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EnergyWatchGroup: “Die weltweite Erdölförderung ist auf einem Plateau und wird bald zurückgehen”

Vergangene Woche veröffentlichte die Energy Watch Group die englischsprachige Fassung einer neuen Studie zur Verfügbarkeit von Energierohstoffen (178 Seiten), die heute in einer Pressekonferenz in Berlin vorgestellt wird und jetzt in einer deutschsprachigen Kurzfassung (42 Seiten) verfügbar ist.

Leser von Peak-Oil.com werden darin kaum unerwartete Neuigkeiten finden, doch in der medialen und öffentlichen Wahrnehmung könnte diese Studie für neue Wellen sorgen, widerspricht sie doch klar und deutlich den Meldungen der letzten Monate, nach denen die Fracking-Methode das Ölfördermaximum auf unbestimmte Zeit hinausschiebt. Die folgende Liste an Medienreaktionen soll das Echo zeigen:

Die Studie selbst knüpft an ihren Vorgängern an: Sowohl zu Öl wie auch zu Gas, Kohle und Uran hat die EnergyWatchGroup in den vergangen Jahren bereits Studien durchgeführt. Deren Ergebnisse werden nun einerseits genutzt und kritisch beleuchtet, andererseits fortgeschrieben - schließlich sind inzwischen einige Jahre vergangen. Das deutschsprachige Papier ist leicht lesbar und sollte als Primärquelle von Interessierten genutzt werden. Im Folgenden werde ich nur Ausschnitte ausgreifen:

weltweite-foerderung-fossiler-und-nuklearer-brennstoffe

Die Abbildung zeigt, dass wir uns nach EWG-Sichtweise auf dem Gipfel der weltweiten Förderung fossiler und nuklearer Brennstoffe befinden. Aus gesellschaftlicher Sicht ist es dabei unerheblich, ob der Höhepunkt nun 2015, 2017 oder 2020 liegt: Da die Umstellung der Infrastrukturen ein langwieriger Prozess ist, der bei voller politischer Rückendeckung mindestens 20 Jahre in Anspruch nehmen dürfte, ist die Frage nach dem konkreten Peak-Zeitpunkt akademische Krümelkackerei, zumal sie letztlich erst in der Rückschau klar datierbar ist. Nach obiger Darstellung ist es jedoch längst nicht nur Öl und Gas, sondern insbesondere auch die Kohleversorgung, die an einen kritischen Punkt gerät. Dies begründet die Studie damit, dass es nur wenige Kohle-Exportländer gibt, die ihren Eigenverbrauch eher steigern (so wechselte China in den vergangenen Jahren vom Exporteur zum Importeur).

Die Ölförderung selbst sieht die EWG-Studie sehr viel anders als die IEA:

Demnach werden die unkonventionellen Ölfördermethoden überschätzt. Der IEA-Hoffnung, dass sich die konventionell beförderten Ölquellen auf ein langjähriges Plateau einpegeln, widersprecht die EnergyWatchGroup. Bis 2030 könnte nach diesem Szenario die Ölförderung gegenüber dem 2012er Niveau bereits um 40% zurückgehen.

Die Euphorie zum Fracking selbst in den USA teilen die Autoren nicht. Vielmehr verweisen sie auf widersprüchliche Daten zwischen den Lokalbehörden in Texas und den Daten der US-Energiebehörde EIA:

oelfoerderung-in-den-usa

Die Daten der lokalen Behörde liegen in den vergangenen Monaten offenbar ein gutes Stück unterhalb der Daten der EIA, was sich in obiger Grafik an dem Auseinanderfallen der blauen Kurve und der roten Fläche darunter zeigt. Wie diese Diskrepanz zustande kommt kann die Studie nicht klären, dürfte aber sicherlich eine Menge Gesprächsstoff in einschlägigen Internetseiten liefern.

Entsprechend stark weicht das Szenario der Internationalen Energieagentur für die USA-Förderung vom den Szenario der EnergyWatchGroup ab: Die EWG sieht den US-Tight-Oil-Boom noch vor 2020 am Peak.

Die EWG vermutet Zusammenhänge zwischen der Automobilbauerkrise in den USA und den zuvor stark angestiegenen Ölpreisen und sie verweist darauf, dass die Exportmengen von Öl noch stärker zurückgehen dürften als die Ölförderung selbst - weil viele Ölförderländer ihren Eigenverbrauch weiter steigern und damit weniger Öl für den Export "übrig" bleibt.

Doch auch das Gasversorgungsszenario ist beachtenswert:

gasfoerderszenario-bis-2013

Gas ist ein Energierohstoff, der viele Menschen nur indirekt begegnet, weil das Gas es nicht mehr bis zum eigenen Küchenherd schafft, aber oft in den Kellern die Heizung betreibt oder in den Stadtwerken verstromt und verheizt wird. Wenn, wie das EWG-Szenario vermuten läßt, nun also bereits um 2020 herum die weltweite Gasversorgung an einen Versorgungshöhepunkt kommt, stellt dies viele Energieversorger und Stadtwerke in eine völlig neue Situation. Zwar wird der weltweite Förderrückgang nicht so drastisch erwartet wie beim Öl, aber je nach Land und Versorgungsanbindung können sich zwischenzeitliche Engpässe viel stärker zeigen, wie dieser Tage das Beispiel Großbritannien verdeutlicht.

Offenbar gibt es auch bei der US-amerikanischen Gasförderung Diskrepanzen in den Statistiken zwischen lokalen und den Bundesbehörden. So weisen die Daten für Texas, wo Fracking bereits eine enorme Rolle spielt, komplett gegenläufige Richtungen aus: Während die lokalen Daten einen Förderrückgang von 2011 auf 2012 um 20% zeigen, suggerieren die Daten der Bundesbehörde EIA weiter steigende Gasförderung. Ende 2012 lagen die Daten offenbar um über 25% auseinander. Den Peak in der unkonventionellen Gasförderung erwartet die EWG-Studie bereits in 2015. Die Auswirkungen wären dann jedoch drastisch, da die unkonventionellen Förderkurven ja Rückgänge von 30% pro Jahr erwarten lassen, was laut Studie zu großem Importaktivitäten der USA führen dürfte oder zu einem Zusammenbruch der US-Gasversorgung. Für Europa ist der Gasrückgang selbst in den Förderunternehmen unbestritten, die Studie erwartet einen Rückgang um bis zu 80% bis 2030.

Die Studie fokussiert auf eine Analyse der Fördermengen. Sie gibt keine Handlungsempfehlungen ab und zeigt auch nur punktuell die Auswirkungen auf Wirtschaft und Gesellschaft auf. Treten die Szenarien ein, die diese Studie zeigt, wäre sofortiges Handeln nötig. Ob sich dies in den Medienreaktionen ablesen läßt?

39 Kommentare to “EnergyWatchGroup: “Die weltweite Erdölförderung ist auf einem Plateau und wird bald zurückgehen””

  1. Patrick sagt:

    Na wenn das wirklich der Fall sein sollte, dann aber Prost Mahlzeit!

    Jetzt zur Abwechslung ein bisschen Verschwörungstheorie:
    Mal angenommen, unsere Spitzen-Elite (Politiker, Hochfinanz, Mega-Konzerne) wüssten um die Problematik – ist ja nicht so ganz unwahrscheinlich. Vielleicht ist diese ganze (Banken/Staatsschulden/€-)Krise ja nicht komplett zufällig geschehen. Ich habe da insbesondere große Bedenken seitdem ich gesehen habe, das bereits in den 90ern Italien, Spanien; Griechenland, Irland und Portugal schon große Diskrepanzen in ihrer Produktivitätsentwicklung zum Rest der Eurozone hatten. Und wenn das schon vor so langer Zeit vollkommen klar und erstichtlich war – kann es doch kein Zufall sein, dass man das “übersehen” hat? Die Konvergenzkriterien haben ja irgendwie alle geschönt, aber trotzdem scheint das ja nicht wirklich neu gewesen zu sein.
    Möchte man sich vielleicht so auf “elegantem” Wege vieler Nachfrager nach Öl etc. entledigen?
    Sorry, ist etwas Off-Topic hier, aber der Gedanke kam mir einfach so.
    Und sooo dilettantisch wie dieses Dilemma seit 2008 bekämpft wird…nee, ich kann mir das einfach nicht vorstellen, das unsere “Führungsriege” wirklich derart planlos und unfähig ist. Das geschieht doch nie und nimmer komplett zufällig alles.

    • Ich habe nicht das Gefühl, dass die Krise “dilettantisch” bekämpft wird. Aus Sicht des Systemerhalts sind alle bisherigen Stabilisierungsversuche nicht nur sehr wirksam, sondern auch logisch gewesen. Dass man die Systemfrage als solche stellen kann, ist dabei ein anderer Punkt.

      Deine Theorie klingt für mich nicht logisch: Jemand der all diese Dinge veranlassen kann, muss um ihre Wechselwirkungen wissen. Daher weiß dieser jemand auch, dass es kein einfaches Ziel ist, “Nachfrager nach Öl rauszuwerfen”, denn dies bedeutet Nebenwirkungen, die handhabbar sein müssen. Diese “Göttlichkeit”, die vielen derzeit kursierenden Theorien innewohnt, läßt quertreibende Interessengruppen regelmäßig außen vor und funktionieren nur in einem sehr “mechanischen Gesellschaftswesen”, aber die Rück- und Querkopplungen, die sich in der Realität wiederfinden, werden ausgeblendet.

      “Komplett zufällig” ist die Entwicklung deswegen natürlich nicht. Sie ergibt sich aus den vielen Wechselwirkungen im System, die sowohl die große Politik wie auch jeder kleine Unternehmer und Verbraucher in seinem Sinne zu steuern versucht. Sie erscheint möglicherweise als “zufällig”, weil sie von uns nicht vorhersehbar und in der Rückschau teils seltsam erscheint.

      Sei’s drum. Jeder, der über Verschwörungen theoretisiert, sollte sich an den Kern der modernen Verschwörungsliteratur heranwagen. Robert Anton Wilson. (Mit-)Autor der Illuminatus!-Triologie, Kritiker der “Neuen Inquisition” und “Cosmic Trigger”-Drücke(berge)r. Und zudem: Hintersinnig lustig.

      • Patrick sagt:

        Also wenn ich erstmal vom System EURO ausgehe, finde ich das schon sehr dilettantisch.
        Beispiele:

        Kapitalverkehrskontrollen in Zypern bringen eine Währung EURO – die ja genau dafür geschaffen war, dass sie frei über die Grenzen zirkulieren kann – für mich de facto ad absurdum.

        Alleine durch den Vorschlag auf ganz normale Sparerkonten zuzugreifen wird ja wohl den Leuten den letzten Funkten “Vertrauen” in die Währung/das Geldsystem nehmen, der evtl. noch vorhanden war.
        Wir sprechen da ja nicht von Aktionären, Eigentümern oder Casinozockern, sondern über Sparbücher usw.
        Und der Staat hat ja mit der Bank erstmal nichts zu tun.
        2 Banken sind verschuldet (natürlich auch durch das Griechenland-Desaster ganz stark mit runtergezogen worden) und statt wie das sein sollte, die Eigentümer und Investoren zur Kasse zu bitten, die nunmal haften müssten, und erst dann zu gucken, wer da sonst noch da wäre (Staat), wird direkt dem Otto-Normal-Sparer Geld enteignet.
        Das ist für mich irgendwie alles andere als systemerhalten. Das übliche Gewäsch “wir müssen die Märkte beruhigen, wir brauchen Vertrauen” DAS ist für mich das übliche Spiel zur Systemerhaltung.

        Ich habe deinen Beitrag bei Telepolis auch gelesen – würde aber nicht 100%ig zustimmen. Natürlich muss zwecks Schuldenvernichtung auch Kapital vernichtet werden, aber doch nicht ganz unten sondern ganz oben.

        Gute Zusammenfassung gibt es auch hier:
        http://www.nachdenkseiten.de/?p=16652

        Mal zurück zum Thema: hälst du denn – trotz EEG-Nähe – die Studie der EWG für ein realistisches Szenario?
        Bei all den Studien der letzten Jahre ist man ja schnell verunsichert, Peak Oil schon 2008 oder 2020 oder 2035?

        Wenn 2020 annähernd stimmen würde, haben wir aber ein echtes Problem. Wie war das noch mit den 20 Jahren Anpassungszeit?

        Gibt es denn schon ein gewisses Medien-Echo zu dieser Stuide? (Nicht das man damit rechnen könnte außer vielleicht den prognostizierten 2 € für Benzin)

        • Die europäische Förderkurve zeigt, dass zwischen 5 und 6% jährlicher Förderrückgang nicht nur für einzelne Felder, sondern für ganze Kontinente realistisch ist. Dass sich die konventionelle Förderung seit 2008 auf einem Plateau befindet, wird sowohl von der IEA wie auch von allen anderen Akteuren, inklusive den Ölförderkonzernen anerkannt. Einzige Steigerung ließe sich aus unkonventionellen Quellen holen, aber deren Daten sind unsicher und deren Aufwand – und damit der Kostendruck – ist höher. Somit dürfen wir es als SEHR WAHRSCHEINLICH ansehen, dass wir uns bereits in einer kritischen Phase der Ölversorgung befinden, wofür auch die Preisentwicklung der vergangenen 10 Jahre spricht. Die Förderkurve flacht definitiv ab, wir befinden uns schon seit mehreren Jahren in einer Umbruchphase.

          Realistisch ist und bleibt daher, dass Sprit in den nächsten Jahren 2 Euro kosten wird. Das besagt die EWG und das besagt EnergyComment (siehe Peak-Oil-Barometer) und beide sind sonst längst nicht in jeder Hinsicht einer Meinung. Wenn die Förderung bis 2020 tatsächlich zurückgeht, verschärft das nur ein sowieso scharfes 2-Euro-Szenario. Ob der Rückgang bis 2030 tatsächlich 40% ist oder nicht ändert an der europäischen Situation nur soviel, dass die Würze nicht aus normalem Chili sondern aus Super-Chili kommt: Europas Importabhängigkeit steigt mit jedem Tag, während Chinas Ölhunger mit jedem Tag wächst und beides zusammen den europäischen Zugriff auf Öllieferungen verteuert und schmälert.

          Diese Schlußfolgerung ist unabhängig davon, ob irgendein Studienschreiber eine PV-Anlage auf dem Dach hat und ob das EWG-Szenario mit 90%iger oder mit 10%iger Wahrscheinlichkeit trifft.

  2. Florian Hoppe sagt:

    Bitte meine Frage nicht missverstehen, aber:

    Wie steht es tatsächlich um die Nähe der Energie Watch Group zur Solarindustrie?

    Ich frage das nur, weil dies in mehreren Kommentaren in den oben genannten Medien als Gegenargument (Stichwort: Lobbyistenstudie) verwendet wurde.

    • Unzweifelhaft vorhanden. Laut “Small Worlds”-Theorie ist ja jeder auf dem Planeten mit jedem anderen über maximal 7 Zwischenschritte verbunden, daher sind wir alle sowohl der Auto-, wie der Öl- als auch der Solarindustrie recht nahe. Hans-Josef Fell zählt meines Wissens zur EWG, der ist bekanntlich Bundestagsabgeordneter bei den Grünen. Thomas Seltmann hat fundierte Kenntnisse der PV-Technologie. Beide scheinen an der Studie nicht mitgearbeitet zu haben. Die Ludwig-Bölkow-Systemtechnik hat Ingenieur-KnowHow, was zweifellos auch in der Solarindustrie relevant ist. Insofern: Schuldig im Sinne der Anklage. Also: Bloss nicht mit den Argumenten auseinandersetzen :-)

      • Marcus Kracht sagt:

        Genau, Norbert! Das mit den Argumenten ist der springende Punkt. Ich habe verschiedentlich gelesen (und die Erfahrung gemacht), dass man im Prinzip an gute Wirtschafts- oder Öldaten herankommen kann. MaW, man kann sich relativ leicht orientieren, wenn man nur ein bisschen nachdenken kann und will. Hier ein Beispiel: die IEA gibt jedes Jahr Studien heraus, in denen im Prinzip genau das drinsteht, was die EWG propagiert. Nur in der Zusammenfassung klingt das irgendwie anders. Man muss halt die Diagramme, die da zu sehen sind, sorgfältig studieren. Die IEA hat schließlich Experten, die wissen, was sie tun, und die halt “auf Kurs” gebracht werden. Wie anderswo auch. Wer eine Studie nur deswegen deklassiert, weil sie irgendwelchen Interessen dient, braucht im Grunde gar keine zu lesen; wer aber bereit ist, etwas Zeit zu investieren, kann die meisten von ihnen ganz gut verwenden.

      • Tom Schülke sagt:

        Das nervt mich regelmäßig. Bloß nicht auf den Inhalt schauen, weil es nicht von der von einem selber bevorzugten Weltanschauungsgruppe stammt. Statt sich mal mit dem Inhalt vertraut zu machen..

        Bei “Science Sceptical” wir auch schon wieder munter mit diesem Totschlagargument draufgehauen..

        Selbst wenn man skeptisch gegenüber dieser Studie bleibt, sollte einen doch die Vernunft zwingen die mögliche Gefahr das was wahres drann ist, nicht zu ignorieren. Vernünftig wäre in jedem Fall ein Plan B. Davon sind wir aber politisch schlicht Lichtjahre entfernt.

  3. Florian Hoppe sagt:

    Hab nur gefragt, weil es gleich als Todschlagargument verwendet wurde. :)

    Und @Krisenbekämpfung:

    Lies mal Colin Crouch.

  4. Florian Hoppe sagt:

    Was anderes:

    Tight Oil wird also laut der Studie in den USA zwischen 2015-2017 seinen Förderhöhepunkt erleben, womit wahrscheinlich der Preisunterschied von Brent/WTI bald Geschichte sein wird.

    Schon jetzt beginnt sich die Lücke ja allmählich zu schließen.

    http://www.wallstreetjournal.de/article/SB10001424127887324103504578372661030708882.html?mod=Finanzen

    Interessant wird es aber imo. Anfang Mai/ Ende April. Warum?

    http://www.finanzen.at/rohstoffe/chart/oelpreis

    Klickt mal auf den 5 oder 3 Jahres Chart. Wenn ich das richtig deute, hatte in den vergangenen Jahren (besonders deutlich 2011 und 2012) um genau diese Zeit der Ölpreis seinen Jahreshöhepunkt. Die letzten 2 Jahre war der Wert bei ca. 130 US Dollar, mal sehen wie hoch er dieses Jahr sein wird.

  5. […] Einen guten Überblick zur Studie liefert Norbert Rost auf peak-oil.com. […]

  6. Flin sagt:

    Tja , sollte das Stimmen … wie will man dann das Öl ersetzen. Schlicht und einfach wohl , das geht einfach nicht. Da bräuchte man schon Kernfusion die Jetzt schon Funktioniert um ein erträgliches Niveau zu halten.
    EE und Biomasse, eher auch nicht, nicht soweit skalierbar.
    Bin ja mal gespannt was unsere Anführer tun werden wenn es die ersten unabstreitbaren Zeichen gibt.
    Wir Leben in interesanten Zeiten.

  7. Patrick sagt:

    Tja wenn das wirklich so sein sollte, dass der Peak inkl. Unkonventionell innerhalb der nächsten 10 Jahre überschritten wird, dann werden wir wohl aus unserem Krisen-Dilemma wohl ganz einfach nicht mehr raus kommen.
    Wieder fühle ich mich an den Crash-Course von Chris Martenson erinnert.

    • Ert sagt:

      Martenson hat es gut drauf. Einer der wenigen, die das ganze Bild auf dem Schirm hat.

      Bin dabei das Buch zu verleihen – zwar hat das Geldkapitel schwächen, aber da muss man nachsichtig sein.Ist eben die Thematik sehr unwissenschaftlich geprägt ist und bei der selbst von den Zentralbanken falsche Informationen verbreitet werden.

  8. Florian Hoppe sagt:

    @Tom Schülke: Bloß nicht aufregen, deren Leserschaft will einfach von Ressourcenknappkeit nichts wissen, macht es doch ihr libertäres Weltbild zunichte.

    @Kernfusion:

    Würde schon allein deshalb nichts bringen, weil es sich nicht um ein Energie sondern um ein Treibstoffproblem handelt.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Hirsch-Report

    Ergo wird es sich eher dämpfend auf den globalen Handel auswirken.

    Hab übrigens hier noch ein altes Interview mit Jermey Rifkin ausgegraben.

    http://www.taz.de/1/archiv/digitaz/artikel/?ressort=wu&dig=2011%2F10%2F15%2Fa0040&cHash=9219386bac

    Obwohl er imo. oft etwas zu naiv und vereinfachend ist(z.b. vereinfacht er in seinem TIR Buch imo. Jospeh Tainter viel zu stark..) ist seine Grundausgabe im großen und ganzen richtig.

  9. Patrick sagt:

    Wikipedia zu ITER: das Nachfolgeprojekt DEMO soll ab etwa 2040 Strom ins Netz einspeisen und einen geschlossenen Tritium-Kreislauf demonstrieren. Möglicherweise lässt sich mit DEMO dann schon etwas verlässlicher abschätzen, ob Fusionskraftwerke wirtschaftlich sein können.

    AB 2040 sollen wir also sozusagen “erste Erkenntnisse” erlangen? Na ich fürchte, dass das wohl etwas zu spät sein dürfte. Ich glaube grundsätzlich auch, dass das Strom-Problem durch die Komponenten Effizienz, EEG, Verbrauchsdrosselung (De-Industrialisierung) und Regionalisierung in den Griff zu kriegen ist.
    Treibstoffe für LKW, PKW, Schiffe und Flugzeuge sowie Raumwärme dürften wohl die Knackpunkte werden!

    • Ert sagt:

      Die Frage ist wohl eher – haben wir dann noch die Strukturen und Kapazitäten um Fusion global auszurollen?

      Fusion im aktuellen Stand ist zentralistische Großtechnologie. Wer betreibt das Verbundnetz damit das funktioniert? Wer bekommt das Kapital in 2040 dafür zusammen?

  10. M.U. sagt:

    Mir fällt es schwer nachzuvollziehen, weshalb so viele Menschen all ihre Hoffnung an die Fusion klammern. Wir schaffen es nicht einmal, im Gegensatz zur Fusion, so etwas einfaches, man möchte schon fast primitives sagen, wie ein Atomkraftwerk (ein großer Tauchsieder) störungsfrei zu betreiben. Ein Fusionsreaktor (insofern man die Versuchsaufbauten so bezeichnen mag) ist wohl die komplexeste Maschine an der Menschheit gerade baut. Da kommt es bald auf jede Schraube oder Chip im Getriebe an. Und dennoch bilden wir uns ein ein solches phantasmagorisches Monstrum rund um die Uhr 7 Tage die Woche natürlich absolut störungsfrei betreiben zu können. Fusion ist die fanatische Wahnvorstellung einer Wissenschaft die immer mehr den Verstand verliert.

    • Patrick sagt:

      Dem schließe ich mich an!

      Die Hoffnung so stark auf High-Tech zu setzen in einer zukünftigen Welt der Knappheiten halte ich für sehr abenteuerlich.

    • Tom Schülke sagt:

      Das Problem der Kernfusion in einer Welt die dann ohnehin bereits mit Energiearmut zu kämpfen haben wird, wenn DEMO gebaut werden soll, ist die Vernetzung.

      Ein Projekt wie Demo verlangt nach einer gigantischen Vernetzten Infrastruktur, sich gegenseitig stützender und erhaltender Technik.

      Reden wir doch von ” Economy of Scale”. Sinkt die Energieverfügbarkeit, so stürzt die Wirtschaft mit gewissheit in eine Rezession oder eine deflationäre spirale. zumindest dann wenn das EWG Scenario auch nur annähernd bis 2030 eintritt.

      Die Folge ist Armut in weiten Bevölkerungskreisen. Arbeitslosigkeit, usw. Dieses hat zur Folge, dass nicht mehr 10 Millionen Spielernaturen Ihre Computerspielmonstermaschinen kaufen und somit eine Elektronikindustrie, die auf hohe Stückzahlen und Wachstum zum Fortbestand Ihrer Wirtschaftlichkeit angewiesen ist, zerbröseln wird.

      Die Infrastruktur die nötig wäre um DEMO zu bauen und um Demo aufrechtzuerhalten könnte schlicht insolvent sein.

      Bei einem Komplexen System wie DEMO, benötigt man eine ganze Hightechwelt um es aufrechtzuerhalten und zu realisieren.

      DEMO wird nie gebaut werden.

      • Ert sagt:

        Hoffen wir wenigstens, das uns die Atombutzen nicht um die Ohren fliegen….

      • Flin sagt:

        Da habt ihr mich wohl Falsch verstanden, ich denke genau wie ihr das Die Fusion nicht kommen wird(es wäre schön gewesen) Und das aus den selben Gründen, wer wird in einer sich auflösenden Welt noch so ein Hightech Monster bauen können, da müsten wir schon Glück haben.
        Die meckern ja schon weil die Kosten für den ITER von 2,7 Mrd auf /,2 gestiegen sind (Lach) aber Hunderte Milliarden in den Banken versenken, unglaublich.

        • Flin sagt:

          2,7Mrd auf 7,2Mrd ***

        • M.U. sagt:

          Also ich habe Dich nicht falsch verstanden. Meine Kommentar sollte keine Antwort zu Deinem Kommentar sein. Ich wollte das nur loswerden, da ich ein bis zwei Tage vorher irgendwo einen Artikel über ITER, mit den typischen Kommentaren, gelesen hatte.

          Worüber ich immer schmunzeln muss ist der Begriff Ökodiktatur, in diese Richtig geht es so oder so. Irgendwann werden wir zur Rationierung gezwungen sein oder bringen uns für einen Löffel Öl halt wieder gegenseitig um.

          • M.U. sagt:

            Eines kann man an Zypern wunderbar sehen. Nämlich wie Abhängig wir von technischen Einrichtungen geworden sind. Schalte einfach alle Bankautomaten ab und lege über Nacht eine ganze Volkswirtschaft in Ketten.

            Technologie und Freiheit sind antagonistisch.

  11. Florian Hoppe sagt:

    Desweiten (zumindestens hieß es das vor einiger Zeit in einer Ausgabe der GEO) wäre Fusionsstrom auch nur bei deutlich höheren Energiepreisen wirtschaftlich. (Imo. ist Fusion sowieso nur als Raumschiffantrieb sinnvoll. :))

    Ansonsten bezweifle ich ,daß “Gürtel enger schnallen” auf Dauer funktionieren wird.

    Geht es nach Joseph Tainter kann das nur eine zeitlang funktionieren.

    http://www.theoildrum.com/node/5745

    • Ert sagt:

      “Ansonsten bezweifle ich ,daß “Gürtel enger schnallen” auf Dauer funktionieren wird.”

      Schon der Anfang wird schwierig – weil sich keiner ändern will und jeder einen schuldigen sucht.

      Und aktuell werden nach Tainter auch die Technogötter angebetet. Den größten Blödsinn den ich letztens gehört habe ist das wir eine überwiegende Solarökonomie bekommen und der Strom noch in zu erfindenden Batterien gepuffert wird.

      Das Problem ist, das die die Bescheid wissen nichts sagen dürfen, weil Sie dafür bezahlt werden diese nicht offen oder offiziell zu sagen.

      Das nächste Problem ist, das beim Eingeständnis unseres Zustandes und der Zukunft – sowie einer Umsteuerung auf Raten – unser aktuelles Wirtschaftsmodell sofort implodiert.

      Carpe diem.

  12. Patrick sagt:

    Naja die Frage ist ja, wieviel Solar wir nutzen können. Sonnenenergie ist unbestritten mehr als genug da, doch wieviel können wir davon nutzbar machen?
    Ich bin nicht sicher, in wie weit diese “seltenen Erden” in der Tat selten sind und ob man sie substituieren kann. Was die Speicherung an geht – würde man nur halb so viel Geld in die Forschung dafür wie für die Bankenrettungen ausgeben, wären wir sicher schon viel weiter.

    Und wenn diese heftigen Ungleichheiten innerhalb der EU so weiter bestehen bleiben – also ein Schwergewicht BRD und schwächere Südländer – bei gleichzeitig gleicher Währung, dann wird zumindest UNSER “Wirtschaftsmodell” sowieso auf absehbare Zeit den Bach runtergehen.
    Denn hätten diese Länder nicht so starke Schulden gebildet, wem hätten wir dann unser ganzes Zeug verkauft?
    Deren Leistungsbilanzdefizite sind nunmal unsere Überschüsse.
    Die chronische Überkapazität und Produktivität wird uns irgendwann zum Verhängnis werden, wenn niemand mehr auf Pump kaufen kann (wie die letzten Jahrzehnte) und gleichzeitig die breite Bevölkerung von diesen gigantischen Produktivitätsfortschritten der letzten Jahrzehnte weiterhin praktisch gar nichts hat.
    Da wird dann auch der Rest unseres Wohlfahrtstaates, der ganze Sozialapparat früher oder später in sich zusammen brechen.

    Vom Peak Oil, Coal, Gas oder gar Phosphor hat da noch keiner gesprochen.

    Ich wünsche trotzdem allen frohe Ostern :-)

  13. Florian Hoppe sagt:

    @MU: Na ja, das wäre aber imo. auch im Pre-Bankomaten Zeitalter möglich gewesen. Ob der Bankomatautomat streikt oder die nette Kassierin die Auszahlung verweigert macht keinen Unterschied.

    Zypern hat einfach ein Geschäftsmodel aufgebaut, das idiotisch ist. In England hat man sich ja auch immer mehr von der Realwirtschaft in den Finanzsektor verlagert und die haben seit 2008 jetzt die dritte Rezession (Triple Dip) und vor 2 Jahren brennende Städte. (Und einem Premier, der bis heute nichts kapiert hat, aber gerne von Bürgergesellschaft und Eigenverantwortung faselt. Libertäres Geschwätz.)

    Was anderes:

    http://www.theoildrum.com/node/9901#more

    Wieder ein interessanter Artikel von Gail Tverberg.

  14. Flin sagt:

    Fracking und der Zusammenhang mit Erdbeben, recht interesant.

    http://www.heise.de/tp/blogs/2/154011

  15. Stephan Becker sagt:

    Erstaunlich ist, wie wenig der Ölpreis auf das sehr ungewöhnliche und lang anhaltende Winterwetter in großen Teilen Mitteleuropas reagiert.

    • Ja das stimmt. Die Besitzer von Ölheizungen dürften halbwegs entspannt ihre Versorgung hinkriegen. Ich finde das allerdings sehr beruhigend. Das Wetter als solches ist schon nervig genug.

      Ich vermute, dass der Heizölmarkt vergleichsweise klein ist im Vergleich zu den konjunkturellen Wirkungen auf den Ölpreis. Und da siehts nicht so gut aus: Die Finanzkrise wirbelt vor allem Südeuropa durcheinander und läßt eher sinkenden Ölbedarf erwarten und das Winterwetter wirkt zwar nachfragesteigernd auf Heizöl, aber lähmt das wirtschaftliche Leben insbesondere im Landwirtschaftsbereich (für Baumschulen wird der diesjährige Arbeitszeitraum eng), aber auch in der Gastronomie – mit Wechselwirkungen auf den Rest der Wirtschaft. Von dieser Seite ist also eher Nachfragerückgang zu erwarten.

      • Stephan Becker sagt:

        Du hast vermutlich recht mit der Abhängigkeit des Ölpreises. Der ehemalige Korrespondent des ZDFs im Irak (vor allem zur Zeit des Einmarschs der USA im Irak im März 2003), Ulrich Tilgner, hat Ende letzten Jahres an der Universität in St. Gallen einen Vortrag zum Thema Ölpreisentwicklung und über das Gerücht der iranischen Atombomber gehalten. Darin sieht er vor allem die wirtschaftlichen Prognosen als entscheidend für die Entwicklung des Ölpreises an.

        Ulrich Tilgner über die Entwicklung des Erölpreises und die angebliche Atombombe im Iran.
        http://www.youtube.com/watch?v=leFvH_7hPSc

        Andererseits war es in den letzten neun Jahren nicht so, dass oft kleinste Ereignisse ausreichten, um den Ölpreis stark nach oben oder unten zu drücken?

        Heizen macht glaube ich ein Drittel oder die Hälfte des persönlichen Jahresbedarfs an Energie aus, oder?
        Werden nicht auch große Gebäude (Fabriken, Schulen, Krankenhäuser, Universitäten, Behörden etc.) immer noch mit Erdöl geheizt?

  16. Florian Hoppe sagt:

    @Stephan Becker: Ja, aber dafür steigt erstaunlicherweise der WTI Preis.

    Ist nur eine Vermutung, aber imo. hat man in Europa wohl in Sachen Ölvorräten etwas vorsichtiger.

    Der längere Winter hat ja die Amerikaner doch recht überraschend getroffen.

  17. […] guten Überblick zur Studie liefert Norbert Rost auf peak-oil.com. Informativ auch das Interview im […]

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