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Iran-Konflikt voraus

Was gibt es zum Iran noch zu sagen, außer dass sich die Welt in eine Sackgasse manövriert hat, die sehr, sehr viel mit Energiefragen (aber auch mit Weltanschauungen) zu tun hat? Der Iran will Atomenergie nutzen, so wie das viele Länder tun. Zumindest sagt das die iranische Regierung. Historisch kam die "friedliche Nutzung der Atomenergie" nach der Atombombe. Diese, so der Vorwurf, strebt Iran ebenfalls an - und dies sorgt angesichts der geopolitischen Situation im Nahen und mittleren Osten für Nervosität. Der Islam ist kein monolithischer Block, sondern zersplittert ebenso wie das Christentum in Untergruppen: Protestanten und Katholiken hier, Sunniten und Schiiten dort. Heilige Stätten mehrere Religionen auf engstem Raum und Konflikte mit der dritten großen monotheistischen Religion: dem Judentum und Israel.

Säkulare Geister interessieren die religiösen Feinheiten nur am Rande. Lieber Zahlen: Iran 2010: 112,4 Mt Produktion, Weltanteil des Exports: 5,4%, Platz 4 (nach Saudi Arabien (16%), Russische Förderation (13,5%), Nigeria (5,9%)). Deutschland importiert 97% seines Öls, davon 60% aus Russland, Großbritannien und Norwegen. Iran ist nur mit 1,6% beteiligt. Europa im Ganzen dageben, importiert gleich mal 20% seiner Ölimporte aus dem Iran und hat sich kürzlich für ein "geordnetes Embargo" entschieden. "Geordnet", weil die Bürokraten-Politik doch glatt glaubt, im aufkommenden Krieg könne man selbst den Zeitpunkt bestimmen, wann welche Verträge auslaufen oder verlängert werden. Strategisch macht der Iran deshalb derzeit genau das Richtige, indem er erst melden läßt, er würde seinerseits dem EU-Embargo zuvorkommen und selbst nicht mehr liefern, diese Ankündigung dann wieder rückgängig macht und sie dann scheibchenweise trotzdem umsetzt: Zuerst mit Großbritannien und Frankreich, die kein oder kaum iranisches Öl beziehen. Und im nächsten Schritt sicherlich mit Italien oder Griechenland. Griechenland ist durch innereuropäische Streitigkeiten sowiese arg gebeutelt und mit Spritpreisen von fast 1,80 Euro ist kaum Besserung in Sicht - und Iran ist einer der wenigen Lieferanten für das Land. Hierzulande durchbrechen die Preise an den Tankstellen die Marke von 1,60 Euro. Das hat mit Iran viel zu tun, denn die internationalen Spannungen haben den Ölpreis auf über 120 US$ angehoben. Da wir hierzulande den Sprit jedoch nicht in US$, sondern in Euro zahlen, ist die Hebelwirkung des Wechselkurses der beiden Währungen zu spüren. So mag der Ölpreis in US-Dollar noch gute 25 Dollar vom Allzeithoch entfernt sein, in Euro hat er dieses bereits erreicht: Die Spritpreise waren nie so hoch wie derzeit.

Zwar ist zu lesen, "die Märkte" hätten die internationalen Spannungen "bereits eingepreist". Doch was wirklich passiert, wenn es nicht zu einer Annäherung zwischen Iran und "dem Westen" kommt und es zu Militäreinsätzen kommt (Spiegel Online hat ja schonmal die israelischen Flugrouten beleuchtet: Angriff auf Iran könnte Israels Luftwaffe überfordern), ist längst nicht ausgemacht, was dann passiert. Wird die Straße von Hormuz gesperrt, torpediert oder anderweitig blockiert? Wie weit würde die Ankündigung der IEA wirklich helfen, im Fall des Falles die strategischen Ölreserven freizugeben? Wie stabil ist Syrien? Würde der Iran oder ihm verbundene Gruppen wie die Hisbollah die Ölinfrastrukturen angreifen oder gar Anschläge in anderen Ländern verüben? Immerhin soll Saudi Arabien, die eher als Feind Irans gelten, die iranische Ölproduktion im Fall des Falles ausgleichen.

Alles in Allem: Es zeigen sich wenige Auswege aus der Situation. Den Iran davon zu überzeugen, statt auf Atomenergie auf Solarzellen zu setzen, ist bislang leider nicht Teil der europäischen Strategie. Israel dürfte aus Überlebensgründen wenig Interesse an europäischen Wünschen haben, zumal Europa eher ein zersplittertes und leicht erpressbares Konstrukt ist, denn ein ernstzunehmender Player im "global Game". Dies zu ändern bedarf es Kreativität. Europa könnte dem Iran vorschlagen, KnowHow und industrielle Grundlagen für den Umstieg auf Erneuerbare Energien bereitzustellen - und im Gegenzug auf Atomenergie zu verzichten. Deutschland ist auf dem Weg vom Atom zu den Erneuerbaren bereits Vorreiter, wenngleich die Strategie noch nicht ausgereift und umstritten ist. Gut möglich jedoch, dass es dafür schon zu spät ist.

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2 Kommentare to “Iran-Konflikt voraus”

  1. Sukram sagt:

    …“Den Iran davon zu überzeugen, statt auf Atomenergie auf Solarzellen zu setzen, ist bislang leider nicht Teil der europäischen Strategie“…

    Also, bei aller Liebe:

    Adolfinejad mag zwar nicht alle Tassen im Schrank haben- aber so schlimm ist’s nun doch noch nicht.

    Warum sollte er das, bei seinen Gasreserven?
    (womit gleichzeitig die Frage nach der Notwendigkeit der Atomkraft erledigt wäre).

    Und WENN, bräuchte er sich deshalb nicht an EU zu wenden- da böte sich ein Gegengeschäft mit den Chinesen geradezu an.

    Nichtmal Afrika braucht deshalb unbedingt DESERTEC, das sowieso nicht in die Pötte kommt.

  2. mo sagt:

    nicht ganz ot (wenn die meldung das bedeutet, was ich glaube, ist´s sogar gar nicht ot):

    saudi-arabien reaktiviert vor 30 jahren aufgegebenes ölfeld

    sollte das vor dem hintergrund der saudischen herumtrötens von großzügigen „einspringen“ als lieferant im vorfeld oder während eines möglichen irankrieges gleichzeitig ein hinweis darauf sein, dass die vermutungen über die tatsächliche größe der saudischen reserven zutreffend sind ?

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