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Eindrücke vom VDW & ASPO Workshop am 24.10 in Berlin

Am 24.10 fand in Berlin ein Workshop der Vereinigung der Deutschen Wissenschaftler (VDW) und der Assosiation for the Study of Peak Oil (ASPO) Deutschland zum Thema 'Umbrüche – Turbulenzen bei Öl und Gas' statt.

Der Workshop war gut organisiert (sogar veganes Chilli und vegan belegte Brötchen!) - die Vortragenden hatten allesamt interessante und spannende Vorträge und das Publikum interessante Fragen und Anmerkungen bei zusteuern. In meinem kleinen Bericht hier versuche ich ein paar Eindrücke wieder zu geben - er ist in keiner Weise vollständig, da ich dafür zu wenig Notizen gemacht habe (und ein Artikel über den Workshop anfangs auch nicht mein Anliegen war). - Ein Gastbeitrag von H.C. Fricke (http://limitstogrowth.de).

Zum Programm

Der erste Vortragende den ich unbedingt einmal 'Live' sehen wollte war Ugo Bardi mit seinem Vortrag zum Senecal Cliff: 'Conventional Oil Supply  – The Impending Seneca Cliff' in Verweis auf sein demnächst erscheinendes Buch.

Bardi wies in diesem Zusammenhang auf die Ressourcensituation hin und das ein (Anm.: Seiner Ansicht nach möglicher) Umbau zu einer Energiewirtschaft die zu 100% auf erneuerbaren Energien basiert massive finanzielle aber auch materielle Investitionen (ca. 5% der globalen Ressourcen) benötigen würde. Dabei wäre dann das  Ziel einer 2000 Watt Gesellschaft - also einer Gesellschaft in der wir in Deutschland ca. nur noch 1/3 der Energie pro Person (oder weniger) verbrauchen dürften - erreichbar (Anm.: Man sollte sich aber keine Illusionen machen, was bei 2000 Watt pro Person alles nicht mehr möglich ist. So wären denn auch die (massiven) finanziellen Investitionen in die EE gleichzusetzen mit einer Re-Allokation der Ressourcen - Verzicht hier, heute, jetzt und sofort - damit die nächste Generation eine Chance hat).

Leider wurde gerade das Thema (energetischer) Verzicht zur Lösung der energetischen Problematik in den folgenden Vorträgen nicht weiter thematisiert, denn ich denke das es nicht ohne diesen gehen wird - also die erneuerbaren nicht in der nötigen Zeit, wenn überhaupt, mehr Output liefern können.

Wer mehr von Bardi lesen oder hören möchte, der schaue auf seinem Blog Cassandras Legacy oder bei den Videos vom Collapse Cafe nach, bei dem Herr Bardi zumindest früher (oft zusammen mit Gail Tverberg) ab und zu teilgenommen hat.

Der zweite Vortrag war von Dr. Werner Zittel zum Thema 'Verlängerung des fossilen Zeitalters? – Perspektiven der unkonventionellen Öl- und Gasförderung'.

Das Fazit aus diesem interessanten Vortrag, der die Fördersituation bei Fracking, Shale-Oil & Co sowie die finanzielle Situation der großen Ölkonzerne beleuchtete, war das:

  • der (aktuelle) Ölpreis nicht kostendeckend für die meisten Ölfirmen ist
  • Investitionen in langfristige Projekte gestoppt werden
  • Renditen massiv zurückgegangen sind
  • die Dividendenzahlungen aber steigen bzw. fast konstant bleiben
  • und deswegen die Verschuldungen massivst ausgedehnt werden
    • z.B. bei Shell von 60 auf 90 Milliarden $ in 2015
    • Pemex, Shell, BP und Exxon haben zusammen fast 400 Milliarden $ Schulden - eine Verdopplung seit 2010

Zittels Resümee war denn auch: Die Öl- und Gasbranche ist auf Crashkurs!

Nebenbei merkte Zittel auch an, das seiner Ansicht nach die Weltwirtschaft definitiv nicht auf einem Wachstumskurs befindet - was u.a. auch die Nachfrageschwäche beim Öl und den damit verbundenen Preisrückgang erklärt. Eine Angebotsreduzierung einzelner Produzenten sei aber auch nicht möglich - da alle laufende Kosten, Zinszahlungen, etc. pp. zu bedienen hätten. So seien Sie indirekt sogar noch zur Steigerung der Produktion gezwungen.

Selbst bei kurzfristig steigenden Ölpreise sei zudem auch eine Ausweitung der Ölförderung (Anm.: Welche die Versorgung in der Zukunft sichern würde) nicht zu erwarten - da die langfristigen Investitionen gerade erst reduziert wurden. Zum Thema Gas sieht er nicht das die russische Förderung noch ausgeweitet werden kann, wobei zu beachten ist das die (West-)europäische Förderung schon seit Jahren auf dem Rückgang ist (Anm.: Jeder mag sich die Konsequenzen hiervon selber ausmalen).

Nach der Kaffeepause trug Prof. Dr. Martin Jänicke zum Thema 'Umbrüche in China mit globalen Wirkungen – Perspektiven der fossilen Kohle und der erneuerbaren Energien' vor.

Dieser Vortrag war für mich sehr interessant, da er als Insider die Situation in China bedeutete. So wies Jänicke als (ehemaliger) Berater der Chinesischen Regierung darauf hin, das in China sich die Beziehung zum Kohlestrom in den letzten Jahren massiv geändert hat. Wo Anfang der Dekade die Kohleindustrie sakrosankt war, hat sich aufgrund der Umweltsituation, aber auch auf Basis der begrenzten Reichweiten von Kohle in China gemessen am aktuellen Konsum einiges geändert.

China hat für neue Kohlekraftwerke Umweltstandards eingeführt die deutlich über den deutschen bzw. der der USA liegen, zudem sind Effizienzvorgaben - auch für die alten Kraftwerke - entstanden (310-315g Kohle pro KW/h) und einige (sehr) ineffiziente Kraftwerke wurden bereit geschlossen. Weiter soll eine Mehrwertsteuer für Kohlegewinnung eingeführt werden und die Höchstverbraucher werden mit Aufschlägen auf Ihren Energieverbrauch belegt (Anm: Anstatt wie in Deutschland entlastet zu werden).

Was vor ein paar Jahren noch galt: Ein neues Kohlekraftwerk pro Woche geht an das Netz - hat sich inzwischen Umgekehrt: Netto wird die Kohlekraftwerkskapazität abgebaut.

Zudem investiert China massivst in die erneuerbaren Energien, wobei aktuell aber der Netzausbau kaum hinter herkommt - es passiert dort also einiges! Insofern muss der gesunkene Kohlekonsum also nicht mit einen wirtschaftlichen Einbruch gleichgesetzt werden - sondern er ist (geplant) nach politischen Vorgaben erfolgt. Das es mit dem Energiekonsum munter weiter geht zeigt sich denn auch daran, das alle anderen fossilen Energieträger (u.a. Öl und Gas) im Verbrauch zulegen.

Als vierter Vortragender war dann der VDW Vorsitzende Prof. Dr. Hartmut Graßl mit dem Thema 'Turbulenzen bei Windkraft und Solarenergie' am Start.

Herr Graßl wies eingangs darauf hin, das das Paris-Abkommen (Klima) ab dem 4.11 völkerrechtlich verbindlich wird (hier u.a. auch eine Meldung dazu: https://www.br.de/klimawandel/klimaabkommen-paris-protokoll-klimapolitik-klimawandel-102.html) und um diese Ziele zu erreichen insb. Erdöl und Kohle, aber auch Erdgas, überwiegend in der Erdkruste verbleiben müssen. Um das 1,5 Grad ziel zu erreichen müssten wir dann bis 2050 ohne fossile auskommen, bei einem 2 Grad Ziel bis 2075. Das heißt dann aber nicht bis 2050/75 den Status-Quo aufrechterhalten - sondern es müsste sofort mit der Reduktion begonnen werden, welche dann 2050/75 final abgeschlossen wäre.

Graßl erläuterte einiges zum Hintergrund von Paris und merkte aber auch an, das das Spiel um das was Paris bedeutet nun erst begonnen hat - weil dieses sehr gewichtige Interesse bedroht (Anm.: Mit einer konsequenten Umsetzung würden die Ressourcen und Reserven von den fossilen Energiekonzernen und damit auch Ihre Bilanz- und Vermögenswerten einen herben Schlag bekommen).

Danach ging Graßl insb. auf die Perspektive der (On-Shore) Windkraft ein, welche aufgrund des Windpotentials eher begrenzt ist (u.a. auf Kanadische Ostkünste, England, Dänemark, Norddeutschland und Neuseeland - siehe auch Miller, 2011, Grafik auf Seite 4). Zudem können Windparks auch 'überbaut' werden und haben einen Einfluss auf das Klima.

Als Fazit (aus Sicht eines Physikers und Politikberaters) ist für Graßl die Energiewende nun unumkehrbar eingeläutet. Dabei wird

  • im globalen Maßstab die zentrale Stütze langfristig die Sonnenenergie sein (müssen)
  • Bioenergie und Geothermie nur einen kleinen Beitrag liefern
  • Kohle und Erdöl früher die Bildfläche verlassen als Erdgas
  • Gasspeicher noch entwickelt werden müssen (Anm: Speicherung von Überschussstrom)
  • und das Energienetz muss dabei ein (Anm: Gesamt-) europäisches sein, da eine Autarkie von kleineren Regionen 'Traum' ist.

Leider hat Graßl sich nicht dazu geäußert was der Umbau auf EE (Anm.: wenn er überhaupt realistisch oder machbar ist) für Folgen hätte, bzw. welches energetische Niveau erreicht werden könnte. Dies merke ich deswegen an, da selbst der Vorredner Ugo Bardi davon ausgeht, das das erreichbare energetische Niveau für die OECD-Staaten deutlich unter dem jetzigen liegt. Für Graßl stand meines Erachtens der Klimawandel im Vordergrund - faktisch ein Handlungszwang um die totale ökologische (Klima-)Katastrophe zu vermeiden, die uns andernfalls die Lebensbasis entziehen wird.

Der letzte Vortragende war dann Herr Dr. Anselm Görres mit seinem Vortrag 'Umbrüche bei Öl und Gas – Neujustierung und Folgerungen für die Energiepolitik, Klimaschutz und Wirtschaftspolitik', der auf seinem Essay in der Süddeutschen 'Mehr Mut bitte' basierte auf das ich den interessierten Leser verweisen mag.

Den Vortrag von Herrn Görres fand ich sehr gut und motivierend, wobei ich als Kritik  anmerken möchte das Herr Görres eine Veränderung in Richtung Verzicht (Postwachstumsökonomie oder z.B. eine 2000 Watt Gesellschaft) aber verneint hatte und selber auf eine grüne (Anm.: Wachstums-) Ökonomie setzt. Schade, denke ich, denn der Vortrag war Super, Motivierend und anspornend, verkennt meiner Ansicht aber (gewollt oder ungewollt) vollkommen die energetische Situation in der wir uns befinden.

Fazit

Eine rundum gelungene Veranstaltung & Ich hoffe das der VDW bzw. die ASPO auch noch Videos von den Vorträgen auf Ihrer Webseite verfügbar macht. Denn es wäre schade wenn das Wissen, das die Vortragenden mit viel Herzblut und oft auch Witz und/oder Emotion vermittelt haben, nur einen kleinen Kreis von ca. 50 (bereits wissenden) Menschen erreichen würde.

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61 Kommentare to “Eindrücke vom VDW & ASPO Workshop am 24.10 in Berlin”

  1. Michael Egloff sagt:

    Danke für die Informationen aus Berlin.
    Sehr interessante Themen.

    Bliebe nur die Frage, wie ein solcher sehr schneller und radikaler Umbau auf EE inklusive Großspeicher, inklusive massiver Verteuerung der Energie alleine durch die Speicherverluste von etwa 60% bei Wasserstoffherstellung plus Methanisierung, inklusive der (freilich notwendigen) gravierenden Energieverbrauchsreduzierung, der breiten Bevölkerung nahegebracht werden könnte.
    Denn das würde ja z.B. das weitgehende Ende des Tourismus jenseits einer höchstens 500-KM-Entfernungszone bedeuten. Um nur mal eine Konsequenz von vielen infolge eines solchen notwendigen Umsteuerns zu nennen.
    Da würde aber der deutsche Durchschnitts-Marko-Polo schnell auf die Barrikaden gehen. Wie also das zweifellos Notwendige in die Wege leiten? Durch eine Energieeinspar-Diktatur per Gesetz? Das würde zu einer Revolution (vielleicht besser: Konterrevolution) führen.
    Durch Überzeugung? „Schaut mal, das kommt sowieso auf Euch zu. Machen wir es lieber rechtzeitig und freiwillig in einem halbwegs geordneten Prozess, als zu spät, gezwungenermaßen und in einem chaotischen Prozess.“ Was ja eine völlig zutreffende Argumentation wäre.
    Aber einer Öffentlichkeit, die weitgehend fehlfokussiert ist und lieber Pokemons jagt als sich über komplexe Zukunftsprobleme Gedanken zu machen oder gar seine Gewohnheiten gravierend zu ändern, ist solch ein Appell wohl kaum zu vermitteln. Zumal ja ein solches Initiativ-Umsteuern von einem Land oder von wenigen Ländern zunächst auch Nachteile zum Beispiel im Außenhandel mit sich brächte, weil man natürlich gegenüber den Nicht-Umsteuerern ein gewaltiges Kostenproblem hätte und schon deshalb Wohlstandseinbußen zu tragen hätte.
    Also: Ökodiktatur entfällt schon aus humanistischen Erwägungen, Freiwilligkeit wird nicht erreicht werden…

    Hat jemand eine Idee, was es noch für Möglichkeiten gibt?

    Tja, und was machen die Milliarden, die nachvollziehbarer weise überhaupt erst mal ein Stück in Richtung unseres materiell-energetischen Wohlstands vorankommen wollen?

    • h.c. sagt:

      „Bliebe nur die Frage, wie ein solcher sehr schneller und radikaler Umbau auf EE inklusive Großspeicher, inklusive massiver Verteuerung …… der breiten Bevölkerung nahegebracht werden könnte.“

      Aktuell bezweifele ich das die Zeit dafür reif ist. Ein Symptom dafür ist für mich, das viele grundsätzlich Schuldige suchen – für Mehrbelastungen, Ihr eigenes Missgeschick – oder Ihre eigene Lage, ob nun fremdveranlasst oder (ggf. stark eigen veranlasstes) ‚Schicksal‘, etc. pp.

      Wenn dann Parteien wieder von Klimaschwindel reden bzw. den Mensch gemachten Klimawandel in Abrede stellen…. Aua….. und das wird sicher noch populärer wenn die völkerrechtlichen Folgen von Paris „Geld“ und BIP „kosten“ werden. Mal schauen wie sich dann selbst unsere Status-Quo Parteien winden werden.

      Das viel von dem „was wir haben“ keinen (auch meiner Ansicht nach) gesellschaftlichen lebenswerten „Mehrwert“ mehr bringt (siehe weiter unten @Energierebell) ist noch eine andere Diskussion. Physisch mehr bedeutet nicht glücklicher – und so hoffe ich auch auf eine nachwachsende Jugend, die wie @Fliegen tickt – aber auch ältere Menschen die ggf. durch (Lebens-)krisen zum Umdenken kommen.

      Das was ich für mich entdeckt habe was ich machen kann ist mir selber treu zu sein und Multiplikator zu werden – wobei ich gemerkt habe das das nicht einfach ist. Die Thematik wie wir Sie hier besprechen ist (meiner Erfahrung nach) nach Außen faktisch nicht kommunizierbar ohne sich damit sozial zu isolieren. Mit Garten, leben ohne Auto & Co. komme ich da schon weiter. Da kann ich konstruktiv aufzeigen was es alles für Möglichkeiten, Denkblockaden und Perspektiven gibt – und lebe es auch vor.

      Ob es am Ende etwas ändert? Es ist wie es ist…. Ich kann anbieten und versuchen, Köder auslegen, mir selbst und meinen sich ändernden Werten treu sein – nicht aber alleine „die Welt retten“, denn an solch einem Ziel kann ich nur verzweifeln und scheitern.

    • [quote]Hat jemand eine Idee, was es noch für Möglichkeiten gibt?

      Tja, und was machen die Milliarden, die nachvollziehbarer weise überhaupt erst mal ein Stück in Richtung unseres materiell-energetischen Wohlstands vorankommen wollen?[quote/]
      Ja, Ideen gibt es ein Menge. Siehe z.B. „2015 MOSES Conference – John Jeavons“ ( https://youtu.be/CiiYfKSnbMo ), „Allan Savory: Die Wüste begrünen und den Klimawandel umkehren“ ( https://youtu.be/vpTHi7O66pI ), Vorträge von Nate Hagens: http://www.themonkeytrap.us
      und
      http://www.freizahn.de/2016/03/der-film-what-a-way-to-go/ ( ich gebe diesen Link an, weil dort nicht nur der Film selbst, sondern auch alle zu dem Film geführten Interviews verlinkt sind. Der Film und die Interviews sind zwar inzwischen schon über 10 Jahre alt, aber immer noch sehr aktuell.

      Was die Milliarden Menschen betrifft, die unsere Wohlstand nicht erreicht haben, werden wir einerseits sehr hart und konsequent zu unserem Reichtum stehen und alle Vorstellungen von Gleichheit und Gerechtigkeit aufgeben müssen, oder wir gehen unter und zerstören damit die Welt. Am Besten wäre, wir würden es wie in dem Gleichnis mit den anvertrauten Talente (Mt 25,14 ff) sehen. Die Einsichten von John Jeavons, Allan Savory und vielen anderen sind ebenso wie das Wissen in Sachen Hygiene und präventiver Medizin, letztlich auch ein Produkt der Industrialisierung und der Nutzung der fossilen Energieträger. Wir können und sollten dieses Wissen nicht nur selber anwenden, sondern auch in Afrika, Asien und Südamerika vermitteln. Wir sollten uns als Teil der Natur sehen und nicht als deren Feind. Wir können die Bodenqualität und die Lebensbedingungen fast überall auf der Welt dauerhaft sehr verbessern. Wir können das Industriezeitalter nicht mehr fortsetzen und Autos, Klimaanlagen und Smartphones für alle sind der Weg zum Untergang. Aber wir haben mit der Kohle- und Ölbonanza Wissen gewonnen, das solange es noch Menschen gibt, das Leben verbessern, viel Elend verhindern und auch der Natur weltweit sehr helfen kann. Es kann aber auch sein, dass so gut wie alles von unserem Wissen verschwindet. Vieles was die Römer und Griechen wussten, war auch lange verloren, bzw. musste erst wieder neu entdeckt werden. Künftigen Gesellschaften werden aber nie mehr diese Energiedichte und Rohstoffvorräte vorfinden, die wir für einige Jahrhunderte hatten. Wenn das Wissen, das wir damit gewonnen haben verloren geht werden spätere Gesellschaften nur wenig davon wieder entdecken können.
      Im Grunde wissen wir heute ziemlich gut warum Zivilisationen untergehen und wie sie ihre land- und forstwirtschaftlichen Grundlagen vernichtet haben und auch heute noch vernichten. Wir verstehen allmählich wie man es besser machen könnte. Dieses Wissen zu erhalten, zu verbreiten und weiter zu verfeinern um allen Völker dieser Erde die Möglichkeit zu geben ihre Lebensräume besser zu nutzen und zu gestalten, ist das, was wir den Milliarden geben können, für die es den Wohlstand den wir hatten nie geben wird.
      Im Übrigen ist es so, dass Glück nur sehr eingeschränkt vom materiellen Wohlstand abhängt. Unser materieller Wohlstand ist nicht so wichtig und erstrebenswert, wie es die Werbung suggeriert.

      • h.c. sagt:

        „Hat jemand eine Idee, was es noch für Möglichkeiten gibt?“

        Möglichkeiten gibt es viele um das Dilemma (engl. Predicament) in dem wir stecken zu prolongieren, nicht aber letztendlich zu vermeiden. Da bin ich komplett bei Tainter und Catton.

        Letztendlich müsste eine „Lösung“ bzw. eine Prolongierungs-Strategie das Kernproblem anpacken: Die Population. Und das Rucki-Zucki. Dies um Ressourcenverbrauch und übernutzte Ökosysteme schnellstens zu reduzieren bzw. zu entlasten. Alles andere sehe ich aktuell nur als Symptomdokterei. Der energetische Footprint allein in den OECD Staaten ist einfach zu groß – und ich sehe auch nicht dass da irgendwer freiwillig auf 80% seines Lebensstandards verzichtet. In meinem Umfeld gelte ich ja schon als „Sonderling“… also ohne Kfz, alles mit Rad, Obst- und Gemüsegarten, keine Tierprodukte (Essen), etc. pp. Und ich bin mir bewusst das ich auch bei 1100KW/h pro Jahr Strom- und sehr geringen Gasverbrauch deutlich über 2000 Watt verbrauche wenn ich die verdeckten Verbräuche der Infrastruktur die ich Nutze mit einbeziehe (Verwaltung, Straßen, Schwimmbad, Arzt, Krankenhaus, etc. pp).

        Dann gibt es noch das Problem, das keiner irgendwie weiß wie wir in eine Postwachstumsgesellschaft so eintreten, das uns nicht das aktuelle Wirtschaftssystem das uns am Leben erhält sofort kollabiert. Bei Schrumpfung wird das System instabil, Kredite fallen aus, etc. pp. Das gibt dann 2008/9 mit Turbo. Ist die Lösung dann eine globale Kommandowirtschaft bzw. Diktatur?

        Machen wir uns nichts vor – fast jeder Mensch der heute Lebt ist am Leben weil es fossile Brennstoffe gab und gibt. Wenn das abreißt bzw. das System kollabiert und die „Trucks“ (selbst kurzfristig) nicht mehr rollen, dann ist Schluss mit Lustig (zumindest im entwickelten „Westen“).

  2. fliegen sagt:

    Ach ich guck mal wie ich erst mal selbst die Ziele erreichen kann, die ich sonst von der Gesellschaft erreichen würde. Ich will kein Vorbild sein, ich will leben. Aber mein Leben durchaus als Argumentationsgrundlage nutzen. Ich bin nun im Jahr eins meiner gärtnerisch-landwirtschaftlichen Ausbildung, war grad auf der Tagung von der selbigen, umgeben von 200-300 junger tatkräftiger Idealisten, wo man abgesehen vom Kulturprogramm und Utopie- und Motivationsgerede auch etwas über Schmieden lernen konnte oder über die realistische Situation bei der Selbstversorgung.
    Was wir brauchen, sind nicht nur visionäre, sondern auch mutige und tatkräftige Menschen. Solche die nicht nur vom Wandel reden und auf andere warten. Auf jeden Fall nicht nur Analysten und Nachdenker. So einer bin ich ja auch, aber ich versuch mich jetzt mit aller Kraft zu auch zu einem tatkräftigen Menschen zu entwickeln. Ich lebe jetzt ein Landleben, von dem ich jahrelang nur gesprochen hab, ein kleiner Wandel in mir ist geschehen. Und aus Erde Essen zu machen ist für mich kein Märchen mehr. Und schon bald werde ich mich in der Lage fühlen, es nicht nur für mich, sondern auch für anderen zu tun. Das passt in viele Utopien, von „hurra diese Welt geht unter“ bis zu einer durchaus zivilisierten, „nachhaltigen“ Gesellschaft, wie Nico Paech davon spricht. Prosumenten und so. Ich wüsste auf jeden Fall, was ich zu bieten hätte. Und schon jetzt arbeite ich für eine SoLaWi. Und ich habe noch mehr vor, was den Wandel in meinem Leben und meinem Wirkungsbereich anbetrifft. Und ich hoffe, andere auch, und auch mit anderen Ideen. Es müssen viele Lücken besetzt werden. Nur von Konferenzen, Zukunftsratespielen und Youtubevideos gibt es schon genug. (ich sehe ja, es ist ruhig um Norbert und um diesen Blog geworden. er ist bestimmt auch auch auf ne Idee gekommen ;)

    • fliegen sagt:

      Und was die Zukunft angeht. Vielleicht ist es irgendwie schaffbar. Ich hab nen höllischen Respekt vor Leuten, die Makropolitik betreiben. Nur ich will das nicht mehr. Und dementsprechend hab ich kein großes Mitgefühl mit dem großen ganzen. Vielleicht haben wir es ja verkackt. Ich werd’s auf jeden Fall noch zu meinen Lebzeiten erleben, bin jung genug. Wenn’s nicht kracht, puh, glück gehabt, ich kann mich dann noch auf meinem Wohlstand ausruhen und aufm Laptop filme gucken, und auf den Wandel hoffen, und daran arbeiten. Wenn doch, dann wird mein leben villeicht kurz, aber lustig. (mann, freue ich mich auf die Zukunft!!) Und mein Gewissen wird rein. Weil ich dann sehe, wie die Menschheit für für ihre Taten bezahlt. Und weil ich wissen werde, dass ich auf der richtigen Seite gestanden habe, oder zumindest mich mit aller kraft darum bemüht habe. Und das wünsche ich den anderen auch.

      • Michael Egloff sagt:

        „Es gibt nichts Gutes, außer: man tut es!“
        Wenn alle so an die Sache rangehen würden wie Du, dann wäre mir wohler, fliegen.
        Leider denkt die große Mehrheit, sie hätte ein naturgesetzliches Recht auf den heutigen Lebensstandard, und wenn es geht, noch etwas mehr.
        Etliche aus dieser Mehrheit werden schnell einen Schuldigen suchen, an dem es liegt, wenn ihr Lebensstandard deutlich absinkt.
        Und wer sucht der findet. Haben wir gerade in der deutschen Geschichte ja sehr eindrucksvoll vorgeführt bekommen. Davor ist mir weit mehr bange, als vor der Aussicht, dass wir alle unsere Gewohnheiten werden ändern müssen. Damit komme ich zurecht. Mit vielen Menschen, die für Unvermeidliches und teils Selbstverschuldetes Sündenböcke suchen, komme ich hingegen nicht so gut zurecht.

  3. Mit Begeisterung lese ich immer die vielen interessanten Beiträge, Reaktionen und Meinungen, die ich alle sehr Wert schätze. ich bin Praktiker und Anwender, betreibe seit 14 Jahren unseren Bauernhof „Energieautark“ bei dem Wärm, Strom und Kraftstoff(10.000 Liter kaltgepresstes Sonnenblumenöl für alle unsere Fahrzeuge, jährlich) selbst produziert werden, Energie weit mehr als wir benötigen in allen Bereichen vorhanden ist. Mir ist völlig klar, das es ein weiter wie bisher nicht geben wird, sehe aber eher eine tiefgreifende Systemwende, mit Recycling Wirtschaft als eine 2000 Watt Gesellschaft , da wir Sonnenenergie im unvorstellbaren Überfluss zur Verfügung haben. ich sehe in den Rohstoff verschwendenden Wirtschaftssystem mit ständigen Wachstumszwang die Herausforderung, welche in dieser Form nicht mehr möglich sein wird. Vor allem benötigen wir Güter mit weit längerer Nutzungsdauer, mit Wiederherstellung und Reparatur, höchstmögliche Eigenversorgung mit eigenen Gemüseanbau und Kleintierzeug, regionalen Handel, wieder viele Handwerker und Gewerbebetriebe anstatt so vielen „Kernphysiker“. ich selbst bin äußerst Bescheiden am Land am Bauernhof groß geworden, mein Großvater hatte noch zwei Pferde, dann in 1958 kam der erste Traktor, das wie eine Revolution war. Es gab unglaublich viel Arbeit am Hof, jeder Bauer hatte bei uns seine Milchkühe, Schweine, Ziegen, Hasen Gänse, Hühner,.. es war ein voll erfülltes Leben in einer so bescheidenen Zeit damals leben zu können, obwohl wir alle im Vergleich zu heute nichts hatten, war ein Schmalzbrot zur Jause ein Hochgenuss, denn man kannte noch Hunger. unsere Zimmer wurden nur zu besonderen Anlässen beheizt, sonst nie, der Küchenherd war die Zentrale im Haus, mit dem gekocht, gebacken, geheizt,.. wurde, Baden war einmal die Woche angesagt, das warme Wasser wurde in großen Töpfen am Ofen erwärmt, dann durften zuerst meine Schwester und ich in der Badewanne baden, danach im selben Wasser meine Eltern. Schokolade gab es wie Wurst fast nie, nur fallweise, wenn in der Stadt Jahrmarkt war, dann bekamen wir Kinder ein paar „Frankfurter Würstchen“,.. ich könnte noch Seiten schreiben, wie einfach wir lebten, fielen jeden Tag todmüde und voll zufrieden ins Bett und schliefen selig in den Daunentucheden, welche von den eigenen Gänsen kamen. für uns Kinder war das Dorf Leben immer ein willkommener Anlass, unter Leuten zu sein. Fernseher gab es keinen, den hatte nur der Dorfwirt, bei dem wir jeden Mittwoch Nachmittag „Kasperl und Pezi“ ansehen durften. Viele Menschen lebten, oft sehr arm am Land, doch die Geselligkeit, die wir damals hatten, ist heute unvorstellbar, vor jeden Haus gab es oft auch Tratsch wir Kinder waren oft den ganzen Tag irgendwo in der Ortschaft unterwegs, ohne Handy, PC oder sonstigen „Unsinn“. Beim Schuster, der im hinteren Ortsteil des Dorfes wohnte, durfte ich als Bub öfter mit den Holznägeln spielen, und den alten Meister bei der Arbeit zusehen, wenn er ein paar Lederschuhe zusammen flickte, neu besohlte,. da für neue Schuhe kein Geld da war, es gab kaum eine Rente, deshalb arbeitet der Schuster noch im hohen Alter. Er konnte nur am Tag, wenn es genügend hell war arbeiten, den er hatte keinen elektrischen Strom zur Verfügung, da er nicht ans teure Stromnetz angeschlossen war.. Autos hatten nur einige reiche Bauern, mit denen man am Sonntag zur Messe in die Gemeinde Kirche mit fuhr, das eine Selbstverständlichkeit war. den jeder brauchte jeden. das Urlaubsziel der Wiener war damals die Sommerfrische am Semmering, Kaiser Franz Josef fuhr immer nach Bad Ischl, vielleicht kommen in Zukunft wieder einheimische Gäste, wenn vom Ausland sich kaum jemand eine so weite Reise leisten kann, schön ist es überall, besonders auch in der Heimat, dann wird eine Reise zum Meer wieder etwas besonderes, über die man sich mit Sehnsucht freuen kann. Warum ich das alles schreibe, da ich denke, diese Zeit wird/ kann wieder kommen, vielleicht nicht in so bescheidenen Verhältnissen, den jeder kann sich heute mit Energie gratis aus der Sonne mit PV, Warmwasser mit Solar selber versorgen, womit wir wesentlich weit bessere Voraussetzungen haben, als wir damals hatten.
    wenn jeder bereit ist einen halben Schritt zurück zu gehen, etwas bescheidener zu sein, und auf höchst mögliche Eigenversorgung bei Nahrung und Energie zu setzen, wird eine erträgliche Zukunft für uns alle möglich sein,.. vielleicht mit sogar weit mehr Lebensqualität als wir sie heute kennen.

    • h.c. sagt:

      Hallo Energierebell,

      ich kenne das Leben auf einem landwirtschaftlichen Betrieb erst ab den 70’ern – also wo alles schon sehr stark mechanisiert war. Vieles von dem was Du schreibst habe ich aber auch noch erlebt – u.a. die unbeheizten (Schlaf-)Räume bzw. Kinderzimmer, die größere Freiheit und das frühe eingebunden sein in die Arbeit – zwar war Sie oft sehr nervig… aber man hat was gelernt und letztendlich haben alle davon gelebt.

      „wenn jeder bereit ist einen halben Schritt zurück zu gehen, etwas bescheidener zu sein,“

      Genau das ist ja die „2000 Watt“ Gesellschaft – eben weniger, bescheidener, lokaler Urlaub, lokales Handeln, lokales Arbeiten, weniger Heizen, kein Auto für jeden, KEIN Recycling sondern die Wieder- und Weiterbenutzung, etc. pp.

      Ganz, ganz viel davon ist den hier schreibenden (und lesenden) klar – damit werden dann in Folge aber auch viele „hirnrissige“ Jobs, in Werbung & Marketing, Food- & Verpackungsdesign, aber auch Hundesalons, Nagelstudios, ganz viele Jobs in der Kfz-Industrie und im Transportgewerbe, im Fastofood & Restaurantbereich, bei den 100 Yogurtsorten, Klamottenläden, etc. pp. überflüssig!

      Ich habe da keine Angst vor – aber ich denke sehr viele haben da ganz viel Angst vor… vor der Veränderung, dem ungewissen. Denn diese Änderung würde auch ein implodieren von Geschäftsmodellen und Krediten im großen Maße bedeuten (nicht das es nicht sowieso so kommt, wenn wir so weitermachen wie bisher…). Aber all das menschgemachte (Kredite, Schulden, Regeln, etc. pp) kann auch geändert und geregelt werden – denn letztendlich ist zu entscheiden ob wir freiwillig & geregelt (auf ggf. gewohntes) verzichten wollen – oder unfreiwillig und ungesteuert durch ‚plötzlich‘ auftretende Krisen (die kommen werden wenn wir nichts machen).

      Die Frage die meiner Sicht nach zu stellen ist: Wie schafft man für diese Thematik ein Massenbewusstsein – so das diese (bzw. dringend nötige) Veränderungen sinnvoll und mit Akzeptanz umgesetzt werden können?

      • Michael Egloff sagt:

        Tja, wie schafft man Massenbewusstsein? An der Frage sind schon die Kommunisten gescheitert und haben es mit teils brutalem Zwang versucht.
        Ich bin absolut für mehr Bescheidenheit und arbeite für mich selbst daran. Mit wechselndem Erfolg.
        Nur schaut Euch bitte die Mehrheit unserer Zeitgenossen an.
        Es fehlt ja schon erst einmal grudsätzlich an Probelmbewusstsein bei den allermeisten. „Die Wissenschaft wird schon eine Lösung finden“ ist das gängige Mantra. Hat ja bisher auch immer geklappt. Empirisch sind die also im Recht und begreifen nicht, dass die Basis dieser bisher gültigen empirischen Wahrheit schnell erodieren wird. Und damit diese bisher gültige Wahrheit ins Gegenteil verkehrt für die weitere Zukunft.
        Schaut Euch die Strukturen an. Der Urbanisierungsgrad steigt sogar noch weiter an. Die große Masse der Menschen hat weder eigenen landbesitz noch bäurliches Wissen. Alle Infrastrukturen basieren auf dem atomar-fossilen Zeitalter. In einer 2000-Watt-Gesellschaft, die ohnehin auf uns zukommt (freiwillig oder gezwungenermaßen) werden viele dieser etablierten Strukturen in weiten Teilen obsolet, die Arbeitsmarktstrukturen, die städtischen und sonstigen materiellen Infrastrukturen, die staatlichen Strukturen mit ihrer heutigen Basis an Steuereinnahmen, die Strukturen des Finanzsystems, die Strukturen z.B. im Gesundheitswesen usw.
        Je länger der Status Quo aufrecht erhalten wird, desto knapper wird die Zeit, alle diese verfestigten Strukturen an die neuen Bedingungen anzupassen. Es wird sehr viel wahrscheinlicher zu chaotischen Strukturbrüchen kommen, als zu freiwillig und planvoll organisierten. Mit den entsprechenden Konsequenzen für die gesellschaftliche Stabilität.
        Und ohne jetzt selbst auf Sündenbocksuche zu gehen – Ihr denkt doch nicht etwa, dass die 50000-Watt-Gesellschaft, also das was Populisten heute als „Eliten“ bezeichnen, freiwillig auf ein 2000-Watt-Niveau wechseln? Und das wird natürlich die breite Masse der Menschen zum Anlass nehmen, für sich ebenfalls ein möglichst üppiges Wohlstandsniveau einzufordern. Da wird in der großen Mehrheitsgesellschaft sich nichts freiwillig bewegen. Erst unter dem Zwang der sich irgendwann in diesem Jahrhundert wahrscheilich schnell verändernden Realitäten.
        Ich wünschte, es wäre anders. Und wohin es führen kann, die Menschen „zu ihrem Glück zu zwingen“, zeigen ja geschichtliche Erfahrungen. Bis hin zum agrarischen Fundamentalkommunismus der Roten Khmer, dieser 500-Watt-Gesellschaft. (Eine Pferdestärke entspricht 700 Watt.)
        Selbst mit gutem Besipiel vorangehen und hoffen, dass es Schule macht – das ist wohl das Einzige, was geht.
        Wobei die meisten von uns (ich auch!) höchst wahrscheilich noch weit von einem 2000-Watt-Niveau entfernt sind, wenn wir es mal ehrlich und selbstkritisch betrachten. Auch uns selbst steht noch einiges an Verhaltensänderungen bevor, auch wenn wir viel des heutigen Irrsinns nicht mehr mitmachen.

    • @energierebell
      Vergiss nicht, was in jeder noch so einfachen Maschine an Rohstoffen, industriellen Prozessen usw. steckt. Damit ein Motor mit Sonnenblumenöl zuverlässig läuft, und damit man dieses überhaupt herstellen und lagern kann sind sehr viele komplexe Prozesse, Teile, Werkzeuge und Details nötig. Ich denke da an die verschiedenen Legierungen, an die Kunststoffe, die Dichtungsmaterialien, das Design des Motors und seine Teile, die Gießtechnik, Drehmaschinen, Fräsmaschinen, Schleifmaschinen, die Werkzeuge und deren Herstellung und vieles mehr. Insgesamt braucht man um einen effizienten, haltbaren Motor herstellen zu können eine intakte, sehr komplexe Infrastruktur mit einer Vielzahl von hochspezialisierten Menschen und Betrieben und man braucht genug hochkonzentrierte, hochwertige Energie.
      Das gilt ganz besonders auch für die Nutzung von Sonnen- und Windenergie für die Stromerzeugung. Mit Energie die von den Launen des Wetters abhängt oder die, wie die Sonnenenergie, wenn dann überhaupt sogar nur zu bestimmten Tageszeiten verfügbar ist, ist vieles nicht oder nicht effizient machbar. Man stelle sich vor, man will Metall mit einer Maschine gießen. Die Energiezufuhr muss dabei absolut zuverlässig funktionieren, sonst kann man das Ergebnis vergessen.

      Ansonsten dachte ich beim Lesen von Deinem Beitrag an Bücher wie „Der Große Weg hat kein Tor. Nahrung, Anbau, Leben“ von Masanobu Fukuoka, an „The Nature and Properties of Soils“ von R.R. Weil und N.C. Brady, an „Restoration Agriculture: Real World Permaculture for Farmers“ von Mark Shepard, an „Tree Crops: A Permanent Agriculture“ von J.R. Smith, „Die Produktivität der Weide“ von André Voisin, und viele andere – und an Zahnseide. Was ich damit ausdrücken will ist, dass das Leben und da ganz sicher auch die Landwirtschaft durch Wissen und dessen Anwendung auch ohne großen Energieaufwand ziemlich angenehmen und gut sein können. Wenn man z.B. täglich nur eine Minuten einen Faden, bzw. Zahnseide richtig für die Zahnreinigung nutzt und vielleicht noch einige Details in Sachen Ernährung beachtet, kann man in der Regel mit gesunden Zähnen alt werden und sich sehr viel Schmerzen, Geld und auch Energieaufwand für zahnärztliche und zahntechnische Arbeiten sparen. Das glauben und nutzen allerdings nur wenige.
      Ein Landwirt kann z.B., wie man Prof. Ernst Klapps „Wiesen und Weiden“ entnehmen kann, locker bis zum 12- bis 15-fache aus seiner Weide herausholen, und wie man heute weiß damit auch noch seine Böden drastisch verbessern, einfach nur indem er seine Weiden geschickt einteilt und seine Tiere intelligent um treibt. Trotzdem sehe ich, wenn ich über Land fahre, immer wieder dass die Bauern dieses inzwischen schon einige Jahrzehnte alte Wissen nicht nutzen und ihre Tiere zu lange auf der selben Weide lassen. Das beste Beispiel ist aber vielleicht das Rauchen. Die Leute bezahlen dafür, sie zahlen sogar kräftig Steuern dafür und es steht inzwischen dick auf jeder Packung was zusätzlich auch noch an Gesundheitsschäden damit verursacht wird, und trotzdem tun es viele.
      Gute Romane über die Zukunft sind übrigens die der „World Made by Hand“ Reihe von J.H. Kunstler ( http://www.worldmadebyhand.com ). Kunstler beschreibt darin das Leben und Sterben in einem kleine Ort am Hudson River, im Nordosten der USA, einige Jahre nachdem die Industriegesellschaft und auch die USA als Staat kollabiert sind. In fand diese Romane sehr inspirierend.
      Ein Punkt der mir gerade auch noch einfällt ist die erstaunlich geringe Menge Land die pro Kopf überhaupt noch zur Verfügung steht. Ich habe die Zahlen von John Jeavons nicht genau im Kopf. Mit „arable land per capita“ zeigt mir google aber z.B.: http://data.worldbank.org/indicator/AG.LND.ARBL.HA.PC
      Die Tabelle auf dieser Seite hat es in sich. Jordanien und Japan hatten demnach 2013 nur noch 300 qm pro Kopf. Deutschland hat 1400 qm pro Kopf. Man beachte auch die Veränderungen von 1961 bis 2013.

      • h.c. sagt:

        @Christoph

        Danke für die tollen Links & die kurzen Buchempfehlungen, insb. Tree Crops.

        Das mit dem landwirtschaftlich nutzbaren Land – und die Abnahmen seit 1960 in der Weltbank Datenbank ist mehr als erschreckend. Bei uns ist das ja schon nicht toll – aber was in Indien und China passiert ist – ist gruselig.

        Selbst bei Neuseeland war ich erschrocken… ziemlich großes Land nur ein paar Millionen Bewohner und ein Abfall auf 1/10 in ca. 50 Jahren. Wenn ich dann bedenke das die sogar Grassland beregnen wegen der idiotischen Milchviehzucht für den Export – und wo gerade mal die komplette Milchindustrie implodiert… (NZ ist größter Milchexporteur am Weltmarkt) . Wer sich dann noch mal mit Ernährung beschäftigt hat und dann weiß wie mies Kuhmilch für uns Menschen ist…

        Und 1400qm für DE – das ist gerade mal knapp mehr als meine Nutzgartenfläche. Gut, das meisste ist Rasen (mit Obst-Bäumen bzw. Beeren) und nur sehr wenig für Gemüse (ca. 120qm).. aber wenn ich davon existieren müsste… hmm…

        Zur technischen Komplexität und den versteckten industriellen Prozesse: Ich sehe es genau so – wollte das aber nicht mehr schreiben, weil es die Träume zerstört – und ich denke diese brauchen wir um Motivation zu erzeugen und zu hoffen…. denn die World Made By Hand Vision von Kunstler wäre sicher noch eine der besseren bzw. begehrenswerteren Zukunftsperspektiven.

        Schade ist das so ein Herr Musk mit 500 PS Elektroautos, Spinnereien von der Marsbesiedlung, etc. pp. Aufmerksamkeit bekommt, alles noch komplexer gedacht und entwickelt wird – nicht aber die fundamentalen und (im Vergleich) einfach umzusetzenden Dinge & die wirklichen ‚Herausforderungen‘ für die Zukunft im Fokus der Öffentlichkeit und der Berichterstattung der Medien stehen.

      • Stephan Becker sagt:

        @Christoph Becker

        „Die Tabelle auf dieser Seite hat es in sich. Jordanien und Japan hatten demnach 2013 nur noch 300 qm pro Kopf. Deutschland hat 1400 qm pro Kopf.“

        Es geht auch anders herum, zum Besseren hin: China hatte ein enormes Problem in einem riesigen Gebiet namens Löß-Plateau, mit 640.000 Quadratkilometer Fläche, das etwa in der nördlichen Mitte Chinas liegt.

        Dieser Film beschreibt die Wandlung von einem riesigen Erosionsgebiet mit großen Versorgungsproblemen der darin wohnenden Menschen hin zu einem neuen Gartenparadies:

        The incredible story of the Loess Plateau also known as the Green wall of China (52min31)
        youtube.com/watch?v=bjLV_aVRUmQ

        Chinas Lössplateau immer „grüner“
        26.10.2009
        Das chinesische Lössplateau erstreckt sich über eine Fläche von 640.000 Quadratkilometern. 454.000 Quadratkilometer davon sind von Erosion bedroht.

        Seit 1978 ist auf dem Lössplateau bereits eine Erosionsfläche von 179.000 Quadratkilometer wieder nutzbar gemacht worden.

        german.china.org.cn/environment/txt/2009-10/26/content_18770019.htm

        Infoblatt Der Gelbe Fluss
        Fakten, Verlauf, Bedeutung und Probleme

        klett.de/alias/1017922

        Der Gelbe Fluss, Huanghe (eigentlich Gelber Strom, weil er ins, passenderweise, Gelbe Meer mündet), bekam seinen Namen aufgrund der riesigen Löß- und Schlammmengen, die er aufgrund von Erosion in seinem Einzugsgebiet mit sich führte und führt.

        So sah das Löß-Plateau vor etwa 30 Jahren aus:

        https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/3/39/Loess_landscape_china.jpg/800px-Loess_landscape_china.jpg

        Ein Dokument über das Thema Boden (schlechte und gute Bodenbearbeitungsmethoden) sowie dessen Bedeutung für uns alle:

        Regeneration von Böden und Ökosystemen:
        Ein Weg zur Begrenzung des Klimawandels.
        Grundlagen für die erforderliche Klima- und Agrarpolitik.

        boelw.de/uploads/pics/Themen/Umwelt_und_Klima/15-11-27_Regeneration_von_Boeden_und_OEkosystemen.pdf

    • Stefan Wietzke sagt:

      Du machst hier einen sehr häufigen Denkfehler, denn du bist alles andere als „Energieautark“.

      Sofern du je eine Strasse benutzt, selber zur Schule gegangen bist, einen Computer nutzt um hier zu posten, je einen Arzt besucht hast oder sonst auch nur die kleinste Dienstleistung extern genutzt hast nutzt du permanent riesige Energiemengen die nicht von deinem Hof kommen. Das gilt auch für jeden Nagel, jede Ziegel in deinen Gebäuden usw.

      Erst wenn du das alles ausschließlich bei dir vollständig produzierst bist du „Energieautark“ und dann direkt auf dem Wohlstandsniveau einer Jäger und Sammlergesellschaft. Und damit bereits lange tot soweit dein Alter heute wesentlich über 25 liegt.

      • Spigola sagt:

        Lieber Stefan,

        Ich schätze deine Kommentare wegen ihrer Klarheit, Nüchternheit und Sachlichkeit; ich schätze Deine Fähigkeit, die wesentlichen Parameter der hier behandelten Themen durchzurechnen, auf ihren realen Gehalt und Wert abzuklopfen und gut verständlich zu formulieren. Was Du in Richtung „Energierebell“ äusserst, stimmt. Allerdings ist es nicht ganz vollständig, denn auch wenn er durch aktive und passive Mitbenutzung all der modernen Infrastruktur die ihn umgibt, bestimmt nicht als „energieautark“ bezeichnet werden kann, dürfte seine persönliche Energiebilanz und sein „ökologischer Fussabdruck“ deutlich anders (wer will kann es „besser“ nennen) aussehen als der des durchschnittlichen Europäers. Die interessanten Fragen, die sich hier stellen sind freilich: wie stark ist der Unterschied tatsächlich und was kann er im Bezug zu den bekannten Problemfeldern bewirken oder nicht bewirken? Selbst Du mit Deiner nüchtern-skeptischen Art hast einmal geschrieben: „Das Einzige was wir tun könnten wäre, die simplere Lebensweise sozusagen schon mal zu üben.“ Was immerhin den Vorteil hätte, Erfahrungen darin zu sammeln.

        Achja: Die Formulierung „in eine Jäger und Sammlergesellschaft wärst Du längst tot, wenn Du älter als 25 sein solltest“ ist nicht ganz richtig: er wäre nur statistisch-theoretisch tot, denn selbst im Paläo- und Mesolithikum sind Menschen nachgewiesen, die bedeutend älter wurden.

  4. h.c. sagt:

    @Berndt

    Danke für den Tip bzw. der kompletten ETP-Modell Studie auf dem VDW Workshop – ich habe Sie jetzt auch einfachst finden können.

    Ich habe jetzt auch noch eine sehr kompakte Erklärung für die Kernaussage des ETP-Modells gefunden:

    „Innerhalb des ETP-Modells besteht eine energetisch determinierte Obergrenze für den maximal möglichen Ölpreis. Diese resultiert aus einer physikalisch-thermodynamischen Betrachtung des Produktionsprozesses. Mittels der Gleichung „jährliches Welt-BIP in $ geteilt durch jährliche globale Fördermenge in Barrel“ ordnet das ETP-Modell jeder Energie-Einheit (in BTU gemessen) einen bestimmten monetären Betrag zu.

    Dieser Betrag pro Barrel minus der Betrag, der für die Produktion „geopfert“ werden muss ergibt nun den maximal möglichen Ölpreis. Oder mit anderen Worten den maximal möglichen Zugewinn an BIP gemessen in Energie, welche ein Barrel ÖL für die Produktion von Gütern und Dienstleistungen zur Verfügung stellt.

    Angebot und Nachfrage spielen also keine Rolle auf diese Preisobergrenze.“

    Zumindest für mich war das sehr eingängig. Hier habe ich auch noch mal alle Gedanken und Links zum ETP-Modell zusammengetragen die mir die letzten Monate begegnet oder untergekommen sind.

    Ich hoffe das Du Ugo Deine Berechnungen zum ETP-Modell, etc. pp. noch zusendest – denn es würde mich wirklich interessieren in wie sich seine Meinung dazu entwickeln würde.

    Bisher ist jedenfalls mein fortgesetzter Eindruck, das sich kaum einer wirklich mit dem Modell bzw. den Grundthesen beschäftigt hat. Ich kann die Thermodynamik nicht nachvollziehen – die Grundannahmen und Thesen finde ich aber schlüssig. Und in Deiner Abhandlung hast Du ja die Berechnungen auch alle nachvollziehen können….

    • Berndt sagt:

      Ich habe Ugo die Berichte geschickt und auch schon mit ihm emails getauscht.

      Ich wünsch mir immer noch einen Profi in Thermodynamik, der sich in die Diskussion einmischt – der ist aber in allen Diskussionen zum ETP-Modell, auch beim Peak Oil Message Board, noch nicht aufgetaucht. Naja -vielleicht habe ich schon einen.

      Deine Seite und auch die von C.Becker finde ich beide gut, die habe ich vorher nicht gekannt.

      Insgesamt stelle ich fest, das das ERP-Modell langsam immer bekannter wird. Vielleicht sind ja noch ein paar Weichenstellungen vor dem Ende des Ölzeitalters möglich.

      • Stephan Becker sagt:

        „Langsam immer bekannter“ ist gut.
        Im englischen peakoil-Forum sind es seit 10. Oktober diesen Jahres 17 Seiten Diskussion á 20 Beiträge:

        Re: The Etp Model, Q & A
        Unread postby Ibon » Mon 10 Oct 2016, 06:37:27

        http://peakoil.com/forums/the-etp-model-q-a-t70563.html

        • h.c. sagt:

          Leider aber mit immer nur den gleichen paar Kommentatoren (und trollen).

          Viel neues gabs nicht in dem Thread – und ich habe den RSS Feed von den Kommentaren im Abbo und lese alles, insb. shortonoil. Ein paar der schöneren Kommentare habe ich hier: http://limitstogrowth.de/etp-modell/ – weiter unten als Zitate aufgeführt.

          • Stephan Becker sagt:

            Den Thread hatte ich mir noch gar nicht angeschaut, nur ein paar Grafiken gesehen und gedacht, dass da wohl ein paar venünftige Kommentare dabei sein könnten.

            Ich kannte zwar den Begriff EROEI, aber hatte mich nie wirklich um die genaue Definition gekümmert (Energierückzahlung als mechanische Energie? Als mechanische und thermische Energie? Bei der thermischen nur der Heizwert oder sogar der Brennwert? etc.)

            • h.c. sagt:

              @Stephan

              Zum „schwammigen“ EROEI Definition schau mal hier: http://limitstogrowth.de/eroei/ – da habe ich auch zurück auf peak-oil.com verlinkt.

              Ich habe versucht in dem Artikel in der kürze einen ziemlich großen Bogen zu schlagen + viele gute Links auf andere Blogs mit EROEI Definitionen zu pflegen.

  5. Danke für den Beitrag und die Links. Leider fand die Veranstaltung an einem Montag statt und mein Terminbuch war schon voll. Bleibt zu hoffen, dass die Vorträge nächstens auf Youtube zu sehen sind.
    Wie ich der Zusammenfassung entnehmen kann, wurden einige wichtige Aspekt nicht behandelt:
    Das Transportwesen, der Straßenbau, die Landwirtschaft, die Bauwirtschaft und auch der Ausbau, die Instandhaltung und Erneuerung der Anlagen zur großtechnischen Nutzung von Wind- und Solarenergie für die Stromproduktion, aber auch große Teile der Ölindustrie und der Rohstoffgewinnung können ohne Erdölprodukte nicht aufrecht erhalten werden. Siehe dazu das Buch „When the Trucks Stop Running“ von Alice Friedemann, zu dem sie in der letzten Zeit zwei Interviews gegeben hat:
    http://kunstler.com/podcast/kunstlercast-278-alice-friedemann-trucks-stop-running/ (Juli 2016) und
    https://www.peakprosperity.com/podcast/100873/alice-friedemann-when-trucks-stop-running (August 2016)
    Dann ist da die Landwirtschaft. Es heißt, dass pro Kalorie in Nahrungsmitteln enthaltener Energie 10 und mehr Kalorien an hauptsächlich aus fossilen Energieträgern stammende Energie erforderlich ist. Es heißt, dass über 40 % der Weltbevölkerung überhaupt nur ernährt werden können, weil aus Erdgas per Haber-Bosch-Verfahren Stickstoffdünger hergestellt wird. So gesehen haben wir mindestens 3 bis 4 Milliarden Menschen zu viel auf der Welt.
    Was den Klimawandel angeht, so ist der eigentlich kein Grund den Verbrauch fossiler Brennstoffe zu beschränken, wenn man die Bodenqualität verbessern würde. Siehe dazu z.B. Allan Savorys TED-Talk.
    Ein sehr extremes Problem ist die mögliche Bevölkerungsdichte, bzw. das Problem der unsichtbaren Nutzflächen ( http://www.freizahn.de/2015/04/unsichtbare-nutzflaechen/ ), die insbesondere in Deutschland und Europa mit Hilfe fossiler Brennstoffe extrem ausgeweitet wurden. Um die Tragweite dieses Problem zu verstehen ist das Essay  „Earth-Hunger or the Philosophy of Landgrabbing“ von W.G. Sumner hilfreich ( http://www.freizahn.de/2016/04/landhunger/ ) . Die Freiheiten, der Wohlstand und die Bevölkerungsdichte, die wir heute in Deutschland und teilweise auch noch im Rest Europas haben sind nur denkbar weil und solange wir genug billige fossile Energieträger und da vor allem auch genug Erdöl haben.
    Dann ist da Gail Tverbergs bemerkenswerter Artikel https://ourfiniteworld.com/2016/08/31/intermittent-renewables-cant-favorably-transform-grid-electricity/
    Zitat: „In fact, I have come to the rather astounding conclusion that even if wind turbines and solar PV could be built at zero cost, it would not make sense to continue to add them to the electric grid in the absence of very much better and cheaper electricity storage than we have today. „ Kurz auf Deutsch: Die „Energiewende“ kann man vergessen. Sie wird zur Energiesenke und wir verschwenden damit Zeit und andere kostbare Ressourcen.
    Schließlich wäre da noch das Problem der Komplexitätskosten. Die Entstehung monokultureller, monoethnischer, disziplinierter Gesellschaften und entsprechender großer Stämmer und schließlich Nationalstaaten dürfte ihren Hauptgrund darin gehabt haben, dass diese vergleichsweise geringe Komplexitätskosten hatten und haben (siehe auch http://www.freizahn.de/2015/04/warum-religion/ ). Heute ist eigentlich nur noch Japan in der glücklichen Lage eine solche Gesellschaft zu haben. Japan wird damit voraussichtlich ziemlich glatten, unblutigen Übergang und einen vergleichsweise hohen Lebensstandart mit hoher Lebenserwartung im postfossilen, postindustriellen Zeitalter schaffen. Europa und D mit ihrer „Buntheit“ sind dagegen in den letzten 30 Jahren, mit in den letzten Jahren rasant zunehmender Tendenz, zu hoffnungslosen Fällen geworden. Es wird daher wohl wie nach dem Ende des Römischen Reiches: In dem Vortrag eines Geologen über die Sedimente der Eifelmaare habe ich kürzlich gelernt, dass man an den Sedimentschichten klar den Anfang und das Ende der Römerzeit in der Eifel erkennen kann. Mit Beginn der Römerzeit kommen Pollen von Weinpflanzen vor. Beim Ende der Römerzeit zeigen sich Pollen, wie die von Birken, die typisch für eine verwildernde Landschaft sind.
    Wie es weiter geht und was es sonst noch für Möglichkeiten gibt, wurde gefragt. Ich denke Kriege, Hungersnöte und da insbesondere Angriffe auf die technische Infrastruktur von Industrieländern und Megastädten, wird man im Rückblick auf das 21. Jahrhundert und da vermutlich insbesondere auf dessen 20er und 30er Jahre, als die letztlich entscheidenden, alles verändernden „Problemlöser“ sehen. Wie elegant das gehen kann, zeigen z.B. die Romane „One !“Second After“, „SS18: The Satan Legacy“ und „Rohan Nation“ , die faktisch alle zeigen, wie die CO2 Emission und Umweltbelastung durch westliche Industriestaaten einfach und effizient in von den meisten nicht für möglich gehaltenem Umfang reduziert und die von diesen beanspruchten Rohstoffe für andere erhalten werden werden können. Siehe auch http://www.freizahn.de/2014/08/weitere-literatur-zum-thema-emp/

    • h.c. sagt:

      @Christoph

      Was soll ich sagen, wo soll ich anfangen? Volle Zustimmung! Bei Martenson und Kunstler bin ich regelmäßig – und habe auch Friedmann gehört, Gail Tverberg lese ich immer – leider habe ich Catton noch nicht gelesen, kenne aber u.a. sein End of Empire Video, denn das mit den unsichtbaren Nutzflächen war mir in der Dimension für DE nicht bewusst! Das mit den EE (Wind, PV, etc.) halte ich auch alles für eine Blase… subventioniert durch Öl & Kohle, mieser EROEI, Speicher dafür existieren nicht und sind auch nicht in Sicht + würden das EROEI weiter verschlechtern. So wird aktuell eine komplette Backup-Infrastruktur bereitgehalten (u.a. Gas) was den gesamt-EROEI auch absurd niedrig macht. Ohne die massiven Subventionen währe faktisch keine einzige PV & Windanlage gebaut worden. Ich glaube das alles muss ich nicht weiter ausführen.

      Hervorragend fand ich Deine Zusammenfassung bez. des ETP-Modells – das habe ich dann auch gleich mal bei mir in der ETP-Modell Zusammenfassung verlinkt. Ich halte das ETP-Modell, wie auch Berndt, für sehr, sehr beunruhigend. Nicht weil ich denke das es falsch ist… Leider war auf dem Workshop dazu keine richtige Einschätzung zu bekommen – und wenn, dann eher ablehnend, aber eben ohne das es wirklich angeschaut wurde (die Gesamtstudie ist ja auch ohne Kosten ladbar).

      Die Geschichte mit den monoethischen Gesellschaften – die eben auch gleiche Werte, Vorstellung, etc. pp teilen – sehe ich auch so. Das alleine nur Wertfrei weiter zu denken ist aber in Deutschland momentan politisch absolut nicht korrekt. Ist aber auch letztendlich egal angesichts der super-dichten Besiedlung im Herzen Europas, oder?

      Ansonsten: Meine Zusammenfassung vom Workshop ist definitiv nicht vollständig (wie auch im Artikel geschrieben) und war auch nicht geplant.

      Ich hatte das Gefühl das insb. dem Gastredner Herrn Görres die Problematik gar nicht so richtig klar war und die anderen, inkl. Ugo Bardi, schon wissen was das für eine Mammutaufgabe ist – aber nicht die „Bad News“ wiederholen oder voran stellen wollten – weil das letztendlich auch nicht zielführend ist. Ugo meinte noch in kleiner Runde, das sein Modell mit der 2000 Watt Gesellschaft 5% der (jetzt geförderten) globalen (materiellen) Ressourcen pro Jahr für die nächsten 10 oder 20 Jahre für den Umbau der Energieversorgung benötigen würde. Und 5% der globalen Ressourcen pro Jahr nur dafür sein unvorstellbar viel (so Ugo)!

      Wenn jetzt aber nach ETP-Modell die Nettoenergie ganz schnell abnimmt und wir in 10 Jahren nur noch einen Bruchteil der Förderung haben – dann ist selbst dieser Strohalm unrealistisch – denn dann sind die heute 5% schnell 25 oder 50%. Auch die 2000 Watt Gesellschaft selber ist ja ein Ziel das Politisch absolut „nicht verkaufbar“ ist. Da wird dann auf einmal der letzte zum „Verschwörungstheoretiker“ und stellt den Mensch gemachten Klimawandel in Abrede.

      Wenn man dann noch mal Herrn Hirsch in Erinnerung ruft… seine Studie (Hirsch Report an die US Regierung) hatte ja vor über 10? Jahren gefolgert, dass ein Umbau Dekaden dauert…und wenn das ETP-Modell korrekt ist, dann ist es dafür bereits zu spät. Und selbst wenn es noch nicht so ist – die wirkliche Diskussion um einen Umbau (und Verzicht) in Richtung Hirsch oder Bardi wird ja noch gar nicht geführt. Das sind absolute Partykiller Themen…

  6. Stefan Wietzke sagt:

    Wenn ich das Wort „2000 Watt Gesellschaft“ höhre stellen sich mir immer alle Nackenhaare auf. Ich kann gar nicht glauben das Bardi als Naturwissenschaftler sowas gesagt haben soll. Erstens ist „Watt“ die Einheit für Leistung und nicht für Arbeit und damit schon mal ein vollkommen unsinniger Wert.

    Aber gehen wir einmal von der anderen Annahme aus das wir unseren Energieverbrauch auf 1/3 reduzieren.
    Da die von uns genutzte Fremdenergie lediglich ein Verstärkungsfaktor menschlicher Arbeit ist und daher die Prokopf-Produktivität direkt proportional zum Energieverbrauch liegt bedeutet eine solche Gesellschaft einen Wohlstandsverlust von 2/3.

    Das bedeutet übrigens 2/3 von allem. 2/3 weniger Stahl, 2/3 weniger Beton, 2/3 weniger Computer, 2/3 weniger Transport, 2/3 weniger Universitäten, 2/3 weniger Wohnraum, 2/3 weniger Polizei, 2/3 weniger Nahrungsmittel und 2/3 weniger medizinische Versorgung.

    Da wir aber nicht alle Leistungen gleichmäßig runter fahren können oder wollen (Nahrungsmittel oder medizinische Versorgung) müssen dann die anderen Leistungen entsprechend stärker heruntergefahren werden.

    Und da das nicht alle mitmachen werden (vor allem die nicht die über entsprechende Machtmittel verfügen oder sich diese dann verschaffen werden) sind wir sofort wieder in der feudalen Gesellschaft des 19. Jahrhunderts.
    70% der Bevölkerung schuften sich dann wieder auf dem Acker in ihrem relativ kurzen Leben den Rücken krum damit wenigstens die auch dann noch existierende Oberschicht ihr Wohlstandniveau halten kann.

    Das ist einfachste Physik. Erster und zweiter Hauptsatz der Thermodynamik und die einfache Beziehung das Arbeit = Kraft x Zeit ist.

    Ich fasse diese Naivität einfach nicht.
    Es wird keinen „Umbau“ geben, sondern höchstens Selbstmord aus Angst vor dem Tod.

    • fliegen sagt:

      Sag mal. Wofür lebst du? Was hast du mit der Zukunft vor? Was sind deine Hoffnungen, was sind deine Konsequenzen?

      • Stefan Wietzke sagt:

        Das kann ich dir ganz einfach beantworten.
        Mein Ziel ist jedenfalls keine Gesellschaft die der Moralphilosph und Begründer der Ökonomie Adam Smith einmal für die Masse der Bevölkerung zu Beginn der industriellen Revolution einmal so beschrieben hat:

        „Das Leben der Armen ist elend, brutal und kurz.“ Und damit meinte er 80% der britischen Bevölkerung.
        Diese Gesellschaften sind übrigens grundsätzlich nicht freiheitlich, nicht demokratisch, nicht emanzipatorisch usw.

        Das will ich genau nicht. Es ist aber die unweigerliche Folge einer „energiearmen“ Gesellschaft.

        Und das hat nichts mit „Wollen“ und „Hoffen“ zu tun sondern ist schlicht eine Folge der Physik.
        Wenn du meine Beiträge hier schon länger hier verfolgst und die dazugehörigen Diskussionen dann findest du auch die Begründung dafür.

        Harald Welzer hat ja mal den auch hier schon häufiger diskutierten Begriff der „Reduktiven Moderne“ geprägt, der das Dilema wunderbar in einem Begriff zusammenfasst.
        Nur leider gibt es die nicht. Denn entweder „Moderne“ im Sinne von Zivilisation, zivilen Umgangsformen, hohe Lebenserwartung, soziales Miteinander und allem was eine freie Gesellschaft ausmacht mit hohem Energieverbrauch oder das Gegenteil davon.

        Merke: Gesellschaften mit hohem Energieverbrauch müssen nicht „zivilisiert“ sein, aber Gesellschaften ohne hohen Energieverbrauch KÖNNEN NICHT ZIVILISIERT sein.

    • fliegen sagt:

      Entschuldigung, ich hab nicht nachgedacht vor dem schreiben. Die fragen sind retorisch und bringen die Diskussion auf eine persönliche Ebene. Sowas sollte man nicht machen. Es gibt nun mal unterschiedliche Meinungen zu dem Thema und bloß weil ich glaube recht zu haben heißt es nicht, dass das Gegenüber nicht weiß wofür er lebt und wie er die Zukunft sieht. Sorry nochmal.

      • Stefan Wietzke sagt:

        Habe mich jetzt auch nicht persönlich beleidigt gefühlt. Aber vielleicht hast du auch meinen Kommentar auch nicht komplett gelesen.

        Aber aus deinen sonstigen Kommentaren sehe ich schon das du eine völlig andere Sicht auf die Funktionsweise der Welt hast als ich.
        Sowas regt ja jeden erstmal zu spontanem Widerspruch an :-).

    • Norbert Rost sagt:

      Doch, das Bild von der 2000-Watt-Gesellschaft wird auch von naturwissenschaftlich geprägten Leuten genutzt. Die Angabe ist als Dauerleistung gemeint: 24 h/d.

      Und ja: Alles wird weniger werden.
      Und ja: Das geht NICHT ohne Konflikte.

      So ist es halt. Arbeiten wir mit diesem Gedanken!

      • Stefan Wietzke sagt:

        Dann gehen wir mal von 48kWh pro Tag und Einwohner aus. Müssen wir jetzt nur noch klären ob das auf der Brutto-oder Nettoseite liegt. Das ist mir da noch nicht ganz klar.

        Aber ansonsten gelten meine Aussagen für die 2/3 Reduktion natürlich trotzdem ;-).

        In den meißten technischen Verfahren liegen wir heute in der Nähe des physikalischen Optimums was den Energieeinsatz betrifft. Zu optimieren ist da kaum noch was.
        Und ich habe mich mit dem Thema wirklich jahrzehntelang beschäftigt.Es gibt zwar immer wieder Esotheriker der glauben den zweiten Hauptsatz der Thermodynamik außer Kraft setzen zu können. Aber bisher sind keine Anzeichen erkannbar das das gelingen könnte.

        Ich fasse noch mal kurz meine Erkenntnisse der letzen Jahre zusammen:

        1. Der Erntefaktor, gemessen an der Nutzungsstelle seiner Anwendung, bestimmt die maximale Produktivität und damit das maximale Wohlstandsniveau.
        2. Die Produktivität bestimmt das Maximum an zivilisatorischer Entwicklungsfähigkeit einer Gesellschaft.
        3. Die verfügbare Energiemenge bestimmt die Größe der Population der dieses Zivilisationsniveau zu Gute kommt.

      • Hendrik Altmann sagt:

        Mensch Leute ihr vergesst das auch euer Verteidigungpotential um 2/3 sinkt, euer Schadenspotential um 2/3 sinkt, wer würde den freiwillig diesen Schritt gehen?

        Das ist doch ein riesen Nachteil!

        Ihr macht euch damit werlos gegenüber denen die diesen Wahnsinn nicht freiwillig mitmachen, zumal die freigewordene Energie nicht vom System gespart wird, die die nicht mitmachen können jetzt sogar noch mehr Energie nutzen und somit ihren Vorteil in Produktivität noch weiter ausbauen, das wäre die Teilung der Gesellschaft in zwei Klassen.

        Also ich freue mich dann, das ich noch mehr Möglichkeiten, Wohlstand und Sicherheit bekomme, weil ich mich so einer 2000 Watt Gesellschaft sich nicht anschließen werde, ich denke das wäre auch nicht sehr klug.

        Merke die Menschen die über die höchste Produktivität verfügen, stellen die Regeln und Gesetzt auf für die Menschen mit der geringsten Produktivität, da Produktivität = Schadenpotential, Schutzpotential bedeutet.

        Auch heute werden noch alle Besitzansprüche über Gewalt geregelt, also das Potential Schaden zu verrichten, was nichts als arbeitsfähige Energie ist, eine 2000 Watt Gesellschaft kann in der heutigen Welt die eigenen Ontressen nicht schützen, sie ist wehrlos…

        • HC Fricke sagt:

          @Hendrik,

          es geht doch bei diesen Gedanken und Überlegungen um die Frage „wie könnte es theoretisch (noch etwas) weitergehen“ bevor der (komplette) Abbruch kommt. Genau weil – so wie Du es schreibst – wenn alle das maximale Ausnutzen und ausbeuten „was geht“ – geht es nicht mehr lange so weiter.

          Die Ressourcenverbräuche der letzten 20 Jahre sind im Vergleich zu den 1000 Jahren davor so immens… das einem Unwohl wird.

          Mir ist auch klar das eine globale Einsicht zu 99.999999% nicht kommen wird. Die Menschen oder Völker die den Wahn der Expansion, der Technik, der Gewalt, der Energienutzung, der Aufrüstung, etc. pp nicht mitgemacht haben – all die sind verschwunden bzw. wurden in Nischen verdrängt & „abgehängt“.

          Dennoch – dieser Weg den (fast) die (ganze) Menschheit aktuell geht – wird fatal enden. Immer wenn ich Deine Kommentare lese – wird mir das zu 100% Bewusst. Ich versuche aber gerade das mir das nur zu 90% bewusst wird, weil auch ich gerne bestimmte Dinge verdränge ;-)

          • Hendrik Altmann sagt:

            Das kommt darauf an welche Einsicht du meinst, die Ressourcennutzung der Menschheit ist nur eine Zahl, auch verbrauchen wir keine Ressourcen sondern nur Energie und auch die wird nur umgewandelt von arbeitsfähige in nicht arbeitsfähige Energie.

            Die Systeme dieses Planeten streben durch verschiedene Mechanismen immer nach der höchsten Produktivität, und zwar seit es komplexe Systeme auf diesen Planeten gibt, wir machen heute nichts anderes, wir spielen auch nach diesen Mechanismen genau wie alle Ökosysteme zu jeder Zeit hier auf der Erde.

            Die Ressourcennutzung dieser Systeme schwankte in dieser Zeit häufiger, teils stark, meist durch kosmische Ereignisse oder Vulkanismus.

            Also den Weg den wir gehen ist der einzig wahre, denn es gibt gar keinen anderen Weg, die Menschheit macht genau das was jedes Ökosystem, jede Spezies hier auf der Erde macht.

            Wir sind sehr erfolgreich als Spezies durch die Fähigkeit Maschinen zu bauen um uns anzupassen und unsere Produktivität zu erhöhen, sowie Wissen weiterzugeben und zu speichern und dadurch die fossilen Energiespeicher anzuzapfen hier auf der Erde.

            Und wenn Teile unseres Systems kollabieren, werden wieder die Gesellschaften überleben und am erfolgreichsten sein, die die höchste Produktivität vorzuweisen haben, wie sie das erreichen spielt dabei keine Rolle.

            Produktivität macht den Unterschied zwischen Erfolg und Versagen, zwischen Überleben und Aussterben.

            Das ganze Spiel dreht sich doch nur um Produktivität, diese Erkentniss ist die wichtigste wenn es um das Verstehen komplexer Systeme auf diesen oder anderen Planeten geht.

            • HC Fricke sagt:

              @Hendrik

              Danke für die schöne Antwort!

              „Also den Weg den wir gehen ist der einzig wahre, denn es gibt gar keinen anderen Weg, die Menschheit macht genau das was jedes Ökosystem, jede Spezies hier auf der Erde macht.“

              Den Aspekt den ich meinte ist der, nicht nur Blank auf die Produktivität und „Belehnungsfaktoren“ zu optimieren, sondern auch auf die mittel- und langfristige Erhaltung der Spezies. Nicht alle kurzfristigen Möglichkeiten die Produktivität zu erhöhen machen ja langfristig betrachtet Sinn.

              Und als Spezies gesehen leben wir eben auch in einem System (Planet Erde) in dem unsere Tätigkeiten (die Produktivität zu erhöhen) ggf. „negative“ Rückkopplungen auf die langfristige Produktivität haben. Wir sind ja nicht mehr in Konkurrenz mit anderen Spezies… sondern nur noch mit Fraktionen der eigenen – und auch da nicht zimperlich.

              Denn alles was an (neumodisch bezeichneten) „sozialen Errungenschaften“ geschaffen wurde ist dem Überschuss an fossiler Energie zu verdanken. Fällt dieser weg, dann sieht es meiner Ansicht nach ganz schnell ganz anders aus.

              Deine evolutionäre Sicht auf die Produktivität – und das Du das hier ‚quasi‘ gebetsmühlenartig immer besser beschreibst ;-) – finde ich sehr gut… gibt meiner Seele ein bisschen Frieden mit der ganzen Thematik umzugehen.

    • h.c. sagt:

      @Stefan

      „Wenn ich das Wort „2000 Watt Gesellschaft“ höhre stellen sich mir immer alle Nackenhaare auf. „

      Er hatte es auf seinen Folien… der Link auf die 2000Watt „ch“ Initiative ist aber von mir.

      Ich sehe es wie Norbert – Ugo meinte damit 2000W rund um die Uhr als Mittel. In kleiner Runde meinte er das das (selbst dieses) Ziel sehr ambitioniert ist – aber nach seinen Berechnungen noch erreichbar scheint.

      Das das kein Zuckerschlecken wird – also selbst wenn es „klappt“ und alle auf einmal vernünftig werden – das ist klar. Es gab da aber keine Nachfragen… Insgesamt war das Thema was ist realistisch, was ist ggf. schaffbar – wohin geht die Reise, gibts einen Abbruch (Seneca-Cliff) oder eine Long-Emergency (nach Kunstler) kein Thema in den weiteren Vorträgen.

      „Es wird keinen „Umbau“ geben, sondern höchstens Selbstmord aus Angst vor dem Tod.“

      Den Gedankengang kann ich gut verstehen. Wer (meinem aktuellen Stand nach) verstanden hat wohin die Reise geht und ebenfalls eine grobe Perspektive hat in welchem Zeitraum das passieren könnte der steht vor ggf. schwierigen oder auch befreienden Entscheidungen.

      Ich habe mich für letzteres entschieden und schreibe deswegen nunmehr auch ohne Pseudonym und bin dabei einiges in meinem Leben zu verändern. Leicht fällt es mir nicht – aber dann wäre es auch zu einfach ;-)

  7. Stephan Becker sagt:

    Eine von mehreren guten Lösungen

    Der „Klimawandel“ ist umkehrbar, u.a. durch das Anpflanzen vieler Bäume, am Besten von den Rändern der Wüsten oder Halbwüsten aus.
    Wälder machen Regen, eine Erkenntnis der beiden russischen Wissenschaftler Anastassia Makarieva und Victor Gorshkov:

    Ein Artikel in Spektrum über die Theorie der beiden Russen – den Zusammenhang von Wäldern und kontinentalen Wasserkreisläufen:

    Revolution in der Windmaschine
    02.04.2009, Daniel Lingenhöhl

    http://www.spektrum.de/news/revolution-in-der-windmaschine/987877

    Die Originalstudie von 2007:
    Biotic pump of atmospheric moisture as driver of the hydrological cycle on land
    http://www.hydrol-earth-syst-sci.net/11/1013/2007/hess-11-1013-2007.pdf

    Vorträge von drei anderen Wissenschaftlern, die die Theorie der beiden Russen bestätigen:

    Douglas Sheil – Do forests attract rain? (32min)
    youtube.com/watch?v=WBkOos12Xzs

    Tom Goreau, ‚The Tijuca Story – Reforestation and the Biotic Pump‘, October 17th (23min)
    youtube.com/watch?v=L3-DuUtXifM.mp4

    Antonio Donato Nobre: The magic of the Amazon: A river that flows invisibly all around us (22min)
    youtube.com/watch?v=CIesJyZUWTY

    Dieser Australier, Tony Rinaudo, zeigt seit Anfang der 80er Jahre wie man einfach, schnell und billig viele Bäume, auch in Wüsten, zum Wachsen bringt:

    Tony Rinaudo: „Against the odds: Reversing desertification in arid and semi arid lands“ (47min)
    https://www.youtube.com/watch?v=Dm_qlyvdZ_A

  8. Stephan Becker sagt:

    Ein Vortrag des schwedischen Statistikers Prof. Hans Rosling:

    Mythos Überbevölkerung? – Verblüffende Fakten zur Welt von morgen (Doku in HD) (44min)
    Published on Mar 31, 2015
    youtube.com/watch?v=zintiGyN0nc

    Nach seiner Darstellung werden auf der Erde maximal 11 Milliarden Menschen leben und wenn dieses Maximum erreicht wurde, wird die Zahl der Menschen wieder abnehmen.

    Meiner Meinung nach haben wir dies vor allem dem Verbund aus Chemie- und Pharmaindustrie zu verdanken, also die Bevölkerungsstagnation in der „westlichen“ Welt. Was ich damit sagen will, kann sich jeder selber denken. ;-)

    • h.c. sagt:

      „Nach seiner Darstellung werden auf der Erde maximal 11 Milliarden Menschen leben und wenn dieses Maximum erreicht wurde, wird die Zahl der Menschen wieder abnehmen.“

      Also diese Vorhersage unterschreibe ich, ich würde aber folgendes Wort ergänzen: „…wird die Zahl der Menschen wieder unfreiwillig abnehmen.“ ;-)

      Weiterhin haben wir der Chemie die Übervölkerung zu verdanken: Haber-Bosch & der Pharma ebenfalls: Antibiotika! Ohne beides würde es aktuell keine 7,5 Milliarden Menschen geben – auch ohne Kondom und (nicht ungefährliche) Hormone für die Dame…. auch solch ein gigantischer Langzeitfreilandgroßversuch.

      • Stephan Becker sagt:

        Die Chemieindustrie vergiftet die Böden, die Pharmaindustrie die Menschen. Und trotzdem sind nach wie vor große Teile der Menschheit davon überzeugt, dass beide Industrien den Menschen etwas Gutes bringen – zumindestens im Bereich Landwirtschaft fängt inzwischen doch einiges zu bröckeln an.
        Die Pharmaindustrie macht derzeit weltweit siebenmal soviel Umsatz wie die Rüstungsindustrie.

        Trotzdem kommt dann so etwas dabei heraus:

        Giftkur ohne Nutzen
        04.10.2004
        Immer ausgefeiltere und teurere Zellgifte werden schwer kranken Patienten mit Darm-, Brust-, Lungen- oder Prostatatumoren verabreicht. Nun hat ein Epidemiologe die Überlebensraten analysiert. Sein Befund: Allen angeblichen Fortschritten zum Trotz leben die Kranken keinen Tag länger.

        spiegel.de/spiegel/print/d-32362278.html

        Oder so was hier (eine BBC-Dokumentation aus dem Jahr 2005 über Medikamenten-Versuche an Waisenkindern in einem Waisenhaus in New York):

        Pharmamafia – Kinder als Versuchskaninchen
        http://www.youtube.com/watch?v=l_vFehFekUc

        Antibiotika sind Mittel gegen das Leben, u.a. gegen das Leben im Darm. Ich habe vor ein paar Jahren eine Frau getroffen, die über Wochen von ihrer Ärztin Antibiotika verschrieben bekam. Sie hatte diese „Therapie“ nur knapp überlebt. Mir empfahl eine Homöopathin während meines Studiums vor etwa 22 Jahren, nachdem sie von mir erzählt bekam wie oft ich schon Antibiotika verschrieben bekam, in Zukunft mehr auf die Homöopathie zu vertrauen. Und sie hatte recht. Dank ihr bin ich in Bezug auf Ärzte ziemlich kritisch geworden. Ich kann jede Menge solcher Storys in Sachen Medizinbetrieb erzählen.

        Impfungen wurden erst eingeführt NACHDEM die Infektions“krankheiten“ schon längst am Abklingen waren.

        Eine interessantes Verhalten einer Journalistin beim konkreten Nachfragen bezüglich Fakten zur „Krankheit“ Masern bzw. zur Masernimpfung:

        SPIEGEL-Online-Redakteurin Nina Weber kann auch auf dezidierte Nachfrage ihren „Faktencheck Masern“ nicht mit Fakten untermauern
        23. April 2015, von T. Engelbrecht
        spiegelblog.net/faktencheck_masern_ist_faktenfern_2.html

        Dr. Lanka wurde übrigens frei gesprochen, weil der Arzt, der angeblich den Nachweis bezüglich eines Masern-Virus vorgelegt hatte, nicht wirklich die geforderte Bedingung erfüllte: Eine, nur eine, wissenschaftliche Publikation vorzulegen, in der die Existenz des Masern-Virus nicht nur behauptet, sondern auch bewiesen und darin u.a. dessen Durchmesser bestimmt ist, also nicht eine Publikation für die Existenz und eine z.B. für dessen Durchmesser.

        Das Haber-Bosch-Verfahren mit seinem Kunstprodukt Mineraldünger hat wesentlich zur Zerstörung der Fruchtbarkeit der Böden dieser Welt beigetragen. Ein gutes Buch dazu:
        „Die letzte Chance“ von Annie Francé-Harrar.

        • h.c. sagt:

          Volle Zustimmung.

          das mit Lanka wusste ich nicht nicht (also doch der Freispruch). Was immer man von dem hält (Anm.: ich nicht so viel) – wichtig ist zu wissen, das die Thematik wirklich heiß ist. Das ganze hält keinem wissenschaftlichen Anspruch statt und hat ganz viel Dogma (u.a. gibt es keine einzige Doppel-Blind Studie zu auch nur irgend einen der Stoffe – aber ganz, ganz viele offene Fragen und bekannte Probleme & jährlich zehntausende von dokumentierten Opfern die in der öffentlichen Diskussion Totgeschwiegen werden…)

          Wer Engelbrechts Buch zum Thema nicht kennt, sollte unbedingt das Interview des Co-Autors beim Saarländischen Rundfunk (SR2) bei „Fragen an den Autor“ hören: http://pcast.sr-online.de/play/sr2-fragen-klassiker/2011-10-04_koehnlein210506.mp3 – alleine seiner Verantwortung sich selber und ggf. seiner Kinder gegenüber. Denn eine halbwegs „bewusste“ Entscheidung ist erst dann möglich wenn man überhaupt mal die Fakten bzw. Standpunkte kennt – und nicht „blind“ vertraut.

          Zu Krebs gibts dann auch noch dieses Interview: http://pcast.sr-online.de/play/sr2-fragen-klassiker/2012-01-18_engelbrecht_krebsmedizin_27_6_10.mp3 – als ganz kleiner Einstieg. Aber wem sag ich das… alleine durch die Ernährung(s-Umstellung) man man schon bei vielen Prostatakrebs (und andere) rückgängig machen (klinisch bewiesen). Wer das mit Gift (Chemo hatte 1942 nach Spiegel-Online mit Senfgas begonnen) versucht – der arbeitet gegen die Natur.

          So, jetzt aber genug des Off-Topic ;-) Einen schönen Sonntag wünsche ich noch allen Lesern hier!

        • Klaudia sagt:

          Bitte was…?

          Unbestritten, daß Pharma- und Chemieindustrie auch viel Unheil anrichten, aber ich dachte ich wäre hier bei peak-oil… und nicht auf einer der einschlägigen rechten Verschwörungs-Esoteriker-Schwurblerseiten… wo man solche Behauptungen ansonsten üblicherweise findet…

          • Stephan Becker sagt:

            Wenn die Menschheit immer nur auf Diejenigen gehört hätte, die andere Scharlatane oder Spinner schimpft, säßen wir wahrscheinlich heute noch auf den Bäumen.
            Man denke nur an die Aufregung damals vor über 100 Jahren als der Meteorologe und Polarforscher Alfred Wegener seine Kontinentalplatten-Theorie vorstellte. Erst nach etwa 50 Jahren konnte sich die Wissenschaft dazu durchringen seine Theorie offiziell anzuerkennen. Die letzten Hexen wurden um 1800 in Mitteleuropa hingerichtet. Das Zeitalter der Aufklärung begann etwa 1700 und 1784 meinte Kant, dass man den Mut haben sollte seinen Verstand zu benutzen, man könnte auch sagen den gesunden Menschenverstand.

            Hier noch die Meinung eines Arztes zum Thema Impfungen:

            [i]28.03.2009
            Um z.B. in Kanada/USA als Arzt zu arbeiten, haben alle drei Länder (DL, USA, CAN) andere Anforderungen an die Menge an Antikörpern im Blut nach der Impfung mit Hepatitis B Impfstoff. Warum? Die lesen die gleichen Studien. Wo ist da die Wahrheit? Den USA reicht der Nachweis der drei Impfungen. Canada impft wohl bis es reicht (und wenn es 15 Impfungen sein müssen) Deutschland ist schwammig, da gilt man irgendwann als „non responder“.

            Warum muss Ich, wenn ich in der Rettungsstelle eine Schnittwunde versorge immer Tetanusschutz nachfragen oder impfen? Beim Schnitt am Weinglas gibts ja extremen Erregerbefall! haha.

            Kinder sollen die ersten Impfungen mit 3 Monaten bekommen, Hepatitis B z.B.! Spritzen die sich Drogen, haben die ungeschützten Geschlechtsverkehr? Der normale Menschenverstand setzt da aus. Es ist auch als Arzt fast unmöglich, dieses Thema in Ruhe zu diskutieren. Die Kollegen – so nennen wir uns – sind einfach zu emotional.[/i]
            dasgelbeforum.net/forum_entry.php?id=93715

            • h.c. sagt:

              @Stephan

              Ich denke wir haben hier einen guten und offenen Diskussionsstil mit Links auf Quellen und Daten – aber auch Thesen & offenen Fragen etc. pp.

              Es ist schon ein schräger Stil selber ohne konkret auf das bemängelte einzugehen breitbandig und undifferenziert mit bestimmten Schablonen des Meinungs- und Empörungsmanagements zu arbeiten.

              In diesem Kontext kann ich das Video von Prof. Dr. Rainer Mausfeld (Uni Kiel): „Warum schweigen die Lämmer?“ – Techniken des Meinungs- und Empörungsmanagements: https://www.youtube.com/watch?v=Rx5SZrOsb6M& – empfehlen.

              • Stephan Becker sagt:

                ch denke wir haben hier einen guten und offenen Diskussionsstil mit Links auf Quellen und Daten – aber auch Thesen & offenen Fragen etc. pp.

                Es ist schon ein schräger Stil selber ohne konkret auf das bemängelte einzugehen breitbandig und undifferenziert mit bestimmten Schablonen des Meinungs- und Empörungsmanagements zu arbeiten.

                Hallo!?
                Warum kritisierst Du denn jetzt meine Antwort?

                Kannst Du in Klaudias Beitrag

                Bitte was…?

                Unbestritten, daß Pharma- und Chemieindustrie auch viel Unheil anrichten, aber ich dachte ich wäre hier bei peak-oil… und nicht auf einer der einschlägigen rechten Verschwörungs-Esoteriker-Schwurblerseiten… wo man solche Behauptungen ansonsten üblicherweise findet…

                auch nur irgend eine Quelle, Link oder Daten finden? Nichts als Dreckschmeissen ist das.

                In meiner Antwort habe ich die Aussage eines ARZTES wiedergegeben. Man kann mit diesem Arzt ohne weiteres im Gelben Forum in Kontakt treten und ihn zu seiner Meinung fragen. In späteren Beiträgen in diesem Forum hat er übrigens seine Meinung weiter gut vertreten.

              • h.c. sagt:

                @Stephan

                War als „Kritik“ an Claudia und in Kontext der Unterstützung deines Kommentars gedacht.

                Ich hatte ja auch mit Links auf SR2 Interviews zu Buchbesprechungen einiges von Deinem vorherigen Beitrag aufgegriffen. Und die Thematisieren ganz klar was in beiden Bereichen schief läuft….

  9. HC Fricke sagt:

    @Stefan Wietzke

    Kurze Frage: Hältst Du ein Modell ala Pakistan / Indien für DE für möglich in dem es für den nichtindustriellen & gewerblichen Bereich 2-4h Elektrizität am Tag gibt?

    Oder ist DE dafür zu weit Elektrifiziert? Also wegen Heizungssteuerungen, Haustechnik, Elektrozeugs in der Küche und all dem anderen elektrischen Klimbim – der ja mit dem ganzen IoT Geraffel, etc. pp nicht besser wird?

  10. Claus sagt:

    Hallo, ich bin zwar nicht Stefan Wietzke, erlaube mir aber trotzdem mal, hier einen Kommentar abzugeben.

    Zunächst möchte ich mich jedoch kurz vorstellen: ich bin seit einiger Zeit hier stiller Mitleser und komme aus Hamburg.
    Beruflich hatte ich bisher sowohl mit naturwissenschaftlichen Dingen als auch Elektrotechnik und IT zu tun – kann also sowohl die naturwissenschaftlichen Hintergründe verstehen, habe keine Angst vor Statistiken und kann auch technische Machbarkeiten gut abschätzen.

    Eine Sache, die mich bei Stichworten wie „2000-Watt-Gesellschaft“, „CO2-Fußabdruck“ oder der Forderung nach 2-4 Stunden Strom pro Tag am meisten stört, ist das Unterschlagen von geographischen Tatsachen:

    Indien und auch viele der häufig als „Musterschüler“ in Sachen CO2-Ausstoß gehandelten Ländern liegen in den Tropen oder Subtropen.
    Indien bspw. liegt abgesehen vom südlichen Himalaya komplett in den Tropen, d.h. die brauchen schlicht und ergreifend meistens keine Heizung wie etwa wir in der kaltgemäßigten Zone, von künstlichem Licht im dunklen Halbjahr zumindest an den Tagesrandzeiten wie bei uns auch mal abgesehen.

    Natürlich könnte man auf die Idee kommen, die bräuchten stattdessen ja Kühlschränke und Klimaanlagen. Ein Kühlschrank verbraucht aber deutlich weniger Energie als etwa eine Gasbrennwerttherme pro Jahr, und eine Klimaanlage würde in erster Linie am Tag bei Sonnenschein benötigt, so dass – rein theoretisch – der dafür nötige Strom aus PV-Anlagen kommen könnte.

    Wobei sich grundsätzlich die Frage stellt, welcher Inder sich das leisten kann und muss, da die wenigen Leute mit gutbezahlten Bürojobs tagsüber arbeiten (und zuhause das Haus nicht runterkühlen müssten) und die übrigen (meist in Armut lebenden) sowieso kein Geld für so einen Luxus übrig haben.

    Das bedeutet nicht, dass wir nicht mehr Energie einsparen sollten statt etwa täglich mit mit einem 2,5-Tonnen-SUV 100kg Nutzlast maximal 20km weit zu transportieren.

    Allerdings halte ich derartige „Stromsparvorschläge“ für alle Länder jenseits der warmgemäßigten Zonen für nicht praktikabel.

    Das „IoT Geraffel“ halte ich übrigens eher – auch aus Datenschutz- und Sicherheitsgründen – für überbewertet bzw. eher was für Technik-Freaks.

    • Hendrik Altmann sagt:

      Strom also arbeitsfähige Energie bedeutet ja erst einmal Produktivität, warum sollte man denn auf Produktivität verzichten?

      Je höher meine Produktivität desto besser geht es mir doch, desto mehr Möglichkeiten hab ich doch, der Verzicht auf Strom bringt mir denn genau was?

      Deutschland geht es in der Welt doch nur so gut weil wir eine so hohe Produktivität kontrollieren, die reichsten Staaten der Erde kontrollieren die höchste Produktivität, die ärmsten Staaten haben die verfügen über die geringste Produktivität.

      Und noch einmal wenn wir hier Strom sparen wird es anderswo im System verbraucht, das System spart niemals!
      Das scheint hier den wenigsten bewusst zu sein, das einzige was hier abläuft wenn ich meinen Energieverbrauch reduziere ist eine Verschiebung des Verbrauchs von einem Punkt zum anderen.

      Das System wird alle wirtschaflich föderbaren fossilen Energieträger verbrauchen, ob wir das nun wollen oder nicht, der Punkt ist auch das wir hier nicht von wir reden können.

      Was bringt mir es denn wenn ich mehr Zeit investieren muss in Sachen, die ich sonst mit Strom schneller zustande bringe?

      Wenn ich Strom spare hat ein anderer irgendwo auf der Welt einen Vorteil davon und ich einen Nachteil, okay aber warum sollte ich mir freiwillig einenNachteil aufbürgen, wenn es nichts daran ändert wie viel Energie verbraucht oder CO2 ausgestoßen wird im Gesamtsystem?

      • Ert sagt:

        „Und noch einmal wenn wir hier Strom sparen wird es anderswo im System verbraucht, das System spart niemals!“

        Leider denke ich das auch – und deswegen sehe ich keine Lösung für unser „Problem“ sondern nur ein Schicksal für die menschliche Zivilisation.

        Freiwillige Zurückhaltung scheint keine Option zu sein.

        • Hendrik Altmann sagt:

          Stefan W. hat das hier vor kurzem mal versucht zu umreissen, komplexe Systeme auf der Erde werden immer versuchen jede verfügbare arbeitsfähige Energie zu nutzen um zu wachsen, in die Breite und in die Höhe.

          Die Katastrophe ensteht nur aus Sicht des Individuums oder der Artenbrille wie es Stefan nannte, aus Sicht des Gesamtsystems ist überhaupt gar keine Katastrophe ersichtlich, das System hat eben die verfügbare Energie genutzt um maximal zu expansieren, ist weniger Nettoenergie verfügbar schrumpft es halt wieder, es gibt hierbei einfach kein Problem.

          Mehr CO2 in der Atmosphäre?!
          Ja super, bedeutet mehr Energie für die nächste Systemausdehnung, das Leben wird nach einer Kontraktionsphase geradezu explodieren, so gesehen ist der CO2 Ausstoß für die Systeme der Erde sogar ein Segen…

          Witzig die die in dieser Krise die meiste Energie verbrauchen, also die höchste Produktivität erzeugen, werden auch am besten durch diese Krise kommen, denn ein großer Footprint hat halt mehr wums als ein deutlich kleinerer.

          Diese Erfahrung mussten schon die Ureinwohner Nordamerikas machen, Tibet oder die Afrikanischen Stämme in der Kolonialzeit, wer über viel arbeitsfähige Energie verfügt, hat auch ein großes Schadenspotential an der Hand und viele Möglichkeiten…

  11. Spigola sagt:

    „Le Monde“ verlinkt auf ein Interview auf der Website „politiques énergétiques“ auf der das Logo von Total zu finden ist. Interviewt wurde Nicolas Meilhan, Ingenieur und Mitglied der „Éconoclastes“ sowievon ASPO France: Er sagt, dass die AIE eingestanden habe, dass der Peak Oil des konventionellen Öls 2010 überschritten worden sei. Die verschiedenen unkonventionellen Ölreserven werden stark steigend ausgeschöpft, leiden aber zunehmend unter den abgesackten Investitionen, Folge der abgesackten Ölpreise. Zu den Investitionen nennt er Zahlen: 2014 seien es noch 760 Mrd $ gewesen die mittlerweile auf 380 Mrd $ gefallen seien. Anschliessend spricht er vom maximalen Preis, das die Weltwirtschaft verdauen könnte und nennt die runde Zahl von 100$.
    Eine Meinung, die mir neu war vertritt er zur Frage, wieso der Ölpreis 2014 so stark sank: er sagt, die ASPO beobachtet seit 13 Jahren eine starke Korrelation zwischen dem Dollar-Euro-Kurs und dem Ölpreis. Je schwächer der Dollar desto höher der Ölpreis. Ab 2008 habe die Fed Unmengen von Dollars produziert, was dessen Wert drückte; ab Juni 2014 habe sie ihre Politik verändert und den Dollarwert wieder gesteigert, zeitgleich fiel der Ölpreis.

    Er meint, im November 2015 sei ein vorher und nachher unerreichtes Förderniveau von weltweit 80 Mio Barrel/tag erreicht worden.

    http://www.politiques-energetiques.com/interview-prix-petrole-nicolas-meilhan

  12. Patrick sagt:

    Zitat Stefan Wietzke: „aber Gesellschaften ohne hohen Energieverbrauch KÖNNEN NICHT ZIVILISIERT sein.“

    Ist das denn tatsächlich derart in Stein gemeißelt?
    Es scheint wohl so, dass (wenn man die Vergangenheit zum Vergleich heran zieht) es erstmal sehr wahrscheinlich ist, dass wir uns wieder zunehmend gegenseitig kannibalisieren, andererseits heißt es doch „Prognosen sind schwer, besonders wenn sie die Zukunft betreffen“.

    Man könnte ja mal die Frage stellen, ob es

    a) nicht doch auch in der Vergangenheit irgendwelche Beispiele/Epochen gab, die für eine halbwegs vorhandene Zivilisiertheit sprechen?

    b) nicht vielleicht doch Hoffnungsschimmer gibt, dass wir den zivilisatorischen Rückfall verhindern können?

    Es muss doch irgendwas geben, was Mut macht. Mir gefällt der Gedanke einfach nicht, dass wir nur da sitzen können und auf das mehr oder weniger Unvermeidliche warten, wo wir doch heute über so viel angesammeltes Wissen und Fähigkeiten verfügen.

  13. h.c. sagt:

    @Patrick

    Jetzt ist die Frage was Stephan mit dem Wort gemeint hat:


    zi·vi·li·si̱e̱rt – Adjektiv

    1. umg. -> anständig und so, wie es erwartet wird. -> „Kannst du dich nicht etwas zivilisierter benehmen?“
    2. mit einem relativ hohen Stand der Zivilisation. -> „eine zivilisierte Gesellschaft“

    Im Falle von Zivilisation (2.) gilt dann wohl das hier: https://de.wikipedia.org/wiki/Zivilisation:

    „Als Zivilisation wird eine menschliche Gesellschaft bezeichnet, bei der die sozialen und materiellen Lebensbedingungen durch technischen und wissenschaftlichen Fortschritt ermöglicht und von Politik und Wirtschaft geschaffen werden.“

    Aborigines, etc. pp können sich also anständig untereinander innerhalb Ihres Stammes verhalten – sind aber nach unserer Definition eher keine Zivilisation. Das gleiche mag auch für Eskimos gelten. Was haben die nachhaltig geschaffen? Hatten die Geld, Handel? Haben die Gebäude & Städte errichtet? Nein, die hatten so wenig (externe) Energie zur Verfügung – das es gerade mal für das Überleben und die Vermehrung gereicht hatte.

    • Patrick sagt:

      Naja, in aller erster Linie verstehe ich unter zivilisiert, dass wir uns nicht gegenseitig nach Lust und Laune die Kehlen aufschneiden, sondern eine friedliche Koexistenz anstreben.
      Dass z.B. nicht die reine Willkür, der Mob/die Milizen und das Gesetz des Stärkeren herrscht…also kein „The Walking Dead“ Szenario.

      Und das ganze nicht nur innerhalb eines Stammes / einer Gruppe, sondern eben vor allem auch darüber hinaus. Darauf kommt es letztlich an.

      • h.c. sagt:

        @Patrick

        Also das mit der Anständigkeit können „wir“ schaffen. Lass die Menschheit selbst bei primitivsten Niveau in kleine Dunbar-Gruppen zerfallen (max. 150 Menschen) und was wird schon Anständig wenn die überleben wollen (also zumindest innerhalb der Gruppen ;-)

  14. h.c. sagt:

    Wow!

    „Am Mittwoch verabschiedet die Bundesregierung voraussichtlich den Klimaschutzplan 2050. Heizungs-, Bio- und Erdgasunternehmen warnen vor dem darin festgeschriebenen Erdgas-Verbot – im Hinblick auf Kosten, Innovation und Geostrategie. „https://www.berlinjournal.biz/klimaschutzplan-2050-erdgas-verbot/

    Es sieht so aus, als ob auch die Politik Plan von ETP-Modell & Co., sowie dem Niedergang der russischen Gasförderung hat.

    Schön das die das ganze nicht als Ressourcenproblematik – sondern als „Klimaschutz“ vermarkten – damit die Bürger keine Panik bekommen.

  15. h.c. sagt:

    Spannend auch noch Folie 15 von Zittel bez. der Erdölreserven: http://www.vdw-ev.de/wp-content/uploads/2016/11/2016.10.24_Pr%C3%A4sentation_Werner-Zittel_web.pdf

    Die Saudis haben die meisten und bei Kanada (Nr. 2) und Venezuela (Nr. 3) sind es fast nur Schweröle und Teersände – welche in Zukunft fast komplett weg fallen werden (weil sie schon jetzt Netto-Energie-Negativ sein dürften).

    Wenn man dann auf Seite 41 schaut relativieren sich selbst Russlands Gasreserven – da das meiste Schiefergasreserven sind.

    • Stephan Becker sagt:

      Ich bin zugegebenermaßen kein Experte in Sachen Erdöl, auch wenn ich in den letzten etwa 12 Jahren viel zu dem Thema gelesen habe, vor allem von 2004 bis 2008, aber ich würde für die Reservenangaben von Saudi-Arabien, 35 Mrd. Tonnen laut BGR von 2016, meine Hand nicht ins Feuer legen.

      Im Sommer 2004 gab der Energie-Experte Matthew Simmons, der leider vorzeitig in einem Swimming-Pool ertrunken ist, eine Studie über die Situation der Erdölmengen in Saudi-Arabien heraus (u.a. bei damals energybulletin.net heute resilience.org):
      „Simmons: The Implications of Saudi Arabian Oil Declining (transcript – part 1 + part 2)“
      Demnach erwartete er damals einen baldigen drastischen Einbruch der Ölförderung Saudi-Arabiens aufgrund des damals schon hohen sogenannten „Water-cuts“, d.h. des Wasseranteils beim geförderten Öl aufgrund des massiven Einpumpen von Wassers unter die Ölreservoirs um den Druck oben zu halten. Allerdings hatte Simmons damals wohl noch nicht die Fracking-Technik auf dem Schirm.

      Ich denke dass man nicht nur in den USA Erfolge bei der Ölförderung mit der Fracking-Technik erreichen kann. Die Frage ist aber ob dadurch wirklich die Reserven erhöht wurden und nicht nur die Fördergeschwindigkeit. Saudi-Arabien hat doch seit Jahrzehnten keine Änderung mehr bei seinen Reserven vorgenommen, was bedeuten würde, dass seit Jahrzehnten dort die Förderung exakt so hoch ist wie die Neuentdeckung, was wohl einmalig auf der Welt wäre.
      Der Ölverbrauch in Saudi-Arabien steigt nicht nur aufgrund der steigenden Bevölkerungszahl, sondern auch aufgrund des steigenden Wohlstands (mehr Klimaanlagen, größere Autos, größere Wohnungen(?)) und vor allem demnächst aufgrund der versiegenden Grundwasserspeicher. Weshalb dann, trotz deutlicher Reduzierung des Wasserverbrauchs in der Landwirtschaft, verstärkt Trinkwasser durch Meerwasserentsalzungsanlagen gewonnen werden muss, was trotz sehr gut entwickelter Technik immer noch sehr energieaufwändig ist:

      Irrigated afforestation of the Sahara and Australian Outback to end global warming
      Leonard Ornstein, Igor Aleinov, David Rind
      Received: 14 January 2008 / Accepted: 28 April 2009 / Published online: 19 August 2009
      However, the cost of desalination of sea water, using reverse osmosis (RO), has very recently dropped to about $0.53 per cubic meter of fresh water produced, (pumping/pressurizing, 1.58 kWh/m3, reported as half of the cost, and the rest for amortization and maintenance (Service 2006)).

      Service RF (2006) Desalination freshens up. Science 313:1088–1090

      http://link.springer.com/article/10.1007/s10584-009-9626-y

      Gefunden hier: http://www.ithaka-journal.net/walder-in-der-wuste-pflanzen

      Voller Artikeltext bei Klicken auf „Download PDF“ rechts in der Seitenleiste oben.

      • h.c. sagt:

        @Stephan

        Die Saudis und andere OPEC Mitglieder hatten nachdem die Förderquote aufgrund der Reserven festgelegt wurde – alle Ihre Reserven massiv erhöht.

        Da ist soweit ich weiß nichts transparent, nichts unabhängig untersucht… alles muss man glauben, wenn man möchte.

        Das macht das ganze ja noch schlimmer – wir operieren mit Reserveschätzungen die komplett politisch bzw. fiktiv sind. Wenn die Saudis Aramco an die Börse bringen werden – dann werden Sie sich auch hüten die Reserven irgendwie nach unten zu korrigieren bzw. sich nachweisen zu lassen, das die viel zu hoch taxiert waren. Ggf. müssen Sie ja dann in den IPO Prospekten (Prospekthaftung?) konkreter werden.

        Tja, die Sache mit Simmons war wirklich schräg. Hat der nicht den Barschel gemacht? Also Badewanne? Simmons wirkte auf mich aber in den letzten Jahren seines Lebens nicht unbedingt gesund… also einen Herzinfarkt bei Ihm hätte ich für sehr wahrscheinlich gehalten – vergrößert über die Beschäftigung mit der Energiethematik, denn die ist sicher kein Selentröster…

  16. Michael Egloff sagt:

    Ihr Ungläubigen!
    Allah in seiner unendlichen Güte hat den Hütern von Mekka und Medina, also den Saudis, natürlich jedes Jahr genau die Menge an Öl neu wieder unter die Erde gepackt, die pro Jahr gefördert wurde.
    Weshalb seit 30 Jahren trotz erheblicher Fördermengen die Ölreserven genau konstant blieben.
    Aber das könnt ihr Nichtgläubigen euch natürlich nicht vorstellen.

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