Zum Textbeginn springen . Zur Navigation springen .

Rebound; oder: Was mir Sorgen macht.

Meinegüte: Ein Herbst zum Glaubenverlieren.

Endlich Frühling. Gelegenheit, eine Verortung zu versuchen. Orientieren: Wo stehen wir?

Dieses Blog ist erreichbar über Peak-Oil.com. Peak Oil: Der Gipfel der Ölförderung. Und seine Auswirkungen. Knappheitsszenarien, die mit dem Gedanken spielen, irgendwann kommt die globale Ölförderung an Grenzen, die nicht überschritten werden können. So wie Moores Gesetz jetzt, 50 Jahre nach Formulierung, seine Gültigkeitsgrenzen zeigt (SPON: Moores Law: Die goldene Regel der Chiphersteller bröckelt), so dürfte es auch in der Förderung von Erdöl eine Limitierung geben. Grenzen des Wachstums. Physikalische Grenzen. Technische Grenzen. Ökonomische Grenzen. Grenzen eben.

Es wäre daher seltsam, hier über etwas anderes nachzudenken, nur weil der Ölpreis Kapriolen nach unten schlägt. Wahrhaftig: Die meisten, die jemals mit einem bedächtigen Kopfnicken oder furchtsamem Kopfschütteln in Richtung der "Peak-Oil-Theorie" geschaut haben, haben solch ein Preisniveau wohl nicht mehr für möglich gehalten - mich eingeschlossen. Die Situation hat sich durch Fracking verändert. Punkt. Eine technische Grenze wurde gesprengt. Doch ist Fracking für die Ölindustrie ein ähnlicher Paradigmenwechsel wie das Durchbrechen der 0%-Zins-Grenze durch die EZB? (TP: Der Euro auf dem Weg zur Geldhaltegebühr). Oder ist es ein Entwicklung mit überschaubarem Zeithorizont?

Wir wissen: Schon 2014 waren Europa (-49,3%) und Afrika (-23%) definitiv über ihre lokalen Ölfördermaxima drüber und Zentral- und Südamerika sowie Asien und Ozeanien (jeweils -5%) vermutlich ebenfalls. Außer Nordamerika, wo Fracking und Ölsandabbau ungeachtet besonderer ökologischer Rücksicht eingesetzt wird, konnte keine Ölförderweltregion nennenswerte Steigerungsbeiträge vorweisen (Peak Oil: Stand der Dinge 2014; will jemand mal die Zahlen updaten? Sende gern meine Tabelle!). Seitdem hat sich der Ölpreis aus einem 90-bis-110-US$-pro-Barrel-Korridor in einen 30-bis-50-US$-Korridor bewegt. Die Zahl der aktiven Ölbohranlagen in den USA hat sich gedrittelt und international ist ein Rückgang um ein Drittel aktiver Anlagen zu verzeichnen (PeakOilBarrel.com: International Rig Count Still Falling). Aktuell ist der Markt trotzdem absolut überversorgt (Lagerbestand: +9,4 Mio Barrel in einer Woche auf 532,5 Mio Barrel allein in den USA), denn was sprudelt, sprudelt - und die USA treten zunehmend als preisdrückender Öl-Exporteur auf (EIA: U.S. petroleum product exports continue to increase). Allerdings zeigt der Rückgang der Explorationsaktivitäten deutlich: Die Lagerbestände von heute könnten wir in einer noch nicht bezifferbaren Zukunft noch gebrauchen, denn wo heute nicht in die Ölförderung investiert wird, kommt morgen kein Öl.

Das Ölfördersystem ist groß - und entsprechend träge. Ob heute stillgelegte Projekte morgen ausreichend schnell wieder anfahrbar sind, um ein Überschießen des Preises oder Unterversorgung zu verhindern? (Erinnerung: Peak Oil: Chaos und Nichtlinearität) Diese Diskussion führen wir grade nicht. Zwar haben sich diverse Journalisten auf Peak Oil bezogen, als sie jüngst die Ölpreise diskutierten, aber eine fortwährende Debatte über Risikovorsorge und Risikomanagement kommt im Mediensystem nur schwer in Gang (HAZ: Wirtschaftsfaktor Öl: Der Treibstoff der Macht). Wir freuen uns darüber, dass Diesel für'n Euro zu kriegen ist und schwere Themen haben wir in den vergangenen Monaten ja genug gehabt. Aber meine Sorge ist: wir ruhen uns auf dem Stand der Dinge aus.

Erinnern wir uns: Die IEA hat noch Anfang 2015 den Rückgang der russischen Ölförderung um eine halbe Million Barrel Tagesförderung bis 2020 vorhergesagt (IEA sieht Russland am Peak, Fatih Birol wird neuer IEA-Direktor). Die größte private russische Ölfirma Lukoil und das russische Finanzministerium haben 2016/2017 als Peak-Jahr für Russland ausgerechnet. Sie taten das im Sommer 2014, noch bevor der Ölpreisverfall einsetzte - also in Zeiten, wo die zu erwartenden Erlöse und Investitionssummen viel höher lagen als jetzt. "Russland piekt." Und die USA werden auch wieder einen Peak sehen, wenngleich die Ölförderung natürlich zeitverzögert zu den Ölförderanlagen zurückgehen wird. Doch erinnern wir uns an die Decline-Kurven von Fracking-Bohrungen: die erinnern eher an Abbruchkanten als an Glockenkurven (Der Tight Oil Boom in den USA – Ein genauerer Blick! Teil 2). Der Förderrückgang könnte also irgendwann recht schnell erfolgen, während die sich aufbrauchenden Läger Sicherheit suggerieren. Und auch wenn eine halbe Milliarde Ölfässer Lagerreserve in den USA mehrere Monate den Ölförderrückgang ausgleichen könnten, bleibt doch die Frage: Und wie läufts, wenn die übervollen Läger sich der Nulllinie nähern? Wird "der Markt" vorher einen Preiskorridor finden, der Ölförderung -verbrauch in ein akzeptables Gleichgewicht bringt oder müssen wir mit überschiedenden Preisdynamiken rechnen?

Der Ölverbrauch ist unelastisch. Die Leute heizen wenn es kalt ist, nicht weil es billig ist. Die Leute fahren Auto, wenn sie zur Arbeit müssen, nicht wenn es billig ist. Wer auf Heizen und Fahren verzichtet, weil's zu teuer ist, fällt schnell aus dem sozialen Netz oder aus dem Gesundheitskorridor. Es sei denn, er ist flexibel genug, um es anderweitig warm zu kriegen oder sein Einkommen auch bei hohen Sprit-Kosten zu erzielen. Aber: Ist diese auf 44 Millionen PKW und 10,8 Millionen ölbeheizter Wohnen gestellte Gesellschaft flexibel genug?

Oder ist das noch der alte Peak-Oil-Sound, den wir nicht mehr brauchen, weil die Transformation des fossilen Industriesystems schon schneller passiert, als der Ölförderrückgang zu erwarten ist? Fließen schon genug neue Mobilitätsformen auf Straßen, Schienen und Radwegen? Sind schon genügend Investitionen in postfossile Heizungsysteme im Gange? Und hat die Chemieindustrie schon den Weg in die erneuerbar betriebene Methanisierungswirtschaft eingeschlagen?

Ich habe Sorge, dass dies alles noch nicht in ausreichender Geschwindigkeit passiert. Dass ein (wodurch auch immer ausgelöster) Rebound des Ölpreises zu Schwingungen in den Systemen führt, die eine Transformation erzwingen, statt dass sie planvoll vorhergedacht wird. Und ich habe Sorge, dass die Anreicherung mit Treibhausgasen nicht abgebremst wird, nur weil Sprit grade mal billig ist. Auch im Klimasystem gibt es Kipp-Punkte, die die Lebensbedingungen mal eben von einem Habitat-Korridor in einen anderen verschieben können: Ungeachtet dessen, ob die "Krone der Schöpfung" in einem anderen atmosphärischen Korridor noch obenauf wäre. (siehe auch: wikipedia: Habitale Zone unter Berücksichtigung des Planetaren Klimas)

Auch wenn die Mahner zahlreicher werden, dürfen wir eines nicht vergessen: Viele Systeme sind träge. Viele Menschen auch.

Sonnige Ostern!

Flattr this! Bitcoin-Adresse: 197sddH9NhoSXuQLKx6pTSSe6oEJPf9xNa

Wandlungen

Hallo Peak-Oil.com-Community.

In den kommenden Monaten ist so wenig Inhalt für dieses Blog zu erwarten, dass wir uns fragen müssen, wie es mit dieser Seite weitergeht. Einerseits gilt, was hin und wieder durchscheint: Meinerseits ist eigentlich fast alles gesagt zu Peak Oil. Circa 500 Blogbeiträge seit 2011 mit großer thematischer Bandbreite zeigen, wieviel schon gedacht, diskutiert und geschrieben wurde. Ich finde es sehr schön, dass vor allem in letzter Zeit Gäste eigene Artikel beisteuerten, die teilweise Rekorddiskussionen auslösten. Meinerseits habe ich das Gefühl, ich wäre zwar noch Dokumentator der weiteren Entwicklung, aber viel wirklich grundsätzlich Neues wäre nicht mehr zu erwarten. Auch meine Lernkurve flachte zuletzt ab.

Das bedeutet nicht, dass das Thema Peak Oil irrelevant geworden ist. Die Preisentwicklung seit Sommer 2014 ist kein Totengesang auf Peaks in der Ölförderung. Die US-Ölförderung wird gerade wegen des halbierten Preisniveaus einen neuen Fördergipfel in 2015 oder spätestens 2016 erreichen. Die Lieferung der USA an den globalen Ölmarkt wird wieder schrumpfen, ihre Nachfrage wieder steigen - und dann geht der Schweinezyklus möglicherweise in eine weitere Runde. Das "bumpy plateau" erstreckt sich möglicherweise über längere Zeiträume, als wir das für möglich hielten. Europas Peak liegt 13 Jahre zurück, der Fremdversorgungsgrad liegt bei 75%. Die Risiken für unsere weiterhin hochgradig ölabhängige Lebens- und Wirtschaftsweise mögen zwischenzeitlich kleiner werden, aber sie werden jederzeit ausreichend hoch bleiben, um uns in einer Verletzlichkeit zu halten, die gefährlich ist.

Hinzu kommt: Bis März 2016 darf ich das Projekt "Zukunftsstadt" in Dresden leiten. In dem vom BMBF ausgeschriebenen Wettbewerb zum Wissenschaftsjahr "Zukunftstadt" ist Dresden eine von 51 Städten geworden, in denen die Bürger Visionen zu ihrer künftigen Stadt entwickeln sollen, um diese in Phase II des Wettbewerbs konzeptionell zu verfeinern und in Phase III in Reallaboren auszuprobieren. Ich habe diese Aufgabe sicherlich auch deshalb übertragen bekommen, weil wir in 2012 bereits Zukunftsfragen in Veranstaltungsform diskutieren: Mit unseren Veranstaltungen "Dresden auf Entzug - Wie funktioniert die Stadt ohne Öl?" und ein Jahr drauf "Dresden im Wandel" haben wir eine Art Vorspiel für das angeleiert, was diesen Herbst in Dresden passieren darf: Die Dresdner visionieren unter dem Titel: "Open City Dresden - Gemeinsame Verantwortung für eine Nachhaltige Stadtentwicklung". Zwar werde ich mich inhaltlich raushalten, aber organisatorisch habe ich so viele Hände voll zu tun, dass ich das Peak- und Energie-Problem zwar beobachten, aber nicht mehr intensiv darüber schreiben kann.

Ich finde das nicht schlimm. Peak-Oil.com ist nicht mein erstes Blog, das eine solche Lebenszeit erreicht. Die Erfahrung zeigt, dass Blogs, die thematisch wichtig sind und verschwinden, neue Blogs hervorrufen, die von den Lesern, denen etwas fehlt, gemacht werden. Vakuum bleibt nur kurzfristig bestehen. Mich jedenfalls interessiert inzwischem mehr der Wandel, den die Peak-Problematik auslöst, als die Peak-Problematik selbst. Daher habe ich bereits letztes Jahr gegenüber dem Transition-Netzwerk angeboten, dieses Blog in einem breiter aufgestellten Transition-Magazin aufgehen zu lassen. Leider reichen die Kräfte des Netzwerks wohl noch nicht aus, so etwas zu stemmen. Ich habe darüber nachgedacht, wie ich die Ölthematik in das Blog meiner Büro-Seite integriere und auf regionalentwicklung.de/blog vermehrt Peak- und Regionalentwicklungsthemen verbinde. Denn das ist, was ich zunehmend tun darf und tue, da macht es natürlich Sinn, mehr darüber zu schreiben. Zuletzt habe ich mich natürlich auch gefragt, ob denn nicht doch in der Community Leute dabei sind, die solch ein Blog nicht doch federführend in die Hand nehmen wollen und ich trage hin und wieder Texte bei. Als Vorbild dient Alexander Bigga vom Dresdner Weltcafé, der nach 5 Jahren zurückblickt, sein Business online beschreibt und das Café zum Weiterbetrieb anbietet.

Mich interessiert jedenfalls die Frage stark: Wie wandeln sich unsere Strukturen und unsere Lebensweisen? Was tragen wir dazu bei? Wie läßt sich ein Wandel anstoßen und beschleunigen? Wie relevant diese Transformationsprozesse inzwischen sind, zeigt auch der Blick in die großen Staatsstrukturen. Dass das Bundesforschungsministerium 2015 zum Wissenschaftsjahr "Zukunftsstadt" erwählt hat und es dazu eine eigene strategische Forschungsagenda gibt, die in die nächsten Jahre hineinragt, spricht Bände. Da über 50% der Weltbevölkerung inzwischen in Städten lebt und eben diese Städte besonders ölabhängig sind, wird uns das Energiethema im Wissenschaftsbereich stärker begegnen. Mit dem Wettbewerb "Zukunftsstadt" kommt das Thema aber auch stark aus dem Wissenschaftsbereich hinaus und wird Einfluss nehmen auf die tatsächlichen Politiken in den ausgewählten Städten. Wer sich für Peak Oil interessiert und in oder nahe an diesen Städten wohnt hat gute Gelegenheit, das Thema dort mit unterzubringen: In Form einer Visionsentwicklung. Fragt vor Ort nach, wer das Projekt leitet!

Auch wenn die Welt keineswegs ruhiger geworden ist (-> Griechenland) und so mancher Leser sich Orientierung in einem unruhigen Ozean wünscht: Hier wird es erstmal ruhiger werden. Macht euch einen heißen Sommer!

Dank an alle Mitreisenden in den letzten Jahren.
Norbert

Nun als Postkarte:
peak-oil-postkarte

weiteres:

Gedanke der Woche:

Wie smart eine City ist zeigt sich bei einem Stromausfall.

Flattr this! Bitcoin-Adresse: 197sddH9NhoSXuQLKx6pTSSe6oEJPf9xNa

Ölpreisdiskussion im April: Berlin und Bielefeld

Der niedrige Ölpreis hat ökonomische und energiepolitische Auswirkungen. Er treibt Firmen und Politiker um und jene, die sich fragen: War's das jetzt mit "Peak Oil"?

Gleich zwei Veranstaltungen laden im April dazu ein, den gesunkenen Ölpreis und dessen Auswirkungen zu diskutieren:

  • 21. April, 19:30 Uhr, Bielefeld, Universität, Hörsaal 4
  • 22. April, 15:00 Uhr, Berlin, Deutscher Bundestag, Paul-Löbe-Haus

Beide Veranstaltungen laufen unter zentraler Beteiligung von Akteuren des Postfossil-Institut e.V.: Zur Veranstaltung der Grünen Bundestagsfraktion nach Berlin ist Dr. Steffen Bukold von EnergyComment eingeladen. In Bielefeld darf ich auf Einladung der Transition-Initiative Bielefeld vortragen und diskutieren:

Für den Folgetag (22. April) ist ein Workshop zu lokalen Handlungsmöglichkeiten betreffs Peak Oil und Ölversorgungsrisiken angedacht. Interessenten mögen sich bei mir oder der Bielefelder Transition-Initiative melden.

Flattr this! Bitcoin-Adresse: 197sddH9NhoSXuQLKx6pTSSe6oEJPf9xNa

Peak-Signale aus Fracking-Land

Es mehren sich die Zeichen, dass der geschrumpfte Ölpreis und die zurückgefahrenen Bohraktivitäten dazu führen, dass auch die Ölförderung in den USA nicht mehr steigt. Das zeigen die aktuellen Daten der Energie-Statistikbehörde EIA der USA. So stagnierte die Ölförderung im US-Kernland ("Lower 48 States", ohne Alaska und den Golf von Mexiko) in der Woche vom 13. März zur Woche des 20. März bei 8.911.000 Barrel täglich. Das ist angesichts der seit Jahren steigenden Förderzahlen bemerkenswert, sollte andererseits aufgrund des sehr kurzfristigen Wochen-Vergleichs nicht überbewertet werden. (Dank an: Markus)

Matt Mushalik, deutschstämmiger Australier, analysierte in seinem neuen Blogbeitrag auf CrudeOilPeak.info ausführlich die März-Daten des Short Term Energy Outlook (STEO) der EIA und bereitete sie grafisch auf. Dankenswerterweise erlaubt er, diese Grafiken hier vorzustellen:

Das folgende Diagramm zeigt die US-Gesamtförderung (schwarz), die Förderung im US-Kernland in die die Fracking-Ergebnisse einfließen (braun, Lower 48-Staaten), sowie Alaska und den Golf von Mexiko (blau) bis Februar 2015 (senkrechter Strich) und schreibt dann erwartete Förderergebnisse der EIA in die Zukunft fort. Dabei wird ein Trendbruch sichtbar: Die bis heute ansteigende Ölförderung verlangsamt ihren Anstieg künftig stark und die EIA erwartet einen zwischenzeitlichen Rückgang der US-Ölförderung. Die Förderung in den Lower-48-Staaten soll bis Anfang 2016 leicht zurückgehen und erst dann wieder leicht ansteigen. Dieser Anstieg ist laut dieser Vorhersage aber auch mit einem Preisanstieg verbunden (rot): 70 US$ soll Öl pro Barrel in 2016 wieder kosten. Vom jetzigen Niveau von etwa 45 US$/Barrel (WTI) bedeutet dies einen Anstieg um über 50% binnen eines Jahres.

(mehr …)

Flattr this! Bitcoin-Adresse: 197sddH9NhoSXuQLKx6pTSSe6oEJPf9xNa

Dieburg: Ölpreisabsturz – Alles wieder gut?

Ein Vortrag und Diskussion über Energiesparen, Peak-Oil und Klimawandel im Licht der aktuellen Ölpreisentwicklung

Eher ungläubig steht der Bürger vor der Tankstelle und staunt über seine Heizölrechnung. Darf er sich angesichts des Klimawandels über die günstige Energiepreise überhaupt  freuen?

War nicht das Ende des Erdölzeitalters ausgerufen? Sollten die Preise nicht in astronomische Höhen steigen? Gibt es doch „Öl ohne Ende“ wie die FAZ schreibt?

Norbert Rost, unter anderem Autor zweier Studien, die Peak-Oil auf Thüringen und Sachsen heruntergebrochen haben, lädt uns ein, sich gemeinsam über die aktuelle Situation auf dem Energiemarkt Gedanken zu machen. Mit Sachverstand und vielen Hintergrundinformationen beleuchtet er die Entwicklungen (und die Prognosen) der letzten Jahre.  Ebenso werden die Auswirkungen von möglichen Entwicklungen auf dem Ölmarkt diskutiert  – global, national und regional.

 

  •  4. März 2015, 19:30 bis ca. 21:30 Uhr
  • Pater Delp Haus, Steinstraße 5, 64807 Dieburg
  • es lädt ein: Bürger-Energie-Tisch Dieburg

Flattr this! Bitcoin-Adresse: 197sddH9NhoSXuQLKx6pTSSe6oEJPf9xNa

Peak-Oil-Debatte in der Bremischen Bürgerschaft

Noch zu Hoch-Ölpreis-Zeiten im Juli diesen Jahres stellten fünf Abgeordnete von Grünen und SPD im Bremer Landtag eine Große Anfrage "Bremische Strategie zum Umgang mit Risiken der Erdölversorgung und steigenden Ölpreisen". Mitte September hat die Verwaltung der Freien Hansestadt Bremen die 16 Fragen beantwortet, am 20. November diskutierte die Bremische Bürgerschaft die Fragestellung.

Dank Internet sind die zugehörigen Dokumente für jedermann verfügbar: Für Bremer, um sich ein Bild zu machen, wie die Stadtregierenden die Erdöl-Frage vor dem Hintergrund des Peak Oil diskutieren, für Nicht-Bremer, um mögliche Anregungen daraus zu ziehen, eine ähnliche Diskussion im eigenen Bundesland oder der eigenen Stadt anzustoßen. Wichtig zu wissen: In Bremen regiert eine rot-grüne Regierung. Die Anfrage kommt also nicht aus der Opposition, sondern aus Reihen des Regierungslagers. Interessant ist, dass die Anfrage und die Antworten kurz Bezug auf die Peak-Oil-Studien für Thüringen, Sachsen und die Bundeswehr-Studie nehmen.

Im Mitschnitt der Diskussion sind Redebeiträge zu hören von Grünen, CDU, SPD, Linke und Senator für Wirtschaft, Arbeit und Häfen Martin Günthner. Die Diskussion findet vor einem gerade mal zu einem Drittel gefüllten Saal statt, ist also weit davon entfernt, alle Parlamentarier zu erreichen:

71. Sitzung der Bremischen Bürgerschaft (Landtag, 14:30–18:00 Uhr) am 20.11.2014 auf Vimeo.

Der Wirtschaftssenator Günthner beruhigt: Bremen wäre im Vergleich zu anderen deutschen Bundesländern nicht überproportional betroffen. Na dann...

(Dank an Peter)

Flattr this! Bitcoin-Adresse: 197sddH9NhoSXuQLKx6pTSSe6oEJPf9xNa

Ölpreis im Sinkflug – Wirtschaftskrise voraus?

Nachher ist man immer schlauer.

Seit Juni 2014 schrumpfen die Ölpreise. Während sich sowohl der nordamerikanische WTI-Preis wie auch der europäische BRENT-Preis fast 4 Jahre lang in einem Korridor zwischen 100 und 120 US$ bewegten, sind sie nun seit 4 Monaten am Abtauchen. WTI kostet 87 US$ und auch Brent strebt rasant der 90-Dollar-Grenze zu. Die Entwicklung scheint Peak Oil zu widerlegen, doch muss man klar festhalten: 4 Monate sind kein Zeitrahmen, mit dem sich ein globales Ölfördermaximum leugnen läßt.

Es ist dennoch schwierig, einen klaren Grund zu finden, warum nun ausgerechnet seit Juni das vierjährige Preisplateau verlassen wird. Man könnte auf das Überangebot durch us-amerikanisches Fracking tippen, gepaart mit einem schrumpfenden Ölbedarf der US-Wirtschaft, in der sich zunehmend spritsparende Fahrzeuge bewegen. Man könnte auch unken, dass der Ölpreis (wie auch immer) bewusst gedrosselt wird, um im geopolitischen Spiel um Einflusssphären der russischen Abwärtsspirale einen noch schnelleren Drall zu verpassen. Wie auch immer dieser drückende Einfluss auf den Ölpreis zustande kommen soll, Russland, welches einen Ölpreis von über 100 US$ braucht um seinen Staatshaushalt im Gleichgewicht zu halten, dürfte vom Preisabschwung nicht beglückt sein.

Vielleicht aber ist der Ölpreisabschwung ein Vorbote. Ein Vorbote für eine schrumpfende Ökonomie. Wie 2008, als die legendäre 147-US-Dollar-Marke gerissen wurde und der Ölpreis binnen 6 Monaten auf ein kurzzeitiges Tief von 35 US$ krachte, sind auch heute die Meldungen hörbar, die einen Abschwung der globalen Ökonomie andeuten:

Die fossile Industriekultur benötigt Öl zu ihrem Betrieb. Schrumpft die industrielle Basis, schrumpft auch der Bedarf nach Öl. Wie 2008/2009 könnte der sinkende Ölpreis ein starkes Signal dafür sein, dass "der Aufschwung" mal wieder an die Decke stößt - an die Grenzen des Wachstums.

Krisenzone im Peak-Oil-Umfeld: Ende des Wachstums

Was den Tankstellenbesucher auf den ersten Blick freut, könnte sich zugleich als Problem für seinen Arbeitsplatz herausstellen. Noch ärger allerdings trifft es die langfristige Ölversorgung, wenn der Preis die 90-US$-Schwelle für längere Zeit unterschreiten sollte. Dann nämlich platzen bei den Ölkonzernen reihenweise die Bilanzen. Die exorbitant angestiegenen Investitionsausgaben der vergangenen Jahre wurden sicherlich nicht in Vorausschau eines Ölpreises von 35 US$ geplant. Sie rechnen sich nur, wenn hohe Fördermengen zu hohen Ölpreisen verkauft werden können. Hält die Ölpreisschwäche länger an, werden wir von Projekten lesen, die auf Eis gelegt werden. Dann allerdings steht die Ölversorgung der Zukunft infrage.

Die Wechselwirkungen zwischen Ölversorgungssystem und Weltwirtschaftssystem können sich beunruhigend aufschaukeln. Planungsunsicherheit für die Ölkonzerne wird einer künftigen Ölversorgung sicherlich nicht zuträglich sein. Zwischenzeitliche Preisrückgänge an den Tankstellen könnten dazu führen, dass Unternehmen die Ölfrage als wenig relevant einschätzen und Investitionen in eine Umstellung des Fuhrparks zurückstellen. Umso überraschter könnten sie angesichts einer künftigen Ölknappheit sein.

Die Wechselwirkungen mit dem seit 2007 sehr labilen Finanzsystem lassen sich kaum überblicken. Die EZB-Geldpolitik ist bereits ein eine "neue Phase" eingetreten, wie der EZB-Vize Vitor Constancio neulich sagte. Im Rahmen des Unter-Null-Zinsniveaus werden bereits die ersten Unternehmen mit Geldhaltegebühren auf ihre kurzfristigen Guthaben konfrontiert, nachdem seit August der Interbankenmarkt immer öfter mit negativen Zinsen operiert. Es ist schwer zu übersehen: Das Wirtschafts- und Finanz-System geht in einen neuen Zustand, ein bislang unbekanntes Fluidum über. Zweifellos sind wir auf dem Weg in eine Postwachstumsökonomie, ob allerdings bewusst und steuernd oder unbewusst und torkelnd wird sich zeigen. Das Risiko chaotischer Aufschaukelungen ist jedoch nicht nur gegeben, sondern möglicherweise demnächst auch in der Realität beobachtbar: Sollte der jetzige Ölpreissturz weitergehen und in einer Wirtschaftskrise münden, wäre dies eine Wiederholung des Musters von 2007 bis 2009.

Wie gesagt:

Nachher ist man immer schlauer.

Flattr this! Bitcoin-Adresse: 197sddH9NhoSXuQLKx6pTSSe6oEJPf9xNa

Fossile Schweiz: Peak-Oil-Studie kalkuliert monatlich CHF 1 Mrd. für fossile Energien

Die Schweiz hat ihre erste, umfangreiche Studie zu Peak Oil und den Risiken und Kosten des fossilen Systems. Unter dem Titel "Fossile Schweiz - Warum wir die Abhängigkeit von Erdöl und Erdgas reduzieren müssen" wurde das Papier vom SIPER-Institut von Daniele Ganser und Alexandre de Robaulx de Beaurieux im Auftrag der Schweizerischen Energie-Stiftung (SES) erstellt. Auf 70 gut lesbaren Seiten wird einerseits die Situation des Erdöls und andererseits die des Erdgases beschrieben und jeweils Visionen für Mobilität und Wärmeversorgung angerissen.

Für Leser des hiesigen Blogs dürften sich kaum bahnbrechende Neuigkeiten in dem Dokument finden. Allerdings ist es eine leicht lesbare, anschauliche und mit Grafiken aufgelockerte Lektüre, die man Neulingen gut auf den Schreibtisch legen kann. Insbesondere, wenn sie in der Schweiz leben oder wirtschaftlich mit ihr verbunden sind.

Weiteres:

Flattr this! Bitcoin-Adresse: 197sddH9NhoSXuQLKx6pTSSe6oEJPf9xNa

Peak Oil: Der Stand der Dinge 2014

Ziemlich genau vor einem Jahr habe ich ein Zwischenfazit gezogen: Wo stehen wir hinsichtlich des globalen Ölfördermaximums? Damals lagen Daten der EIA bis April 2013 vor. Heute liegen Daten für 12 weitere Monate vor: Bis April 2014. Die folgende tabellarische Darstellung unterteilt die Welt in jene Ölförderregionen, wie sie die EIA vorgibt. Dabei fällt auf:

  • Die Weltölförderung hat auch in den vergangenen 12 Monaten zugenommen. Die Ölförderung steht an einem Allzeithoch - nie zuvor wurde auf dem Planeten mehr Öl gefördert als heute. Ein globaler Peak Oil ist nicht erreicht.
  • Europa ist die Weltregion, deren Ölförderung weiterhin am stärksten zurückgeht. 60% weniger Rohöl und Kondensate werden heute gefördert als zum Zeitpunkt des europäischen Ölfördermaximums anno 1999. Biokraftstoffe und Co. haben dafür gesorgt, dass die Gesamtmenge am "Flüssigenergie" leicht gegenüber dem Vorjahr zunahm, aber die Veränderungen sind marginal.
  • Afrika hat seinen Peak überschritten. Von 2012 zu 2013 schrumpfte die Ölbereitstellung um 6,7%, gegenüber dem Allzeithoch im Dezember 2007 wurde im April 2014 fast ein Viertel weniger Öl gefördert.
  • Zentral- und Südamerika, Eurasien und der Nahe Osten verlieren auf Monatsbasis gesehen zwar von Sommer 2013 bis April 2014 ein paar Prozente Ölförderung, aber die Zahlen sind nicht eindeutig, um das Überschreiten des Peaks für diese Weltregionen eindeutig festzustellen.
  • Nordamerika ist die einzige Weltregion, die ihre Ölförderung weiter steigert - und dies sehr beachtlich! Um 7,55% hat die Ölförderung von 2012 zu 2013 zugenommen und damit den entscheidenden Beitrag zur Steigerung der weltweiten Ölförderung geliefert.
Weltregion Crude+Condensate all liquids
bisheriges Fördermaximum
(in Mio Barrel pro Tag)
Zeitpunkt Veränderung seitdem bisheriges Fördermaximum
(in Mio Barrel pro Tag)
Zeitpunkt Veränderung seitdem
Nordamerika 14,370 April 2014 20,749  April 2014
Zentral- und Südamerika 6,942 Dezember 2000 -3,31%
2013: -4,74%
8,327 August 2013 -5,86%
2013: -7,55%
Europa 6,909 November 1999 -60,02%
2013: -56,77%
7,744 November 1999 -49,3%
2013: -50,15%
Eurasien 13,147 Juni 2013 13,855 Juni 2013 -1,51%
2013: -0,09%
Naher Osten 24,812 August 2013 -3,34%
2013: -4,72%
27,945 August 2013 -1,41%
2013: -3,68%
Afrika 10,168 Dezember 2007 -13,9%
2013: -10,73%
10,963 Dezember 2007 -23,02%
2013: -8,83%
Asien und Ozeanien 8,034 September 2010 -4,33%
2013: -4,66%
9,337 September 2010 -5,48%
2013: -3,55%
Die Welt 77,136 Februar 2014 90,998 Februar 2014
Welt abzüglich USA & Kanada 67,022 Januar 2011 -2,11% 74,974 Januar 2011 -2,51%

(mehr …)

Flattr this! Bitcoin-Adresse: 197sddH9NhoSXuQLKx6pTSSe6oEJPf9xNa

Gemeinsam stärker

Vor dreieinhalb Jahren hat ein Referat meines Sohnes in der vierten Klasse mein Weltbild auf den Kopf gestellt. Tills Lehrerin sprach mich an, wie er denn darauf gekommen sei, in der vierten Klasse über Atomkraft referieren zu wollen. So ergab es sich, dass ich mit meinem Sohn gemeinsam anschauliche Bilder und Beispiele (wie groß ist ein Atom) und Youtubefilme zusammensuchte, um für 10jährige Kinder verständlich zu machen, worum es geht. Spät abends stieß ich bei der Suche nach einem Film zum Thema Kettenreaktion auf den wunderbaren Vortrag Prof. Dr. Albert Bartletts, der vor Studenten einen Vortrag über exponentielles Wachstum hielt.

Mitreißend, faszinierend, erschreckend. Es war als würden die Puzzleteile plötzlich auf erschreckende und beeindruckende Weise zusammenpassen. Und zugleich verwandelte sich der Boden meiner Zukunftserwartungen in tückischen Treibsand.

An diesem Abend hörte ich das erste mal den Begriff "Peak Oil". Eineinhalb Stunden später und nach einem weiteren Film "Peak Oil, ein böses Erwachen", saß ich erschöpft und geschockt auf dem Bürostuhl und mußte zunächst sehr tief durchathmen.

Monatelang hab ich recherchiert, versucht nachzuprüfen, gelesen und weitere Vorträge gehortet. Bücher, "the party is over", "Grenzen des Wachstums", End of Growth. Ich habe diese Bücher verschlungen. Und natürlich wurde Peak-oil.com zu einer der ständigen Anlaufstellen.

Die Kollegen im Büro reagierten gemischt. Skeptisch, Interessiert, ablehnend. Mein Chef reagierte mit der Bemerkung es mache ihm Angst, ohne dann weiter auf das Thema einzugehen. Ein Brief an den geschäftsführenden Gesellschafter des großen Architekturbüros in dem ich arbeite, prallte in eine ernüchternde Wattewand des Schweigens.

In einem Punkt haben meine Kollegen recht.

Tom, Du hast so viel darüber gelesen, gelernt. Wenn Du davon überzeugt bist, dann musst Du handeln.

Sie haben recht. Zu verstehen was auf uns zukommen kann, genügt nicht. Darüber zu reden reicht nicht aus. Sich mit der Situation zu arrangieren und den ersten Schrecken zu verarbeiten ist zu wenig.

Was wir benötigen sind Menschen, die handeln. Die sich von den alten trügerischen Träumen verabschieden und Vorreiter werden in einer Lebensrealität mit der die wenigsten von uns gerechnet haben. Mir ist noch nicht klar, was genau ich für mich und meine Familie tun kann. Ich möchte mithelfen bei den Herausforderungen, die vor uns liegen. Mir kommt es so vor, als stünde ich am Strand und nur wenige ausser mir erkennen die erste Gischt des heranrollenden Tsunamis, der unsere Welt verändern wird. Die Wenigen die es sehen sind die Vorreiter der Umweltbewegung, Energieexperten, Ökologen, Transitiontownmitglieder, wenige fortschrittliche Ökonomen, Ökodorfbewohner und Menschen wie Ihr hier auf diesem Blog.

Ich freue mich auf die degrowth-Konfernz am 05.09.2014 in Leipzig. Ich bin gespannt auf die Gesichter hinter den Namen, die ich hier so oft lese, und darauf wie ihr persönlich auf das Thema Peak Oil gestossen seid und wie Ihr damit umgeht.

Vor allem aber hoffe ich das wir gemeinsam Ideen finden, wie wir unser Anliegen besser verbreiten können und vielleicht den einen oder anderen am Strand warnen können, bevor der Tsunami anrollt.

Ich bin gespannt wer alles in Leipzig dabei sein wird und freu mich über jeden einzelnen der dort erscheint. Es tut gut aktiv zu werden.

Lieben Gruß,

Tom

Peak-Oil.com-Lesertreffen: 5. September, 17 bis 19 Uhr im Rahmen des OpenSpace auf der Degrowth-Konferenz

Die Konferenz-Organisatoren nehmen noch 100 Anmeldungen bis zum kommenden Montag, 11. August entgegen. Nicht-Konferenzteilnehmer sind ebenfalls willkommen, müssen aber mit möglichen Einschränkungen rechnen. Für den Abend werden wir uns einen Restaurant-Platz suchen.

Flattr this! Bitcoin-Adresse: 197sddH9NhoSXuQLKx6pTSSe6oEJPf9xNa

Pages: 1 2 3 4 5 6 7 8 9 Next