Hopkins nannte zahlreiche Beispiele aus den hunderten von Städten im Wandel. In Bristol lässt sich der Bürgermeister sein Gehalt komplett in der Lokalwährung auszahlen. Diese soll die regionale Wirtschaft fördern. Bürger haben gemeinsam eine Bäckerei finanziert und bekommen ihr Geld zurückgezahlt, zuzüglich von Zinsen in Form von Brot. Gemeinschaftliche dezentrale Energieprojekte haben Städte unabhängiger gemacht. Landwirtschaftliche Gemeinschaften haben sich nach der Frage, wie sich die Stadt selbst ernähren kann, gegründet.
Kommentarlos, Teil 25
Monbiots Erwachen
Ähnlich wie Enten, die grade noch am Ufer eines Sees schwammen und in deren Mitte ein Schuss losgeht, flattert derzeit die (englischsprachige) Peak-Oil-Szenerie erschrocken auf. Nachdem Leonardo Maugeri seine Studie über die Möglichkeit einer neuen Ölrevolution veröffentlichte, schwor der Guardian-Kolumnist und Umweltaktivist George Monbiot vom Glauben an ein Ölfördermaximum ab: We were wrong on Peak Oil - There's enough to fry us all (Wir lagen falsch mit Peak Oil - es gibt genug, um uns alle zu rösten) heißt der Artikel, der dem Schuss im Ententeich gleich kommt. George Monbiot gilt als wichtiges Sprachrohr der britischen Umweltbewegung, sein Wort hat Gewicht und es wird in der englischsprachigen Welt wahrgenommen. Sein Kernthema ist der Klimawandel, weshalb er Kernenergie als CO2-freien Weg der Energieerzeugung für akzeptabel hält. Als Reaktion auf diesen Artikel erscheinen derzeit weltweit Antworten in Artikelform: (weiterlesen …)
Transition Town: Un-Konferenz vom 14. bis 16. Oktober in Bielefeld
Die Transition Bewegung basiert auf der Idee, dass man Leute nicht dazu bringt, sich angesichts von Peak Oil und Klimawandel zu engagieren, indem man sie in Panik versetzt oder mutlos macht. Ihnen ein Flugblatt mit schrecklichen Sachen darauf in die Hand drückt und dann erwartet, sie würden aktiv werden. Vielleicht aber lässt sich etwas bewegen, wenn wir uns den Optimismus zu nutze machen. Das könnte dann dazu führen, die Dinge komplett neu zu sehen. Anstatt also auf den Klimawandel und die rasante Ölverknappung als eine Katastrophe und ein Desaster zu schauen, können wir diese Phänomene als Chance sehen, unsere Lebenseinstellungen zu überdenken. Schaut man nur auf Peak Oil, als das absehbare Ende der Ölressourcen, dann resultiert daraus die Suche nach neuen flüssigen Energieträgern. Schaut man nur auf Klimawandel, dann konzentriert man sich schlicht auf technische und ökonomische Lösungen usw. Bringt man beide Dinge zusammen, dann entsteht eine gemeinsame Mitte. Und dort geht es dann um etwas Neues, das zu planen und zu organisieren wäre, nämliche die ökonomische Schrumpfung und Regionalisierung, den Wiederaufbau unserer lokalen Märkte.
So klingt es, wenn Rob Hopkins erklärt, was er unter "Transition Towns" versteht, Städten im Wandel. Nachzulesen bei revista. Dass wir unseren Energieverbrauch drastisch senken müssen, wird zwar desöfteren diskutiert, passieren tut aber relativ wenig. Die Idee der 2000-Watt-Gesellschaft hat es bislang kaum aus der Schweiz herausgeschafft, auch wenn sie dort von Neustart Schweiz aufgegriffen wird - einer dem Transition-Ansatz nahestehenden Initiative.
Im Großen wird vor allem nach neuem Öl gesucht. Darauf weist auch der gestern bekanntgewordene Deal zwischen Exxon und Rosneft hin, der zum Ziel hat, die arktischen Reserven anzuzapfen. Doch wo bleiben die Aktivitäten im Kleinen? "Windräder für alle" in Form von Energiegenossenschaften, Diskussionen über Postwachstumsökonomie (hier Prof. Niko Paech im Video bei einem ÖDP-Treffen), energieautarke Dörfer (Selbstversorgung in Rettenbach) - Bausteine gibt es inzwischen viele. Wie bringt man sie zusammen? Wo kann man Hand anlegen?
Um Interessierte und Aktive miteinander ins Gespräch zu bringen, laden das Transition-Netzwerk D/A/CH und Transition Town Bielefeld zu einem Netzwerktreffen ein:
- 14. bis 16. Oktober 2011 in Bielefeld und Oerlinghausen
Mehr Infos und die Anmeldemöglichkeit:
Man sieht sich!
PS: Die neue OYA nimmt sich dem Thema "Bürgerbeteiligung" an. In dem Heft sind auch immer Neuigkeiten aus dem Transition-Town-Umfeld zu lesen. Kostenloses Probeexemplar gibt's auf der Webseite des Magazins, über Abonnements freut sich die junge, genossenschaftlich organisierte Redaktion zwecks Finanzierung des Projekts jederzeit...



