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Warum sich „Big Oil“ selbst liquidieren sollte

Vier Lese-Empfehlungen (Dank an Frank):

In der Schweizer Finanz und Wirtschaft argumentiert Anatole Koletsky, die westlichen Ölfirmen sollten angesichts des aktuellen Ölpreisniveaus ihre verbliebenen Ölreserven verkaufen, die Erlöse an die Aktionäre ausschütten sowie durch Investitionen in alternative Energiesysteme einer neuen Zeit widmen. Seine Argumentation ist dabei rein ökonomisch fundiert und nicht aus "grünen Überlegungen" abgeleitet. Er kombiniert schlicht die gesunkenen Preise mit den hohen Kosten für Exploration und den niedrigen Förderkosten von Ländern wie Saudi Arabien und Iran. Im Ergebnis würden sich die heutigen westlichen Ölförderfirmen als KnowHow-Träger positionieren statt als Ölproduzenten:

Dass die niedrigen Ölpreise inkompatibel mit den Geschäftsmodellen der US-Fracker sind, ist Lesern dieses Blogs nichts Neues. Mark Dittli hat (evenfalls für die FuW) den Junk-Bond-Markt der USA mal aus Sicht der Ölförderer analysiert und stellt fest, dass die Risikoaufschläge auf Anleihen, aus denen sich die Fracker finanzieren, langsam der 20%-Marke nähern. Das heißt, der Markt rechnet mit Ausfällen solcher Anleihen, was bedeutet: das Leben so mancher Fracking-Firma nähert sich dem Ende. Alles hat ein Ende, daher ist das nicht verwunderlich. Nur die volkswirtschaftlichen Folgen dürften interessant sein: Einerseits für Investoren, die da hinein ihr Geld gesteckt haben und es nun nicht wiederkriegen, andererseits für die Konjunktur, die bei solch hohen Zinslasten schnell in kritische Zustände abschmiert:

Der Economist hat eine interaktive Grafik, bei der man den Ölpreis in 20-US$-Schritten verändern kann. Die Grafik zeigt dann an, wieviel der Ölreserven verschiedener Länder ökonomisch förderbar sind. Klar: Je höher der Preis umso mehr Öl ist wirtschaftlich förderbar, je niedriger der Preis, umso weniger Öl ist es. Über 150 US$ ist alles möglich, aber untendrunter sieht es sehr vielschichtig aus:

Steffen Bukold von EnergyComment hat in Zusammenarbeit mit Greenpeace einen Erdöl-Reader herausgegeben, der ganz grundlegend an die Ölfrage herangeht. 95 Seiten Spezialwissen, allgemeinverständlich verarbeitet:

Zuletzt (schon älter): Heise: Gas- und Ölindustrie als leichtes Ziel für Hacker, und neuer: SPON: Klimawandel: Regierung gibt zwei Drittel der deutschen Skigebiete verloren und interessant: DiePresse: Iran will sein Öl für Euro verkaufen

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56 Kommentare to “Warum sich „Big Oil“ selbst liquidieren sollte”

  1. Hendrik Altmann sagt:

    Die Vorhersagen von Greenpeace kann ich hier aber nicht folgen, ich sehe nicht wo sich die derzeitige Entwicklung den Peakoil weiter verzögert, ehr ganz im Gegenteil.

    Die niedrigen Preise werden dazu führen das fracking und auch die Teersandförderung ihre Produktionskapazitäten nicht weiter ausbauen, schon diese Jahr werden wir einen signifikaten Produktionsrückgang in Amerika sehen, der dann nächstes Jahr noch größer ausfallen dürfte und falls die Preise nicht mehr reguliert werden wohl noch in diesem Jahrzehnt zu Peakoil führen wird.

    Noch viel schlimmer könnte es werden die Weltwirtschaft weiter ins wanken kommt, denn momentan gibt es nichts was diesem Prozess dann noch entgegensteuern könnte, so köönen wir im Moment nur hoffen das der Konsum weiter anzieht getrieben von niedrigen Rohstoffpreisen.

    • Stefan Wietzke sagt:

      Das was mich an allen diesen Analysen stört ist das sie am eigentlichen Problem vorbeigehen.

      Denn was für Ölpreise erzielt werden, wer Pleite geht oder subventioniert wird ist aus globaler Sicht völlig irrelvant. Das sorgt dann nur dafür das die Kosten von einem auf den anderen verlagert werden.

      Die globale Volkswirtschaft muss aber immer die realen Kosten erwirtschaften, denn Energie ist nunmal nicht substituierbar.

      Fallen die Energiepreise unter die tatsächlichen Förderkosten kurbelt das auf globaler Ebene auch den Konsum nicht unbedingt an. Denn das was die einen mehr ausgeben können fehlt bei den anderen in der Kasse. Das Ganze ist dann ein Nullsummenspiel.

      Bei ungefähr 100-120$ dürfte die Grenze für die Weltwirtschaft liegen. Die Masse der aktuellen Produktion ist für 80$ rentabel zu fördern. Die Frage ist daher nicht ob die privaten Ölförderfirmen pleite gehen die ohnehin nur noch auf den teuren Feldern hocken, sondern ob die Produzenten mit den relativ billigen Feldern ihre Produktion aurecht erhalten können. Zumindest zu einem Mischpreis der deutlich unter 100$ bleibt.

      Der Energiesektor war sowieso nie ein „Markt“ und wurde schon immer politisch gesteuert. Denn für einen „Markt“ ist der viell zu wichtig. Die Energiepreise waren, sind und bleiben politische Preise.

      Entscheidend für die globale Wirtschaftsentwicklung sind daher die realen Kosten und nicht die aktuellen „Preise“.

      Das gilt übrigens für alle Energiequellen.

      • Hendrik Altmann sagt:

        Nun die realen Kosten steigen natürlich immer weiter da die Aufwände immer weiter steigen, natürlich bleibt der weiter fallende Gesamt ERoEI die kritische Komponente, für mich stellt sich auch gar nicht mehr so richtig ob uns der Laden um die Ohren fliegt sondern wann.

        Ich sehe da keine Lösung die Zeitnah erreichbar ist, selbst wenn wir eine Verschiebung von Investitionen hin zur Forschung und Entwicklung der Nuklearen Technologien sehen würden, würde das zu spät sein, denn wir müssen diese Technologien vor dem Kollaps des System bereit haben und ich denke nicht das wir noch 30 Jahre Zeit haben bis zu diesem Punkt.

  2. Michael Egloff sagt:

    Teils,teils, Stefan.
    Natürlich hast Dur recht damit, beide Seiten der
    Medaille zu betrachten: Kaufkraftgewinn und Ölmehrverbrauch der Ölimportländer UND Kaufkraftverlust in den Ölexportländern, was dort einen verminderten oder zumindest nicht so stark steigenden Ölkonsum wie bisher erwarten lässt.
    Allerdings haben die Netto-Ölimportländer einen Anteil an der Weltbevölkerung, der weit über 50% beträgt. Wahrscheinlich liegt dieser Anteil bei 80 bis 90% (fast alle OECD-Länder, u.a. USA, Japan, Deutschland, sowie China, Indien und einige andere wichtige Schwellen- und Entwicklungsländer.)
    Die Staaten, die von der kaufkräftigen Nachfrage her die Profiteure der Preisbaisse sind, überwiegen also klar sowohl von der Bevölkerungszahl her, als auch von ihrem Anteil am Weltbruttosozialprodukt.

    Und ein Aspekt ist ganz wichtig: nehmen wir an, die niedrigen Ölpreise haben noch 3 bis 5 Jahre Bestand, was im Falle einer Abkühlung der Weltkonjunktur durch eine Finanzmarktkrise leicht der Fall sein könnte, dann könnte das Ergebnis eine Ölpreishausse in der ersten Hälfte der 20er Jahre sein, dass uns Hören uns Sehen vergeht. Und zwar dann deutlich über die Preisschwelle hinaus, mit der sowohl die Ölförderer als auch die Ölimporteure zurecht kommen (80…100 Dollar).
    Die Investitionen in neue Projekte und in die Ölinfrastruktur würden im Falle mehrjähriger niedriger Ölpreise besonders in Hochkosten-Förderländern so extrem absinken, dass ein nachfolgender Angebotsrückgang von etlichen Millionen Fass pro Tag unvermeidlich wäre.

    Dieser kräftige Zyklus zwischen wechselnder Angebots- und Nachfragezerstörung dürfte dann ab den 20er Jahren die Heftigkeit der Konjunkturwechsel deutlich verschärfen. Mit heftigeren Krisen und kürzeren, aber durchaus kräftigen konjunkturellen Aufschwüngen. Wobei diese Unwucht dann auch die geopolitische Lage destabilisierend beeinflussen könnte.

    • Hendrik Altmann sagt:

      Naja aber Stefan hat schon recht Öl ist hier viel zu wichtig um am Geldwert bemessen zu werden, nur wenn die Produktionsverluste durch die Schwankungen des Ölpreises durch Kohle und Gas kompensiert werden können und vor allem im Bereich Mobilität ist ein Systemzusammenbruch vermeidbar.

      Der Wert für unser Ökosystem wird auch nicht mit Geld bemessen, sondern der Wert von Öl wird durch den Aufwand bei der Förderung definiert, der Geldwert ist im grunde nur wichtig damit die Industrie weiß wie viel Öl gerade benötigt wird oder eben nicht benötigt wird.

      Zur Zeit wird so parktisch Öl unter Wert verkauft, also der Ölpreis ist zur Zeit geringer als der tatsächliche Wert des Öls, für die Differenz muss die produzierende Industrie aufkommen, was nichts anderes bedeutet als eine Umverteilung, diese Umverteilung ist denke ich ehr kontraproduktiv, da zu einer Fehlentwicklung im System führt, sprich Produktion wird verschwendet in eine Richtung, die Morgen nicht mehr Bestand hat, spätestens wenn der Ölpreis wieder den tatsächlichen Wert des Öls darstellen muss.

      Zumal ja auch in den USA und in Kanada die Wirtschaft Probleme bekommen wird, wenn dort die Ölindustrie und die Zuliferindustrie den Bach runtergeht, nicht umsonst wird das platzen der fracking Bubble so gefürchtet, die gesamte Weltwirtschaft steht gerade am Rande einer Wirtschaftskrise, es ist ja nicht die fracking Bubble allein die hier kutz vor dem platzen steht, es gab und gibt viele Fehlentwicklungen im System wo eine Bereinigung noch aussteht und die internationalen Börsen sind hoch Nervös, in diesem Umfeld braucht es nicht viel damit all diese Fehlentwicklungen und die Bubbles die dazu gehören uns zur selben Zeit um die Ohren fliegen, ein Kollaps der Finazmärkte erscheint für 2016 nicht gerade unwahrscheinlich und es wäre der schlechteste Zeitpunkt überhaupt, weil diemal gibt es nahezu kein Hebel mehr der die Lawine aufhalten könnte, die Zinsen und Rohstoffpreise sind ja schon im Keller….

      • Hendrik Altmann sagt:

        *Ecosystem, nicht Ökosystem

        • Hendrik Altmann sagt:

          Ich denke viele realisieren nicht was es bedeutet, dass wir bei den Effizienzgewinnen so weit auf der Grenznutzenkurve schon voran gegangen sind und der Gesamt ERoEI immer noch weiter im freinen Fall ist.

          Effizienzgewinne können nicht mehr den Fall des Gesamt ERoEI kompensieren, die Folge ist das das Gesamtsystem instabil wird, bis schließlich der Kollaps der Zusammenbruch stattfindet, genau an diesme Punkt sind wir jetzt, die Frage ist nicht ob sondern wann, dieses Jahr nächstes Jahr oder doch erst in 10 Jahren?!

          Das hängt davon ab ob wir den Gesamt ERoEI lansamer sinken lassen können oder wieder heben, letztendlich aber verlieren wir das rennen.

          Ein Szenario mit dem wir den Gesamt ERoEI weider etwas steigern könnten wäre massiv auf Energie aus Kohle zu setzen, was das bedeutet weiss aber denke ich jeder.

          Wenn wir das Gegenteil machen als vor allen auf Ernerubare setzen, werden wir den Abfall des Gesamt ERoEI noch weiter beschleunigen, was uns dem Kollaps dann sehr nahe bringt.

          Schiffsmotoren, Flugzeugtriebwerke, und Automotoren sind die letzten 10 Jahre kaum Energieeffizienter geworden und die nächsten 10 Jahre wird dort noch viel weniger passieren, weilder Aufwand für diese Effizienzgewinne exponentiell steigt.

          Wir sind angekommen, wir kommen nicht mehr weiter, jedenfalls nicht ohne mehr Zeit doch genau die fehlt uns jetzt… es wird wohl noch viele Jahrzehte dauern bis die Atomtechnologie uns eine Lösung liefern könnte, nur wird die Systemkomplexität dafür in diesen Jahrzenten schon nicht mehr vorhanden sein.

          • Hendrik Altmann sagt:

            Geld hat in unserem System vor allem die Funktion eines Kommunikationsmittels wir kommunizieren damit unsere Bedürfnisse zu den Produktions Einheiten des Systems, nötig wurde das durch das komplexer und größer werden der sozial Strukturen.

      • Stefan Wietzke sagt:

        Es reicht ja auch nicht den Erntefaktor zu betrachten. Der stellt zwar eine absolute Produktivitätsgrenze da, aber genau so wichtig ist es wie schnell und in welcher „Stückgröße“ eine Energiequelle erschließbar ist.

        Kleinteilige Technik wie Windanlagen oder gefrackte Quellen haben den Vorteil das sie auch dann aufgebaut werden können wenn das wirtschaftliche Komplexitätsniveau relativ niedrig ist. Außerdem kommt man mit relativ wenig „Vorleistung“ , also Investititonen aus bis der erste Rückfluss erfolgt.

        Technologien wie Kernkraftwerke dagegen sind nicht nur komplex, sondern benötigen auch einen hohen zeitlichen und materiellen Vorlauf bevor sie in Betrieb gehen können. Der industrielle Level muss also bereits relativ hoch sein bevor man diese Technologien umsetzen kann. Daher können diese Technologien auch keine schnelle Lösung sein, sondern brauchen einen langen Vorlauf.

        Es ist schon erstaunlich das bis heute nur geringe Mittel in die Entwicklung von Energietechnologien fließen. Die gesamte regenerative Industrie forscht praktisch gar nicht. Das läuft eigentlich nur an den Universitäten und auch da eher mit gebremster Kraft.

        Und das bei vielen Technologien das Optimierungspotential weitgehend ausgereizt ist, ist auch klar. Den die schnellsten Fortschritte werden zu Beginn gemacht und nehmen dann ab. Halt das klassische Grenznutzenproblem. Und es verbleibt immer eine physikalisch notwendige Mindestmenge. Und umso mehr Bereiche ausgereizt sind umso kleiner wird der Gesamteffekt.

        Das wir noch weit von der Lösung weg sind zeigt das gerade das durch die Presse gegangene Projekt Noor I in Marokko. Die Kosten der Anlage sind exorbitant und der Output mit 150MW nicht gerade berauschend. Und die stehen ja nicht mal rund um die Uhr zur Verfügung (trotz Flüssigsalzspeicher).
        Nun wären hohe Investitionsqufwände nicht so tragisch wenn die Anlage 60 Jahre lang halten würde.

  3. Heinz sagt:

    Ich denke, man sollte den Kapitalaufwand und die Komplexität der sogenannten regenerativen Energieerzeuger nicht unterschätzen. Die Menge der Hersteller sowohl, was das Grundsubstrat aus Siliziums anlangt, als auch der Wafer selber ist doch relativ überschaubar und keinesfalls etwas, was man in einer Hinterhofwerkstätte erzeugen kann. Dasselbe gilt auch für Windkraftwerke. Sowohl die Turbine als auch der Flügel sind Meisterleistung der Ingenieurskunst. Das erforderliche Komplexitätsniveau liegt meiner Ansicht nach eine Größenordnung über dem, was für ein Laufkraftwerk oder Dampfkraftwerk erforderlich ist. Kernreaktoren gibt es seit den frühen 40er Jahren. Und im Grunde genommen ist die Technik ziemlich einfach. Komplex ist nur, wie gehe ich mit den Zerfallsprodukten um.

    • Hendrik Altmann sagt:

      Hier gehts es insgesamt ja nicht um die Kraftwerke oder Windturbinen, Solarpanel alleine, wenn man die Entwicklung im System verstehen will muss man das Ganze betrachten und das bedeutet zu schauen was alles an einem Kraftwerk mit dran hängt.

      Und dabei meine ich nicht nur die Zulieferbetriebe und ihr Rohstoffverbrauch sondern auch das Maß an Forschung und Bildung was benötigt wird, das Maß an Infrastruktur und Datenverarbeitung, sowie Quertechnologien die benötigt werden aber mit Energieerzeugung eigentlich nichts zu tun haben.

      Wir hätten natürlcih auch vor 40 Jahren schon Windparks bauen können, nur das die Maschinen, Turbinen, Fahrzeuge, Datenverarbeitung, usw. bis hin zur Bildung und Forschung, alles einfach alles im System hat für die selbe Arbeit viel mehr Energie benötigt als heute.

      Die Energieeffizienz von vor 40 Jahren war noch deutlich niedriger bei den Maschinen, sprich der Aufwand Windparks und Kerkkraftwerke zu bauen war auch dementsprechend höher, die realen Kosten waren höher, allerdings war auch der ERoEI höher.

      Wenn heute unser Komplexitätniveau auf das wie vor 40 Jahren wieder zurück fallen würde, und Maschinen nicht mehr so Energieeffizient gebaut werden könnten wie wir sie heute gewöhnt sind, schlägt der niedrige ERoEI von heute voll durch.

      Das wie gesagt wäre aber nur ein Verstärker eines Schrumpfungsprozesses, der dann erst später nach dem Kollaps greift und wirkt, das Problem von heute ist erstmal das wir die Maschinen nicht mehr weiter Energieeffizient bekommen, da der Aufwand dafür absurd wird, der Abgasskandal ist ein gutes Beispiel dafür, das alles unter dem Schatten das der Gesamt Erntefaktor weiter ungebremst fällt, zumindest noch.

      Auch spielt fracking oder Windkrfat im Grunde dabei keine Rolle der ERoEI dieser beiden Arten der Energiebereitstellung ist viel zu niedrig und wird von Kohle Quersubventioniert, das sind keine Stabilisatoren sondern direkte sinks des Gesamt ERoEI, hier wäre es besser Kohleenergie direkt zu verwenden.

      Fracking Öl liegt bestenfalls bei einem ERoEI von 5…Windenergie nach Speicherung liegt auch in diesem Bereich, damit ist ein Komplexitäts Niveau wie im Mittelalter erreichbar, mit Diesem Komplexitätsniveau des Gesamtsystems ist es aber nicht mehr möglich High Tech Windparks zu errichten, sondern lediglich wine Windmühle aus Stein Holz und Stoff, ohne Strominfrastruktur…

      • Patrick sagt:

        Hallo Hendrik,

        sag mal, was machst du denn eigentlich beruflich?
        Du hast dich ja offensichtlich auch sehr stark in das Thema eingearbeitet, deshalb würde mich dein Background auch mal interessieren.

  4. Hendrik Altmann sagt:

    Ich bin Einzelhandelskaufmann von Beruf, ich bin einfach schon immer neugierig gewesen wie die Welt und das Universum funktioniert, heute interessiert mich vor allem ob es noch mehr gibt als unser Universum, was vor dem Urknall war und ob dieses Universum wirklich nur ein reines Produkt des Zufalls ist, was ich immer mehr bezweifel.

    Das hat schon ganz früh in meiner Kindheit angefangen mit einem großen Interesse für die Natur.

  5. Hendrik Altmann sagt:

    Noch mal was zum Verhälnis von Kohleenergie zu den anderen Methoden der Energiebereitstellung, Kohleenergie stützt nahezu alle anderen Arten der Energiebereitstellung da Kohleenergie genutzt wird in der Produktion von Windkraftanlagen, Atomkraftwerke, Infrastruktur, ja von nahezu fast allem, einige Fragen sich vielleicht warum wird Kohleenergie eigrntlich nicht direkt genutzt wenn der ERoEI von Kohle der höchste unter den Fossilen ist?

    Ich meine warum tausche ich hier Kohleenergie mit hohem Erntefaktor gegen z.B. Energie aus Gas, Wind oder Photovoltaik?

    Ganz einfach ich bekomme eine höhere Reichweite und kann mehr Menschen mit Energie Versorgen, der Nachteil ist ich reduziere damit den Gesamterntefaktor, das bedeutet weniger Wohlstand und weniger Möglichkeiten (Systemkomplexität).

    Das heißt aber auch das der Anteil an Kohleenergie am Gesamtenergiemix nicht unter ein bestimmtes Niveau fallen darf.

    Nehmen wir jetzt mal an das die Erneuerbaren oder Öl aus fracking und Teersand Ateilsmäßig um 20% erhöht werden am Gesamtenergiemix, Kohle dafür um 20% reduziert wird, ist das eine drastische Reduzierung des Gesamt Erntefaktors, jetzt muss viel mehr Kohlenergie reinvestiert werden in Energieerzeugung und es bleibt kaum noch etwas für Wohlstand Forschung und Bildung, Alters und Krankenversorgung usw.

    Würde der Anteil der Kohleenergie dagegen um 20% erhöht, müsste insgesamt weniger Kohleenergie in die Energieerzeugung reinvestiert werden, damit wird mehr Energie für Wohlstand frei.

    Das Kohlenergie Energie aus Öl verdrängt macht aber nur bei den teuren Fördermethoden sinn, also bei fracking und Teersand, dieses teure Öl könnte ersetzt werden durch Elektromobilität.

    Ein weiterer Nachteil ist der hohe Austoß an CO2 bei der Kohleverbrennung, wofür es keine Sinnvolle Lösung bis jetzt gibt.

    Ich wollte eigentlich auch nur darauf hinweisen, das der Kohleanteil in Zukunft ehr steigen wird als sinken bei der Energiebereitstellung, da die Reduzierung des Kohleanteils bei der Energiebereitstellung unweigerlich in einen Wirtschaftskollaps führen würde.

    Fracking und Tiefseeöl, Biogas und Biosprit, Wind und Solar Energie wären ohne Energie aus Kolhe nicht machbar und deutlich teurer, das müssen wir uns immer vor Augen halten und eine Reduzierung der Kohleverstromung in der Welt einfach nur Träumerei.

    • Ert sagt:

      @Hanedrik

      Leider scheint das mit der Kohle und dem EROI keiner zu verstehen….

      In (fast) allen (politischen) Diskussionen, in vielen Energie-Podcasts, bei Eco-Aktivisten, und CO2 Reduzierern etc. pp. ist die Reduzierung der Kohle und der Ausbau der EE auf dem Programm – faktisch heilig. Dabei spricht auch niemand von dramatischer Reduzierung der verbrauchten Gesamtenergiemenge.

      Es scheint keiner zu verstehen…. die einen wollen und können es nicht – und die anderen verdienen daran.

      Mal schauen, wann die Einsicht kommt. Ich habs fast aufgegeben das zu erklären… setzt anscheinend ein tiefes logisches und kausales Verständnis voraus – wo also zumindest mal die Beherrschung des 3-Satzes und das kleine 1*1 (bis 100) vorausgesetzt werden muss.

      • Stefan Wietzke sagt:

        Das ist nicht nur beim Erntefaktor so, sondern bei Investitionen generell. Was schwer zu verstehen zu sein scheint ist die Folge negativer Rückkopplungsschleifen.

        Sehen wir uns dazu einmal an was eine „Investition“ ist.
        Normallerweise greift sich z.B. ein Löwe oder auch ein Vormensch einfach das notwendige Konsumgut direkt aus seiner Umgebung ab.

        Die gesamte verfügbare Arbeit (Kraft x Zeit) fließt direkt in die „Konsumgüterproduktion“. Das ändert auch nichts wenn er einen Stock oder Stein aufsammelt um körperliche Nachteile auszugleichen.

        Aber mit der Herstellung des ersten Fauskeils ändert vor 4 Millionen Jahren ändert sich das. Denn nun wird zuerst Arbeit aufgewendet um Kapital, also ein Investitionsgut, herzustellen. Und erst dieses Invstitionsgut wird dann zur eigentlichen Konsumgüterproduktion verwendet.
        Nehmen wir nun an dem Vormenscheb stehen 10 Arbeitseinheiten zur Verfügung, von der er nun eine Einheit zur Herstellung von Werkzeugen verwendet. Dann muss dieses Werkzeug seine Produktivität mindestens soweit steigern das er nun in 9 Zeiteinheiten so viel Beute machen kann wie vorher in 10. Am besten wäre natürlich er kommt nun mit 8 Zeiteinheiten aus. Dann hat sich die Investition wirklich gelohnt.

        Und es ist genau der Moment an dem zum ersten mal „Schuldgeld“ auftritt. Denn unser Vormensch hat sich nun „Arbeit“ geliehen, die erst durch gesteigerte Produktivität in der Zukunft wieder „zurückgezahlt“ werden muss. Noch klarer wird das wenn man sich das schon Arbeitsteilig vorstellt. In einer Horde von 10 Leuten stellt nun einer die Werkzeuge her und die anderen 9 nutzen die zur Jagd.

        Investitionen erzwingen das der zeitsynchrone Gütertausch aufgelöst wird, denn die „Bezahlung“ für die Investition kann erst erfolgen wenn die Investitionsmittel genutzt werden.

        Es wird also Arbeit „heute“ getätigt um „morgen“ mehr zu haben. Dieses Herstellen des Werkzeugs ist genau die selbe Rückkopplung wie der Erntefaktor bei Energie.

        Jede Gütererstellung ist ja nichts anderes als vorhandene Güter unter dem Einsatz von Arbeit in andere Güter zu transformieren. Arbeit ist Kraft x Zeit. Da wir die Zeit nicht verändern können (auch nicht nach Einstein, denn die Zeit innerhalb eines Massebezugssystem ist immer gleich) bleibt nur die Kraftinput zu erhöhen, wenn am Ende mehr herauskommen soll.

        Im Endeffekt ist jedes existierende Lebewesen eine Lösungsvariante eines Energieoptimierungsproblems. Maximaler Output bei gegebenen Randbedingungen aus Ressourcen und Energieverfügbarkeit.

    • Ert sagt:

      Ergänzung: In UK sollen 4 Kohle-Kraftwerke geschlossen werden (unwirtschaftlich für die Betreiber) – ein AKW geht auch noch außer Betrieb.

      Euan Means schreibt, das das die UK nahe bzw. in den Bereich des möglichen Blackouts bringen wird, weil für den Peak-Demand dann nicht mehr genug Kraftwerks- und Reservekapazität bereitsteht: http://euanmearns.com/uk-blackout-risk-amber-warning/

      Pikant – oder besser symptomatisch – dabei ist u.a. die Historie von Amber Rudd (UK Secretary of State for Energy and Climate Change): „Graduating from the University of Edinburgh with a degree in history, Amber worked in investment banking in the City of London and New York, before moving into venture capital.“.

      Es wird also nicht nur in DE spannend.

      • Hendrik Altmann sagt:

        Das UK hat einfach zu lange nichts gemacht in Sachen Energieversorgung, Investitionen wurden zu lange aufgeschoben, jetzt muss alles ganz schnell gehen, viele Kraftwerke im UK sind überaltert und müssen die nächsten Jahre ersetzt werden das wird natürlich teuer.

        Zur Kohle muss ich sagen, das dort einfach die Naturgesetze letztendlich unser Wirtschaftsystem lenken, es ist völlig egal ob viele lieber die Erneuerbare Revolution sehen wollen, Kohle bitet zu viele Vorteile, und die Erneuerbaren, fracking und Teersand zu viele Nachteile.

        In Systemen setzt sich immer die Energienutzung mit dem besten ERoEI Verhältnis durch, was für heute in Deutschland und in vielen anderen Ländern sehen, das der Wirtschaft durch Subventionen und Strafen ein bestimmter Weg zwanghaft vorgegeben wird ist führt letztendlich ins nichts, das ist nichts anderes als das födern von Fehlentwicklungen im Gesamtsystem, wenn die Fehlentwicklungen dan zu groß werden, berichtigt das, das System von sich aus, in dem es die Fehlentwicklung zerstört, das sind im Wirtschaftssystem dann die Blasen die uns um die Ohren fliegen, kann ein bischen wie Krebs in einem Organismus vergleichen, auch nichts anderes als eine Fehlentwicklung die der Organismus hoffentlich zu beseitigen versucht.

        Fracking und Teersand Förderung machen keinen Sinn wirtschaftlich, ebenso wie Photovoltaik in Deutschland keinen Sinn macht, je länger solche Experimente fortgesetzt und gefördert werden, desto größer ist nacher der Schaden im Gesamtsystem.

        In Ländern rund um den Äquator wo die Infrastruktur sehr schwach ausgebaut ist, kann man über den Einsatz für Prvathaushalte und kleinen Betrieben mit sehr schwachem Verbrauch darüber streiten, ob hier ein Einsatz gerechtfertigt ist.

        Für UK oder Deutschland sollte das keine Option sein, und führt höchstwahrscheinlich nur in den wirtschaftlichen Selbstmord.

        Genau wie Amerika auf Fracking und Teersand verzichten sollte, die Kohlereserven in Amerika sind noch aureichend für einige Jahrzehnte, genauso ist der Import von Öl aus Iran und Irak wohl billiger, und selbst wenn nicht, ist Elektromobilität immer noch besser als Mobilität auf fracking und Teersandbasis, das ist rein energetisch und wirtschaflich gesehen.

        Ich meine selbst wenn man hier die Umwelt im Focus hat, steht Teersandförderung und fracking in allen Bereichen schlechter da als die Nutzung von Kohleenergie.

        Ich denke das EEG wird innerhalb von 5-10 Jahren Geschichte sein, einfach weil der Unterstützung aus der Bevölkerung immer zurück gehen wird wenn die Kosten weiter explodieren, andere Länder werden die selben Erfahrungen machen oder an unserem Beispiel abgeschreckt werden.

        • Ert sagt:

          „Ich meine selbst wenn man hier die Umwelt im Focus hat, steht Teersandförderung und fracking in allen Bereichen schlechter da als die Nutzung von Kohleenergie.“

          Interessante Hervorhebung… denn genau den Punkt sehe ich faktisch kaum (gar nicht) thematisiert sehe – also in dieser Differenzierung.

          „Ich denke das EEG wird innerhalb von 5-10 Jahren Geschichte sein…“

          Es wird spannend, wie die „Restbestände“ abgesichert werden. Ich denke an die zugesagte Förderung geht keiner ran… es wird aber spannend werden ob die Renditen der Anlagen (rein über die Förderung möglich) ggf. mit einem ‚Speicher- und Netzstabilisierungsbeitrag‘ zumindest teilweise wieder abgeschöpft werden.

        • Stefan Wietzke sagt:

          Beim EEG wäre ich mir da nicht so sicher. Das Problem ist inzwischen das da zuviel Geld im Spiel ist und damit gibt es einfach sehr viele die davon profitieren. Und die werden alles daran setzen ihre Pfründe zu verteidigen (warum auch nicht, machen die anderen ja auch).
          Außer die Branche geht in gleichbleibendem Tempo weiter Pleite.
          Nun ist ja auch der größte Pellethersteller über die Wupper gegangen. 2/3 aller Windkraftanlagen machen Verluste und auch bei den Offshore-Windparks sehe ich noch nicht das die sich am Ende rechnen.
          Die ersten Langzeitdaten aus GB lassen da nichts gutes hoffen (Stark ansteigende Anlagenausfälle und Wartungsaufwände nach wenigen Jahren).

          Auch die E-Auto Nummer könnte schwierig werden. In den USA gibt es erste Anzeichen das gebrauchte E-Autos praktisch unverkäuflich sind.
          Und auf dem Blog „do-the-math“ hat der Autor mal Daten von der Entwicklung der Batterieleistung seines Hybrid erfasst. Das sieht gar nicht gut aus (sogar deutlich schlechter als ich das erwartet habe).

          http://physics.ucsd.edu/do-the-math/2015/08/my-chicken-of-an-ev/

          Hier ist auch noch ein Interview mit dem führenden deutschen Batterieforscher:

          http://www.rolandtichy.de/kolumnen/lichtblicke-kolumnen/energiewende-batterien-ohne-power/

          So wirklich gut sieht das da auch nicht aus.

          Und dieses Jahr ist nicht nur die EEG-Umlage weiter gestiegen sondern es gibt ja auch noch eine ganze Reihe weiterer Subventionsumlagen (NEV, abla, etc,) die sich dieses Jahr teilweise verdoppelt haben. Außerdem explodiert jetzt das Netzentgeld, denn die Ausregelung der Netze wird nun immens teuer.
          Und das alles bei gerade einla 15% volatilem Anteil im Netz. Denn der Rest der „Regenerativen“ ist Wasser und Müll (gabs schon immer) sowie Biomasse (mit einem Erntefaktor der nur mit Glück über 1 liegt).

          Rechnen wir die ganzen Subventionen zusammen, nehmen die Quersubventionen über das Nezentgeld hinzu und addieren die den Kommunen entgangenen Gewinne iherer Versorgungsunternhemen hinzu (die durch höhere Gebühren, Steuern oder verminderte Leistungen wieder ausgeglichen werden müssen) sind wir wahrscheinlich von ca. 40 Millarden pro Jahr nicht mehr weit weg. Und das für 15% Zappelstrom.

          • Ert sagt:

            @Stefan

            Die E-Auto Nummer sehe ich auch als (aktuell) Absurd an.

            Ich habe selber ein Fahrrad auf E-Bike umgebaut. Ich habe schon den zweiten (Markenzellen-)Akku (LiMn, 36V, 326Wh) – und der hat auch schon einen Weg. Sicher irgend eine Zelle Schrott, die den ganzen Akku bei Last runterzieht.

            Spannend ist, das nur ca. 200Wh entladen werden können, bis das Batteriemanagement 0% anzeigt und auch die Zellenspannung im kritischen Bereich ist. Dabei wird mit 1A entladen. Im Realen Fahrbetrieb schaltet das Batterie-Management schon vorher ab. Effektiv kann ich nicht mehr als ca. 160Wh nutzen -> 50% der Bruttokapazität – und das nach ca. 3,5 Jahren.

            Das Gruslige: Die aktuellen E-Bikes haben spezielle Rahmen (z.B. Bosch und Shimano-Antrieb) und ein Ersatzakku von Bosch kostet ca. 700€.

            E-Bikes sind für mich deswegen eine absolute Spielerei, wenn Sie nicht zumindest ein Kfz überflüssig machen. E-Bikes machen Servicenetzabhängig (Paech meine mal sowas in der Art: Der autarke Kunde wird zum serviceabhängigen Deppen) – denn mal eben selber schrauben ist immer weniger.

            Anmerkung:

            Was der Batterie-Artikel nicht gesagt hat, ist das der Ladewirkungsgrad von LiO2 und LiS Akkus deutlich niedriger ist als bei den LiMn oder LiFePo Akkus. Damit muss wohl wieder aktiv gekühlt werden, wenn mit hohen Strömen/Kapazitäten ge- und ggf. auch entladen wird. Das verbessert das Systemgewicht nicht gerade.

            So sind auch die theoretischen Energiedichten zukünftiger Akkus in Frage zu stellen – weil das Systemgewicht dann ggf. durch aktive Kühlung – aber auch Schutzmaßnahmen -die anderen Gewinne wieder relativieren könnte.

  6. Ert sagt:

    Gail hat mal wieder einen neuen Artikel online: https://ourfiniteworld.com/2016/02/08/the-physics-of-energy-and-the-economy/

    Daraus eine schöne Passage:„One confusing aspect to today’s economy is the use of a “pay you later” approach to paying for energy flows. If the energy flows are inadequate using what we would think of as the natural flows of the system, debt is often used to increase energy flows. Debt has the effect of directing future energy flows in a particular direction, such as paying for a factory, a house, or a car. These flows will be available when the product is already part of the system, and thus are easier to accommodate in the system.“

    Jetzt wirds spannend!

    „The use of increasing debt allows total “demand” for products of many kinds to be higher, because it directs both future flows and current flows of energy toward a product. Since factories, houses and cars are made using commodities, the use of an increasing amount of debt tends to raise commodity prices. With higher commodity prices, more of the resources of the economy are directed toward producing energy products. This allows for increasing energy consumption. This increased energy consumption tends to help flows of energy to many areas of the economy at the same time: wages, taxes, business profitability, and funds for interest and dividend payments.

    Zwar alles hier bekannt, aber Sie bringt es in Ihrem Essay alles sehr schön zusammen :-)

    Und was wir jetzt sehen, mit den kollabierenden Energiepreisen und dem ausbleiben der Nachschuldner ist genau das Gegenteil…..

    • Stefan Wietzke sagt:

      Im Großen und Ganzen argmentiere ich ja ähnlich. Aber ich sehe die Rolle der Schulden anders. Im Endeffekt können Schulden unendlich steigen. Das löst weder Wirtschaftskrisen noch Inflation aus.

      Was sie vergisst ist das den Schulden immer Vermögen in exakt der selben Höhe gegenüberstehen. Der Vermögenssaldo aus Geldschulden und Geldvermögen ist global immer 0!

      Inflation wird nur dadurch ausgelöst wenn die Wirtschaft die nachgefragten Güter nicht liefern kann, wenn also die VERMÖGENSBESITZER mehr Geld FÜR NOCH ZU PRODUZIERENDE WAREN ausgeben wollen als die Wirtschaft liefern kann.

      Solange die nur Aktien, Immobilien und Kunstgegenständen hin und herschieben ist das ebenfalls irrelavant. Da werden nur Schulden und Gütervermögen umverteilt. In Summe tut sich da aber gar nichts.

      Am Ende des Tages geht es nicht um Geld- sondern um Güterströme.
      Und Volkswirtschaften können in Summe nur dann Gewinne (also Kapitalrenditen) erwirtschaften wenn die Wirtschaft wächst. Und zwar pro Kopf!

      • Ert sagt:

        @Stefan

        Das der GELD-Vermögenssaldo „0“ ist klar (Stützel). Nun werden aber auch andere Güter und Kapital in GELD (€, $, etc.) bewertet. Und diese in GELD bewerteten Vermögensbestandteile machen das bewertete Vermögen (ausgedrückt in GELD) positiv.

        Insofern sind GELD-Vermögen und andere Vermögen die in GELD bewertet werden zu trennen.

        • Stefan Wietzke sagt:

          Das ist völlig richtig. Deshalb habe ich auch extra Geldvermögen geschrieben.
          Genau genommen sind Geldvermögen ja auch gar keine Vermögen sondern nur Ansprüche auf ein solches. Ob das Versprechen einlösbar ist merkt man erst wenn man das Geldvermögen ausgibt.

          Echte Vermögen sind immer nur reale Dinge. Es gibt ja auch keine „realen“ Schulden, sondern nur noch nicht eingelösten Versprechen.

          Aber es ist schon erstaunlich das anscheinend viele einfach nicht wissen was Geld ist.
          Ich bin am Wochenende wieder auf eine Reihe von Artikeln gestossen in denen sich Leute über das Fiat-Geld (also Schuldgeld) beklagen. Die verstehen einfach das Geld (wie wir es verstehen) immer nur Fiat-Geld sein kann. Und das es eine Welt ohne dieses Geld gar nicht gibt.
          Deswegen oben ja auch mein Beispiel mit dem Faustkeil.

          Und dann immer diese Idee das Geld irgendwann erfunden wurde. Das Geld nicht dadurch entsteht das man einen Begriff dafür entwickelt sondern dadurch das man eine bestimmte Handlung ausführt ist kaum in die Köpfe zu bekommen.

          Ein synchroner Gütertausch erzeugt Gütergeld (die „Goldklumpen“).

          Ein zeitlich auseinandergezogener Gütertausch erzeugt einen Kredit=Schuldgeld=Geldschein

          Und eine Investition ist immer ein zeitlich auseinandergezogener Gütertausch.

          Eigentlich ganz einfach.

          Und am Ende geht es ja nie um „Geld“ sondern nur um reale Güter und wer auf wieviel davon Zugriff hat.

          • Ert sagt:

            @Stefan

            Das ganze ist deswegen meiner Ansicht nach schwer zu verstehen, weil es nie richtig gelehrt wird (Schule, etc.) und es dann im Internet tausende von Leuten gibt, die es unterschiedlich weit kapiert haben und dann ihre Halbwahrheiten verbreiten.

            Dabei ist das dann noch unabhängig von irgendwelchen Titel wie Dr., Prof., etc. pp – und sogar gerade bei diesen Leuten mit „Titeln“ besonders schlimm. Nicht alle haben da das Glück bei Richard A. Werner oder Flassbeck anzufangen und die Thematik zu ergründen.

            Und selbst schon bei solchen „Banalthemen“ wie die Globale Ex-Importbilanz (die ja auch „0“) ist sagt Flassbeck über seine Kollegen das die es fast alle nicht verstehen und ER der Sonderling ist, wenn er dieses behauptet. Die meisten meinen alle könnten das deutsche Modell des Netto-Exporteurs fahren – also ohne ausserplanetarischen Handel.

            Bezüglich der Versprechen die hinter unserem GELD stehen bin ich mal gespannt, wann das ganze zu wanken beginnt. Die Kaufkrafbereinigte Versprechenssumme wird immer höher – nur dürfte (bzw. wird) die Kapazität diese Versprechen einzulösen mit der Energie & Ressourcenthematik immer schlechter werden.

            Und da das GELD gleichzeitig der Wertmaßstab für (immatrielle) Güter & Kapital ist, wird das implodieren der Versprechen (bzw. der Glauben an die Versprechenseinlösung) uns noch interessante Zeiten bescheren.

            • Patrick sagt:

              @Ert:
              „Und da das GELD gleichzeitig der Wertmaßstab für (immatrielle) Güter & Kapital ist, wird das implodieren der Versprechen (bzw. der Glauben an die Versprechenseinlösung) uns noch interessante Zeiten bescheren.“

              Was genau meinst du mit immateriellem Kapital? Aktien, Lizenzen, Genussrechte, Patente?

              • Ert sagt:

                Hi Patrik,

                ja – mit Ausnahme u.a. der Aktien, weil das ja ‚Besitzanteile‘ an Kapital (z.B. Firmen) sind (wobei die natürlich auch immaterielle Sachen beinhalten).

            • Stefan Wietzke sagt:

              Na ja, wie kann man auch davon ausgehen das ein Ökonom weiß was Geld ist :-).

              Flassbecks permanente Verzweiflung ist auch gut zu verstehen. Immerhin reicht ein bißchen Saldenmechanik und logisches Denkvermögen mit einem IQ von 80 völlig aus um das zu begreifen.

              Übrigens, Ert. Du scheinst auch einer der wenigen zu sein der den Unterschied zwischen Schuld- und Gütergeld verstanden hat.

              Was wir heute als Geld bezeichnen ist Schuldgeld, also jeweils ein Kredit.
              „Symbolisches Gütergeld“ dagegen sind Anteilsscheine an real existierenden Gütern wie eben Aktien (Anteil einer real existierenden Firma), Besitzurkunden einer Immobilie, Anteilstitel an einem Warenbestand usw.

              Güter können natürlich grundsätzlich auch immateriell sein. Die Geschichte die ein Autor erfindet ist ja auch ein Gut. Oder die Zeit die ein Pfleger für einen anderen Menschen aufbringt.
              Aber auch die Erstellung von immateriellen Gütern erfordert Arbeit im physikalischen Sinn.

              Was den Geldbegriff muss man sicherlich noch mal genau differenzieren:

              Der (Schuld)Geldschein (oder die Festplatte, oder der Gedanke im Gehirn) ist ein „Notizzettel“ für Güterwerte noch nicht produzierter Güter.

              Die Zahl darauf (der Preis) ist dann die Wertangabe für ein Gut.

              Viel spannender ist das die Monetariisten die Begriffe verdreht haben. So wird Kapital und (Schuld)Geld gleichgesetzt. Dabei ist Kapital kein Geld sondern Produktionsmittel, also Investitionsgüter.

              Es gibt auch keine „Geldmärkte“, denn Geld ist kein Gut. Geld hat auch keinen „Preis“. Sondern Geld ist der Preis.

              Das ist wie mit einem Gegenstand. Der Gegenstand hat eine Temperatur, aber die Temperatur hat keine Temperatur, sondern sie ist die Temperatur.

              Ich habe das ja letztens in meinem Text über Geld dargelegt. Vielleicht schaffe ich es bis zum Sommer den noch mal zu überarbeiten und noch eine die Anmerkungen von einigen von euch einzuarbeiten.

              • Ert sagt:

                @Stefan

                Danke für die Blumen -habe mich lange genug mit dem Geldthema beschäftigt… und das war eine lange und schwere Reise… weil eben so viel auszusortieren ist, was herumgeistert. Ein ganz wichtiger Moment war für mich a) Stützel (Saldenmechanik) b) Steiger/Heinsohn (Eigentumskökonomie) und c) Paul C. Martin (Debitismus). Flassbeck hat dann das aktuelle Geschehen für mich beigesteuert und insb. das mit dem Ex/Import und die Schieflagen der Eurozone zu verstehen.

                Ich hatte das ganze ja mal vor ca. 2 Jahren für mich zusammengefasst und hier verlinkt (Energie, Wirtschaft/Geld, Klima, Ernährung, etc.). Habe das Projekt dann aber eingestellt da ich für diese Art des Erkentnisgewinns außer hier faktisch keine Diskussionsbasis habe.

                Dein Text über Geld ist aber bei weitem „Cooler“ als mein Anschnitt über das ‚Geld‘ :-)

                Im Bereich meiner Erwerbstätigkeit kann ich das ganze Wissen auch nicht anwenden – und habe kaum Gesprächsmöglichkeiten. Denn würden die Menschen dort das was ich meine begriffen zu haben auch begreifen – dann würden sicher viele an Ihren Lebensentwürfen dramatische Änderungen vornehmen.

                Naja, egal – interessant ist zumindest das immer mehr Menschen in meinem Umfeld aufwachen, gegen eigene Grenzen stoßen oder die Frage nach dem Sinn stellen. So freut es mich, das ich immer mehr (‚hochqualifizierte‘) Menschen kenne, die den Schritt von Voll- auf Teilzeitbeschäftigung bei Konsumreduktion machen. Das halte ich aktuell für einen sehr guten und sinnvollen Weg im aktuellen Umfeld.

              • Patrick sagt:

                Ert,

                aber wer kann es sich schon erlauben, mal eben von Vollzeit auf Teilzeit zu switschen?

                Fixkosten wie Miete laufen weiter…und in vielen Jobs kann man sich überhaupt nicht runterstufen lassen.
                Da wirst du dann einfach durch einen anderen ersetzt.

                Die einzige realistische Handlungsoption, die ich für mich seit einiger Zeit überlege, ist, ob ich mein Gehalt statt in die monatliche Miete lieber in eine Eigentumswohnung stecke. Die monatliche Belastung würde vermutlich sogar leicht unter der Miete liegen.
                Niedrige Zinsen und einem gewissen Eigenkapital sei dank.
                Aber sicher bin ich mir da auch nicht…aber besser, als wenn beim nächsten großen Finanzcrash das bisschen, was man sich auf die Kante gelegt hat, auch noch weg wäre.

                Wie denkt ihr so darüber und wie habt ihr das für euch geregelt?

              • Hendrik Altmann sagt:

                Das Problem was ich bei Immobilien in Städten sehe ist, dass wenn das System in den Kollaps fährt dort die Kacke richtig am dampfen ist.

                In unserem Wirtschaftssystem sind Städte die Koplexitäszentren die Knotenpunkte, der Erste Impact wäre ein Abbau von Kapazitäten in Entwicklung, Forschung und Bildung gefolgt von Verlusten bei der Güterproduktion, sprich die Abeitslosikeit steigt stark an in den Städten, Sozialleistungen werden stark eingeschränkt, Obdachlosigkeit und Kriminalität explodieren.

                Und das wäre erst der Anfang langfristig würden in den Städten ein Bürgerkrieg aus Anarchie und Chaos entstehen, das große Problem ist das niemand mehr dich und deinen Besitz schützen kann in den Städten, die Viertel teilen sich dann die Banden und Warlords und denen ist dein Kaufvertrag für die Wohnung dann egal…aber Nahrung und Wasser sowie Sicherheit werden dann dein größtes Problem sein.

                Allerdings dürfte es nicht lange dauern bis der Mob dann aufs Land drängt, getrieben von Hunger Durst und dem verlangen nach Brennmaterial.

                Den sicheren Platz wird es eh nicht geben, aber die Stadt wäre das letzte worauf ich setzen würde, dort wird es am schlimmsten werden, wer erwartet das wir in 20 Jahren noch irgend welche Sozialleistungen haben wird wohl bitter entäuscht werden, insgesamt sehe ich sowiso kaum Möglichkeiten sich auf das was da kommt vorzubereiten.

                Wenn der Wohlstand der Bevölkerung hopps geht, wird Repression das wichtigste Werkzeug für den Staat um das System noch irgendwie am laufen zu halten, nur ist das mit einer Demokratie kaum möglich, die nächsten Jahrzehnte werden sehr interessant, aber auch sehr Brutal…

              • Patrick sagt:

                Hey Hendrik,

                die Kombination aus Großstadt und Komplexität ist klar. Ich dachte auch nicht an den Umzug in die nächste Großstadt (das wäre dann von hier aus Dortmund); ich wollte schon hier bleiben.
                Und ob du auf dem Land jetzt so viel besser dran bist, nur weil dort die Bevölkerungsdichte geringer ist, weiß auch niemand. Selbst versorgen kann sich ohnehin niemand – egal ob in einer Stadt mit 50.000 oder 500.000 Einwohnern.
                Und wenn es wirklich anfangen sollte zu brennen, wird man so oder so im Zweifelsfall alles stehen und liegen lassen. Ob Eigentum oder Mietobjekt.

                Den einzigen Vorteil, den ich darin sehen würde: wenn man nur einen überschaubaren Kredit aufnimmt und in vielleicht 10-15 Jahren damit fertig ist, ist das Risiko vielleicht akzeptabel.
                Wenn die Ersparnisse aus 10 Jahren allerdings wegen Finanzcrash hopps gehen, würde mich das erheblich mehr ärgern! ;-)

              • Ert sagt:

                @Patrik

                Ich selber halte meine Mittel zurück. Immo ist nicht meins…. weil wenn wir in die nächste (zyklische) Wirtschaftskrise rauschen dann geht die Deflation weiter.

                In DE ist das Wohungspreisnivau noch recht normal – und wenn das System und die Zauberer noch 10 Jahre weiter zaubern, dann kann Deine Rechnung ggf. aufgehen.

                Aber aktuell hätte ich dafür zu wenig eigene Planungssicherheit – und auch die anderen Risiken sind mir zu hoch…. da kann Dein Haus bzw. Deine Wohnung mal eben unverkäuflich werden… Lage, Lage, Lage. Dann ist Dein EK weg… und dein Kredit unterbesichert… und Du musst Nachschiessen. Passiert alles schon….

                Die Immos dies günstig gibt und die Attraktiv sind (großer Garten, Wasser, guter Boden, Obstbaumbestand, etc.)…. liegen dann leider wieder im Nirgendwo.

              • Patrick sagt:

                Hallo Ert,

                ich halte meine Mittel auch zurück. Aber bei einem großangelegten Bankencrash kann das Sparvermögen theoretisch eines Tages auch weg sein. Wer kann das heute noch grundsätzlich ausschließen?

                Immobilien sind (zumindest hier) ziemlich knapp. Gerade in Größenordnungen zw. 60 – 75 qm, also sagen wir mal für 1 – 3 Personen geeignet. Die gibt es praktisch gar nicht.

                Lage, Lage, Lage ist mir klar. Und auch dass ich heute nicht weiß, ob die Lage jetzt auch in 20 Jahren noch gut ist. Aber ich wohne hier auf der Grenze zw. Ruhrgebiet und Sauerland…so schlecht ist es grundsätzlich nicht.

                Garten / Bäume usw. halte ich eh nicht für erstrebens wert, denn wie du schon sagst: liegt meist sehr ländlich und ist aufgrund der Fläche unbezahlbar für mich. Sicherheit gibt das auch nicht, denn wenn’s schlecht läuft wird eh alles geplündert.

                Lieber eine Eigentumswohnung, z.B. in einem 3-Parteien Haus, so einigermaßen zentrumsnah.

                Und wer weiß schon, wie sich die Wohnraumnachfrage mit den Flüchtlingsströmen entwickelt?

                Ewig Miete zahlen kann man machen, vielleicht funktioniert es auch…aber wenn man Altersarmut praktisch mal als kaum ausweichlich ansieht, könnte das auch nach hinten losgeht, weil man dann seine Bude nicht mehr bezahlen kann.

                Schwierig, Schwierig alles…

              • Ert sagt:

                @Patrik

                Eine Immo ist gut – ein Appartment, also Teil einer Immo, kann auch ärgerlich werden.

                Fürs Alter? Da musst Du, wenn Du durch die Systeme fällst erstmal Deine Immo verkaufen und Dich ausziehen. Dann bekommst Du was. Als Sicherheit sehe ich das nicht – wenn Du dafür Kredite aufnehmenmusst.

                Vergiss auch nicht, dasDu auch in eine selbstgenutzteImmo investieren musst… hält alles nicht ewig. Das Kommt dann zum Abtrag hinzu. Bei einem Appartment in einer größeren dann noch Rücklagen, Hausverwaltung, etc. pp. Ggf. auch noch Rechtsanwalt wenn es mit den anderen Inhabern kracht!

                Alter? Ggf. willst Du dann wo anderst wohnen.Ggf. noch viel kleiner! Alleine? Zu Zweit? Alten-WG? Weisst Du das heute schon?

              • Patrick sagt:

                Hey Ert,

                all das genannte geht mir ja ebenfalls durch den Kopf und es ist auch alles gut und richtig.

                Beim Teil einer Immobilie sehe ich aber den Vorteil, dass sich viele Kosten durch mehrere Parteien teilen (eben zum Thema Instandhaltung und allg. Gebühren) Das macht es ökonomisch sehr viel tragfähiger. Und wenn es gar nicht gehen sollte, kann man immer noch verkaufen. Das wird auch nur dann zum Problem, wenn man unter Wert verkaufen muss. Aber durch den absehbaren Zuzug weiterer Menschen ins Land ist das ja eher nicht wahrscheinlich, auch die Größe sollte ganz gut sein. Große, freistehende Einfamilienhäuser könnten schwieriger werden, weil Familien immer kleiner werden und die Kosten kaum zu tragen sind.
                Und wenn der Kreditbetrag überschaubar ist, ist auch die Nachschusspflicht ein kalkulierbares Risiko.

                Das mit dem Alter kann sein. Wenn du ins Altersheim musst, spielt es keine Rolle ob du vorher Eigentum oder Miete hattest. Da kann dich nix vor schützen.

                Und natürlich ändern sich auch die Anforderungen ans Wohnen schonmal im Leben.

                Aber für mich bleibt einfach die Abwägung: Würde ich mich nicht viel mehr ärgern, wenn die gesparte Kohle aus 10 Jahren via Finanzcrash ausgelöscht wird?
                Dann hätte man gar nichts mehr und keinerlei Optionen mehr.

  7. Ert sagt:

    Chris Nelder (Energy Transition Show) hat mal wieder einen neuen Podcast herausgebracht. Diesmal geht es im das Grid-Management und die zukünftige Grid-Architektur: http://energytransitionshow.com/episode-10-grid-architecture-of-the-future/

    Gast ist Lorenzo Kristov (Principal, Market and Infrastructure Policy with the California Independent System Operator, or CAISO) – das ganze ist streckenweise Interessant.

    Es wird auch über Incentive-Modelle gesprochen bzw. der Preisfindung. Also das Energie die bereitgestellt wird wenn Sie keiner braucht schlecht bezahlt wird – aber die Speicher, welche teils hohe Investitionen brauchen und extrem wichtig für die Netzstabilität, anders (besser!) vergütet werden müssten. Auch über Micro-Grids, etc. pp.

    Was aber mal wieder nicht beleuchtet wird: Das all dieses (Speicher, Zappelstrom, Grid-Management, kleinere Grids, etc. pp) auch irgendwie Aufwände / Kosten verursacht, welche auf den Verbraucher umgelegt werden müssen – und wie viel das dann ggf. in der EE Zukunft sein wird.

    • Ert sagt:

      In Ergänzung mal wieder ein schönes Essay vom Archdruid JMG: Renewables: The Next Fracking?: http://thearchdruidreport.blogspot.gr/2016/02/renewables-next-fracking.html

      In den Anfangsabsätzen findet sich diese Perle: Broadly speaking, there are two groups of people who talk about renewable energy these days. The first group consists of those people who believe that of course sun and wind can replace fossil fuels and enable modern industrial society to keep on going into the far future. The second group consists of people who actually live with renewable energy on a daily basis. It’s been my repeated experience for years now that people belong to one of these groups or the other, but not to both.“

      Es folgen weitere gute Ausführungen und auch Links auf Artikel und Veröffentlichungen, die wir hier auch schon hatten. Auch der Fracking-Boom wird rekapituliert.

      Schön auch dieser Absatz, der ggf. das politische Bild aufzeigt über das wir uns hier alle wundern… also warum aktuell Diskussionen oft frei von Daten, Fakten und „Do the Math“ sind: „Climate activist Naomi Oreskes helped launch that new tone with a diatribe in the mass media insisting that questioning whether renewable energy sources can power industrial society amounts to ‚a new form of climate denialism.‘ The same sort of rhetoric has begun to percolate all through the greenward end of things: an increasingly angry insistence that renewable energy sources are by definition the planet’s only hope, that of course the necessary buildout can be accomplished fast enough and on a large enough scale to matter, and that no one ought to be allowed to question these articles of faith.

      JMG hat hier gut auf den Punkt gebracht was auch ich spüre/fühle bzw. aus der Diskussion und den Medien extrahiere (siehe auch die Energy Transition Show von Chris Nelder – wo gute Daten, Themen, Fakten und Intentionen mit einem Heilsbild gemischt werden, das sein muss was sein muss – ohne sich zu Fragen ob es auch sein kann…).

    • Stefan Wietzke sagt:

      Auf einer Tagung haben wir das mit den „Preisbildungsmechanismen“ auch wieder durchgehechelt.

      Und da wird einfach nicht gesehen das ein Gut das nicht tauschbar ist weil es keiner braucht (Licht am Tag) völlig wertlos ist. Und es ist ökonomsich wertlos weil es praktisch vollkommen sinnlos ist.
      Und es wird vergessen das wir nur deshalb produzieren weil wir Konsumgüter brauchen. Und nichts anderes. Und der Konsument (am Ende der Kette) muss immer ALLE Kosten der ganzen Kette tragen. Oder anders ausgedrückt: Er muss genau soviel Arbeitsleistung für die Bezahlung erbringen wie in den gekauften Konsumgütern stecken (das das nicht gleichmäßig über alle verteilt wird ist da eine andere Frage).

      Und das der „Preis“ für Energie sozusagen der Kehrwert des Erntefaktors ist wird nicht verstanden.

      Es gibt noch eine einfache thermodynamische Überlegung. Nutze ich eine primärenergiequelle mit niedriger Entropie (hoher Arbeitsfähigkeit wie Öl) dann kann ich sie NIEMALS durch eine hochentropische Energiequelle (niedrige Arbeitsfähigkeit) ersetzen. Außer ich habe die hohe Arbeitsfähigkeit nie genutzt. (So benötigt man für eine Raumheitzung keine niederentropische Energiequelle).

      Jede Lösung die irgendwann fossile Quellen ersetzen soll muss daher auf eine niederentropische Quelle aufsetzen. Aktuell könnte das Erdwärme sein, Kernspaltung, Kernfusion oder vielleicht fällt ja irgendjemand noch was ganz anderes ein.

      • Hendrik Altmann sagt:

        Das Problem ist Zeit, wie lange haben wir noch bis wir uns die Forschung und Entwicklung der nuklearen Technologien nicht mehr leisten können?

        Derzeit haben wir noch keine Kerreaktoren der 4.ten Generation mit akzeptablen Erntefaktor, und naja bei den Fusionsreaktoren sieht es noch viel schlimmer aus, Erdwärme könnte eine Option sein für Länder die gute Geologische Bedingungen und Bauplätze haben, wobei mir hier Daten fehlen um das richtig einzuschätzen.

        Was auf keinen Fall passieren darf ist das der Kohleanteil am Gesamtenergiemix fällt, das würde das Zeitfenster was wir noch haben stark schrumpfen lassen, besser wäre es sogar den Kohleanteil noch zu erhöhen um etwa 10-15 % und damit fracking und Teersand sowie die Erneuerbaren zu ersetzen, was allerdings auch bedeutet mehr CO2 in die Atmosphäre abzugeben, ich denke allerdings das dieses Risiko vertretbar ist, es geht schließlich um unsere letzte Chance den Kollaps durch eine mögliche technische Lösung bei den Nuklearen Technologien aufzuhalten.

        Zu den Erneuerbaren muss ich sagen, das hier das Wirschaftssystem von ganz alleine aufzeigen wird wie Sinvoll es ist, auf diese Technologien zu setzen, auch wenn das schmerzhaft werden wird.

        • Hendrik Altmann sagt:

          PS: Wenn fracking und Teersand durch Kohleverstromung erstzt wird, wird sogar noch CO2 eingspart, da auch Windräder und Photovoltaik Anlagen zum großen Teil mit fossilen produziert werden, könnte gut sein das eine direkte Nutzung der Kohleenergie auch hier CO2 einsparrt.

          • Hendrik Altmann sagt:

            Im grunde auch ganz logisch, fracking, Teersand und die Erneuerbaren haben einen niedrigen ERoEI, deswegen muss hier der niedrige ERoEI durch einen Energieträger mit hohem ERoEI gestützt werden, was in den allermeisten Fällen Kohle und Gas ist.

            Nur das wenn ich Kohle und Gas nicht direkt verwende und den Umweg über fracking und Teersand bzw. die Erneuerbaren gehe ich viel höhere Verluste habe.

            Denn so wird die Energie öfter Umgewandelt und über größere Strecken tranportiert, was insgesamt dann zu viel mehr CO2 Austoß führt als wenn man gleich voll auf Kohle und Gas gesetzt hätte, man muss sich das mal überlegen beim Teersand, da wird erst die Erde aufgerissen um an Kohle zu kommen mit deren Energie wird dann die Erde aufgerissen um an Teersand zu kommen, nebenbei muss noch nach Gas gebohrt werden, den kompletten Teersand kram kann man sich hier sparen, das selbe bei fracking und den Erneuerbaren, das ist nicht anderes als eine massive Fehlentwicklung, eine riesige Blase, die letzte große Finazkriese die wir erlebt haben wird ein Witz dagegen sein wenn das alles in sich zusammenfällt.

  8. Patrick sagt:

    Zum Interview mit diesem Batterieforscher (Verlinkt von Stefan) ergab sich eine Diskussion und jemand schrieb mir dazu:

    Hmm also für mich klang das wahnsinnig pessimistisch angesichts von teslas Entwicklungen. Daher hab ich mal nachgeschaut und zB das hier gefunden http://cleantechnica.com/…/battery-costs-may-drop-100kwh/ dabei wird zB eine Studie der UBS zitiert… Ich frage mich ob ich etwas falsch verstehe aber der deutsche Experte hantiert bspw noch mit Preisen von 500€/kWh herum während Tesla bereits bei Panasonic 180$ zahlt… Das wird übrigens als Preisniveau schon bald für den Gesamtmarkt erwartet. Mich erinnert der gute Mann ein wenig an mich als der Hype um Photovoltaik losging: nie wird sich das lohnen, nie! Dank extremer Effizienz und technischer Durchbrüche sehe ich das heute deutlich anders. Kurzum für mich wird hier vollkommen verfrüht ein abgesang angestoßen.

    Recherche-Tipp (Doku): „Who killed the electric car“ und besonders Ovshinsky Industries. Hinweis: Wir bauen U-Boote mit Elektroantrieb. U-Boote sind groß, sehr schwer und haben sehr viel Widerstand im Wasser – mehr als ein Auto an Land, mit dieser dünnen Luft überall. Die Doku ist schon einige Jahre alt und damals war das schon kein Problem mit dem Preis pro kWh bzw. der Reichweite. In den USA gehen die von ganz anderen Distanzen aus beim Autobau und damals war man schon bei 300 km pro Akkuladung.

    Die effiziente Technik von Ovshinsky Industries ist seit langem verfügbar, aber unter Patentschutz. Hierzulande hat aber bspw. BMW mit Varta lange Zeit Erfahrung sammeln können und haben sich in den letzten Jahren weitere Kompetenz für Elektroautos zusammengekauft, etwa Carbontechnik. Nun ist es aber nicht so gut, „zu schnell“ mit effizienter Technik rauszurücken – denn einerseits wollen die deutschen Autobauer gerne ihr Diesel und Benziner verkaufen, die einen Großteil ihrer Produktion ausmachen und damit den Laden am Laufen halten. Außerdem hatte man sich vor knapp 20 Jahren allgemein gegen Elektroautos und für dicke PS-Brocken eingeschossen, da bspw. die Ölfirmen über Aktienbeteiligungen an den Autobauern kein Interesse an Elektroautos hatten. Das wird bspw. in der Doku „Who killed the electric car“ sehr schön aufgedröselt – und ich vermute, in den USA ist die Verflechtung von Öl- und Autoindustrie auch enger miteinander verflochten (weil sich beide zeitlich zueinander und gemeinsam entwickelt haben), als in Deutschland (weil es hierzulande keine vergleichbar große und starke Ölindustrie gibt); BP, Shell, ExxonMobil, Total und wie sie alle heißen halten aber mit Sicherheit auch deutsche Autoaktien, allein schon für das Recht, die Aktionärsversammlungen besuchen zu dürfen um so den Markt zu sondieren; die Autoindustrie ist immerhin ein wichtiger Absatzmarkt für die Ölindustrie. Dazu kommt noch eine andere Sache: Akkus gelten als Verschleißteile, die Hersteller müssen nur 6 Monate Garantie darauf geben. Das haben sich die Hersteller wie Varta u. a. hart erkämpft, indem sie erklärt haben: Die Leistungskurve fällt zu schnell ab, das können wir nicht gewährleisten, wir haben keine bessere Technik. Das ist aber schon fast 30 Jahre her, gilt aber bis heute. Bzw. früher gab es gar keine Garantie, das kam erst mit den Laptop-Akkus über Klagen von Verbrauchern. In der Zwischenzeit hat man allerdings Hochleistungsakkus im industriellen Maßstab produziert für: Raumfahrt, Luftfahrt, Schifffahrt (vor allem U-Boote, um die Motorlärmemissionen zu reduzieren) und das Militär. Jede Tomahawk, Hellfire und wie die Raketen alle heißen haben einen Akku drin, für die Lenksysteme. Die halten richtig lange, haben eine exzellente Leisungskurve, es gibt sogar bis zu 5 Jahre Garantie drauf. Ovshinsky Industries ist da besonders beeindruckend, weil der Namensgeber gut 20 Patente für Akkutechnik entwickelt hat – u.a. den Li-Ionen-Akku. Bei den U-Booten ist das noch krasser; ich war mal in ’ner Filmproduktion tätig und hab da in einer Marineanlage im Auftrag gefilmt; Details darf ich leider nicht verraten, weil wir alle eine Geheimhaltungserklärung unterschreiben mussten (als Filmproduktion :-D). Dazu haben wir noch ein paar Vorträge begleitet – und dabei habe ich fasziniert einem Techniker zugehört, der erklärte, wie man mit einem Akku von erstaunlich geringer Abmessungen (im Vergleich zum Vehikel) U-Boote bis zu 2000 Meilen unter See fahren lassen kann – inklusive sämtlicher Radaranlagen usw. Und jetzt die einfache Frage: Wenn die Ottonormalverbraucher das nicht wissen, und alle aus dem Militärbereich nicht drüber sprechen dürfen, es also niemand auf breiter Basis einfordert – warum sollten die Unternehmen, die auf schnellen Umsatz statt auf langlebige Produkte setzen, uns eine bessere Technik für den gleichen oder sogar einen geringeren Preis anbieten?

    Darum war Tesla / Elon Musk auch so ein Schock für diese drei Branchen – (Auto, Öl, Elektro): Er beweist nicht nur, dass es im machbar und bezahlbar ist, er gibt auch noch die Patente frei raus und sagt: Baut es nach! Knock yourselves out!

    Meinungen?

    • Hendrik Altmann sagt:

      Zuersteinmal Luft hat eine geringere Dichte als Wasser, deswegen ist das Gewicht bei einem Unterseeboot schon fast nebensächlich, Verbrennungsmotoren brauchen Sauerstoff um zu funktionieren, hier macht sich ein Elektroantrieb einfach besser, ein Elektroantrieb ist leiser als Verbrennungsmotor, ein Eelektroantrieb lässt sich besser mit Atomstrom kombinieren.

      Das wichtigste bie einem Uboot ist unsichtbar zu sein, dafür muss es so leise wie möglich sein.

      Zur Photovoltaik, die lohnt sich nur mit Zwangsmaßnahmen, ohne das EEG wäre in der Energiewirtschaft Photovoltaik nicht existent, außer im Promillebereich, da trotz nicht vorhandener Wirtschaftlichkeit weiter Anlagen gebaut werden, nur erhalten durch die deutsche Förderpoilitik, müssen die Fördersätze ständig abgesenkt werden um die EEG Umlage nicht explodieren zu lassen, was sie aber trotzdem tut.

      Durch die immer geringer werdenden Fördersätze trocknet sich diese Industrie allerdings von selbst aus, steigt die EEG Ulmlage weiter an braucht es nur eine etwas ernsthafte Rezession und diese Förderpolitik ist Geschichte und mit ihr die Energiewende, was im wesentlichen nichts anderes als eine riesige Blase ist, die immer weiter anwächst bis sie platzt…

      Die Energiedichte von Akkus ist bzw. der Preis ist immer noch so schlecht, das sich damit nur lohnt fracking Öl und Teersand Öl zu ersetzen, dann müsste der Strom für den Antrieb dieser Autos allerdings komplett von Kohle kommen.

      Eine Verschwörung der Akkuindustrie und des Militärs gibt es nicht, genauso wie Aliens nicht die Pyramiden gebaut haben und in Area 51 keine fliegende Untertasse untersucht wird, so ich muss jetzt wieder in mein Schiff und nach Alpha Centauri, wir lesen uns xD

      • Hendrik Altmann sagt:

        PS: langlebige Produkte sind kein Problem, aber hauptsächlich vom Kunden nicht gewollt, der Großteil der Kunden möchte gern immer das leisungfähigste Produkt haben, dafür ist es schlicht nicht nötig das Produkte 20 Jahre halten.

        Der wesentliche Punkt hier ist auch das für Produkte die länger halten sollen auch deutlich höhere Kosten anfallen, so müssen teure Materialien verwendet werden oder mehr Material sowie aufwändigere Produktionsverfahren, nur gibt es dafür kaum Bedarf, außer für den militärischen Bereich wie die Raketen die du erwähnt hast und andere Ausrüstung, nur Kostet das hier auch viel mehr da der Aufwand viel höher ist.

        Nur wer kauft sich einen PC der 20 Jahre hält und dafür 3 mal so teuer ist?

        • Patrick sagt:

          Also der Text stammt ja nicht von mir.
          Aber das mit dem Militär fand ich schon sehr interessant…und zu den Kosten und Leistungen der Akkutechnik kann ich selbst nicht viel sagen und ohne entsprechende Quellen kann ich dem auch nicht viel entgegnen.

          Zu der Produkthaltbarkeit: das sehe ich sehr unterschiedlich. Beim Smartphone z.B. (Lifestyleprodukt) musste ich meins tauschen, weil es keine Updates softwareseitig mehr gab, ergo konnte ich immer mehr Funktionen nicht mehr nutzen. Konnte im Urlaub z.B. nichtmal mehr Paypal benutzen, auch Kartendienste gingen kaum noch. Also ein nutzloses Smartphone. Technisch war das top in Ordnung, auch der Akku war noch spitze. Das Gerät war über 5 Jahre alt.

          Bei einem Pürierstab, Mixer oder einer Waschmaschine sehe ich es anders. Das muss (auch vom Benutzer aus) nicht upgedated werden. Die Geräte sollen das machen, was sie können und das mölichst viele viele Jahre lang. Wer würde sich denn eine neue Waschmaschine kaufen, nur weil die jetzt irgendwas neues kann? Oder einen neuen Mixer? Das macht ja keinen Sinn, denn die Anwendungen sind ganz simpel.
          Aber genau solche Geräte sind es ja, die früher verschließen. Eine MIELE hält heute einfach nicht mehr so lange wie früher. Das liegt aber nicht am Kunden. Ich zahle jederzeit lieber 200 Euro mehr wenn das Ding dafür 20 Jahre hält.

          Ich schätze, eine so ganz einfache Antwort hierauf gibt es wieder mal nicht.

          • Hendrik Altmann sagt:

            Natürlich, wenn du bereit bist für mehr Haltbarkeit mehr zu bezahlen und es ein entsprechendes Angebot gibt sehe ich da auch kein Problem.

            In der Vergangenheit ist die Energieeffizienz nur sehr schnell gestiegen, bzw. die Geräte wurden Leistungsfähiger und konnten mehr, wurden leiser, leichter, das war dem Groß der Kunden wichtiger als lange Haltberkeit.

            Das entwickelt sich in der heutigen Zeit viel langsamer, es ist kaum noch möglich die Maschinen Energieeffizienter zu bauen oder Leistungsfähiger zu machen, leichter oder leiser und wenn dann wird es meist unverhälnissmäßig teuer.

            Selbst bei den Microchips ist so ziemlich das Ende der Fahnenstange erreicht, was ist da jetzt aktuell bei Intel 10 nm? Viel mehr ist wohl nicht mehr drin und die Entwicklungskosten explodieren bei Samsung und Intel.

            Auch die Entwicklung der Akkus verläuft in einer Grenznutzenkurve und da gibt es auch nicht mehr viel zu erreichen was Sinn macht, der Aufwand wird einfach zu groß.

            Technischer Fortschritt Verläuft ja nicht linear, nicht einmal expondentiell wie manche sich einbilden, sondern in einer simplen Grenznutzenkurve.

            Viele Leute die keine Ahnung haben, haben nur angenommen das technischer Fortschritt expondentiell verläuft, was aber falsch ist, denn Komplexität wird vom ERoEI Verhältniss definiert und der Energieeffizienz und hier gibt es einen Sweetspot, an dem Punkt auf der Zeitskala wo der höchste ERoEI mit der höchsten Energieeffizienz zusammen kommt ist auch die höchste Systemkomplexität möglich und hier kann auch der höchste Fortschritt erlangt werden.

            Da nun auch die Energieeffizienz in einer Grenznutzenkurve verlüft und auch an die Systemkomplexität gebunden ist und der Gesamt Ernterfaktor bei Energie immer weiter abfällt, haben wir den Punkt wo große Fortschritte noch möglich waren längst hinter uns gelassen, mit fortschreitender Zeitlinie werden wir die gewonnene Energieeffizienz und Systemkomplexität wieder verlieren, da wir den weiteren Verfall des Gesamterntefaktors nicht stoppen können.

            In der Zeit wo wir die fossilen mit hohem Erntefaktor zur verfügung haben/hatten, hätten wir in den Technologien der Nukleartechnik weiter voran schreiten müssen, ich denke wir waren einfach zu langsam, haben zu viel Produktivität in nutzlose Sachen vergeudet, ich würde einfach mal sagen wir sind aus dem Rennen.

            • Stefan Wietzke sagt:

              Das Fortschrittsproblem hat noch einen anderen Aspekt. Viele verwechseln Fortschritt mit Veränderung, also Moden.

              Dazu kommt das man Innovationen in die beiden Kategorien „Möglichkeitserweiternd“ und „Produktivitätssteigernd“ einteilen muss. So hat das Internet zwar unsere Kommunikationsmöglichkeiten drastisch geändert aber die Produktivität kaum erhöht. Das merkt man wenn man aber erst wenn man sich die Proezssketten verschiedener Dinge im Vergleich ansieht.

              Nehmen wir mal den Versandhandel. Den gab es auch schon lange vor Amazon. Das einzige was die andes gemacht haben ist den Papierkatalog durch eine Webseite zu ersetzen. Jetzt fällt zwar das Drucken und Verteilen weg, aber erstens macht das nur einen ganz geringen Anteil an den Gesamtprozessaufwänden und zum anderen mussten dafür die Kunden erst einmal eine gigantische globale Informationsinfrastruktur aufbauen. Das bedeutet Amazon hat sogar einen Teil der Aufwände gar nicht gesparrt sondern einfach auf den Kunden verlagert.

              Das Internet hat dann über alle Händler dafür gesorgt das durch höhere Preistransparenz der Margendruck auf die Hersteller gestiegen ist. Das wurde dann aber nicht durch produktivtätssteigernde Innovationen aufgefangen sondern durch direkten Druck auf die Löhne der Beschäftigten.
              Was dann indirekt die Gesamtkaufkraft reduziert und damit die Wirtschaft schwächeln lässt.
              So wird auch die Industrie 4.0 nicht mehr viel bringen. Denn die eigentlichen Produktionsprozesse sind auch heute schon weitgehend automatisiert. Was will man da denn noch einsparen wenn z.B. die Produktion eines Brötchens ohnehin nur wenige Cent kostet und der wesentliche Kostenanteil schon heute Verteilung und Werbung sind?

              Viele Kostenfortschritte werden heute wieder durch „Rückverlagerung“ von Leistungen auf den Kunden erreicht. „Selbstbedienung“, Ikea-Prinzip, Verschwinden von Beratungsleistung etc.

              Es fällt ja auch vielen nicht auf das es eine ganze Menge relativ einfache Dinge gibt die sich gar nicht so einfach automatisieren lassen. So werden noch heute alle Textilien von Hand zusammengenäht. Anscheinend ist jede Maschine dafür aufwändiger zu bauen und zu betreiben als das Lohnäqvivalent der Näherinnen.
              Kraben werden von der Nordsee per LKW nach Marokko zu pulen gekarrt und dann zurück. Scheint auch nicht so einfach zu sein.

              An vielen Stellen gibt es inzwischen eben kaum noch Möglichkeiten was rauszuholen.

              Auch Innovationen unterliegen einer Grenznutzenkurve. Bei Leuten wie Einstein genügte eine Tafel und ein einfacher Experimentiertisch. Heute werden gigantische Aparaturen von tausenden hoch qualifizierter Menschen jahrzehntelang gebaut und betrieben um dann vielleicht herauszufinden das es das Higgs-Teilchen gibt.

              Und bezogen auf alles was schon da ist machen sich selbst spektakuläre Verbesserungen in einzelnen Bereichen in der Summe kaum bemerkbar.

              Dazu auch ein schöner Artikel von Do-the-math. Da zeigt sich das wirklich grundlegend neue Entwicklungen in den letzten 40 Jahren nur noch rundimentär aufgetreten sind. Wir haben zwar viele optimiert aber grundlegend neue Ideen gab es da eher wenig.

              http://physics.ucsd.edu/do-the-math/2015/09/you-call-this-progress/

              • Michael Egloff sagt:

                Fortschritt ist die Entwicklung vom kräftigen Gebiss des Höhlenmenschen zur Zahnprothese des Buchhalters.

              • Patrick sagt:

                Ich glaube, viele Klein- und Mittelstandsunternehmen haben da schon noch ein gewisses Potenzial, Arbeitsschritte weiter zu automatisieren.

                Ansonsten stelle ich fest, dass Software z.B. immer mehr in der Lage ist, die klassischen Buchhalter zu ersetzen. Die werden für immer weniger Arbeitsschritte benötigt.

                Oder beim Supermarkt an der Kasse wird wahrscheinlich in ein paar Jahren auch keine Kassiererin mehr sitzen, sondern ein Automat. Vielleicht gibts dann noch den Oberaufseher, der alles überwacht (so wie bei IKEA an der SB-Kasse), aber das wars dann auch.

  9. Hendrik Altmann sagt:

    Achso ich denke übrigen nicht das wir zu dumm, faul oder sonst was sind, das wir den Sprung nicht in ein industrialisiertes Sonnensystem schaffen, das Hauptproblem hab ich für mich in unserer Sozialstruktur indentifiziert.

    Wir sind Gruppen bildende stark ausgeprägte Individualwesen, wir funktionieren super in kleinen Gruppen bis zu 100 Individuen, aber wir funktionieren wirklich beschissen in großen Staaten als Sozialstruktur, das größte Problem ist die wahnsinig große Verschwendung für unsere unendlich großen und vielfältigen Individual Bedürfnisse, Statusbedürfnisse, Machtbedürfnisse..usw.

    In einem echten Kollektiv wäre die Verschwendung viel geringer, ja minimal gegenüber uns, das kombiniert mit unseren technischen Fähigkeiten würde wohl zu einer Spezies führen die den Schritt geschafft hätte, hin zu einer Spezies in der Lage eine Galaxie zu Industrialisieren.

    Ich find es nicht schlimm das wir eine Spezies sind die so starke Individuen hervorbringt, in Sachen Kunst sind wir wohl einer Kollektiv Spezies wiederum weit überlegen, alles hat halt seine vor und Nachteile.

  10. Patrick sagt:

    PS: ich denke der Mitdiskutant, der den o.g. Beitrag verfasst hat, meinte u.a. solche Hochleistungs-Akkus, die in Luft- und Raumfahrt zum Einsatz kommen:

    http://www.gaia-akku.com/anwendungen/luft-und-raumfahrt-militaer.html

    Gibts tatsächlich extrem leistungsstarke Technik für Raketen usw?
    Und kommen die nicht in die E-Autos, weil sie exorbitant teuer sind? (Militär halt…)
    Oder alles Blödsinn?

    Ich meine, es ist doch häufiger so, dass Dinge für das Militär entwickelt werden und später dann zivil genutzt werden.

    • Hendrik Altmann sagt:

      die Geräte die für die Raumfahrt und im Militär genutzt werden müssen aber auch ganz anderen Bedingungen standhalten, nur weil es machbar ist bedeutet es nicht das es Wirtschaftlich ist.

      Die G-Kräfte und Temperatur unterschiede die bei Raumfahrt und Militärischem Fluggerät auftreten unterscheiden sich stark von denen bei einem Bodenfahrzeug auf der Erde.

      Auch sind die militärischen und Raumfahrt Missionen viel zu wichtig als durch Probleme bei den Komponenten zu riskieren.

      Man könnte natürlich auch Elektroautos bauen die 20 Jahre halten und 800 Kilometer Reichweite haben für einen Stückpreis von 1000000 Euro, aber wer kauft die dann?

      Warum haben wir immer noch keinen Nachfolger für die Concord?

      Das Problem ist hier das der Aufwand expondentiell ansteigt je näher ich dem physikalischem Limit komme, heutige Passagier Flugzeuge erreichen um die 900 Km/h max, wenn ich jetzt ein Passagier Flugzeug bauen möchte das 1800 Km/h fliegen soll, wird das nicht nur doppelt so teuer sondern 4 oder 8 mal so teuer weil der Aufand hier nicht linear ansteigt, die Ticket Preise wären absurd teuer, deswegen existiert immer noch kein Nachfolger der Concord obwohl die Nachfrage da wäre, nur kann nicht zu akzeptablen Preisen geliefert werden.

      • Hendrik Altmann sagt:

        PS: Das Beispiel mit der *Concorde sollte die Verbindung von Wirtschaftlichkeit und dem Grenznutzen aufzeigen, die wichtigste Mechanik bei der Grenznutzenkurve ist das der Aufwand expondentiell zunimmt, während die Wirtschaftlichkeit im gleichen Maß abnimmt.

        Diese Mechanik lässt sich natürlich auch bei der Produktion und Entwicklung von Batterien und Akkus beobachten.

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