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Exxon Mobil veröffentlicht „Outlook for Energy“, OPEC festigt Förderquote

Exxon Mobil hat einen eigenen Outlook for Energy veröffentlicht, aus diesem stammt folgende Grafik:

Mehr als 95% der heutigen konventionellen Ölförderung wurde vor dem Jahr 2000 entdeckt und mehr als 75% vor 1980. Als Problem wird das nicht angesehen, nach Exxon steigt die Menge verfügbarer Flüssigkohlenwasserstoffe bis 2040 weiter auf über 110 Millionen Fass Öläquivalente pro Tag:

Der Teufel liegt im Detail: Es wird nicht mehr von Öl, sondern von Öläquivalenten gesprochen. Biotreibstoffe und Flüssiggase sind streng genommen kein Öl. Der Peak in der konventionellen Ölproduktion liegt laut Exxon bereits hinter uns, auch wenn das explizit nicht benannt wird, sondern sich nur aus der Grafik ergibt (orangene Fläche). Nach dem Einbruch der Produktion (durch die Finanzkrise?) kann die konventionelle Ölförderung sich bis 2020 sogar nochmal leicht steigern, um dann sanft in ein Plateau abzufallen. Die Gesamtproduktion wird wie gesagt jedoch bis 2040 problemlos gesteigert, wobei neben Biokraftstoffen und Flüssiggasen vor allem die Tiefseeförderung, Ölsande aber auch die Kohleverflüssigung eine zunehmende Rolle spielen.

Diese Annahme provoziert diverse Fragezeichen:

  1. Tiefseeförderung: Brasilien wirft grade den US-Ölförderer Chevron aus dem Land, nachdem dieser im November eine Ölkatastrophe vor der Küste verursacht hat. Ob dieser Schritt mit Umweltgesichtspunkten oder mit der von Fatih Birol angesprochenen Nationalisierung zu tun hat, wird sich zeigen. Fakt ist: Förderung in der Tiefsee ist aufwändig und risikoreich - insbesondere für die Umwelt. Und auch die anderen nichtkonventionellen Quellen werden ihren Rohstoff nicht so rasant abgeben, wie dies die konventionellen Quellen tun, so dass es enormen technischen Aufwand bedarf, um die Fördergeschwindigkeiten auf jenes Niveau zu bekommen, das Exxon voraussagt. Kernfrage ist: Ist die Fördergeschwindigkeit in dem Maße steigerbar?
  2. Emissionsausstoss und Klimawandel sind in diesem Szenario nicht berücksichtigt. Bis auf die "Bio"treibstoffe sind alle genannten Kohlenwasserstoffe bislang unterirdisch lagernde Vorräte, die durch Förderung und Verbrennung in Form von Kohlendioxid freigesetzt werden. Wenn dieser Weg, wie ihn Exxon für sinnvoll, notwendig und machbar hält, gegangen wird, sind jegliche Klimaverhandlungen sinnlos, weil es bei Emissionsbeschränkungen um nichts anderes gehen kann als um Nicht-Verbrennung von Kohlenwasserstoffen. Hier zeigt sich allerdings ein Dilemma zwischen Energie- und Klimapolitik, das ohne Änderung der grundlegenden Wirtschaftspolitik nicht aufgelöst werden kann. Widersprüchlich auch: Exxon erwartet von der Automobilindustrie "effizientere" PKWs, die 30% weniger CO2 ausstossen werden. Bezogen auf das einzelne Fahrzeug erscheint das als Fortschritt, bezogen auf die geplanten Förder- und Verbrauchsmengen von Öl&Co. wird jedoch offensichtlich, dass in Summe kein einziges Gramm CO2 weniger emittiert wird, sondern um 2040 alleim im Ölsektor täglich 30 Millionen Fass mehr als heute verfeuert würden.
  3. Preisentwicklung: Über die Preise macht Exxon keine handfesten Aussagen. Dabei ist klar, dass die Förderung unkonventioneller Reserven aufwändiger und teurer ist und sich dies auf die Preise niederschlagen wird. In Nord- und Südamerika werden Ölsande in 2040 25% der Gesamtversorgung ausmachen und weltweit würden unkonventionelle Öle 40% der Versorgung tragen. Es ist nicht vorstellbar, dass dies zu heutigen Preisen machbar ist. Die Rückkopplung zwischen Ölförderung und Wirtschaftssystem wird im Exxon Outlook for Energy nicht behandelt.

Die Ansage, dass in 2040 55% der weltweiten Resourcen weiterhin im Boden schlummern, suggeriert langfristige Versorgungssicherheit. Als "Ressourcen" werden auch jene Reservoirs betrachtet, die zwar bekannt, aber wirtschaftlich nicht förderbar sind: Weil die Kosten die Preise übersteigen. Wo heute Ölfelder manchmal nur 30% ihrer lagernden Mengen abgeben und dann wirtschaftlich als "erschöpft" gelten, würde dies also für 2040 bedeuten, dass dann jedes Ölfeld im Schnitt schon 45% seiner Lagermengen abgegeben hat. Je mehr des Öls eines Feldes gefördert wird, umso schwieriger wird es, weitere Mengen herauszuholen. Der Schwierigkeitsgrad steigt eher exponentiell als linear. Diese Angabe suggeriert Sicherheit, die mehr als fragwürdig ist.

Möglicherweise ist diese Fragwürdigkeit einem Ölförderkonzern aber egal. Die Aufgabe des Unternehmens ist es ja nicht, die Preise stabil zu halten und für gleichmäßige Versorgung der Weltwirtschaft mit dem Rohstoff zu sorgen, als Hauptaufgabe von Kapitalgesellschaften gilt die Gewinnmaximierung. Und diese Aufgabe könnte sich bei steigenden Preisen als leichter erfüllbar erweisen als in der Vergangenheit. Und es ist ebenfalls leichter, diesem Unternehmensziel zu folgen, wenn es genügend Kunden gibt, die den Rohstoff kaufen - aus Sicht von Exxon wäre es unsinnig, vor einer Öl-Verknappung zu warnen, bedeutet dies doch die eigenen Kunden vor der Nutzung des eigenen Produktes zu warnen. Welches Unternehmen tut so etwas (freiwillig)?

Aktuelles:

Gestern beschloss die Organisation der Erdölexportierenden Länder OPEC die eigene Förderung bei 30 Millionen Barrel pro Tag zu belassen. Da OPEC-Mitglied Libyen seine Ölproduktion derzeit wieder ausbaut, müssen andere Länder - voraussichtlich Saudi Arabien - ihre Ölproduktion drosseln. Diese Entscheidung gilt als Beleg dafür, dass die OPEC die Preise gern bei dem aktuellen Niveau halten will, was gute Einnahmen verspricht.

Bei einem Besuch in Singapur warnte Fatih Birol, Chefökonom der IEA, vor wirtschaftlichen Auswirkungen des gestiegenen Ölpreises: Der Preis der Ölsorte WTI, die insbesondere in Nordamerika gilt und in den vergangenen Monaten deutlich billiger war als die in Europa gehandelte Sorte BRENT, stieg von Oktober bis Dezember rasant von 75 auf 100 US$. Birol betonte erneut, dass künftig jährlich 100 Milliarden US$ Investitionen in die Ölförderstrukturen Nordafrikas und Arabiens fließen müssen, oder der Ölpreis könne auf 150 US$ in 2015 steigen. Er warnte außerdem vor einem zunehmend nationalistischen Ton in der Ölproduktion, der daraus resultiert, dass die Öl-Einnahmen zunehmend für Sozialausgaben verwendet werden und damit die Einnahmesituation der Ölförderländer größeres Gewicht bei den Förderentscheidungen bekommt als die Versorgung der Weltwirtschaft mit Öl. Dabei verwies er explizit auf den "arabischen Frühling", der die Sichtweise in der arabischen Politik ändert.

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1 Kommentar to “Exxon Mobil veröffentlicht „Outlook for Energy“, OPEC festigt Förderquote”

  1. Klaus FENT sagt:

    Der Beitrag von Exxon ist wieder ein Hinweis dafür, dass für Exxon das Thema Umwelt-schutz durch weniger CO2- Ausstoß (noch) keine Bedeutung hat. Das Ziel, den Energie-bedarf ohne fossile Energien zu decken, bleibt uns weiterhin als wichtige Aufgabe.

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