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Lektionen in Demut

Photovoltaikanlagen sind immens komplex in der Herstellung. Um den Nachschub mit diesen Anlagen zu sichern, müssen wir diese Infrastruktur in weiten Teilen aufrechterhalten. Das also ist der springende Punkt: unsere Gesellschaft hat eine einzigartige Verwertungspyramide aufgebaut, deren Fundament langsam erodiert. Die Folgen sind nur wenigen klar. In den Köpfen vieler ist die Energiewende die Antwort auf unsere Probleme. Gelingt sie, werden unsere Probleme gelöst. Das ist im Prinzip richtig, weswegen ich auch die Energieversorgung zum zentralen Ausgangspunkt der Argumentation mache. Allein, die Menge an wirklich verfügbarer Energie ist entscheidend. Es geht darum, dass wir nicht genug davon haben werden und deswegen Einschnitte machen müssen. Diese Einschnitte wiederum bedrohen die technische Zivilisation, weil sie früher oder später in die technische Infrastruktur eingreifen und so die Aufrechterhaltung eben der Infrastruktur bedrohen, von der diese Zivilisation abhängt.

Wie man es auch dreht und wendet, es steht uns eine Deindustrialisierung ins Haus. Und sie wird uns die schönen Spielzeuge wegnehmen, an die wir uns gewöhnt haben. Und sie wird auch unser gesellschaftliches Leben beeinflussen.

Dieses Zitat stammt aus dem Buch "Die Wiederentdeckung der Demut", das der Mathematiker/Physiker/Computerlinguist Marcus Kracht von der Uni Bielefeld im September 2011 ins Netz gestellt hat. (gefunden im Gelben Forum) Ich spiegle das Dokument auf diesem Server und empfehle es zur Lektüre (und zur Verbreitung): 117 Seiten, die sich mit der "Zukunft unserer technischen Zivilisation" befassen und deren Grundlage die kommende Energieknappheit ist. Peak Oil eben.

Kracht führt ein Konzept namens "Spiegelprinzip" ein, zu dem er schreibt:

Spiegelprinzip. In dem Maße, wie die Energie abnimmt, wird auch die technische Zivilisation abnehmen. Dabei werden die zuletzt erworbenen Güter zuerst verschwinden. Übrig bleiben dann diejenigen, die die Menschheit vor ihnen erworben hat.

Und er schreibt Sätze wie "Der durchschnittliche westliche Mensch ist lebensunfähig." Darauf baut er eine diskussionswürdige Vision dessen auf, was auf uns zukommen könnte.

ACHTUNG: Neue Version von Februar 2012! (alte Fassung)

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