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Ruhe vor dem Sturm?

Eigentlich gibt es seit mehreren Wochen nichts wirklich Neues an der Peak-Oil-Front: Der Ölpreis hat seit Anfang 2015 ein Tief erreicht (Brent: leicht oberhalb 50 US$, WTI /Nordamerika: leicht unterhalb 50 US$) und bewegt sich um diese Werte seitwärts. Ein erster Boden ist offenbar erreicht. Nun kann die Erbsenzählerei im Wochentakt beginnen und alles schaut in die USA, wo die teuerste Fördertechnik (Fracking) zum Einsatz kommt. Ganz nach den Preis-Gesetzen geht dort seit 3 Monaten die Anzahl der aktiven Bohr-Teams zurück, statistisch aufbereitet durch den sogenannten "Rig-Count". 1609 Rigs waren noch im Oktober dabei, neue Bohrungen zu setzen, in der letzten Woche waren es mit 866 nur noch knapp halb soviel.

An diese Entwicklung knüpft zeitverzögert der eigentliche Fracking-Vorgang an und daran zeitverzögert die "Ernte" von Öl und Gas und daran zeitverzögert die statistische Aufbereitung durch die Firmen und US-Behörden. Für das Fracking-Gebiet namens "Bakken-Shale" in Nord-Dakota hat Mason Inman einen ersten Rückgang aus den Statistiken für Januar 2015 herausgelesen: Bakken oil production is already declining. Verwunderlich ist das nicht, sondern letztlich gemäß ökonomischer Gesetze konsequent. Was für eine Beurteilung aber viel wichtiger wäre, ist zu wissen: Wie geht diese Entwicklung weiter? Wie schnell wird die Ölförderung wohl nachlassen? Welche Auswirkungen hat das auf den Ölmarkt und den Ölpreis? Geht dieser wieder nach oben? Wann? Wie schnell? Bis wohin?

Diese Fragen zu beantworten ist Kaffeesatzleserei, wenn man kein passendes Modell hat, was die Entwicklung beschreibt. Da Fracking allerdings mit seinem 10jährigen Einsatz weiterhin relativ jung ist und bislang nur einen Weg kannte - mehr, mehr, mehr davon; daher gibt es auch noch keine Erfahrungswerte, wie der fossilindustrielle Komplex tatsächlich reagiert. Ein Rückfahren der Investitionen war wegen des sinkenden Preisniveaus ebenfalls bereits in den vergangenen Monaten zu hören, die Auswirkungen auf die künftige Ölförderung und den Ölpreis ist aber nur begrenzt ablesbar.

In der FAZ wurde der neue Vorstandschef von Total Patrick Pouyanné Ende Februar mit der Voraussage zitiert, der Ölpreis bleibe "mindestens bis zum Sommer niedrig" und würden längerfristig wieder steigen. Wenn das das Fundierteste ist, was man vom Chef eines der größten privaten Ölkonzerne zu hören bekommt, kann man nur sagen: Selbst die Ölförderer stochern ordentlich im Dunkeln. Immerhin weiß Pouyanné der FAZ zu diktieren, "dass die globale Förderung jährlich um 3 bis 4 Prozent falle" und dass, wenn die Ölpreisflaute länger andauern würde - beispielsweise 3 bis 4 Jahre - eine anschließende "brutale Preiserhöhung auf ein Vielfaches des heutigen Niveaus" denkbar wäre. Gesellschaftliche Fragen thematisiert der Artikel nicht, aber der Leser erfährt: Heute verdient Total erst bei 110 US$ wirklich Geld, weshalb der Unternehmenslenker diese Marke auf 70 US$ senken will. Investitionskürzungen und der Verkauf von Unternehmensbeteiligungen (z.B. den Klebstoffhersteller Bostik) stehen daher auf dem Programm.

Über den Fracking-Firmen schwebt das Schwert alter Schulden. 200 Milliarden US$ sollen es sein, die im Fracking-Boom stecken. Die damit ausgelösten Investitionen rentieren sich bei einem Ölpreis irgendwo zwischen 60 und 100 US$. Das Zurückfahren der Bohrungen wird nicht dazu führen, dass Schulden abgelöst werden können, so dass die Blase (relativ zu den Unternehmenserlösen) eher wächst. Ein Übergreifen der Ölpreiskrise auf den Finanzsektor wird wahrscheinlicher, auch wenn die günstigen Tankstellenpreise das derzeit fett überdecken. Ruhe vor dem Sturm: So läßt sich der aktuelle Ölpreisstand beschreiben. Bessere wäre, der Preise würde eher flotter ein Stückchen steigen, statt später rasant. Doch aktuell heißt es nur: Abwarten, was wohl als nächstes passiert.

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22 Kommentare to “Ruhe vor dem Sturm?”

  1. thomas sagt:

    falls es jemanden interessiert peak soil: http://oe1.orf.at/programm/399664

  2. Michael Egloff sagt:

    Die Makro-Sendung zum Thema Öl habe ich mir angesehen.
    Keineswegs nur bei den Frackingfirmen hinterlässt die anhaltende Ölpreisbaisse sichtbare Spuren. In der Makro-Sendung wurde über einen nigerianischen Hersteller von Offshore-Plattformen berichtet, dessen neu fertiggestellte Plattformen im Hafenbereich von Lagos nutzlos rumstehen. Weil keine Ölförderfirma mehr neue Plattformen für neue Bohrungen anmieten will.
    Auch die Teersandindustrie dürfte erheblich Blessuren davontragen, was neue Abbauprojekte in Alberta angeht.
    In der Sendung wurde auch ein „Experte“ zitiert (nicht der eingeladene Hauptexperte), nach dessen Meinung es in den nächsten Jahren um jeweils 10 Dollar pro Jahr mit dem Ölpreis hochgehen würde.
    Als wenn es beim Ölpreis eine Linearität gibt – völlig realitätsfremd.
    Natürlich grenzt es in jedem Fall an Größenwahn, eine mehrjährige Prognose über den Ölpreisverlauf abgeben zu wollen.
    Aber eines scheint mir eine schlüssige These zu sein: je länger die Ölpreisbaisse andauert, desto größer die mittel- bis langfristige Angebotszerstörung und desto größer die kurz- bis mittelfristige Nachfrageerhöhung.
    Was bedeutet: je länger die Tiefpreise anhalten, desto größer die Wahrscheinlichkeit einer nachfolgenden kräftigen Preiserhöhung. Wir werden es mit großen zyklischen Volatilitäten zu tun haben.

    • Hendrik Altmann sagt:

      Absolut richtig und diese Volatilitäten schaden der Ölindustrie und auch der Weltwirtschaft insgesamt.

      Nur einigen Spekulanten wird das in die Hände spielen.

      • Dieter Schmitz sagt:

        Schaden niedrige Rohstoffpreise der Weltwirtschaft???

        Wohl kaum! Jeder Einkäufer will niedrige Preise!

        Wo ist mein Denkfehler?

        Problematisch bleibt es für Deutschland.

        Der von unseren miesen Dreckspolitikern bejubelte Euro-Verfall führt dazu, dass die deutsche Wirtschaft keinen Deut besser dasteht, da wir sehr viele Rohstoffe importieren müssen.

        • Dieter Schmitz sagt:

          P.S. Meinetwegen hätten die Linken heute das ganze Bankenviertel in Frankfurt – allerdings ohne Tote und so – abfackeln können.

          Diese ganzen Banker finde ich einfach nur noch zum kotzen.

          Abschaum der ersten Sorte, wie Stalin und Pol-Pot.

        • Hendrik Altmann sagt:

          Die Probleme eines stark schwankenden Rohstoffpreises, sind im Investitions Sektor zu suchen, speziell bei Wartung und laufenden Kosten.

          Nur ein Beispiel:

          Der Ölpreis ist so niedrig, das senkt die Preise für Flugreisen, und Luftfrachttransporte, mehr Nachfrage ensteht, die Fluglinien entscheiden sich neue Flugzeuge zu kaufen.

          nur 2 Jahre später geht der Preis wieder steil nach oben, die Aufträge bleiben weg, die Reiselust lässt nach, die neuen Flugzeuge stehen im Hangar und verursachen Kosten, und so wird es auch ewig dauern bis die Dinger sich amortisieren.

          Diese Entwicklung kann man jetzt weltweit sehen, es werden neue Maschinen und spritfressende Fahrzeuge gekauft, oder neue Fabriken gebaut, wenn der Preis wieder explodiert stehen die neuen Maschinen und Fabriken still, die Fahrzeuge mit hohem Verbrauch in der Garage.
          weil einfach fehlinvestiert.

          • Michael Egloff sagt:

            Ich vergleiche Volatilitäten im Finanz- und Wirtschaftssystem gerne mit einer Abrissbirne.
            Bei einer (theoretischen) Vola von Null schwingt die Abrissbirne nicht.
            Je stärker die Schwankungen von Rohstoffpreisen, Zinsen, Investitionszyklen usw., desto mehr gerät die Abrissbirne in Bewegung und schlägt in zyklischen Abständen gegen das Gebäude des Weltwirtschafts- und Finanzsystems.

            Heute ist ein Übermaß von fast allem vorhanden, um die potenzielle Energie der Abrissbirne aufzuakkumulieren.
            Niedrige Rohstoffkosten (teilweise unter den Produktionskosten dieser Rohstoffe), Niedrigstzinsen, riesige Liquiditätserzeugungsprogramme, die immer mehr Assetblasen erzeugen und zu steigenden Fehlallokationen von Kapital führen, internationaler Steuerunterbietungswettbewerb und vieles andere.
            Die potenzielle Energie der Abrissbirne ist also so groß wie selten vorher (wahrscheinlich wie nie vorher), was manche Beobachter für die beste aller Welten halten, weil sich die Abrissbirne nun extrem weit von der „Hauswand“ befindet. Das sie nachfolgend um so stärker wieder in die Gegenrichtung schwingen wird mit einem Maximum an kinetischer Energie, wird dabei übersehen.

            Zumal das Gebäude, gegen das sie dann schlägt, auch schon ohne Abrissbirne immer maroder wird durch ständige Aufstockung gegen jede statische Solidität. Zusätzliche Stockwerke aus immer neuen Derivaten und immer kühneren virtuellen Finanzprodukten, aus immer neuen Schulden, aus immer größeren kumulativen Disbalancen aus wachsenden internationalen Defiziten und Überschüssen, die die Standfestigkeit des Gebäudes ohnehin gefährden.

            • Norbert Rost sagt:

              Das ist ein sehr plastisches Bild, Michael!

              Sieht sich jemand in der Lage, dazu mal ein BILD ZU ZEICHNEN, was das, was Michael ausdrückt, visuell zuspitzt? Würd‘ ich glatt ’ne Postkarte draus machen…

  3. Michael Egloff sagt:

    Verrückt:
    die US-Ölfördermenge ist in der letzten Woche gegenüber der Vorwoche wieder auf ein neues Zwischenhoch gestiegen: von 9,324 mb/d auf 9,419 mb/d.
    Also wieder fast 100000 Barrel pro Tag mehr als in der Vorwoche.
    Quelle: Querschüsse.de
    Die Anstiegsdynamik schwächelt also kein bisschen, im Gegenteil.
    O.k., der Well-Count steigt natürlich immer noch deutlich an trotz zurückgehendem Rig-Count.
    Ich bin mal auf den weiteren Jahresverlauf gespannt.
    Aber mittlerweile halte ich es für wahrscheinlich, dass selbst bei weiter niedrigen Ölpreisen das bisherige all-time-high von 1971 vorübergehend noch leicht übertroffen wird.

    Natürlich heißt das auch, dass gerade der WTI-Preis sehr niedrig bleiben wird, voraussichtlich sogar neue Tiefststände erreichen könnte.

    • Stefan Wietzke sagt:

      Man darf einfach die Kostenstruktur der Rohstoffindustrie nicht vergessen. Hohe Investitionen (CAPEX), geringe operative Kosten (OPEX). Wird das Öl knapp, dann springt der Preis steil nach oben. Sobald die Erweiterungsinvestitionen getätigt sind, fällt der Preis stark. Denn wenn keine Erweiterungsinvestitionen mehr notwendig sind, dann kann der Preis bis in die Nähe der operativen Kosten fallen. Eventuell verlieren einige Investoren Geld, da die Abschreibungen nicht wieder rein kommen. Aber wer billig Förderanlagen übernimmt macht immer noch ein gutes Geschäft.

      Zudem sind die Zeitkonstanten im System realtiv lang. Rohstoffe werden in der Masse ja nicht im Spot-Markt getätigt, sondern über Terminkontrakte. Die haben Laufzeiten von bis zu drei Jahren. In der Breite schlagen Preisänderungen so schnell nicht durch.

      Auch das Runterfahren der Bohrinvestitionen wird sich erst in ein bis zwei Jahren wirklich bemerkbar machen.

      Zudem läuft der Verdrängungsprozess von Öl Richtung Kohle weiter. Aber nicht zurück zur Dampfmaschine sondern über die Nutzung von Strom.

      Wie seit Mitte der 70er Jahre wird daher so lange kein fundanmentaler Wirtschaftseinbruch passieren, so lange die Kohleförderung noch relativ günstig gesteigert oder aber zumindest pro Kopf gehalten werden kann.

      Und das ist sicherlich noch weitere 20-30 Jahre machbar.

      • Michael Egloff sagt:

        Hallo Stefan,
        was die Angebotszerstörung angeht: einverstanden. Ich hatte ja auch geschrieben, dass diese erst mittel- bis langfristig einsetzt, wenn die Ölpreise noch einige Zeit niedrig bleiben. Die Förderdaten aus den USA zeigen das ja.

        Von einem Verdrängungsprozess des Öls in Richtung Kohle kann ich nichts erkennen.
        Natürlich steigt der Kohleverbrauch stärker an, als der Ölverbrauch. Aber der Ölverbrauch steigt eben auch von Jahr zu Jahr an, mit Ausnahme des Jahres 2008/2009.
        Der Energiehunger der nominal weiter stark steigenden Weltbevölkerung wächst eben so stark, dass alle Energieformen außer der Kernkraft immer mehr nachgefragt werden.
        Für weitere steigende Ölnachfrage ist gesorgt:
        -immer stärkere Urbanisierung,
        -immer mehr Menschen,
        -immer mehr Fahrzeugverkäufe, zunehmend im Segment der Light Trucks,
        -immer mehr Flugverkehr,
        immer mehr mechanisierte Landwirtschaft in immer mehr Ländern…

        und als Schmankerl oben drauf:
        -ein traumhaft niedriger Ölpreis, der in wichtigen Verbrauchsländern zu Benzinpreisen von 55…70 Eurocent pro Liter führt (USA, China usw.) Was wohl eher nicht zu sparsamem Verbrauch erzieht.

        Ich sehe keine Anzeichen dafür, dass sich die Menschheit gegenwärtig vom Öl unabhängiger macht.

        • Im Bereich Gebäudeheizung ist das schon der Fall.

          • Michael Egloff sagt:

            Das ist richtig, Gerhard.
            Allerdings ist Öl für die Gebäudeheizung auch weitaus leichter zu ersetzen, als im Verkehrsbereich.
            Und der Verkehrsbereich inkl. Landwirtschaft, Tiefbau usw. verbraucht eben den Löwenanteil des Öls.
            Ich fürchte, dass die gegenwärtigen „paradiesischen“ Preise beim Heizöl, das ja weit weniger besteuert wird als die Treibstoffe, die Entwicklung weg vom Heizöl zunächst stark abbremsen.
            Die heutigen niedrigen Ölpreise sind das Letzte, was sich die Menschheit wünschen sollte, was die mittel- bis langfristigen Konsequenzen angeht. Die gesamte Weltwirtschaft wird damit erneut mehr auf diesen bequemsten aller Energieträger kalibriert.

            Übrigens zum Thema Substitution durch Kohle: auch der Kohleabbau und der Transport der Milliarden Tonnen Kohle ist natürlich ölbasiert, wenn es um heutige Mengen und heutige Preise von Kohle geht. Öl subventioniert alles andere bzw. macht manches überhaupt erst möglich. Wie z.B. die Montage großer Windkraftanlagen oder die Landwirtschaft in ihrer heutigen Produktivität.
            Das sollte man nie vergessen, diese zentrale Schlüsselrolle des Öls, das in deiner Bedeutung weit über den prozentualen Anteil am globalen Energiemix hinausgeht.

            Und wenn man versucht, diesen zentralen Massenrohstoff zu substituieren, wird auch sehr schnell die (Teil-)Substitute knapp und verlieren teilweise ihre prozesstechnische und energetische Substitution durch Öl.

            • Allerdings ist Öl für die Gebäudeheizung auch weitaus leichter zu ersetzen, als im Verkehrsbereich.

              Das stimmt sicherlich. Andererseits kann in der Mobilitaet deutlich leichter auf die heute uebliche bodenlose Verschwendung verzichtet werden als bei der Heizung. Wenn ich mein Umfeld betrachte, sehe ich ueberwiegend nicht wirklich noetige Kfz-Nutzung.

        • Stefan Wietzke sagt:

          Sehe ich eben so, möchte das aber noch mal präzisieren. Der Ölverbrauch steigt absolut, ja. Das Wachstum pro Kopf war 1974 aber vorbei. Im wesentlichen steigt er heute mit der Bevölkerung.
          Die Wirtschaft reagierte auf die erste Preisexplosion ab 1974 wie erwartet. Für eine Reihe von Anwendungen wurde Kohle nun billiger als Öl. Auch die chemische Industrie ist in großem Maße von Öl auf Gas umgestiegen. Das Öl wurde im Heizungsbereich zunehmend durch Gas ersetzt und überall da wo Strom der Nutzenergieträger sein kann ist Kohle das Mittel der Wahl.

          Wo Öl kaum ersetzt werden kann ist der Transportsektor. Ginge hier am einfachsten noch mit Gas.

          Und im Transportsektor ist es eher die Frage wie die Bevölkerungsverteilung ist. Wenn die in hoch verdichteten Räumen wie in Asien hocken, dann spielt der Individualverkehr da immer eine untergeordnete Rolle. Öffentliche Verkehrsinfrastrukturen lassen sich mit Strom betreiben.

          Globaler Schiffsverkehr braucht nur sehr wenig Energie (Wassertransport war schon immer höchst effektiv).

          Eine Ölverknappung wird also zuerst Dinge wie den Flugverkehr und den Individualverkehr treffen. Auch so Dinge wie Versandhandel mit dem Transprot kleinster Mengen wird dann deutlich teurer. Die Autoindustrie wird leiden und so weiter.

          Technisch kannst du Öl und seine Produkte komplett durch Kohle ersetzen. Nur du kannst es nicht billig ersetzen, denn die zusätzlich notwendige Wandlung ist hochgradig verlustbehaftet und sehr aufwändig (also teuer).

          Ich würde mal schätzen, dass dann das relative (also wohlstandssteigernde) Wachstum global dann schnell vorbei wäre. Denn der Energiemix wird dann deutlich teurer.

          Wirklich eng wird es erst, wenn es nicht mehr gelingt genug Kohle mit ausreichend geringem Aufwand abzubauen. (Ich lasse jetzt hier mal bewusst die ökologischen Dimensionen weg).

          Du erwähnst noch das Wort „schnell“. Das ist auch so ein zentraler Begriff in der Debatte. Für einen Geologen sind 100 Jahre extrem schnell. Für einen 20 Jährigen sind 30 Jahre nach vorne oder hinten gleichbedeutend mit 100.000 Jahren. Es fehlt uns einfach das „Gefühl“ für längere Zeiträume. Wir können das nur intellektuell, also rational angehen.

          • Hendrik Altmann sagt:

            Bei der ganzen Kohlesache muss man aber auch sehen das nur ein kleiner Teil der weltweit geschätzten Reserven wirtschaftlich förderbar sind.

            steigen die Förderkosten bei Öl, steigen die Förderkosten bei Kohle automatisch mit, und die wirtschaftlich förderbaren Reserven verkleinern sich.

            https://www.youtube.com/watch?v=t0y3KPmM22g

  4. Bruno Müller sagt:

    Ruhe vor dem Sturm – das beschreibt ja so ein Bauchgefühl.

    Es wird hier auf diesem Blogg mit sehr viel Sachverstand diskutiert.
    Dennoch haben wir die Erfahrung machen müssen, dass trotz aller gut durchdachten und nachvollziehbaren Analysen auf einmal Dinge passieren, die im Kalkül nicht bedacht wurden, weil sie nicht denkbar waren.

    Nur EIN Beispiel: Keine Analyse hatte dieses von den USA so intensiv betrieben Frackingverfahren auf dem Schirm. Wer hätte auch gedacht, dass Menschen zu so einer extremen und nachhaltigen Natur- und Grundwasservernichtung im Stande sind. Das „normale“ im Menschen wurde, sicher eher unbewusst, stets in den Analysen eingepflegt und verbat daher, auch menschliche Perversionen als Faktor oder Elemente in die Analyse mit einzubauen.

    Ein kleiner Teil der Menschheit scheint zu Allem bereit zu sein – bis hin zur Selbstvernichtung. Die Musik muss weiterspielen, koste es, was es wolle.
    Der Frackingwahn in den USA offenbart für mich diese widerliche Grundhaltung bestimmter Gesellschaftsgruppen – Ich habe dazugelernt.

    Ein komisches Bauchgefühl in mir zeigt auch in Richtung Ostgrenze des NATO-Gebietes. Es ist derzeit medial auffallend ruhig. Über die Stationierung von US-Militärpanzern und Truppenverbände entlang dieser Grenze wird zwar berichtet, scheint aber kein Aufreger zu sein. Militärische „Übungen“ auf der anderen Grenzseite werden schon etwas emotionaler kommentiert. Klar, das ist ja auch der Feind, so wurde es uns Bürgern erfolgreich eingetrichtert.

    Wenn ich mir vorstelle, und davon ist auszugehen, dass hinter dem Frackingwahn dieselben Interessensgruppen stecken, wie hinter dem Rüstungswahn, dann bekomme ich ein ganz komisches Bauchgefühl, denn ich habe dazu gelernt.

    Wie dem auch sei, „unsere“ Analysen sind im Grunde richtig, auch wenn sie im Moment angreifbar sind, weil die prognostizierten Ergebnisse nicht eintrafen – noch nicht. Sie brauchen nur etwas länger, weil ihnen kleine Umwege eingebaut wurden, von einer ganz bestimmten, Menschengruppe, die mit krankhaftem Zwang nicht aufhören will zu tanzen und entwickeln Phantasien, die mit dem eigentlichen Mensch sein nichts mehr zu tun haben. Wir haben gelernt: Sie sind zu Allem bereit.

    • Michael Egloff sagt:

      Ja, das mulmige Gefühl habe ich auch beim Blick in Richtung Osteuropa. Frieden scheint nicht mehr ein kategorischer Imperativ zu sein, weder für die Kiewer Führung in ihrer unseligen Allianz mit den Svoboda-Leuten, noch für die Separatisten, weder für die USA, noch für Putin und seinen Klan.
      „Frieden ist nicht alles, aber ohne Frieden ist alles nichts“ – wie wahr.
      In immer mehr Ländern regiert die unbarmherzige Macht der Waffen.
      In Afghanistan oder Somalia konnten die Menschen vor 40 Jahren noch relativ sicher leben, ebenso im Irak der Vor-Hussein-Ära oder in Guatemala vor gerade mal 20 Jahren. Ärmlich, aber eben ohne ständige Angst vor Milizen oder staatlichen Verbrechern. Was manchmal auch das Gleiche ist.
      Der Peak Lebensqualität scheint in immer mehr Ländern längst Vergangenheit zu sein, weit auf dem abfallenden Ast der Lebensqualitäts-Glockenkurve.
      Immer größere soziale Spaltungen und Spannungen, immer mehr Waffen in immer mehr Händen, immer weniger natürliche Ressourcen pro Kopf in vielen Regionen, die zudem immer ungleicher verteilt sind. Ein erkennbar bedrohlicher Mix für immer mehr Menschen.
      Selbst in den USA sterben pro Jahr über 30000 Menschen durch Schusswaffen, Unfälle inklusive. Und andere verdienen durch Schusswaffen Milliarden.
      Vor dem Hintergrund all dieser Entwicklungen wird der bevorstehende Peak Oil schon fast zur Randnotiz, wenngleich in seinen potenziellen Auswirkungen nicht unerheblich.
      Leider ist auch weit nach Peak Oil die immer größere Menge an Waffen aller Art in der Welt. Wenn die mit dem Öl verschwinden würden, wäre mir nicht so bange. Leider verschwinden die nicht.

      • Stefan Wietzke sagt:

        Ich bin mit so Aussagen ob es insgesamt besser oder schlechter wird sehr vorsichtig. Die wichtigen globalen Strukturparameter weisen da nicht drauf hin. Dazu gehören Lebenserwartung, Hunger- und Unterernährungsquoten aber auch Themen wie Bildung und Zugang zu medizinischer Versorgung. Hier ist das Buch „Gewalt: Eine neue Geschichte der Menschheit“ von Pinker sehr aufschlussreich, der an Hand längerer historischer Zeiträume nachweist, dass es in Summe immer besser geworden ist (und zwar sehr deutlich). Gewalt zwischen Menschen ist seit Jahrtausenden massiv rückläufig.

        Es bedeutet natürlich nicht das es regional und auch in längeren Zeitabschnitten nicht rückwärts gehen kann. In Europa ist die letzte Totalkatastrophe schließlich auch noch gar nicht so lange her. Wer mal mit seinen Großeltern spricht der wird sehen, dass die damalige Realität locker mit den schlimmsten Hollywood-Untergangsszenarien mithalten kann.

        Auch heute liegt die Zahl gewaltsamer Konflikte und die Anzahl relativ betroffener Menschen nicht höher als vor 30 oder 50 Jahren.

        Aber was da heute sicherlich unterschätzt wird ist das viele aktuelle Konflikte bereits heute durch Ressourcenknappheit befeuert werden. Das gilt für den Süd-Sudan, es galt für Ruanda, es gilt auch für Nigeria. Auch in Syrien hat das zur Verschärfung der Konflikte beigetragen.

        Und da geht es dann weniger um Öl und Energie als um Wasser und fruchtbare Böden.

    • Stefan Wietzke sagt:

      Wieso treffen die prognostizierten Ergebnisse nicht ein?

      Das gilt nur wenn man mit einem katastrophalen Zusammenbruch rechnet. Das tue ich nicht.

      Und wie von mir schon öfter themmatisisert war der Umbruchpunkt für die früh industalisierten Länder der Zeitpunkt als die Ölförderung nicht mehr exponentiell erhöht werden konnte. Da begann das Wachstum zu schwächeln. Denn die gesellschaftliche Bedeutung von Wachstum wird von den Wachstumskrikern unterschätzt.

      Das innerhalb weniger Jahre spürbare Wachstum (auch wenn es durch Kriege und Anpassungskrisen unterbroche wurde) hatte eine wichtige soziale Folge. Es entschärfte nämlich jahrtausendalte Verteilungskonflikte. Denn nun konnte man seinen Wohlstand mehren ohne anderen was weg zu nehmen. In nicht wachstenden Wirtschaften geht das nicht. Da ist der Gewinn des einen immer der Verlust des anderen. Es kommt nicht von ungefähr das über 10.000 Jahre lang immer nur eine kleine Gruppe fast alles und der Rest fast nichts hatte. Und das völlig unabhängig von der Verfasstheit der Gesellschaften (Königreich, Republik, egal).

      Und da die Mehrheit immer wenig hatte (gilt für Millarden Menschen noch heute) ist es überhaupt kein Wunder das wir unsere Gesellschaften in den letzten 250 Jahren darauf getrimmt haben vor allem das Wachstum anukurbeln. Finanztechnisch bedeutet das nichts anderes als die Suche nach Renditen. Solange das Produktivitätswachstum die wichtigste Renditequelle war hat das System von ganz aleine (zum Vorteil praktisch aller) funktioniert.

      Wenn das Wachstum aber nicht mehr funktioniert, man aber weiter an der allseitigen Suche nach Renditen festhält, führt das automatisch in eine steigende materielle Ungleichheit. Denn nun können Renditen nur noch erzielt werden, wenn man anderes was weg nimmt. Deswegen kommen auch wieder die hässlichen Seiten des Frühkapitalismus hoch. Geld macht man nicht durch Innovationen sondern vor allem durch Machtungleichgewichte. Seien die nun politische oder sozialer Natur.

      Das setzt Gesellschaften unter Streß. Streß senkt aber das Problemlösungspotential einer Gesellschaft. Und das ist das was wir sehen. Und daher wird dem „Wachstum“ auch alles andere untergeordnet.

      Es wird nicht zu dem leeren Fass kommen, sondern wir werden die Disfunktionen eher in zunehmenden gesellschaftlichen Konflikten sehen. Bleibt die Renditejagd bestehen verschärft sich das Problem.

      Das Ganze wird dann noch von anderen historischen Entwicklungen überlagert. So steckt der Nahe Osten auch noch in einer gesellschaftlichen Modernisierungskrise und Russland ist es nicht gelungen eine diversifizierte Industrie parallel zum Rohstoffmarkt aufrecht zu erhalten. Da stehen sie heute schlechter da als vor 30 Jahren. Und der Machtverlust von Großmächten führt immer zu einem Machtvakuum und unkalkulierbaren Folgen. Das ist immer passiert und wird es auch in der Zukunft.

      Global funktíoniert das Wachstum noch. Vor allem in Asien. Das wird zu einer weiteren Verschiebung geostratgischer Gewichte führen (politische Macht folgt immer der wirtschaftlichen Potenz).

      Nun sind die tatsächlichen Renditen in den Industriestaaten bereits weitgehend verschwunden. Die Frage ist nun ob es den Gesellschaften gelingt die „Verschieberenditen“ einzufangen, also wieder eine vernünftige Besteuerung durchzusetzen oder die Blasen so abzulassen, dass sie vor allem dei Großvermögen treffen. Damit kommt die Verteilungsfrage wieder auf das Tablet, die ja durchaus wieder ein wichtiges Thema in allen Industriestaaten ist.

      Die allermeisten Bewohner der westlichen Welt glauben doch schon lange nicht mehr daran dass der materielle Wohlstand weiter steigt. Trotzdem herscht hier irgendwie immer noch so eine Art Phantomschmerz vor.

  5. Markus Knoll sagt:

    *Dingdong* Es ist soweit:

    EIA WPSR – domestic production – lower 48

    current 8911
    Week ago 8911
    Difference 0

    http://ir.eia.gov/wpsr/overview.pdf

    jedenfalls momentan ;-)

    Der Bakken – Rückgang hat vlt. eher was damit zu tun:
    http://www.thebakken.com/articles/1053/bakken-production-dips-surge-expected-near-june

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