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Ändert Peak Oil die ökonomischen Mechanismen?

Ein Gastbeitrag von Martin Andresen.

Man kennt das. Irgendwo, ganz weit weg, auf dem nordamerikanischen Kontinent wird ein simples Pyramidenspiel mit Immobilien betrieben. Von Periode zu Periode drängen stetig grössere Käufermassen auf den Häusermarkt, was allein schon die Hauspreise steigen lässt, was wiederum vermehrt Interessenten anlockt. Angefeuert wird die Bewegung durch ein enthemmtes dereguliertes  Bankensystem, dass auf der Grundlage stetig steigender Immobilienbewertungen Kredite schöpft, Boni verteilt und eine Refinanzierungsmaschine in Gang setzt, die über Verbriefungen überteuerte Hypothekenkredite in den globalen Bankenmarkt verkauft. Alle wollen mitmachen, alle wollen reich werden und verschulden sich bis über beide Ohren. Dann gibt es einen Konjunktureinbruch (die Ölpreise steigen unerwartet), Arbeitslosigkeit macht sich breit, die ersten Kredite werden notleidend und plötzlich stockt der Strom neuer Käufer - das Kartenhaus bricht zusammen.

Die Ökonomen erkennen erstaunt, dass es nicht möglich ist, reich zu werden, nur indem man sich gegenseitig reihum Immobilien verkauft. Das hätt man jetzt nicht gedacht, denn liberalisierte Märkte tendieren zum Gleichgewicht - nicht zum Abgrund, so die herrschende Wahrnehmungsübereinkunft. Finanzminister Schäuble ist selbst vier Jahre nach dem Crash überzeugt, die Bankenkrise war nicht vorhersehbar. Und viele Ökonomen pflichten ihm bei. Aber ist das so? (mehr …)

Genug Öl für alle?

Was schätzen Sie – wie viel Erdöl können wir mit unserer heutigen Technologie aus einem Reservoir abschöpfen, bevor die Quelle aufgegeben wird? Neunzig Prozent? Siebzig Prozent? Die Hälfte? Falsch: Es sind lediglich bis zu 35%, die die Ölindustrie mit modernster Technologie aus einem Reservoir schöpfen kann. Je nach Spezifikationen des Reservoirs schwankt der Wert in etwa zwischen 25% und 35%.

Diese Zahl hat mich erstaunt – und das, obwohl mir sehr wohl bewusst war, dass wir große Teil des Rohöls technisch und/oder ökonomisch gar nicht fördern können. Mir war bewusst, dass weniger als die Hälfte des Erdöls aus einem Reservoir förderbar ist. Aber dass die Förderrate nur bei ca. 30% liegt, war selbst für mich eine Überraschung. Denn es bedeutet im Umkehrschluss, dass rund 70% des Rohöls im Boden verblieben – selbst bei den Feldern, die wir heute als erschöpft ansehen. Es liegt also deutlich mehr Erdöl als wir überhaupt bisher gefördert haben in den Gesteinsformationen unserer Erde – die noch nicht entdeckten oder erschlossenen Reservoirs gar nicht mit eingerechnet. Das ist eine Menge Öl. (mehr …)

Pressemitteilung: Kommunen und Unternehmen sollten sich auf Ölpreis von 150 US$ vorbereiten

Risiken in der Ölversorgung steigen, Unternehmen und Kommunen nicht angemessen vorbereitet, Ölpreis ab 2013 bei 150 US$

Seitdem Europa sein Ölfördermaximum 2002 überschritten hat, sinkt die europäische Eigenversorgung mit Mineralöl. Im Vergleich zu 2002 wird 2013 nur noch die halbe tägliche Menge gefördert. Seit Erreichen des europäischen Förderplateaus 1996 haben sich die Ölpreise auf dem Weltmarkt verfünffacht und die Abhängigkeit von außereuropäischen Lieferanten hat stark zugenommen. Damit steigt für die europäischen Unternehmen und Kommunen das Risiko, von Ölkrisen getroffen zu werden.

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Höhere Ölpreise, bitte!

(Eine zynische Polemik.)

Was Peak Oiler nicht kapieren ist: Die Medizin gegen hohe Ölpreise sind hohe Ölpreise.

So oder ähnlich ist es in vielen (vor allem englischsprachigen) Artikel zu lesen, wenn es darum geht den blinden Fleck zu erhellen, den "Energiepessimisten" nicht sehen (wollen). Die Theorie hinter Angebot und Nachfrage lautet:

  • Geht der Preis nach oben, verringert sich die Nachfrage. Ich würde sagen: Das stimmt!
  • Geht der Preis nach oben, lohnt es sich, mehr des teuren Produkts herzustellen. Auch das stimmt!

Daraus schlußfolgert der "Energieoptimist": Wenn die Preise nur hoch genug sind, rechnet sich auch noch der aufwendigste Materialeinsatz, um Öl aus dem Boden zu holen. Sei es Bohren in der Tiefsee (BP bietet grade seine Ölfelder im Golf von Mexiko an!), Aufsprengen ganzer Erdschichten (Fracking!), Erhitzen ganzer Berge (damit diese das Öl ausschwitzen) oder das Verfeuern von Erdgas und das Spülen mit Unmengen an (danach nicht mehr trinkbarem) Wasser um Ölsande vom Sand zu befreien (wie man es im kanadischen Alberta macht). Es stimmt: Je höher die Ölpreise, umso mehr Ölvorräte lassen sich verfügbar machen - wo auch immer sie lagern, in welch absurd aufwändiger Form auch immer sie vorliegen, welche Eingeborenen auch immer wir dafür vertreiben müssen.

Die Idee eines Peak Oils, also eines Höhepunkts in der Ölförderung, ist deshalb hanebüchener Unsinn, zumal innerhalb eines naheliegenden Zeitraumes. Je teurer Energie, umso mehr Öl fördern wir, ruft der "Energieoptimist". Daher ist alles in Butter und die ewigen Nörgler mit ihrem "es könne da ein Problem mit der Ölversorgung geben" können sich doch mal bitte wieder um ihren (erfundenen) Klimawandel kümmern. (mehr …)

Rohöl-Preise im Aufwärtstrend: Seitwärtsbewegung könnte enden

Nur wenig Bewegung in den vergangenen 12 Monaten

Seit dem Bericht des Preisrisiko-Barometers vom 24.08.2011 pendelten die Brent Oil-Notierungen in der Bandbreite von 90 und 125 USD seitwärts.

Trotz der Liquiditätsklemmen der Banken und Staaten, drohenden Euro-Crashs und des schwächeren Wirtschaftswachstums blieben die Notierungen auf hohem Niveau stabil. Mit drohender Rezession und Depression hätten die Kurse einbrechen können. Dass sie sich behauptet zeigten, könnten erste Vorboten der im Versorgungsrisiko-Barometer beschriebenen Verknappungstendenzen sein.

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Kommentarlos, Teil 9

Es ist schlicht unmöglich, sich vom Strom der Produkte und damit vom Erdöl unabhängig zu machen. Selbst unser Essen enthält in gewisser Weise Öl, wegen der Düngemittel und der Lastwagen, die Lebensmittel durchs Land fahren. Die einzige Chance, ohne Erdöl zu leben, ist in der Wildnis nach Hasen zu jagen und Fische zu fangen.

Interview mit dem Öl-Fotografen Edward Burtynsky in der ZEIT, dessen Ausstellung derzeit in Berlin läuft

Schöne neue Zahlen

Dies ist ein Gastbeitrag von Marcus Kracht, nachlesbar auch in seinem "Lexikon des Zerfalls".

My make-up may be flaking
but my smile still stays on.

— Queen: The show must go on

Zahlenkosmetik

In der modernen Welt sind Zahlen etwas ganz wichtiges geworden. Zahlen haben den Mythos des Objektiven. Wer also nicht subjektiv erscheinen will, der trägt viele Zahlen im Tornister mit sich herum und verteilt sie großzügig unter die Menschheit. Denn was wäre die Wissenschaft ohne Statistik, mit der man aus einem Gewirr von Daten eine Aussage herausdestillieren und auf das Podest des Wissens heben kann? Abgesichert durch eine mathematische Disziplin, wohlgemerkt. Und was wäre eine moderne Verwaltung ohne ein Zahlenwerk, das ihr erlaubt, Entscheidungen objektiv und zielgenau zu treffen?

Wenn es denn so einfach wäre.

Ich will aber nicht den Kritiker der Zahlen spielen, auch wenn das gewiss nötig wäre. Ich will auf etwas Anderes hinweisen, das sich in die Köpfe und Herzen einschleicht: das ständige Starren auf Indikatoren und die damit einhergehende Verengung des Horizonts. Und zwar so lange, bis das eigentliche Ziel aus dem Blick gerät. (mehr …)

Europa am Peak

Die Diskussion um Peak Oil, geht mit der Studie von Leonardo Maugeri in eine neue Phase - sowohl was öffentliche Problemwahrnehmung und Diskussion als auch was die inhaltliche Substanz betrifft. Maugeri prognostiziert einen neuen Ölboom, sofern politische und finanzielle Rahmenbedingungen stimmen. Knappheit an Erdöl, so der Tenor, ist nicht zu befürchten. Technologie löst das Problem. Diese Studie löst eine Flut an Presseartikeln und Blogeinträgen aus, die Zweifel daran schüren, ob der Höhepunkt der globalen Ölförderung wirklich so nah ist, wie manchmal befürchtet. Und ob man sich überhaupt um dieses Thema kümmern muss.

Für Europa sieht die Sache dennoch anders aus.

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