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Rekord-Förderrückgang in Großbritannien

Die ASPO weist auf den Bericht "Energy Trends" von Dezember 2011 des britischen "Department of Energy and Climate Change" hin. Demnach fiel die Ölproduktion des ehemaligen Netto-Ölexporteurs Großbritannien binnen 12 Monaten um 22,5%. Das ist der größte Rückgang seit Überschreiten des britischen Peaks anno 1995. Entsprechend stark sank der Export, so dass Großbritannien nun Netto-Importeur von Mineralöl ist und damit als zusätzlicher Nachfrager auf dem globalen Ölmarkt auftritt - mit entsprechenden Wirkungen auf die Ölpreise.

Auch die Gasförderung sinkt im Rekord. Sie lag binnen 12 Monaten um fast 30% niedriger und ließ die Gas-Importe um über ein Drittel ansteigen. Die Kohleproduktion sank um 10% und die Kohle-Importe stiegen um 42%. Der Energieverbrauch sank im selben Zeitraum um nur 2%, wobei der Verbrauch im Transportbereich um 3% sank, im Industriebereich um ein halbes Prozent, jedoch der Haushalts-Verbrauch sogar um ein halbes Prozent anstieg. Die installierte Kapazität von Photovoltaik-Anlagen verdopppelte sich allein vom 3. zum 4. Quartal 2011 auf etwa 260 Megawatt.

Der Abfall der Förderraten sowohl bei Öl wie auch bei Gas und Kohle ist sehr viel größer als der Abfall der Verbrauchsrate. Dadurch ist Großbritannien gezwungen, verstärkt Energie und Energierohstoffe zu importieren. Um die Energieversorgung krisenfester zu bekommen müßte im Grunde die Verbrauchsrate in derselben Geschwindigkeit sinken, wie die Förderraten. So lange das nicht passiert wird das Land seine Nachfrage auf den internationen Märkten weiter ausbauen und seine zusätzliche Nachfrage wird die Preise für Öl, Gas und Kohle entsprechend treiben sowie die globale Verbrauchsgeschwindigkeit erhöhen. Die Importabhängigkeit stieg im Betrachtungszeitraum um fast 16% auf ein neues Rekordhoch von 42,2%. Großbritannien ist eines der wenigen Länder, die "Energie- und Treibstoffarmut" statistisch untersuchen. Laut jüngstem Bericht galten 2009 4 Millionen britische Haushalte als "treibstoffarm".

Vom 2. zum 3. Quartal 2011 gab es einen starken Sprung in den Such- und Entwicklungs-Aktivitäten der Öl- und Gasförderer an Land, während die Entwicklung bekannter Quellen im Meer stark zurückging. Seit Ende 2008 importiert Großbritannien steigende Mengen von Flüssiggasen, insbesondere aus Katar. Ende 2011 machte diese Quelle etwa die Hälfte des Import-Gases aus und fast ein Drittel des Gasverbrauchs. Da Flüssiggas üblicherweise in entsprechenden Tankern transportiert wird, sollte Großbritannien ein starkes Interesse daran haben, dass die Seestraße von Hormuz offenbleibt. Ein Konflikt würde Großbritannien frieren lassen, aber auch die zu fast 50% auf Gas basierende Stromversorgung gefährden. Aus diesem Blickwinkel dürfte es interessant sein, die britische Haltung zum Iran-Konflikt zu beobachten.

Es bleibt zu hoffen, dass sich die (deutschsprachige) Medienlandschaft in ihrer Benzinpreisanalyse auch solche Fundamental-Entwicklungen anschaut.

Peak Oil kommt in die Diskussion

So hart die hohen Benzinpreise für den einzelnen Autofahrer auch sind, sie sorgen für Belebung einer Debatte, die lange nicht geführt wurde aber längst überfällig ist. So titelt das Handelsblatt mit Verweis auf den Deutschen Industrie- und Handelskammertag: "DIHK warnt eindringlich vor zu hohen Benzinpreisen". Die Anschaffungskosten für Energie und Rohstoffe werden von den Industrievertretern als "Geschäftsrisiko Nummer eins" bezeichnet. Allerdings wird die Marke von 2 Euro als wichtiger Meilenstein gesehen - und davon sind wir ja weiterhin 30 Cent entfernt.

Auch im TV werden die Benzinpreise diskutiert, (mehr …)

Der Pendler-Rechner + TV-Hinweis

Der Pendler-Rechner ist vor einigen Jahren entstanden, um das Problem der Fahrtkosten mal ganz banal auf Stundenlöhne runterzubrechen. Dabei ist natürlich einige Ungenauigkeit vorhanden, insbesondere was steuerliche Fragen betrifft. Da aber letztlich relevant ist "was hinten rauskommt", können jene, die halbwegs eine Übersicht über ihr Einkommen, ihre Fahrzeiten und ihre Fahrtkosten haben, sich mal kalkulieren lassen, wie sich ihre Stundensätze entwickeln, wenn die Fahrtkosten steigen:

TV-Hinweis: Für morgen früh (Freitag, 30.03.) zwischen 8:30 und 9 Uhr bin ich (für 4 Minuten) ins ARD Morgenmagazin eingeladen, um die Diskussion zu Benzinpreisbremse und Energiesteuern zu kommentieren.

Bei der heutigen Lausitzer Energiekonferenz in Lauchhammer waren ca. 80 Bürgermeister und Verwaltungsmitarbeiter da, die alle still meinem Vortrag zum Thema "Die Bundeswehrstudie zu Peak Oil und ihre Bedeutung für Kommunen" lauschten. (Artikel der Lausitzer Rundschau, Büro für postfossile Mobilität Regionalentwicklung!)

Ölschwemme, Reservenfreigabe und Benzinpreisbremse: Politik und Analysten üben Preissenken

Bei der Onlineausgabe der englischsprachigen Financial Times sind die hohen Ölpreise heute Titelstory. Allerdings nur für registrierte Nutzer lesbar. SPIEGEL ONLINE zitiert mit Verweis auf die FT Marktanalysten, die einen niedrigeren Ölpreis in der Zukunft vorhersagen, dass künftig die Ölpreise ordentlich sinken werden, ja sogar eine "Ölschwemme" erwartet wird. Ihre Quelle: Die Future-Preise beim Öl, die beispielsweise für die Lieferung eines Barrels im Dezember 2018 nur 95 US$ ausweisen. Wer also heute ein Fass Erdöl zur Lieferung im Dezember 2018 über diese Future-Märkte kauft, erhält dieses zu eben jenem Preis (vorausgesetzt der Lieferant existiert dann noch). Übersehen haben die Marktanalysten möglicherweise die Selbstkritik der EZB, die an neuen Projektionswerkzeugen arbeitet, denn: Mit Blick auf eben diese Future-Preise hat die Europäische Zentralbank die Ölpreise der Zukunft regelmäßig unterschätzt und prüft deshalb derzeit die eigenen Methoden. Wichtig ist der künftige Ölpreis für die Prognose der Inflationsraten, die ihrerseits auf die Geldpolitik der EZB und die Auswahl der richtigen (!) Handlungen Auswirkungen hat. Die offizielle Teuerung bei Kraftstoffen zwischen Januar 2002 (Einführung des Euro) bis Dezember 2011 liegt in Sachsen übrigens bei 58,2%, bei Heizöl sogar bei 164,3% (Quelle: Statistisches Landesamt). (mehr …)

Elgin: Neuer Höhepunkt des fossilen Zeitalters

Das fossile Zeitalter hat möglicherweise einen neuen Höhe- oder besser Tiefpunkt erreicht: Die Bohrinsel Elgin in der schottischen Nordsee wurde evakuiert, weil große Mengen Erdgas ausgetreten sind. Die entstehende Wolke ist explosiv und enthält hochgiftiges Schwefelwasserstoff - das Gas, nach dem auch faule Eier riechen. Neben Elgin wurden auch zwei benachbarte Plattformen evakuiert, eine Zwei-Meilen-Sperrzone für Schiffe und eine Drei-Meilen-Sperrzone für Flugzeuge eingerichtet. Es ist schwer vorstellbar, dass Probleme auf der Plattform direkt dort behoben werden können. Deshalb denkt man nun offenbar über eine Entlastungsbohrung nach, deren Installation offenbar mehrere Monate dauern kann.

Mangels Strom liefert die Plattform keine aktuellen Daten. Ferndiagnose ist demnach schwierig. Die Fördermengen der Plattform entsprechen 3% der britischen Gas- und 5,5% der britischen Ölfördermengen. Die sowieso seit der Jahrtausendwende sinkende Öl- und Gasförderung Großbritanniens wird der Unfall nicht verbessern:

Was an Umweltschäden dazukommt dürfte die Kernfrage in den kommenden Wochen sein. Das Ereignis erinnert nicht nur fatal an die Katastrophe im Golf von Mexiko, es erinnert auch an Szenen aus dem Thriller "Der Schwarm" von Frank Schätzing. Dort spielt Methanhydrat eine große Rolle und auf dem Meer aufsteigende Gasblasen versenken so manches Schiff.

Die neuerliche Katastrophe läßt erahnen, was im Peak-Oil-Umfeld für großes Stirnrunzeln sorgt: Die Risiken der Förderung nehmen immer weiter zu. Nachdem die einfach zu erreichenden Lagerstätten längst erschlossen und in vielen Fällen ihre lokalen Peaks längst hinter sich gebracht haben, werden immer häufiger Lagerstätten erschlossen, deren Ausbeutung risikoreich und teuer sind - mit erhöhten Wahrscheinlichkeiten, auch Umweltkatastrophen mit sich zu bringen. Insbesondere die Tiefseeförderung ist schwierig. Von schwimmenden Plattformen werden mehrere hundert Meter durch Meerwasser und dann mehrere hundert Meter durch den Meeresboden gebohrt, um das dann geförderte Öl oder Gas in hunderte Kilometer langen, auf dem Meeresboden liegenden Pipelines an Land zu transportieren. Unwettern und Erosion sind die Teile dieser komplexen Struktur ausgesetzt und ihr Aufbau ist kosten- und energieintensiv. Es ist nur mit massiver maschineller Unterstützung möglich, überhaupt "Hand" an die Bauteile dieser Förderstrukturen zu legen. Ohne Maschinen wird nie ein Mensch jenen Punkt anfassen, an dem die Bohrung in den Meeresboden geht - ein direkter menschlicher Eingriff ist also, im Gegensatz zu Bohrungen an Land, unmöglich. Die Hoffnungen, weitere Ölvorräte in den Ozeanen zu finden, muss mit dem Bewusstsein einhergehen, dass die Aufrechterhaltung unseres heutigen Verbrauchs durch zusätzliche Risiken für jene Umwelt erkauft wird, die unsere Lebensgrundlage darstellt. Gerade heute wurde auch über Schäden berichtet, die die Deepwater Horizon-Katastrophe an Korallen im Golf von Mexiko hinterließ.

Zwar sind noch sehr große Mengen Öl und Gas unterirdisch verfügbar, aber Kosten und Risiken steigen. "Peak Oil" wird deshalb immer wieder auch übersetzt mit der Ansage: "Das Ende des billigen Öls".

Weitere aktuelle Infos:

Presseschau: Öl im Getriebe

Die hohen Ölpreise provozieren allerhand mediale Wellen:

2 Euro pro Liter Benzin in Italien, Saudi Arabien will Ölförderung erhöhen

In Italien ist es nicht nur eine einzelne Tankstelle (wie kürzlich in Paris), wo Benzin 2 Euro kostet. Dort werden die 2 Euro derzeit eher zum Standard. 30% mehr ÖPNV-Fahrgäste sind zu verzeichnen. Schön, wenn es ÖPNV gibt. In Deutschland gibt der ADAC Tank-Tipps: Kaufen Sie nur soviel Sprit, wie Sie unbedingt brauchen, wenn der Preis hoch ist! Kaufen Sie mehr, wenn er runter geht. Vergleichen Sie Preise. Tanken Sie im Ausland! Aha. Bei 1,70 Euro pro Liter findet sich das Thema in den Medien wieder - doch die ADAC-Tipps gehen natürlich am Kern vorbei. Und überhaupt: Die Autofahrer zahlen pro Monat 98 Millionen Euro zuviel, weil die Konzerne 4,7 Cent pro Liter extra kassieren - so zitiert die BiLD eine Studie von EnergyComment, erstellt im Auftrag der Grünen Bundestagsfraktion. Doch so einfach ist das nicht, (mehr …)

2 Euro pro Liter in Paris, Kriegsvorbereitungen der US-Marine

Eine einzelne Tankstelle in Frankreich hat einen (symbolischen) Rekord aufgestellt: 2 Euro pro Liter waren in der Rue Saint-Antoine die Tage zu zahlen. Im Rest Frankreichs liegt der Spritpreis bei etwa 1,65 Euro pro Liter Ottokraftstoff und bei 1,50 Euro pro Liter Diesel. Etwa 80% der französischen Privat-PKW benötigen Diesel. (Offizielle Kraftstoffinfos)

In Frankreich sind Präsidentschaftswahlen angesetzt und die Spritpreise dringen auch in den Wahlkampf vor. Michel-Edouard Leclerc, Chef und Inhaber der gleichnamigen Supermärkte, schlägt vor, (mehr …)

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