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Die Zukunft des Öl-Preises

Öl ist die Grundlage westlicher Energieversorgung. Der Absturz des Ölpreises von fast 150 Dollar auf unter 40 Dollar innerhalb weniger Monate seit Sommer 2008 stellte die Peak-Oil-Theorie in Frage: Wenn Öl so knapp wird, wie immer gesagt wird, wie kann es dann zu solch einem Preissturz kommen?

Ganz klar zeigt der Preissturz, daß der Ölpreis enorm von Spekulation getrieben wurde. Milliarden von Dollars pumpten im Zuge der Rohstoffpreisexplosion auch den Ölpreis auf. Im Zuge der intensiver werdenden Finanzkrise zogen die Anleger ihr Geld ab und brachten den Ölpreis zu Fall. Auch die Nachrichten über eine neue Weltwirtschaftskrise drückten den Ölpreis: Wo weniger gekauft, gebaut und gehandelt wird, wird auch weniger Öl gebraucht.

Anfang 2009 erreicht der Ölpreis wieder 50 Dollar pro Barrel. Ursache ist kein Boom der Wirtschaft und auch keine Nachrichten über die Knappheit des Öls, Ursache sind die Auseinandersetzungen zwischen Rußland und der Ukraine über Erdgas sowie der Krieg zwischen Israel und den Palestinensern, der neu aufflammt. Mit Ökonomie hat das erstmal nur wenig zu tun.

Und doch läßt sich an diesen Entwicklungen die weitere Tendenz ablesen. Peak Oil, die Theorie über den bevorstehenden Höhepunkt der globalen Ölförderung, ist weiterhin aktuell. Und es zeigt sich anhand der jüngsten Entwicklungen, woran die Marktteilnehmer sich bei der Preisfindung für den wertvollen Rohstoff orientieren werden: An weltpolitischen Entwicklungen. Der Ölpreis wird umso mehr ein politischer Preis, wie die Knappheit des Rohstoffs zutage tritt. Spekulanten werden jede Meldung nutzen, die auch nur im Entferntesten mit Fragen der Energieversorgung oder der Stabilität in erdölreichen Regionen oder an Erdöl-Transportwegen zu tun hat, um mit Käufen oder Verkäufen von Öl oder Öl-Derivaten zu reagieren. Die Tendenz des Ö-Preises zeigt klar nach oben, aber die Schwankungen werden heftiger werden, je mehr die Knappheit und der steigende Preis sich in politischen Entwicklungen in der Welt niederschlägt.

Und eine weitere Gefahr steht im Raum: Mehrere Länder sind hochgradig interessiert, wenn nicht gar abhängig von hohen Ölpreisen. Rußland profitiert ebenso von steigenden Öl- und Gaspreisen wie die arabischen Länder, die Öl verkaufen. Die dortigen Strategen lernen schnell und die Gefahr ist, daß Konflikte explizit geschürt werden, wenn es den Einnahmen dienlich ist.

Die Reaktionen auf die Bewusstwerdung der Öl-Abhängigkeit sind inzwischen enorm, wenngleich sie bislang weniger in der Realwirtschaft als in politischen Ankündigungen zu finden sind. In Deutschland ist das Stichwort "regionale Energieautonomie" durchaus konsensfähig und der neue US-Präsident und seine Berater haben die Unabhängigkeit der USA von externen Energiequellen als Zielsetzung festgelegt. Die Weichen für einen Ausstieg aus dem Öl werden gestellt, aber bis die Alternativen zum schwarzen Gold tatsächlich Größenordnungen erreichen, um Erdöl zu ersetzen, werden noch einige Jahre mit spekulationsbedingt schwankenden Öl-Preisen und einer Tendenz zu neuen Hochs vorbeigehen. Erst wenn die Öl-Abhängigkeit so weit zurückgefahren ist, daß Konflikte im Umfeld des Rohstoff keine grundsätzlichen Versorgungsängste mehr hervorrufen ist mit einer Beruhigung der Preise zu rechnen. Und das kann lange dauern.

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Fußnoten

Norbert Rost, www.peak-oil.com, Januar 2009

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