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Ölpreisschock, Ölabhängigkeit und Postfossile Mobilität

"Wenn Öl bei 100 Dollar je Barrel bleibt, wird es so schlimm wie 2008."

So wird Ex-IEA-Geschäftsführer Nobuo Tanaka im Handelsblatt zitiert: Experte warnt vor Ölpreisschock. In Europa (Brent) kostet Erdöl derzeit ca. 108 US$ pro Barrel, in Nordamerika (WTI) ca. 91.

Die bayrischen Grünen haben auf ihrem letzten Landesparteitag einen einstimmigen (!) Beschluss zu Peak Fossil gefasst und den zugrundeliegenden Antrag sehr positiv diskutiert, nachlesbar ist der Beschluss hier. Dazu hatte man Volker Plass von der Grünen Wirtschaft Österreich eingeladen.

Dennis Meadows ist immer noch in der Republik unterwegs, im Deutschlandradio Kultur sagte er im Gespräch folgendes:

Die deutsche Industrie ist zum Beispiel abhängig von seltenen Erden. China ist zu Eurem Hauptversorger geworden ist. Und wenn China nun beschließt die Exporte zu stoppen und den Preis anzuheben, sieht man plötzlich die Grenzen in diesem Bereich. Die Ölpreise steigen, Eure Exporte werden teurer. Deutschland ist wesentlich abhängiger von Energieimporten als jedes andere EU-Land, über 60 Prozent Eurer Energie wird importiert. Sobald jemand den Gas- oder den Ölhahn zudreht, werdet Ihr Eure Grenzen spüren.

Die Akademie für Raumforschung und Landesplanung hat ein Positionspapier "Postfossile Mobilität und Raumentwicklung" erarbeitet und veröffentlicht.

Unverändert gibt es gesellschaftlich sehr einflussreiche Interessengruppen, die postulieren, dass die Verfügbarkeit von Öl und Gas auch langfristig gesichert sei, obwohl eine weiterhin wachsende Nachfrage bei zugleich sinkenden Zuwächsen in den weltweiten Reserven nicht mehr bestritten wird (Würdemann, Held 2009: 752). Die Zeichen mehren sich, dass die Zeiten billiger Energie vorbei sind: Ein geringeres Angebot, größere Nachfrage sowie weitere Faktoren wie geopolitische Konflikte, Umweltkatastrophen (Schindler 2011) oder spekulative Preissprünge führen zu enormen Preisvolatilitäten und -anstiegen für den Energieträger Öl. Die Erschließung des erforderlichen neuen Erdöls wird demnach sehr teuer werden. Die Preisszenarien der Internationalen Energie Agentur (IEA) sind insofern wenig plausibel, werden sie doch fast jährlich der realen Entwicklung nacheilend nach oben korrigiert. Ähnliche Trends sind für andere Rohstoffe zu erwarten.

Obwohl der Begriff "Peak Oil" nur in den Literaturhinweisen vorkommt, sollte das Papier insbesondere für Akteure in der Raum- und Stadtplanung Pflichtlektüre sein, denn es zeigt auf, wie Verkehr und Raumentwicklung zusammenhängen, wie dies unter der Annahme steigender Ölpreise weitergeht und welche kurz- bis mittelfristigen Lösungsansätze sinnvoll sind.

Nachtrag: Griechenlands Elite flieht aufs Land (SPON)

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Grüne Bayern beraten über Peak Oil + Presseüberblick

Nach den sächsischen Grünen befassen sich nun auch die bayrischen Grünen auf ihrem nächsten Landesparteitag Ende Oktober mit einem Antrag zu Peak Oil:

Dass dieser Antrag angenommen wird ist wahrscheinlich, denn er wird sowohl vom Arbeitskreis Energie, als auch vom Vorstand und dem Parteirat getragen. Ob ein erfolgreicher Antrag Wirkung zeigt hängt davon ab, wie die Partei ihn in konkrete Forderungen im Landtag ummünzen kann, denn sie ist mit 19 Sitzen nicht an der Regierung beteiligt.

Dieser Tage zieht Jeremy Rifkin weiter durch die Lande. Sowohl in der ZEIT als auch im Deutschlandradio Kultur als auch in der PRESSE wirbt er für mehr Erneuerbare Energien und eine dritte industrielle Revolution. In beiden Interviews betont er, dass aus seiner Sicht die Finanzkrise ihren Ursprung in den hohen Ölpreisen im Sommer 2008 hatte. Weniger aufgeregt spricht Daniele Ganser (ASPO Schweiz) mit der Obwalden und Nidwalden Zeitung anläßlich eines Vortrags im Wirtschaftsforum Unterwalden. Und auch im österreichischen Magazin relevant mahnt Klimaforscherin Helga Kromp-Kolb mit Verweis auf Peak Oil eine Energie-Revolution an.

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