirft Sorgen sowohl für das Exportland Russland auf wie auch für die Importeure des russischen Öls. Die Importeure müssen sich auf schrumpfende Liefermengen aus Russland einstellen, während der russische Staat und die beteiligten Firmen sich auf sinkende Erlöse einstellen müssen. 2013 sollen die russischen Energieexporte für 10% des Bruttoinlandsprodukts (BIP) verantwortlich gewesen sein, wobei diese Zahl wenig darüber aussagt, ob bei einem Schrumpfen der Exporterlöse die russische Wirtschaftsleistung proportional schrumpft. Seiteneffekte und Rückkopplungen könnten das BIP überproportional stärker schrumpfen lassen, als der Erlösrückgang vermuten läßt, da jeder eingenommene Dollar in Russland mehr als einen Dollar Sozialprodukt auslöst. Auch der russische Staatshaushalt wäre von einem Rückgang der Erlöse stark betroffen und mit ihm alle Bereiche, die in Russland von Staats wegen finanziert werden.

Risiken für Russlands Kunden

Die deutschen Haushalte und Unternehmen, die fast 34% ihres Ölbedarfs aus Russland beziehen, müssen sich auf steigende Ölpreise einrichten. Zumal Russland sich beim Ölexport zunehmend Richtung Asien orientiert und die aufsteigenden asiatischen Volkswirtschaften Teil des Bieterwettbewerbs sein werden. Das besondere Risiko für Ölimportländer ergibt sich zudem aus dem sogenannten "Export Land Model". Denn wenn ein Öl-Exportland seinen Peak Oil überschreitet stellt sich für das Land die Frage, ob zuerst der Inlandsverbrauch gedrosselt werden sollte oder zuerst der Ölexport. Nur wenn sowohl beim Export wie auch beim Inlandsverbrauch in gleichem Maße gekürzt wird, schrumpfen die Exportmengen genauso schnell/langsam, wie die Ölförderung zurückgeht. Da innenpolitische Aspekte bei der Energieversorgung eine sehr bedeutsame Rolle spielen, ist die Wahrscheinlichkeit jedoch groß, dass zuerst die Ölexporte geschrumpft werden, um die Binnenversorgung mit Öl weiter zu gewährleisten. Das bedeutet für Ölimportländer wie Deutschland, dass die Mengen des auf dem Weltmarkt gehandelten russischen Öls schneller schrumpfen, als die Förderung im Land selbst. Den Unternehmen und Kommunen in diesen Ländern ist zu empfehlen, sich auf diese sich verändernde Entwicklung einzustellen!

Hohe Decline-Raten in bestehenden Ölfeldern

Außerordentlich sind die sich zeigenden Raten, mit denen die bereits schrumpfenden Ölfelder Russlands ihre Ergiebigkeit verlieren. Lukoil zufolge verlieren jene Felder, die ihren Peak überschritten haben, 10 bis 12% der Fördermenge pro Jahr. Auch wenn es noch einige Jahre über 2016 hinaus dauern  dürfte, bis der Förderabfall diese Dynamik erreicht, sind die Daten dennoch bedrohlich: Schrumpfen die Fördermengen des drittgrößten Ölförderers in dieser Schnelle, dürfte sich der Ölmarkt rasant verändern - genau wie der Ölpreis.

lukoil_oelforderung_foerderabfall_decline russland

flattr this! Bitcoin-Adresse: 197sddH9NhoSXuQLKx6pTSSe6oEJPf9xNa

Portugal nach dem Peak Oil

"Portugals soziale Krise: Millionenfaches Elend" überschrieb SPIEGEL ONLINE einen Artikel von Stefan Schultz aus Lissabon, den dieser anläßlich des Austritts Portugals aus dem "Euro-Rettungsschirm" schrieb. 2,5 Millionen Portugiesen leben demnach in Armut oder an der Armutsgrenze, viele Menschen sind entmutigt und frustriert.

Mich interessiert: Wie sieht die Krise in Portugal aus, wenn man sie in Zusammenhang sieht mit

  • einer seit 2002 schrumpfenden europäischen Ölförderung,
  • einer seit 2005 stagnierenden konventionellen Welt-Ölförderung,
  • einem seit 2003 steigenden Ölpreis?

Zur Erinnerung: Seit 2003 stiegen die Ölpreise von etwa 25 US$ auf heute 100 bis 120 US$. Der bisherige Spitzenwert wurde kurz vor Ausbruch der europäischen Finanzkrise im Sommer 2008 erreicht: 147 US$ kostete damals ein Barrel Erdöl (159 Liter). Die Öl-Förderkurve Europas zeigt seit 2002 einen unaufhaltsamen Abwärtstrend, bei dem sie bis zum Jahr 2013 fast auf die Hälfte des Ölfördermaximums verloren hat:

erdoelforderung_europa_bis_2013_peak_oil

Die weiterhin anhaltende Krise in Europa, die insbesondere die südeuropäischen Länder betrifft, wird bislang nicht mit einer schrumpfenden Energiezufuhr in Zusammenhang gebracht. Sie wird als reine Finanzkrise interpretiert, überwiegend als Staatsschuldenkrise, nicht jedoch als Energie- oder Ölkrise.

(mehr …)

flattr this! Bitcoin-Adresse: 197sddH9NhoSXuQLKx6pTSSe6oEJPf9xNa

Russland: Peak Oil 2017?

Lukoil ist das größte private russische Ölunternehmen. Wie andere Ölfirmenfirmen auch, veröffentlicht auch Lukoil Studien, die eine Vorausschau auf die künftige Ölmarkt-Entwicklung abgeben. Das von Sommer 2013 stammende Papier "GLOBAL TRENDS IN OIL & GAS MARKETS TO 2025" vertritt eine klare Position:

„Maintaining oil production in Russia requires large-scale use of new technologies. The currently planned projects are unable to compensate production decline on brownfields. Without large-scale use of new technologies, oil production in Russia will begin to fall in 2016-2017.“ (S. 2)

"Die Aufrecherthaltung der Ölförderung in Russland erfordert die Nutzung neuer Technologien in Größenordnungen. Die derzeit geplanten Projekte sind nicht in der Lage, den Förderabfall in den bereits entwickelten Feldern ("brownfields") auszugleichen. Ohne den breiten Einsatz neuer Technologien wird die Ölförderung in Russland ab 2016-2017 beginnen, zurückzugehen."

 

(mehr …)

flattr this! Bitcoin-Adresse: 197sddH9NhoSXuQLKx6pTSSe6oEJPf9xNa

Veranstaltung: Peak Oil in München (+Hamburg)

Peak Oil zwischen Panik und Fracking-Euphorie – wann geht uns das Öl aus?

Um Peak Oil ist es in letzter Zeit auffallend still geworden. Wenn auch der Ölpreis seit Jahren hoch ist, so scheinen doch unkonventionelle Förderungen und die Fracking-Euphorie noch für geraume Zeit ausreichende Versorgungssicherheit zu bieten. Trotzdem warnen etwa die Internationale Energieagentur oder die Energy Watch Group davor, sich beim Erdöl einer neuen Sorglosigkeit hinzugeben. Ist der neue Fossil-Optimismus gerechtfertigt? Oder ist die aktuelle Warnung der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe ernst zu nehmen, wonach das globale Maximum der Erdölproduktion, auch bekannt als 'Peak Oil', näher rückt?

Darüber diskutieren:

Am Montag, 12.5.2014 (19.00-20.30 Uhr)
Winzererstr. 27, 80797 München
Wahlkreisbüro von Dieter Janecek, MdB

  • Dr. Werner Zittel, Vorstand der Ludwig-Bölkow Stiftung, Energy Watch Group
  • Christoph Senz, 2. Vorsitzender des Postfossil Institut e.V.
  • Norbert Rost, Verfasser zweier Studien zu "Peak Oil"
  • Dieter Janecek, MdB, Sprecher für Wirtschaftspolitik der grünen Bundestagsfraktion

Moderation: Paul Nellen, Journalist, Postfossil Institut e.V.

Die Veranstaltung will drei Leitfragen beantworten:

  1. Peak Oil – was sagt die Wissenschaft zur Ausgangslage und zum Ausblick auf die nächsten Jahre?
  2. Zwischen Klimawandel und Energiewende – findet die Politik die richtigen Antworten auf das Peak-Oil-Problem?
  3. Postwachstum, Transition-Town-Bewegung, Resilienz – Peak Oil als gesellschaftliche Aufgabe?

Die Veranstaltung findet statt in Zusammenarbeit mit dem Postfossil Institut e.V. (PFI)
Hintergründe zum Thema: www.postfossilinstitut.de

 

Save the Date:
27. Mai 2014, Hamburg: "Fracking für die Freiheit?" Diskussion mit Jan Fleischhauer.

flattr this! Bitcoin-Adresse: 197sddH9NhoSXuQLKx6pTSSe6oEJPf9xNa

Deutschland, Ukraine, Russland und die drohende Energiekrise

Nahezu unbemerkt von der Öffentlichkeit hat Wikileaks gestern fast 370.000 Nachrichten aus der US-Diplomatie von 1977 veröffentlicht: Die sogenannten "Carter Cables", benannt nach dem damals regierenden US-Präsidenten Jimmy Carter. Wer die bequeme wikileaks-Suchfunktion PlusD nach "Peak Oil" durchstöbert, findet 1140 Dokumente aus den Jahren 1973 bis 1977 und 2003 bis 2010. Darunter auch einen Bericht aus Thessaloniki vom 6. November 1973, betitelt mit "Treibstoffknappheit in Nord-Griechenland". Berichte über Knappheiten gab es nach dem Oktober 1973 aus verschiedenen Ländern in die USA zu vermelden, denn die erste Ölkrise war in vollem Gange. Was für ein Fundus für Geschichtsstudenten!

Es bleibt zu hoffen, dass der Konflikt um die Ukraine nicht zu ähnlichen Entwicklungen führt, wie damals. Das Potential dazu ist (leider) gegeben. Nachdem Europa sein Ölfördermaximum 1996 erreicht hat und seit 2002 die europäische Ölförderung zwischen 4 und 6% jährlich schrumpft, ist der "Marktanteil" russischen Öls in Deutschland enorm gestiegen. Jeder dritte hierzulande vertankte Liter Treibstoff oder Heizöl hat seinen Ursprung irgendwo in Russland:

Öl-Lieferländer-Deutschland-2013

Dennoch befinden sich Russland und Deutschland derzeit irgendwie auf Konfrontationskurs. Eine Situation, die scheinbar niemand vorhersah oder vorhersehen wollte, obwohl der Selbstversorgungsgrad Deutschlands mit Öl unter 3% und jener Europas unter 30% gesunken ist und obwohl die Gas-Streits zwischen Russland und der Ukraine seit 2006 regelmäßig eskalierten: Bis hin zu Druckabfällen in den Gaspipelines.

(mehr …)

flattr this! Bitcoin-Adresse: 197sddH9NhoSXuQLKx6pTSSe6oEJPf9xNa

Pages: 1 2 3 4 5 6 7 8 9 Next