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Zukunftssteuer auf Mineralöl einführen!

Der DIHK feiert den Ölpreisabsturz als "milliardenschweres Konjunkturpaket". Beobachter des Ölpreiscrashs befürchten zugleich, dass Investitionen in Ölprojekte zurückgefahren werden und kommende Ölpreisanstiege umso heftiger ausfallen könnten. Die Nordsee-Förderer sehen beim aktuellen Preisniveau wirtschaftliche Schwierigkeiten, N-TV fragt, ob das Nordsee-Öl am Ende sei, was für die sowieso schrumpfende europäische Ölförderung keine gute Nachricht wäre. Der Chef des italienischen Energiekonzerns ENI warnt bereits, der nächste Ölpreisanstieg könne auf 200 US$ laufen.

Die deutsche Volkswirtschaft sparte von 2013 auf 2014 bereits etwa 6,5 Milliarden Euro für den Import von Öl: Waren es 2013 noch 55,4 Milliarden Euro, die für den Import von 90 Millionen Tonnen Öl ausgegeben wurden, dürften Ende 2014 nur noch etwa 48,9 Milliarden Euro für 88,5 Millionen Tonnen auf der Import-Rechnung stehen. Hält der aktuelle Ölpreis (und der aktuelle Euro-Dollar-Kurs) über das Jahr 2014 an, so stehen am Jahresende etwa 35,5 Milliarden Euro auf der Rechnung. Gegenüber 2013 hätte die deutsche Volkswirtschaft demnach 20 Milliarden Euro Importkosten gespart. Das ist in der Tat ein nennenswerter Kaufkrafteffekt. (Zahlen auf Basis der BAFA-Veröffentlichungen und eigenen Hochrechnungen)

Allerdings stellt sich die Frage: Wofür wird das Geld eingesetzt? Zum Schuhe kaufen? Zum Nägel lackieren? Mal wieder einen neuen IKEA-Schrank anschaffen, der nach 5 Jahren zusammenfällt? Ein neues Verbrennungsfahrzeug gekauft? Oder werden damit Häuser saniert und Heizungen auf dezentrale Energiequellen umgestellt, die Elektromobil- und ÖPNV-Infrastruktur ausgebaut, kurz: künftigen Ölpreissprüngen vorgebeugt? Wird die Ersparnis zum Konsum oder zur Investition verwendet?

Die vergangenen Jahre haben gezeigt, dass die deutsche Volkswirtschaft mit einem Ölpreisniveau von 100 bis 110 US$ wunderbar umgehen kann. Die Benzinpreise waren für viele Menschen lästig, aber offenbar erträglich. Würde der Gesetzgeber den aktuellen Ölpreisverfall durch eine entsprechende Steuer abschöpfen und die Steuereinnahmen in Zukunftsinvestionen lenken, stünden mal eben 20 Milliarden Investitionskapital zur Verfügung. Fast soviel wie die EEG-Umlage für 2014, die 21,5 Milliarden Euro betrug. Zwei Effekte würden erreicht:

  1. Es stünden nennenswerte Summen bereit, die Zukunftsinvestitionen ermöglichen.
  2. Es würden Fehlallokationen vermieden, zu denen der aktuelle Ölpreis verführt: Dieser suggeriert, Öl sei nicht knapp und man müsse daher auch bei Investitionen nicht auf einen Abschied vom Öl setzen.

Würde eine flexible Zukunftssteuer derart gesetzt, dass der Benzinpreis sich in einem Korridor von 1,50 bis 1,60 Euro pro Liter bewegt, und Ölpreissenkungen abgeschöpft, würde zudem größere Planungssicherheit existieren. Denkbar wäre sogar, Überschüsse aus dieser Steuer dazu zu nutzen, Ölpreisanstiege abzudämpfen, um akute Ölpreisschocks zu vermeiden.

Zitiert sei in diesem Zusammenhang mal wieder die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe, die seit mehreren Jahren folgende Aussage in ihrer jährlichen Energiestudie mitführt:

Erdöl ist der einzige nicht-erneuerbare Energierohstoff, bei dem in den kommenden Jahrzehnten eine steigende Nachfrage wahrscheinlich nicht mehr gedeckt werden kann. Angesichts der langen Zeiträume, die für eine Umstellung auf dem Energiesektor erforderlich sind, ist die rechtzeitige Entwicklung alternativer Energiesysteme notwendig.

PS: Am 24.01. lädt das Bündnis abgefrackt zu einer Fracking-Demonstration nach München

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41 Kommentare to “Zukunftssteuer auf Mineralöl einführen!”

  1. Soviel Vernunft ist leider nicht mehrheitsfaehig.

  2. thomas sagt:

    mein letzer Raunzer zum Thema Karbon Blase und warum eine 2000 Watt Gesellschaft unbedingt notwendig wäre, auch wenn es nicht mit der Konsum Freiheit der Vergangenheit zusammen passt und nie passieren wird: bit.ly/1uwOaA9

  3. Dieter Schmitz sagt:

    „ein nennenswerter Kaufkrafteffekt“

    Ach? Wo bleiben denn die satten Lohnerhöhungen?

    Ausserdem brauchen wir nicht noch mehr Steuern!

    Es gibt jetzt schon Einnahmerekorde beim Finanzminister.

    Wir brauchen ein Steuerrecht, bei dem auch Grosskonzerne sich beteiligen MÜSSEN. Ohne Fluchtmöglichkeit in Steueroasen und windige Firmenkonstrukte.

    Und ausserdem brauchen wir wieder eine Gesellschaft, bei der Banken pleite gehen und Banker für viele Jahre im Knast verschwinden.

    DANN können wir über noch eine Steuer nachdenken.

    Man wird mir jetzt Unvernunft vorwerfen. Das erwarte ich. ;-)

    • Michael Egloff sagt:

      Hallo Dieter,
      „Kaufkrafteffekt“ bedeutet, dass für Benzin/Heizöl deutlich weniger ausgegeben werden muss. Auch ohne satte Lohnerhöhung.
      Bei den anderen Punkten gebe ich Dir völlig recht.

    • Stefan Wietzke sagt:

      Für den Wohlstand ist die Euro-Zahl des Einkommens nicht aussagekräftig. Innerhalb einer Volkswirtschaft ist es egal ob dein Einkommen steigt oder die Preise fallen. Denn dein Wohlstand wird darüber bestimmt, was du dir an Waren und Dienstleistungen für dein Einkommen leisten kannst. So ist jemand mit dem selben Gehalt in München wesentliche Ärmer als hier im Ruhrgebiet. Alleine schon wegen der deutlich unterschiedlichen Mieten bzw. Immobilienpreise.

    • Patrick sagt:

      Zu den Rekord-Steuereinnahmen des Finanzministers:

      Kunststück! Wenn eine Wirtschaft ständig wächst, ist es nur logisch, dass die (absoluten) Einnahmen aus Steuern mitsteigen. Genauso steigen i.P. aber auch die Ausgaben mit. Das ist also überhaupt kein Argument.

  4. Michael Egloff sagt:

    Ich sehe ebenfalls die Notwendigkeit höherer Besteuerung in Zeiten einer Ölpreisbaisse.
    Nun muss man ja sagen, dass in den meisten europäischen Ländern die Besteuerung im internationalen Vergleich schon mustergültig ist. Natürlich sollte trotzdem jetzt die Besteuerung erhöht werden und eben nicht, wie sonst üblich, zum Schließen von Finanzlöchern oder Invstitionen außerhalb des Energiesektors verschleudert werden.

    Die Realität ist jedoch ernüchternd. In bedeutenden Hochverbrauchsländern wie den USA und China liegt der Preis für einen Liter Treibstoff dank Niedrigbesteuerung bei umgeechnet 47 bis 60 Eurocent.
    Da freuen sich die Verkäufer schwerer Karossen und der Flugverkehr erreicht ständig neue Rekordmarken.

    • Stefan Wietzke sagt:

      Ein akademischer Zweiverdienerhaushalt ohne Kinder in den Industriestaaten lässt sich auch von 2 Euro pro Liter nicht abschrecken.
      Wenn dann noch wie aktuell der Flugverkehr massiv quersubventioniert wird, braucht sich niemand zu wundern, dass der Energieverbrauch nicht sinkt.

  5. Stefan Wietzke sagt:

    Die Idee ist erst einmal bestechend, um weiterhin klar zu machen das Energie ein sehr kostbares Gut ist.

    Ob uns das aber einer Lösung des Energieproblems näher bringt ist gar nicht einfach festzustellen. Idealerweise muss die Steuer das Erreichen von zwei Zielen unterstützen:

    1. Verlagerung der Energiebereitstellung auf eine volkswirtschaftlich nicht konkurrenzfähige regenerative Energieerzeugung.
    2. Verminderung des Energie- sprich Konsumverbrauchs bei uns allen.

    Für Frage 1 kann die Steuer einen Beitrag leisten. Regenerative Energien sind aktuell weit von ihrer volskwirtschaftlichen Konkurrenzfähigkeit entfernt. Sie setzen sich daher nicht durch, da ihre Einführung schlicht einen deutlichen Wohlstandsverlust bedeutet.
    Daher könnte man über Steuern die fossilen Energieträger soweit verteuern, dass regenerative Erzeugungsformen konkurrenzfähig werden. Die Steuer zieht dann sozsagen den Wohlstandsverlust vor.
    Das „System“ sucht sich dann den wirtschaftlich optimalen Weg einer Umstellung. Man kann dann auch das fürchterliche EEG- und KWKG-Gesetz abschaffen, dass aus meiner Sicht keine nennenswerte Wirkung auf den Umbau der Energieversorgung hat, dafür aber eine gigantische Vermögensumverteilung von unten nach oben betreibt.

    Für micht wäre der erste Schritt auch nicht, die aktuellen Steuersätze zu erhöhen sondern alle Ausnahmen abzuschaffen. Also insbesondere für Diesel, Kerosin und Heizöl. Das würde nicht nur die Verwaltung vereinfachen, sondern auch die enormen Fehlallokationen im Markt beseitigen. Mit Öl zu heizen, wäre dann sofort unbezahlbar. Dem sollte man dann aber nicht durch Erhöhung von z.B.Wohngeld begegnen, sondern dadurch das die zusätzlichen Steuereinnahmen zum Ersatz der Ölheizungen auf Stromwärmepumpen genutzt wird und zwar in Form direkter Investitionszuschüsse aus der Staatskasse. (Ölabhängigkeit sinkt, Strom kann zumindest z.T. regenerativ erzeugt werden, Wirkungsgrad der Heizung steigt). Der Flugverkehr würde sofort zurückgehen und der Teil der Arbeitsteilung zurückgebaut, der ausschließlich durch die Quersubventionen wirtschaftlich ist, wie ein Teil des kleinteiligen Versandhandels.

    Für das zweite Problem hilft dass aber nun überhaupt nicht. Denn wenn die zusätzlichen Steuereinnahmen wieder ausgegeben werden, dann ist volkskwirtschaftlich nichts gewonnen.
    Werden damit Zinsen bezahlt und Schulden getilgt ist das eine reine Umverteilung von unten nach oben. Um es ganz hart zu sagen: Die Armen finanzieren dann die Energie- und Ressourcenverschwendung der Wohlhabenden.

    Werden davon z.B. die sozialen Zahlungen erhöht (egal ob Rente, Arbeitslosengeld, Kindergeld usw.) führt das nur zu einer „gerechteren“ Verlagerung der Ressourcenverschwendung. Denn dann können die höheren Energiekosten wieder bezahlt werden und es entsteht keine Einspardruck. Das Geld wird lediglich einmal im Kreis gedreht. Das ist auch der tiefere Grund warum so Dinge wie CO2-Handel nicht funKtionieren. Sie können zur zum Verlagern, aber nicht zum Vermeiden setzen.

    Die Steuereinnahmen könnten aber erst einmal in den Umbau der Energieinfrastruktur gesteckt werden. Und zwar in Form direkter Investitionszuschüsse. Das lässt sich auch zielgenau steuern. Die Politik neigt aber zur Vermeidung von Konflikten dazu über Steuern zu steuern. Aber das funktioniert nicht.

    Im Endeffekt ist das ein „Zwangsverarmungsprogramm“. Aber anders kann es nicht laufen, denn wer außer wir alle sollten das bezahlen.

    Damit kommt die Frage der Verteilungsgerechtigkeit wieder ganz oben auf die Agenda. Wird das nicht miteinander kombiniert, so lösst eine Energiesteuer das Problem nicht nur nicht, sondern verschärft nur die Vermögensungleichgewichte in der Gesellschaft.

    Drücken wir es anders aus: Die Energiefrage ist nur in einer relativ gerechten Gesellschaft lösbar oder sie wird sich von selbst lösen. Nur diese „Selbstlösung“ dürfte die unangenehmere Variante sein.

  6. Michael Egloff sagt:

    Literaturempfehlung!

    Ich habe mir jetzt die „Le Monde diplomatique“, deutsche Januar-Ausgabe, besorgt.
    Dieser Ausgabe liegt ein 50-seitiges Heft „Bodenatlas 2015“ bei mit jeder Menge Fakten und statistischem Material über Acker, Land und Erde bei.

    Höchst interessant, für nur 3,80 Euro.

  7. Dieter Schmitz sagt:

    Gail Tverberg: This Is The Beginning Of The End For Oil Production

    https://www.youtube.com/watch?v=IOR3bdRJo98

    Chris Martenson:

    „Peak Oil: First of all, real or not?“

    Gail Tverberg:

    „It doesn’t happen in the order you think it does. Certainly, the conventional oil has peaked. (…) But it doesn’t fall down in the way that the Peak Oil predictions were made.“

  8. Bruno Müller sagt:

    König Abdullah ist tot.
    Sein Bruder Salman besteigt den Thron.

    Wird er ein gnädiger König sein?
    Alle vier Tage gibt es derzeit eine Hinrichtung durch Enthauptung in Saudi Arabien.

    Es muss ein sehr kleines und unscheinbares Land sein, diese Saudi Arabien. Sonst hätte die abendländische Kultur doch sicher auch dort schon Demokratie und Menschenrechte mit Panzern und Raketen hingetragen.

  9. Franz P. sagt:

    Jetzt, wo der Steueranteil weit über dem eigentlichen Spritpreis liegt, fordern Sie noch mehr Steuern. Da kann doch irgendwas nicht stimmen. Wenn Sie sich für die Zukunft stark machen wollten, würden Sie ein gerechtes Geldsystem fordern, damit der Wachstumszwang durch dieses Schuldgeld abgeschafft wird und nicht immer wieder neue Kriege am Ende eines Zyklus inszeniert werden.

    • Norbert Rost sagt:

      Ja, ich fordere eine zielgerichtete Steuererhöhung, um zukünftigen Schaden zu mindern.
      Und was die Geldsystemfrage betrifft: http://www.elbtaler.de/archiv/2692

      • Stefan Wietzke sagt:

        Das funktioniert eben nicht, wie ich versucht habe oben zu erläutern. Du kannst dann zwar die Einkommen verlagern, aber es wird dann kein einziger Liter Öl und keine Kilo Kohle eingespart. Die werden dann nur von anderen verballert.

        Das Ganze funtkioniert nur wenn der materielle Wohlstand zurückgefahren wird. Und zwar deutlich. Und damit sind wir zentral bei der Gerechtigkeitsfrage.

        Ansonsten bleibt alles wie es ist. Oder anders ausgedrückt: Wir bewegen uns weiter auf dem Business as Usual-Szeanario von Maedows et. al.

        • Ich glaube gerne, dass sich mit einer solchen Steuerreform nicht alle Probleme gleichzeitig loesen lassen. Trotzdem wuerde ich erwarten, dass eine relative Erhoehung der Kosten fuer resourcenintensiven Konsum fuer positive Effekte in der Produktion sorgt. Denn die Wirtschaft ist ja stets bemueht, Produkte zu minimalen Kosten herzustellen.

          • Stefan Wietzke sagt:

            Der Kostenminimierungsprozess sorgt dafür, dass du das Kostenoptimum aus allen eingesetzten Materialien suchst. Ändern sich die Kosten, verschiebt sich das Optimum. So wird eventuell Alu durch Stahl verdrängt.
            Das Problem bei der Energie ist aber, dass du diese nicht ersetzten kannst! Außer durch körperliche Arbeit. Du kannst höchstens den Energieträger verschieben. Und das nur in Richtung auf den teureren Energieträger. Das erhöht die realen Kosten oder anders ausgedrückt es senkt die Produktivität. Das ist dann das Ende jeglichen wirtschaftlichen Wachstum, bzw. fängt die Wirtschaftsleistung an zu fallen. Das führt in der Folge zu real fallenden Einkommen (über alle betrachtet).

            Es wird auf unserem Wohlstandsniveau weder eine Reduzierung des C02 Ausstoßes noch eine Energiewende geben.

            Alles andere sind lediglich Sandkastenspiele wo es darum geht wie eine Gruppe der Bevölkerung einer anderen Einkommen klaut und dafür irgendwie noch eine moralische Begründung sucht.

  10. Hendrik Altmann sagt:

    So eine Steuererhöhung wäre einfach nicht durchsetzbar, da wäre nur eine kleine Minderheit dafür, die andere Frage ist dann ob die Steuern im gleichen Maße wieder gesenkt würden, wenn der Ölpreis dann wieder steigt.

  11. Ted sagt:

    Passt jetzt nicht zur vorherigen Diskussion, aber gibt es Meinungen zu diesem Link?

    http://theconversation.com/oil-crash-is-this-the-end-of-a-long-period-of-inflated-prices-36088

    • Franz Heistert sagt:

      Der Autor geht davon aus, dass wir 2008/2009 eine Wirtschaftskrise hatten.

      Da ist er wohl auf die Lügenpressen hereingefallen, denn Zustände wie bei der Weltwirtschaftskrise 1929 waren auch nicht annähernd vergleichbar:

      Weder Massenarbeitslosigkeit, Verelendung noch Bildung radikaler Parteien.

      • Stefan Wietzke sagt:

        Mit verlaub gesagt: Sowohl der Begriff der Lügenpresse noch die Aussagen hinsichtlich der Massenarbeitslosigkeit kann ich hier so stehen lassen. Der Wohlstandseinbruch war anteilig für viele deutlich größer als 1929 (obwohl es tatsächlich erst 30/31 richtig runter ging). Nur sind einerseits nicht nur die sozialen Systeme viel besser ausgebaut gewesen, sondern du verkrafteste einen Einbruch auch ganz anders wenn du nicht vorher am Existenzminimum hängst, sondern ausreichend Puffer nach unten hast.

      • Stefan Wietzke sagt:

        P.S. Fahr mal nach Griechenland, Irland, Island, Spanien, Italien.
        Ein Besuch entsprechender Landstriche und Stadtviertel in den USA ist da auch nicht schlecht. Das hält dann auch locker mit den Wochenschauberichten aus den 30ern mit. Und ausserhalb Deutschlands sieht das mit den radikalen Parteien auch etwas anders aus.

        • Ted sagt:

          Zustimmung, völlig korrekt!
          Aber hast du auch einen Meinung zu dem Link?

          • Stefan Wietzke sagt:

            Ja, habe ich.
            Er erklärt ganz schön wie Derivatehandel und realer Energiemarkt zusammen hängen.

            Ob es direkte Absprachen zwischen Saudis und der US-Regierung gibt ist unerheblich, denn das funktioniert auch so. Einfach weil beide Seiten über gleichgerichte Interessen verfügen.

            Den „Gegenstoßprozess“ wie 1973 sehe ich genau so. Ob wir die 100$ „nie wieder sehen“, ist mir zu fix. Aber auch ich gehe davon aus, dass der Ölpreis nie länger über den realen Preis von 1974 steigen wird. Was er beim letzten Hoch ja auch nicht getan hat. Der Preis würgt dann einfach das globale Wachstum ab.

            Allerdings ist die Frage, wie lange die neuen Quellen genug Öl liefern. Denn die Felder in der Nordsee und Alaska sowie in Südostastien haben ihre Förderung einige Jahrzehnte auf hohem Niveau halten können. Das gilt für gefrackte Quellen nun mal nicht.

  12. Markus Knoll sagt:

    Dagegen.

    1. Der Staat hat gezeigt, daß er hervorragend Milliarden im ökoindustriellen Komplex versenken kann, der wiederum den Staat dabei „berät“, wie man eine Energiewende besser NICHT machen sollte.

    Ich neige mehr und mehr zu der Meinung- der Staat soll sich besser aus möglichst viel ‚raushalten, denn er versagt regelmäßig. Ob beim rechtzeitigen Umbau des Sozialsystems, der Einwanderungspolitik oder eben hier der sog. Energiewende (eher deutsche Umschreibung für Atomphobie).

    2. durch das QE der EZB werden die Energieimporte sowieso min 10% teurer.

    Zum Thema noch eine kleine Chartsammlung-

    World Crude Oil
    Outlays & Revenues
    http://www.yardeni.com/Pub/oiloutlaysrev.pdf

    • Stefan Wietzke sagt:

      Na ja, als langjähriger Unternehmensberater kann ich die Idee „die freie Wirtschaft macht das besser als der Staat“ mal getrost ins Reich der Legenden verweisen.

      Ich würde mich allerdings deinem Statement in sofern anschließen, das steuern über Steuern grundsätzlich keine gute Strategie ist. Denn die Querwirkungen kann keiner abschätzen.
      Wenn man kein Öl will, muss man es einfach verbieten. Dann sucht der Marktmechanismus den günstigsten Ersatz. Alles andere führt zu massiven Fehlalokationen von volkswirtschaftlichen Mitteln. Dazu gehört natürlich auch das die Sonderbehandlung von Kerosin, Heizöl und Diesel abgeschafft wird.

      • Markus Knoll sagt:

        Ich habe mir vor einiger Zeit mal angeschaut, welche Koryphäen z.B. die SPD in den BT – Ausschuss für Wirtschaft und Energie gesetzt hat:

        Der Einzige, dem ich zutraue, mir die 2 Unterschiede zwischen einem Watt und einer GWh nennen zu können, ist wohl der Tiefensee.

  13. Michael M sagt:

    Mich verunsichert das Geschehen auf dem Ölmarkt sehr.

    – Spielt man das Ölverschwendungsspiel in Form von immer Mobil und unterwegs sein in Form von Reisen, Ausflügen etc. mit?

    – Kann man überhaupt noch eine langfristige Investition tätigen? Konrekt: Haus bzw. Wohnungsbau/Kauf.

    – Macht eine enorme Investition in eine mehrjährige Weiterbildung mit voraussichtichen Aufstiegschancen in Hinblick auf PeakOil Sinn?

    Leider ist dieses Thema in den allermeisten Firmen als auch bei Privatleuten kein Thema. Zu sehr suhlt man sich im billigen Öl und dem damit verbundenen Gewinn. Vielmals könnten mit Hybrid oder Elektrofahrzeugen wertvolles Öl eingespart und in Zukunftssicherheit investiert werden.

    Was werden wir unseren Kindern oder den Kindern unserer Kinder einmal erzählen, warum wir das Öl so maßlos verprasst haben?

    • Klaudia sagt:

      Zur letzten Frage, wahlweise:

      -„Aber wir wussten von all dem doch rein gar nichts!“

      -„ICH war ja immer der große Öko-Held, aber alle anderen haben das Öl sinnlos verprasst und wollten leider nicht auf mich hören!“

      -„Nicht wir haben das zu verantworten, sondern die bösen ***** (bitte hier die eigenen Lieblings-Sündenböcke einsetzen) sind an allem schuld!“

      • Michael Egloff sagt:

        Ja, wir werden genau so deppert dastehen, wie unsere Großeltern, als sie gefragt wurden, warum sie nicht verhindert haben, dass Verbrecher den Staat übernehmen und in der Zeit der Verbrechen entweder gejubelt, mitgemacht oder zumindest weggeschaut haben.

        Jeder Mensch trägt eben Verantwortung für sein Handeln oder Nicht-Handeln.

        Und am schlimmsten sind die, die das wenigstens erkannt haben und trotzdem nicht genug tun.
        Oh verdammt…
        zu denen gehöre ich ja auch.

        • Franz Heistert sagt:

          Jaja, Grosseltern und Drittes Reich:

          Wie EINFACH es doch gewesen wäre, wenn die Oma und der Opa vom flachen Land nach Berlin marschiert wären, um gegen Hitler zu demonstrieren…

          Es gab ja weder die Gestapo noch Dachau.

          • Michael Egloff sagt:

            Natürlich hast Du recht, Franz, dass der „normale Mensch“ wie (vermutlich) Du und (gewiss) ich nicht das Zeug zum Helden haben.
            Aber warum sind über 7 Millionen in die NSDAP eingetreten, wieso waren nach seriösen Schätzungen 500000 Deutsche an dem NS-Tötungswerk in unterschiedlicher Funktion direkt beteiligt?
            Wieso fungierten hunderttausende als Blockwarte und Zuträger der Gestapo?
            Und wieso jubelten viele Millionen diesen Schreihälsen, die nie einen Hehl aus ihren Ansichten machten, frenetisch zu?

            Gegen die Nazis aktiv zu werden verlangte Heldenmut, den immerhin etliche Zehntausend aufbrachten. Das ist einem Durchschnittsmenschen nicht gegeben und das ist zwar eine betrübliche aber nachvolziehbare Schwäche, der auch ich mit großer Wahrscheinlichkeit erlegen wäre damals.

            Aber zu viele haben eben gejubelt oder sogar sehr beflissen mitgemacht.

            Und heute? Senkt eben auch fast niemand freiwillig seinen Lebensstandard
            auf absolutes Armutsniveau. So sind wir. Das darf man ruhig mal ganz sachlich feststellen.
            Nicht im Sinne von verurteilen, weil diese Veruteilung uns selbst einschließen müsste.

          • Stefan Wietzke sagt:

            Michael drückt es aus. Es hätte schon greicht, wenn sich hundertausende nicht bereitwillig zum Mitmachen entschlossen hätten.
            Auch im 3.Reich wurde niemand gezwungen Karriere zu machen.

            Harald Welzer hat hier in bahnbrechenden Arbeiten gezeigt, wie selbst Leute die nichts zu befürchten hatten Massenmord betrieben, nur damit ihre Kumpels sie nicht schief ansehen.

            Seine Arbeiten zeigen aber eben auch, wie schwer es Menschen fällt einfach nur mal nicht das selbe zu machen wie ihre direkte soziale Umgebung. Gruppendruck und Herdentrieb sind schon unglaublich stark und verlangen bewusste Anstrengungen um sich daraus zu lösen.

  14. Franz Heistert sagt:

    Du hast natürlich recht mit der Parteimitgliedschaft in der NSDAP. Das war tatsächlich unsäglich, wobei sehr viele das nur aus Opportunismus getan habe. Und das mit den Blockwarten hat sich ja selbst nach der NS-Zeit nicht gebessert, in der DDR ging es munter weiter.

    Aber an eines möchte ich noch erinnern, weil es tatsächlich vorkam.

    Wenn jemand einen Juden versteckt hatte (siehe z.B. Hans Rosenthal), dann hat diese Person ALLES getan, um nicht aufzufallen.

    Denn bei einer Verhaftung wären gleich ZWEI Personen gefährdet gewesen, der Versteckte und der Versteckende.

    Zu Peak Oil: Keine Ahnung, wie man den Menschen ein langsameres Wachstum erläutern soll. Aber diese Menschen bekommen von der Politik tagtäglich erzählt, dass die Lösung aller Probleme eine kräftig boomende Konjunktur wäre…

    • Stefan Wietzke sagt:

      Ist doch auch extrem atraktiv. Wer findet es nicht gut, dass er sich morgen dann doch noch einen zusätzlichen Wunsch erfüllen kann. Das starke Wachstum hat soziale auch Verteilungskämpfe gedämpft, hat uns sozialen Fortschritt gebracht. Und das war so schön einfach. Keine Zumutungen für niemand und die Probleme sind trotzdem weg. Und dagegen ist JEDE Alternative vielleicht notwendig, aber eben auch doof.

      Ich stelle in meiner Umgebung immer wieder fest, dass den allermeisten klar ist, das das nicht so weiter geht. Die Erwartung das 2 Grad Ziel einzuhalten, wird dort etwa mit 0% eingeschätzt.

      Aber wenn man dann mal nach den Konsequenzen fragt: Nicht mehr in Urlaub fliegen, auf Skifahren mit Schneekanonen verzichten, weniger Fleisch essen (das vielleicht schon) oder den Kindern nur klar zu machen, das ein SMART-Phone auch problemlos 10 Jahre hält, da wird es dann schon schwierig.

  15. Patrick sagt:

    Der große Ölkrieg

    Interessante Gedankenspiele und Theorien.

    http://www.heise.de/tp/artikel/43/43969/1.html

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