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Die Energiefalle

Ein Artikel von Prof. Tom Murphy von Do the Math, übersetzt von Tom Schülke und Benedikt Oelmann. Im Original heißt er The Energy Trap, wurde im Oktober 2011 veröffentlicht und gehört zu den meistgelesenen des Blogs.

 

Viele der "Do the math"-Postings beschäftigten sich mit dem unausweichlichen Ende des Wachstums und den Herausforderungen, die uns bei der Entwicklung einer Ersatztechnologie begegnen werden, wenn unser fossiles Erbe erst einmal aufgebraucht ist. Der Fokus lag auf langfristigen, physikalischen Grenzen und nicht auf den vielen schmutzigen Details und unseren aktuellen Reaktionen auf diese Probleme. Unsere heutigen Reaktionen auf die nachlassende Verfügbarkeit von Energie werden darüber entscheiden, ob wir den Übergang zu einer nachhaltigen, technologischen Existenz bewerkstelligen, oder ob wir es unserer Gesellschaft erlauben werden, zu kollabieren. Ein Stolperstein auf diesem Weg macht mir besondere Sorgen. Ich nenne ihn The Energy Trap (deutsch: Die Energiefalle).

Kurz gesagt ist die Grundidee der Energiefalle die Überlegung, dass unsere wachstumsbasierte Ökonomie Schwierigkeiten mit der Energieverknappung bekommen wird, wenn wir erst einmal in die Phase eines Rückgangs der fossilen Treibstoffe (zunächst Mineralöl) geraten. Die Benzinpreise werden in den Himmel schießen, Individuen und exportierende Nationen werden mit dem Horten von Treibstoffen reagieren und Energiemangel wird schnell zur neuen Norm werden. Die unsichtbare Hand des Marktes wird uns für unseren Wunsch nach einer neuen Energieinfrastruktur, die auf erneuerbaren Lösungen beruht, ohrfeigen. Hier liegt das Problem.

Der Aufbau einer neuen strahlenden Energieinfrastruktur benötigt nicht alleine Geld, sondern eben auch Energie - der in einer Zeit des Rückgangs der verfügbaren Energien nun kostbarste Ware. Werden wir wirklich bereit sein, kurzfristig sehr viel zusätzliche Energie für einen Langzeitenergieplan zu opfern, der sich erst in ferner Zukunft rentiert? Es ist eine Falle.

Als ich das Peak-Oil-Konzept zu verstehen begann, war ich über die ökonomischen Implikationen des Konzeptes erschüttert. Zum Teil wurde dieses durch David Goldsteins Buch "Out of Gas" bewirkt. Dieses Buch betont das Potential globaler Panik, dass die Warteschlangen an den Tankstellen zur Zeit der Ölkrisen von 1973 und 1979 wie eine entspannte Aufwärmübung erscheinen lässt. Da ich Professor Goldstein persönlich kenne und ihn als ernstzunehmenden Physiker schätze, nahm ich seine Botschaft sehr ernst. Wenn man seine Vision einer globale Reaktion auf Peak Oil weiterdenkt, so stellte ich mir vor, würde die Erwartung eines jahrzehntelang andauernden Rückgangs der verfügbaren Energie, bei gleichzeitig gewaltigen Anstrengungen eine Ersatzinfrastruktur zu etablieren, jedes Vertrauen in kurzfristiges ökonomisches Wachstum zerstören. Dieses würde jedes Vertrauen in neue Investitionen zunichte machen und so zu einem Zusammenbruch der Märkte führen. Märkte sind davon abhängig, dass Investoren Vertrauen in die Zukunft haben. Wenn dieses Vertrauen auf einer globalen Ebene zerstört wird, was geschieht dann als nächstes?

Ich halte ökonomische Panikreaktionen immer noch für eine wahrscheinliche Folge. Aber Psychologie ist eine schwer vorhersagbare Angelegenheit. Marktoptimisten würden das enorme Investitionspotential einer neuen Energieinfrastruktur als Gegenargument gegen solche Szenarien aufführen. In Anbetracht der schwierigen Vorhersehbarkeit ökonomischer Entwicklungen wollen wir vor solchen Prognosen zurückschrecken und uns auf die bloße physikalische Dimension des Problems konzentrieren – Die Energiefalle.

Energy Return on Energy Invested (der Energieerntefaktor)

Unser Ziel wird es sein, die Energiefalle quantitativ zu analysieren und zu ermitteln, wie substanziell die Idee ist. Wir berufen uns auf ein Konzept, dass eine zentrale Bedeutung bei der Bewertung unserer Energiezukunft erlangt hat. Dieses Konzept ist der energy return on energy invested oder EROEI, zu deutsch der Energieerntefaktor.

Wollen wir Energie benutzen, müssen wir zunächst Energie aufwenden, um die Energiequelle zu erschließen und für die Verwendung vorzubereiten. Um Holz in unserer Feuerstelle zu verbrennen, müssen wir zunächst einen Baum fällen, ihn in Holzscheite zerlegen und diese zerspalten. Um unsere von Benzin angetriebenen Autos zu fahren, müssen wir Energie verwenden, um Öl zu finden, Bohrungen zu bohren, es aus dem Boden zu pumpen, das Öl zu raffinieren und es an die Tankstellen zu verteilen. Um Solarenergie einzusammeln, müssen wir Energie in die Produktion von Solarzellen und die zugehörige Elektronik investieren. Das Resultat wird ausgedrückt im Verhältnis von Energieausgaben zu Energieeinnahmen. All das, was weniger als 1:1 erreicht, jener Punkt an dem man in die energetische Gewinnzone kommt, bedeutet, dass die Energiequelle keinen Nettoenergiegewinn gewährleistet, sondern Energie kostet. Eine solche Ressource ist es nicht wert, weiter für Energiezwecke verwendet zu werden.

In den frühen Tagen der Ölförderung erreichte man zeitweise EROEI's oberhalb von 100:1. Das bedeutet, dass nur ein Prozent der Energie die in einem Barrel Öl vorliegt - oder weniger - wiederverwendet werden musste, um dieses Barrel Öl zu ermöglichen. Kein schlechtes Geschäft. Die Ölindustrie unserer Zeit erreicht typischer Weise EROEI's um 20:1, während Teersande und Ölschiefer dazu neigen, EROEI's zwischen 5:1 und 3:1 zu erreichen. Man kann darüber diskutieren, ob Getreide-Ethanol den Break-even erreicht. Wenn wir optimistisch sind, erreicht er 1,4:1. Würden wir von Öl auf Getreide-Ethanol umstellen, so wäre das wie der Wechsel von einer Diät auf Basis von "Eiern, Speck und Butter" auf eine hoffnungslose "Schuhsohlen und Baumrinden"-Diät. Andere Ansätze mit Biotreibstoffen, wie Ethanol aus Rohrzucker, können EROEI's von bis zu 8:1 erreichen.

Um die Einleitung abzurunden ist anzumerken, dass Kohle typischerweise einen EROEI von 50-85:1 erreicht, Erdgas von 20-40:1. Jedoch werden diese Werte abfallen, wenn die einfach zu erschließenden Quellen erschöpft sind. Solare Photovoltaik benötigt nach derzeitigen Erwartungen eine Zeitspanne von 3-4 Jahren, um mit ihrer eigenen Energieernte das Energieäquivalent ihrer eigenen Produktion inklusive der zugehörigen Elektronik einzufahren. Angenommen, dass die Lebenserwartungen heutiger Solarzellen 30-40 Jahre betragen, übersetzt sich dieses in einen EROEI von ungefähr 20:1. Neue Nuklearanlagen schätzt man auf einen angenäherten EROEI von 15:1. All dies sind positive Nettoenergieansätze, was die gute Nachricht ist.

Der unvermeidbare Rückgang der fossilen Energien

Lassen Sie uns untersuchen, was passiert, wenn wir versuchen, den Rückgang einer Energiequelle mit einer anderen Energiequelle zu kompensieren, die einen mäßigen EROEI hat. Auf dem aufsteigenden Teil unseres Energierittes der letzten 150 Jahre haben wir eine Wachstumsrate der verfügbaren Energie von ca. 3% im Jahr erlebt. Den asymmetrischen "Seneca-Effekt" ignorierend, betrüge der Rückgang dann ebenfalls 3%. Ich leihe mir hierzu eine Grafik von dem Artikel "post on the meaning of sustainable", um die einmalige Ära des Rückgangs einer begrenzten Resource zu demonstrieren.

Auf lange Sicht, ist das fossile Zeitalter wie ein Zacken in einer Zeitleiste, mit einem Abstieg, der den (amüsanteren) Aufstieg spiegelt

Wir könnten jede beliebige Zahl für die Analyse unserer Rückgangsrate benutzen. Ich werde den Rückgang jedoch auf lediglich 2% pro Jahr abmindern um nachzuweisen, dass wir sogar mit einem moderateren als dem real zu erwartenden Rückgang Probleme bekommen werden. Am Rande: Ein jährlicher Rückgang der Energieverfügbarkeit würde, auch wenn es sich harmlos anhört, unsere wachstumsbasierte Ökonomie in eine Abwärtsspirale schicken. Wie im Artikel zur Frage "kann die Ökonomie ewig weiterwachsen" dargestellt, können die durchschnittlich zu erwartenden Effizienzsteigerungen einen Rückgang der Energie von 2% jährlich nicht ausgleichen. Wie wir gleich sehen werden, macht die Energiefalle die Situation noch schlimmer.

Wie halten wir den Rückgang auf? - Ansatz 1

Nehmen wir an, dass unsere Nation oder die Welt in einem Jahr 100 Einheiten fossiler Energie benutzt und erwartet, im nächsten Jahr lediglich 98 Einheiten zur Verfügung zu haben. In dem Fall benötigen wir 2 Energieeinheiten an Energie um die auftretende Lücke zu füllen.

Wenn zum Beispiel der Energieersatz

  • einen EROEI von 10:1 hat,
  • der Großteil der für den Aufbau notwendigen Energie vorweg aufgebracht werden muss (Solarpaneele, Windturbinen, Kernreaktoren usw.)
  • und die neue Energieinfrastruktur ca. 40 Jahre halten wird,

dann benötigen wir für die Konstruktion einer Anlage, die eine Energieeinheit pro Jahr substituiert, eine energetische Vorabinvestition, die 4 Jahren des energetischen Outputs dieser Anlage entspricht. Da wir insgesamt 2 der 100 Energieeinheiten ersetzen müssen um die auftretende Lücke zu schließen, benötigen wir somit insgesamt 8 Energieeinheiten, um die neue Energieinfrastruktur aufzubauen.

Von den 100 Energieeinheiten der gesamten verfügbaren Energie eines Jahres, würden dadurch nur noch 92 Energieeinheiten für die verbliebene Wirtschaft zur Verfügung stehen. Es ergibt sich eine Situation, in der ein 2% Rückgang an Energie für unsere Gesellschaft wie ein 8%-Rückgang aussieht. Wenn wir uns gemütlich zurücklehnen und nichts tun, um gegen den Rückgang der verfügbaren Energie anzugehen, hätten wir stattdessen gegen Ende des Jahres nur mit einem Energieverlust von 2% zu rechnen. Es wäre immer noch ein Verlust, jedoch annehmbarer als einer von 8%. Da nach dem Energiefördermaximum in jedem nachfolgenden Jahr ein weiterer Rückgang der verfügbaren Energie zu erwarten ist, wiederholt sich das Spiel. Wo ist also der Anreiz, eine neue Energieinfrastruktur aufzubauen?

Das ist der Grund, warum ich die Situation eine Falle nenne: Wir sind genötigt, das Ganze zunächst noch weiter zu verschlimmern, um am Ende besser dazustehen.

Die Abbildung oben zeigt, wie das ganze grafisch aussieht, wenn man einen linearen fossilen Treibstoffrückgang von zwei Einheiten pro Jahr annimmt. Die Bereitstellung neuer Energie nimmt schnell zu, um den entstandenen Rückgang von 2% auszugleichen. Dieses kostet die Gesellschaft jährlich 8 Energieeinheiten. Während sich in diesem Beispiel die Kombination der fossilen Treibstoffe und ihres Ersatzes immer zu 100% summiert, erzeugt die fortlaufende Vorabinvestition an Energie einen ständigen Abfluß an Energie. Es erfordert 7 Jahre, bis der kumulierte Energiemangel aus dem Rückgang der fossilen Energien und den Ersatzinvestitionen kleiner ist, als der Verlust in jenem Fall gewesen wäre, wenn die Gesellschaft nichts getan hätte und dem Rückgang der verfügbaren Energie einfach tatenlos zugesehen hätte. Eine Zeitskala von 7 Jahren liegt jenseits des typischen Horizonts gewählter Politiker.

Ein anderer Aspekt der Falle ist, dass es keinen Weg gibt sich aus der Falle herauszuwinden, da immer eine Vorabinvestition an Energie getätigt werden muss - ganz gleich wie schnell wir die Ersatzinfrastruktur aufbauen. Wenn wir versuchen, die Falle zu überlisten, indem wir im ersten Jahr stattdessen alternative Energien mit einer Kapazität von 8 Energieeinheiten aufbauen, müssten wir 32 Einheiten Energie von den verbliebenen fossilen Energien verwenden, nur um damit ein umso tieferes Loch in unsere Energieversorgung zu reißen. Der entscheidende Punkt ist, dass ein EROEI von 10:1 bei einer Lebensdauer der Anlagen von 40 Jahren für jeden Schritt vorwärts, 4 Schritte rückwärts erzwingt. Die Natur kennt keine Investitionstricks wie unsere Banken. Man kann keine Windräder für das reine Versprechen zukünftiger Energiegewinne bauen.

Wir können mit den Zahlen spielen, um unterschiedliche Resultate zu erzielen. Wenn nur die Hälfte der totalen Energiemenge vorab investiert wird und der nötige Rest über die Lebensdauer der Energieressource verteilt wird (z.B. Bergbau und Aufbereitung von Uran), dann erhalten wir einen 4%-Verlust anstatt eines achtprozentigen. Ebenso benötigt ein Windrad mit 40 Jahren Lebensdauer, einem EROEI von 20:1 und einer vollständigen Vorabinvestition, zwei Jahre seines zwei Einheiten ersetzenden Beitrags für die Installation, woraus sich ein Energieinvestitionsaufwand von 4 Einheiten ergibt. Also ein Verlust von 4% gegenüber 8% aus unserem Anfangsbeispiel. Auch das ist wieder ein größerer Verlust, als der kleinere Verlust von 2% gegenüber der Strategie, einfach gar nichts zu tun. Und dieser kleine Verlust von "nur" 2% war, wie Sie sich erinern werden, bereits eine Quelle schmerzhafter Probleme.

Irgendjemand da, der die Schmerzen verdoppeln möchte? Niemand? Wählt mich und das ist genau das, was wir tun werden.

Niemand?

Weicheier.

Beschleunigen!

Die Annahme, dass wir eine vollständige Ersatzinfrastruktur unserer Energieversorgung innerhalb eines Jahres aufbauen können, ist eher unwahrscheinlich. Um sich die Dimensionen zu vergegenwärtigen: Die USA benötigt jährlich 3 Terrawatt Energie. Ein 1%-Rückgang übersetzt sich also in 30 Gigawatt Energie. Unser angenommener moderater 2%-Rückgang bedeutet demnach, dass wir etwa 60 neue 1 Gigawatt-Kraftwerke in einem einzigen Jahr bauen müssten. Dies entspräche einem Kraftwerk pro Woche! Weltweit müsste man diese Größenordnung vervierfachen.

Was haben wir in der Vergangenheit geleistet? Wie hoch waren unsere Kapazitätszuwächse früher? 2010 betrug die weltweite Photovoltaikproduktion 15 Gigawatt an Leistung, was lediglich 6% von dem beträgt, was wir benötigen würden, um eine weltweite Energielücke von 2% pro Jahr auszugleichen. Selbst ein exponentieller Zuwachs dieser Kapazitäten um 50% pro Jahr würde uns 7 Jahre Zeit kosten, um die erforderlichen Zuwachsraten zu erreichen. Der Windenergiezuwachs 2010 erreichte zusammengenommen 37 Gigawatt oder 14% des erforderlichen 2%-Ersatzes, weltweit. Es würde uns, bei diesem halsbrecherisch rasenden Zuwachs von 50% pro Jahr, 5 Jahre kosten, die erforderlichen Aufbaukapazitäten zu realisieren. Wenn Frankreich entscheiden würde, noch größer in Nuklearenergie einzusteigen und 56 Atomreaktoren in 15 Jahren zu bauen, würde Frankreich 80% seines elektrischen Verbrauchs ersetzen. Dieses entspräche 30% seines gesamten Energieverbrauchs. Ein solch gewaltiger Zuwachs an "alternativer" Energieinfrastruktur würde nun tatsächlich den 2%-Rückgang in Frankreich ausgleichen.

Ich war noch freundlich, die Wärme-Energie der fossilen Treibstoffe mit gelieferter elektrischer Energie gleichzusetzen (obwohl letzteres um den Faktor 3 effektiver wäre als Strom von heutigen Hitzemaschinen), aber dies wird mehr als überkompensiert dadurch, dass wir die hohe Fluktuation der Wind- und Solarenergieeinträge ignoriert haben, die diese um den Faktor 4-5 reduziert. Was Nuklearenergie im Vergleich zu fossilen Treibstoffen betrifft, ist der Vergleich fair. Letztlich betrifft dieser Punkt nur realistische Zahlen eines Infrastrukturersatzes und hat keinen Einfluss auf die allgemeinen Implikationen des Energiefallenphänomens.

Wie halten wir den Rückgang auf? - Ansatz 2

Stellen wir uns einen realistischeren Verlauf der Geschehnisse nach dem Peak Oil vor. In unserem Szenario wird die Welt mit einer großen Krise konfrontiert. In diesem Fall könnten wir vielleicht Frankreichs beeindruckenden Reaktorenzuwachs in den Schatten stellen und Energieinfrastruktur mit einer Rate von 4% pro Jahr realisieren. Aber es kostet Zeit, dorthin zu gelangen. Wenn es 10 Jahre braucht, dieses Programm auf seine volle Geschwindigkeit zu beschleunigen, erleben wir eine Situation wie in der folgenden Grafik.

Die Energie-Anfangsinvestition zwingt uns immer noch dazu, den Rückgang der fossilen Treibstoffe weiter zu verschärfen. So erscheint der eigentliche Rückgang von 2% eher wie ein Rückgang von 3,2%. Aber er ist nicht so unangenehm wie ein Rückgang von 8%. Auf der anderen Seite ist der Absturz der Energieversorgung tiefer, bevor wir anfangen uns aus dem Tal herauszuarbeiten. Wir erreichen einen Tiefpunkt von -14% zwischen dem achten und neunten Jahr des Rückganges. Es dauert mehr als 10 Jahre, um besser dazustehen, als man stünde, wenn man gar nichts getan hätte und dem 2% Rückgang einfach zugeschaut hätte. Eine Tabelle, die der oberen Grafik entspricht, habe ich für die, die sich für die genaueren Zahlen interessieren, unten angefügt.

Jahr fossile Treibstoffe Zuwachs im Jahr Zuwachs Insgesamt Energetische Vorabinvestition verfügbar Verlust fossiler Treibstoffe Netto Verlust
0 100 0 0 0 100 0 0
1 98 0,4 0,4 1,6 96,8 2 3,2
2 96 0,8 1,2 3,2 94 6 9,2
3 94 1,2 2,4 4,8 91,6 12 17,6
4 92 1,6 4 6,4 89,6 20 28
5 90 2 6 8 88 30 40
6 88 2,4 8,4 9,6 86,8 42 53,2
7 86 2,8 11,2 11,2 86 56 67,2
8 84 3,2 14,4 12,8 85,6 72 81,6
9 82 3,6 18 14,4 85,6 90 96
10 80 4 22 16 86 110 110
11 78 4 26 16 88 132 122
12 76 4 30 16 90 156 132

Es ist wichtig festzustellen, dass, wann auch immer man den Umbau beendet, eine augenblickliche Erleichterung eintritt. Wenn man zum Beispiel zu Beginn des Jahres 6  6 Einheiten an Energieersatz installiert hat und die Bemühungen einstellt, erhält man 88 Einheiten fossiler Energie zuzüglich der 6 bis dahin aufgebauten Energieeinheiten an Ersatz, was zu einer Summe von 94 Einheiten führt. Dies wäre eine beachtlicher Schritt voraus im Vergleich zu den vorjährigen 88 Energieeinheiten und sogar mehr als die 86,8 Einheiten, die dann bei Fortführung des Crashprogrammes verfügbar wären. Vergleichbar würde eine Beendigung des Programmes nach 10 Jahren, mit 22 Einheiten Ersatz zuzüglich der noch verfügbaren 78 Einheiten fossiler Treibstoffe uns zu dem rosigen Zustand vor Eintritt der Krise zurückführen. So als wäre nie etwas geschehen und weit besser als die nur 88 Energieeinheiten, die wir hätten, wenn wir an dieser Stelle unsere Bemühungen fortsetzen würden. Ein Stopp an dieser Stelle aber würde den gefährlichen Rückgang der Treibstoffe sofort neustarten. Der Punkt ist, dass es immer eine starke Versuchung geben wird, die Schmerzen für kurzfristige Erleichterungen zu beenden.

Allgemeine Verhaltensweisen

Wie bereits angemerkt, ist die Energiefalle eine allgemeine Konsequenz eines moderaten EROEI bei Ressourcen, die eine substanzielle Vorabinvestition an Energie benötigen. Der EROEI müsste vergleichbar sein mit der Lebensspanne der Energiequelle, um keinerlei Effekt während der Jahre des Energierückganges zu zeigen oder sogar größer, um alles zu erleichtern oder sogar Wachstum zu erlauben. Für eine Energiequelle mit 40 Jahren Lebenserwartung (Kraftwerke, Solarpaneele, Windräder), würde das bedeuten, dass wir einen EROEI von 40:1 oder besser benötigen würden, um die Falle zu vermeiden.

Unsere Alternativen erlauben das aber schlicht und einfach nicht. Verflucht!

Für Ressourcen, die keine substanzielle Vorabinvestition an Energie benötigen, spielt die Energiefalle keine Rolle. Fossile Treibstoffe scheinen dazu zu gehören. Die Energie, die benötigt wird, um ein Barrel Öl zur Verfügung zu stellen oder eine Tonne Kohle, ist klein im Verhältnis zur Energiemenge, die diese Rohstoffe liefern. Ähnlich ist es bei Teersanden, die eine beachtliche Menge Energie benötigen, um den Schlamm zu erhitzen und zu verarbeiten. Sogar bei einem EROEI von 5:1 kann eine 2-Einheiten-Lücke gefüllt werden, indem man 2,5 Einheiten mit einem Investitionsaufwand von lediglich 0,5 Einheiten produziert. So wäre es möglich, eine gleichbleibende Energiezufuhr zu gewährleisten. Die Tatsache, dass fossile Treibstoffe uns nicht von sich aus in eine Energiefalle führen, verführt uns dazu, nicht von ihnen abzulassen. Aber durch ihre Begrenztheit ist ihre Attraktivität sowas wie der einlullende Gesang der Sirenen, die uns dazu verlocken, auf dem sinkenden Schiff zu bleiben. Wie auch immer gilt: Fossile Treibstoffe sind bereits kompatibel mit unserer Transportflotte, was den Würgegriff nur noch fester macht.

Im Gegensatz dazu sind Photovoltaik, solarthermische Kraftwerke, Wind- und Nuklearenergie allesamt Methoden, Elektrizität herzustellen. Das aber hilft uns nicht sehr als direkter Ersatz für den als ersten bedrohten fossilen Treibstoff: Öl! Das ist ein sehr ernster Punkt. So wie in der 2005 im Auftrag des Departments of Energy (US-Energieministerium) durch Bob Hirsch und seinem Team erstellten Studie hervorgehoben, stehen wir durch den Peak Oil vor einem Treibstoffproblem. Nicht eines der fünf in dieser Studie vorgeschlagenen, schnell umsetzbaren Crashprogramme, die zur Linderung des Problems umrissen wurden, stellte eine Abkehr von den endlichen fossilen Treibstoffen dar. In der Tat: Der Würgegriff sitzt fest.

Wir müssen also eine kombinierte Strategie anwenden, wenn wir das Problem der Energiefalle lösen wollen und irgendeine der erneuerbaren Ressourcen als Ersatz für unser Treibstoffproblem nutzen wollen. Wir müssen zusammen mit den erneuerbaren Energien eine Flotte elektrischer Fahrzeuge bauen. Dieses kann nicht über Nacht geschehen und bedeutet einen für unser Problem noch längeren und tieferen Einbruch der Verfügbarkeit fossiler Energien.

Haben wir, was nötig ist ?

Viele von uns setzen große Hoffnungen in eine glänzende Energiezukunft erneuerbarer Energien. Aber wir müssen uns bewußt werden, das wir einen Flaschenhals zu überwinden haben, wenn wir diese Zukunft umsetzen wollen. Die energetische Vorabinvestition beim Aufbau erneuerbarer Energieinfrastruktur war bisher noch nicht als Hürde wahrnehmbar, weil wir einen Überschuss an Energie zur Verfügung hatten. (Hätten wir damit nur schon früher ernsthaft begonnen!) Vor dem Hintergrund eines Rückgangs der Energie - von dem ich überzeugt bin, dass es der einzige ausreichend starke Motivator ist, einen Umbau unserer Energieversorgung überhaupt zu beginnen - könnten wir durch die Energiefalle sehr schnell gefesselt und gelähmt sein.

In der Parallelwelt der Ökonomie bedeutet ein Energierückgang eine tiefe Rezession. Die bedeutenden Investitionen, die nötig wären, ein Crashprogramm für den Ersatz unserer Energieversorgung aufzubauen, werden in solch harten Zeiten nur schwer zusammenzukratzen sein. Besonders dann, wenn wir uns nur mit Schwierigkeiten auf die "richtige" Lösung des Problems einigen können, für die wir unser Geld versenken.

Politisch ist die Energiefalle ein Killer. In meiner Lebenszeit bin ich nie Zeuge eines politischen Systems geworden, das reif genug war, sich für ein langfristiges Ziel krumm zu machen, das nur durch Opfer in der Gegenwart zu erreichen war. Zumindest wurden entsprechende Anfälle an Mündigkeit nicht politisch honoriert. Ich beschuldige nicht die Politiker. Wir alle betteln um Eiscreme. Politiker bedienen einfach nur unsere Wünsche. Wir neigen dazu jemanden zu wählen, der uns ein größeres, besseres Morgen verspricht. Auch wenn solch ein Versprechen unhaltbar ist.

Der einzige Weg aus der politischen Falle ist, einem bedeutenden Anteil unserer Bevölkerung die Dimensionen des Problems begreifbar zu machen. Die Bevölkerung muß verstehen, dass wir von einem Überschuss an Energie verwöhnt wurden, der uns durch die fossilen Energien zur Verfügung stand und dass wir jahrzehntelange Opfer bringen müssen, um wieder auf einen neuen Pfad der Energieversorgung zu gelangen. Der einzige Weg dies zu erreichen läuft über nüchterne Aufklärung. Genau das, wofür das Weblog "Do the Math" da ist.

Es ist eine Falle. Verbreitet die Nachricht.

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18 Kommentare to “Die Energiefalle”

  1. M.U. sagt:

    Die Artikel von Tom Murphy sind wirklich immer sehr gut. Vielen Dank für die Übersetzung.

    Ich sehe das genau wie er. Wir wollen/müssen das derzeitige Energieniveau halten und gleichzeitig/ganz nebenbei eine neue Energieinfrastruktur mit gleicher Leistung aufbauen. Wie?

    Mir geht dann immer ein Satz von M. Simmons durch den Kopf. Dieser sagte sinngemäß: wenn wir allen überflüssigen Verkehr von heute auf morgen einstellen erkaufen wir uns evtl. 50 Jahre. Der Mann wird sicherlich recht behalten. Aber welche Politik wird sich schon hinstellen und den privaten PKW verbieten? Und auf freiwilliger Basis. LOL. Der Besitz eines Smartphones zählt heutezutage schon fast als Menschenrecht. Den Deutschen ihr geliebtes Auto zu nehmen käme einem Identitätsverlust gleich.

    Das Problem hat im Grunde astronomische Ausmaße. Als wollten wir innerhalb eines Jahres den Mars dauerhaft besiedeln. Nur sehr wenigen Menschen ist überhaupt klar über welche Dimensionen dort gesprochen und geschrieben wird.

    ps:@Markus Kracht
    Kannst Du deinen „Wishfull Logic“ Artikel mal ins Deutsche übersetzen?

  2. Ich denke das der Energieerntefaktor EROEI eine der wichtigsten Betrachtung ist. Hier sehe ich jedoch Notwendigkeiten weiter zu differenzieren. In den Zeiten in denen Wertstoffe einem Recycling zugeführt werden, um an die durch ein Investment einzusetztenden Rohstoffe zu gelangen, macht es Sinn, diesen Energieaufwand mit in die im Ausgangsartikel genannten Betrachtungen zu beziehen. Daraus lässt sich meines Erachtens eine wichtige Teil-Lösung des Problems Energiefalle in Anbetracht des Energieerntefaktors auf ein Problem des generationsübergreifenden persönlichen Konsumverhaltens reduzieren. Sowohl in der Betrachtung als auch in der Tat.

    Die Generationsbetrachtung
    Wer beispielsweise in den Zeiten des Nachkriegs-Wirtschaftswachstums, gemeinhin auch als Wirtschftswunder bezeichnet, alte Autos oder Trecker aufbewahrte, galt damals als Spinner und heute als gern beerbter Held dieser neuen Oldtimer. Betrachten wir also im Parallelschluss, dass wir in den Zeiten der billigen Energie unsere Produkte auch als billig wertschätzen und sich die Wertschätzung den kommenden Zeiten anpassen wird, so macht es Sinn, sich ebenso wie in der oben genannten Weise des Schrott-Spinners zu verhalten. Zumindes in der Übergangszeit des Wandels, welche in obigem Artikel genannt ist. Dafür fehlt es lediglich an lehrenden Beispielen für wirtschaftliche Organisation.

    Wir haben es gelernt aus Erdöl Dinge zu produzieren, welche die Natur nur sehr langfristig zersetzen und reorganisieren kann und begreifen in den Billig-Momenten nicht, dass im Recycling ein entscheidender Ansatz zu einer Brücke in die Nachhaltigkeit liegt. Solange wir andere Menschen als Messies herabwürdigen, die durch ihre privaten Lagerstätten “Einfälle statt Abfälle” ermöglichen, verhalten wir uns generationsübergreifend betrachtet dumm. Wenn wir proklamieren in Zukunft dass zu verwenden, was die Natur uns bietet, so gilt das wahrscheinlich auch für das, was uns aus dem Erdöl bereits im hier und jetzt geboten ist.

    Einschieben in meine Betrachtung des “generationsübergreifenden persönlichen Konsumverhaltens” möchte ich an dieser Stelle ein Zitat eines Südkoreaners, der einen meiner Freunde zu Hause besuchte: Was wollt ihr denn hier in Deutschland noch alles machen, es ist doch schon alles gemacht !

    Zum Beispiel
    Gerne würde ich hier eine Betrachtung darstellen, wie in einem Niedrigenergiehaus der EROEI einer KFZ-Halogenbeleuchtung sei, die mit einer Windkraftanlage aus einem Kühlerventilator eines Abwrackprämien-Autos elektrisch (12V) gespeist wird. Eine solche Beleuchtung ersetzt eine Installation von krankmachenden Elektrosmog-Sparlampen und heizt gleichzeitig das Gebäude. Leider liegen mir die notwendigen Zahlen nicht vor. Ohne diese jedoch energieaufwendig gesammelt zu haben, nehme ich an, dass der EROEI von umfunktionierten langlebigen Konsumgütern ein ähnlicher ist wie aus den billig Erdölzeiten in denen sie Produziert wurden. Und die noch bessere Nachricht: Es wurde schon damals produziert, statistisch abgerechnet ! Weitere Informationen zur Tatmöglichkeiten finden sich hier: http://mediathek.marburg-im-wandel.de/energie/hefte-zeitschriften

    Beste Grüße,
    Udo W.

  3. palmakunkel sagt:

    Danke wieder für diesen schönen Artikel. Das Problem wird weiterhin sein, dass die Kräfte, die sich auf realistischem Boden bewegen kaum einen Einfluss auf die Politik gewinnen. Sehen wir uns die Tendenz in der Weltpolitik an. Wir beobachten seit vielen Jahren zunehmend Kriege und zwar in Regionen, in der fossile Ressourcen lagern. Nein, gemeint sind hier nicht Saudi Arabien oder Kuweit, in denen die größten multinationalen Mineralölkonzerne immer dass das Sagen hatten. Gemeint ist der zentralasiatische Raum mit seinem Tor: Syrien und Iran. Kurzum. Es geht um die Verfügbarkeit der dortigen Ressourcen. Bei Strafe des eigenen Untergangs, ist der Westen (USA, EU) gezwungen, dort in irgendeiner Form zu intervenieren, da deren wirtschaftliche Macht, einschließlich militärischer, auf der endlichen Ressource Erdöl basiert. Und das ist der Punkt. Die Verfügbarkeit der endlichen Ressource Erdöl wird zunächst weitere Kriege implizieren. Aus diesem Grunde vor allem, gruselt es mich schon vor der Zukunft.

  4. steffomio sagt:

    Ein an sich sehr guter Artikel.
    Wenn ich mir jedoch die real politische Situation betrachte und mit ansehe, wie -besonders- die USA ein Land nach dem anderen unterjochen um Energiequellen für sich zu beanspruchen, dann sehe ich keinerlei Bewegungsmoment in Richtung einer vernünftigen Lösung.
    Angesichts solcher -leider wirklichen- Realität erscheint der Artikel wie nett gemeinte Ideen unmündiger Kinder nach dem Motto: wenn wir nur alle lieb und artig wären, ginge es allen besser.

    Ich wünschte, Vernunft würde würde Einzug halten, wird sie aber nicht.
    Denn noch immer gilt: Mit dem Hunger -wonach auch immer- verschwindet die Moral. Glauben sie nicht? Sehen sie selbst, und die hatten nicht mal Hunger!:
    http://libyasos.blogspot.de/2011/06/beheading-in-name-of-democracy-in-libya.html

    Ich kann nur jeden warnen, sich so gut wie möglich in Sicherheit zu bringen, wenn er den Zusammenbruch überleben will!

    Querschüsse hat Thema Öl übrigens auch aufgegriffen. Dort lässt sich u.A. wunderbar emotionsfrei der Niedergang der Gesellschaft verfolgen:
    http://www.querschuesse.de/ol-artikel/

    • Patrick sagt:

      „sich so gut wie möglich in Sicherheit zu bringen“ ist gut…dazu müsste man wissen, WAS denn genau WANN passiert.

      So wie wir alle heute doch noch relativ im Dunkeln tappen, was genau uns wohl erwartet, wird das eher nichts.

      Ich meine, es werden ja heute immer noch Diskussionen geführt, ob Peak Oil schon bald spürbar ist oder erst in z.B. 15 Jahren…und dann gibts ja noch diese Super-Optimisten, das wir noch ewig lange mit den unkonventionellen auskommen…
      Die breite Öffentlichkeit jedenfalls hat davon noch keine Notiz genommen.
      Dafür müssen wir sicher Benzinpreise jenseits der 2 Euro haben, bis sich da etwas tut.

      Und solange es nur eine eher „kleine Gruppe“ von Menschen gibt, die das drohende Unheil absehen können, werden wir nicht rechtzeitig an Detailinformationen gelangen. Und ohne Details lässt sich halt schlecht vorhersagen, was denn wohl wann genau geschehen mag.
      Und genau deshalb ist das „rette sich wer kann“ eben ziemlich schwierig.

      LG
      Patrick

  5. Tom Schülke sagt:

    Hallo Benedikt..

    Vielen Dank für die Hilfe… :-)

    jetzt müssen wir Zusehen dass der Artikel oft in den Onlinemedien verlinkt wird. (So wie viele andere der Artikel hier auf Peakoil.com )

    gruß Tom

  6. M.U. sagt:

    „China sichert sich mit einem Schlag riesige Öl- und Gasvorkommen: Der staatliche Ölkonzern CNOOC will die kanadische Förderfirma Nexen für 15 Milliarden US-Dollar schlucken. So bekäme Peking Zugriff auf Energiereserven in Kanada, Nigeria, dem Golf von Mexiko und der Nordsee.“
    http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/energie-chinesischer-oelkonzern-kauft-kanadischen-konkurrenten-nexen-a-845922.html

    Wenn das klappt erkläre ich die Amerikaner und Europäer für Geisteskrank. Das wäre ja gerade so, als würde man sich den Wölfen zum frass vorwerfen. Verkaufe für ein Apfel und ein Ei deine nähre Zukunft (20 -40 Jahre). Ein wenig Egoistischer Weitblick schadet sicherlich nicht und auch für die Chinesen hieße das umdenken zu müssen.

    • Norbert Rost sagt:

      Tja, M.U., es dürfte schwierig werden, diesen Deal zu verhindern. Die Firma ist als Aktiengesellschaft in den Händen der Aktionäre, die nach Eigentumsgesichtspunkten mit ihren Anteilen tun und lassen können, was sie wollen. Staatliche Aktivitäten GEGEN den Verkauf müßten gut begründet sein, wenn sie nicht als Protektionismus verstanden werden wollen.

  7. Rolf Viehmann sagt:

    Ich sehe noch ein weiteres, größeres Problem auf uns (=Deutschland) zu kommen: Das komplette Wirtschaftssystem in Deutschland basiert ganz massiv auf Im- und Export, daher frage ich mich, ob ein teurerer und langsamerer Transport von Waren und Gütern aller Art uns nicht ganz besonders schwer treffen wird, und einen solchen teureren und langsameren Transport befürchte ich, wenn die fossilen Energieträger knapper werden, und Energiequellen mit einem niedrigeren EROEI verwendet werden müssen. Auch und gerade unsere Autoindustrie wird es sicher immer schwerer haben.

    Das Problem, was ich hierbei sehe, ist, dass Deutschland anscheinend (so vermitteln es zumindest alle Medien hierzulande) ein extrem wichtiger Stützpfeiler im gesamten Euroraum ist, ich habe daher die große Sorge, dass folgendes passieren könnte:

    1.: Die fossilen Energieträger werden knapper und teurer, daher muss auf alternative Energieformen mit niedrigerem EROEI umgeschwenkt werden. Dazu sind aber große finanzielle Investitionen notwendig (neue Infrastuktur kostet zunächst viel Geld). Außerdem müssen ja auch zunächst praktische Erfahrungen mit den neuen Technologien gesammelt werden, bevor diese wirklich problemlos funktionieren. Das kostet viel Zeit. In dieser Zeit könnte das Energie- und Mobilitätsniveau viel geringer sein, als heute. Energie wäre viel teurer, und der Transport wäre eine immer größere Herausforderung, zumal es schwierig werden dürfte, unsere Just-in-Time-Produktionsweise aufrecht zu erhalten.

    2.: Dadurch leidet die so stark Im- und Exportlastige deutsche Wirtschaft ganz massiv, der deutsche Staat wird finanziell geschwächt.

    3.: Dadurch muss Deutschland seine Zahlungen, z. B. in Rettungsfonds für den Euro, ganz massiv kürzen, damit unsere eigene Wirtschaft nicht komplett zerbricht.

    4.: Durch die ausbleibenden Zahlungen Deutschlands (verbunden mit den enormen Schulden in zu vielen Euro-Ländern) könnte der Euro komplett zerbrechen, zumal ja alle anderen Euro-Länder mit ähnlichen Problemen zu kämpfen hätten, wie auch wir. Die neuen Probleme, verbunden mit den vorhandenen Schulden, könnten einfach zu einem Kollaps führen.

    5.: Ein so großes und einschneidendes Ereignis wie das komplette Auseinanderbrechen des Euros könnte auch andere angeschlagene Volkswirtschaften, wie z. B. die USA in starkte Mitleidenschaft ziehen, zumal ja die Schuldenlast in den USA ähnlich enorm ist, wie in unseren schwächsten Euro-Ländern.

    6.: Da die Wirtschafssysteme der USA, der EU und China so stark miteinander verflochten sind, könnte diese Entwicklung auch die Wirtschaft Chinas mit hinab reißen.

    7.: Das Ganze könnte dann analog einem Domino-Effekt praktisch alle hoch entwickelten Volkswirkschaften weltweit bedrohen, zumal ja sehr viele Staaten zumindest ein hohes, teilweise sogar ein bedrohliches Schuldenniveau haben, so dass ausbleibende Steuereinnahmen, in Verbindung mit Zins und Zinseszins zu einer raschen Zahlungsunfähigkeit führen könnten. Die steigenden Energiepreise kämen auch hier überall zusätzlich dazu.

    8.: Dadurch hätten auch kaum noch Personen Geld für Urlaube, zumal sich ja gerade Flugreisen durch die Erdölknappheit exorbitant verteuern würden. Alle Wirtschafen, die stark auf Tourismus setzen, wären somit mit einem gigantischen Problem konfrontiert.

    9.: Durch ausbleibende Spendengelder (durch viele verarmte Personen in der „1. Welt“) hätten auch alle Länder, die heute Entwicklungshilfe oder private Spenden bekommen, zusätzliche Probleme. Auch würde der Transport von Hilfsgütern (z. B. per Luft, da Straßen und Schienen in diesen Ländern oft nicht ausreichend vorhanden sind) sich extrem verteuern.

    Wenn diese Ereignis-Kette erst einmal in vollem Gang ist, könnte alles plötzlich so schnell gehen, dass Politiker und Machthaber aller Art gar nicht mehr genug Zeit hätten, Pläne zu schmieden, die sich über mehrere Jahre erstrecken, da es keinerlei Planungssicherheit mehr über einen derartig langen Zeithorizont gäbe. Es könnte also alles Steuern und Lenken auf kurzsichtige Aktionen beschränkt bleiben, die keine Probleme langfristig lösen.

    Außerdem könnte das Volk in vielen Ländern angesichts der sich rapide verschlechternden Lebensumstände jegliches Vertrauen in die Politik, die Wirtschaft, die bestehenden Organisationen und Institutionen verlieren, wodurch diese immer weniger Einfluss auf das Geschehen hätten. Radikale, fundamentalistische und generell demokratiefeindliche Gruppierungen würden womöglich so starken Zulauf bekommen, dass das demokratische System in vielen Ländern komplett zerbrechen würde. Solange die Abwärtsspirale in Gang wäre, würde sich an diesem Zustand nichts ändern lassen, Demokratie wäre erst wieder möglich, wenn die Talsole durchschritten wäre, und bis dahin könnte es schon hohe Verluste an Menschenleben durch Akte der Gewalt zu betrauern geben.

    Auch wäre ein Staat, der sich im Abschwung befindet, immer weniger dazu in der Lage, Ordnungshüter einzusetzen, die die Ordnung aufrecht erhalten könnten. Innovationen könnten in einem solchen System wohl kaum zur Marktreife entwickelt werden, daher würde es immer schwieriger werden, das Energie- und Wirtschaftssystem wieder in den Griff zu bekommen.

    Durch die zusammen brechende Ordnung wäre es auch immer schwieriger, Schulen und Universitäten weiter zu betreiben, und durch das viel schlechtere Bildungsniveau der nachwachsenden Bevölkerung wären viele Staaten über lange Zeiträume hinweg geschwächt, was es um so schwieriger machen würde, komplexe Technologien zu entwickeln, zu betreiben und zu verbessern. Durch das niedrigere Bildungsniveau würde auch vielen irrationalen Ängsten und Gedankengängen Glauben geschenkt werden, was es noch schwieriger machen würde, das Energie- und Wirtschaftssystem wieder in den Griff zu bekommen.

    Gibt es schon Lösungsansätze für dieses weltweite, mehrschichtige Problemfeld? Falls nicht, erscheint mir alles Andere im Vergleich dazu geradezu harmlos zu sein. CO2, AKWs und Methangas könnten uns dann auch egal sein, wenn uns unser komplettes Wirtschafts- und Gesellschaftssystem zusammen brechen würde.

    • Schnuff sagt:

      Sehr geehrter Herr Viehmann,

      eine, wie ich finde, recht treffende Darstellung der weitergehenden Probleme der nächsten Dekaden.

      Bei zwei Dingen muss ich allerdings widersprechen:

      Zum einen gebe ich dem Euro (Ihre Punkte 3. – 5.) in seiner jetzigen Form nur noch wenige Jahre (Monate?). Die Knappheit der fossilen Energieträger wird meines Erachtens erst in 5 bis 10 Jahren voll zum Tragen kommen, so dass ich hier keine direkte Überschneidung der Probleme sehe (Es sei denn die Zahlungen des Euro hängen weiter nach. Hier fehlt mir allerdings genaueres Fachwissen bzw. Zahlenmaterial).

      Zum anderen sehe ich eine umgekehrte Entwicklung beim letzten Absatz: Den Enisparungen der Emmissionen von CO2 wäre eine harte Wirtschaftskrise, so bitter sie auch erscheint, sehr zuträglich. Im Zuge der Lehmann-Krise und der anschließenden Wirtschaftskrise wurden nach langer Zeit endlich mal wieder die CO2 Ausstöße reduziert, wenn auch nicht freiwillig. Für die Umwelt wäre demnach eine harte Landung der Wirtschaft mit massivem Einbruch der Produktion eher positiv. Wenigstens etwas Gutes, was man aus dem Ganzen ziehen kann.

      MfG
      Schnuff

      • Patrick sagt:

        Hallo Schnuff,

        bei den CO2-Emmissionen sehe ich das ganz genau so. Die Menschheit wird es aus eigenem Antrieb definitiv NICHT schaffen, den CO2-Ausstoß dauerhaft zu senken, solange wir die entsprechenden fossilen Energieträger haben.
        Es ist also zu befürchten, dass die rein verfügbare Menge an fossiler Energie durchaus ausreicht, um unser Klima komplett kollabieren zu lassen.

        Die Menschen werden dazu gezwungen sein müssen, weniger CO2 zu produzieren, und der beste Weg dahin ist vermutlich wirklich eine weltweite De-industrialisierung. Und diese wird nur geschehen, wenn wir eine große länger andauernde Weltwirtschaftskrise bekommen. Diese hätte also wirklich etwas Gutes.

        Aufgrund der politischen Verhältnsse, der Vermögens/Verteilungsverhältnisse und der Ausbeute von Dritte-Welt-Ländern allerdings kann wohl jeder ahnen, WER mal wieder am meisten darunter leiden wird.

        Eine Frage hätte ich aber:
        Warum sind Sie sich beim Euro so sicher, dass er kurz vor dem Aussterben ist?

        LG
        Patrick

        • Schnuff sagt:

          Hallo Patrick.

          Nun vllt habe ich mich etwas unglücklich ausgedrückt. Insgesamt habe ich weder Zahlen noch Belege (davon werden schon genug in den Raum geworfen, sei es von Institutionen und Regierungen selber oder verschiedenen Ökonomengruppen). Insgesamt ist einfach nur ein Gefühl: Das was die Europäer Griechenland bis jetzt gekostet hat ist nur ein kleiner Teil dessen, was wohl bei Spanien auf die Leute zu kommen wird. Die Meldungen der letzten Tage machen den Anschein, dass Spanien die Refinanzierung seiner Schulden von Woche zu Woche immer schwerer fallen wird.

          Letztlich glaube ich nicht, dass die Eurozone in naher Zukunft noch aus 17 Staaten besteht (so ists vllt besser ausgedrückt). Spanien und Griechenland sind wohl die ehesten Kandidaten. Letztlich gehts mir aber nicht um einzelne Staaten sondern um die Schulden insgesamt, die meiner Meinung nach durch den eingeschlagenen Weg des Sparens niemals zurückzuzahlen sind. Nehmen wir doch Deutschland: Selbst in Zeiten der höchsten Steuereinnahmen aller Zeiten gelingt nicht einmal ein ausgeglichener Haushalt, sondern nur eine etwas geringere Neuverschuldung als im Jahr zuvor. Wie sollen das denn dann Länder in der Rezession hinkriegen?

          Ich persönlich denke, dass, um die Schuldenlast noch einmal in den Griff zu bekommen, eher mehr auf das Mittel der Inflation gesetzt wird. Und wieder werden es unter anderem die kleinen Sparer sein, die darunter am meisten leiden. Das Geld/Schuldsystem funktioniert nun einmal auf Dauer nicht (was nicht heißen soll dass ich eine bessere Idee habe oder mich irgendwelchen kruden antisemitischen Verschwörungstheorien zuwenden will). Nur ist es eben fehlerhaft.

          Mag sein, dass eine „Kerneurozone“ der noch etwas besser dastehenden Staaten erhalten bleibt, wer weiß.

          Letztlich spielt das Ganze leider auch nur eine Nebenrolle, die uns traurigerweise den Blick auf die wichtigeren Probleme der fossilen Energieträger versperrt. DARUM sollten sich Medien, Bürger und Öffentlichkeit viel mehr Sorgen machen. Wenn vorher keine sehr große Wirtschafts- udn Finanzkrise eintrifft, dann spätestens mit den explodierenden Kosten der fossilen Energieträger.

          MfG
          Schnuff

          • Patrick sagt:

            Hallo,

            ich sehe die Problematiken ganz genau so wie du. Schulden sind in unserem Wirtschaftssystem normal, doch wenn wir erstmal einen kritischen Punkt erreicht haben, wird es ganz bitter.

            Ich hatte tatsächlich vermutet, dass du ein paar ganz bestimmte ausschlaggebende Indizien/Punkte hast, die dich unweigerlich zu dem Schluss kommen lassen.

            Das die GANZ GROßEN PROBLEME woanders liegen, ist absolut klar (Richard Heinberg hat es in seinem Newsletter 237 mit dem Titel „The Fight of the Century“ glaube ich ganz gut getroffen) – doch glaubt ernsthaft jemand daran, dass wir uns mit Anleitung „von oben“, also der Regierung darauf vorbereiten können?
            Wohl eher nicht. Ich glaube, dass wir das Ding wenn überhaupt eher „von unten“, also lokal in Kommunen etc. stemmen müssen.

            Interessantes Buch zu dem Thema ist u.a. Jenseits der Globalisierung von Douthwaite/Diefenbacher, dass ich gerade lese.

    • Tom Schülke sagt:

      das ist leider kein unwahrscheinliches Scenario. Kennst Du von der Feasta die Studie „Tipping Point“ ? mal danach Googeln. Die vielfältigen sich gegenseitig verstärkenden Rückckopplungseffekte die Du beschreibst, und die möglicherweise hohe Geschwindigkeit einer solchen Entwicklung , einmal angestoßen, sind hier gut beschrieben. Darauf greift ja auch teilweise die Studie der Bundeswehr zum Peak Oil in einem der dort beschriebenen Szenarien zurück.

      Ob man sich überhaupt Vorbereiten kann ? Ja sicher. Vorrangig mental, und mit Ansätzten wie der der Transitiontownbewegung. Ob das ausreichen wird , kann niemand sagen.

  8. […] kann man nun ein paar Berechnungen anstellen, wie es Prof. Tom Murphy von Do the Math getan hat. Die deutsche Übersetzung ist im Peak-Oil Blog zu finden. Zusammenfassend kann man das in etwa […]

  9. Heinz Göd sagt:

    @Tom Schülke

    Vielen Dank für die Übersetzung des Artikels „Energiefalle“.
    Ist ein wichtiger Artikel mit erheblicher Bedeutung für politische und wirtschaftliche Weichenstellungen.
    Selber habe ich mir auch was dazu überlegt, siehe
    http://members.aon.at/goedheinz/GOD_Deutsch/Zukunft/2069FaqD/2069FaqD_Energ.html#Photovoltaik-Erwartungen
    (Suchbegriff: Laufende Produktion)
    Wenn ich keinen Denk-oder Rechenfehler gemacht habe,
    so komme ich bei ungekühlter PhotoVoltaik auf 6 Jahre Energiefalle‘, bei Photovoltaik+Solarthermie-Modulen auf 1 Jahr(ist allerdings unsicher, da es die noch nicht richtig gibt).

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