Zum Textbeginn springen . Zur Navigation springen .

Ölpreisdiskussion im April: Berlin und Bielefeld

Der niedrige Ölpreis hat ökonomische und energiepolitische Auswirkungen. Er treibt Firmen und Politiker um und jene, die sich fragen: War's das jetzt mit "Peak Oil"?

Gleich zwei Veranstaltungen laden im April dazu ein, den gesunkenen Ölpreis und dessen Auswirkungen zu diskutieren:

  • 21. April, 19:30 Uhr, Bielefeld, Universität, Hörsaal 4
  • 22. April, 15:00 Uhr, Berlin, Deutscher Bundestag, Paul-Löbe-Haus

Beide Veranstaltungen laufen unter zentraler Beteiligung von Akteuren des Postfossil-Institut e.V.: Zur Veranstaltung der Grünen Bundestagsfraktion nach Berlin ist Dr. Steffen Bukold von EnergyComment eingeladen. In Bielefeld darf ich auf Einladung der Transition-Initiative Bielefeld vortragen und diskutieren:

Für den Folgetag (22. April) ist ein Workshop zu lokalen Handlungsmöglichkeiten betreffs Peak Oil und Ölversorgungsrisiken angedacht. Interessenten mögen sich bei mir oder der Bielefelder Transition-Initiative melden.

Guter Artikel? Wertschätzung per: Flattr this! Bitcoin-Adresse: 197sddH9NhoSXuQLKx6pTSSe6oEJPf9xNa

69 Kommentare to “Ölpreisdiskussion im April: Berlin und Bielefeld”

  1. Michael Egloff sagt:

    Ohne das Hauptthema unterzugewichten sollte bei diesen sehr lobenswerten Veranstaltungen nebenbei erwähnt werden, dass Peak Oil nur ein, wenngleich wichtiger, Aspekt künftiger Knappheiten darstellt.

    http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/kalifornischer-gouverneur-ordnet-wassersparen-an-a-1026778.html

    • Ert sagt:

      Was der Artikel nicht erwähnt, ist das ca. 80% des Wassers in die Landwirtschaft gehen und die 25% Einsparung von 20% des Gesamtverbrauchs nicht viel ändern werden.

      Californien ist mit seinen bewässerten ehemaligen Wüstengebieten eines der Hauptanbaugebiete für Gemüse in den USA…. und soweit ich es anderweitig in Postcasts aus dem US-Bereich gehört habe hat Californien in Summe noch für ca. 1 Jahr Wasser….

      Es wird an so vielen Punkten sehr, sehr spannend.

      • Hansi sagt:

        Das mit dem „noch für ein Jahr Wasser“ oder manchmal auch zwei Jahre, bezieht sich auf die Oberflächenvorräte besonders in Stauseen.
        In Trockenzeiten kommt jedoch über die Hälfte der Wasserversorgung aus dem Grundwasser. Und da weiß keiner genau wie groß die Vorräte noch sind. Selbst Geologen können nur grobe Schätzungen abgeben. Die Strukturen im Untergrund sind einfach zu komplex und man weiß nicht wie viel Wasser man qualitätsmäßig nutzen kann. Jedoch ist es alarmierend wie schnell der Grundwasserspiegel an machen Orten fällt. Früher waren 100 bis 300 Fuß tiefe Brunnen ausreichend. Jetzt muss man schon 500 bis 1000 Fuß tief bohren.

        Man ist sich einig, dass die Vorräte noch einige Jahrzehnte reichen. Manche sagen 30 Jahren, manche 50, andere sogar noch etwas länger. Keiner weiß es genau. Die Kosten für immer tiefere Brunnen und fürs Pumpen steigen mit der Zeit natürlich immer weiter.

        Man verläßt sich darauf, dass „da unten“ noch lange genug Wasser sein wird. Und wer die Wahl hat sich entweder jetzt einzuschränken oder in 30 Jahren eingeschränkt zu werden….der sagt doch: Dann lieber in 30 Jahren!
        Momentan schränkt sich keiner ein – lieber noch tiefer bohren! Drill baby drill!

        Auch von Oben kommt keine Beschränkung. Man überlegt zur Zeit vielleicht irgendwann in den 2020er Jahren das Grundwasserpumpen gesetzlich zu beschränken. Vielleicht auch erst später. Ist doch alles noch gut und BAU muss weiter gehen. ;-)

        Ich erwarte keine Veränderungen in der nächsten Zeit, weder durch Zwang, noch freiwillig und auch nicht durch die Natur. Erstmal werden tiefere Rohre angesetzt, wie zur Zeit beim Lake Mead, wo man die beiden oberen Abnahmerohre durch eines am Boden des Sees ergänzt, um im Notfall auch den letzten Rest rauspumpen zu können. :-)
        Wenn die Stauseen dann ausgetrocknet sind, pumpt man eben zu fast 100% Grundwasser. Das riecht noch einige Zeit. Parallel baut man Entsalzungsanlagen am Pazifik.
        Vielleicht reduziert man nebenbei noch den pro Kopf Verbrauch ein bisschen von 450 Litern am Tag auf 350 und läßt sich dafür groß feiern.

        Die Amis unternehmen alles, koste es was es wolle. Wäre ja auch zu blöd, wenn man seinen Lebensstil der Natur anpassen müsste. Wo gibts denn Sowas? ;-)

      • Hansi sagt:

        Zur Klarstellung meines Kommentars:
        Die angeordneten 25% Wassereinsparungen des Artikels beziehen sich ja nur auf die öffentliche Hand. Wie Ert bereits sagte, der größte Teil, nämlich die Farmer und die Privathaushalte, bleibt unangetastet.
        Und das meinte ich mit „von Oben kommt keine Beschränkung“. Und das bleibt bis mindestens in die 2020er hinein wohl auch so. Bis dahin baut man noch mehr Entsalzungsanlagen, wie gerade die eine in Carlsbad, die noch dieses Jahr fertig werden soll. Dann muss man vielleicht gar nicht mehr verzichten. Es ist angestrebt einen ziemlich großen Anteil der Wasserversorgung in Kalifornien dadurch zu decken. Leider weiß ich den Prozentsatz nicht mehr. Könnten 50 % gewesen sein.

        • Hansi sagt:

          Jetzt muss ich glatt nochwas klarstellen. Sorry, vielleicht sollte man so spät nicht mehr posten.
          Der „große Anteil an der Wasserversorgung in Kalifornien“ bezieht sich natürlich auf ein Langzeitziel, dass sich Kalifornien gesetzt hat. Das soll über unzählige Entsalzungsanlagen erreicht werden und nicht nur mit der einen in Carlsbad, falls das jemand missverstanden hat. ;-)

          • Michael Egloff sagt:

            Bei allen Vorräten, die noch im Ogallala-Aquifer vorhanden sind – die Dürre hatte schon letztes Jahr gravierende Asuwirkungen auf die Landwirtschaft in Kalifornien.
            In einer TV-Doku war zu sehen, wie verdorrte Plantagen untergepflügt wurden. Dieses Jahr wird es vorraussichtlich noch schlimmer.
            Das Wasser „reicht“ eben nicht mehr für die intensive Landwirtschaft z.B. im Central Valley.
            Mit Entsalzungsanlagen kann man die Trinkwasserversorgung für millionen Menschen sicherstellen, aber keinesfalls den Wasserbedarf der Indsutrie und schon garnicht den noch viel größeren Wasserbedarf der Landwirtschaft. In der Landwirtschaft in Kalifornien geht es um einen jährlichen Wasserverbrauch im mehrfachen Quadratkilometerbreich!

            • Michael Egloff sagt:

              Korrektur:
              natürlich geht es um KUBIKkilometer Wasser, das die Landwirtschaft im Jahr benötigt.

            • Hansi sagt:

              Der Ogallala Aquifer liegt doch unter den Great Plains, also ein ganzes Stück weg von Kalifornien – oder erstreckt er sich doch irgendiwe bis Kalifornien?
              Trotzdem hast du natürlich Recht. Die verdorrten Plantagen auf denen alles untergeackert werden muss oder die Bäume rausgerissen werden habe ich auch gesehen. Meistens sind die Gründe dafür, dass der Farmer sich entweder keine tiefere Bohrung leisten kann (kostet oft mehrere hunderttausend Dollar) oder ihn gemachte Schulden endgültig zur Aufgabe zwingen. Wasser ist meist noch da, nur die Kosten es an die Pflanzen zu kriegen sind teilweise nicht mehr tragbar.

              Ich war auch überrascht über die Zahlen zu den Entsalzungsvorhaben. Angeblich will man es ganz groß aufziehen und hat Saudi-Arabien als Vorbild, wo ja 70 Prozent des Wassers aus Entsalzung kommt. Und die gehen auch nicht gerade sparsam damit um (Privat + Landwirtschaft).
              Die Angaben, dass ein sehr großer Teil des Wassers in Kalifornien aus Entsalzung kommen soll, bezogen sich meiner Erinnerung nach auf den GESAMTEN Wasserverbrauch Kaliforniens. Finde leider die Artikel nicht mehr, die ich da vor einigen Monaten gelesen habe. Ich war aber auch skeptisch, ob das wirklich die Lösung sein kann.
              Kostenmäßig ist es auf jeden Fall teuer, aber noch tragbar. Der Energieverbrauch ist der größte Kostenfaktor und liegt bei 3 bis 4 kWh pro Kubikmeter. Bei den Strompreisen in den USA sind das also 50 Cent pro 1000 Liter Wasser. Dazu kommen Bau- und Betriebskosten, die aber angeblich nicht so stark ins Gewicht fallen.
              Ob sich das dann für die Farmer noch rechnet um konkurrenzfähig zu bleiben ist allerdings die Frage (zusätzlich zu der Mengenfrage und der Umweltschädenfrage).

              • Michael Egloff sagt:

                Du hast recht, Hansi,
                Ogallala reicht bis New Mexico, also nicht bis Kalifornien.
                Aber indirekt würde sich die Erschöpfung dieses Aquifers auch auf Kalifornien auswirken, weil dann die Konkurrenz um Wasser (z.B aus dem Colorado und seinen Stauseen) zwischen den südwestlichen US-Staaten größer wird.
                Saudi-Arabien hat übrigens seinen Wasserbedarf der Landwirtschaft aus den fossilen Grundwasserreserven abgedeckt, weshalb diese schon zu großen Teilen verbraucht sind. Deswegen hat man dort die landwirtschaftliche Produktion weitgehend runtergefahren und importiert jetzt mehr Agrargüter.
                Luzerne und Weizen in der Wüste anzubauen ist auch ziemlich gaga.
                Nirgendwo lässt sich der gigantische Wasserbedarf der Hochertragslandwirtschaft durch Meereswasserentsalzung abdecken.

              • Hansi sagt:

                Langfristig gesehen hast du Recht, Michael. Ich glaube auch nicht, dass Kalifornien seine landwirtschaftliche Führungsposition in den USA mit Meerwasserentsalzung aufrecht erhalten kann.
                Da müsste man schon hohe zweistellige Milliardenbeträge in die Hand nehmen und fast die gesamte Küste mit Entsalzungsanlagen zukleistern. Der Strom dafür wächst auch nicht auf Bäumen, also müsste man zusatzlich riesige Photovoltaik- und Solarthermieanlagen bauen.
                Langfristig wird so die Praxis von Landwirtschaft in der Wüste, oder einer wüstenähnlichen Region, enden oder stark reduziert werden. Fragt sich nur wie lange man es mit dem Grundwasser noch aufrecht erhalten kann. Ich tippe schon noch auf einige Zeit. Es ist eine Frage des Geldes. Auf jeden Fall mehr als die „ein oder zwei Jahre“, die von Wissenschaftlern genannt werden, denn die beziehen sich nur aufs Oberflächenwasser.

                Sobald aber die Produktion in Kalifornien stark einbricht, kommt auch der Ogallala Aquifer noch mehr ins Spiel. Denn man muss ja den kalifornischen Produktionsausfall, besonders bei Obst und Gemüse, irgendwo ersetzen. Man könnte von außerhalb der USA importieren, aber das wird teuer und ist sicher auch nicht in riesigem Maße möglich, wegen zunehmenden Problemen in anderen Landwirtschaftsregionen der Welt (Brasilien, China, Indien usw.). Also müsste man andere Standorte in den USA finden. Der ohnehin schon gebeutelte Ogallala Aquifer würde also noch mehr beansprucht werden und damit verschärft sich das nächste Problem.
                Zusätzlich kommen noch die zunehmenden Probleme mit „Superweeds“ (Superunkräutern), die extrem resistent gegen Chemie sind und die Ernten schmälern bzw. sogar ganze Flächen landwirtschaftlich unbrauchbar machen. Und natürlich die zunehmenden Extremwetter (Hitze, Dürre, Stürme, Starkregen, ungewöhnlicher Frost) durch den Klimawandel, was auch dem Rest der USA zusetzt.

                Ja, man kann insgesamt schon sagen: Da ist ganz schön Druck drauf auf der amerikanischen Landwirtschaft und den damit verbundenen Menschen.
                Oder wie Ert es sagen würde: Es wird sehr, sehr spannend.

      • Ert sagt:

        Danke an alle fuer die weiteren Ausführungen und Diskussion zu dem Thema Wasser & Californien. Es hat zwar nichts direkt mit Peak-Oil zu tun, aber zumindestens mit Peak-*.

        Ich bin gespannt wie es u.a. in den USA weiter geht – und hoffe quasi das Californien dramatische Probleme bekommt – weil gerade dies in den USA eine Diskussion starten könnte welche wir alle brauchen und welche genug Strahlkraft in die ganzen Welt haben könnte. Die USA hat selber die Möglichkeit zu reagieren und Ihre Versorgungssysteme jetzt noch umzubauen – es muesste als keiner Hungern.

        So ist denn auch mein persönlicher Schwerpunkt in den letzten 9 Monaten die Ernährung gewesen – so das ich mich hier eher rar gemacht habe. Ich habe viel gelernt, ausprobiert und extrem viel vereinfachen können – es ist einzig noetig mit Gewohnheiten zu brechen und vieles in Frage zu stellen. Die Lösung ist aber sehr einfach, günstig und hoch praktikabel und hat einen guten ökologischen „Footprint“.

        Ich merke aber auch hier, das mein Umfeld mit dem was ich nun praktiziere nichts anfangen kann – auch wenn Sie nicht anzweifeln das das was ich mache gut, gesund und positiv ist.

        Es zeigen sich mir hier viele Parallelen zu dem Peak-* Themen und zumindest der Offenheit oder sogar dem Willen zur Veränderung und Umsetzung – bevor das (Gesundheitliche- oder Energetische) Problem da oder am Horizont ist.

        • Stefan Wietzke sagt:

          Ich denke es hat sogar sehr viel mit Peak-Oil zu tun. Wie ihr schon richtig bemerkt habt wird das globale Wasserproblem von anderen Dingen hevorgerufen als in der Öffentlichkeit wargenommen. Der persönliche Bereich, also für direkten Verbrauch, Waschen, Duschen, Toiletten stellt in den allermeisten Regionen selbst bei extensivem Verbrauch nicht das Problem dar. Selbst die Industrie benötigt im Endeffekt gar nicht so viel Wasser und sobald man im Kreislauf nutzt wie hier bei uns kann man den Bedarf drastisch runter fahren. Und dabei entstehen noch nicht mal hohe Kosten.

          Die wesentlichen Wassermengen werden in der Landwirtschaft, also der Nahrungs- und Biomasseproduktion verbraucht.

          Die wesentliche Gefährdung der Wasserversorgung geht dabei von der Zerstörung der natürlichen Kreislaufsysteme aus. Übermäßiges Anzapfen von Grundwasserbeständen reduziert deren Regenerationsfähigkeit, Verschmutzung macht verfügbare Ressourcen kaputt, das Verschwinden von Gletschern zerstört die natürliche und aufwandslos gelieferte Speicherleistung der Hochgebirge. Wir betreiben also seit langem Raubbau auch an dieser Ressource, indem die natürlichen Kreislaufmechanismen zerstört werden.

          Durch Meerwasserentsalzung, Pumpen, Leitungen und Speicherbecken muss ich dann die ansonsten kostenlos gelieferte Naturleistung druch einen immensen künstlichen Aufwand ersetzten. Man muss sich nur mal überlegen wie bescheuert das ist.
          Das bedeutet aber auch immer einen immensen energetischen Aufwand. Saudi-Arabien benötigt für seine Entsalung aktuell etwa 300.000 Barrel Öl pro Tag (hab ich letztens irgendwo gelesen, weiß leider nicht mehr wo). Das ist die globale Ölförderung von 1918. Also 50 jahre nach Beginn der kommerziellen Rohölförderung. Das technische Ersetzen „natürlicher“ Leistungen ist schon möglich, erfordert aber immer einen immensen zusätzlichen Energieeinsatz. Womit wir wieder bei unserem zentralen Thema sind.

          Das ganze Leben auf unserem Planeten ist immer ein Kampf um Energie und deren möglichst rationelle Verwendung.

          In diesem Zusammenhang ist eine eine interessante neue Hypothese zur Entwicklung des Menschen aufgestellt worden. Anthropologen haben die Entwicklung des Menschen einmal unter energetischen Gesichtspunkten beleuchtet.
          Dabei kam heraus das sich mit nicht menschlichen Verhaltensweisen unser großes Gehirn nie hätte entwickeln können. Und zwar weil ihm schlicht die Energie fehlt. Die Effizienz der Nahrungsbeschaffung bei allen anderen Lebewesen ist schlicht nicht hoch genug um ein Gehirn unserer Größe und eine Kindheit wie bei Menschen üblich zu ermöglichen.
          Erst durch die Entwicklung unserer hohen Kooperationsfähigkeit ist es Menschen gelungen ihre Kalorienbeschaffungsproduktivität soweit zu erhöhen dass diese Entwicklung überhaupt möglich wurde.

          Verfügbare Exergie war, ist und bleibt die absolute Grenze.

    • Es gibt jetzt eine ausführlichere Version des Artikels: Dürre in Kalifornien: Die Wasserparty geht zu Ende

      Schon interessant, dass immer wieder so nichtmarktkonforme Beiträge im Mainstream-Medium SPON erscheinen.

  2. Hansi sagt:

    Niedriger Ölpreis? Ich zahle zur Zeit wieder über 1,40 Euro an der Tankstelle. Wurde da der Preisvorteil etwa weggeEZBt? ;-)

  3. Flint sagt:

    Richtig Lustig wirds an der Tankstelle erst wenn der Ölpreis mal wieder über 100 Dollar gehen sollte, schwacher Euro + hoher Ölpreis = 2 Euro oder mehr pro Liter Sprit. Dann wäre hier aber plötzlich Achterbahn.

    • Hansi sagt:

      Das hab ich mir auch gedacht, als der Euro so in die Knie ging. Das wird spannend. Sollte es so kommen, gibt es bestimmt wieder Betroffenheitsrunden ala Günther Jauch, wo dann um den heißen Brei herumdiskutiert wird. Es läuft dann am Ende wieder darauf hinaus, dass mehr Wettbewerb gefordert wird und Dinge wie eine Benzinpreisvergleichs-App angepriesen werden, um den Preis um zwei bis drei Cent zu drücken. ;-)
      So wie damals, als der Liter bei 1,70 Euro stand. Also wieder nur Ablenkungsdiskussionen und leeres Gerede. Man macht das ein paar Wochen lang bis sich entweder die Aufregung gelegt hat und sich die Leute damit abfinden oder sich das Problem langsam von selbst löst.
      Damit die Politik mal wirklich handelt und größere Maßnahmen in welche Richtung auch immer einleitet, muss es meiner Meinung nach erst richtig knallen.
      Aber das ist ja überall so: Bevor man eine Systemänderung durchführt wird erstmal Jahre bis Jahrzehnte mit Minimalmaßnahmen rumgedoktert, um den Leuten zu suggerieren, dass man etwas tut. Einen echten Umbruch geht man nur im Notfall an. Und der ist glaube ich bei 2 Euro noch nicht erreicht. Man hofft dann, dass die Preise wieder sinken…hat ja in den letzten Jahren auch immer geklappt.

      • Damit die Politik mal wirklich handelt und größere Maßnahmen in welche Richtung auch immer einleitet, muss es meiner Meinung nach erst richtig knallen.

        Ich darf an die weitsichtige Aktion „Runter mit dem Spritpreis“ des ADAC erinnern: Ernsthaft steigende Preise werden dazu führen, dass die Politik zur Reduzierung unserer relativ vernünftigen Kraftstoffbesteuerung gezwungen wird. Daher glaube ich, dass die Maßnahmen erst einmal in keine zukunftsfähige Richtung gehen werden.

        • Hansi sagt:

          Ja, das sehe ich auch so. Ich kann mich erinnern, dass 2008 auch so eine Diskussion um Steuersenkungen aufkam. Die wurde allerdings durch den Preisverfall im Zuge der Finanzkrise im Keim erstickt.

          Wenn so eine Hochpreisphase jedoch mal länger andauert und die Kritiker nicht verstummen bzw. dadurch eine sichtbare Krise ausgelöst wird (welche die Ölpreise aber nicht nach unten bringt), dann wird das wohl die erste Maßnahme sein, die man durchführt.

        • Stefan Wietzke sagt:

          Hilft aber auch nicht. Denn dann gehen Steuereinnahmen verloren und entweder werden die dann woanders drauf geschlagen oder die Ausgaben müssen runter oder die Schulden rauf. Steigen die Kosten der Rohstoffversorgung muss die Volkswirtschaft immer tragen. Die kann man nicht „wegverteilen“. Es ist immer nur die Frage WER die Kosten vor allem trägt.

          Nein, dass ist auch nicht die Frage. Die wurde schon in der neolitischen Revolution beantwortet. Immer die armen Typen die am Ende der Macht-, Vermögens- und Einkommenspyramide hängen. Wenns gut läuft sind das die unteren 10 bis 30% und wenns schlecht läuft die unteren 90%. Wobei das 90%-Modell in den letzten 6.000 Jahren eher die Regel war.

  4. Marcus Kracht sagt:

    Wie ich schon früher erwähnte, die Daten aus China deuten auf eine generelle Nachfrageschwäche hin:

    http://www.bloomberg.com/news/articles/2015-04-01/china-s-fuel-demand-to-peak-sooner-than-oil-giants-expect

    Das hieße allerdings, dass das Öl nicht so schnell teurer wird, da müssen wohl erst ein paar Fracker aufhören zu bohren.

    • Markus Knoll sagt:

      Nunja- die Chinesen waren ja dabei, sich eine strath. Reserve aufzubauen, das wird wohl mittlerweile weitgehend abgeschlossen sein.
      Vorausschauend und günstig eingekauft – unser ebv-oil.de hätte ja auch noch Platz, nur haben wir keine Staatsmänner und -frauInnen, die über die nächste Wahl vorauszublicken vermögen :-(

      Bei den Amis soll’s übrigens ein Gesetz geben, nachdem die Reserve eigentlich zu vergrößern sei- nur soll es dort eben an Bunkerplatz mangeln…

      Aber ein bissle was sollte da auch noch gehen; die hatten ja etwas davon vor wenigen Jahren auf den Markt geworfen, um den Markt zu beruhigen.

  5. Bruno Müller sagt:

    Wir befinden uns in der Karwoche und es ist Karfreitag. Diese Woche vor Ostern, beginnend mit Palmsonntag bis einschließlich Ostern bietet Nachdenkstationen, die dazu einladen über den Sinn des Lebens oder den Sinn von Leben und Tot im Allgemeinen nachzudenken. Natürlich kann dies unabhängig davon jederzeit geschehen, doch lässt das der Alltag nicht immer zu. Da bin ich persönlich froh, dass mich „jemand“ daran erinnert.

    In diesem Blog bewegen sich Leute mit viel Fachwissen, die sich daher mit einfachen Antworten auf komplexe Fragen nicht immer zufrieden geben. Sie erkennen, dass sich unsere Welt in einem abnormalen Zustand befindet, wie es ihn in der Erdgeschichte wohl in diesem Ausmaß noch nie gegeben hat und dass hierfür nicht nur der Erfindergeist verantwortlich ist, sondern der entscheidende Grundstoff Erdöl unabdingbar hierfür ist. Hört Eröl auf, hört auch der abnormale Zustand, also unser modernes Leben, wie wir es kennen auf, auch wenn das menschliche Wissen und die Intelligenz noch viel scharfsinniger werden sollten.

    Das ist eine Erkenntnis, die Viele nicht an sich ranlassen möchten oder schlicht nicht können. Es gibt ja eine im Menschen eingebaute psychologische Barriere, die das verhindern kann. Und das hat gar nichts mit Intelligenz, sondern eben mit Psychologie zu tun. Selbst Menschen mit gesellschaftlicher Verantwortung, vom Staatschef bis zum Gemeinderatsmitglied lehnen zum Großteil die Vorstellung ab, dass unser gelebter Zustand auf Erdöl basiert und er nicht mehr gelebt werden kann, wenn Erdöl fehlt.

    Ich stöbere auch mal ganz gerne auf peak-oil.com außerhalb der aktuellen Artikel von Norbert rum und bin auf ein Interview mit Frau Claudia Kemfert vom 11.06.2008 geleitet worden.
    http://www.deutschlandradiokultur.de/wir-sind-das-land-der-ingenieure.954.de.html?dram:article_id=143461
    Auch sie lehnt am Ende des Interviews den Gedanken daran ab, dass wir unser modernes Leben aufgeben müssen, wenn es weniger oder kein Erdöl mehr geben wird, weil wir die richtige Ersatzenergie bis dahin entwickelt haben werden, denn „Wir sind ein Land mit Know-how, wir sind das Land der Ingenieure. Und diese wissen die Antworten, da bin ich ziemlich sicher. Es geht nur darum, dass wir sie wirtschaftlich in den Markt bringen müssen.“

    Es ist schon erstaunlich, wie sehr an dem was wir haben festgehalten wird. Es scheint geradezu, dass wir den Sinn des Lebens darin gefunden habe. Das was wir tun scheint das Richtige zu sein. Warum sonst eifern uns diejenigen auf der Welt dem nach, was wir „Entwickelten“ tun und haben? Der Mensch war doch schon immer auf der Suche nach dem Sinn des Lebens, auf der ganzen Welt durch alle geschichtlichen Epochen hinweg. Und endlich scheint er gefunden zu sein. Das moderne auf Erdöl basierte Leben – denn jeder will es haben.

    (Achtung, großer Gedankensprung!):
    Der Sinn des Lebens ist also: Als materieller Konsument geboren werden und als materieller Konsument sterben dürfen.

    Wenn dies das Evolutionsziel sein soll, dann frage ich mich als nachdenkender Mensch natürlich, was ist nur mit uns Menschen los? Wie kann es sein, dass so etwas Sinnverschüttetes als Ziel und daher als Sinn des Lebens angestrebt wird?
    Und was macht die Evolution mit uns, wenn wir das Ölzeitalter eines Tages (so oder so), also auch den Sinn des Lebens, wieder verlassen müssen? Beginnt dann wieder die sinnlose Zeit?

    Darauf gibt es einige Antworten, die diesen Kommentar noch weiter ausdehnen würden. Das möchte ich Euch natürlich nicht antun.

    Welche Antwort fällt EUCH spontan ein?

    • Hendrik Altmann sagt:

      Wenn du über den Sinn des Lebens philosophierst, solltest du auch das Leben auf der Erde betrachten und nicht nur die Menschen.

      Evolutionsziel ist immer die optimale Anpassung an Lebensraum und Umweltbedingungen, um so sparsam und effektiv wie möglich, mit den bestehenden Ressourcen, so lange wie möglich zu operieren als Spezies.

      Wir Menschen brechen aus diesem bewährten Konzept aus, weil wir uns bewusst wahrnehmen und unser eigenes Subsystem (Konzept) schaffen.

      Ob dieses Konzept aber Erfolgreich ist oder wird steht noch offen, Rational und subjektiv gesehen glaube ich nicht daran.

      Denn unser neu geschaffenes System (Konzept), widerspricht dem was Evolution seit Milliarden Jahren hier auf der Erde bedeutet.

      So sparsam und effektiv wie möglich mit den Ressourcen in der Umgebung so lange wie möglich zu leben.

      Denn das Leben zu erhalten ist wohl der Kern vom Sinn des Lebens, denn wo kein Leben, da ist auch Niemand der das Universum bewundern kann, die vielen Galaxien und Sterne, sondern nur ein großer toter Raum.

    • Ert sagt:

      „Der Sinn des Lebens ist also: Als materieller Konsument geboren werden und als materieller Konsument sterben dürfen.“

      Bezogen auf unser aktuelles Finanz- und Wirtschaftssystem sehen das viele Akteure anscheinend exakt so. Genau deswegen sind die Zinsen niedrig – um Nachschuldner zu finden die sich ‚Geld‘ leihen (meint: Kredite Aufnehmen) um zu konsumieren.

      Dies ist (meiner Ansicht nach) ein Irrsinn, welchem z.B. mit Konsum- und Verschuldungsboykott begegnet werden kann. Alternativ können auch keine neuen Nachschuldner und Neukonsumenten ‚in die Welt‘ gesetzt werden. Eine Entscheidung die ich für mich persönlich gefällt habe – da ich (nicht nur) innerhalb der nächsten 70 Jahre eine starke (und sicher oft unfreiwillig) Kontraktion der Weltbevölkerung als gegeben sehe.

    • Hansi sagt:

      Puh, das wird schwierig das in Worte zu fassen und nicht zu lang werden zu lassen. Ich versuchs trotzdem mal.

      Zwei meiner Verwandten würden sagen: „Der Sinn des Lebens ist es glücklich zu sein, was auch immer das für dich bedeutet.“
      Damit stimme ich grundlegend überein. Wenn das moderne Leben, das Ölzeitalter, jemanden glücklich macht, dann ist es für ihn vielleicht der Gipfel der Evolution. Das, was das Leben erreichen sollte und beibehalten soll. Andere wünschen sich ein naturverbundenes, nachhaltiges und stilleres Leben. Für sie ist das aktuelle Zeitalter ein Rückschritt, ein Irrweg und nicht das Ziel des Lebens/der Gipfel der Evolution. Sie wünschen sich Veränderung, Weiterentwicklung, (geistige) Evolution.
      Jeder wird es also anders sehen, ob wir derzeit in einer sinnlosen Zeit leben oder nicht. Aber ich denke tief drin weiß fast jeder, dass dieser Materialismus nicht das oberste Ziel (das Ende der Evolution, das ultimative Glück) sein kann.

      Ich persönlich sehe das Leben als eine Art Versuchslabor (nein, wir sind keine Versuchstiere – wir machen die Versuche ;-)) als eine Art „Spielplatz“. Unsere Seelen/das Leben kann sich hier austoben. Nach dem Tod gehen wir dort hin zurück, wo wir hergekommen sind oder kommen wieder zurück auf die Erde/ins Universum um weiter zu machen.
      Ja ich weiß, alles sehr esoterisch. Ist eben meine Weltanschauung. Ich verlange von niemandem mir zuzustimmen. ;-)

      Am ehesten würde ich meine Denkweise in Richtung von Eckhart Tolle und Neale Donald Walsch verorten. Wir sind hier auf der Erde um Erfahrungen zu machen – die verschiedensten Arten von Erfahrungen – „gute“ und „schlechte“. Jede Seele schlägt ihren gewählten Lebensweg ein. Daraus ergibt sich diese unglaubliche Vielfalt der Lebenswege und das alles über die Zeitalter hinweg, immer wieder anders. Das Ölzeitalter ist eine dieser kollektiven Erfahrungen.
      Und diese Erfahrungen nehmen wir nach dem Tod mit – wohin genau und wofür genau, das wissen wir aus gutem Grunde nicht. Neale Donald Walsch würde sagen: Wir haben es für die Zeit unseres Lebens (unserer Leben) vergessen, damit wir so (unabhängig und unbeeinflusst) Leben können.
      Ich könnte weiter philosophieren, möchte es aber bei dem Grundüberblick meiner Ansichten lassen.

      Noch eine Bemerkung zu Ölzeitalter und Evolution. Da könnte man den Buchtitel von Eckhart Tolle aufgreifen: „Eine neue Erde. Bewusstseinssprung anstelle von Selbstzerstörung.“
      Für ihn ist der aktuelle Lebensstil, in dem sich viele Menschen befinden, vom Ego dominiert und selbstzerstörerisch. Dieses „moderne Leben/Ölzeitalter“ ist also zerstörerisch und etwas, was durch (geistige) Evolution überwunden werden kann, soll und wird. Das bezeichnet er als „Bewusstseinssprung“. Die Menschen erkennen ihren Wahn, ihr vom Ego getriebenes Leben und erwachen sozusagen. Und daraus entsteht eine „Neue Erde“ – also eine neue Lebensweise, ein neuer Weg der Evolution (?).

      Dass wir, die heute Lebenden, „die Neandertaler der Zukunft“ sein werden, gefällt mir sehr gut – den Spruch merk ich mir. ;-)
      Und er passt auch und enthält meiner Meinung nach sehr viel Wahrheit. Wer sind wir, zu glauben, wir wären schon die Krone der Schöpfung? Es wird sicher Menschen geben, die auf unseren Wahn zurück blicken und sich in einem anderen Stadium der (geistigen) Evolution befinden.

      Nun bleibt die Frage von Bruno: Warum tun wir dann derzeit nicht, was evolutionär richtig ist? Warum dieser „Irrweg“?
      Meiner Meinung nach hat das mit dem „Erfahrungen machen“ zu tun, was ich bereits erwähnte. Es gehört zum Leben/zur Evolution dazu sich buchstäblich „auszuleben“. Wir gehen unendlich viele Wege (allein und als ganze Gesellschaft) um vielfältigste Erfahrungen zu machen. Es gibt dabei außerhalb unseres beschränkten Urteilsvermögens kein „richtig“ oder „falsch“ in diesem Sinne. (Auch das bräuchte wieder einen Absatz der Erklärung.) Es geht einfach um die Erfahrung – jeglicher Art.

      Oh Mann, hätte nicht gedacht, dass ich hier jemals so philosophisch werde und meine Ansichten offen vertrete. Aber so geht das eben – von Peak Oil zum Sinn des Lebens. ;-)
      Es sei nochmals gesagt: Das ist meine Sicht. Ich will hier niemanden in seiner Religion angreifen, beurteilen, bekehren oder sonst etwas.

    • Norbert Rost sagt:

      Lieber Bruno: Vielen Dank für diese Vorlage. Ich liebe es, wenn auf dieser Plattform die Diskussionen ins Erweiterte gehen. Da sehe ich dann den Sinn, den mein Tun macht.

      Danke an alle Mitleser und -diskutierenden! Frohe Ostertage euch allen.

      Mir fällt spontan ein:
      „Der Sinn ist, wie man ihn sich macht.“
      http://dertrickser.de/0.2.0.0.1.0.phtml

    • Stefan Wietzke sagt:

      Du wirfst mehrere interessante Fragen auf, die man aber erst einmal etwas zerlegen muss.

      Du sprichst hier das Konzept der Evolution an. Hier stelle ich immer wieder fest, dass diese von den wenigsten wirklich verstanden wird. Manchmal nicht mal von Evolutionsforschern ;-).

      Evolution ist eine inhärente Eigenschaft dynamischer Systeme. Damit Systeme evolvieren können bedarf es nur zweier Eigenschaften. Einheiten müssen sich verändern und sie müssen sich vermehren können. Für das Vermehren beziehen sie Ressourcen aus ihrer Umgebung und so bleiben immer die übrig die das aktuell am besten hinkriegen. Nicht weil sie das „wollen“ sondern weil sie einfach übrig bleiben.

      Dabei hat Evolution kein Ziel und keine Richtung. Das Ziel ist die Existenz selbst. Dabei scheinen evolvierende Systeme eine gewisse Tendenz zu steigender Komplexität zu haben. Geschlossen mathematisch bewiesen ist das allerdings noch nicht.

      Auch menschliche Gesellschaften stellen evolvierende Systeme da. Allerdings unterscheiden wir uns dadurch, dass wir in der Lage sind der Entwicklung tatsächlich eine bewusste Richtung zu geben. Im Endeffekt tun wir das über unsere ethischen, philosophischen und theologischen Überlegungen.

      Ob das Sein an sich einen Sinn hat und wenn ja welchen ist vielleicht eine der intimsten Fragen eines jeden Menschen. Und die allermeisten Menschen sehen sich keineswegs nur als Konsumenten. Aber steigender Lebensstandard ist ja nun mal verlockend. Ab einer gewissen Güterversorgung „braucht“ man vieles sicher nicht unbedingt, aber Ski fahren in den Bergen, ein bequemes Verkehrsmittel, einmal viele Wunder dieser Welt mit eigenen Augen sehen, dass ist natürlich schon toll und hat mit sinnlosem Hyperkonsum wenig zu tun.

      Wir haben unsere gesamten gesellschaftlichen Strukturen aber so aufgebaut, dass sie nur mit Wachstum funktionieren. Alle Belohnungssysteme, Status usw. funktionieren nur mit Wachstum. Und wir werden das nur ändern können wenn wir uns genau die Fragen stellen die du hier aufwirfst. Eigentlich müssen wir uns wieder viel mehr bewusst machen wer wir sind oder wer wir (als Menschen) denn sein wollen. Wenn wir das Ziel nicht kennen, dann können wir auch nicht entscheiden welchen Weg wir einschlagen können.

      Noch eine Anmerkung zum Thema „abnormales Zeitalter“. Ich teile da die Sicht der Dinge so nicht. Abnormale Zustände gibt es für mich gar nicht. Als abnormal bezeichnen wir Dinge die „anders“ sind als bisher erlebt, wobei das Wort einerseits eine moralische Wertung enthält und anderseits eine eher statische Sicht auf die Welt zeigt. Nun ist unsere ganze Biosphäre aber hoch dynamisch und sie würde gar nicht existieren wenn sie das nicht wäre. Veränderung ist ihr Wesen (siehe Evolution). In jedem evolutionären System gibt es Phasen relativer Stabilität, die immer dann eintreten wenn alle ökologischen Nischen besetzt sind. Reißen auf Grund interner oder externer Ereignisse neue Nischen auf löst das einen rasanten Entwicklungsschub aus, denn nun bringen Veränderungen wieder Überlebensvorteile. Man kann die Nutzung von fossilen Energiequellen durch den Menschen durchaus als ein solches Ereignis betrachten. Die Systemdynamik steigt stark an. Sie ermöglicht aber auch einen enormen Entwicklungsschub.

      Das Ölzeitalter hat es uns ermöglicht einen enormen zivilisatorischen Fortschritt hinzukriegen. Das ebbt nun langsam ab. Die eigentliche Herausforderung ist nicht das Ende des Öls oder der fossilen Phase. Die endet sowieso und es wird sich ein neues stabiles System bilden. Sondern die Herausforderung ist es die zivilisatorischen Erungenschaften zu erhalten.

      Das war in der Geschichte schon immer ein schwieriges unterfangen. Denn wenn eine tragende Säule einer Zivilisation weg bricht ist es nicht einfach eine neue Gesamtstatik zu entwickeln ohne vorher das gesamte Gebäude einzureißen.

  6. Tom schülke sagt:

    Spontan denke ich da an meinen schon als jugendkichen geliebten hoimar von ditfurth. Er hatte die wunderbare Fähigkeit mitreißend den grossen bogen der kossmischen evolution aufzuspannen. „Wur sind nur wesen des überganges. Der willkürlich aus dem Zeitstrom herausgegriffene moment einer Entwicklung die Weit über uns hinausführen wird.“ So wie Ditfurth es darstelle nimmt es uns die unerfüllbare aufgabe den Himmel auf erden zu erreichen und zugleich gibt es unseren halbenschlichen Vorfahren ihre Würde zurück. Denn auch wir sind nur die neandertaler der zukunft. Aber selbst wenn das experiment Intelligenz auf diesem Planeten scheitern würde, so empfand Ditfurth das Prinzip des einer Zunehmenden „Transzendenz“Des Geistigen, des Bewußtsein als ein dem Kosmos der Evolution inhärentes Prinzip. Irgendwann irgendwo würde der nächste Schritt schon gelingen. Wenn nicht hier dann woanders. Ditfurth empfand die Gesamte Evolution als die umsetzung dieses prinzips. Sehr metaphysisch ausgedrückt sagte er dieser ganze Kosmos würde von aussen als der moment der schöpfung wahrgenommen werden. Tja. So weit und mit der Gewissheit kann ich ihm nicht folgen. Aber der gedankengang ist auch für mich agnostiker sehr verlockend und tröstlich.

    • Bruno Müller sagt:

      „Wir sind Neandertaler der Zukunft.“
      Dann kann es nach dem derzeitigen Fehltritt „Moderner Mensch“ zum Glück wieder aufwärts gehen.

    • Ert sagt:

      @Tom und alle anderen

      bei SR2 „Fragen an den Autor“ im Klassiker-fach (http://pcast.sr-online.de/feeds/sr2-fragen-klassiker/feed.xml) gibt es vier (alte und) schöne Interviews mit Hoimar zu seinen Büchern:
      – „Wir sind nicht nur von dieser Welt.“
      – „Kinder des Weltalls.“
      – „Im Anfang war der Wasserstoff“
      – „Im Anfang war der Wasserstoff“

      Ggf. mag das für den ein oder anderen ein schönes (Oster-)überraschungsei sein.

      • Ert sagt:

        Das zweite „Im Anfang war der Wasserstoff“ sollte „Zusammenhänge. Gedanken zu einem naturwissenschaftlichen Weltbild“ werden ;-)

    • Stefan Wietzke sagt:

      Philosophisch und theologisch ist das eine der interesantesten Fragen überhaupt. Ist Bewustsein, also die Selbsterkentnisfähigkeit des Seins, nur durch Zufall eventell auch nur einmalig entstanden oder eine systemimanente Eigenschaft des Universums (also des Seins an sich). Aber egal wie die Antwort vielleicht einmal ausfällt, sollten wir alles daran setzen diesen „Bewustseinsast“ nicht selbst abzusägen, kurz nachdem er auftgetaucht ist. Die Biosphäre wird so oder so so lange weiter existieren, soweit die notwendigen äußeren physikalischen Bedingungen erfüllt sind. Ob in dieser Zeit aber noch mal was mit „Bewusstsein“ entsteht ist zumindest zweifelhaft.

  7. Frank Bell sagt:

    Die verrückten „Rechten“ Amerikaner glauben, daß die Wasserknappheit nur daran liegt, daß man das Wasser in Kalifornien nicht privatisiert…

    https://www.lewrockwell.com/2015/04/robert-wenzel/take-a-long-shower/

    And so, with water being priced below market levels, and to make things worse, controlled by local governments, rather than the private sector, water levels have been falling in the state during the current dry years.

    Wie soll aus so einem Land irgendein vernünftiger Ansatz kommen?

    • Bruno Müller sagt:

      „Die spinnen, die Rechten!“

    • Stefan Wietzke sagt:

      Verschwende keine Zeit dich mit Bekloppten zu befassen. Millionen glauben an Horoskope, das Pendeln von Steinen usw. Das sind geschlossene Weltbilder von Leuten die grundlegende Probleme mit ihrer eigenen Existenz haben. Problematisch wird das erst wenn andere anfangen sowas auch noch zu glauben.

    • Stefan Wietzke sagt:

      P.S. Und wenn es keine Bekloppten sind, dann sind es die, die da eine gute Gelegenheit sehen die eigene Machtposition zu verbessern und dabei hoffen die anderen sind bekloppt und fallen darauf rein.

  8. Telepolis: Kampagne: Lasst fossile Energieträger im Boden

    Desinvestition wirkt doppelt, weil das Kapital abgezogen wird und der Handelskurs sinkt. ;-)

    • Stefan Wietzke sagt:

      Ich muss sagen das mich der Artikel auf Telepolis ärgert. Denn auch er bedient weiterhin das Märchen dass wir einfach auf regenerative Energieträger umsteigen können ohne unser Wirtschaftsmodell zu ändern. Natürlich wird mehr in regenerative Energieträger investiert. Aber für mich ist das keinesfalls eine Erfolgsmeldung sondern eine weitere Katastrophe. Denn die Energiemengen werden additiv auf die fossilen Energieträger drauf geschlagen und verbrauchen dabei zusätzliche fossile Energieträger. Sie tragen also nicht zur Verringerung des fossilen Energieverbrauchs bei sondern erhöhen ihn auch noch!

      Die Energiewende kann nur gelingen wenn das Wachstum beendet wird.

  9. Kai Fischer sagt:

    Habt Ihr bestimmt schon gesehen:

    http://www.n-tv.de/wirtschaft/Suedengland-hat-riesige-Oelvorkommen-article14868056.html

    Immer mehr Öl. Immer mehr.

    Gruß

    Kai

  10. Ert sagt:

    Interessierte seien auf Radio Ecoshock verwiesen, das ein aktuelles Interview zu Heinbergs neuem Buch „Afterburn, Society Beyond Fossil Fuels“: http://www.ecoshock.info/2015/04/feed-yourself.html

    Das Interview fasst die aktuelle und zukünftige Situation sowie Kernherausforderungen zusammen. Heinberg reflektiert auch sein altes Buch „The Party is Over“ und endet mit einem positiv-herausforderndem Appell/Resümee am Ende des Interviews (eröffnet die Chancen/Perspektive für die junge Generation für die sich durch die Transformation auch ein riesiger Gestaltungsraum öffnen ‚wird‘).

    Wirklich hörenswert! (hier nur das Heinberg-Segment: http://www.ecoshock.net/downloads/ES_Heinberg_1504_LoFi.mp3)

  11. Stefan Wietzke sagt:

    Ich stell mir seit längerem die Frage ob es überhaupt richtig ist von „Ölverknappungsrisiken“ im Sinne einer plötzlichen physischen Verknappung zu sprechen. Denn dabei kommt immer wieder das Bild der Autofahrverbote aus den 70ern hoch. Aber schon damals war das ja keine Folge realer Versorgungsengpäße sondern eine reiner PR-Gag der Bundesregierung.

    Hier liegt auch für mich die Gefahr der aktuellen Peak-Oil Debatte. Denn alle Welt erwartet genau sowas und da es nicht eintritt und auch so nicht eintreten wird kommt das Thema in der Öffentlichkeit nicht an.

    Wie ja schon mehrfach betont habe bin ich ja der Meinung das der ökonomische Peak seit Jahrzehnten hinter uns liegt und das er eine der tieferen Ursachen der heutigen Wirtschaftskrisen darstellt.

    Sollte es aus poltischen Gründen (Krise im Nahen Osten) oder aus wirtschaftlichen Gründen (unrentablilität von Förderung) zu einer tatsächlichen physischen Verknappung kommen, dann würde da sofort massiv staatlich eingegriffen. Auch die amerikanische Ölindustrie wäre da in kürester Zeit in staatlicher Hand. Und dann wird gebohrt und gefördert, koste es was es wolle. Und wenn es bedeutet das die halbe westliche Welt im Winter friert dann wird man sich die Vorräte notfalls holen. Und wenn man dafür neben jeden Araber einen Soldaten stellen müsste. Das hat man in den letzte Jahrzehnten nur deshalb nicht gemacht weil man den notwendigen Aufwand und vor allem die erwartbaren eigenen Verluste nicht tragen wollte.

    Es wird dann eher die Frage sein welchen Preis eine Gesellschaft als gringer ansieht.

    Aktuell liegt der Erntefaktor für Öl etwa bei 15 bis 20. Und wie wir an den kanadischen Ölsänden sehen wird Öl auch bei einem Faktor von 3 noch gefördert. Damit wird man dann Öl aber nur noch in den Bereichen einsetzen in denen es kaum Alternativen gibt. Der Rest wandert dann erst mal Richtung Kohle. Hier liegt der Erntefaktor immer noch bei 60. Selbst bei großtechnischer Verflüssigung fällt er nur auf etwa 30. Da ist also noch gewaltig viel Luft drin. Damit wird die Energieversorgung zwar teurer, was das Wachstum abwürgt, aber es treten keine direkten physischen Engpässe auf. Jedenfalls nicht solange noch ausreichend Kohle gefördert werden kann. Eine Erhöhung der Kohleförderung dürfte aber frühestens ab den 30er Jahren dieses Jahrhunderts problematisch werden. Dann aber massiv. Denn es ist keine Energiequelle in Sicht die dann noch als Reserve dienen könnte.

    Die Probleme zeigen sich daher indirekt. Durch fehlendes Wachstum, was dann zu einer Verschärfung der Ungleichheit von Vermögen und Einkommen führt. Das wiederum heizt politische und soziale Konflikte an.
    Die CO2-Emissionen werden weiter steigen und der Raubbau an der Biosphäre selbst wird uns Probleme bereiten. Denn auch alle Reperaturversuche an dieser Front erhöhen den Energiebedarf.

    Aus meiner Sicht wäre es daher wichtig diese Mechanismen klar zu machen und zu zeigen wie die Energieknappheit bereits heute massive Probleme verursacht. Nur die kommen eben durch die Hintertür.

    • Hansi sagt:

      Das sehe ich auch so. Zu physischen Engpässen wird es trotz des sich zur Zeit aufbauenden Investitionsstaus nicht kommen. Eine Preisspitze, wie es sie 2008 gab, die dann die Nachfrage abwürgt, ist aber sehr wahrscheinlich. Das könnte in circa zwei Jahren so weit sein mit Preisen um die 150 Dollar.

      Und genau das behindert die Diskussion über Peak Oil. Das allgemeine Verständnis in der breiten Bevölkerung bezieht sich auf ein Fördermaximum mit einer danach unaufhaltsam sinkenden Fördermenge und damit einhergehenden Engpässen. So habe ich selbst Peak Oil noch bis vor vier Jahren gesehen.

      Die Unterscheidung zwischen billigem und teurem Öl ist jedoch wichtig. Man muss den Leuten also erstmal Peak Cheap Oil erklären und was ein sinkender Erntefaktor ist und was das für unsere Wirtschaft/Gesellschaft bedeutet.

      Auch heute gilt ja, wie bereits seit einigen Jahrzehnten: Das Öl reicht noch für 40-50 Jahre. Das hat sich bei vielen Leuten eingebrannt und keiner glaubt somit mehr wirklich an Peak Oil.
      Diese Zahl kommt jedoch nur durch das Einrechnen von teuren Ölvorkommen zustande, die man vor 15 Jahren noch nicht einmal mit der Kneifzange angefasst hätte. Peak Cheap Oil und Peak EROEI liegt längst hinter uns. Nimmt man nur das billige Öl, sinkt die Reichweite deutlich unter 40 Jahre.
      Und das teure Öl ist eben schädlich für unser aktuelles Wirtschafts- und Finanzsystem. Und genau das merken wir seit einigen Jahren.

      Ich denke auch, dass es zu einer verstärkten Kohlenutzung kommen wird (zumindest prozentual gesehen). Wie du richtig geschrieben hast, ist der Erntefaktor dort noch beim Großteil der Vorkommen hoch und die Vorkommen ansich groß. Selbst nach Kohleverflüssigung liegt er noch über den meisten Öl- und Gasvorkommen und auch den Erneuerbaren Energien. Bei der Kohleverflüssigung muss jedoch in fast allen Ländern erstmal die Infrastruktur aufgebaut werden.

      Sehr spannend wird, wie man das ganze verkauft! Fracking und Ölsande sind sowieso der Bevölkerung schon schwer zu verkaufen in Zeiten des Klimawandels. Wenn jetzt noch verstärkte Kohlenutzung dazu kommt, kann man sämtliche Klimaziele vergessen. Die Politik predigt der Bevölkerung seit Jahren, dass man weniger CO2 ausstoßen muss und will. So würde es aber sogar noch mehr werden! Keine Trendumkehr, sondern eine Beschleunigung in die falsche Richtung.

      Wie will man das der Bevölkerung verkaufen, nach all dem was man bisher gepredigt hat? Ich kann mir da nur vorstellen, dass man Geoengineering vorschiebt und Dinge wie CO2-Abscheidung und Speicherung. Wie du schon sagtest, erhöht das aber zusätzlich noch den Energiebedarf und macht das System noch komplexer.

      • Hendrik Altmann sagt:

        Wenn man die Bevölkerung vor die Wahl stellt, Wohlstand erhalten, oder große Opfer bringen,
        wie werden Sie wählen? Wie würdet Ihr wählen?

        Natürlich werden Sie jedes Kohlevorkommen fördern was Wirtschaftlich Sinn macht, geoengineering kostet wiederum sehr viel Energie, und die Folgen sind im großen Maßstab nicht absehbar, ich glaube nicht an einen Einsatz.

        Jedes Jahr wird die Gewinnung von Öl teurer, die Nettoausbeute sinkt, Der Erzgehalt der Minen sinkt, Böden erodieren, immer mehr Fischarten kollabieren im Bestand, immer mehr Wasser und Böden werden verseucht.

        Ist doch nur eine Frage der Zeit wann uns der Laden um die Ohren fliegt, falls wir munter so weiter machen wie bisher, aber will schon freiwillig verzichten.

    • Tom Schülke sagt:

      Zustimmung und ein kleiner Einspruch..

      So richtig intuitiv klar bin ich mir über die Entwicklunge noch nicht. Nur vermute ich genauso, das der Peak Oil durch die Rückgekoppelten mechanismen der Wirtschaft und durch politische reaktionen ganz anders eintreten wird als man es naiv erwarten würde. Was man wohl tatsächlich spühren wird ist eine allmähliche (spühren wir ja schon längst) verschärfung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und der Lebensbedingungen der Menschen. Was den Niedigen EROEI der Teersande betrifft glaube ich nicht das der ein Indiz für die Höhe (tiefe) des minimal verwertbaren EROEIS der Energierohstoffe darstellt. Wäre die gesamte Welt im Ganzen schon bei 3:1 angelangt wäre die Wirtschaft meine ich längst kollabiert. Tarsande werden nur gefördert, weil sie sich verkaufen lassen und energetisch durch die verbliebene Weltförderung querfinanziert werden kann.

      Was ich eher erwarte ist eine weitere Runde steigender Preisvolatilitäten.. in vielleicht 2 Jahren dürfte der Rückgang der unkonventionellen Föderungen zumindest ein zwischenpreishoch bewirken.. Wie hoch ? Ganz sicher nicht die 500$ die früher mal locker in den Raum geworfen wurden. lange vorher würde die Zahlungsunfähigkeit der Wirtschaft statt dessen eine verschärfte Rezession einläuten.

      Was ich eher befürchte ist, das im Laufe dieses Prozesse tatsächlich irgendwann ein wirtschaftlicher Tippingpoint eintritt. Skaleneffekte globeraler industrien werden erodieren, weil irgendwann keiner mehr den laptop kaufen kann, und eine sich allmählich verschlechternde Erwartung der Wirtschaftsbeteiligten könnte den Rückzug der Investoren aus den Finanzmärkten im großen Stil einläuten..

      Und wenn dann erstmal alle aus den Virtuellen Werten flüchten… Dann brennt die Luft..

      • Stefan Wietzke sagt:

        Hier noch eine kleine Erläuterung zu den Teersanden. Ich wollte damit nicht sagen das man mit einem Erntefaktor von 3 hinkommt. Aber man wird dieses Öl dann nur da einsetzen wo es extrem aufwändig ist es zu ersetzen.

        Alle anderen Bereiche stützen sich dann erst mal auf Gas und vor allem Kohle (hier vor allem über den Umweg Strom). Dabei bleibt der Erntefaktor in Summe, und nur der ist für die Wirtschaft entscheidend, erst einmal auf akeptablem Niveau.

        Der Aufbau der notwendigen Infrastruktur kann relativ schnell passieren. Technisch sind die Verfahren ausgereift und Umweltbedenken mag man in Deutschland und anderen eher reichen Staaten Nord- und Mitteleuropas haben. Andere haben da weitaus weniger Skrupel. Uns interessiert ja auch heute an der Tankstelle nicht wer für unser billiges Öl so alles den Kopf hin hält.

      • Stefan Wietzke sagt:

        P.S. Mit den Skaleneffekten sehe ich das auch so. Arbeitsteilung und Skaleneffekte sind die wesentlichen Faktoren für das Produktivitätsniveau. Fallen die gibt es in einer auf Wachstum getrimmten Weltwirtschaft sofort ein massives Problem.

        Ich glaube auch nicht an 500$ beim Ölpreis (jedenfalls nicht inflationsbereinigt). Denn was bei den Preisdikussionen immer gerne vergessen wird ist das ein Preis nicht nur durch die Zahlungsbereitschaft sondern auch durch die Zahlungsfähigkeit des Kunden gedeckelt wird. Egal wie hoch die prinzipielle Zahlungsbereitschaft ist: Wo die Kohle fehlt fehlt sie eben.

    • Ert sagt:

      @Stefan & Tom,

      Eine sehr gute Analyse mit guter Ergänzung bez. der Skaleneffekte. Momentan wir letzteres durch das steigende Konsumnivau in China noch komplett überkompensiert. Es muss aber schon stutzig machen das ich letztens eine Premium-Auto-Leasing-Anzeige in einer Zeitschrift gesehen habe wobei ein effektiver Jahreszins von -2% (Minus!) bei 0 Anzahlung und 0 Sonderzahlung ausgelobt wurde.

      So denke ich, das Gail Tverberg Ihre Thesen bisher am weitesten in die Richtung von Stephan formuliert (ourfiniteworld.com) hat. Gerade die Rückkopplungen die sich bez. Finanzsystem aus all diesen Faktoren ergeben versucht Sie aktuell in einer mehrteiligen Reihe zu thematisieren und Auswirkungen bzw. Wirkmechanismen zu erklären/abzuleiten.

      • Stefan Wietzke sagt:

        Gerade die Entwicklung der Zinsen zeigt verhält sich wie erwartet. Wenn die Produktivität nicht mehr steigt kann es keine Kapitalrenditen mehr geben. Echte Kapitalrenditen entstehen tatsächlich nur durch wohlstandssteigerndes Wachstum, also eine Erhöhung der Gütermenge pro Kopf.

        Wenn die These stimmt, dass es zumindest in den früh industralisierten Nationen keinen wesentlichen Produktivitätsfortschritt mehr gibt passiert genau das was wir sehen. Da in den letzten 40 Jahren zusätzlich aber immense Schulden aufgebaut wurden, was nichts anderes ist als ein Versprechen auf bereits bezahlte aber noch nicht gelieferte Güter sind die globalen Volkswirtschaften „überinvestiert“. Das bedeutet die inhärente Wachstumsspekulation geht nicht auf. Aus der Falle gibt es nur zwei Auswege. Die Schulden werden in irgend einer Form gestrichen, die Geldvermögen also Wertlos gestellt oder die Vermögen einiger werden von allen anderen in Form eines Vermögesn- und Einkommenstransfers bedient.Passieren tut beides. Schuldenschnitte, Pleiten und Zinsen unterhalb der Inflationsrate eliminieren Geldvermögen, steigende Assetpeise inflationieren einen Teil der Vermögen weg, steigende wirtschaftliche Ungleichheiten zeigen den Vermögenstransfer an.

        Aktuell hebt ja wieder die Diskussion über die Zukunft des Kaptialismus und damit auch der Zukunft unseres Gesellschaftsmodells an.

        Diese Diskussion wird aber von der falschen Seite aufgerollt, denn sie bassiert auf einem Grundirrtum, dem schon Marx aufgesessen ist. Nämlich das der Kern des Kapitalismus die Kapitalakkumulation ist. Kapitalismus ist aber genau das Gegenteil davon.

        Kapitalakkumulation, also das Anhäufen der Kontrolle über Produktionsmittel ist zwar ein Prinzip mit dem man das eigene Einkommen über die eigene Arbeitsleistung hinaus erhöhen kann. In nicht oder kaum wachsenden Volkswirtschaften ist es sogar die effizientes Methode, führt dabei aber immer zur Aneignung der Arbeitsleistung Dritter.

        Das hat Marx zwar zu Recht kritisiert, nur ist das eben kein Charakteristikum der Moderne oder der Industrieepoche, sondern wird seit Erfindung der Landwirtschaft angwendet. Mit dem bekannte Ergebnis einer kleinen, reichen Oberschicht und einer großen Masse von Leuten die gerade so über die Runden kommen.

        Der Kapitalismus dagegen hat es zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit ermöglicht das Einkommen gerade OHNE Kapitalakkumulation zu erhöhen. Einfach dadurch das durch fremdenergiegetriebene Maschinen sehr schnell sehr viel Arbeitskraft durch Kapital, also fremdenergiegetriebene Maschinen, nicht nur optimiert sondern ersetzt wird. Diese frei werdende Arbeitskraft wurde dann für die Produktion zusätzlicher Güter verwendet. Wenn man das dann noch mit einem marktwirtschaftlichen Konkurrenzsystem verbindet, dann sorgt dieses dafür das die Produktivitätsfortschritte nicht nur von einer kleinen Gruppe monopolisiert werden können, sondern sogar in die breite der Gesellschaft gespült werden. Ein perfekt austariertes kapitalistisches System führt genau da hin wo wir in den letzten 100 Jahren hin gekommen sind. Reiche, und relativ gerechte Gesellschaften (funktioniert übrigens weder mit Planwirtschaft noch mit totaler Privatisierung).

        Das bedeutet natürlich überhaupt nicht das das Prinzip der Kapitalakkumualtion damit aus der Welt verschwunden ist. Es wurde aber vorübergehend durch den Kapitalismus verdrängt. Funktioniert das nun auf Grund mangelnden Produktivitätsfortschrittes nicht mehr, dann kehrt eine Gesellschaft die weiterhin auf Renditen setzt automatisch in die alte Welt zurück.

        Wenn man die Wirtschaftspolitik aber nur an Finanzströmen orientiert kann man diesen Umschwung nicht sehen. Denn Renditen sind auf der Geldebene nur eine Differenz aus einer Aus- und Einzahlungsreihe. Ob sie aus Wachstum oder aus Vermögensverschiebungen stammen kann man auf dieser Ebene und auf der Ebene einzelner Unternehmen überhaupt nicht sehen.

        Man erkennt das nur wenn man sich gesamte Volkswirtschaften anschaut.

        Gail Tverberg argumentiert zwar in eine ähnliche Richtung, aber sie rechnet mit einem sehr schnellen Niedergang. Ich glaube das nicht. Das hat zwar einerseits Vorteile weil man den Übergang dann eher gestalten kann, aber es kann auch ein Nachteil sein. Denn eventuell bemerkt man die entscheidenden Veränderungen eben nicht. Wie mit dem Frosch bei dem man die Wassertemperatur nur langsam erhöht.

        • Spigola sagt:

          Hallo Stefan,

          Zum Themenkomplex Wachstum, Wachstumsgrenzen und „ökonomischer Peak“ den Du weiter oben angesprochen hast gibt es eine sehr interessante Analyse des französischen Ingenieurs Jean Marc Jancovici, der sich zu einem Spezialisten der „Peak“-Thematik entwickelt hat: In Frankreich nennt man die drei Jahrzehnte dynamischer ökonomischer Entwicklung vom Ende des 2.Weltkriegs bis Mitte der 70er Jahre die „trente glorieuses“ (die 30 Glorreichen). Jancovici weist darauf hin, dass die Menge der ins ökonomische System fliessende Energie den entscheidenden Faktor für die Wertschöpfung und damit für das Wirtschaftswachstum darstellt. Laut den Statistiken, die er in seinen Vorträgen vorstellt korrelieren Energiekonsum und BIP tatsächlich frappant-und zwar interessanterweise in der Reihenfolge dass sich zuerst der Energiekonsum ändert und in Folge darauf das BIP. Bis in die zweite Hälfte der 70er Jahre stieg das BIP (im langfristigen Schnitt) jährlich um etwa 3%. Ab 1980 stieg es (ebenfalls im langfristigen Schnitt) nur noch um 1,2% pro Jahr. Seit 2008 stagniert es, in einigen Ländern geht es sogar zurück. Das korreliert auffällig mit dem Energieverbrauch: dieser stieg bis Mitte der 70er Jahre um ca. 2,5% pro Jahr; ab 1980 stieg er nur noch um 0,4% pro Jahr. Jancovici meint, dass die zwei Ölschocks 1973 und 1979 die Dynamik der „trente glorieuses“ nachhaltig knickten und dass der Peak der konventionellen Ölproduktion rund um 2005-2008 den Rest von Wachstum abwürgte. Mit dem ihm eigenen Sarkasmus formuliert er: „Bis 1975 hatten wir die „30 glorieuses“ (30 Glorreichen), dann kamen die „30 piteuses“ (die 30 Erbärmlichen) und jetzt stehen wir am Beginn der „30 désastreuses“ (Übersetzung wohl überflüssig).

          • Michael Egloff sagt:

            Wobei man natürlich sagen muss, dass viele Millionen Menschen in Afrika und weiten Teilen Asiens die Franzosen um die „30 Erbärmlichen“ immer noch beneiden. Da geht es heute schon um die Basics des Lebens, die sich diese vielen Millionen täglich hart erkämpfen müssen und oft genug nur unzureichend erkämpfen können.
            Aber klar: wir haben die wesentlich größere Fallhöhe und die (falsche) Selbstgewissheit, es „verdient“ zu haben.

            • Spigola sagt:

              In dem Zusammenhang rechnet er übrigens auch vor, wie viele Arbeitsstunden menschlicher Arbeitskraft das Äquivalent für den fossilen Energieverbrauch jedes Europäers darstellen würde. Er nennt das unsere „Energiesklaven-Einheiten“ und stellt trocken fest: „Selbst ein bescheidener Mindestlohnbezieher in Europa ist erstens objektiv betrachtet ein reicher Mensch und hat zweitens einen fossilen Energieverbrauch der auf Dauer nicht aufrechtzuerhalten sein wird. „

          • Stefan Wietzke sagt:

            Ich stell am Wochenende mal einfach die Grafik meiner Analyse ein. Ich habe da einfach mal das absolute Primärenergieverbrauchswachstum pro Kopf der Weltbevölkerung je Energieträger aufgetragen und dann einen 10 jährigen gleitenden Mittelwert drüber gelegt. Es ist frappierend wie gut das passt. Mit Beginn der Ölförderung steigt der Ölverbrauch pro Kopf exponentiell an und entspricht etwa den realen Wachstumsraten. 1973 mit der ersten Ölkrise bricht das innerhalb eines Jahres auf 0 ein und erholt sich danach auch nicht mehr.

            Aber die einfache logische Überlegung zeigt das ja schon. Der Güterwohlstand kann nur steigen wenn die Produktivität steigt.
            Dafür gibt es eben nur zwei Methoden: Die Optimierung des Arbeitseinsatzes durch Spezialisierung (also Arbeitsteilung), Erhöhung des Wirkungsgrades, (also Minimierung der Transformationsverluste) und Heben von Größenvorteilen. Alle diese Methoden haben ein natürliches Ende und ihre Umsetzung erfordert eine ständige Umorganisation des Wirtschafts- und Gesellschaftssystems. Produktivitätserhöhung ist nämlich keine Folge von Innovationen und technischen Erfindungen sondern eine Folge von Organisations- und Prozessänderungen.
            Erfindungen und neue Erkenntnisse an sich erweitern zwar den Handlungsrahmen, bestimmen also die maximal mögliche Produktivität, heben die Produktivitätsreserve aber nicht.
            Deswegen wächst die Produktivität in starren und unbeweglichen Gesellschaften auch dann nicht, wenn sie über ein unendliches technisches und naturwissenschaftliches Wissen verfügt.

            Die Notwendigkeit der permanenten Umorganisation (das geht bis zur Erfidnung völlig andersgearteter Gesellschaftssysteme) sorgt dafür das dieser Fortschritt sehr langsam ist.

            Die zweite Möglichkeit ist das ERSETZEN von Arbeit durch Kapital, also fremdenergiegetriebener Maschinen. Daher ist der Energieeinsatz der mit Abstand beste Indikator für das wirtschaftliche Produktionsniveau.

            Das konnte erst passieren nachdem man Energieträger mit hoher Dichte und beliebiger zeitlicher Verfügbarkeit verwendet hat.

            Die niedrige Energiedichte und die Unkrontrollierbarkeit ihrer Verfügbarkeit hat im Altertum die Entstehung einer „Energiekultur“ verhindert. Es war nicht die Erfindung der industriellen Prozesse. Die gabs sowohl im Römsichen Reich, bei den Persern wie auch im chinesischen Kaiserreich.

  12. Michael Egloff sagt:

    Neue Daten aus China:
    die Ölimportmenge war im März erneut sehr hoch, mit über 6,3 mb/d in diesem ansonsten eher schwachen Verbrauchsmonat, plus 14% gegenüber dem Vorjahresmonat.
    Die Steigerungsrate von etwa 0,5 mb/d jedes Jahr bei den Ölimporten ist weiter ungebrochen.
    Auch die Autoverkäufe entwickeln sich weiter sehr robust mit einer Steigerungsrate von fast 10% gegenüber dem Vorjahr. Auf nunmehr 1,87 Millionen PKW im März – der weltweit mit Abstand größte Neuwagenmarkt.
    Besonders dynamisch entwickeln sich die Verkäufe verbrauchsstarker PKW (Light-Truck-Segment) um sage und schreibe mit einer Steigerungsrate von 43% gegenüber dem Vorjahr, auf 474000 Einheiten. Nur im März!
    KFZ und Nutzfahrzeuge wurden im März insgesamt 2,24 Mio Stück verkauft. Die Ölimportmenge dürfte sich also auch weiterhin dynamisch entwickeln.

    Quelle der Zahlen: Querschüsse.de, basierend auf regierungsamtliche Veröffentlichungen.

    • Marcus Kracht sagt:

      @Michael:

      Regierungsamtliche Zahlen sind das eine. Auf theautomaticearth lese ich das andere: zB, dass in China die Exporte im März um 15% eingebrochen sind (siehe http://www.theautomaticearth.com/2015/04/debt-rattle-april-13-2015/), dass der Verbrauch in den USA einfach nicht mehr anspringen will (was wohl eine der Ursachen für China’s Exportprobleme ist), sowie Einbrüche bei den Exporten in Australien und Neuseeland, die, wir dürfen raten, mehrheitlich nach China gehen. Einher geht dies mit einer Schwäche in den Preisen für Eisenerz, Kupfer, Öl usw.

      Angesichts dieser Daten sehe ich kein Wachstum in China, im Gegenteil.

      — Marcus

      • Ted sagt:

        Hi Marcus,
        das eine schließt das andere ja nicht aus.
        Schwächelnde Exporte, Umstellung der Wirtschaft weg von der (umweltbelastenden) Schwerindustrie Richtung Dienstleistungen ( = weniger Erz-Importe).
        Aber immer mehr Chinesen können sich ein Auto leisten und nutzen dieses auch = mehr Ölverbrauch.

        • Markus Knoll sagt:

          Apropos China- schaut euch mal die „modernen Apartmentkomplexe“ auf dem Bild in diesem Artikel an
          http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/china-verfallenes-haus-steht-mitten-auf-der-strasse-a-1028283.html

          das ist hiesiger Nachkriegsstandard- nur hängt dort noch vor fast jeder WE noch eine Klima.

          Aber dafür darf ein hiesiger Architekt dort immerhin eine Superdupervorzeigestadt entwerfen ;-)

        • Stefan Wietzke sagt:

          Die „Dienstleistungsgesellschaft“ ist eine der große optischen Täuschungen. Die gibts nämlich gar nicht.
          Der Eindruck entsteht deshalb weil sich die direkte menschliche Tätigkeit im Rationalisierungsprozess die Komplexitätsleiter nach oben schiebt. Damit verschwinden zuerst die einfachen mechanischen Tätigkeiten aber die Basis ist immer noch die „Hardware“.

          Ein Beispiel: Ein Unternehmensberater, Finanzexperte oder Anwalt zählt zu den Dienstleistungsberufen. Aber wenn er für einen Automobilkonzern arbeitet dann besteht seine Aufgabe darin die Produktion von Autos zu optimieren. Auch diese Leute arbeiten daran möglichst viele Autos zu produzieren und in den Markt zu pressen. Dabei unterscheiden sie sich überhaupt nicht von dem Typ der die Karosserie zusammenschweißt.

          Selbst das Bildungswesen gehört zum allergrößten Teil zum physischen Produktionsbereich. Denn hier sollen die Leute darauf vorbereitet werden die notwendigen Fähigkeiten zu erwerben die sie im Berufsleben benötigen.

          Die Bildungsexplosion seit dem Ende des 18. Jahrhunderts hat es ja nicht gegeben die philosophische Erkenntnisfähigkeit der Menschen zu erhöhen, sondern sie kam nur weil man mit Leuten die gerade mal eine Schaufel halten können keine Industriegesellschaft aufbauen kann.

          Allenfalls so Sachen wie Theater spielen, Philosophie betreiben oder reine erkenntnisorienterte Forschung sind „echte Dienstleistungen“. Die stampfen wir aber in den Industriestaaten eher ein und bauen sie nicht aus.

          Selbst ein großer Teil des Zivilrechts existiert nur um Güter möglichst effizient produzieren und verteilen zu könnnen. Ohne Autos keine Autokaufverträge (sollen Konfikte im Tauschakt minimieren), ohne Telefon keine juristischen Auseinandersetzungen über falsche Abrechnungen usw.

          Nur weil man sich die Hände nicht schmutzig macht bedeutet das eben nicht das sich der Charakter unserer Wirtschaftsordnung ändert. Sie war ist und bleibt physisch determiniert.

          P.S. In Deutschland wird heute mehr Stahl produziert als im 19. Jahrhundert. Nur das da nicht mehr Herscharen von Leuten am Hochofen stehen.

          • Ted sagt:

            China hat nun eine Industriegesellschaft aufgebaut.
            Und braucht nun mehr Anwälte etc., aber nicht mehr ständig eine noch größere Menge von Stahl usw.

      • Ert sagt:

        @Markus

        China schießt aktuell mit Massiver Kreditvergabe gegen den Abstieg bzw. eine aufkeimende Krise: http://www.querschuesse.de/china-kreditvergabe-maerz-2015/ – aus dem geschütztem Bereich des Artikels: „In den ersten drei Monaten 2015 steuert China bei der Kreditvergabe kräftig gegen die nachlassende wirtschaftliche Aktivität, zum Vorquartal ging es um +80,8% aufwärts und zum Vorjahresquartal um +25,9%.“ – das sind Zahlen!

        Und unsere westlichen ZB’s kaufe einfach alle Staatstitel auf. Da die ZB’s die Überschüsse an die Staaten auszahlen – deren Papiere die ZB’s alle aufkaufen – wird letztendlich eine fiskale 0-Numer aus der ganzen Suppe. In sofern erledigen die 0-Zinsen einen guten Job und halten das System am leben. Die Alternative wäre aktuell eine – ggf. dekadenlange – Krise.

    • Ert sagt:

      @Michael

      Eben immer mehr Komplexität und Kompliziertheit für immer weniger realen Output.

      Es bleibt zu hoffen, das diese Entwicklungen zumindest die industrielle Grundlage für Batterietechnik & vollelektrische Kfz schaffen. Können diese in Zukunft voll Automatisch fahren können – dann erledigt sich ein Großteil des Bedarfes. Das noch mit steigenden Preisen und entsprechenden Steuern verbunden – und das individuell besessene Kfz ist Geschichte – und die Kfz Industrie im heutigen Sinne damit auch.

    • Stefan Wietzke sagt:

      Aber das ist doch klar! Der Kern des kapitalistischen Wirtschaftssystem ist nicht Kapitalakkumulation sondern wohlstandsteigerndes Wachstum. Der Rebound-Effekt ist keine unangenehme Begleiterscheinung sonder er IST DAS SYSTEM. Und zu dem haben wir uns bewusst entschieden. Und dass endet entweder an der Ressourcengrenze (jeglicher Art) oder es endet weil wir uns BEWUSST entscheiden es zu beenden.

      Wie mit den schwachsinnigen Energieeffizienzgesetz: Aber wer sollte denn ein Interesse daran haben das ein Haus so gebaut wird das er NICHT dämmen muss, das er KEINE aktive Haustechnik braucht, dass er KEINE dreifach verglassten Fenster benötigt? Da würde die Wirtschaft ja SCHRUMPFEN!! und wir würden besser wohnen ;-). Ein Schelm der Böses dabei denkt.

      • peterwy sagt:

        Hallo, ich gebe dir absolut recht. Nur was würde es denn für die rund 80 Millionen Einwohner unseres Landes (nur mal im kleinen Rahmen nachgedacht) bedeuten, wenn wir kein echtes Wachstum mehr hätten. Auch wenn wir zur Zeit wohl blos noch ein relativ geringes prozentuale Wachstum haben, ist das bezogen auf die Gesamtsumme doch immer noch ein richtig ordentlicher Brocken. Welche Berufe würden wir uns denn dann wirklich noch leisten (können). Woher werden denn die Menschen denn ihr Einkommen beziehen um ihre Lebenshaltungskosten zuzüglich der vorhandenen Schulden zuzüglich der erforderlichen Zinsen zu zahlen. Was würde denn passieren wenn Millionen von Versicherungskaufleuten, Marketingfachleuten, Bürokaufleuten, Bankangestellten uswusw. plötzlich feststellen das Ihre Qualifikation nicht mehrt gebraucht wird, weil Sie nur in einem Wirtschaftssystem wie dem unseren nachgefragt wird. Oder glaubst du etwa, wenn eine grundsätzliche Säule unseres Wirtschaftssystem wegfällt (Wachstum) das wir dann zumindest prinzipiell so weitermachen können wie bisher?? Also 8 Stunden Tag und dann Fernsehen, oder so ähnlich. Und dann übertrage doch einmal das Modell auf alle anderen Länder welche ein vergleichbares Wirtschaftswachstum besitzen bzw. gerade dabei sind ein solches aufzubauen.

        • Tom Schülke sagt:

          peterwy..

          Exakt das ! ist die Große Frage.. Das Zähneklappern wird groß sein, wenn die Mehrheit der Bevölkerung erlebt was die Leser dieses Blogs hier erwarten..

          Man kann nur hoffen das der Übergang in die Nächste Epoche einigermaßen mit einem blauen Auge abgeht.. Aber viel Hoffnung muß man da nicht haben…

          • peterwy sagt:

            Nun ja ich persönlich bin der Meinung, nicht nur die Leser dieses Blogs erwarten oder erfürchten das Kommende. Warum sollte der Kollege Draghi sonst versuchen rund 1.2 Billionen Euro, als neue Schulden von Unternehmen und eventuell Privatpersonen zu platzieren. Er und seine Gesinnungsgenossen haben, meiner Meinung nach, sehr wohl erkannt was denn da auf uns zukommen kann und versucht mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln das Wachstum und damit das zur Zeit existierende Wirtschaftssystem am Laufen zu halten. Von daher bin ich absolut der gleichen Meinung wie z.B. Stefan, hinsichtlich der Laufzeit unseres Systems. Das ganze wird wohl noch ne Weile so weiterlaufen, zumindest solange wie irgendwer noch in der Lage ist neue Schulden aufzunehmen und diese auch zumindest ansatzweise zu bedienen. Die kommenden Schwankungen der Energiepreise, hierzu zähle ich auch die Ölpreise, werden meiner Meinung nach das System ziemlich ins Schwanken bringen, aber man wird wohl versuchen das ganze mit immer neuen Geldschöpfungsmodellen aufzufangen. Wie gesagt zumindest solange wie neue Schulden und somit neues Wachstum geschaffen werden kann. Und das ist nun mal die Zeit die man nutzen sollte um zu Versuchen zumindest ansatzweise ein neues System zu versuchen. Wobei ich persönlich der Meinung bin, das können eigentlich nur Nadelstiche sein. Denn wieviele der rund 80 Millionen Einwohner unseres Landes können sich denn überhaupt ein alternatives System vorstellen, egal ob dies nun freiwillig, oder durch äußere Zwänge gesteuert, etabliert wird.

            • Ert sagt:

              @peterwy

              Deine Schlussfolgerung passt auch zu der von Richard Duncan – zuletzt im Interview bei Chris Martenson (Crash Couse): http://www.peakprosperity.com/podcast/92283/richard-duncan-real-risk-coming-multi-decade-global-depression

              Ein interessanten Aspekt den Duncan noch erwähnt ist: Die ZBs kaufen immer mehr der Staatsanleihen auf. So landen die Zinszahlunger der Staaten letztendlich wieder bei den Staaten und machen das System aktuell sogar noch robuster gegen plötzliche Verkäufe bei den Anleihen.

              So lange das Gesamtumfeld eher deflationär bleibt ist auch alles gut. Die Preissteigerungen bei den Assets sind hingegen sogar erwünscht – weil Sie Sicherheiten für Kredite darstellen.

              Wie lange das ganze noch weiter geht? Da bin ich auch gespannt :-)

Diesen Eintrag kommentieren: