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Österreich: OMV sucht nach sichereren Ölquellen. Zukauf in der Nordsee

Selbst Ölfelder, die ihr Fördermaximum überschritten haben, sind noch richtig was wert: Die österreichische OMV beteiligt sich mit etwa 2 Milliarden Euro an Öl- und Gasfeldern in der Nordsee. Statoil, der norwegige Staatskonzern, ist der Verkäufer dieser Anteile. Den Aktionären scheint der Deal nicht ganz so gut zu gefallen, nach Bekanntwerden sinkt der OMV-Kurs, während der Statoil-Kurs zulegt. Laut OMV-Chef Roiss handelt es sich um die "größte Akquisition in der Industriegeschichte Österreichs".

Begründet wird der Einstieg von OMV-Chef Roiss mit der Stabilität in Europa, die er offenbar in anderen Welt-Teilen nicht mehr so gegeben sieht. Dabei dürfte dem Konzernchef noch in den Knochen stecken, dass Libyen in 2010 noch fast ein Viertel des österreichischen Imports lieferte, seine Lieferungen in 2011 um zwei Drittel herunterfahren musste. Die libysche Revolution verschob die österreichischen Importe zugunsten von Irak, Nigeria, Saudi-Arabien und Russland. Zusammen mit Kasachstan, was mit 29% der größe Öllieferant ist, liefern diese Länder 84,6% der österreichischen Importe. Immerhin 11,4% seines Verbrauchs förderte Österreich 2012 im Inland (zum Vergleich: Deutschland fördert keine 3% selbst).

Oesterreich - Foerderung, Verbrauch, Selbstversorgungsgrad

Österreichs Ölverbrauch sinkt seit 2005, die inländische Ölförderung wurde in den vergangenen Jahren sogar leicht gesteigert und hat jetzt mit etwa 30.000 Barrel täglich wieder das Niveau von Anfang der 80er Jahre erreicht. Der Ölimport ins Land erfolgt über die Transalpine Ölpipeline TAL. Durch diese fließt der gesamte Ölimport, beginnend im italienischen Triest.

Insbesondere die Aussagen des Firmenchefs zeigen, dass die unruhige Lage in Nordafrika und dem arabischen Raum ein Faktor ist, der die Ölkonzerne zu entsprechenden strategischen Entscheidungen führt. Dabei gilt: Zwar gewinnt Statoil durch den Verkauf frische Finanzen, mit denen sich die Ölförderung in der Nordsee ausbauen läßt, doch mehr Öl wird deshalb nicht in der Nordsee entstehen. Vielmehr wird der verbleibende Kuchen verteilt - mit einem größeren Stück für Österreich. Zwar sind diverse Projekte in der Nordsee in Arbeit (und an solchen beteiligt sich OMV), doch die sinkenden Öl-Erträge in der Nordsee und Europa in Gänze werden diese kaum ausgleichen können. Seit 2002 sinkt die Ölförderung Europas jährlich um durchschnittlich 5,5% pro Jahr, während die Importabhängigkeit insbesondere von den ehemaligen GUS-Staaten (und hier besonders: Russland und Kasachstan) stark zunimmt. Da auch Russlands Förderzukunft ungewiss ist, bleibt den Europäern eigentlich keine andere Möglichkeit, als zunehmend Öl als dem arabischen und nordafrikanischen Raum zu beziehen. Doch genau dort toben in diesen Tagen revolutionäre Umtriebe, die zumindest in Teilen ebenfalls mit rückgehenden Ölerträgen zusammenhängen - insbesondere in Ägypten.


Die Preisentwicklungen der vergangenen Wochen zeigen umso mehr, dass der Ölpreis ein politischer Preis ist. Seine kurzfristigen Schwankungen, die ihn mit den neusten Unruhen in Ägypten wieder auf 110 US$ gehoben haben, hängen kurzfristig sehr eng an der Nachrichtenlage. Mehr Öl aus dem Norden statt dem Süden zu beziehen, ist für OMV jedenfalls ein sinnvoller Schachzug.

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8 Kommentare to “Österreich: OMV sucht nach sichereren Ölquellen. Zukauf in der Nordsee”

  1. Ert sagt:

    Ugo hat mal wieder zugeschlagen: Diesmal Argentinen, das gerade vom Exporter zum Importer kippt: http://cassandralegacy.blogspot.de/2013/08/argentina-energy-boom-or-energy-cliff.html

    Lokale Energiepreissubventionen und viele Importe fressen am Überschuss (80 Milliarden). Argentinien ist damit ja quasi noch in der sehr bequemen Lage… aber überall wird es knapper – oder neue Felder liegen im unentschlossenen Irgdenwo und brauchen massivst Kapital um entwickelt zu werden.

  2. Florian Hoppe sagt:

    Diese beiden neuen TOD Artikel sind wieder sehr lesenwert.

    http://www.theoildrum.com/node/10163
    http://www.theoildrum.com/node/10180

    • Ert sagt:

      Danke für die Links.

      Ja, viele Vorhersagen lagen sehr daneben. Das Fazit des ersten Links ist aber sehr gut.

      Was bisher immer unter den Teppich gekehrt wird – bis auf einen Artikel bei Ugo Bardi – ist, das die Ölproduktion selber Öl verbraucht. Wenn also die Gesamtmenge in Weltproduktion in Barrel angegeben wird, dann muss von dieser eigentlich der gesamte Verbrauch der Ölproduktion abgezogen werden – damit sichtbar wird welches wirklich Netto bzw. Nettomehrangebot dem Markt wirklich zur Verfügung steht.

      Da nun insb. die Shale- und Tight Produkte oft mit Lkw und Zug versorgt bzw. abtransportiert werden, ist dieses meiner Ansicht nach durchaus relevant.

      Hat irgendwer für diesen Faktor eine Größenordnung?

  3. Florian Hoppe sagt:

    @Ert: Hmm.. das ist wirklich eine gute Frage. Hab auf den ersten Blick keine relevanten Daten gefunden, abe rich werde mich mal erkundigen.

  4. […] kaufte sich kürzlich mit der größten Akquisition der österreichischen Industriegeschichte in norwegische Ölfelder ein. Dort feierte RWE DEA Norge grade seinen 40. Geburtstag und […]

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