Zum Textbeginn springen . Zur Navigation springen .

Resilienz – und – Nachhaltigkeit

Vorwort

Resilienz war schon oft eines der Themen über das wir hier auf Peak-Oil.com diskutiert haben. Der folgende Artikel ist ein Ausschnitt aus meinem Buch "Achilles und die moderne Stadt", das ich als Begleittext zu meinem Vortrag in meiner Firma zu schreiben begonnen habe, und das dabei wuchs und wuchs bis es am Ende zu einem 100 Seitigen kleinen Buch angewachsen war. Mein Ziel war es einen möglichst leicht verständlichen Gesamtüberblick über unsere Ressourcensituation, ökologische Fragen, Nachhaltigkeit und natürlich das was auf diesem Blog ein Kernthema ist- Energiefragen- , zu liefern. Den regelmäßigen Lesern dieses Blogs werden die Inhalte sicherlich im Wesentlichen vertraut sein. Zielgruppe waren ursprünglich Architekten die sich oft nur oberflächlich mit Nachhaltigkeit und der Biokapazität unseres Planeten beschäftigt haben. Doch gerade Planer könnten einen erheblichen Beitrag für eine bessere und wiederstandsfähigere Zukunft leisten.

Gegliedert ist das Buch in fünf Kapitel.

  1. Weshalb ist Nachhaltigkeit so schwierig?

  2. Die biophysikalische Stadt und der ökologische Fußabdruck

  3. Die Achillesferse(n) der modernen Stadt

  4. Einwände (Argumente gegen "Grenzen des Wachstums" und deren Erwiederungen),  und

  5. Resilienz, die neue Nachhaltigkeit

Der nachfolgende Text ist ein Auszug aus dem letzten Kapitel und beginnt mit einem Fazit zu den ersten vier Kapiteln. Thematisiert wird die Notwendigkeit in Zeiten schwindender billiger Ressourcen, eine größere Resilienz in die Systeme zu integrieren die unsere aller Leben gewährleisten. In die Landwirtschaft, die Energieversorgung, die Technik, die Bauweise, den Städtebau und sicher auch in die Art und Weise wie wir glauben das unsere Welt funktioniert. Der Text ist in vielen Bereichen eine Zusammenfassung der Gedanken klügerer Köpfe und weitschauenderer Denker. Insbesondere die Texte Prof. William E. Rees spiegeln sich wieder, dessen Vorträge ich jedem empfehlen kann.

Anregungen, Kritik, Fragen....   Ich bin auf eure Gedanken gespannt.

(Das Buch ist übrigens noch immer nicht käuflich zu erwerben sondern existiert bisher lediglich als privater Druck.)


 

 

Resilienz – und - Nachhaltigkeit

"Eigentlich könnte das Leben fantastisch sein! Wir könnten mehr Zeit haben, mehr entspannen, unsere Hände für kreative, nützliche    Aktivitäten nutzen. Wir hätten weniger Schulden, mehr Zeit zum Spielen und zum Feiern des Lebens!"

Zitat: Rob Hopkins, Gründer der Transition-Town-Bewegung (aus: Einfach jetzt  machen)

 

Houston, wir haben ein Problem

Was tun? Technische Lösungen werden weder den unvermeidlichen Rückgang der Ölversorgung stoppen noch ist es wahrscheinlich, dass unsere rein technischen Bemühungen, unseren ökologischen Fußabdruck auf das notwendige „one planet living“ zurückfahren können. Sollten wir die klaren Ergebnisse der Wissenschaft, der Ökologie und der Physik ignorieren, wird uns das gleiche Schicksal ereilen, das den Maya, den Römern oder den Bewohnern der Osterinseln widerfahren ist. Wenn wir die Situation ignorieren, wenn wir nicht handeln, wird die Biokapazität des Planeten so weit absinken, dass bei dem unvermeidlichen Rückgang der fossilen Brennstoffe der Planet nur noch einen Bruchteil der heutigen Bevölkerung tragen kann. Armut, Krankheit, Seuchen, Hungersnöte, Unruhen, Aufstände und Ressourcenkriege, ein rapides Absinken der Lebenserwartung und im Zweifel der Verlust zivilisatorischer Errungenschaften wie der Demokratie wären die wahrscheinlichen Folgen einer solchen Entwicklung. Mancher würde lediglich einen Teil seines Wohlstands verlieren. Anderen würde ein weit grauenhafteres Schicksal drohen. Wenn wir nicht reagieren und weitermachen wie bisher, ist es nicht unwahrscheinlich, dass der Planet am Ende des Jahrhunderts mit Mühe noch eine Milliarde Menschen tragen kann. Wir wären nicht die erste Zivilisation, die durch Übernutzung ihrer Ressourcen, durch Bodenerosion und Überbevölkerung diesen Weg geht. Solch ein Verlauf der Geschichte ist absolut vermeidbar. Wir kennen jetzt alle wesentlichen Zusammenhänge. Was wir ändern müssen, sind unsere dominanten kulturellen Mythen. Prinzipiell sind unsere Probleme zu lösen, wenn wir diesen ersten Schritt schaffen.

Prof. William E. Rees

Prof. William E. Rees

Homo sapiens ist die einzige Lebensform auf dem Planeten, die vorausplanen kann. die einzige Lebensform, die zu starker Empathie fähig ist und das sogar speziesübergreifend. die einzige Spezies, die aus Fakten logische Rückschlüsse ziehen kann“.

Zitat: William E. Rees, Mitbegründer des Ökologischen Fußabdruckes.


Alles, was wir tun müssen, ist dieses Potenzial zu nutzen.


 

 

 

Das Ende des Wachstums

bedeutet für unsere Zivilisation eine epochale Veränderung, vergleichbar der Sesshaftwerdung der Nomaden der Frühzeit und der Industriellen Revolution. In einer Kultur, die wie keine andere zuvor die Schranken niedergerissen hat, die ihrer Expansion im Weg standen, und die in fundamentaler Verdrängung gegenüber den Grenzen dieser Entwicklung lebt, wird die Erkenntnis, dass unser Lebensstil in naher Zukunft ein Ablaufdatum hat, einen Schock auslösen. Warner, Fachleute, Gruppierungen und Organisationen, die sich der Situation bewusst sind, gab und gibt es überall. Doch die Mehrheit der Bevölkerung lässt die Warnungen nicht in ihren Alltag eindringen. Es  wird Orientierungslosigkeit geben. Wut gegenüber den Eliten, die die Entwicklung nicht vorhersahen, Unruhen und Aufstände. Kein Bereich unserer Kultur wird von den Veränderungen verschont bleiben. Unser Geldsystem wird sich fundamental anpassen müssen. Es spiegelt in seiner inneren Struktur die Erwartung zukünftiger Gewinne wider. Dieses System wird in einer stagnierenden und schrumpfenden Wirtschaft grundlegend scheitern. Wir werden die Kreisläufe der Natur, die wir zerbrochen haben, reaktivieren oder Hungersnöte und der Verlust fruchtbarer Böden wird uns vernichten so wie der Verlust der fruchtbaren Böden nach der Abholzung ihrer Wälder die Kultur auf den Osterinseln vernichtete. Wir werden Wege finden müssen, Mechanismen zu etablieren, die kurzfristige Gewinne zugunsten langfristigen Wohlstands für alle zurückdrängen. Wir werden die Frage der sozialen Ungleichheit völlig neu diskutieren müssen, denn in einer schrumpfenden Wirtschaft werden wir nicht mehr in der Lage sein, ärmere Bevölkerungsschichten mit der Aussicht auf den insgesamt wachsenden Kuchen zu beruhigen.

Unser Weltbild des Homo sapiens als dem beherrschenden Organismus des Planeten, der sich die Welt untertan machen soll und über den Niederungen biologischer Hindernisse schwebt, wird sich zu einem bescheidenen Selbstverständnis entwickeln. Wir sind, wenn auch eine besondere Spezies, so doch nur eine unter Millionen anderer, auf die wir weiterhin vollständig und unauflöslich angewiesen sind. Das alles bedeutet in keiner Weise eine stagnierende oder starre Gesellschaft. Im Gegenteil. Gerade die Veränderung ist universell und unvermeidlich. Die neuen Strategien der Nachhaltigkeit und ihre wissenschaftlichen und philosophischen Wurzeln werden wir zu Beginn dieses Kapitels noch einmal aufgreifen. Weil das Ende des Wachstums in jeden Teilaspekt unserer Kultur eindringt und alle Bereiche unseres Selbstverständnisses infrage stelle wird, ist das Ziel, Nachhaltigkeit zu erreichen, eine Aufgabe die auf allen Ebenen der Gesellschaft beantwortet werden muss. Global, regional, in den Kommunen und in der privaten Welt jedes Einzelnen. In der Politik, der Philosophie, der Landwirtschaft, dem Schulsystem, der Wirtschaft und unserer Kunst. Aber allem voran in den Mythen, Erzählungen und Annahmen, die wir über unsere Welt treffen. Die Architektur und die grundlegende Struktur unserer Städte und Kommunen ist nur ein Baustein in dieser Entwicklung. Aber die Rolle unserer gebauten Umwelt ist groß. Eine Liste der Strategien für die Welt der Zukunft kann notgedrungen nur vorläufig sein. Wir werden vieles erst testen und manches, was wir als Lösungen betrachten (man denke z. B. an Biotreibstoffe) wieder verwerfen müssen. Am Ende dieses Kapitels werde ich eine kompakte Liste an Ideen und Strategien zur Diskussion stellen. Jeder ist aufgefordert, diese Liste zu ergänzen, infrage zu stellen und zu erweitern. Am Ende zählt nicht, was wir uns überlegen, sondern was wir tun.

Das mechanistische Weltbild und lineares Denken in der Gegenwart

Im ersten Kapitel haben wir erkannt, dass Menschen unbedingt abhängig sind von soziokulturellen Konstrukten, um die Realität, auf die wir keinen direkten Zugriff haben, zu erfassen. „Der Mensch ist das mythenbildende Wesen schlechthin.” Wir definieren uns und die Unterschiede zwischen unseren Kulturen durch die Differenzen in unseren Weltanschauungen, Mythen und Geschichten. Es ist wahrscheinlich die irrigste Annahme unserer westlichen Kultur, der abwegigste irrationale Mythos, den wir glauben, dass wir eine rationale, wissenschaftlich geleitete Kultur seien, deren Entscheidungen aus rationalen Erwägungen getroffen werden. Der Mythos von der Trennung der menschlichen Welt von der Natur ist einer der Hauptgründe dafür, dass wir Schwierigkeiten haben, Städte als biophysikalischen konsumierenden Knotenpunkt des vollständigen humanen Ökosystems zu begreifen. Doch das kartesianische Weltbild der Trennung von Mensch und Natur ist nicht das einzige tradierte Weltbild, mit dem wir uns die Realität erklären. Ein weiteres Denkschema, das wir oft unreflektiert übernehmen, ist der mechanistische Erklärungsansatz der Moderne, der in dem Gedankenexperiment des laplaceschen Dämons einen griffigen Höhepunkt erfährt. Pierre Simon Laplace (1749–1827) formulierte, dass einem hoch entwickelten hypothetischen Geist, „dem laplaceschen Dämon”, würden ihm in einem Augenblick die Position und Bewegungen aller Gebilde, und aller Kräfte bekannt sein, alle Zukunft und Vergangenheit offenbar wäre. Der Glaube an die prinzipiell vollständige Determiniertheit des Universums ist ein Weltbild des 18. und 19. Jahrhunderts. Es ist die Überzeugung, dass die Welt einem großen Uhrwerk gleiche, dessen Unberechenbarkeit ausschließlich unserem fehlenden Überblick geschuldet sei. Der freie Wille selbst wäre letztlich eine Illusion, denn er unterliegt dem Primat der Naturgesetze.

Eine Intelligenz, die in einem gegebenen Augenblick alle Kräfte kennt, mit denen die Welt begabt ist, und die gegenwärtige Lage der Gebilde, die sie zusammensetzen, und die überdies umfassend genug wäre, diese Kenntnisse der Analyse zu unterwerfen, würde in der gleichen Formel die Bewegungen der größten Himmelskörper und die des leichtesten Atoms einbegreifen. Nichts wäre für sie ungewiss, Zukunft und Vergangenheit lägen klar vor ihren Augen.“

Zitat: Pierre Simon Laplace, französischer Mathematiker,Physiker und Astronom (1749–1827)

Dieses Weltbild ist in der Wissenschaft überholt. Die Revolution der Quantenmechanik reduzierte den mechanischen Ansatz der Physik auf eine Wahrscheinlichkeitsfunktion. Unbestimmtheit und spontane Ereignisse ohne Ursache kehrten zurück in die Hallen der Physik, und der Wettstreit zwischen ihren Wiedersachern gipfelte 1926 in Einsteins Brief an Max Born und evt. Niels Bohr, in dem er formulierte: „Gott würfelt nicht.” Der Wettstreit ist zugunsten der Unbestimmtheit endgültig entschieden worden. Aber die Ingenieurwissenschaften bewegen sich meistens weitab von den sonderbaren Realitäten der Quantenmechanik. Und in den Schulen und Universitäten bildet das Zerlegen der Natur in simple Kausalzusammenhänge, wie es das mechanische Weltbild des vergangenen Jahrhunderts forderte, immer noch einen wesentlichen Anteil des Lehrplanes. Das ist verständlich. Erklärungsansätze der Wissenschaft, die die einzelnen Zusammenhänge der Naturgesetze in klare Strukturen aus Ursache und Wirkung zerlegen, sind der Kern unserer technischen Errungenschaften und unserer Fortschritte in der Beherrschung der Natur. Und doch sind sie ein soziokulturelles Konstrukt. Wie die Idee der Trennung von Mensch und Natur hat dieses Weltbild nur eine begrenzte Überlappung mit der Realität. Unbestimmtheit ist in Gestalt der volkstümlich als Chaostheorie bezeichneten Wissenschaft komplexer Systeme an die Seite der Quantentheorie getreten. Unberechenbarkeit ist ein elementarer Charakterzug der Natur. Und nicht nur in der Welt des ganz Kleinen. Wer heute über Nachhaltigkeit nachdenkt, muss diese prinzipielle Unberechenbarkeit und die begrenzte Beherrschbarkeit der Natur berücksichtigen.

Albert Einstein

Gott würffelt nicht.“   Zitat:Albert Einstein.

Aber es kann doch nicht unsere Aufgabe sein, Gott vorzuschreiben, wie er die Welt regieren soll.“   Zitat: Niels Bohr (seine Antwort auf Einstein)

         (Inzwischen ist der Wettstreit ist entschieden. Gott „würfelt” sehr wohl.)

 

Die mechanistischen Denkmuster des 19. Jahrhunderts beinhalteten den Glauben an die Berechenbarkeit und prinzipielle Beherrschbarkeit der Natur. Mechanistische, linear denkende Ressourcenmangagementstrategien gehen davon aus, dass z. B. Probleme in der Landwirtschaft in jedem Fall letzten Endes gelöst werden könnten. Die Komplexitätswissenschaft stellt dieses fundamental in Frage. Ein neues , bescheideneres Weltbild resultiert daraus, dass an die Stelle der Beherrschbarkeit der Natur die Aufgabe der vorsichtigen Pflege und das Ziel einer Anpassungsstrategie der Menschen an eine sich zwangsläufig und unvorhersehbar ändernde Natur stellt. Nachhaltigkeitsstrategien, die diese zwangsläufigen Veränderungen der Natur, ihr teils sprunghaftes Verhalten durch Tipping Points, ihre zyklischen Veränderungen durch z. B. den panarchischen Zyklus ignorieren, bilden die Realität nicht ausreichend ab. Sie sind ungeeignet, wirkliche Nachhaltigkeit zu erreichen, weil sie die Realität in fundamentalen Aspekten falsch verstehen. Nachhaltigkeit muss Resilienz und das Verhalten komplexer Systeme reflektieren oder letzlich scheitern.


 

 

Die Illusion von der Zähmung der Natur

Entgegen den früheren Versprechungen mehren sich die Zeichen, dass unsere Versuche, die Natur zu zähmen, regelmäßig auf unvorhergesehene Probleme stoßen. Wir nutzen Pestizide, doch die Natur formt neue „Schädlinge”. Wir optimieren die Erträge und ein Pilzbefall vernichtet eine Ernte. Wir überfischen die Kabeljaubestände, aber trotz 20-jähriger restriktiver Fangquoten erholen sich die nordatlantischen Kabeljaubestände nicht. Die anzeichen sind eindeutig, dass typische Ressourcenmanagementansätze, wie wir sie regelmäßig verwenden, die Komplexität natürlicher Sozioökosysteme fundamental vereinfachen. Die Entdeckungen der Komplexitätsforschung, dass die uns umgebenden Systeme unterschiedlichste quasistabile Zustände einnehmen können, in denen „Tipping Points”, also Grenzwerte überschritten werden und danach sich verstärkende Rückkopplungsmechanismen in Kraft treten können, ist eine der fundamentalen Einsichten der Ökologie. Manche dieser quasistabilen Zustände sind aus menschlicher Sicht nachteilignachteilig. Die grundsätzliche Unvorhersagbarkeit chaotischer Systemänderungen macht die Zähmung der Natur langfristig unmöglich. Es ist eine Illusion.

"Systemökologen benutzen mechanische „Modelle” zur Darstellung der Zusammenhänge. In diesem Modell für die Stabilität eines Systems ist die Kugel das System; tief gelegene Punkte bedeuten Systemstabilität und Pfeile zeigen Systemstörungen an. Die Form der Topologie verändert sich, bis die Kugel über den Rand (Tipping Point) in den nächsten quasistabilen Zustand rollt. Das System folgt ständig den Einflüssen der Veränderungen."

gunderson

Aus: Lance H. Gunderson, Ecological Resilience – in Theory and Application

"Es gibt keinen ‚optimalen‘ nachhaltigen Zustand eines Ökosystems, eines sozialen Systems oder der ganzen Welt. Es ist eine Illusion, ein Produkt der Art und Weise, wie wir die Dinge betrachten und unsere Welt anschauen. Es ist ein unerreichbares Ziel... und nichtsdestotrotz ein weithin angestrebtes Ziel."

  Zitat: David Walker und Brian Salt, Autoren von Resilience Thinking, Sustainig Ecosystems and People in a Changing World

Ohne Resilienz keine Nachhaltigkeit / Panarchie

Die Wissenschaft ist auf eine Form von Systemveränderungen gestoßen, die noch interessanter ist als Umkipppunkte in komplexen Systemen. Die bedeutsamsten Veränderungen in Ökosystemen, so wurde entdeckt, sind zyklische Veränderungen. Diese Veränderungen laufen regelmäßig nach dem gleichen Grundmuster ab. In einem neu zu erschließenden Habitat erschließen zunächst generalistische Pioniere die Landschaft (Erschließungsphase). Während ihrer Ausbreitung entstehen im Laufe der Zeit immer höhere Formen der Spezialisierung. Die Biomasse erhöht sich und wird immer stärker in spezialisierten Formen gebunden, die von immer spezifischeren Lebensbedingungen abhängig sind (Konservierungsphase). Neue Pioniere haben es zunehmend schwierig, in den verbliebenen Nischen des Ökosystems heimisch zu werden. Zugleich sorgt die immer stärkere Konzentration der Biomasse in immer weniger, aber dafür spezialisierteren Lebensformen dafür, dass der Schwund anpassungsfähiger Generalisten die Resilienz des Gesamtsystems reduziert. Wo Extremsituationen wie Dürre oder Gewitter ehemals von der Resilienz des Systems abgefangen werden konnten, kann nun ein einfaches Feuer oder ein Pilz das ganze Ökosystem zum Kollaps führen (Freisetzung). Die Biomasse wird freigesetzt und in der anschließenden Phase der Reorganisation beginnt ein neuer Zyklus, in dem oft das alte System neu aufgebaut wird oder eine neuen Form von Ökosystem entsteht. Panarchiezyklen können über Tage und Jahrtausende, in der Größenordnung von Blättern und Kontinenten stattfinden. Daher der Begrif Panarchie (Herrschen über alles). Offensichtlich beschränken sich Zyklen der Panarchie nicht nur auf die Biosphäre. Die Entwicklung und Verbreitung von Wirtschaftsunternehmen scheint streng analogen Mechanismen zu folgen. Panarchie ist eine allgemeine Systemeigenschaft komplexer Systeme und nicht nur der Ökosphäre.

Panarchie

Panarchie

 

Wenn zyklische Veränderungen wie die Panarchie unsere Lebensumwelt bestimmen und wenn Tipping Points und nichtlineare Abhängigkeiten langfristig die Veränderungen unserer Lebensgrundlage dominieren, dann müssen wir von Ressourcenmanagementansätzen absehen, die auf die Optimierung einzelner Parameter wie der Ernteerträgen abzielen. Strategien wie diese erzeugen Systemzustände, die der Konservierungsphase des adaptiven Zyklus sehr nahe kommen, und der der Kollaps folgt. Das System wird unflexibel, zerbrechlich und anfällig für externe Schocks. Auch die Strategien der globalen Ökonomie laufen in die Richtung fortlaufender Effizienzsteigerungen, Ressourcenkonzentration und zunehmender Spezialisierung. So betrachtet befindet sich die gesamte Ökonomie inzwischen nahe der hochanfälligen Konservierungsphase eines adaptiven Zyklus, nahe am Kollaps. Die neue Nachhaltigkeit kann ohne Resilienz und ohne das Verständnis solcher Systemdynamiken nicht dauerhaft funktionieren. Aus der Komplexitätsforschung und den Erkenntnissen der Ökologie resultiert damit eine neue, bescheidenere Strategien für Nachhaltigkeit.


 


Grundsätzliche Richtlinien für Resilienz und Nachhaltigkeit

Aus dem Verständnis komplexer Systeme wie der Wirtschaft und der Ökosphäre resultieren ganz logisch Richtlinen für Nachhaltigkeit, die den unvermeidbaren Wandel der Natur, der Ökonomie und der sozialen Systeme widerspiegeln. Es ist ein weitaus bescheidenerer Ansatz, der dem Wandel statt mit starkem Widerstand mit Flexibilität begegnet. Nachhaltigkeit integriert damit das Konzept der Widerstandsfähigkeit, der Resilienz. Wollen wir zum Beispiel unsere schwindende Energieversorgung durch erneuerbare Energien substituieren so weit dieses möglich ist, so würde dieser Ansatz vielfältige sich ergänzende und dezentrale Systeme gegenüber Großprojekten wie Desertec bevorzugen. Die Kehrseite ist ein nicht zu vermeidender Verlust an Effizienz, da viele Systeme oft redundante mehrfache Bauteile benutzen. Die interessante Frage ist, wo das Optimum zwischen Effizienz und Resilienz liegt.

Resilienz integrieren

Wandel ist unvermeidbar. Der Versuch, dem Wandel zu widerstehen oder ihn zu kontrollieren, ist durch die Eigenschaften komplexer Systeme zum Scheitern verurteilt. Das Ziel ist nicht die Zähmung der Natur oder die starre Festlegung der Ökonomie, sondern die Entwicklung von Anpassungsstrategien an die sich unvermeidlich verändernde Welt. Die Welt ist nichtlinear, also müssen wir dieses berücksichtigen.

Andauerndes Wachstum und die Optimierung einzelner Parameter vermeiden

Ökosysteme, die die Grundlage unserer Lebensweise bilden, haben nur eine begrenzte Leistungsfähigkeit. Diese darf nicht überschritten werden. Auch die Maximierung einzelner Systemelemente wie zum Beispiel der Ernteerträge sollte vermieden werden, da es das System anfällig gegenüber Störungen macht. Das Ziel ist eine „Steady-State”-Ökonomie. Steady State bedeutet aber nicht „starr”, sondern dass die Ökonomie ihre Gesamtgröße beibehält. Innerhalb dieses Rahmens ist Flexibilität erwünscht.

Die Ökonomie und Ökosysteme anders managen

Artenvielfalt, Systemintegrität und die Bedürfnisse der Arten berücksichtigen. Vermeiden, dass die Konservierungsphase des adaptiven Zyklus eintritt. Äquivalent dazu die Vielfalt in der Ökonomie stärken. Damit einhergehend:

Finanz- und Ressourcenkonzentrationen vermeiden

Die Konzentration von Ressourcen und Versorgungsstrukturen auf wenige Akteure reduziert die Resilienz und erhöht so die Störungsanfälligkeit. So müssten beispielsweise Firmenverschmelzungen oberhalb einer kritischen Größe begrenzt werden. Äquivalent dazu müssen Monokulturen und die Konzentration von Biomasse auf wenige Spezies vermieden werden. Vielfalt erhöht die Resilienz gegenüber Veränderungen.

Redundante Systeme

In Versorgungsstrukturen investieren, die weniger auf Effizienz als auf Redundanz setzen, und die prinzipiell regionale Versorgung gegenüber den globalen Systemen bevorzugen. In Ökosystemen die Artenvielfalt erhöhen und den Pflanzenbewuchs (vergleichbar mit sich gegenseitig unterstützenden Ökosystemen) diversifizieren. Dieses erhöht unter anderem den Erosionsschutz.


 

 

Die bioregionale Stadt

Das 21. Jahrhundert wird geprägt

sein von Herausforderungen, wie sie sich der Menschheit in dieser Form noch nicht gestellt haben. Die zunehmende Bevölkerung wird zu einer weiteren Verstädterung führen. Während nach verschiedenen Prognosen die Weltbevölkerung bis 2050 ihr Maximum zwischen 8 und 10 Milliarden Menschen erreichen wird, wird der Anteil der Bevölkerung, der in Städten lebt, von heute 50 % auf dann ca. 70 % ansteigen. Zugleich müssen wir feststellen, dass die Menge der fruchtbaren Böden weltweit, die für eine weitere Nutzbarmachung für die Nahrungsmittelversorgung zur Verfügung stehen, ihr Maximum bereits erreicht hat. Größere Anbaugebiete wären lediglich in Weltregionen verfügbar, die wie die Sahelzone klimatisch ungeeignet sind oder wie die Regenwälder ökologisch unverzichtbar. Zudem sind die Humusschichten in diesen Regionen bereits geringmächtig und nach einer kurzen intensiven Nutzung dauerhaft erodiert und unfruchtbar. Siedlungsräume, die sich weiterhin ausbreiten, üben einen zusätzlichen Druck auf unsere Nahrungsmittelversorgung aus, da sich Siedlungsraum für gewöhnlich dort ausbreitet, wo die besten Böden zu finden sind. So haben zunehmende Siedlungstätigkeit und die großindustrielle Landwirtschaft seit 1950 zu einer dauerhaften Degenerierung fruchtbarer Böden durch Versalzung, Erosion und Versiegelung von 25 % bis 30 % der globalen fruchtbaren Flächen geführt. Dieser Verlust ist weitgehend irreversibel, da die Regenerierung der Humusschichten Jahrhunderte benötigt. Spätestens bis zur zweiten Hälfte des Jahrhunderts wird sich die fossile Energieversorgung insbesondere des Öls dramatisch zuspitzen. In der Folge wird die industrielle Landwirtschaft deutlich unter finanziellen Druck geraten, da die fossilen Grundlagen für Düngemittel und Traktoren schrumpfen werden. In der Summe kann man sagen, dass wir uns durch biologischen Anbau ernähren werden oder gar nicht. Damit wird die Notwendigkeit zurückkehren, die zerbrochenen Nährstoffkreisläufe zu schließen. Zurzeit merken wir nichts vom Nährstoffverlust der Äcker, weil die industrialisierte Landwirtschaft und synthetische Düngemittel diese Entwicklung verdecken. Der Rückgang der fossilen Energieversorgung wird zugleich vollkommen neue Mobilitätskonzepte erzwingen. Weitgehend elektrifizierte Massentransportmittel in Verbindung it der Stadt der kurzen Wege können eine erste Antwort darauf sein. Wir werden dafür sorgen müssen, dass Arbeit und Wohnen noch enger miteinander verzahnt werden. Und wir werden von globalen Transportketten so gut es geht auf regionale Versorgungsmodelle umschalten müssen. Auch gibt es eine starke soziale Komponente der Nachhaltigkeit. Wo mehr Menschen sich weniger Güter, Werkzeuge und physische Grundlagen teilen müssen, müssen wir Architekten Grundlagen schaffen, dass Gemeinschaft statt Privatbesitz leichter organisiert werden kann. Der Durchschnittsbürger der Zukunft wird ärmer sein und wird sich vielleicht nur die Bohrmaschine und nicht zusätzlich die Säge leisten können. Doch wenn die Gemeinschaft zu einem Austausch der Güter führt, ich meinen Bohrer verleihe und dafür die Säge benutzen kann, reduziere ich die Notwendigkeit für 50 % der Güter. Und das Faszinierende daran könnte sein, dass an die Stelle von physikalischem Wachstum soziale Beziehungen treten. All dieses führt zu ersten Richtlinien und Ideen für eine Architektur der Zukunft. Kein Bereich unserer Kultur wird von den Veränderungen verschont bleiben. Wir werden uns in vielen Dingen ganz neu orientieren, uns neu erfinden müssen. Statt auf mehr werden wir den Fokus auf besser legen. Statt auf Wachstum auf Bewahrung, statt auf Effizienz auf Widerstandsfähigkeit. Statt auf Größe auf Kleinteiligkeit und Maßstäblichkeit, statt auf Einheitlichkeit auf strukturelle Vielfalt.

Die Stadt als menschliches Ökosystem verstehen

Die Stadt ist nur der konsumierende Knotenpunkt im Zentrum eines viel größeren Systems, ohne dessen Input die Stadt nicht funktionieren kann. Diese neue Auffassung ist die Basis für alles Weitere.

Räumliche Konsolidierung der versorgenden Ökosysteme

Möglichst vollständige Konsolidierung der versorgenden Ökosysteme um die bioregionale Stadt. Globaler Handel wird zunehmend schwierig werden in einer nach Peak Oil schrumpfenden Welt. Wir benötigen also eine Förderung regionaler Versorgungsstrukturen

Wiederherstellung der ökologischen und Nährstoffkreisläufe

Nährstoffkreisläufe müssen im Gegensatz zu heute wieder vollständig geschlossen werden. Wir Architekten müssen mit den Ökologen und den Landwirten darüber ins Gespräch kommen, wie wir dieses umfassend und einfach, aber auch technisch robust realisieren können. Ohne energieintensive, chemisch synthetisierte Düngemittel und den Großeinsatz von Pestiziden auf riesigen Monokulturanbauflächen wird unsere derzeitige Nahrungsmittelversorgung ansonsten in einigen Jahrzehnten kollabieren. Es gibt bessere Alternativen.

Tragfähigkeit

Langfristig sollte die Bevölkerungsdichte nicht über der regionalen Tragfähigkeit der Region liegen (sehr schwierig und umstritten).

Die essbare Stadt

Bis 2050 werden die wachsende Bevölkerung, die schrumpfende nahrungsproduzierende Erdoberfläche, der Rückgang fossiler Treibstoffe und der daraus folgende Anstieg der Düngemittelpreise die pro-Kopf-Verfügbarkeit an Nahrungsmitteln weltweit zurückgehen lassen. Wir werden uns Ziergärten und Parks mit hübschen Rasenflächen nicht mehr leisten können. Wir werden jeden verfügbaren Freiraum der Städte nutzen, um den Einwohnern die Chance zu bieten, sich mit gärtnerischen Tätigkeiten eine Grundversorgung zu sichern. Permanente Agrikultur (Permakultur), bei uns in einer Form auch als „Urban Gardening“ bekannt, ist einer der wesentlichen Bausteine bei der Bewältigung zukünftiger Nahrungsmittelprobleme. Politik, Bildung und Architektur sollten dieses fördern, wo sie können. Weshalb nicht der essbare Park? Warum nicht Nussbäume statt Tannen? Wenn wir dieses als Gestaltungskonzept in den Städtebau integrieren, entschärfen wir das Nahrungsproblem der Zukunft und erhöhen zugleich die Lebensqualität und die Aufenthaltsqualität des städtischen Raumes. Von Anfang an eingeplante Gemeinschaftsgärten erhöhen zudem den sozialen Zusammenhalt der Bevölkerung und der Stadtquartiere. An die Stelle der großstädtischen Anonymität tritt sozialer Kontakt.

Die soziale Dimension der Nachhaltigkeit

Die Zukunft wird einen erheblich sparsameren, schonenderen und verantwortungsbewussteren Umgang mit Rohstoffen benötigen. Die Einwohner der Städte werden nicht in der Lage sein, Wegwerfprodukte zu konsumieren. Das bedeutet für das Handwerk eine großartige Chance. Reparieren statt wegwerfen. Architekten können von Anfang an soziale Entwicklungen dieser Art in ihren Entwürfen unterstützen. Reparaturwerkstätten sind eines einer Reihe begrüßenswerter Elemente unserer sozialen Zukunft. Auch hier gilt: Nachbarschaftshilfe, Gemeinschaftswerkstätten und Vereine, die die Gebrauchsdauer unserer Güter verlängern, können von uns durch bauliche Maßnahmen unterstützt werden.

Omas Schatzkiste

Vieles, was unsere Großeltern bereits wussten, werden wir wiederentdecken. Von der „Kochkiste“ über die Lagerung und Haltbarmachung von Nahrungsmitteln bis hin zur Rückkehr der Speisekammer oder des Kartoffelkellers.

Verdichten. Was sonst?

Der Energieverbrauch europäischer Gebäude hat sich in den letzten Jahrzehnten halbiert. Zugleich ist die pro-Kopf-Wohnfläche auf das Doppelte angeschwollen. In der Summe hat der Rebound-Effekt unsere Einsparungen zunichte gemacht. Wir müssen uns als Architekten bemühen, aufs Neue die optimale lebenswerte Minimalwohnung zu gestalten. Als Ausgleich wird der städtische „Innenraum“ eine Qualitätsverbesserung benötigen. Die essbare Stadt kann auch hier einen Beitrag leisten.

Stadtflucht

Nur eine Doppelstrategie wird helfen. Obgleich wir die Wohnquartiere verdichten müssen, wird es nötig werden, einen erheblichen Anteil der Bevölkerung zu einem ländlichen Leben zu motivieren. Peak Oil wird uns in umfassendem Maß die Fähigkeit nehmen, mit nur 2 % landwirtschaftlich tätiger Bevölkerung die Nahrungsversorgung sicherzustellen. 20 % bis 30 % der Bevölkerung werden in landwirtschaftliche Kleinbetriebe zurückkehren müssen. Das bedeutet ganz sicher eine Bodenreform, um die wir kaum herumkommen werden. Zudem zeigte sich in der gesamten Geschichte, dass Kleinbetriebe im Unterschied zu großen Landwirtschaftsunternehmen oder Pächtern eine weit höhere Motivation haben, auf langfristige Bodenfruchtbarkeit zu achten und langfristigen Erhalt gegenüber kurzfristiger Gewinnmaximierung zu favorisieren.

Stadt der kurzen Wege

Transportenergie wird knapp werden. Daher ist die beste Strategie die Stadt der kurzen Wege. Das bedeutet, dass Arbeit und Wohnen möglichst nah beieinander liegen sollten, um die Notwendigkeit von Transport zu minimieren, und zum anderen, dass die produzierenden Betriebe in die Regionen zurückkehren sollten.

Forcieren des elektrifizierten Schienenverkehrs, konsequentes Vermeiden des Autos

Elektrizität ist vorläufig der einzige Anwärter auf eine nennenswerte Energieversorgung der Zukunft. Damit erhalten elektrifizierte Verkehrssysteme einen neuen, viel höheren Stellenwert in der Stadt der Zukunft. Bei richtiger Planung werden zudem riesige asphaltierte Flächen in den Städten überflüssig und damit frei für eine Renaturierung oder Urban Gardening. Man stelle sich einmal mitten in der Großstadt Vogelgezwitscher statt Straßenlärm vor. Und nur zwischendurch die Geräusche von Straßenbahnen. (Von wegen die Zukunft ist Grau und trüb).

Maßstäblichkeit

Die verdichtete Stadt muss maßstäblich bleiben. Gemeint sind nicht gigantische Riesenstädte, sondern auf die Mobilitätsgrenzen der Zukunft zurechtgeschnittene Quartiere, die den Bewohnern die Möglichkeit geben, ihren Gemeinschaftsgarten oder ihren vom Quartier unterstützten Landwirtschaftsbetrieb einfach erreichen zu können. Gigantische Stadtkonglomerate wie Tokio werden es sehr schwer haben, innerhalb des notwendigen riesigen Einzugsgebietes des sie versorgenden Umlandes den Transport der Waren, Güter und der Nahrung zu realisieren. Es gibt ein noch zu ermittelndes Optimum aus Stadtkonzentration, Stadtgröße und Einzugsgebiet und den Transportmöglichkeiten in der nachfossilen Stadt.

Versorgungspuffer und Redundanzen (allgemeine Resilienz der Großstrukturen)

Ausreichende und größere Speicher für Wasser und Nahrung als heute. Dazu wichtige Versorgungsstrukturen redundant integrieren, wo es möglich ist.

Resilienz im Kleinen integrieren

Nicht alleine technische Effizienz, sondern auch Robustheit muss ein bestimmendes Merkmal der Gebäudetechnik werden. Was nützt mir ein noch so effizientes Hightech-Bauteil, das ich nur mithilfe einer Hightech-Industrie der Zukunft reparieren oder ersetzen kann, die auf „Economies of Scale“ angewiesen ist, die die Zukunft nicht haben wird.

Bautechnik

Energiesparendes Bauen ist zwingendes Gebot. Doch bisher wird die Entwicklung der Gebäudetechnik unzulässigerweise linear in die Zukunft extrapoliert. Wir müssen begreifen, dass die Entwicklungshöhe von Technik abhängig ist vom Grad der Vernetztheit der Wirtschaft und der Fähigkeit, hoch komplexe und preiswerte Vorprodukte, verteilt über den gesamten Planeten, bereitzustellen. Steuertechnik in Hightech-Nullenergiegebäuden basiert auf weltweiten Produktionsketten. Zudem ist Mikroelektronik abhängig von sogenannten „Economies of Scale“ – erst gigantische Stückzahlen machen Mikroelektronik erschwinglich. In einer Welt nach Peak Oil werden wir jedoch ärmer und unsere Fähigkeit, globale „Economies of Scale“ zu erhalten, wird schrumpfen. Für unsere Gebäudetechnik bedeutet dies, dass nachhaltig vor allem Techniken sind, die aus regional produzierbaren und einfach zu reparierenden Baustoffen produziert werden können.

Selbständigkeit

Städte sollten möglichst viel der zu ihrer Versorgung nötigen Rohstoffe und Nahrungsmittel selbst herstellen können. Handel bleibt möglich und ist vielfältig sinnvoll. Doch wir sollten in den essenziellen Bereichen nicht abhängig sein von weit entfernten Orten. (Wenn nötig betreibe Handel, doch vermeide Handel, wenn es regionale oder lokale Lösungen gibt.)

Bioregionale Cityverwaltung

Die Stadt muss das sie umgebende, sie versorgende Umland selbst verwalten können.


 

Eine bioregionale Stadt wird wirtschaftlich und energetisch ärmer, widerstandsfähiger, kleinteiliger, flexibler und gemeinschaftlicher sein, als es unsere heutigen Metropolen sein können. Wenn wir akzeptieren, dass technische Lösungen alleine nicht ausreichen, dann liegt es auf der Hand, dass wir unseren Lebensstil werden ändern müssen. Lebensmodelle und erste Pioniere, die bereits Bausteine für diese Entwicklung vorführen, gibt es rund um den gesamten Planeten. Das Begeisternde daran ist, dass die Angst vor einem solchen Leben vollkommen unbegründet ist. Es ist regionaler, einfacher, langsamer, und genügsamer. Aber es ist außerdem erfüllt, sinnstiftend, begeisternd, kommunikativer, mitmenschlicher und sozial erfüllender als der hyperaktive Konsum anonymer Großstädte.

Guter Artikel? Wertschätzung per: Flattr this! Bitcoin-Adresse: 197sddH9NhoSXuQLKx6pTSSe6oEJPf9xNa

106 Kommentare to “Resilienz – und – Nachhaltigkeit”

  1. Hendrik Altmann sagt:

    Wirklich guter Artikel Tom Schülke und danke für das posten hier.

    Zur Effizienz und Komplexität ein paar Gedanken.

    Wie wir wissen sinkt der Erntefaktor bei der Energiebereitstellung seit einigen Jahrzehnten stetig ab, da der Aufwand Energieressourcen, sowie auch andere Ressourcen zu fördern, immer weiter ansteigt.

    Beispiel sind Fracking Teesandförderung und der immer geringere Erzgehalt in den Minen der Welt.

    Wirtschaftlich und Systemisch hätte das schon vor Jahrzehnten zum Kollaps geführt, wenn da nicht eine immer höhere Effizienz bei der Nutzung von Energieressourcen bei der Produktion und einfach allem für eine insgesamt besseres Verhältnis von Energie Input zu Produktivität geführt hätte.

    So kann man sagen das höhere Komplexität zu besserer Effizienz und bessere Effizienz zu höherer Komplexität führt.

    Die immer weiter steigende Effizienz wirkt dem fallenden Erntefaktor bei der Energiebereitstellung entgegen, sorgt dafür das wir auch weiter Forschungslabore, Universitäten Bildung in dem Maße wie heute betreiben können und weiter Effizienzsteigerungen erwarten können.

    Den der Erntefaktor wird auch in Zukunft immer weiter abfallen bei der Energieerzeugung, der Erzgehalt in den Mineral Minen immer geringer werden.

    So ist Spezialisierung essentiell für den weiteren Erhalt unseres Zivilisations Modells.

    Wenn wir die Komplexität reduzieren verlieren wir die Fähigkeit mit Effizienzgewinnen dem stetig abfallenden Erntefaktor ERoEI entgegen zu treten, was direkt in eine Abwärtsspirale führen würde den geringere Komplexität führt zu geringerer Effizienz führt zu niedriger Komplexität.

    Bestes Beispiel aus der Natur sind die Regenwälder die auf Nährstoffarmen Böden stehen, unglaublich komplexe Biosysteme, mit hoher Effizienz Ressourcen wiederzu verwerten und optimal zu nutzen, ja vielleicht sind diese Systeme anfällig für Veränderungen aber nur mit hoher Spezialisierung sind derart komplexe Systeme möglich.

    Ich hoffe das, dass Buch ein Erfolg wird.

  2. Hendrik Altmann sagt:

    Noch ein paar Gedanken zur Stadtflucht und der Landwirtschaft in der Zukunft ohne fossile Energieträger.

    Im Mittelalter arbeiteten ca. 60-70 % der Bevölkerung in der Landwirtschaft, im Jahre 1900 hat ein Landwirt Nahrung für sich und 4 weitere Personen erwirtschaftet.

    Natürlich haben 1900 oder noch weiter zurück keine 80 Millionen Menschen in Deutschland gelebt und es ist illusorisch zu denken das wir genug Boden haben, das ein Großteil der arbeitsfähigen Bevölkerung in der Landwirtschaft arbeiten kann.

    So wird es zwangläufig zu einer Verknappung von Lebensmitteln kommen, einen sehr wichtigen Bedarfsgut, unter diesen Umständen denke ich wird man niemanden motivieren müssen die Städte zu verlassen und aufs Land zu ziehen, weil das Leben in der Stadt so kaum eine Zukunft bietet.

    Auch dürfte es schwierig sein Gärten in der Stadt vor Zugriff zu schützen wenn Lebensmittel so knapp werden.

    Und selbst wenn man Urban Gardening massiv betreiben würde, so wäre der Ertrag dieser Flächen nur ein Tropfen auf den heißen Stein gemessen an der Gesamtbevölkerung, ein Erwachsener Mann benötigt 3KG Kartoffeln am Tag zum überleben als Energie äquivalent , es dürfte sehr schwierig werden für eine Stadt, auch nur einen Monat aus Selbstversorgung zu Überleben.

    • Tom Schülke sagt:

      Hallo Hendrik,

      Ja, Investitionen in Komplexität zahlen sich für eine Zivilisation aus. Zumindest für eine ganze Weile. Das ist ja auch einer der Hauptantriebe so Tainter für die zunehmende Komplexität von Kulturen.

      Das Problem ist nur das uns Investitionen in effizienzsteigernde Strukturen nicht dauerhaft vor den sinkenden EROIS und Grenzgewinnen dieser Welt retten können. Wäre es anders , wären viele der kollabierten Zivilisatonen dieser Welt nie verschwunden. Am Ende siegt die Physik über unsere Bemühungen dem sinkenden EROEI entgegenzutreten.

      Nun gibt es natürlich eine Form von Innovation die sinkende Grenzgewinne irreltvant macht.

      Fundamentale Basisinnovationen. Deshalb haben Öl, Kohle und Gas mit fundamental anderen Grundparametern, die sinkenden Grenzgewinne aus der Abholzung der Europäischen Wälder die zu dem Zeitpunkt schon deutlich überansprucht wurden völlig obsolet werden lassen. Das ganz neue System der fossilen Energieträger hat damit alle Sorgen um das Ende der europischen wälder, deren sinkende Grenzgewinne bereits deutlich zu erkennen waren, irrelevant gemacht..

      … so lange natürlich bis dieses neue System.. das fossile Energiesystem , sich seinen ganz eigenen Grenzgewinnen nähert.. Innovationen können dieses Strecken, aber solange es keine Basisinovationen sind, können sie das Problem nur hinauszögern.

      (Natürlich gibts die technooptimisten die meinen Rückckopplungseffekte werden unsere Fähigkeit Basisinovationen für alle Zeiten zu entdecken und zu realisieren für immer steigern, so das wir NIE auf ein Limit, absolute Grenzen stoßen werden.. lasst uns nur weiter den Pfad des technischen Fortschritts begehen und alles wird gut..)

      In der Biologie jedoch ist dieses Streben nach mehr Effizienz nie alleiniger Motor der Entwicklung. Totale Spezialisierung und dadurch maximale Effizenz führt dazu das das System gegenüber externen Schocks.. extrem anfällig werden kann.

      Die Analogie zu diesem Verhalten findet man in der Ökonomie eindeutig in gewaltigen Firmenzusammenschlüssen, extremer Spezialisierung, und der Schwierigkeit neuer Marktteilnehmer als Neulinge in einen bereits besetzten Markt vorzudringen…

      Wo früher Generalisten gute Chancen hatten, sind nun hochspezialisierte Akteure die letzen überlebenden… und wenn am Ende nur noch eine einzige Prozessorfabrik den einen überchip herstellen kann und die Fabrik abbbrennt, gibts keine redundanten Prodkukte mehr…

      Im Kern ist der Gedanke in diesem Ausschnitt meines Textes doch, das wir in das System dringend mehr Resilienz integrieren müssten.. mehr Redundanzen, mehr Kleinteiligkeit, auch auf Kosten von Effizienzen. Einfach deshalb, weil wir nicht dauerhaft gegen die sinkenden EROEIS dieser Welt anrennen können.

      Und das können wir in größerem Umfang nur solange eine tiefgreifende Krise noch nicht eingetreten ist.

      • Hendrik Altmann sagt:

        Naja das Problem ist das wir eben fallende ERoEIs haben.

        Wenn wir jetzt Komplexität und Spezialisierung zurück fahren haben wir direkt den Kollaps, und ja es ist richtig das die Effizienz Gewinne immer kleiner werden und für die Aufwände für diese Gewinne immer höher.

        Aber was ich hier höre an Vorschlägen führt genau zu das was peak energy sowieso bedeutet bedeutet, dem Zusammenbruch unseres Wirtschaftssystems, ein Zusammenbruch ob langsam oder schnell ist nie gut, führt zu vielen toten, viel leid usw.

    • Tom Schülke sagt:

      Noch ein Gedanke…

      Sollte es tatsächlich so sein, das wie Du sagst, ein zurückrudern der Effizienz des Systems, zu verlust an Komplexität, zu noch wenige Effizienz führt, dann würde der Aufbau von Resilienzen, der Mutwillige verzicht auf Effizienz zu gunsten von Wiederstandsfähigkeit ja zwangsläufig in einen Kollaps führen.

      Dann hätten wir das Dilemma das wir entweder auf teufel komm raus die Effizienz des Systems in den Himmel treiben, wohl wissend das wir am Ende doch verlieren werden, und wenn wir gezielt Effizienzen zu gunsten von Redundanzen und Resilienz opferten, dann wäre der Effekt der sofortige Kollaps..

      in dem Fall angenommen so ist es, hätten wir nur die Wahl zwischen Kollaps sofort und Kollaps später dann aber von noch größerer Fallhöhe..

      ist das tatsächlich zwangsläufig so ? Das stelle ich hier in Frage..

      STefan Wietzke äußerte sich ja in früheren Beiträgen so, das er eigentlich nur die Flucht nach Vorne sieht.. zb. in Kernkraft der 4. Generation und später in zb. Kernfusion..

      • Stefan Wietzke sagt:

        Du siehst das aus meiner Sicht völlig richtig. Die Produktivität einer Gesellschaft lässt sich nur über zwei Methoden erhöhen:

        1. Optimierung. Dafür gibt es nur zwei Methoden. Arbeitsteilung und Skalierung (Größe). Die erste Methode reduziert die Komplexitätsverluste in den Einzelteilen eines Systems und das zweite minimiert die Rüstaufwände.

        Optimierungen haben aber das Problem das es immer ein physikalisch bedingtes Optimum gibt. Es wird also immer eine Grenznutzenkurve abgefahren. Und die läuft immer gegen einen Grenzwert.

        2. Ersatz von Arbeit durch Fremdenergie. Das bedeutet nichts anderes als jemand anderen zu finden der unsere Arbeit macht. Hierfür gab es in der Geschiche genau zwei Superinnovationen die uns jeweils massiv vorangebracht haben. Die erste war die „Gentechnik“, also die Entwicklung von Landwirtschaft und Viehzucht. Mit dieser Methoden haben wir die Produktivität der Biosphäre zu unseren Zwecken umgelengt. Die zweite Superinnovation war die Entdeckung der Kohleverkoksung, die uns eine mächtige steuerbare Energiequelle geliefert hat.

        Man kann sogar die ganze Evolutionsgeschichte als Energieoptimierungsprogramm interpretieren.

        Sind überhaupt die Bedingungen für die Entwicklung chemisch komplexer und stabiler Moleküle vorhanden (nicht zu „kalt“ und ein Lösungsmittel damit überhaupt Reaktionen ablaufen können und nicht zu „heiß“ damit komplexe Moleküle nicht wieder zerstört werden) dann startet immer ein Evolutionsprozess.

        Der endet immer auf der Komplexitätsstufe die durch die zur Verfügung stehende arbeitsfähige Energie (Exergie) bestimmt wird. Deshalb gab es auf der Erde über die längste Zeit nur Einzeller. Mehr Energie stand nicht zur Verfügung. Die letzte Totalvereisung der Erde vor 600 Millionen Jahren hat dann durch Sublimation den Sauerstoffgehalt der Erdathmosphäre steigen lassen, was es dann erlaubte einen Sauerstoffstoffwechsel zu etablieren, der mehr arbeitsfähige Energie bereit stellen kann als anärobe Mechanismen. Da setzte dann der nächste Komplexitätsschub ein.

        Heute gehen Antropologen davon aus das das große Gehirn des Menschen nur deshalb entstehen konnte weil er innerhalb seiner Gruppen die Kooperation und damit die Arbeitsteilung erhöht hat. Das erhöhte die Produktivität und machte es erst möglich genug Güter zu produzieren um Nachkommen zu produzieren deren Komplexität eine Entwicklungszeit von vielen Jahren erfordert. Denn ein einzeln lebender Mensch kann die notwendigen Überschüsse nicht erzielen. Das war dann ein sich selbst verstärkender Prozess. Mehr Zusammenarbeit, => mehr Produktivität=> mehr Gehirn. Mehr Gehirn ermöglichte dann komplexere Zusammenarbeit, was den Kreislauf schließt.

        Also anders ausgedrückt: Mehr „freie“ Energie, mehr Komplexität. Vor etwa 100.000 Jahren hatten wir dann das Ende dieser Entwicklung erreicht und es hat sich nicht viel getan. Eben bis zur Erfindung der Landwirtschaft, dann wieder 6000 Jahre Optimierung, dann verharren auf diesem Niveau (mit gewissen kulturellen Auf- und Abs) und schließlich vor 200 Jahren Start der industriellen Revolution.

        Ich habe mich in letzter Zeit noch mal intensiv mit den Überlegungen Tainters auseinander gesetzt. Sein Grenznutzenargument ist stimmig. Aber ich habe mir die Frage gestellt warum sich dann die Kulturen nicht an der „Grenzfläche“ stabilisiern. Sie können sich zwar weiterhin verändern aber sie müssen ja komplexer werden. „Anders“ ist ja nicht gleich zu setzen mit „komplexer“.

        Am Beispiel des Imperium Romanum ist mir da eine Idee gekommen. Den Übergang von einem expansiven zu einem statischen Reich haben die Römer unter Hadrian und in den folgenden Jahrhunderten ganz gut hinbekommen. Wenn man aber mal die Klimageschichte mit der römischen verschneidet dann fällt da was auf. Denn die äußeren Krisen die schließlich zum Untergang des Imperiums führen waren keineswegs größer als in den Jahrunderten zuvor. Aber anscheinend war das Reich nicht mehr in der Lage als Ganzes darauf zu reagieren. Wenn man sich aber die Klimageschichte ansieht gibt es ein Indiz dafür. Denn ab dem 4. Jahrhundert wurde es signifikant kälter und trockener. Das reduziert die Biomasse-Produktion (nicht nur Nahrung, sondern auch sonst alle wichtigen Bioresourcen). Damit sinkt die Produktivität. Da das Reich aber bereits an der Grenznutzenkante operierte waren die äußeren Bedingungen zur Aufrechterhaltung des Komplexitätsgrades nicht mehr gegeben und es trat ein zivilisatorischer Rückbauprozess ein.

        Neue Erkentnisse auch in Bezug auf die Osterinseln und die Maya haben ebenfalls gezeigt das die Idee einer ökologischen Katastrophe wahrscheinlich nirgendwo zutrifft. Sondern auch dort zeichnen sich ähnliche Produktivitätsprobleme ab. Und in den allermeisten Fällen wurden die extern getriggert.
        Wobei dann ein negativer Rückkopplungseffekt eintritt. Die sinkende Produktivität vermindert die Freiheitsgrade und Handlungsmöglichkeiten, was wiederum die Krise verschärft was dann die Produktivität weiter zurückgehen lässt.

        Und hier kommen wir zu dem Wiederstandsproblem. Erhöht man die Redundanzen dann verliert man Größenvorteile. Das führt automatisch zu einer verringerten Produktivität. Was bedeutet das der Wohlstandslevel sinken muss. Denn das was ich nun für Redundanz aufwende steht nicht mehr als Konsumgut zur Verfügung.

        Das ist wie in Russland. Die robusten LKW von denen kann man mit einem Hammer auch in der Taiga reparieren. Aber das Wohlstandsniveau ist dort auch signifikant niedriger als bei uns.

        Was dabei nur immer vergessen wird: Ein niedrigeres Wohstandsniveau bedeutet eben nicht nur ein paar Gudies weniger sondern auch weniger Bildung, weniger Gesundheitsversorgung, weniger Rentenezeit, weniger soziale Absicherung und damit auch eine verringerte Lebenserwartung.

        Deswegen meine Aussage dazu: Arbeitsfähige Energie auf einem ausreichenden EROI ist eigentlich das einzige echte Problem das wir haben. Gibts genug davon lassen sich alle anderen Probleme lösen, gibts zu wenig davon lässt sich überhaupt kein Problem lösen.

  3. Stefan Wietzke sagt:

    Da sind viele Ansätze drin über die man ausführlich diskutieren kann und auch sollte.

    Was mir zuerst auffällt ist die Vermischung von mehrern Themen die alle wichtig sind aber getrennt diskutiert werden sollten, da zwischen ihnen kein inhaltlicher Zusammenhang besteht.

    Folgende Themenfelder habe ich für mich identifiziert:

    – Erhöhung der Effizienz bei der Produktion und dem Umgang mit Gütern.

    – Fragen der gesellschaftlichen Organisation und Machtverteilung

    – Subsidarität

    – Eine gewisse Romantisierung von Vergangenheit und „Kleinteigkeit“

    Hinzu kommt das wir erst einmal eine Reihe verwendeter Begriffe sehr genau definieren müssen die inzwischen in der öffentlichen Debatte nur noch als Buzzwords zum auslösen pawlowscher Reaktionsmuster verwendet werden. Auch wenn die hier nicht so gemeint sind.

    Dazu gehören:
    – Nachhaltigkeit
    – ökologischer Fussabdruck
    – Tragfähigkeit
    – Ökosystem

    Wenn du z.B. von genossenschaftlichen Ansätzen sprichst (denen ich viel Sympathie entgegen bringe) dann hat das etwas mit Machtverteilung zu tun. Aber Machtverteilung steht in keinem ursächlichen Zusammenhang mit Ressourcennutzung und Energieverbrauch.

    Wenn es um die effizientere Nutzung von Gütern geht (Verdichtung, Repartur, bewussterer Einkauf, verbesserter ÖPNV) dann geht es um wirtschaftlich rationales handeln. Das hat aber nichts direkt mit Eigentums- und der Organisation der Nachbarschaft zu tun.

    Ich schaffe es jetzt nicht die vielen einzelnen Themen abzuarbeiten. Aber vielleicht können wir das hier in den nächsten Wochen mal nach und nach machen. Genug Anknüpfungspunkte für eine kontroverse Diskussion sind ja gegeben :).

    Schon mal einen kleinen Pickser von mir: Subsidarität und Stadt sind die beiden Antipoden der Organisatonsformen menschlichen Wohnens und Wirtschaftens und damit prinzipiell unvereinbar.
    Die Begründung hat schon Hendrik geliefert. Die Größe von Städten hängt direkt an der Produktivität einer Volkswirtschaft und damit direkt an der ihr zur Verfügung stehenden Energie. Denn sie sind komplexe Gebilde. Und werden sie noch komplexer gemacht wie es innovatie Stadtplaner vorschlagen (mehrstöckige Gewächshäuer als Stichwort) dann können wir damit die Umgebung entlasten und Freiräume für die Natur schaffen werden aber deutlich mehr Energie benötigen als heute.

    Im Endeffekt resultieren alle ökologischen Probleme aus einem Mangel an billiger Energie. Denn sie entstehen dadurch das unsere Produktionsketten nach vorne und hinten nicht lang genug sind (zu viel direkte Entnahme, zu viel Reststoffe zurück).

    Die Höhe unserer Zivilisation, der Zustand der Umwelt, die maximal mögliche Bevölkerungsdicht der Lebensstandard und die Lebenserwartung hängen direkt davon ab.

  4. Patrick sagt:

    Danke lieber Tom für diesen tollen Text.

    Ich wäre sehr gespannt auf die vollständige Version. Ich bin selbst immer mal wieder dran, dieses ganze Themenspektrum, das wir hier seit Jahren beackern, für mich irgendwie plausibel zusammen zu fassen. Durch deine Sichtweise durch die Architektenbrille sind sicherlich nochmal ein paar weitere interessante Aspekte hinzugekommen.

    Toll, was du da geschrieben hast und ich bin sehr gespannt, wie die Diskussion zu deinem Text weitergehen wird, die die vorherigen Kommentare ja bereits angeregt haben.

    Schön, dass hier wieder was passiert :-)

  5. Tom Schülke sagt:

    Hallo liebe Kommentatoren.. Mich würde auch freuen, wenn sich daraus eine interesssante Diskussion entwickelt. Schon deshalb weil diese Website nach wie vor eine gute Quelle für wichtige Informationen darstellt. (Die nicht einschlafen soll)

    Und natürlich seid Ihr für mich auch so eine Art.. Generalprobe für meine Gedanken. Da schreibt und schreibt man so vor sich hin und irgendwann möchte man wissen wie viel Unsinn und unausgereiftes oder richtiges man da zusammengetragen hat. Eure Anregungen werden sich sicherlich auch in meiner weiteren Übearbeitung des Textes wiederspiegeln.

    Allerdings werde ich nicht die Zielgruppe aus den Augen verlieren dürfen. Menschen, die sich erstmalig mit diesen Themen auseinandersetzen kann man nicht mit allen Details vollständig erschlagen.. Und auf 100 Seiten „nur“.. habe ich natürlich eine hochkompakte Zusammenfassung des Gesamtthemas produziert, die gerade mal ausreichen kann einen Einstieg zu gewährleisten.. Aber .. wenn das gelänge hätte ich ja bereits etwas erreicht..

    • Hendrik Altmann sagt:

      Ich finde es eine gute Idee dieses Buch zu machen und auch darüber hier diskutieren zu lassen, auch eine art etwas positives beizutragen, für den Wandel der da auf uns zu kommt.

  6. M.U. sagt:

    Guter Text Tom.

    Nachhaltigkeit = Akzeptanz

  7. Patrick sagt:

    Heute zufällig einen Artikel gesehen, kann da jemand was zu sagen?

    Kohlenwasserstoffsynthese – Dresdner Ingenieure produzieren Diesel aus Wasser, Ökostrom und Luft.

    http://motherboard.vice.com/de/read/dresdener-ingenieure-stellen-diesel-aus-wasser-oekostronm-luft-und-liebe-her-226

    • Hendrik Altmann sagt:

      Sorry Patrick aber das wird nie in der Realität eingesetzt werden, schon gar nicht so wie es auf der Seite angedacht ist.

      Wie in dem Bericht schon genannt ist diese Methode eine Energieumwandlung, bei der Verluste entstehen.

      Diese Verluste sind bei dieser Methode um die 60-70 % das bedeutet das nach der Umwandlung nur noch 30-40 % der Eigentlich eingesetzten Energie später in den Verbrennungsmotoren genutzt werden kann.

      Dazu kommt das elektrische Energie in chemische Energie gewandelt wird, also in eine niedrig wertigere Energieform.

      ein Dieselmotor hat einen Wirkungsgrad von um die 40%,
      da geht dann noch einmal 60% Energie ungenutzt flöten.

      Zum Vergleich heute verbaute Elektromotoren haben einen Wirkungsgrad um die 95%.

      Also wenn schon elektrische Energie für Mobilität verwenden dann bitte in modernen Zügen oder zur not in Elektroautos, aber diese Methode die hier im Bericht vorgestellt, ist einfach nur Wahnsinn, im negativen sinne.

      • Hendrik Altmann sagt:

        Ops zu schnell geschrieben zu langsam gedacht, ich hatte den Wirkungsgrad des Dieselmotors schon bei den Wandlunsverlusten dazugerechnet, so ergibt sich insgesamt doch noch immerhin 30% Energie für die Fortbewegung im späteren Fahrzeug von der ursprünglich eingesetzten elektrischen Energie.

        Bei Elektroautos wären immerhin 95% der ursprünglich eingesetzten Energie für die Fortbewegung nutzbar, allerdings muss in Elektroautos viel Masse an Batterien zugefügt werden, die Teuer in der Herstellung sind und das Gewicht des Fahrzeugs stark erhöhen.

        Alles in allem sind Elektroautos Wasserstoff Autos aber deutlich überlegen, nebenbei kann man Wasserstoff und Sauerstoff auch in einer Brennstoffzelle in Bewegungsenergie umwandeln was einen höheren Wirkungsgrad entspricht als bei einem Diesel Motor, ich weiß nicht warum die nicht direkt den Sauerstoff und Wasserstoff nach der Elektrolyse für eine Brennstoffzelle verwenden.

        aber selbst die Brennstoffzelle auf Wasserstoff/Sauerstoff Basis ist energetisch blödsinn, einfach zu viele Wandlungsverluste, und das bei Windkraft und Solar hier in Deutschland die einen schlechten Erntefaktor und von aufwendiger Speichertechnik abhängen.

  8. Spigola sagt:

    Vielen Dank an Tom für diesen Beitrag. Was mir darin aufgefallen ist:
    1. Die Darstellung des grundsätzlichen Problems finde ich sehr gelungen; besonders prägnant und gut verständlich ist die Darstellung der Panarchiezyklen am Beispiel biologischer Systeme. Die Analogie zu den wirtschaftlichen Systemen funktioniert sehr gut.
    2. Bei der Präsentation möglicher Strategien zur Vermeidung des chaotischen Kollaps gibt es Schwächen. (Die halte ich bei dem Thema allerdings für unvermeidlich) Hier zählt Tom Dinge auf die geschehen müssten oder sollten. Viele davon würde ich auch unterschreiben, nur fehlt mir hier eine ganz zentrale Information: Eine Gesellschaft die sich auf einer resistenteren Wirtschaftsweise entwickelt kann alle möglichen Vorteile wie grössere Stabilität und Krisenfestigkeit haben, aber einen Nachteil gegenüber der aktuellen Gesellschaft wird sie sicher aufweisen: Sie wird materiell ärmer sein. Sehr viel ärmer und sehr spürbar ärmer. Das sollte man ehrlicherweise aussprechen. Viel zu oft werden alternative Gesellschaftsmodelle oder Energiekonzepte vorgestellt bei denen genau dieser Aspekt ausgeblendet wird. Man gaukelt vor -oder lässt unterschwellig die Leute nur im Glauben- dass sich materiell gar nichts ändern würde, im Gegenteil, oft wird noch behauptet, dass der Wohlstand sogar steigen würde. Ich sehe absolut keinen Hinweis für solchen Optimismus. Ob unsere Gesellschaft ihre Wirtschaft freiwillig umbaut oder dieselbe kollabiert, eine Gemeinsamkeit haben beide Szenarien: Der grosse Reichtum für alle wird zu Ende gehen.
    Das dürfte wohl auch der Grund sein, warum diese Themen von ca. 99,9% unserer Mitmenschen aktiv verdrängt werden. Tom schreibt das ja selbst sehr prägnant: „die Mehrheit der Bevölkerung lässt die Warnungen nicht in ihren Alltag eindringen.“
    In dem Zusammenhang teile ich Stefan Wietzkes Warnung vor der Romantisierung von Vergangenheit und Kleinteiligkeit. Ich halte zwar die Entwicklung von kleinerräumigen Wirtschaftsstrukturen für notwendig und den Rückgriff auf manche alte Methoden, Techniken und Organisationsformen für sehr wahrscheinlich, aber ich weiss dass nichts davon romantisch, ideal, pittoresk und bukolisch ist. Das Meiste davon ist einfach nur Knochenarbeit. Natürlich kann man auch an dieser viel Lebenssinn und Erfüllung finden, dazu muss man aber ein ziemlich hochentwickelter Philosoph sein und das ist doch deutlich schwieriger als das heutige Leben in modernen Industriestaaten mit sozialen Netzwerken etc..

    • Hendrik Altmann sagt:

      Es ist recht einfach zu sagen wie diese Gesellschaft aussehen wird, weil wir genau diese Gesellschaft schon hatten.

      Allerdings waren die Konzentrationen von Mineralien und anderen Rohstoffen von denen diese Gesellschaften abhingen deutlich konzentrierter, man kann sagen wir fallen zurück ins Mittelalter nur mit viel weniger Zugang zu Metallen und anderen Rohstoffen.

      die Gesellschaften im frühen Mittelalter und davor waren äußerst Wiederstandsfähig, die Spezialisierung und Komplexität war auf einem deutlich geringeren Level als heute, mit all seinen Vor und Nachteilen.

      Landwirtschaft war die mit Abstand wichtigste Primärenergiequelle, natürlich war sie ineffektiv gegenüber heute, da moderne industrielle Landwirtschaft, einen hohen Grad an Spezialisierung und eine komplexes Wirtschafts und Industrie System benötigt.

      Was nichts anderes bedeutet, das der Großteil der Menschheit in Zukunft wieder auf dem Land, in der Landwirtschaft arbeiten wird, in sehr einfachen Verhälnissen.

      Irgendwann wird man dann dafür aufgehängt wenn man behauptet das einmal Menschen auf dem Mond gelaufen sind, denn auch das Bildungssystem und die Forschung werden natürlich stark an komplexität verlieren, nur wenige Menschen werden sich einen Bruchteil des heutig verfügbaren Wissens leisten können…

      Ich denke wir hatten einmal die Chance neue Energiequellen zu erschließen und eine Interplanetare Spezies zu werden, die großen leicht zugänglichen fossilen Energiespeicher waren die Eintrittskarte dafür, jetzt scheint es als ob wir es nicht mehr schaffen eine neue Energiequelle erschließen zu können, die uns ermöglicht was wirklich großes zu werden.

      In 600 Millionen Jahren wird ein Leben kaum noch möglich sein auf der Erde, durch die Veränderungen der Sonne, das Leben wird dann aussterben auf der Erde und niemand wird sich mehr an uns erinnern.

      • Stefan Wietzke sagt:

        Ich möchte dir an einer Stelle wiedersprechen. Und zwar bei deiner Aussage:

        „die Gesellschaften … waren äußerst Wiederstandsfähig“

        Nein, das waren sie keineswegs.Das sieht nur so aus wenn man auf einen Großverband sieht. In dieser Zeit gab es viele kaum erkoppelte Kleinstrukturen. Man kann da eigentlich nicht von einem System sprechen sondern nur von sehr vielen unabhängigen Systemen. In der Steinzeit war das noch gravierender. Da waren die einzelnen Kleingruppen vollständig unabhängig voneinander.

        Jede dieser Einzelgruppen war aber hochgradig anfällg. Da sind ganze Sippen, Dörfer und andere Kleinverbände häufig bereits bei relativ geringen Misslichkeiten komplett von der Erdoberfläche verschwunden (eine lokale Mißernte reichte da schon). Nur da es viele davon gab ist das im Gesamtkontext „Menschheit“ nicht aufgefallen. Die heutigen hochgradig vernetzten Gesellschaften sind deutlich rebuster als diese Kleingruppen.

        Das Problem ist daher ein anderes. Habe ich viele identische Einheiten ist der Totalverlust selbst von vielen nicht tragisch, wenn man die Art als Ganzes betrachtet. Habe ich aber nur noch eine Einhelt dann bedeutet deren Verlust immer das sofortige Ende.

        Auf die Menschheit gemünst: Vor 500 Jahren konnten wir uns viele tötliche Fehler leisten. Heute dürfen wir uns keinen einzigen tötlichen Fehler leisten.

        Ob wir keine ausreichenden anderen Energiequellen finden weiß ich nicht. Hellsehen ist schwierig. Aber jedenfalls wird es nicht leicht. Aber aktuell haben wir nichts was die fossilen Energieträger gleichwertig ersetzen kann.

        Ich stimme dir insofern zu dass wir eine andere Energiequelle finden müssen solange wir noch über fossile Energien verfügen. Denn wahrscheinlich wird diese Technik eher komplex sein. Und um so etwas zu entdecken, zu entwickeln und aufzubauen braucht man eine gewisse Produktivität. Andernfalls nützt einem nicht mal das theoretische Wissen etwas.

        Und ich gebe dir auch recht das bei einem vorübergehenden Zusmmmenbruch spätere Generationen ein erhebliches Problem beim Wiederaufstieg haben. Denn sie müssen dann ja auch erst wieder „einfache“ Enerigiequellen finden mit deren Hilfe sie sich dann zu den „komplzierten“ vorarbeiten können. Nur die einfach zu findenden und abzubauenden Vorrtäte haben wir ja schon verballert. Wir haben kaum die Chance für ein zweites fossiles Zeitalter.

      • Tom Schülke sagt:

        ta taa…. „ode an eine sterbenden Planeten“…

        das kommt so gewiss wie das amen in der Kirche..

        Aber kratzt mich heute noch nicht all zu sehr..

        Die Frage die letztlich aus dem thema erwächst ist doch eine Richtungsfrage… macht es Sinn, schon jetzt mit dem immer noch vorhandenen Energieüberschuss Strukturen zu fördern die dann im Rahmen des einsetzenden langsamen? Schnellen? Rückgangs der verfügbaren Energie die Situation der Menschen erheblich vereinfachen ? Dann ist Resilienz ein Gebot der Risikovorsorge.

        Ich stimme Dir völlig zu das dann das smartphon halligalli jetsetzeitallter vorrüber ist. Aber das droht ohnehin.

        Was die Ressourcensituation betrifft hast Du sicher recht das ein großteil der konzentrierten Lagerstätten erschlossen und ausgebeutet sind. Dafür aber bilden die STadtzentren gewaltige, leicht zugängliche minen. Die werden sicherlich einen großen Puffer darstellen.

        Sozioökonomische Systeme können wie wir sicher alle verstanden haben quasistabile Zustände annehmen, in denen die Gesellschaft über längere Zeit stabil existieren kann. Dabei variieren die verfügbaren Energieströme, der Ressourcendurchgang, der Grad der Komplexität der Gesellschaften und die allgemeine Lebensqualität (wobei davon sehr unterschiedliche Beurteilungen existieren).

        Unser aktueller Quasistabiler (gerade noch)Systemzustand kann ausschließlich dann gehalten werden wenn der Energieinput erhalten bleiben kann.. und das bedeutet bei schwindenden nicht erneuerbaren Ressourcen die Notwendigkeit fundamental neue Energiequellen zu erschließen.

        Geschieht das nicht rutscht das System über einen Tippingpoint in einen neuen niedriger organisierten energieärmeren und weniger komplexen Gleichgewichtszustand. Peng..

        Aber die Frage ist ja.. „Wäre das auf Mittelalter niveaux?“ ließe sich ein Boden auf höherem niveau einziehen ? Wenn ja, was könnten wir dafür tun.

        Mein Vorschlagssamelsurium geht genau in diese Richtung.

        Zumindest der Übergang in einen anderen Systemzustand ließe sich dämpfen, wenn wir in das System mehr puffer einbauen, und alternative krisensicherere komponenten einbauen..

        Derzeit fliegen wir ohne Falschirm… und der Motor beginnt längst zu stottern..

        • Patrick sagt:

          Tom, genau die gleiche Frage stelle ich mir auch.

          Wenn ich es richtig verstehe, gibt es ja nur zwei echte Optionen:

          – Weiter die Flucht nach vorne und alles auf eine Karte setzen, nämlich die wage Hoffnung, dass wir ein neues Technikwunder hinlegen und eine neue Energiequelle mit ausreichendem EROI erschließen.
          Geht das daneben, droht das Worst-Case-Szenario: Totalabsturz in kurzer Zeit.

          – Wir finden uns damit ab, dass es wohl keine Wundertechnik gibt und bauen die Strukturen jetzt schon aktiv um, um den unabwendbaren Niedergang zumindest nicht allzu steil und schnell von statten gehen zu lassen.

          Wenn das so ist, plädiere ich klar für die 2. Option.
          Problem dabei = das wird kaum jemand mittragen, geschweige denn, dass es wirklich umgesetzt wird, weil der Technikglaube ungebrochen ist und alle die Hosen voll haben vor dem Absturz. Also lieber auf Morgen verschieben…nach uns die Sintflut halt.
          Alles andere würde auch eine weltweite Koordinierung benötigen. (was für ein Friedensprojekt das wäre!)

          So wie Richard Heinberg in seinem aktuellen Museletter ja auch ein koordiniertes Vorgehen vorschlägt.

          • Hendrik Altmann sagt:

            Moment das koordinierte Vorgehen ist doch was wir hier machen, wir tun alles um den Crash zu verlangsamen, eine freiwillige Reduktion von Komplexität oder Spezialisierung führt zu einem wesentlich schnellerem Absturz im ERoEI bei der Energiebereitstellung, weil wir einfach nicht mehr bessere Solarpanels entwickeln können oder an der Fusion oder Brüter Generatoren weiter Forschen könnten, ja selbst die Effizienz die wir jetzt schon erreicht haben würde sinken.

            Das sind Synergie Effekte im System die sich gegenseitig verstärken würden im negativen Sinne, ein immer stärkerer und schnellerer Schrumpfungs Prozess wäre die Folge.

            Der Versuch immer mehr Komplexität und Spezialisierung ins System zu bringen um Effizienzgewinne zu erreichen, ist das beste was wir tun können, zumindest bis eine Methode da ist die Kernenergie oder alternative Energien zu effektiv macht, das der Erntefaktor hoch genug ist um unser System zu erhalten.

            • Tom Schülke sagt:

              Hallo Hendrik,

              Wir haben Hier ja derzeit zwei denkbare Strategien…

              1. Wir versuchen weiter so gut es irgend geht , die Effizienzen der Technik und der Wissenschaft weiter zu treiben , um So aus dem Dilemma der sinkenden EROEI´s auszubrechen…

              oder

              2. Wir akzeptieren unsere Niederlage und sehen zu das wir den Übergang möglichst schmerzfrei gestalten und wissen, strukturen und Lebensstile etablieren , die bei weit niedriger Energie ein akzeptables und gutes Leben ermöglichen…

              Für 1 spricht zunächst das wir durchaus noch die Chance haben auf Basisinnovationen zu stoßen, die die Grenzgewinnkurven der älteren Techniken obsolet machen und und das wir ansonsten den Eroei evtl noch etwas länger im Zaum halten können… Außerdem besteht natürlich die Gefahr eines Systemischen Kollaps wenn die Energieverfügbarkeit tatsächlich rapide absinkt..

              Dagegen steht, das wir offensichtlich auch in der Wissenschaft und der Geschwindigkeit unserer masßgeblichen Innovationen einer Grenznutzenkurve untrworfen sind.. Auch die Geschwindigkeit der Wissenschaft nimmt im Laufe der zeit ab. Unendliiches Wachstum ist auch beim Wissenserwerb eine absurde Sache… nur.. wir wissen halt prinzipiell nicht was wir noch nicht wissen und damit sind die absehbaren Grenzen unscharf.

              Gegen 1 spricht auch, das wir bisher mehr Energie immer dazu benutzt haben um die Fallhöhe des Systems die Komplexitätsstufe und die Abhängigkeiten vom System zu erhöhen. Letztlich laufen wir Gefahr auch Lebenswichtige Grundressourcen , speich zb. Fruchtbare Humusschichten oder die Bioleistung des Planeten zu torpedieren.. Ein danach einsetzender Einbruch wäre dann nicht mehr Schwerwiegend sondern Tödlich..

              Für die zweite Lösung spricht:

              Es ist absehbar zumindest Wahrscheinlcih das wir bereits in der Frühphase einer Kontraktion oder eines möglichen Kollaps stecken. der PO conventional ist durch, die Weltwirtschaft keucht bereits und Goldilock torpediert jetzt bereits die unkonventionellen Öle. Sicher Kohle und Gas können da noch einiges aus Energetischer Sicht abfedern, drohen aber dann in 100 Jahren einen unter Umständen irreversiblen Klimakollaps heraufzubeschwöhren.. unverantwortbar… wenn die überwiegende Menge der Klimawissenschaftler im wesentlichen richtig liegt..

              Für die zweite Lösung spricht auch, das wir noch Energieüberschüsse haben die uns einen Übergang, kontrolliert, intelligent vorrausschauend in eine ärmere aber möglicherweise durchaus lebenswerte Zukunft erleichtern können.. Denkt a die „Energiefalle“ sind wir da drinn wird es wesentlich schwieriger werden. Diese Option mag zwar wenn man Sie umfassend umsetzt den Tippingpoint anstoßen, aber das mag in wenigen Jahren ohnehin geschehen.

              Nun kam mir ein Gedanke..

              Es macht ganz sicher einen grooooßen Unterschied, ob wir auf Resilienz im Energiesektor setzen und damit dessen Effizienz reduzieren, somit das EROEI Problem beschleunigen, oder ob wir in der Landwirtschaft, einem für unsere Überleben viel grundlegenderen Bereich Resilienzen einbauen.. DAs würde sicher den EROEI im Gesamtsystem beeinflussen, aber ich kann nicht erkennen, das die Umrüstung der Landwirtschaft auf erhelblich biologischere Landwirtschaftstechniken in der die Humusschichten nicht endgültig vernichtet werden, damit gleich die ganze Ölwirtschaft in den Keller reißt.

              Ich glaube bei diesen Strategien geht sowohl das eine als auch das andere und eine Intelligente Kombination mag das klügste sein .

    • Tom Schülke sagt:

      Spigola,

      ich kann deiner Kritik bei der Auflistung meiner „Lösungs“ Ansätze gut folgen.. Ich bin auch deiner Meinung, das wir in der Folge eines Umbaus zu mehr Resilienz erheblich an Wohlstand verlieren werden… Entweder geplant, oder aber durch Chaotisches Systemversagen..

      Ich wollte allerdings aus dem Buch allzu pessimistische Töne.. man denke mal an die Studien David Korowitz von der Feasta… besser nur vorsichtig anschneiden..

      Ihr gehört hier alle zu dem sehr kleinen Kreis die aus Interesse den Blick auf den Horizont gerichtet haben und die Gewitterwolken schon lange sehen..

      Viele der Leser an die ich aber bei meinem Text gedacht habe sind von solchen Überlegungen völlig unbelastet..

      Deshalb ist mein Buch auch eher ein Mosaik an Grundsätzlichen ERkenntnissen, die in der Summe ein Gesamtbild ergeben.. Das aber wird der Leser so denn er zuende liest selber erkennen was ohnehin das beste wäre.

      Ich wollte deshalb die konkrete aussage das das ganze durchaus seehr sehr unschön werden kann etwas leise untermischen.

  9. Stefan Wietzke sagt:

    Ich möchte die Diskussion noch mal mit einem Bezug auf den Artikel anregen. Was jede Art von Erkenntnisfortschritt so schwer macht ist das wir uns permanent in einem Dogmenraum bewegen. Der ist heute kaum kleiner als er es im Mittelalter war. Da werden einfache Sätze in den Raum gestellt. Die klingen offensichtlich richtig und werden dann nicht mehr hinterfragt. Dabei hat das „Offensichtliche“ meist wenig mit der Realität zu tun.

    Ein einfaches Beispiel:
    Offensichtlich dreht sich die Sonne um die Erde. Das das nicht so ist, ist schon eine wenig offensichtliche Idee. Noch zur Zeit des Kopernikus passten die Meßwerte über die Planetenbewegungen viel besser zu einem geozentrischen Weltbild. Das lag daran das ja auch die Kreisbahnen von Kopernikus nicht korrekt waren.
    Heute glauben die meisten Menschen die Erde drehe sich um die Sonne. Was auch falsch ist. Denn sowohl Sonne wie Erde drehen sich um den gemeinsamen Schwerpunkt des Erde/Sonne Systems. Nur der liegt auf Grund des Masseunterschiedes innerhalb der Sonne selbst.

    Aber woher „wissen“ das die Meisten? Nur dadurch das eine Autorität der sie vertrauen das behauptet hat. Denn nur die wenigsten Menschen haben sich bisher das System von Außen angesehen oder führen entsprechende physikalische Experimente durch.

    Nach der langen Vorrede nun zum Anlass. Das ist die zitierte Aussage von Rees:

    „„Homo sapiens … die einzige Lebensform, die zu starker Empathie fähig ist und das sogar speziesübergreifend.“

    Klingt logisch und auch noch positiv, ist aber falsch.

    Zwei Aussagen verstecken sich in diesem Satz.

    1. Die explizite Aussage das wir uns in andere Lebewesen hineinversetzen können.

    2. Die implizite Aussage das das etwas Positives ist.

    Empathie bedeutet die Welt auch aus den Augen eines anderen Lebewesens betrachten zu können. Physiologisch machen wir das über unsere Spiegelneuronen, mit deren Hilfe wir andere sozusagen in unserem Kopf „simulieren“. Das funktioniert aber nur zwischen Menschen. Denn die Vorraussetzung für dieses Verfahren ist das das Gegenüber so funktioniert wie wir. Die Welt also weitgehend indentisch wahr nimmt. Und das sowohl hinsichtlich der Sinnesorgane, der Psyche und sonstiger Aspekte. Es ist also völlig unmöglich sich in ein Lebewesen einer anderen Art hineinzuversetzen. Was Menschen machen die das behaupten ist etwas ganz anderes. Sie machen das andere Lebenwesen in ihrem Kopf zu einem Menschen. Psychologisch hat das nichts mit Empathie zu tun sondern mit Übertragung.
    Anders ausgedrückt: „Ich überlege jetzt wie ich mich in der Situation fühlen würde wenn ich ein Affe wäre.“ Sondern: „Ich überlege mir jetzt wie sich ein Affe fühlen würde wenn er ein Mensch wäre.“ Das ist etwas fundamental anderes. Empathie über Artgrenzen hinweg ist völlig unmöglich. Wir werden niemals wissen wie Lebewesen anderer Arten die Welt wahrnehmen. Die Grenze ist fundamental.

    Die positive Besetzung des Begriffs der Empathie, der man häufig begegnet ist ebenfalls falsch. Hier wird Empathie mit Mitleid verwechselt. Ein besonders hohes Maß an Empathie haben oft eher zwielichtige Gestalten wie Machtmenschen. So verfügen häufig Narzisten über ein besonders hohes Empathievermögen das sie einsetzen um ihren Vorteil daraus zu generieren. Ihnen fehlt es aber weitgehend an Mitleid. Die Fähigkeit sich in einen anderen Hineinzuversetzen ist daher perse keine positive Eigenschaft.

    Werfen wir noch einen Blick auf den ökologischen Fussabdruck. Die Messung der Ressourcenmenge die ein Mensch umschlägt ist erst mal eine faktische und neutrale Größe. Auch daraus abzuleiten wie viel Ackerfläche dafür notwendig ist in Ordnung.

    Das aber dann auf eine fiktive „Tragfähigkeit“ der Erde umzurechnen ist schon ein ziemlich fragwürdiges Unterfangen. Dem liegt schon einmal ein staatisches Naturverständnis zu Grunde, das der Biosphäre nicht nur nicht gerecht wird, sondern ein fundamental falsches Weltbild erzeugt.

    Leben ist gerade durch Dynamik gekennzeichnet. Werden, vergehen und verändern sind die Parameter die für den Begriff des Lebens konstituierend sind. Umso mehr Bewegung umso mehr Leben. Statisch ist nur der Tod.
    Nun bezieht Rees das ja darauf das die Erde menschliches Leben erhalten soll. Nur sind wir heute nicht einmal ansatzweise in der Lage zu definieren welches biologische Seting die für uns günstigsten Lebensbedingungen bietet. Diese Frage lässt sich immer nur an ganz konkreten Punkten entscheiden. Wenn z.B. die Fischfänge zurückgehen haben wir die Meere überfischt oder zuviel verdreckt. Also machen wir was falsch. Aber auch hier muss die Lösung nicht lauten das wir weniger fischen. In einigen Gegenden Chinas gibt es keine Bienen wegen des zu hohen Pestizideinsatzes. Da kommen die aber nicht auf die Idee das zurückzufahren, sondern bestäuben von Hand. Mögliche Ertragseinbrüche werden offensichtlich als viel schwerwiegender angesehen als die Nichtexistenz von Bienen.

    Wird dagegen irgendein Statusquo als Referenz angenommen, dann kann zwar die Veränderungsrate gemessen werden. Aber eine Aussage darüber ob das jetzt gut oder schlecht ist ist völlig unmöglich.

    Fakten und Wertungen muss man immer ganz weit auseinander halten. Ich empfehle auch Erwachsenen immer wieder einfach die alte Kinderfrage bis zum erbrechen zu stellen: Warum? Warum? Warum?

    Tja, es ist wohl unser Schicksal uns weiterhin an der alten Fragestellung des Sokrates abzuarbeiten: Ist Erkenntnisgewinn möglich und wenn ja unter welchen Bedingungen.

    • Spigola sagt:

      Der Hinweis auf die Dogmen stimmt sicher. Oft spiegeln sich darin Denkschulen, z.B. die Auswirkungen der eigenen beruflichen Ausbildung wider. Gerade in Deinen Beiträgen ist mir aufgefallen, dass Du einige Positionen vertrittst, die so gut wie deckungsgleich mit jenen von Jean Marc Jankovici sind. Der schlägt z.B. vor, zum Ersatz des zu Erwartenden Ausfalls des Energieinputs aus den fossilen Energieträgern massiv auf Kernkraft zu setzen und hofft auf die sehr baldige Entwicklung einer neuen, viel sichereren Reaktorgeneration. (EPR, von der bislang aber kein einziger existiert, geschweige denn funktioniert; vier sind in Bau und bislang 3 mal teurer als ursprünglich geplant, statt 4 Jahren Bauzeit sind es jetzt schon 8 -10 Jahre und kein Ende in Sicht…)
      Kurz, die Hoffnung auf ein Gelingen der Flucht nach vorne und eine grosse technische Lösung; ich halte das für ein Dogma oder einen typischen Glaubenssatz von Ingenieuren. ich glaube nicht an so eine Lösung.
      Die mir (kein Ingenieur) näherliegende Alternative dazu ist die (auch schon ziemlich alte) Hoffnung, es sei möglich, eine genügsame, vernunftgeleitete, an die physikalischen Möglichkeiten der Biosphäre angepasste menschliche Gesellschaft zu erarbeiten. Meine Formulierung macht hoffentlich deutlich, dass ich mich über diese naive Idee schon selber lustig mache. Möglich wäre das zwar rein theoretisch schon, praktisch aber wohl nur durch ein Ereignis einer Grössenordnung neben der sämtliche biblischen Wunder zusammengenommen gerade mal als auflockerndes Vorprogramm oder Pausenfüller wirken würden. Realistisch betrachtet meine ich heute, dass unser System wohl ungebremst in seine physikalischen Grenzen rasen wird.

      • Hendrik Altmann sagt:

        Das Problem ist das das wir genau dieses komplexe spezialisierte System brauchen um unseren Wohlstand unsere Bevölkerungszahl, Gesundheit, Bildung und Forschung zu erhalten.

        Jede freiwillige Reduzierung würde zum Zusammenbruch führen, weil dieses System nur durch die stetigen Effizienzgewinne die immer kleiner werden dem fallendem ERoEI bei der Energie Erzeugung noch entgegen wirken, können wir das nicht mehr kompensieren kommt es auch zum Zusammenbruch des Systems.

        So ja Nuklear Energie ist die letzte Hoffnung, falls die Forschung und Tests in neue Formen dieser Energie Gewinnung fehlschlagen, ist das dass Ende unseres Zivillisations Modells und auch das Ende des Industrie und Forschungs Zeitalters.

      • Michael Egloff sagt:

        Richtig Spigola,
        an seine physikalischen Grenzen und in großen Regionan auch noch an die Grenzen der natürlichen Basisressourcen. Was das Gravierendere ist.

        Es gibt so viele Fassetten, unter denen man die zukünftige Entwicklung betrachten kann.
        Hier als Beispiel eine extrem wichtige Fassette, die auch z.B. bei Peak Oilern fast garnicht diskutiert wird: die ständige weitere Aufrüstung auf allen gesellschaftlichen Ebenen (Privatpersonen, nichtstaatliche Milizen und Staaten) in vielen Ländern.
        Speist sich z.B. der millionenfache Exodus aus Syrien, dem Irak oder Libyen aus dem prinzipiellen Nichtvorhandensein von physikalischen Wertschöpfungsgrundlagen?
        Nein. Noch (!) nicht. alle Länder könnten wohlhabend sein, haben sie doch genug Öl als Tauschmittel.
        Die starke Bewaffnung auf allen gesellschaftlichen Ebenen ist dort das Problem, gespeist durch den offiziellen Rüstungsgütermarkt (Waffenimporte aus Ländern in Kombination mit geopolitischen Ambitionen der Waffenexportländer), durch den riesigen globalen Rüstungsschwarzmarkt oder einfach durch das Überrennen von großen Waffendepots z.B. durch den IS in Mossul.
        Auch das technologische Rüstungsniveau steigt ständig an, auch bei den Milizen und Terrororganisationen. In wenigen Jahren dürfte auch der IS und andere größere Milizen über Kampfdrohnen verfügen. Waffentechnologische Vorsprünge einiger Staaten verbreiten sich zeitversetzt auf immer mehr Länder und nichtstaatliche Milizen.

        Und jedes Jahr kommen immer mehr und immer neue Waffen dazu.
        Kombiniert mit schwachen zivilgesellschaftlichen Strukturen, sozialen Konflikten, Korruption und ethnisch-religiösen Rivalitäten, wie sie für die meisten Entwicklungsländer und einige Schwellenländer typisch sind, sowie kombiniert mit geopolitischen Rivalitäten anderer Staaten, wird daraus ein höchst gefährlicher Cocktail. In der Zukunft noch ergänzt durch die zunehmende Rivalität im Kampf um Basisressourcen.

        Das Thema globale Bewaffnung und daraus resultierende zunehmende Massenmigration aus kollabierenden Staaten wird auch uns vor extreme Probleme stellen. In einem wesentlich höherem Maß als heute.
        Das ist nur ein Beispiel von Themen, die man mit diskutieren muss, um Schlussfolgerungen für die weitere Zukunft ziehen zu können. Die rein physikalische Betrachtungsweise ist wichtig, führt aber bei Vernachlässigung anderer Themen zum Tunnelblick. Und gaukelt uns vor, es bedüfe nur technologsicher Wunder, um die Menschheitsprobleme zu lösen.

        • Michael Egloff sagt:

          Korrektur: wenn ich schreibe „alle Länder könnten wohlhabend sein…“ meine ich natürlich hier die Beispielländer Irak, Syrien und Libyen.

      • Stefan Wietzke sagt:

        Nein, das ist kein Dogma. Ich habe ja nicht gesagt das das funktioniert. Aber ich bin der Überzeugung das es unsere einzige Möglichkeit ist.

        Aktuell können wir uns einen signifikanten Rückgang der Nutzung fossiler Energieträger nicht mal im Ansatz leisten. Wobei ich das eigentliche Problem allerdings erst sehe wenn die Kohle knapp wird.

        Das macht es ja nicht unsinnig Ressourcen zu schonen und zu strecken. Deshalb ist ja auch das „zufüttern“ mit Wind (etwa 15%) sinnvoll. Man kann da auch noch ein paar andere intelligente Sachen machen die tatsächlich die fossilen Ressourcen strecken können. Allerdings nicht so wie wir in Deutschland. Denn die sogenannte Energiewende beschleunigt den Verbrauch fossiler Energieträger auch noch sinnlos.

        Aber dann müssen wir alles daran setzen alle Möglichkeiten zu erforschen wie wir das ersetzen können. Man kann die Physik einfach nicht bescheißen. Und der erste und zweite Hauptsatz der Thermodynamik lässt sich nun mal nicht durch Gesellschaftsbeschluss außer Kraft setzen.

        Aus diesem resultieren zwei ganz einfache Zusammenhänge:

        1. Die Möglichkeiten des Ressourcenzugriffs bestimmen die maximale Größe einer Population. Das gilt für Bakterien wie für Menschen.

        2. Die Produktivität bestimmt das mögliche Wohlstandsniveau innerhalb dieser Population.

        Beides ist energiegetrieben. Es ist ja nicht so das uns die Ressorucen ausgehen. Wir nutzen diese heute selbst bei sogenannten „knappen“ Rohstoffen nur im Promilbereich. Nur wir kommen schlicht nicht mehr an sie ran wenn wir nicht genug Energie haben.

        Ein einfaches Beispiel: Du hockst auf einem riesigen Haufen Eisenschrott. Um daraus wieder brauchbare Produkte zu machen benötigst du eine Energiequelle die mindestens 1600 Grad erzeugt. Hast du die nicht oder nicht in ausreichender Menge dann nutzt dir selbst das bereits aus dem Boden extrahierte Metall überhaupt nichts.
        Das ist wie jemand in der Wüste der vor einem riesige Wassertank hockt ihn aber nicht öffnen kann. Er verdurstet obwohl eigentlich alles da ist was er braucht.

        Oder er schafft es ein kleines Loch in den Tank zu bohren durch das aber nur 1 Liter pro Tag läuft. Er verdurstet dann trotzdem (das ist der zu niedrige EROI).

        Sinkt der Energiezugriff signifikant dann wird im selben Maße sowohl der Wohlstand aber auch die tatsächliche Ressourcenverfügbarkeit zurück gehen. Im 19. Jahrhundert gab es etwa 1 Mrd. Menschen auf der Erde. Fast 90% waren mit der Basisproduktion von Nahrung und Kleidung beschäftigt. Die Lebenserwartung lag 1871, also 100 Jahre nach dem Beginn der industriellen Revolution in Deutschland bei unter 40 Jahren.

        Gehen wir davon aus das wir durch gewachsenes Wissen einiges besser machen können dann schaffen wir vieleicht 2 Mrd. Menschen und vielleicht auch 50-60 Jahre Lebenserwartung. Aber dafür müssen dann erst mal 5 bis 7 Mrd. weg (je nachdem wann ein Niedergangsprozess einsetzt).

        Darauf kann man sich nicht vorbereiten. Und wenn ja dann höchsten durch die Anlage möglichst großer Waffenlager und dem unbedingten Willen diese auch vollkommen gnadenlos einzusetzen.

        • Michael Egloff sagt:

          Naja, wie ich schon schrieb: die großen Waffenlager gibt es ja schon. Und sie werden jedes Jahr größer und tendenziell von der Kill-Kapazität größer.
          Und skrupellos eingesetzt werden sie schon heute – siehe die Menschenschredder-Fassbomben in Syrien und in Jemen. Also heute, in Zeiten der prinzipiell noch vohandenen physischen Wertschöpfungsgrundlagen.
          Gerade diese Waffenlager sind es ja, die alles noch viel schlimmer machen könnten. Zumal man ja mit eigenen Waffenlager schon deshalb nichts taugen, weil die anderen ebenfalls große Waffenlager haben. Es ist also kein Selbstschutz möglich, selbst bei vorhandener Skrupellosigkeit zur Waffenanwendung.

          Was das „Zufüttern mit Wind“ angeht – natürlich muss man das tun. Aber 15% am Gesamtenergiemix werden schlicht nicht erreicht werden. Weder national, und erst recht nicht global.
          Mit unseren derzeit etwa 24000 Windkraftanlagen in Deutschland decken wir gerade mal 3,5% des Gesamtenergieverbrauchs ab. Und das, obwohl die onshore-Standorte in geeigneten Gebieten langsam knapp werden und obwohl bei erheblicher weiterer Steigerung des Windenergieanteils das Thema Speicherung zum Knackpunkt wird. Und dann müssen ab den 20er Jahren in zunehmendem Maße alte Windkraftanlagen durch neue ersetzt werden, so dass ein zunehmender prozentualer Anteil der neuen WKA Ersatz- und nicht mehr Erweiterungsinvestitionen darstellen.

        • Hendrik Altmann sagt:

          ich denke wir werden sogar unter die eine Milliarde Menschen fallen , ganz einfach weil die Ressourcen
          im 19 Jahrhundert deutlich konzentrierter waren, was bedeutet das viel weniger Energie nötig war um an sie heran zu kommen.

        • Spigola sagt:

          Mir gefällt Deine nüchterne Art die Dinge darzustellen. Die Sätze der Thermodynamik lassen sich nicht ausser Kraft setzen, das unterschreibe ich voll und ganz. Wir können uns real nur innerhalb der Grenzen der Physik bewegen.

          Auf der Ebene möchte ich aber gerne die Hoffnung auf eine neue technische Lösung des anstehenden Energieproblems beleuchten und diskutieren. Wie könnte die real aussehen? Nehmen wir mal an, die neue Generation EPR-Reaktoren sei in ein paar Jahren ausgereift, serientauglich und brächte gute Ergebnisse. Um nennenswerte Steigerungen in der gesamt-Energieproduktion zu erreichen bräuchte man eine gewaltige Steigerung der Förderung und Aufarbeitung des spaltbaren Materials mit dem diese Reaktoren betrieben werden. Über welche Grössenordnungen reden wir da überhaupt, damit eine solche Technologie den weltweiten Energiemarkt spürbar von der drohenden Ölkrise entlasten kann? Wie viele Reaktoren bräuchte es? Wieviel Brennstoff? Ist das real überhaupt aufzutreiben und zu welchem Tarif?

          Und selbst wenn das funktionieren sollte, was wäre die Perspektive? Soweit ich sehe, wäre so ein Programm nur wieder eine temporäre Verlängerung der bekannten Verbrauchsspirale nach oben. Na gut, eine Verlängerung für wie lange? Jahre? Jahrzehnte?
          Ich habe die Befürchtung, dass die Hoffnung auf solche technischen „Lösungen“ nur darauf hinausläuft, das bestehende System irgendwie noch so lange am Leben zu erhalten, dass man selbst dessen Kollaps nicht mehr erlebt. Das wäre eine Haltung à la Louis XV: „Hinter mir die Sintflut“. Für Louis XV hat sich diese Haltung vielleicht noch ausgezahlt, für Louis XVI aber gar nicht mehr.

          • Tom Schülke sagt:

            Spigola,

            das ist auch meine Befürchtung… auch diese neue Technik treibt ja die komplexität nach oben, verschärft abhängigkeiten, und zudem verlockt sie uns andere Grenzen und Barrieren zu ignoriern… Humusschichten.. brauchen wir nicht mehr.. können ja mithilfe von Kernkraft düngemittel synthetisieren..

            so ähnlich waren auch meine Abwägungen weiter oben gemeint..

            http://www.peak-oil.com/2015/09/resilienz-und-nachhaltigkeit/#comment-180327

            Die Frage ist, kauft uns das Zeit und verschärft das Problem für die nächst generation.

    • Tom Schülke sagt:

      Hallo Stefan,

      Es bringt immer spaß deine Beiträge zu lesen.

      Zunächst zu deiner ersten Aussage:

      „Was jede Art von Erkenntnisfortschritt so schwer macht ist das wir uns permanent in einem Dogmenraum bewegen. Der ist heute kaum kleiner als er es im Mittelalter war. Da werden einfache Sätze in den Raum gestellt. Die klingen offensichtlich richtig und werden dann nicht mehr hinterfragt. Dabei hat das „Offensichtliche“ meist wenig mit der Realität zu tun.“

      An dieser Stelle würde dir Rees vollständig zustimmen. Weltbilder neigen ja gerade dazu in sich geschlossene Denkgebäude zu errichten, die eben gerade nicht dadurch glänzen, das sie von großen Fragezeichen Wimmeln. Man sollte glauben das man ein Medizinbuch des 18 Jahrhunderts öffnet und mit einer Flut von Fragen überschüttet würde. Doch Fehlanzeige. GErade das Fehlen der uns heute offensichtlich erscheinenden „Lücken“ in dem alten Weltbild sollte uns warnen.

      Nun geht Rees in seinen Vorträgen ja gerne und explizit genau auf dieses Thema ein, und seine Gedanken sind was das betrifft auch in das erste Kapitel meines Buches eingeflossen.

      Dogmen haben die unangenehme eigenart, das wir Sie leider nicht nur in dem Sinne erlernen, sondern sie regelrecht in unsere Denkstruktur und zwar ganz real biologisch intgrieren.

      Es ist ein ähnlicher Mechanismus wie bei der virtuosen Ausübung eines Musikinstrumentes das man tausende male in der gleichen Art und Weise benutzt hat. Das Gehirn verstärkt und bildet Synapsenverbindungen aus, die das Erlernte erleichtern. Doch das gilt eben auch für abstrakte Weltbilder, Denkschulen, Religionen.

      In Versuchen wurden zb. Wirtschaftswissenschaftler in ein Kernspinn gesteckt und dann zb. mit dem Begriff „Wachstum“ Konfrontiert, und es zeigte sich das sozusagen ein ganzes damit assoziiertes Areal wie ein Tannenbaum aufleuchtete. Was natürlich für den Greenpeaceaktivisten beim Begriff Überfischung genauso geschieht..

      Es zeigt sich das einmal etablierte Weltbilder oder Denkmuster dazu führen das der betroffene Mensch ein emotionales Wohlgefühl empfindet wenn seine Denkmuster bestätigt werden und umgekehrt starkem Unwohlsein ausgesetzt ist wenn er mit Ideen konfrontiert wird die seinem Weltbild wiedersprechen.

      So wird das Weltbild und der damit assozieeerte Synapsenverband zu einem Filter mit dem überhaupt erst neue Ideen zugelassen werden..

      Nicht umsonst findet man Greenpeaceaktivisten nicht mit freudiger Erwartung auf einem Treffen neoliberaler Wirtschaftswissenschaftler oder Neoliberale Wirtschafswissenschaftler bei der degrowth Konferenz in Leipzig.

      Und selbstverständlich… trifft dieses auf Wachstumskritiker wie gegner , auf Klimaskeptiker wie auf Co2 warner gleichermaßen zu.

      Sogar Max Plank äußerte sich mal in einem Statement, das man seine Physiker – gegenspieler nicht überzeugen könne, sie mit dem Blitz der Erkenntnis umstimme..

      In der Regel sterben einfach die alten Holzköpfe aus, und eine neue Generation frischer Köpfe betrachte danach unbelastet die Argumentation und kann dann neu entscheiden..

      Rees ist sich dessen voll Bewußt.

      Was wir aber haben ist Die Wissenschaft. Die Skepsis. Der Versuch.. Meiner Meinung nach das Beste das wir zur Objektivierung unserer tastenden Annahmen benutzen können, und zugleich die Mahnung, ganz wie Du es sagst Stefan, im Hinterkopf immer eine gesunde Portion zweifel zu kultivieren… insbesondere auch an den eigenen Lieblingsideen.

      Dazu gleich noch mal etwas..

      Deine Kritik an Rees Zitat finde ich sagen wir mal richtig, aber in dem Kontext in dem er es einsetzt überspitzt…

      Rees verwendet die Aussage um die Frage aufzuwerfen wie es möglich ist das uns Nachhaltigkeit so schwer fällt , obgleich wir doch ganz offensichtlich die erwähnten Fähigkeiten eher und stärker als alle anderen Lebewesen auf unserem Planeten haben. Ich denke das er in dem zusammenhang sicher etwas unscharf formuliert. aber gemeint ist das wir zu mitgefühl im Sinne für andere Lebewesen fähig sind.. „empathie sicher nur in begrenztem Maß und auch kaum in bezug auf die gemeine Kellerassel..“

      Und als einzieg Spezies können wir aus Fakten logische Rückschlüsse bildern. Nicht einfach und immer mit Vorsicht zu genießen, aber da sind wir weiter als andere Lebewesen.

      Und genau das steht in offenbar deutlichem wiederspruch zu unserem Verhalten als spezies, unsere Lebensgrundlagen zu errodieren. Er weist auf einen wiederspruch hin, den er später weite erläutert. Insbesondere mit dem Hinweis auf unsere Dogmen, unsere Angeborenen Verhaltensdispositionen, und die oben erwähnten „Quasi-prägunegn“ des noch formbaren Gehirns hin zu dogmenartigen Denkstrukturen..

      Das nimmt uns natürlich nicht die Aufgabe zu entscheiden welche Denkmuster denn nun objektiviert richtig oder zielführend sind.. und was genau diese Ziele denn nun eigentlich sind..

      Nun zum Ökologischen Fußabdruck, einem wesentlichen Element in meinem Buch. Kritiken am Ökologischen Fußabdruck gibt es laut meiner Untersuchungen , vielfältige und in verschiedenen Qualitätsstufen.
      Deine Kritik, das der Ökologische Fußabdruck nur eine Momentaufnahme eines dynamischen Systems darstellt, dessen „vorteilhafte“ und „nachteiligen“Systemzustände wir gar nicht genau kennen, ist nur eine dieser Kritiken.

      Andere gehen darauf ein das ein globaler Index zwar eine gewisse Aussagekraft habe, aber nicht helfe die viel gravierenderen lokaleren Probleme und Übernutzungen zu beschreiben. Eine weitere Kritik erklärt den ökologischen Fußabdruck als viel zu ungenau, weil er nur Quantifiziert, aber nicht die nachlassenden biologischen Leistungsfähigkeiten der übernutzen Regionen analysiert… (etwas was den Ökologischen Fußabdruck als zu Harmlos erscheinen lässt)..

      All das ist sicher Richtig. Nur ist die Grundidee zu recht eine preisgekrönte Idee.

      Er ist meiner Ansicht nach das Beste, was wir derzeit haben, um potentiell gefährliche Übernutzungen wenn auch nur als statische Momentaufnahme eines dynamischen systems zu quantifizieren.

      Ich selber bin gerade erst über eine Kritik zum Ökologichen Fußabdruck gestolpert die ich bisher nicht wiederlegen konnte.

      Der Ökologische Fußabdruck setzt sich zusammen aus den Quellen unserer Versorgung in globalen Hektar (einem durchschnittswert an mix-erde) und den Senken..

      laut global footprint network, liegen wir derzeit bei ca. 1,3 planeten Erde an Nutzung.

      Wenn man die Herleitung ansieht, fällt einem aber auf das ca 40% dieses wertes sogenanntes CO2 Land ist. Da liegt aber bei genauerem Nachdenken ein Problem.

      Denn dem CO2 gehalt kann es durchaus egal sein, ob die Biomasse des Planeten nun Urwald oder Kulturland ist das wir unseren Zwecken zuführen. Man kannn wenn das stimmt nicht einfach das virtuelle CO2 Land als Fläche von der verfügbaren Biokapazität abziehen. Das Gemüse wächst sozusagen sogar noch etwas besser solange der CO2 anstieg nicht gerade den massiven Klimawandel auslöst..

      Da mir das nicht verständlich war habe ich an das global footprint network geschrieben für eine genauere Erklärung.. mal sehen was da kommt.

      Aber ums kurz zu fassen.. Skepsis auch den eigenen Ideen gegenüber bleibt zwingend vorgeschrieben.. Und in einer Gesprächsatmosphäre wie hier ist es leicht alte Vorurteile abzustreifen, da man dafür nicht an die Wand gestellt wird..

      • Michael Egloff sagt:

        Ich wäre heilfroh, wenn die anschwellende Massenflucht verzweifelter Menschen aus mehreren Ländern oder die Erschöpfung oder zunehmende Kontaminierung von Grundwasservorkommen in etlichen Regionen und manches Andere nur Trugbilder meiner Denkschule wären.

        • Tom Schülke sagt:

          Handrik,

          Ja, ich denke das bei aller berechtigter Kritik an der Methodik und Genauikeit des Ökologischen Fußabdrucks doch eines klar ist…

          Empirisch ist bereits ablesbar das da ein Problem im Busch ist. Man denke Nur an die Situation der Fischbestände und dann wissen wir was Sache ist.

      • Michael Egloff sagt:

        …und das hatte ich ja noch vergessen: danke, Tom, für den hervorragenden Diskussionsimpuls, der ja wie man sieht, auf fruchtbaren Boden fällt.
        Und natürlich hast Du recht: nichts gegenüber sollte man so skeptisch sein, wie gegenüber der eigenen Meinung. Das habe ich infolge zahlreicher Fehlannahmen in meinem Leben als Lektion verinnerlichen müssen.

  10. Hendrik Altmann sagt:

    Um moderne Solar Panels, Batterien und Windkraft Anlagen zu bauen braucht es ein komplexes und spezialisiertes Wirtschafts und Industrie System, fällt der ERoEI weiter ab verliert unser System an komplexität und die Fähigkeit überhaupt noch Dinge wie Solar Panels, Windkraft Anlagen oder Reaktoren für Nuklear Kraftwerke zu produzieren.

    Wir brauchen eine billige Energiequelle oder wir fallen in ein sehr dunkles Zeitalter.

  11. Patrick sagt:

    Lieber Tom,

    bekommen wir denn den Rest deines Werkes auch noch zu lesen?

    • Tom Schülke sagt:

      Hallo Patrick,

      Ich habe noch ca. 70 Exemplare meines Büchleins als Gedruckte Bücher..

      Ich schätze die ständigen Kommentatoren Hier auf ca 15 Personen. Wer mag von euch mag, der kann mir gerne seine Anschrift zumailen dann verschicke ich an euch mal ein paar Exemplaare..

      Der Text im Buch ist hochkomprimiert.. Themen wie die „Energiefalle“ sind auf einer einzigen Seite komprimiert, oder Tainter.. Daher geht die Argumentationstiefe in dem Buch selten so weit wie in dem Oben gepsteten Buchausschnitt. Es ist halt als Einstieg für Architekten geplant gewesen und enthält teils viele Grafiken, da Architekten Augenmenschen sind.

      Ich müsste mal schauen, welche Themenbereiche sich gut in einen kleineren ARtikel hier weiterentwickeln ließen..

      Aber hätte ich prinzipiell lust zu…

      also. Vorab, wer von euch interesse hat, dem schicke ich eines der Exemplaare..

      Tom

    • Tom Schülke sagt:

      Ach ja… logisch.. ohne meine E-mailadresse gehts nicht.

      moc.liamgnull@ekleuhcs.mot

  12. Patrick sagt:

    Hast du es nicht als PDF oder in anderer elektronischer Form?

    • Tom Schülke sagt:

      Geht auch… Klar…

      as you want..

      • Hendrik Altmann sagt:

        Tom auch wenn du viel Kritik hören magst, lass dich davon nicht entmutigen, die Information der Öffentlichkeit über diese Thematik übt Druck aus mehr Ressourcen in die Lösung oder das abmildern der Problematik zu stecken.

        • Tom Schülke sagt:

          Hallo Hendrik.

          Das wird mich nicht entmutigen.. Für mich hatte das Buch ja auch den Wert, das ich mir selber viel klarer über die ganzen Zusammenhänge geworden bin. Und es ist ja genauso wie Du sagst.

          Ich kann keine Instantlösungen produzieren.. Aber ich kann dazu beitragen das das Problem überhaupt erstmal und wenns nur bei einigen ist besser wahrgenommen wird.

          Mag ja sein das es am Ende ohnehin keine Lösung gibt die uns unseren unglaublichen Lebensstil weiterführen lässt. Aber es gibt ganz sicher bessere und schlecheter Strategien. Und je mehr an dem Thema mitarbeiten desto eher gibts bessere Lösungen..

          Das ich eure Anregungen und Kritiken gerne aufnehme meine ich ganz ernst. Mein Buch soll zunächst mal informieren.

          Tom

  13. Hendrik Altmann sagt:

    Noch etwas was ich hier gerade loswerden wollte, wenn wir es nicht schaffen sollten in der Nukleartechnologie signifikante Fortschritte zu machen, wird es wohl zu einer starken Verschiebung
    zu Kohle als unseren Hauptversorger von Primärenergie kommen, was wiederum zu mehr Problemen mit dem Klima führen könnte.

    Einfach weil Kohle deutlich wirtschaftlicher ist als die Alternativen, um unsere neue Elektro boom Mobilität zu versorgen.

    • Stefan Wietzke sagt:

      Darauf kannst du alles verwetten was du hast. Kohle ist noch auf lange Zeit in großen Mengen relativ einfach abzubauen. Deshalb hat die Kohle auch einen hohen EROI. Von der Handhabung kommt es direkt hinter dem Öl. Und wenn man dann noch die Anwendungen weiter in Richtung Strom verschiebt, was wir seit 100 Jahren machen, ist das DER Energieträger der Zukunft. Um Wärme zu haben muss ich das Zeug nur verbrennen (Ensticken, Entstauben und Entschwefeln ist weder technisch noch von den Kosten her ein grundlegendes Problem) und für alle anderen Anwendungen mach ich einfach Strom draus. Und die 8% Kerosinnateil kriegst du auch noch daraus hergestellt. Selbst wenn sich dadurch der Kerosinpreis verdoppeln sollte würde das nur zu geringfügigen Verschiebungen zwischen den Transportmitteln kommen. Die Masse des Transports läuft ja global ohnehin weiter über Schiffe. So wie in den letzten 3000 Jahren auch.

  14. Tom Schülke sagt:

    Sooo… Patrick ist damit der erste der eine PDF mit dem ganzen Buch in der aktuellen Form ist….

    Wer ist nächster ? :-)

  15. Tom Schülke sagt:

    hat… nicht ist…

  16. Stefan Wietzke sagt:

    Ich würde gerne mal ein weiteres Thema aus dem Text herausgreifen, dass ich sehr gut als Diskussionsansatz sehe. Und das ist das Thema bauen.

    Da geht die Entwicklung tatsächlich weg von reativ einfachen und gut wiederzuverwertenden Bauten. Bestandenden die früher aus Stein, Holz und Beton dann wird heute nicht nur jede Menge Technik eingebaut sondern auch verstärkt Verbundwerkstoffe verwendet. Es gilt aber: Umso mehr Technik ich einbaue umso mehr geht auch kaputt. Der Wartungsaufwand steigt also. Die Verbundstoffe haben den Nachteil das häufig bereits ihre Produktion einen zusätzlichen Energieaufwand erfoerdert. Außerdem ist ihre Wiederverwertung häufig unmöglich Während man bei Beton den Stahl zielich einfach von dem Mineralanteil trennen und beides anschließend wiedervenden kann funktioniert das bei den allermeisten echten Verbundmaterialien nicht. Es ist ja heute schon schwierig die ganzen Metalligierungen wieder zu trennen. Machbar ist das (notfalls in der Gasphase), kostet aber gigantische Mengen an Energie.

    250 Jahre industrielle Revolution haben viele Produkte und Prozesse schon ziemlich nah an ihr physikalisches Optimum gebracht. Das zeigt sich auch in der ganzen Baudebatte. Inzwischen sind für „Normalverdiener“ praktisch keine Gebäude in Deutschland mehr errichtbar. Wir werden auch sehen das man insbesondere durch den Zuzugsdruck in den nächsten Jahren auch eine Reihe von Vorschriften wieder zurück drehen wird.

    • Tom Schülke sagt:

      Stefan,

      das ist ja genau das was ich in meinem Büro zu kommunizieren versuche. Es gibt ja zwei grundlegende Kategorien in denen die Architekten „Nachhaltiger“ Bauen können.

      In der Gebäudetechnik und im Städtebau.

      In der Gebäudetechnik gibt es nun auch zwei Trends um das zu realisieren. Die Hightechversion, und die Lowtechversion. Die Hightechversion beantwortet nicht die Frage der Stoffkreisläufe und versucht über maximale Effizienz mit Hightech, die Energie in den Gebäuden zu reduzieren, die ein Gebäude im laufe seines Lebens verbraucht.

      Wenn man sich klar macht, das diese laufenden Kosten auf ein Gebäude mit 40 Lebensjahren genauso groß sind wie die Baukosten, dann ist es völlig schleierhaft weshalb nicht jeder Bauherr in nachhaltige Bauweisen in welcher Form auch immer investiert.. Da gehts richtig um Geld.
      Der Grund sind wie so oft kurzfristige Interessen. Die meisten großen Bauprojekte sind schlicht Investitionsanlagen, die der Bauherr nicht für sich selber nutzen wird, sondern später verkauft oder untervermietet. Da interessieren die Energiekosten ihn seltenst. Das mag in einem Familienunternehmen oft anders aussehen. Aber wenn ich da an meine Firma denke die gigantische Bauprojekte in China umsetzt, werden Nachhaltigkeitsmaßnahmen relativ Ratlos nach dem eigentlichen Entwurf appliziert.. Die Bautechniker sollen es richten, die Fachingenieure. (und nur das Nötigste)

      Hier befürchte ich kann nur der Gesetzgeber etwas ändern.

      Die andere Strategie, die ich empfehle mit Hinblick auf die Gefahr einer Vereinfachung unserer Wirtschaftsstrukturen im Kontext sich verteuernder Energie, ist die Lowtechvariante. Baut ein privater Bauherr zb. mit dem ach so verpönten Baustoff Lehm, weil man heute halt Glas und Beton verwendet , so denn man viel Geld hat, dann verkennt er das Lehm ein geradezu unglaublicher Baustoff ist.. (zb.)

      Hervorragendes Raumklima, ein Hundertstel des primärenergieaufwandes verglichen mit Beton, und.. wenns runterrieselt, einfach aufheben.. etws Wasser drann und zurück an die Wand. Dazu Passive dem Ort angepasste Maßnahmen, der ach so beschwohrene „Genius Loki“.. kann mit passiven maßnahmen zu großen Energieeinsparungen führen

      Es ist doch absehbar, das wir in eine Phase der Verknappungen geraten. Die Wirtschaft wächst nicht mehr und Hightechsteuertechniken sind auf globale Produktionsketten, Ökonomies of Scale angewiesen . Diese Lösungen werden im Zweifel in 20 Jahren nicht mehr ersetzt werden können..

      und der ganz große Bereich, der Städtebau, wird von Architekten noch sowas von Gaaar nicht bedacht was Nachhaltigkeit und Energieeinsparungen betrifft. Sowas wie die „Bioregionale Stadt“ ist ganz und gar nicht auf der Palette. ich glaube aber genau da könnten wir nur durch intelligentere Lösungen sehr sehr viel gutes bewegen.

  17. Hendrik Altmann sagt:

    Übrigens Die Generatoren der 4.ten Generation bei der Kernkraft werden immer noch entwickelt, derzeit ist Russland dort führend, mit der BN- Serie.

    Dieses Jahr soll der BN-800 in Betrieb gehen sowie in den nächsten Jahren der Nachfolger BN-1200.

    https://de.wikipedia.org/wiki/BN-Reaktor

    • Michael Egloff sagt:

      Der Anteil der Kernenergie liegt derzeit bei ca. 12% an der weltweiten Stromproduktion.
      Der Anteil am weltweiten Gesamtenergieverbrauch liegt also bei ca. 3%.
      Der prozentuale Anteil der Kernenergie am weltweiten Energieverbrauch geht seit 20 Jahren von Jahr zu Jahr langsam zurück und wird auch in den nächsten Jahren weiter zurückgehen, denn der bei Weitem größte Teil der Kernkraftwerke ist 28 bis 40 Jahre alt. Wird also innerhalb der nächsten 15…20 Jahre das Ende der Nutzungsdauer erreichen.
      Um mal die „Bedeutung“ der Kernenergie beim weltweiten Energieverbrauch zu verdeutlichen.

      • Hendrik Altmann sagt:

        Das ist mir alles bekannt Michael, aber es geht hier darum das es vielleicht noch Hoffnung gibt, darum das die Entwicklung der Brüter Generatoren noch nicht tot ist.

        Auch der Anteil der elektrischen Mobilität fristet noch ein Schatten Dasein, was sich allerdings mit hoher Wahrscheinlichkeit in Zukunft ändern dürfte.

        Die Eneuerbaren sind dank niedrigem ERoEI keine wirkliche Alternative und der Speicherproblematik bei diesen Techniken, die den ERoEI noch einmal heftig absinken lässt.

        Wenn die Brütergeneratoren weiter verbessert werden und entwickelt, was natürlich teuer ist und viele Ressourcen kostet, könnte diese Reaktortechnik uns vielleicht mehr Zeit geben bessere Methoden zu finden um noch effizientere Nuklear _Technik zu erforschen, denn die einzige Zukunft die uns realistisch bleibt basiert auf Nukleartechnik.

        Die andere Alternative ist massiver Ausbau der Kohleförderung.

        Brüter Generatoren haben die Möglichkeit Atommüll aufzubereiten und zu reduzieren sowie ungenutztes Spaltmaterial aus Nuklearwaffen zu recyceln, mag sein das der Anteil immer geringer wird, das Problem hier ist das zu wenig Ressourcen in die Weiterentwicklung fließen, Der Anteil an Kernenergie im Universum liegt bei 99,9 % ich denke wir hinken hier hinterher.

        • Hendrik Altmann sagt:

          okay 99,9 % ist etwas übertrieben da wäre noch die Gravitations Energie, dunkle Energie, die Aktiv wirkt in Größenordnungen.

        • Michael Egloff sagt:

          Tja, die Kernfusion ist ohne Zweifel eine Erfolgsgeschichte im Universum. Die Kernspaltung eher nicht, gemessen an der Bedeutung des energetischen Potenzials.
          Nun müssen wir uns also nur noch Mini-Sonnen auf die Erde holen. Alle Naselang wird ja von quasi-Durchbrüchen auf diesem Gebiet berichtet, die sich dann doch nicht als wirkliche Durchbrüche herausstellen. Warten wir´s ab.

          Und sollten wir uns dann wirklich die Kernfusion nutzber gemacht haben, dann brauchen wir nur noch die Wasservorkommen erneuern, wo sie verdreckt oder abhanden gekommen sind, die Bodenerosion und Versalzung stoppen, die Fischbestände erneuern, die verlorengegangenen Wälder wiederaufforsten, die zunehmenden Giftstoffe aus der Biosphäre entfernen, die demographische Bombe in Afrika uns Südasien sowie die aufkommende Massenmigration entschärfen, die Waffen einsammeln und vernichten und das Prinzip „Du sollt nicht töten oder foltern“ weltweit durchsetzen, die grenzenlose Gier besiegen und manches Andere.

          Aber wie sagt schon die Bundesmutti: „Wir schaffen das!“
          Na denn.

          • Tom Schülke sagt:

            Also…

            Kernfusion finde ich ja toll..

            Irgendwann habe ich mal überschlägig ausgerechnet das, sollte uns deuterium-deuterium Fusion gelingen wie in der Sonne und nicht deuterim-tritium Fusion, dann würde der Bruchteil der Deuterim isotope in den Weltmeeren, eine Energieversorgung auf dem Niveaux von 2009 für mehrere Hunder millionen Jahre ermöglichen..

            Das ist schon ein ganz dicker Brocken… Nur

            1. Völlig ungewiss ob es klappt.

            2. Wenn es gelingt, schreit die Menschheit Juchee.. die Party geht weiter, lasst uns das machen was wir zwischen 1950 und 1970 hatten, exponentielles Wachstum.. Und dann ist in 1000 Jahren wieder Zapenduster.. So ist das mit dem verflixten Wachstum. Wir würden nix aus dem neuen Lottogewinn lernen und statt dessen irgend eine andere Grenze Reissen… Und ich bin ganz und gar anderer Meinung als es STefans aussage andeutet, unser einziges Problem Sei Energie.. damit könnten wir alle Probleme Lösen. (müsste ich mal differnzierter darlegen)

            3. Wir haben jetzt ein Problem. Versteht mich nicht falsch. Kernfusionsforschung und Grundlagenforschung ist etwas phantastisches.. man stelle sich Vor die Rüstungsausgaben der Welt würden in Grundlagenforschung, Bidung, Förderung der benachteiligten fließen.. ein Traum…
            Aber es ist wie es mir scheint völlig eindeutig, das Kernfusion nicht den jetzt einsetzenden Rückgang der fossilen Energieversorgung überkompensieren könnte.

            Kraftwerke der 4. Generation.. Nur zu..

            Doch im Hinterkopf dürfen wir nicht vergessen, das ein System immer dann kippt wenn es an irgendeine Grenze stößt.. ob es Energie ist oder das kippende Klima oder der Verlust der Mutterböden oder ein globales Ozeanesterben..

            Ich hab den Verdacht das vielleicht , bei allen Übergangsschmerzen die wir jetzt durchzustehen hätten wenn der Ölmann ausstirbt, die Übernächste Generation sagen würde.. Gott sei dank, das das rechtzeitig ein Ende hatte, bevor auch noch die letzten Bioreservate und die Biokapazität endgültig zum teufel war..

            3. Wir haben jetzt ein Problem

            • Michael Egloff sagt:

              Völlige Zustimmung, Tom.
              Deshalb versuche ich hier ja die physikverliebte Diskussion immer wieder durch andere Aspekte zu ergänzen: Ökologie/Klima, Demographie/beginnende Massenmigration, Geopolitik/Bewaffnung, Finanzarchitektur usw.

              Deshalb in Ergänzung zu deinem letzten Satz: Wir haben jetzt ein ganzes Bündel von Problemen. Lediglich die energetische Seite zu lösen (wenn es denn möglich wäre!) würde uns von den anderen Problemen noch nicht befreien. Vielleicht sogar im Gegenteil, weil wir die Fallhöhe dann noch weiter vergrößern könnten.

            • Hendrik Altmann sagt:

              Das Ding ist wenn wir es nicht schaffen, werden viele Bioreservate auf jeden Fall zum Teufel gehen.

              Der Rückgang des ERoEI würde dann nicht mehr aus Effizienz Gewinne kompensiert, sondern es würde versucht werden diesen aus eben diesen noch halbwegs intakten Bioreservaten zu kompensieren, oder den Resten die heute davon übrig sind.

              Ich hatte schon mal angedeutet was passieren könnte, wenn Hunger und Kälte viele Menschen trifft und denen keine Wahl bleibt, als sich diese Dinge aus dem nächsten Wald zu holen.

              Auch insgesamt wird Umweltschutz aus Produktivität geleistet, wie viel Produktivität wir uns leisten können in Umweltschutz zu investieren, wird vom ERoEI bestimmt.

              Ein System Crash wäre auch ein Horror Szenario für unser Ökosystem, jegliche Bemühungen irgend etwas für den Umweltschutz zu tun würden eingestellt und der Raubbau an der Natur würde ein neues Level erreichen.

              Es gibt einfach keinen angenehmen oder einfachen Weg zurück, gehen wir zurück crasht das System und das wird Schlimm.

            • Hendrik Altmann sagt:

              Bis Brütergeneratoren mal Wirtschaftlich laufen muss noch viel getan werden, viele Ressourcen investiert und es werden noch einige Jahre oder Jahrzehnte vergehen.

              Wahrscheinlich sind wir da zu spät, aber die Hoffnung bleibt.

              Bei der Kernfusion sieht es noch dunkler aus, vielleicht in 50 Jahren wird wohl auch viel zu spät kommen und wie wirtschaftlich Kernfusion mal sein kann steht noch in den Sternen.

              Der Punkt ist wir haben keine echte Alternativen, verbrennen wir mehr Kohle bekommen wir mehr Probleme mit dem Klima und der Umwelt und in einigen Jahrzehnten lässt sich die Förderung wohl dann auch nicht mehr steigern.

              Die Erneuerbaren müssen auch noch mal ne ganze Ecke Effizienter werden, der ERoEI muss steigen um eine echte vollwertige Alternative zu werden, gerade wegen der Speicherproblematik.

              • Michael Egloff sagt:

                Die Inanspruchnahme der Biosphäre (Böden, Süßwasser, Fischbestände, Wälder usw.) ist ja schon in den letzten Jahrzehnten sprunghaft angestiegen, vor allem in den demographischen Boomländern (= Mehrheit aller Länder), obwohl wir in einem energetischen Paradies lebten.
                Es ist also nicht realistisch, anzunehmen, mit einer Verlängerung der energetischen Paradiesphase (die es für über 50% der Weltbevölkerung garnicht oder kaum gegeben hat) würde der Druck auf die natürlichen Basiressourcen nachlassen oder auch nur deutlich weniger steigen.

                Ich bin in meinen Analyseversuchen immer möglichst konkret. Deshalb betrachte ich gerne Entwicklungen regional differenziert. Und besonderes Interesse gilt dabei neben Südasien unserem Nachbarkontinent Afrika. Wir sehen ja derzeit, dass wir uns von gravierenden Entwicklungen in anderen Regionen nicht einfach bequem abkoppeln können.
                Was passiert also, wenn sich in den nächsten 35 Jahren die Bevölkerung in Afrika annähernd verzweieinhalbfacht, in den Ländern zwischen dem Tschad und dem Senegal gar verdreifacht?
                Wenn Nigeria also nicht mehr 180 Millionen Einwohner hat, sondern 450 Millionen?
                In einem ethnisch-religiösen Flickenteppich mit willkürlich durch die Kolonialzeit gezogenen Landesgrenzen? Auch heute schon vollgestopft mit Waffen? Mit auch durch EU-Trawler leergefischen Küstengewässern vor der afrikanischen Küste? Mit den auch durch das so um Menschenrechte besorgte Europa niederkonkurrierten Landwirten in diesen Ländern? Und vorraussichtlich hinsichtlich des beginnenden Klimawandels so betroffen wie kein anderer Kontinent?
                Und was macht das mit uns? Bleibt das für uns folgenlos, oder wird es uns über Umwege massiv betreffen, wenn etliche Länder mit zusammen der zigfachen Bevölkerung wie Syrien scheitern?

                Trennt Euch von der Vorstellung, mit der (erhofften) Lösung der Energiefrage für die ängstlichen Reichen (also uns) wären in der Zukunft unsere heutigen Lebensumstände – möglichst natürlich noch weiter verbessert – in den weiteren Verlauf dieses Jahrhunderts hineinzuretten.

              • Stefan Wietzke sagt:

                Na ich bin da keineswegs so pesimistisch. Man muss sich die Daten da schon mal korrekt ansehen.

                Die Mehrheit der Staaten ist über die Erhaltunggeburtsrate hinaus. Aktuell arbeiten wir hier den Totzeitfaktor ab (der ist ungefähr 30 Jahre). Weltweit steigt auch noch die Lebenserwartung, was das etwas streckt. Aber das wollen wir ja alle. Selbst in etwa der Hälfte der indischen Bundesstaaten ist die Geburtenrate inzwischen unter 2 gefallen.

                Der hierfür wichtigste Faktor ist dabei höhere Bildung. Und zwar insbesondere der Frauen. Das Wohlstandsniveau ist sogar nicht einmal entscheidend.

                Ich empfehle auch immer wieder Pinker. Der hat sehr schön gezeigt das z.B. auch die Gewalt zwischen Menschen während der gesamten hochkulturellen Geschichte des Menschen zurück geht. Daran haben auch WK1 und 2, die Atombombe etc. nichts geändert. Auch die aktuellen Konflikte produzieren in Relation zur Bevölkerung Opferzahlen die nur einen Bruchteil von denen im 19. Jahrhundert ausmachen (immer noch zu viel, aber immerhin).

                Armut und Unterentwicklung sind heute mehr als je poltische und gesellschaftliche Probleme. Es geht weiterhin um Macht und Ressourcenzugriff.

                Es ist schon erstaunlich das sich an der groben Einkommensverteilung in den letzten Jahrtausenden an sich nicht viel getan hat. Ein Blick auf das alte Rom zeigt das sehr schön. Dort gab es eine ganz kleine Schicht von Superreichen. Das waren einige wenige Senatorenfamilien rund um die Konsulatsaspiranten und später die Kaiser. Dann gab es so etwas wie einen gehobenen Mittelstand der eta 10-15% der Bevölkerung ausmachte. Das waren Handwerker, Händler, Unternehmer, aber auch angehörige des Militärs. Sie bildeten die städtische Mittelschicht und verfügten über einen bescheiden Wohlstand, Bildung und die Resourcen für Freizeitvergnügen. Dann kommt eine breite Gruppe freier Bürger, die aber wirtschaftlich über keine Reserven verfügten und oft als Tagelöhner arbeiteten. Die etwa 10-15% Sklaven bildeten dann sozusagen das Prekariat. Wenn man sich die Strukturen und Größenverhältnisse ansieht, ist es heute im globalen Maßstab ähnlich. Nur das gesamte Niveau ist nach oben verschoben und der absolute Abstand zwischen den Gruppen hat sich vergrößert. Was nicht verwundert, denn heute ist die mögliche Spanne auch größer.

          • Spigola sagt:

            Sehr schöne Aufzählung. Aber was machen wir dann am Nachmittag?

  18. Hendrik Altmann sagt:

    Aber Michael das alles ist und bleibt teil eines physikalischen Problems, alles auf der Erde und des Universums basiert auf den Regeln der Physik.

    Und auch ob in Afrika Menschen auf unserem Wohlstands Niveau leben können oder wie viele Menschen das können bleibt eine physikalische Frage und nix anderes.

    Der Entscheidende Wert ist auch hier der ERoEI der bestimmt wie viel Nahrung wir produzieren können, wie viel Wasser wir Sauber halten oder machen können, wie hoch unsere Recycling Rate und Effizienz ist oder ob wir die Atmosphäre in einem angenehmen Temperatur Bereich halten können.

    Ist der ERoEI hoch genug ist es kein Problem die Wüste zu begrünen oder riesige Mengen Salzwasser in Süßwasser zu wandeln, faktisch sind uns keine Grenzen gesetzt, mit genügend gutem ERoEI und genügend verfügbarer Nettoenergie ist alles möglich, sogar die Expansion in unser Solar System wo noch gigantische Mengen an Rohstoffen liegen die dann ohne Probleme genutzt werden könnten.

    Aber solange diese Energiefrage unbeantwortet bleibt und der Abfall des ERoEI weiter auf den Faktor von 3-5 zuläuft also der Landwirtschaft nur mit Muskelmasse betrieben ist ein Entwicklungsstand und Komplexitätslevel über das von Rom nicht möglich.

    Und einfach mal zrückrudern geht nicht, einige Jahrhunderte Chaos und Zerstörung auf allen Ebenen wäre die Folge.

    • Stefan Wietzke sagt:

      Seh ich ganz genau so. Alle sonstigen Resourcen sind in ausreichender Menge vorhanden. Mit genug Energie kann man auch die Ernteertäge auf sehr kleinen Flächen noch heute immens in die Höhe treiben.
      Im Bergbau bewegt man eben die dreifache Menge Erz und Material. Rein technisch/physikalisch können die Erzgehalte noch um mehrere Größenordnungen fallen. Nur dann brauche ich mehr Energie und deren Erntefaktor muss hoch genug sein.

      Auch Umweltprobleme sind im Endeffekt Probleme eines Energiemangels. Denn wenn ich mehr aus der Biosphäre entnehme als diese von alleine regenerieren kann dann ist das ein Energiemangel in der Biosphäre. Den kann ich dadurch umgehen das ich mehr selbst herstelle und nicht der Umgebung entnehme. Das selbe Problem hat man auf der Abfallseite.

      Das was dann verbleibt ist entweder Unwissen oder Gier.

      Übrigens sind das römische Reich im ersten bis ins 3.Jahrhundert hinein sowie das China während der Han-Dynastie ein sehr gutes Beispiel. Diese Reiche waren in der Lage eine umfangreiche öffentliche Infrastruktur zu unterhalten (Strassen, Wasserversorgung, Schiffstransport). Es wurden auch Massengüter über große Entfernungen transportiert. In vielen Bereichen gab es industrielle Produktionsstrukturen und eine relativ große Bildungsbeteiligung.

      Aber Arbeitskräfte waren immer knapp. Es gab zwar immer Zeiten in denen man nicht alle Leute beschäftigen konnte. Aber das lag daran das man bis heute in vielen Bereichen die Arbeit nicht gleichmäßig verteilen kann(Saisonproblem). Die Landwirtschaft hat Spitzenzeiten, wo es Frost gibt kann auch im Baubereich nicht das ganze Jahr gearbeitet werden etc.

      Aber auch in diesen Gesellschaften sind 80-90% der arbeitsfähigen Bevölkerung mit der Grundproduktion und der Verteilung von Nahrung, Kleidung und Mindestunterkünften beschäftigt.

      Diese Zeit ist auch bei uns noch nicht lange vorbei. Erst kam der Schub im Textilbereich und im Transport. Dann in der Landwirtschaft und schließlich im Haushalt.

  19. Hendrik Altmann sagt:

    Wir haben nur eine Chance etwas großes zu werden, eine Spezies die die Grenzen unseres Heimatplaneten hinter sich lassen und andere Planeten erreichen kann, nutzen kann.

    Nutzen wir diese Chance nicht richtig werden wir untergehen und in der Vergessenheit enden, Ich bin fest davon überzeugt das irgendwo anders im Universum andere Spezies diese Chance richtig genutzt haben, und sich damit eine neue Welt geöffnet von unvorstellbaren Dimensionen, unser Sonnensystem hat 8 Planeten 5 Zwergplanten 243 Monde und hunderte Millionen Asteroiden, Rohstoffe satt nur das ERoEI Verhältnis muss stimmen um da ran zu kommen.

    Solar Panels sind im All z.B sehr effektiv, nichts was die Sonneneinstrahlung behindert auch die Speichertechnik wäre nicht das Problem da die Sonne rund um die Uhr eingefangen werden könnte, es ist möglich allerdings nicht ohne gigantische Anfangsinvestitionen.

    Okay mag sich nach Träumerei anhören, vielleicht ist es das auch, aber hey was solls theoretisch möglich wärs.

    • Michael Egloff sagt:

      Ja, auch ich stehe auf Science Fiction. Da sind der Phantasie keine Grenzen gesetzt.
      Theoretisch ist vieles möglich. Z.B. den Flüchtlingen in den Lagern in der Türkei, im Libanon, in Jordanien, in Kenia oder im Tschad wenigstens eine halbwegs ausreichende Ernährung zukommen zu lassen.
      Aber nicht mal so etwas Popliges schaffen wir reicheren Länder.
      Das ist der klitzekleine Unterschied zwischen Theorie und Praxis.

      • Hendrik Altmann sagt:

        Wir könnten das ohne Probleme schaffen, nur ist da denke ich kein oder nur wenig Bedürfnis diesen Menschen Nahrung zukommen zu lassen, diese Länder müssen das aber zum Teil auch selbst schaffen, mit korrupten und ineffizienten Regierungen ist es kein Wunder das, dass Produktionslevel so viel niedriger ist als in Europa, Nordamerika oder Süd ost Asien.

        Letztendlich ist aber auch egal ob wir versagen eine höher entwickelte Spezies zu werden, wir hatten die Möglichkeit dazu, riesige Vorkommen an fossilen billigen Energien, es gibt 10 Trilliarden Sonnen da draußen im Universum, irgendwelche Spezies werden es schaffen.

        Wahrscheinlich gibt es Millionen von Planeten wie den unseren, vielen widerfährt wohl das selbe Schicksal wie uns und der Erde, aber einige werden wohl Ihre Energiereserven klüger nutzen.

        Es ist wie mit den vielen kleinen Gemeinschaften im Mittelalter, wenn da eine Hungersnot ein paar Städte und Dörfer hinwegfegt, wen juckts es sind genug andere da, mit der Realität es nicht geschafft zu haben müssen nur wir klar kommen.

  20. Tom Schülke sagt:

    Hallo Liebe Kommentatoren.

    Ich habe eben noch mal die Diskussion überflogen und freu mich über die Vielfalt der Argumentationen und die Vielschichtigkeit in der hier diskutiert wird. Auch über den Umgangston der auch dann sehr angenehm ist , wenn man ja sehr verschiedene Auffassungen hat.

    In meinem Buch empfehle ich ja nun das wir versuchen sollten in unsere Systeme einen höheren Grad an Resilienz zu integrieren um damit die Auswirkungen einer Entwicklung abzufedern, die wir in ihren Grundzügen hier alle ernst nehmen.

    Das ist hier auch der wesentliche gemeinsame Nenner.. Uns allen ist bewußt, das

    1. Die Verfügbarkeit der Ressourcen allmählich abnimmt, und damit unsere aktuellen Möglichkeiten, billig, preiswert und in großen Mengen die Grundlage für unseren Lebensstil aufrecht zu erhalten.

    2. Scheint eine gewisse Grundeinigkeit zu bestehen, das Energie eine Masterressource ist ohne die eine Komplexe und hochorganisierte Zivilisation technischer Prägung nicht funktionieren kann.. Der Grad der Komplexität, der Bildung und des Wohlstandes scheinen im Wesentlichen vor allen von dem Nettoenergieüberschuss einer Zivilisation abhängig zu sein.

    3. Es herrscht Einigkeit darüber das zumindest beim Öl der Rückgang der Verfügbarkeit unmittelbar bevor steht und der EROEI stark sinkt.

    Die Diskussion geht dort auseinander Wo es um die Frage geht, was wir tun können um die mit dieser Entwicklung verbundenen Gefahren abzuwenden.

    Zwei Grundvorschläge existieren..

    A: Wir haben nur die Chance einer Flucht nach Vorne… Nur neue Energiequellen hoher Qualität können einen drohgenden Kollaps unserer Zivilistion und den Rückgang der fossilen Energieträger insbesondere des Öls kompensieren oder sogar die Chance für eine Höherentwicklung unserer Zivilistion ermöglichen. Mit genügend Energie können wir so gut wie alle anderen Probleme wie die Ökologische Probleme oder Wirtschaftliche in den Griff bekommen. Eine Investition in weniger komplexität, Resilienz oder Redundanzen würden das Problem sinkender Nettoenergieüberschüsse unserer Zivilisation noch verschärfen und damit einen möglichen Kollaps nur beshleunigen.

    B: Wir investieren intensiv in resilientere Strukturen um die hochwahrscheinliche Entwicklung das es uns nicht gelingt neue alternative Energiequellen mit ausreichendem Nettoenergieüberschuss bereitzustellen abzufedern. Es sollte versucht werden unsere Wirtschaft in den Grenzen einer Steady state Ökonomie, innerhalb der ökologischen Grenzen des Systems zu realisieren. Es wird befürchtet, das der Versuch neue leistungsfähigere Energiequellen zu finden, entwickeln, entdecken, letztlich nur die Fallhöhe des Systems erhöht. Wir würden im besten Fall Zeit kaufen um danach in neue genauso gravierende möglicher weise auch anders geartete Grenzen zu laufen (wie in den verschiedenen Scenarien aus GdW)

    Vielleicht findet Ihr ja noch einmal die Zeit , hier eure Argumentation knackig zusammenzufassen. Weshalb seid Ihr für A oder B. Weshalb haltet Ihr den Vorschlag der „Gegenseite wäre ja falsch formuliert“ anderen Fraktion nicht für Zielführend.
    Oder sind Mischstrategien denkbar die Askpekte beider Vorschläge berücksichtigen… (Wir wollen hier ja nicht in schwarz-weiß-denke verfallen ;) )

    Ich finde diese Diskussion sehr hilfreich und Überlege … mit eurem Einverständnis, die wesentlichen Argumente als weiteren Anhang mit in meinem Buch als virtuelles Streitgespräch zu integrieren… Ausgang ungewiss..

    • Stefan Wietzke sagt:

      Das mit der „Mischstrategie“ ist natürlich richtig. Man kann immer das eine tun und muss deswegen das andere nicht lassen.

      Natürlich kann man verstärkt an neuen Energiequellen arbeiten und gleichzeitig Ressourcen schonen. Auch bewusster mit Dingen umzugehen und damit achtlose Verschwendung zu unterbinden (z.B. bei Lebensmitteln) ist nie verkehrt.

      Zeit gewinnen hört sich auch so negativ an. Aber das ist es nicht. Denn Zeit gewinnen ist das was wir schon immer und ausschließlich getan haben. In einer nicht deterministischen und nicht vorhersagbaren Welt ist auch gar nichts anderes möglich. Die ganze Evolution macht nichts anderes.

      Mir mangelt es eher an einigen grundsätzlichen Diskussionen zu Fragen der Redundanz, Lokalisierung, Bedürfnisentwicklung usw. Hier sollten wir noch mal einsteigen. Ich greife mal einige der wesentlichen Begriffe auf, die du behandelst:

      Bei der Widerstandsfähigkeit fehlt mir die Vorstellung was denn Widerstandsfähig gemacht werden soll. Die Menschheit? Das Indviduum? Und gegen was jeweils? Denn diese unterschiedlichen Ziele widersprechen sich nicht nur sondern erfordern auch völlig unterschiedliche Strategien.

      So widerspricht sich persönliche Widerstandsfähigkeit und Regionalisierung. Denn in einer regionalisierten Struktur wachsen sich auch regionale Probleme sofort zu einer Katastrophe aus. Das kann man einfach an der Ernährungsfrage festmachen. Werden Lebensmittel vor allem lokal erzeugt und verbraucht dann führt jedes lokale Unterwetter zu lokalen Problemen. Diese können nun aber nicht von „außen“ behoben werden, denn die anderen „lokalen“ Einheiten sind auch nicht auf Überschussproduktion augelegt. Sie können daher auch im Bedarfsfall nicht einspringen. In einer vernetzten und überregionalen Wirtschaft ist das anders. Da gleichen sie die lokalen Abweichungen aus.

      Nun kann man allerdings argumentieren das die Menschheit insgesamt durch die Lokalisierung robuster wird. Denn durch die Entkopplung der Einheiten ist der Totalverlust selbst einer großen Anzahl dieser lokalen Strukturen verkraftbar. Die anderen Einheiten kriegen das eventuell nicht einmal mit. Das ist wie mit den beiden grundlegenden Fortpflanzungsstrategien in der Natur. Entweder von einander unabhängige „Masse“ mit hoher Verlustquote oder wenige Nachkommen mit hoher Brutpflege.

      Redundanzen sind also hier die einzelnen Protagonisten selbst. Nicht das persönliche Leben wird sicherer, sondern man erhöht das eigene Risiko zur Überlebenssicherung der Gemeinschaft.

      In versuche das Dilema noch an einem anderen Beispiel zu erläutern. Völlig zu Recht wurde in diesem Blog ja immer wieder auf Studien zur Abhängigkeit vom Öl hingwiesen. Wenn ich von einer Ressource/Technik usw. abhängig bin die gleichzeitig auch noch extrem wichtig ist dann ist das Mittel der Wahl um das zu ändern Diversifizierung. Es bringt ja nicht viel von einer Abhängigkeit in die andere zu wechseln. Z.B. indem man die Abhängigkeit von arabischen Öllieferungen durch die von russischem Holz ersetzt. Diversifizierung bedeutet aber verstärkte Vernetzung. Es ist also gerade das Gegenteil von Lokalisierung.

      Die Widerstandsfähigkeit eines Systems zeigt sich weniger daran das es für voraussehbare Probleme eine Lösung hat sondern vor allem darin wie es auf Probleme reagiert die aus heiterem Himmel fallen. Also die mit denen niemand gerechnet hat. Auf solche Probleme kann man am besten reagieren wenn man über einen möglichst großen Optionsrahmen verfügt. In einer global vernetzten Landwirtschaft kann ich auf eine lokale Hungerkatastrophe auch dann schnell reagieren wenn ich ihr mögliches Auftreten nicht einmal in Erwägung gezogen habe.
      Eine lokale Einheit kann das nicht einmal wenn sie sich dessen sehr bewusst ist. Denn eine lokale Überschussproduktion und eine mittelfristige Lagerung der Nahrungsmittel ist in lokalen Einheiten kaum möglich.

      Auch die Frage einer „stady state“ Ökonomie müssen wir begrifflich genauer fassen. Die Frage ist, was denn hier „statisch“ bleiben soll. Ich geh mal davon aus das sich das auf die Gesamtmenge umgeschlagener Güter pro Kopf bezieht. Die Folge davon ist das neue Produkte alte verdrängen müssen.

      Beispiel: Es wird z.B. ein neues zusätzliches medizinisches Verfahren erfunden das die Gesundheit verbessert und/oder das Leben verlängert. Das verbraucht IMMER zusätzliche Ressourcen. Diese müssen nun wo anders eingespart werden. Das geschieht bei beschränktem Einkommen einfach durch die Umlenkung des Konsums.
      Das gilt aber nur dann für alle, wenn die Einkommen weitgehend identisch sind. Wenn nicht werden sich einige diese zusätzliche Versorgung leisten können ohne sich sonst einzuschränken. Ab einem gewissen Aufwand und damit entsprechender Kosten wird diese Möglichkeit aber nur noch den Wohlhabenden zur Verfügung stehen. Und da der Gesamtaufwand ja nicht steigen darf werden die ärmeren Teile der Bevölkerung niemals von diesen Fortschritten profitieren können. Eine statische Wirtschaft friert auch alle anderen Gesellschaftsfelder weitgehend ein.

      Vielleicht noch etwas zum Begriff der „Flucht nach vorne“. Das ganze Leben auf diesem Planeten ist eine „Flucht nach vorne“. Die Entwicklung des Lebens ist Veränderung, zunehmende Arbeitsteilung und damit zunehmende Komplexität. Und das immer bis an die Grenze die die zur Verfügung stehende nutzbare Energie jeweils erlaubte. Nun haben wir als Teil der Biosphäre die Grenzen weiter nach außen geschoben. Gelingt das nicht mehr so gibt es wie immer der Geschichte des Lebens einen unkontrollierten Rückbau.

      • Hendrik Altmann sagt:

        Stichwort unkontrollierter Rückbau, hier fällt mir ein Punkt besonders auf, der Versuch Städte auf diesen unkontrollierten Rückbau vorzubereiten, dürfte sich als nahezu unmöglich gestalten.

        Falls wir es nicht schaffen sollten einen Ersatz für die noch billigen Energien zugänglich zu machen, wird eine massive Flucht von den Städten aufs Land erfolgen.

        Einfach weil viel mehr Arbeitskraft den Produktionsabfall der dann fehlenden Maschinen auf dem Land auffangen muss, es wäre im wesentlichen ein Rückwärtsgang der jetzigen Urbanisierung.

        Denn nur die durch billige Energie und der daraus entstandenen industriellen Landwirtschaft, sich massiv erhöhte Produktivität auf dem Land, hat diese Urbanisierung ermöglicht.

        • peterwy sagt:

          Hallo Hendrik,
          was soll denn an einer sogenannten Landflucht schlecht sein?
          Warum soll denn das Leben in einer Großstadt mit mehreren Millionen Einwohnern denn besser sein oder Nachhaltiger.
          Meine Erfahrung ist, dass die Menschen in einer Großstadt eher den Bezug zu ihrer Umwelt verlieren. Das bedeutet doch, sie kennen nicht mehr die Kreisläufe der Natur, die Wichtigkeit einer möglichst großen Artenvielfalt und den achtsamen Umgang mit dem was wir noch haben.
          Blos wenn jemand etwas nicht kennt, wie will er denn das was er nicht kennt, beschützen und pflegen und bewahren.
          Ein Anbau von Nahrungsmitteln in Bunkern oder in vielstöckigen Treibhäusern, wie man das manchmal liest, ist doch kein Ersatz. Meine Befürchtung ist eher die, das Menschen die in diesen Millionenstädten leben, eher den Bezug zur Natur verlieren, es tritt eine gewissen Entfremdung und damit eine Gleichgültigkeit gegenüber der Natur ein.
          Ich möchte jetzt nicht für die industrielle Landwirtschaft plädieren, oder für die Dörfer welche nur noch als Schlafplätze dienen mit einer grünen Todeswüste (Rasenfläche, einmal pro Woche gemäht) vorne dran.
          Aber wäre es nicht hilfreicher wenn wir wieder mehr Menschen in der Landwirtschaft hätten, in kleinerern Betrieben mit einer größeren Fruchtfolge, mit weniger großen Maschinen und Kunstdünger. Wäre das nicht ein Segen für unsere ausgeräumte Landschaft die zum Teil nur noch der Nahrungsproduktion in großen Monokulturen dient, ohne Brachflächen, ohne Hecken ohne Blühstreifen dazwischen.
          Natürlich haben wir in den letzten paar Jahren einige Fortschritte im Naturschutz gemacht, aber was glaubst die wie schnell die großen Agrarkonzerne die Geschichte wieder rückgängig gemacht haben können. Gerade unter dem Gesichtspunkt wenn ein Großteil der Menschen keinen Bezug mehr zu der Natur haben. Einfach weil sie das nicht mehr kennen.
          Oder sehe ich das denn falsch?

      • Spigola sagt:

        Hallo Stefan,

        Deinem Wunsch nach grundsätzlichen Diskussionen zu Fragen der Redundanz, Lokalisierung, Bedürfnisentwicklung usw. schliesse ich mich an. In dem Bereich werden häufig Ausdrücke verwendet bei denen nicht sicher ist ob alle das Gleiche darunter verstehen.
        Ich fange mal mit Deiner Frage an: „Was verstehen wir eigentlich unter Widerstandsfähigkeit? Wer oder was soll widerstandsfähig gemacht werden und gegen was?“
        So gut wie jeder der sich in die Problematik Peak Oil eingearbeitet hat kommt zu dem Schluss, dass wir in Reichweite einer massiven Energiekrise stehen. Unmöglich vorherzusehen ist freilich wann und auf welche Weise sie sich manifestieren wird. Im Prinzip kann sie aber jeden Moment losbrechen. Die genauen Folgen sind schwer abzuschätzen, es ist aber mit sehr einschneidenden Krisen zu rechnen. Der Einzelne strebt also sicher schon mal Widerstandsfähigkeit gegenüber den zu erwartenden Krisen für sich selbst an; da das als Einzelperson unmöglich ist, hofft man grössere Einheiten der Gesellschaft in eine solche Richtung bewegen zu können. Da es sich längst erwiesen hat, dass Entscheidungen auf internationaler oder nationaler Ebene völlig von Sachzwängen blockiert sind, haben sich seit Jahren diese Hoffnungen auf die kommunale Ebene fokussiert. Die haben zwar auch ihre Sachzwänge, scheinen aber manchen Argumenten etwas leichter zugänglich. Ich persönlich habe die grössten Zweifel ob sich vor dem Einstellen erster existenzieller Probleme irgend etwas substantielles tun wird.

        Deine Bemerkungen zu den Schwachstellen einer ökonomischen Regionalisierung finde ich zwar prinzipiell zutreffend, aber Du übertreibst die Darstellung so stark, dass sie letztendlich doch falsch wird. Vor allem sitzt ein Fehler im Zentrum Deiner Aussage:“denn die anderen „lokalen“ Einheiten sind auch nicht auf Überschussproduktion augelegt.“ Das ist auf jeden Fall ein Irrtum. Jede landwirtschaftliche Produktion, insbesondere jene der leicht konservierbaren Grundnahrungsmittel ist immer auf die Produktion von Überschüssen ausgelegt (ob das jedes Jahr gelingt steht auf einem anderen Blatt) und seitdem es Landwirtschaft gibt haben Gegenden die bessere Ernten hatten ihre Überschüsse in Gegenden geliefert die Missernten hatten (und dabei gute Geschäfte gemacht) Unmöglich wurde das nur bei Missernten von geographisch sehr grossen Gebieten wo einfach gar niemand mehr als Retter einspringen konnte. Das war aber sehr selten. Das Prinzip der Regionalisierung bedeutet ja nicht komplette, dumme Abschottung jeder Talschaft vom Rest der Welt. Austausch wird es sicher weiter geben, auch nach dem Peak Oil, nur eben nicht im selben Ausmass und nicht zum selben Tarif.

        Der Absatz in dem Du die Widerstandsfähigkeit eines Systems daran misst, dass es fähig ist auf völlig neue, unbekannte Probleme zu reagieren hat mich nicht ganz überzeugt. Schon die Fähigkeit auf altbekannte, gut definierte Probleme wie z.B. Hochwässer oder Missernten gut zu reagieren zeugt von einem sehr guten Organisationsgrad und Weitblick einer Gesellschaft. Ich wäre ja schon begeistert, wenn ich feststellen würde dass unsere Gesellschaft das gut definierte und dokumentierte Problem Peak Oil ernst nähme und an Gegenstategien arbeitete. Das tut sie aber mehrheitlich nicht.

        Die Bemerkung, dass die ganze Entwicklungsgeschichte eine „Flucht nach vorne“ sei ist durchaus schlüssig. Das Problem ist, dass manche Zweige der Evolution in Sackgassen geflüchtet sind und sich plötzlich vor einer unüberwindlichen Wand wiederfanden. Ich für meinen Teil halte im Zusammenhang mit unserem Diskussionsthemma die Wette auf die Flucht in Richtung „technischer Lösung“,“neuer Energiequellen“ oder „massiv auf Atomkraft setzen“ für eine Sackgasse und zwar eine nicht einmal sehr lange. Daher kam auch meine Frage an Dich in meinem Beitrag vom 2. Oktober:

        „Auf der Ebene möchte ich aber gerne die Hoffnung auf eine neue technische Lösung des anstehenden Energieproblems beleuchten und diskutieren. Wie könnte die real aussehen? Nehmen wir mal an, die neue Generation EPR-Reaktoren sei in ein paar Jahren ausgereift, serientauglich und brächte gute Ergebnisse. Um nennenswerte Steigerungen in der gesamt-Energieproduktion zu erreichen bräuchte man eine gewaltige Steigerung der Förderung und Aufarbeitung des spaltbaren Materials mit dem diese Reaktoren betrieben werden. Über welche Grössenordnungen reden wir da überhaupt, damit eine solche Technologie den weltweiten Energiemarkt spürbar von der drohenden Ölkrise entlasten kann? Wie viele Reaktoren bräuchte es? Wieviel Brennstoff? Ist das real überhaupt aufzutreiben und zu welchem Tarif?

        Und selbst wenn das funktionieren sollte, was wäre die Perspektive? Soweit ich sehe, wäre so ein Programm nur wieder eine temporäre Verlängerung der bekannten Verbrauchsspirale nach oben. Na gut, eine Verlängerung für wie lange? Jahre? Jahrzehnte?
        Ich habe die Befürchtung, dass die Hoffnung auf solche technischen „Lösungen“ nur darauf hinausläuft, das bestehende System irgendwie noch so lange am Leben zu erhalten, dass man selbst dessen Kollaps nicht mehr erlebt. Das wäre eine Haltung à la Louis XV: „Hinter mir die Sintflut“. Für Louis XV hat sich diese Haltung vielleicht noch ausgezahlt, für Louis XVI aber gar nicht mehr.“

        Deine Antwort würde mich sehr interessieren.

      • peterwy sagt:

        Hallo Stefan,

        deinen Ansatz zur Diskussion, was denn nun eigentlich unter den Begriffen Redundanz bzw. Widerstandsfähigkeit sowie Lokalisierung zu verstehen ist, finde ich gut.
        Jedoch möchte ich sogleich deiner These, das Lokalisierung eine Verringerung der Redundanz bedeutet widersprechen. Ich rede hier als Nebenerwerbslandwirt mit einer Anbaufläche von ca. 6 Hektar, welche nach dem Prinzip der Dreifelderwirtschaft ohne Mineraldünger, betrieben wird.
        Unser Haushalt, zur Zeit 6 Personen, können sich weitestgehend selber ernähren (wir kaufen natürlich sog. Luxusgüter zu), die Überschüsse werden über einen eigenen Hofladen vertrieben.
        Nun zu deiner These, das ein lokales Unwetter die Erträge vollständig vernichten würde. Dies trifft eigentlich nur dann zu, wenn man, wie in der zur Zeit, ich sage einmal modernen Landwirtschaft, mit großen Monokulturen und wenigen Produkten, welche meist den lokalen Erfordernissen nicht angepasst sind arbeitet.
        Kleiner Einheiten mit einer lokal angepassten Mischkultur werden durch ein Unwetter eigentlich nie vollständig zerstört, wenn, dann immer nur einzelne Arten, welche grade in Blüte sind, oder zum Ernten bereit oder….
        Solche Ausfälle können aber, wie gesagt bei durchdachter Mischkultur, kompensiert werden.
        Desweiteren ist es eigentlich problemlos möglich bestimmte, Produkte auch mittelfristig zu lagern.
        Getreide, Kartoffeln, bestimmte Obstsorten, Kopfkohl als kleine Auswahl benötigen zum Lagern noch nicht einmal unbedingt zusätzliche Energie.
        Wie gesgt, ich rede hier von regional angepassen Produkten aus einer vielfältigen Mischkultur. Ich rede nicht von einer energieintensiven, industriellen Landwirtschft.
        Nun wird natürlich gerne das Argument, wir können dann nicht genügend Lebensmittel für alle Menschen anbauen, angeführt.
        Meine Erfahrung ist, bei kurzen Vermarktungswegen ist der Schwund, also der Verderb der Lebensmittel wesentlich geringer als bei großen Transportwegen und deren Vertrieb in großen Kaufhäusern.
        Könnte man auf diese Art und Weise verhindern, dass letzendlich pro Lieferung bis zu 50 Prozent der Lebensmittel entsorgt werden müssen, könnte man die etwas geringeren Erträge der Mischkulturen ohne Probleme kompensieren.
        Ich denke einmal auch das Argument, das sich lokal weitestgehende selbstversorgende Regionen (zumindest einmal mit den Grundnahrungsmitteln) schon immer und auch weiterhin Handel miteinander treiben werden, zur Widerstandsfähigkeit des Gesamtsystems und der einzelnen Region beitragen werden.
        Als Abschluss möchte ich noch einmal auf die Grenzen des Wachstums hinweisen. Die Autoren haben in verschiedenen Szenarien dargestellt, das nicht nur die Energie eine der Grenzen darstellt, welche zum Kollaps führen können.
        Auch bei unbegrenzter Energiezufuhr wird unser System an eine andere Grenze stossen, welche dann der Auslöser für einen Kollaps wäre.
        Deswegen ist für mich persönlich die Option, wir finden eine andere Energiequelle und machen weiter wie bisher nicht annehmbar.

        • Ert sagt:

          Schöne Antwort der ich zustimmen mag!

          Ich hatte in den letzten 3 Jahren meine Gartenaktivitäten ausgebaut und kann dem Zustimmen… irgendwas wächst irgendwie immer – und wenn der Mix groß und divers genug ist und man ein paar Nachbarn hat dann ist das schon eine gute Grundlage.

          Weiterhin ist eine überwiegend pflanzliche und lokale Ernährung – also Dinkel, Hafer, Buchweizen, Hirse, Mais, Leinsamen, Hanfsamen, Kartoffeln, Möhren, Salat, Kohl, Rote Beete, Bohnen, Erbsen, Kürbis, Apfel, Birne, Beeren, Gewürze (u.a. getrocknet / eingemacht) etc. pp. eine gute Grundlage.

          Ich habe inzwischen fast alle verarbeiteten Produkte und viele Importprodukte (u.a. mit Ausnahme von insb. Bananen, Linsen, Kichererbsen, Reis und Gewürzen) aus meinem Speiseplan gestrichen – und esse nur noch Pflanzlich, Vollwertig, Frisch und fettarm (keinerlei Öle!). Nicht nur das es gesund ist – es ist auch alles einfacher, gut zu lagern und angepasster an das Angebot der Jahreszeiten.

          Schaue ich auf meine Nachbarn entdecke ich dort Unmengen von (Verpackungs-)Müll, wobei bei mir der größte Anteil (Volumen/Gewicht) kompostiert wird. Zudem sind bereits viele Umverpackungen (u.a. 5-25Kg Gebinde) aus Papier sind. So sehe ich wie Du das hier massivst Energie (u.a. Transportwege) und Stoffe/Ressourcen bei deutlich erhöhter (u.a. gesundheitlicher) Lebensqualität gespart werden können. Wenn das frische teilweise aus dem eigenen Garten kommt – und das lang haltbare (u.a. Getreide) von bäuerlichen Erzeugern – dann entfällt auch eine riesige Wegschmeissorgie.

          • peterwy sagt:

            Noch als Ergänzung.
            Ich möchte mit meinem Kommentar nichts beschönigen, oder eine Bilderbuchwelt aufzeigen, welche so nicht existiert.
            Das Leben als Landwirt ist sehr anstrengend und zeitaufwendig. Mit einem 8 Stunden Tag im Büro, Lohnfortzahlung im Krankheitsfall und Urlaub usw. und Einkauf im Supoermarkt, komme ich wesentlich bequemer zurecht.
            Aber ich denke, wenn ich die Wahl habe zwischen einem Weg welcher mit hoher Wahrscheinlichkeit zum Kollaps führt (zumindest nach meiner Meinung, also Alternative A.) und einem Weg der eventuell langfristig gangbar wäre, aber wesentlich unbequemer ist als ein weiter so (Alternative B.) dann wähle ich doch lieber B.

            • Hendrik Altmann sagt:

              @peterwy, erstmal Respekt für die auch zu heutigen Tagen noch schwere Arbeit in der Landwirtschaft, aber das ist noch nichts im Vergleich zu den Belastungen die ein Landwirt in Zeiten vor den fossilen Energieträgern hatte.

              Heute hat man so viele Maschinen zur Hilfe in jedem Arbeitsschritt, moderne Infrastruktur, Pestizide und Dünger.

              • peterwy sagt:

                Hallo Hendrik,

                das wollte ich damit ja auch nicht andeuten. Die körperliche Belastung der Landwirte vor den mechanischen Hilfsmitteln war nicht Vergleichbar mit dem was ein heutiger Landwirt erbringen muss.
                Wobei ein heutiger, ich sag mal mittelständischer Landwirt mit seinen 100 Hektar Land, ganz andere Probleme hat. Das Saatgut muss fremdgekauft werden, der Mineraldünger muss fremd eingekauft werden, die Spritzmittel müssen zugekauft werden und letzendlich muss der Maschinenpark, der ja meist finanziert ist auch noch abbezahlt werden. So ne Deutz Zugmaschine mit nem Set an Zubehör zum Pflügen, eggen usw. beginnt so ab 100.000,- Euro aufwärts. Das muss erstmal alles bezahlt werden, immer unter dem Argusauge der Bank. Warum glaubst du müssen soviele Landwirte schliessen und das Feld der industriellen Landwirtschaft überlassen, für die die Worte, Nachhaltigkeit oder Artenvielfalt keine Begriffe sind, denen die Erossion der Böden absolut Wurst ist, die eigentlich blos eine Richtung kennen, den größtmöglichen Profit erwirtschaften.
                Aber das war eigentlich nicht das Ziel meines Postings. Ich wollte blos aufzeigen, das es mit einer regionalen dezentralen Landwirtschaft mit einer vernünftigen Mischkultur bzw. Feldbewirtschaftung möglich ist, die Wiederstandkraft dieser Region zu erhalten bzw. überhaupt erst aufzubauen.
                Was ist definitiv nicht sagen möchte ist das dieses Leben mit dem heutigen vergleichbar wäre.
                Aber ist denn die Alternative, wir machen weiter wie bisher, also tun so als wäre undendlich exponetielles Wachstum in einer endlichen Welt möglich, mit allen den bekannten Begleiterscheinungen wie massives Artensterben, Abholzung der Wälder für Sojaplantagen, evtl. Zunahme der Extremwetterereignisse aufgrund des CO2 Ausstosses usw., und hoffen derweil das unsere Wissenschaftler eine alternative Energiequellen finden, die dann auch noch rechtzeitig einsatzbereit ist?

            • Ert sagt:

              @Peter

              Ich kenne das aus erster Hand… und deswegen stand das für mich damals diese Tätigkeit nie zur Disposition.

              Inzwischen sehe ich aber den eingeschlagenen technologischen Weg + den Bürojob als primär destruktiv an. Den eingeschlagenen Weg über Skaleneffekte auch noch das letzte bisschen „Effizienz“ herauszuschlagen – bei massiven Rückgriff auch hohe vorfinanzierte Lasten / Anschaffungen – ist für mich ebenfalls ein Irrweg. Sollten die (vor-)finanzierungsketten zusammenbrechen / fragiler werden, dann wird auch von Dort zusätzliches Ungemach kommen.

          • Patrick sagt:

            Hallo Ert,

            das klingt nach einer reichhaltigen Auswahl an Lebensmitteln.
            Aber eine Frage dazu: warum keinerlei Öle? Da sind doch eine Menge nützlicher Stoffe drin…und laut einer mir persönlich bekannten Mikrobiologie-Studentin ist ein gewisser Fettanteil sehr gut für das Zellgewebe.

            (nur so aus Interesse)

            • Hendrik Altmann sagt:

              Da sind überall sehr wertvolle Fettsäuren enthalten.

              Eine gesonderte Extraktion der Öle dieser Nahrungsmittel
              ist nicht nötig, das macht dein Verdauungssystem, Öle oder Butter sind letztendlich nur Konzentrate von Fettsäuren die aus Lebensmitteln durch Techniken gewonnen werden.

              • Ert sagt:

                Perfekte Antwort!

                Ja, extra Öle / Fettsäuren bekomme ich über Samen, Saaten und kleine Mengen Nüsse. Dann sind diese noch nicht oxidiert und haben die höchste Wertigkeit. Also einfach ein paar Leinsaamen (Omega 3) und Sonnenblumenkerne (Vitamin E!) zum Salat essen :-)

                Nicht zu vergessen: Selbst eine Banane enthält glaube ich 4% Fett. Bei Hafer sind es deutlich über 12%.

                Und: Die WHO empfiehlt maximal 25% der Kalorien mittels (nicht tierischen!) Fetten aufzunehmen. Der Durchschnitt in Deutschland liegt irgendwo bei ca. 40% der Kalorien – wobei ein sehr großer Teil aus Tierprodukten stammt.

                Benötigen tut der Mensch nur die essentiellen Fettsäuren (Omega 3&6) – alle anderen können synthetisiert werden. Ich nehme ca. 10-20% meiner Kalorien aus Fett auf – das reicht vollkommen (siehe u.a. McDougal (Starch Solution), Barnard (Reversing Diabetis / Powerfoods for the Brain), Campbell (China Study), Dr. Jacobs (Dr. Jacobs Weg), die WHO, die DGE, etc. pp.).

              • Stefan Wietzke sagt:

                Na ja, das sehe ich da etwas anders. Aber was nun gesunde Ernährung ist und was nicht, darüber kann man sich besonders gut streiten. Und das hat mehr mit Glauben als mit Wissen zu tun. Weshalb ja auch alle Ernährungsratschläge alle par Jahre komplett umgedreht werden.

                Ich empfehle da das Buch „Krank durch gesunde Ernährung“. Nicht weil es eine weitere „richtige“ Ernährungsweise darstellt sondern sehr schön erklärt das wir bis heute nicht mal im Ansatz verstanden haben wie unser Stoffwechsel funktioniert.

                Aber mehr werde ich in diesem Blog zur Ernährung nicht schreiben. Das ist ja ein hochidiologisches und stark vermintes Gelände.

              • Ert sagt:

                @Stefan

                Uii… „Udo Pollmer“…. bei dem nehmen einige Aussagen auch schon fast religöse Züge an. Und ein Hort der Gesundheit scheint er auch nicht zu sein…

                Wers ganz einfach machen möchte: http://www.wpro.who.int/mediacentre/factsheets/healthy_diet/en/

                Ansonsten die Autoren und Bücher die ich angegeben habe. Die beschreiben letztendlich nur die Empirie & Studien/Forschung der letzten 40-50 Jahre. Da gehts nicht um Diäten etc. pp. sondern um handfeste Fakten bez. der „Zivilisationskrankheiten“ -> Auszugsmehle, zu viele (gesättigte) und Trans-Fette, zu viel (raffinierter) Zucker, zu viele Tierprodukte, zu viele hoch verarbeitete Produkte und Zusatzstoffe. Letztendlich das was die WHO auch sagt/schreibt.

        • Stefan Wietzke sagt:

          Na ich habe doch nun überhaupt nicht behauptet das die Erträge vollständig vernichtet werden. Bei der Ernährung ist das leider so wie bei der Luft. Zu wenig davon endet genau so tödlich wie gar nichts. Dauert nur länger.

          Ich habe zwar nur einen kleinen Garten aber nutze auch das Ergebnis der Schrebergärten von Freunden. In einem Jahr ertrinkst du in dem Zeug und im nächsten Jahr reicht ein Hagelsturm am falschen Tag und bestimmte Nahrungsmittel fallen in dem Jahr aus. Umso lokaler eine Wirtschaft funktioniert umso schwerwiegender sind die Folgen.

          Eine Lokalisierunng kappt nämlich die übergeordneten Handelsrouten. Man kann sich eben nicht entscheiden ob man mal lokal was macht wenn es geht und wenn nicht wieder auf größere Vernetzung umsteigen. Es gibt da immer nur entweder/oder.

          Umschalten geht nur dann wenn andere bei dem vernetzten Modell bleiben und die dafür notwendige Infrastrktur bereitstellen. Die Veralgemeinerung der Betriebs- auf die Volkswirtschaft ist einer der häufigsten Gedankenfehler die so passieren.

          Dazu einfach mal folgendes Gedankenexperiment:

          Wie früher versorgt sich eine lokale Dorf- oder Kleinstadtgemeinde selbst. Das machen jetzt alle. Sie werden soviel Fläche und Vieh bewirtschaften wie sie im Durchschnitt brauchen. Vielleicht etwas mehr um auch den ein oder anderen Engpass durch Lagerung zu überbrücken. Und das machen jetzt alle. In allen Jahren wo es keine Probleme gbit wird zwischen den einzelnen Gemeinden nicht gehandelt. Es gibt ja auch keinen Bedarf dafür. Schließlich produziert jeder was er braucht. Jetzt gibt es in einer Ecke ein Versorgungsproblem weil das Wetter in dem Jahr einfach mal ungünstig war (oder in zwei hintereinander, so dass auch der Puffer weg ist).

          Die anderen können nun nicht einspringen, denn sie erzeugen keine Überschüsse mit denen sie aushelfen könnten. Abgesehen davon das es natürlich auch keine entspechende Transportinfrastruktur gibt, denn die hält niemand einfach „für den Fall der Fälle“ vor.

          Das war genau das physische Problem lokaler Hungerkatastropen bis in die frühe Neuzeit. In den letzten 3000 Jahren war die globale Produktivität der Landwirtschaft wahrscheinlich immer hoch genug um jede Hungerkatastrophe zu vermeiden (Kriege und sowas mal ausgenommen). Aber man hat den zeitlichen und räumlichen Ausgleich einfach aus physikalsichen Gründen nicht hinbekommen.

          Eine Volkswirtschaft muss sich immer komplett für einen Weg entscheiden. Und damit auch die jeweiligen Vor- und Nachteile in Kauf nehmen.

          Wie gesagt: Verschwendung abbauen ist immer richtig. Ein bewusster Umgang mit den Dingen bringt einen auch dazu diese wieder mehr zu schätzen und damit mehr zu genießen. Rumgärtnern (nicht jeder hat 6 ha) kann da durchaus helfen, weil man eine andere Beziehung zu den Dingen bekommt (ich will da ja keinem sein Hobby wegnehmen, ich mach das ja auch).

          • Tom Schülke sagt:

            Hallo Stefan,

            Ich hab im Moment ja wenig Zeit gerade hier zu schreiben… Der Termindruck sitzt mir im Nacken… (sitz noch im Büro)..

            Ich glaube das das Grundproblem das Du ansprichst prinzipiell richtig ist. eine kleinteiligere Wirtschaftsform, die auf lokale Erzeugnisse bzw. auf eine Regionalisierung setzt wird immer gezwungen sein durch Redundanzen mehr Ressourcen zu verbrauchen und im Gesamtsystem weniger Effizient zu sein.

            Auch die Argumentation, das eine kleinstrukturierte Wirtschaft aus redundanten Einheiten, als ganzes Resilienter wird, auf Kosten der Resilienz der einzelnen Einheiten ist für mich zunächt mal in sich schlüssig.

            So betrachtet.. aus der Logik der Theorie heraus.. hat man nun die Wahl zwischen zwei extremen.. (Übertreiben wir es mal…)

            Eien auf kleinste Einheiten hin reduzierte Wirtschaft bei der keinerlei Warenaustausch zwischen den Einheiten existiert. Globaler Handel findet nicht statt und die zum Austausch der Güter nögige Infrastruktur wurde wie Du oben argumentierst im Laufe der Zeit abgebaut..

            In der Folge steigt die Resilienz des Gesamtsystems, aber der einzelne in seiner Zurückgezogenheit bleibt im Notfall auf sich selbst gestellt. Zudem können hier keine Güter mehr produziert werden die auf Globale Vorproduktionen angewiesen sind.. Mittelalter eben..

            Der Gegenpol.. Alle Produkte werden maximal effizient produziert. Global zersplitterte Produktionsketten erlauben minimale Preise durch Standortvorteile und durch Massenproduktion..

            Der Einzelne kann nichts mehr selber herstellen. Alles wird zu minimalen Kosten von irgendwo auf der Welt importiert und nur der der sich spezialisiert hat eine CHance auf Arbeit. Um mit Richard Heinberg zu sprechen:

            “ Wenn Korn in Iowa am Besten wächst , ist es wirtschaftlich logisch und sinnvoll, in Iowa ausschließlich Korn anzupflanzen und sonst nirgends auf der Welt. So hat die Welt das preiswerteste Korn und Iowa gute Einkommen.
            Wenn aber ein Riesen Unwetter die Kornernte in Iowa zerstört, hat die Welt kein Korn mehr und Iowa gar nichts..“

            Dieses ist das andere Ende der Fahnenstange.. so lange alles gut geht, gehts dem einzelnen Individuum optimal. Er ist wohlhabend und kann sich leicht mit Gütern versorgen von denen unser Mittelalterdorf nur träume kann.

            Die Welt aber ist nun als genzes ein Dorf. Und tritt hier ein Problem auf , betrifft es sofort das ganze System das in sich nun keine Redundanzen mehr besitzt… soweit richtig ?

            Nun würde ich wenn unsere aktivitäten keinerlei Umweltfolgekosten produzieren würden und wenn Rohstoffe für immer und ewig billig und ausreichend existieren würden ganz sicher das globale Dorf wählen.. Mittelalter ist kein Ziel.

            Doch in der wirklichen Welt, funktioniert das globale Dorf eben nur dann, wenn Rohstoffe den zur Globalisierung notwendigen Aparat auch produzieren, aufrecht erhalten und weiter betreiben können.

            Und da ist das Problem.. Weder die Energierohstoffe noch die Biologischen Leistungskapazitäten können noch lange diesen Apparat aufrecht erhalten. Sicher kann man nun auf teufel komm raus versuchen noch mehr effizienz in das System zu pressen. Man kann hoffen durch Basisinovationen aus der Sackgasse auszubrechen und die Entwicklung auf noch schwindelerregendere Höhen zu treiben ( ist nicht mal negativ gemeint.. ) .

            Aber ist das realistisch. Können wir allen ernstes glauben das wir den Rückgang zb. der Nutzfischmengen der Ozeane um 40% innerhalb von nur 50 Jahren mit Innovationen ausgleichen können (mal die ethische Frage ob wir ein Artensterben in kauf nehmen dürfen ganz aussen vor). Ist es wahrscheinlich das es uns gelingt mit Hilfe zb. von Thoriumreaktoren unsere schwinden Energieressourcen in vergleichsweise kurzer Zeit zu substituieren. Ist es denkbar das der Rückgang der Mutterböden weltweit, die starke Erosion irrelevant ist. Eien quasi nicht erneuerbare Ressource, die wir mit viel Energie vielleicht durch Kunstdünger ersetzen können. Aber ist das wirklich wahrscheinlich..

            Das größte Gemeinschaftswerk der Ökologen , eine globale Erhebung zum Zustand der Ökosysteme von (glaube 2003) endet mit dem alarmierenden Statement, das die Fähigkeit der globalen Ökosysteme, die nächste Generation versorgen zu können nicht mehr gewährleistet werden kann.

            Können wir allen ernstes davon ausgehen, das technik und Innovationskraft uns in die Lage versetzen werden mögliche globale gravierende Zusammenbrüche in unserer Biosphäre zu kompensieren ?

            Ich halte das für menschliche Hybris.. Bescheidenheit wäre dringend geraten und Vorsicht. Vorsicht, Systeme von deren Überleben wir abhängig sind und deren Funktionsweisen wir gerade erst in Teilen zu verstehen beginnen, nicht unüberlegt in Gefahr zu bringen. Sind sie zerstört, werden Tippingpoints überschritten, sind wir auf völlig unbekanntem Terrain.

            Die Frage ist also ob ein Zurückrudern hin zu Lokaleren Produktionsstrukturen das abfedern kann.

            Dein Argument war ja, das lokalere Einheiten mehr REssorucen verbrauchen, den EROEI des verbliebenen Energiesystems noch mehr schwächen und so zu einem Kollaps führen würden.

            Ich bin davon nicht überzeugt. EIn wirklich fundamentaler Kollaps würde dann eintreten, wenn die globale Nahrungsmittelversorgung zusammenbricht. Dabei höre ich immer wieder das moderne intelligentere biologische Anbaumethoden durchaus in der Lage sind ähnliche Erträge wie eine Hightechlandwirtschaft zu ereichen und zugleich den Boden nicht nur schonen können , sondern ihn sogar zu verbessern in der Lage sind. Wohlgemerkt nicht bei großbetrieben, sondern eher in Kleineren Einheiten.

            Es spricht aus meiner Sicht nichts gegen intensive Forschung an fortschrittlicheren Energieversorgungstechniken.. gerne auch Kernfusion.

            Aber wir haben keinerlei FAllschirm im Gepäck. Wenn das globale System versagt, fallen wir ungebremst.

            Was wir schaffen müssten wäre eine intelligente Mischstrategie..

            verflixt.. nun hab ich doch zu lange getippt.

            Tom

          • Tom Schülke sagt:

            Nun ist diese STudie ja schon relativ alt, hat aber an ihrerer Aktualität nichts eingebüßt..

            http://www.feasta.org/documents/risk_resilience/Tipping_Point_Gesamt.pdf

            Tippingpoint greift ziemlich genau unsere Thematik hier auf..

            Das Fazit daraus könnte man sagen:

            Ein Zusammenbruch der Weltwirtschaft lässt sich nicht lange aufhalten, aber ausgelöst werden könnte es direkt durch vermehrte Maßnahmen , gerade Peak Oil ernst zu nehmen… Die Studie sieht keinen ernst zu nehmenden Ausweg den Status Quo aufrecht zu erhalten.. Sie legt nur den FInger in die Wunde und sagt.. kann man nicht viel machen..

            schon ganz schön heftig..

            • Hendrik Altmann sagt:

              Das die Fusionskraft, die Kernenergie der 4.ten Generation, oder die Erneuerbaren uns vor einer schweren Kriese zeitlich retten können, glaube ich auch nicht.

              Dazu werden zu wenig Ressourcen, Produktivität in die Energie Problematik investiert.

              Die Zeit rennt uns davon, da bin ich deiner Meinung, Kohle könnte diese Zeit die uns bleibt vielleicht noch etwas strecken, sicher wird jetzt jeder sagen zu welchem Preis.

              Ich weiß es nicht ob wir es schaffen eine technische Lösung zu finden, ich weiß nur wenn nicht haben wir den harten Crash im System, klar können wir Gärten betreiben in der Stadt oder den Stadträndern, wir tun das in unserer Freizeit, die wir nur haben weil dieses System so unglaublich Produktiv ist, warum?

              Weil es von fossilen Energieträgern gespeißt wird, die unglaublich konzentriert sind und billig zu erreichen, warum?

              Weil wir in einem hochspezialisiertem, hochkomplexem System leben, das uns ermöglicht diese Ressourcen zu fördern und zu verarbeiten, so effektiv wie es geht.

              Nur das erreichen dieser Ressourcen wird immer teurer, lange wird das wohl nicht mehr gehen, wir werden weniger produktiv werden, das System wird weniger produktiv werden, damit haben wir weniger Freizeit irgendwann gar keine Freizeit, wir werden keine Zeit mehr haben Gärten in Städten zu bewirtschaften, Städte werden implodieren weil Städte nur wachsen wenn Gesellschaften komplexer und Spezialisierter werden.

              Verringert sich die Komplexität des Systems und die Spezialisierung, dann schrumpfen auch die Städte, die Menschen werden gezwungen sein auf Land zu ziehen um die Maschinen zu ersetzen, Dünger und Pestizide zu ersetzen.

              Eine nie dagewesene Stadtflucht wird einsetzen, diese flucht wird chaotisch sein, ich will zu dieser Zeit mir ein leben in einer Großstadt nicht ausmahlen, es wird unschön werden.

              Ich glaube nicht das man das Chaos planen kann, für mich gibt es nur die Hoffnung auf eine technische Lösung, ich weiß das das es kurz vor 12 ist und eine technische Lösung unwahrscheinlich erscheint.

              Aber genauso unwahrscheinlich erscheint es mir, Städte wiederstandsfähig zu machen mit Gärten oder lokalen Märkten.

              Allerdings finde ich jeden Versuch gut, irgend etwas zu tun was irgendwie helfen könnte, auch wenn es nur Hoffnung gibt, die Zukunft in die wir schauen sieht düster aus, umso heller sollten unsere Herzen strahlen wenn wir uns ihr stellen.

              • Michael Egloff sagt:

                Wenn wir also realistischerweise davon ausgehen, dass ab den 20er Jahren und verstärkt in den 30er und 40er Jahren in den Öl- und gasimportabhängigen Hochverbrauchsländern eine fortschreitende, gravierende Energieknappheit eintreten wird, die weder durch erneuerbare Energien (Speicherproblematik!) noch durch Kernkraft in der erforderlichen Schnelligkeit deutlich zu entschärfen sein wird, dann müssen wir uns mit dem Problem der extremen Urbanisierung auseinandersetzen, die ja selbst in Deutschland (einem bereits hochurbanisiertem Land) derzeit noch weiter voranschreitet.
                Und international kann man von einem regelrechten Urbanisierungsexzess sprechen, denn fast der gesamte Bevölkerungszuwachs von derzeit 82 Millionen Menschen pro Jahr geht auf das Konto der Städte. Jedes Woche 1,2 bis 1,5 Millionen Stadbewohner… Das gab es in dieser Geschwindigkeit nie vorher in der Menschheitsgeschichte. Und diese Entwicklung ist ganz klar ölbasiert. Ohne oder mit weit weniger Öl werden diese zunehemend größeren Städte ihre Funktionsfähigkeit einbüßen. Schon heute kann man bei Städten wie Karachi oder Lagos kaum mehr von wirklich funktionierenden Städten sprechen. Chaotische Zustände sind dort heute schon an der Tagesordnung.

                Urban gardening wird ziemlich überschätzt. Nach meiner Bauchschätzung lassen sich je nach Verdichtungsgrad zwischen 2 und 4% des Kalorienbedarfs der Stadbevölkerung dadurch generieren, insbesondere bei Großstädten/Megacities. Was nicht heißt, dass man dieses Potenzial nicht nutzen sollte.

                Und die städtische Infrastruktur wird in Zeiten massiv zurückgehender Steueraufkommen und dann auch wieder teurer werdender Energie und teurerer Rohstoffe kaum funktionstüchtig zu halten sein. Teile z.B. von Detroit oder Gary zeigen, mit welcher Entwicklung wir es in immer mehr Großstädten zu tun haben werden.

                Richtig wäre es eigentlich, eine behutsame Deurbanisierung bereits heute einzuleiten. Aber das widerspricht dem Willen der Menschen, die in die meist noch prosperierenden Städte ziehen, und auch den heute noch vorherrschenden Wertschöpfungs- und Austauschprozessen und Arbeitsmarktstrukturen. Bezogen auf die Ära des billigen Öls scheint die Urbanisierung zunächst sinnvoll zu sein: weniger Flächenverbrauch durch weitere Verdichtung der urbanen Strukturen und ein immer höheres Maß an Arbeitsteilung und beruflicher Spezialisierung.
                Leider ist das, was man heute als sinnvoll betrachten könnte, in der weiteren Zukunft verhängnisvoll, wenn die notwendige energetische Basis, die Finanzmarktstrukturen und somit die die Steueraufkommen der Kommunen und anderen Gebietskörperschaften erodieren. Die zu erwartenden Einbrüche im Finanzwesen können dem Prozess des Niedergangs der Städte sogar eine sehr große Dynamik verleihen. Mehr, als durch die langsam schwindende Energiebasis zu erwarten wäre.

                Bei all diesen kommenden riesigen Herausforderungen sollte es das Hauptziel sein, Solidarität zwischen Menschen zu fördern und zivilisatorische und aufklärerische Errungenschaften (soweit vorhanden) zu erhalten, besser: auszubauen. Das heißt auch: es muss die immer größer werdende soziale Spaltung zurückgedrängt werden. Damit wir in den Großstädten nicht Zustände bekommen, die irgendwo zwischen Aleppo und Ciudad Juarez liegen.

              • Michael Egloff sagt:

                Ergänzung: Gary lässt grüßen…

                https://www.youtube.com/watch?v=BkTAYzbBIOA

                So sieht eine Stadt bei sozialer Desintegration, Bevölkerungsschwund und wirtschaftlichem Niedergang sowie Einbruch des städtischen Steueraufkommens aus.

  21. Hendrik Altmann sagt:

    @Michael genau da liegt das Problem, wenn man jetzt über Maßnahmen in den Großstädten nachdenkt, falls tatsächlich zeitlich keine Möglichkeit gefunden wird unser System aufrecht zu halten, und der ERoEI weiter abfällt, werden sich besonders Städte, und Metropolen so schnell, so negativ entwickeln wie niemals zuvor.

    Hauptsächlich weil die Produktivität und Arbeitskraft der Maschinen, Pestizide und Dünger, halt der ganze Apparat der industrialisierten Landwirtschaft, ersetzt werden muss, durch Landwirtschaft durch Muskelkraft.

    Sprich jetzt kann 1/20 der Bevölkerung uns mit Nahrung versorgen, der Trend geht noch immer, das weniger Menschen immer mehr Menschen mit Nahrung versorgen können.

    Dieser Trend wird sich umkehren, um wieder auf ein Verhältnis zu, zu steuern das wie vor den fossilen Energieträgern und vor der industriellen Landwirtschaft herrschte.

    Bevor fossile Energieträger und Maschinen uns mit billiger Arbeitskraft versorgten, haben 70-80 % der Bevölkerung in der Landwirtschaft gearbeitet, bricht unser System tatsächlich zusammen, werden wieder so viele Menschen in die Landwirtschaft gehen müssen oder eine riesige Hungersnot wird würde herrschen.

    Das andere Problem in den Städten ist das Städte Hotspots von Spezialisierung und Komplexität sind, fällt der ERoEI unter den Punkt den Effizienzgewinne kompensieren können, fällt auch der Bedarf nach Spezialisten, sprich es ist dann schlicht gar kein Bedarf mehr für all die spezialisierten Arbeitskräfte mehr da, eine Absicherung wird es auch nicht geben da die Sozialsystem dann auch kolabieren, was bedeutet das Städte überhaupt gar keinen Reiz mehr geben in ihnen zu leben, ganz im Gegenteil es wird die Hölle sein.

    • Hendrik Altmann sagt:

      Allerdings gibt es noch einen Weg der uns etwas Zeit geben kann und der ist Kohle, Kohle hat derzeit einen besseren ERoEI als ÖL und die Förderung kann noch 3-6 Jahrzehnte gesteigert werden.

      Die Mobilität wird versuchen sich auf Elektro umzustellen, das kann funktionieren, der Preis wäre wohl ein stärkerer Klimawandel, außer die CO2 Abscheidung wird billiger.

      Wie gesagt es ist Unwahrscheinlich das technische Lösungen uns retten, aber nicht ausgeschlossen.

      Das eigentliche Problem ist wie immer die Zeit, jedes Problem ist lösbar hat man nur genug Zeit es zu lösen, nur das diese Ressource im Moment am niedrigsten zur verfügung steht.

      • Tom Schülke sagt:

        Ja Zeit ist ein knapper Faktor.. ABer der alleine reicht auch nicht… es bedarf auch noch des Willens. Und um den zu erreichen benötigt man Aufklärung..

      • Michael Egloff sagt:

        Bei der Kohle gibt es, ganz unabhängig vom eigentlich wichtigen Klima-Thema, noch etwas anderes zu berücksichtigen: die extreme geologische Heterogenität der Vorkommen.
        Von oberflächennahen Vorkommen mit sehr hoher Qualität (z.B. in Australien) bis hin zu tieferen Flözen unterschiedlichster Mächtigkeit und sehr viel geringerer Qualität.
        Da ja auch bei der Kohle das best-first-Prinzip gilt, wird dieses Prinzip bei so starker Heterogenität auch entsprechend stärker wirksam.
        Die Reserveschätzungen beachten diese Zusammenhänge nicht, sondern ermitteln nur die wahscheinlich förderbare Gesamtmenge. Aber die Geschwindigkeit, mit der diese unterschiedlichsten Vorkommen abgebaut werden können, und die Kosten (energetisch wie finanziell) bleiben unberücksichtigt.
        Ich gehe deshalb für die erste Hälfte des Jahrhunderts vom Überschreiten des Peak Coal aus. Nach meiner Bauchschätzung bereits in etwa 20 Jahren. Insbesondere dann, wenn Kohle als Teilsubstitut einer zurückgehnden Ölmenge herhalten müsste.
        Dann wäre Kohle also kein Problemlöser mehr, sondern ebenfalls ein Problemverschärfer.

  22. Michael Egloff sagt:

    Mal ganz etwas anderes, was aber mit der Zukunft der Menschheit ganz entscheidend zu tun hat:
    mämlich ob wir uns in irgendwelchen möglichst extremen Negativ-Szenarien ergehen, ob wir uns dem scheinbar oder tatsächlich Unvermeidbaren einfach hingeben, oder ob wir uns gerade im Angesicht von riesigen zukünftigen Problemen dem Verbreiten der Ideen des Humanismus und der Aufklärung verpflichtet fühlen. Damit auch hier die kalt-analytische Komponente etwas zurückgedrängt wird und der entscheidende Faktor für die Zukunft der Menschheit mobilisiert wird: die Frage, wie wir Menschen zukünftig zusammenleben wollen. Wenn wir diese Frage falsch beantworten, könnte es tatsächlich zu einem Untergang der Zivilisation kommen.

    Die heutige Vergabe des Friedensnobelpreises weist die richtige Richtung, nachdem es ja in der Vergangenheit auch einige Flops bei der Verleihung dieses Preises gab (z.B. Obama).
    Gerade mit der Jasmin-Revolution habe ich mich eigehender beschäftigt und auch tiefen emotionalen Anteil genommen.

    Da deshalb für micht heute ein Tag der Freude ist, hier die „Stimme der Jasmin-Revolution“, Emel Mathlouti, mit ihrer Anti-Tyrannen-Hymne:

    https://www.youtube.com/watch?v=0eVhu5RxEDs

    „Oh, Tyrann, Deine Zeit wird ablaufen, aber meine Lieder bleiben ewig“.

    Und weil ich gerade so gut drauf bin, hier noch eine Zugabe aus dem Gezi-Park, absolut mitreißend, wie ich finde:

    https://www.youtube.com/watch?v=GDyWv6Ajc1I

    Genießt die beiden Hymnen, sozusagen als Optimismus-Training.

    • Tom Schülke sagt:

      Ja. Optimismus ist dringend nötig.

      Die Diskussion dreht sich ja um die Frage ob es überhaupt einen gangbaren AUsweg gibt.

      Mich persönlich bedrückt das Wissen um diese Zusammenhänge immer noch sehr stark, einfach weil ich in meinem persönlichen Umfeld keine klaren Handlungsoptionen sehe, mich und meine Familie gegen solche kommenden Krisen zu wappnen..

      Den selbstversorgerhof werde ich mir als kleiner Angestellter und als Alleinverdiener ohne je etwas zu erben nie leisten können.

      Aber das ist die Situation des weit Überwiegenden TEils der Bevölkerung.

      Da sehe ich zur Zeit meinen einzigen möglichen Beitrag in Bewußtseinsbildung..

      es ist schon nicht einfach den Optimismus zu bewahren, solange man das Gefühl hat keinen nennenswerten Einfluß zu haben.

      • Ert sagt:

        Tom

        Ich kann mich dem Anschliessen – Optimismus ist ganz wichtig, was mir letztens der Film „Tomorrowland“ noch mal ganz klar gezeigt hat. Er Spielt ganz konkret mit den hier diskutierten Themen und das es die ausgedrückte / empfundene Hoffnungslosigkeit selbstverstärkend sein kann und so letztendlich die finale Krise erst entstehen lässt.

        Was mich leider immer (wieder) demotiviert ist das in meinem Umfeld sehr oft dicht gemacht wird – ja nicht einmal kleine Änderungen im Rahmen der „komfortablen“ Möglichkeiten erwogen werden, weil Sie ggf. als Verlust empfunden werden oder ggf. Eingeständnis das wir wirklich ein „Problem“ haben bzw. uns alle zusammen ändern müssen damit u.a. die Kinder eine lebenswerte Zukunft haben!? Und damit meine ich keine Zukunft im Überfluss, sondern die Erfüllung der Grundbedürfnisse.

        Und wenn ich empfinde, das ich über die diese Themen in meinem Umfeld nicht einmal Reden kann und dafür das ich z.B. keine Tierprodukte esse (deren ökologischer Fußabdruck absurd ist) und kein Auto fahre / besitze, als Exot, „extrem“, etc. pp. gelte…. dann bin ich doch teilweise verzweifelt.

        • Michael Egloff sagt:

          Das Energiethema bei Diskussionen mit nicht halbwegs in der Materie steckenden Menschen in den Vordergrund zu stellen, habe ich mir schon abgewöhnt. Der jetzige Preisrückgang bei Öl wird von denen meist als definitive Widerlegung von jeglichen Peak-Oil-„Theorien“ empfunden. Und auch an einem kühlen Herbsttag das Thema Klimawandel diskutieren zu wollen ist völlig sinnlos, weil die meisten den Unterschied zwischen momentanem Wetter und Klima absolut nicht kennen. Da kann man sich nur lächerlich machen, bei aller Ernsthaftigkeit der Themen.
          Also setze ich an anderen Themen an, die ich ja hier auch immer wieder mal andiskutiere. Z.B. die Themen Demographie/weltweite Migration mit den entsprechenden aktuellen Bezügen. Da herrscht dann plötzlich Übereinstimmung bei der Erkenntnis, dass auf dem Sektor zunehmende Probleme auf die Menschheit zukommen.
          Oder auch beim Thema Nahrungsmittelsicherheit und Ernährung kann man die Diskussionspartner gut abholen, wenn gerade mal wieder einer der häufigen Lebensmittelskandale in der Öffentlichkeit wahrgenommen wird.
          Dabei geht es mir garnicht darum, die Menschen mit Negativem vollzuballern, sondern sie im Sinne von Eigenverantwortungsübernahme und bewussterer Auseinandersetzung mit eigenen Gewohnheiten zu sensibilisieren. Warum sollte ich irgendjemanden „runterziehen“ wollen? Meine Intention ist eher entgegengesetzt: tut was, damit das, was heute offensichtlich nicht in Ordnung ist, besser wird. Soweit ihr es könnt. Und sucht nicht nach Sündenböcken, sondern fangt bei euch an.

          • Spigola sagt:

            Die letzten Kommentare hier sprechen ein ganz besonders bestürzendes Phänomen in diesem Themenkreis an: Die Verleugnung und Verdrängung des Problems durch eine riesige Mehrheit unserer Mitmenschen, unabhängig von deren Bildungsgrad. Ich selbst habe bei Diskussionen -oder Diskussionsversuchen- im Grossen und Ganzen zwei Reaktionen gesehen:

            1. Die Behauptung, das Problem existiere gar nicht. Begründet wird das meist mit schier phantastischen Behauptungen und Vorstellungen von „gerade entdeckten riesigen Ölreserven“ oder sogar mit „unerschöpflichen neuen Energiequellen“ mit Science-fiction-Namen. In manchen Fällen beschränken sich die Gesprächspartner auch auf ein ganz simples „Glaub ich einfach nicht.“ Die Funktion dieser Behauptungen is klar: jede Diskussion über die Folgen einer Energiekrise wird unterbunden, weil man die Möglichkeit der Energiekrise selbst verleugnet.

            2. Manche hören zunächst ein wenig zu und drehen dann den Spiess um indem sie sagen: „Na dann präsentiere mir jetzt eine Lösung!“ Im weiteren Gespräch stellt sich dann schnell heraus, dass sie nur hören wollen, dass sich irgendwie sowieso nichts ändern wird. Jedes Szenario dass nach Einschränkung klingt wird ohne weiteres Argument als inakzeptabel abgeschmettert.

            Ich musste daraus den Schluss ziehen, dass die Forderung, die Politik möge sich aktiv auf das Thema Peak Oil vorbereiten, weitestgehend undurchführbar ist. Ohne ausreichenden Rückhalt in der Bevölkerung kann nicht einmal ein intelligenter, weitblickender und idealistischer Politiker (soweit so jemand überhaupt existieren kann) irgend etwas nützliches machen.
            Unsere Situation erinnert an jene von Passagieren auf einem Schiff, das sich sichtbar auf gefährlichen Kurs befindet und die feststellen müssen, dass sich die meisten Menschen an Bord- Offiziere, Besatzung und Passagiere- nicht mit dem Kurs befassen wollen. Die diskutieren lieber die Farbe der Servietten im Speisesaal. Das Schiff wird also ungebremst in ein Hindernis fahren. Unmöglich vorherzusagen wie sich diese Kollision abspielen wird: ein Frontalzusammenstoss mit einem harten Hindernis, ein relativ sanftes Auflaufen auf eine Sandbank, oder statt einer Kollision eine Panne oder Explosion im Maschinenraum?

            • Hendrik Altmann sagt:

              Ich denke diese Reaktion ist aber auch nicht ungewöhnlich, die Folgen dieser Problematik sind so gravierend das, dass nicht wahr haben wollen, erstmal eine völlig natürliche Reaktion darstellt.

              Dazu kommt das es in Grunde auch nur zwei Möglichkeiten gibt den Crash, das sterben des Systems zu verzögern, ja das haben wir ja in den Diskussionen schon gemerkt, wir können die Problematik nur verzögern, lösen werden wir das nie.

              Warum nicht keine Lösung?

              Das sind die Regeln der Physik, also die Regeln auf die unser Universum aufbaut, regeln der Thermodynamik.

              Exergie wird umgewandelt in Anergie und ist damit für uns nicht mehr als Arbeit, Produktivität nutzbar.

              Sprich irgendwann sind immer alles Ressourcen verbraucht, egal wie effizient ich sie nutze.

              Aber auch hier gehört denke ich es dazu, zu akzeptieren das alles endlich ist.

              Jeder von uns stirbt irgendwann, selbst das Universum wird nicht ewig da sein, unser Sonnensystem wird nicht ewig da sein und die Solarsysteme um uns.

              Ich denke was uns so schockiert, traumatisiert ist das alles nur eine begrenzte Lebenszeit hat, der Tot, das Sterben ist etwas was in unserer Gesellschaft kaum diskutiert wird.

              An dem Tag an dem der ERoEI wieder zu sinken begann, also einige Jahrzehnte in der Vergangenheit, gab es drei Möglichkeiten was passieren konnte.

              Die eine Möglichkeit war, wir tun nichts und lassen das System in den Kollaps fahren.

              2.te Möglichkeit wir erhöhen die Effizienz der Energienutzung, was den Fall des ERoEI kompensiert und uns Zeit kauft.

              3.te Möglichkeit wir finden eine neue Energieressource mit ausreichend hohem ERoEI, die den Verlust der anderen Energieressourcen kompensiert und uns Zeit kauft.

              Möglichkeit 2 und 3 kann man kombinieren.

              Beide Möglichkeiten die uns Zeit kaufen sind technische Wege und nur durch höhere Kompexität des Gesamtsystems zu erreichen, bei gleichzeitig kluger Investition der noch verbleibenden Ressourcen.

              Wir sind jetzt an dem Punkt wo der Fall des ERoEI schneller ist als die Effizienzgewinne und dazu kommt das Fusions- Energie und die Brütertechnologie noch in zu einem zu frühem Entwicklungsstadium um einen wertigen Ersatz darzustellen.

              Das bedeutet wir können uns keine Zeit mehr kaufen, das andere Problem ist das wenn wir den Fall des ERoEI nicht mehr kompensieren können auch das Gesamtsystem an Komplexität verlieren muss.

              Daraus ergibt sich ein sich eine sich selbst verstärkender Abwärtsstrudel aus fallendem ERoEI und fallendem Komplexitätslevel des Gesamtsystems.

              Den auch die Effizienzgewinne die vorangegangen sind erfordern die gleiche Komplexität des Systems um weiter zum Einsatz kommen zu können.

              Das Fazit ist, wir haben den tipping point erreicht wo wir es nicht mehr schaffen, mehr Zeit zu kaufen, vielleicht können wir wieder zurück, wenn wir jetzt alle Ressourcen sehr klug investieren und uns noch mehr Zeit kaufen, nur sieht es nicht danach aus und diese Möglichkeit wird immer unwahrscheinlicher desto mehr Zeit und Ressourcen wir vergeuden.

              Wir bauen wie verrückt Solar Panels und Windräder obwohl diese Technologie den ERoEI nur viel schneller sinken lässt, eine riesige Fehlinvestition von Ressourcen und Zeit die wir einfach nicht haben, wir haben nicht genug Zeit und Ressourcen um solche Fehler machen zu können.

              • peterwy sagt:

                Hallo Hendrik, deine Antwort mag wohl so korrekt sein, aber die Frage von Tom Schülke war doch was man denn tun könne.
                Er hat hierzu 2 Alternativen angeboten, einmal weitermachen wie bisher und hoffen das die von dir angesprochene Energiequelle rechtzeitig zur Verfügung steht und auch tatsächlich in der Lage ist, alle die Probleme hinsichtlich Artensterben, Klimawandel, Massiver Verlust von Ackerland (Peak Soil) zu beheben. Also unser Wirtschafts-. und Finanzsystem welches auf den Prämissen unendlich, exponetiell und Wachstum beruht weiterhin am Laufen hält. Und das in einer begrenzten Umgebung.
                Oder 2. das man versucht der kommenden Entwicklung durch den Aufbau kleinteiliger bzw. regionaler Strukturen, von denen man sich erhofft, das sie die Resilienz des Gesamtsystems erhöhen mögen, zumindest einmal anzugehen. Das dies nun einfach wäre oder ohne Umstellung der persönlichen Lebensphilosopie durchgeführt werden kann, hat eigentlich nie jemand behauptet. Ich persönlich gehe einmal davon aus, für die zur Zeit aktive Generationen wird das richtig hart werden. Aber letzendlich könnten wir den kommenden Generationen eine Perspektive bieten.
                Wenn wir es wirklich angehen.
                Nichtstun und warten auf das was da kommen mag wird meiner Meinung nach weder für uns noch für die kommenden Generationen eine Perspektive bereithalten. Zumindest keine erstrebenswerte.

        • Tom Schülke sagt:

          Hallo Peterwy,

          Ja , Du hast recht..

          Wir kommen von der sehr gleichen Ausgangsbasis doch zu recht unterschiedlichen Beurteilungen was mögliche Strategien betrifft.

          Es besteht die Möglichkeit, das weder der weitere Sprung nach vorne uns rettet, noch das wir in großem Maßstab in der Lage wären Resilienzen in das System einzubauen und den wahrscheinlichen Kollaps damit abzufedern.

          Im Endeffekt glaub ich liegt das an der unterschiedlichen Beurteilung einiger wesentlicher Möglichkeiten.

          1. Kann es gelingen , einen weiteren Sprung nach vorne zu machen und die Energieversorgung noch einmal ein Stück zu steigern, zumindest aufzufangen ?

          2. Wenn dieses nicht möglich ist, wie wahrscheinlich ist ein Kollaps der durch resilienzsteigernde Maßnahmen im Kleinen ( Stefan hat recht, da muß man sehr genau definieren welche Resilienz gemeint ist.. ), und dadurch durch zunehmende effizienzverluste im GEsamtsystem induziert werden.

          3. Welche Verantwortung haben wir mögliche Härten jetzt schon in Kauf zu nehmen, wenn dadurch die Situation zukünftiger Generationen erleichtrt wird.

          4. Ist es möglich auf einem technisch niedrigeren Niveau eine neue Ebene einzuziehen. Oder anders gefragt. Rauschen wir direkt durch in ein neues Mittelalter, oder können wir das System auf einem technischen niveau wie zb. 1920 stabilisieren.

          5. Empfindet man es als Lebenswert oder völlig unzumutbar in einer Welt zu leben in der man auf einen Großteil der gewohnten Komfort-technik verzichten muß.

          Was mich betrifft empfinde ich beide Argumentationen, das es nicht wahrscheinlich ist, das wir einen weiteren Sprung nach vorne machen werden, und das Argument das eine Vereinfachtung der Zivilisation in einen Strukturellen Kollaps führen können als überzeugend. „We are locked in“ wie David Korrowitcz sagt.

          Der Spielraum der sich ergibt ist möglicherweise minimal. Das ist es auch was so unglaublich frustrierend ist… Die Medizin tötet möglicherweise genauso wie das weitere große Fressen..

          Dennoch neige ich zum forcierten Aufbau von Resilienzverstärkenden Strukturen und mehr Regionalität.

          1. Weil wir nicht das Recht haben das Gesamtsystem auf ein level zu heben bei dem nach einem Zusammenbruch die Biosphäre so nachhaltig zerstört ist, das Folgegenerationen keine Chance mehr haben,

          2. Weil wir im Moment immer noch die Energie und Ressourcen haben einen Umbau zu beginnen.

          3. Weil ich die Hoffnung habe das wir eben nicht bis ins Mittelalter durchrauschen. Auch wenn der ÜBergang sehr häßlich sein wird.

          Der Unterschied zu früher ist, das wir einen schatz an Technischem Wissen auch für einfacherer Techniken im Gepäck haben, ein viel Tieferes Verständnis für die Ökologie und Wirkzusammenhänge..

          Die Frage ist halt kann es uns gelingen daraus ein System zusammenzusetzen, das auf einem niedrigeren Niveau stabil bestehen bleibt, das immer noch eine einigermaßen gute Lebensqualität bietet..

  23. Hendrik Altmann sagt:

    Ich bin schon darauf eingegangen in diesem Block, gehen wir mal davon aus das wir es nicht schaffen durch weitere Effizienzgewinne oder die Erschließung einer neuen Energiequelle den ERoEI weiter zu kompensieren, also uns mehr Zeit zu kaufen.

    Dann wird sich die Komplexität des Gesamtsystems immer weiter reduzieren damit wird der Fall des ERoEI auch weiter beschleunigt, die Katze beißt sich in den Schwanz.

    Das ist dann der Crash, der Kollaps.

    So wie ich das beobachte ist der Vorschlag diese Resilienz in den Städten zu erreichen durch Gärten, die Zeit die wir dafür aufwenden ist erkauft durch fossile Energien und der daraus erzeugten Produktivität, das ist schon mal ein Problem an der Sache.

    Das andere ist die massive Veränderung der Städte in diesem Kollaps, die dahingehen laufen wird das riesige Menschenmengen aufs Land ziehen werden, ich wage zu behaupten das die meisten Städte ihre Funktion verlieren werden, besonders die grössten.

    Dazu sollte man sich Informationen einholen wie Städte überhaupt entstehen konnten, und warum in den vergangenen 300 Jahren eine so massive Urbanisierung eingesetzt hat.

    Dann dazu noch etwas, warum soll ich Nahrung in den Städten erzeugen, wenn ich es auf dem Land viel effektiver kann.

    kommt der Kollaps, wird die Landwirtschaft wieder von Muskelkraft betrieben, sprich Ochsen und Pferden, Esel.

    Ich bin doch deutlich Produktiver wenn ich Tiere auf einer großen zusammenhängenden Landfläche einsetzen kann um die Felder zu bestellen, als in der Stadt mit meinem Ochsen durch die Straßen zu marschieren von Kleingarten zu Kleingarten.

    Insgesamt sind Städte nicht so gut für die Landwirtschaft und Tierhaltung geeignet, dazu kommen die massiven Veränderungen auf dem Land und der Stadt, die Maschinen, Dünger, Pestizide müssen durch pure Muskelkraft sprich Menschen kompensiert werden, Stadtflucht ist das Ergebnis.

    Dazu kommt noch das mit immer geringeren Komplexitätslevel des Gesamtsystems, auch der Bedarf an Arbeitskräften in der statt sich stark reduziert, also es eine nie dagewesenen Arbeitslosen Welle auf die Stadtbevölkerung zurollt.

    Diese werden nicht aufgefangen durch soziale Sicherungssysteme da die dem Komplexitätsverlust zum Opfer gefallen sind, aber nicht nur Soziale Absicherung existiert nicht mehr Kanalisation und Wasserversorgung, ja Stromversorgung, als das basiert auf dem ERoEI von heute, dem jetzigen Komplexitätslevel, dem heutigen Grad an Effizienz.

    Fazit: Wenn ich Resilienz will für die kommenden Veränderungen, ziehe ich aufs Land bewirtschafte dort Land, die Städte werden sich transformieren in Hotspots für Chaos und Gewalt, Hunger und Verzweifelung.

    Auf dem Land haben wir dann das Problem, das hungernde Mobs aus den Städten plündernd durch das umliegende Land ziehen werden, der Kollaps wird überall stattfinden, auf der ganzen Welt.

    Die Perspektive die man haben kann, ist irgendwie mit seinen jetzigen Fähigkeiten sich da durchzuwurschteln.

    Diese Krise wird allerdings bestimmt 100-300 Jahre wären, danach sind wir wieder da wo wir vor dem fossilen Zeitalter waren, allerdings nur im allerbesten Fall.

    Denn das Ökosystem ist jetzt ein anderes, Ressourcen Vorkommen haben eine weit geringere Konzentration und sind deutlich schwerer zu erreichen, das heißt ich brauch viel mehr Energie um an diese zu kommen, was eine Welt wie die vor den fossilen sehr unwahrscheinlich macht, unsere Zivilisation wird wohl deutlich primitiver sein, ehr auf dem Level wie die Ureinwohner Nordamerikas vor dem Aufschlag der Europäer.

    • Hendrik Altmann sagt:

      Dort oben ist ein Zitat von Rob Hopkins, es behauptet wir würden mehr Zeit haben.

      Tatsächlich ist es so das unser Produktivietäts Level darüber entscheidet wie viel Freizeit wir haben.

      Und unser Produktivitätslevel wird definiert vom ERoEI bei der Energienutzung.

  24. MeK sagt:

    @Tom Schülke
    Wegen Architektur evtl auch für dich interessant…

    https://www.youtube.com/watch?v=eJhO-AHRS-I
    Ein wie ich finde sehr wertvoller Beitrag über Bäume.
    Einmal wird auf die riesen Vorteile als Bau-/Werkstoff verwiesen*, und dann auch auf das Leben der Bäume selber eingegangen, und wie sie mit ihrer Umwelt interagieren! und funktionieren.

    *Und ich muß mich immer wieder fragen, zu welchem Preis das Rad neu erfunden wird, mit z.B. umweltschädlicher Dämmung, wo auch das Raumklima negativ beeinflusst wird. Und das alles wäre mit Holz sehr viel einfacher, gesünder und umweltfreundlicher möglich – und effektiver natürlich auch.

Diesen Eintrag kommentieren: