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E10-Boykott, Wirtschaftskrisengefahr, ASPO-Tagung, Heinberg-Interview

Die Deutschen boykottieren den Kraftstoff mit 10% Bio-Zusatz, genannt E10. Nach Angaben der Tankstellenbetreiber gibt es derzeit Versorgungsprobleme, weil die Tanks mit E10 belegt sind, das die Kunden aber nicht kaufen. Die Politik hat deshalb einen Benzin-Gipfel einberufen und kritisiert zugleich die Politik der Mineralölbranche. "Die Informationspolitik ist wirklich miserabel" wird Agrarministerin Ilse Aigner (CSU) im Spiegel zitiert. (Dem kann ich nur zustimmen, die Informationspolitik des MWV ist stark verbesserungswürdig.)

Das Manager-Magazin befasst sich damit, dass die steigenden Ölpreise den Aufschwung abwürgen und in Schwierigkeiten steckende Länder noch weiter in die Misere treiben könnte. Die Europäische Zentralbank (EZB) denkt über eine Erhöhung der Zinsen nach. Grund dafür ist die steigende Inflation, die ihrerseits stark aus den steigenden Rohstoffpreisen gespeist wird. Zusätzlich zu hohen Ölpreisen könnten demnächst also hohe Kapitalkosten kommen, ein typisches Peak-Oil-Szenario und zugleich: Keine guten Aussichten für die Unternehmen. Interessant am Manager-Magazin-Artikel: Er sagt, dass die Schuldenländer Europas derzeit eigentlich negative Zinsen bräuchten...

Jürgen Döschner hat für den WDR Gespräche mit Fatih Birol von der IEA und Werner Zittel von der Ludwig-Bölkow-Systemtechnik über die Preisentwicklung in 2011 geführt. Das 3 Minuten-Audio findet sich beim WDR. Birol wiederholt erneut, dass die IEA die Prognose der Energy Watch Group bestätigt hat, wonach Peak Oil für konventionelles Öl in 2006 erreicht wurde. Ob 3-Minuten-Beiträge, selbst wenn sie zu guten Sendezeiten im Radio laufen, allerdings die Tragweite des Problems verdeutlichen können, ist fraglich.

Jörg Schindler, Kollege von Werner Zittel und Mitglied der Energy Watch Group, wird neben vielen anderen Ende April auf der 9. APSO-Tagung sprechen, die in Brüssel stattfindet und die Räumlichkeiten des Europäischen Parlaments nutzen wird. Bereits am Wochenende vom 11./12. März gibt es eine kleinere Konferenz in Suhl, bei der über das Leben nach Peak Oil nachgedacht wird - organisiert vom Projekt "Überlebenskultur", der dortigen Transition-Town-Initiative. Ein interessantes Interview mit den Organisatoren gab es jetzt in der Zeitung Freies Wort.

Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) hat eine Kurzstudie veröffentlicht: Der Nahe Osten und Nordafrika – Eine Schlüsselregion für die Erdölversorgung der Welt und auf YouTube ist ein frisches Gespräch mit Richard Heinberg erschienen, der die Zusammenhänge zu Peak Oil nochmal erläutert (english):

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3 Kommentare to “E10-Boykott, Wirtschaftskrisengefahr, ASPO-Tagung, Heinberg-Interview”

  1. Gert Schmidt sagt:

    Die fossilen Energieproduzenten versuchen damit womöglich, die unliebsame E10-Konkurrenz auszuschalten. So kennen wir die Mineralölindustrie, die so manche sinnvolle Neuerung in der Vergangenheit aufs Abstellgleis geschoben hat.

    Damit kehrt auch die Teller/Tank-Diskussion zurück an die Stammtische. Aber wer so argumentiert, müsste auch die Massentierhaltung und Massenfleischproduktion kritisieren.

    Für all die Herausforderungen hilft nur: Herunter mit den Verbräuchen!

    Das gilt für das geliebte tägliche Schnitzel, den weltweiten Handel, den Individualverkehr mit dem Auto und den unkritischen Konsum von Billig-Wegwerf-Artikeln.

    Reduzierte Verbräuche, die Umstellung auf vegane Kost, das Auto stehen zu lassen, die Schaffung regionaler Arbeitsplätze, würden die Nachhaltigkeitserfordernisse erfüllen.

    Außerdem gilt es, die Ethanolproduktion auf neue Verfahren einzustellen, z.B. Abfälle.

  2. Samuel sagt:

    @Gert Schmidt
    „Für alle Herausforderungen hilft nur: Herunter mit den Verbräuchen!“
    Dem kann ich uneingeschränkt zustimmen. Jetzt frage ich mich aber, wie man immer noch mit 200 über die AB brettern, stundenlang im Stau stehen und Sonntagsausfahrten machen muss? Anscheinend ist der Leidensdruck in der Gesellschaft noch nicht angekommen und „der Sprit noch nicht zu teuer“.
    Meiner Meinung wird sich grundlegend erst etwas ändern, wenn die Leute sehen, dass sie mit einem „weiter so“ verhungern werden. Leider bekommen das die meisten erst mit, wenn das Portmonaie alle ist und nicht 2, 3 Jahre vorher. Das wie unglaublich viel umstellen müssen ist klar und wie im Hirsch Report angeklungen brauchen wir 20 Jahre Vorlauf, die wir nun wirklich nicht mehr haben. Wollen wir hoffen, das die paar Leute, die sich jetzt schon engagieren es so weit schaffen, dass die sozialen Verwerfungen nicht allzu schlimm sein werden.

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