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transition ist kein Substantiv

Gedanken zur Transition-(Un-)Konferenz 2012

„transition“, sprich: tränsisch'n. Oder auch: transition town. Im deutschsprachigen Raum manchmal als „Stadt im Wandel“ übersetzt. Zivilgesellschaftliche Reaktion auf Bedrohungsszenarien wie Peak Oil, Klimawandel, Umweltzerstörung, Wirtschaftskrise. Zielstellung: Widerstandsfähige (resiliente) Stadtstrukturen, Gemeinschaften und Unternehmen aufzubauen. Stark verbunden mit Prinzipien der Selbstorganisation, modernen Designprinzipien (Permakultur) und systemisch/kybernetisch/ganzheitlichen Betrachtungsweisen. Bekannte Akteure, Befürworter oder Sympathisanten: Rob Hopkins, Dennis Meadows, Horst Köhler.

Ich durfte den Tiefpunkt einer auf positive Bilder ausgelegten Konferenz markieren mit einem Vortrag über unseren aktuellen Stand zu Peak Oil. Tiefpunkt, weil es auf dieses übergroße Thema keine einfachen Antworten gibt und seine Dimension bei Entscheidungsträgern oder in der gesellschaftlichen Wahrnehmung bislang nur sehr beschränkt ankommt. Da freut es zwar sehr zu hören, wenn meine Studie für die sächsische Grüne Landtagsfraktion über diverse Schreibtische gereicht wurde und zu Überlegungen im Kleinen führt oder der letztjährige Artikel in der Zeitschrift für Sozialökonomie als gedankliche Stütze für Entwicklungen in einzelnen Kommunalverwaltungen genutzt wird, aber klar muss sein: Eine breite Debatte über das Leben nach dem Öl findet (noch) nicht statt.

Muss ja auch nicht, sagt man dort, wo man das Konzept eines Ölfördermaximums prinzipiell ablehnt. Und dort, wo man die Technologieentwicklung der Vergangenheit bruchlos in die Zukunft fortschreibt und sich zurückzieht auf den Standpunkt: „Uns wird schon etwas einfallen“ und mit „uns“ vor allem „die Ingenieure“ meint. Das Technikvertrauen zu Beginn des 21. Jahrhunderts ist enorm, auch wenn die Versprechen, die Filme wie „Zurück in die Zukunft“ gemacht haben, nicht eingehalten wurden. Kann Technologie die menschliche Gesellschaft aus allen Herausforderungen herausführen?

Was, wenn nicht?

Es ist nötig, diese Frage zu denken! Jeder Mensch, dem mal etwas Unerwartetes passiert ist weiß: Die Dinge kommen manchmal anders, als sie geplant wurden. Das ist nicht problematisch, sofern es sich um die Verspätung der Deutschen Bahn handelt und der Anschlusszug wartet. Doch wenn Unerwartetes in Systemen auftritt, die lebensnotwendig sind, dann ist es gut, wenn es einen Plan B gibt.

Die Aussichten, die uns Peak-Oil-Szenarien vor Augen führen, sind meist wenig rosig. Es besteht das Risiko des Reißens ganzer Wertschöpfungsketten, des Ausfalls von Transportstrukturen, der Notwendigkeit dirigistischer Eingriffe des Staates - das Risiko eines Zusammenbruchs der bekannten Ordnung und der Versorgung der Bevölkerung - vor allem in den großen Städten. Die Abhängigkeit all unserer lebenswichtigen Strukturen vom Öl ist extrem und wie die meisten Süchtigen wollen wir nicht über diese Abhängigkeit sprechen. Zumal den meisten, die sich auf die dunklen Seiten dieser Überlegungen einlassen, klar wird, dass es eben keine einfachen Lösungen gibt sondern jeder Weg zu einer möglichen Lösung sehr wahrscheinlich unsere Lebensmuster drastisch verändert. Hier zeigt sich ein Dilemma unserer aktuellen gesellschaftlichen Situation: Zwar spüren viele Menschen spätestens seit dem Ausbruch der Finanzkrise 2007, dass systemische Probleme die Grundlagen des gesellschaftlichen Fundaments erschüttern, aber eigentlich wollen wir doch, dass (fast) alles so bleibt, wie es ist. Es ist doch so schön.

Und vor allem: Die Bedrohungsszenarien sind so beängstigend! Sich ihnen auszusetzen bedeutet, sich Streß auszusetzen. Wer macht das schon freiwillig?

Die Frage kann man jenen stellen, die an diesem Wochenende in Witzenhausen waren. 120 Teilnehmer auf der dritten Transition (Un-)Konferenz in einer Kleinstadt, die Eingeweihten durch ihre Aussenstelle der Uni Kassel bekannt ist: Dem einzigen universitären Institut zum Thema ökologische Landwirtschaft in Deutschland. Hier fanden sich genügend Organisatoren, die überwiegend ehrenamtlich diese Konferenz organisiert haben. Warum kommen 120 Menschen quer aus Deutschland aber auch aus Norwegen, der Schweiz oder Israel in dieses „Kaff“, um sich mit Ideen zu befassen, die so weit außerhalb des gesellschaftlichen Hauptstroms liegen, dass die Frage durchaus berechtigt ist, ob denn tatsächlich dort die künftige gesellschaftliche Ordnung aufscheinen soll.

Am drastischsten beantwortete diese Frage vielleicht der Film „Die Ökonomie des Glücks“ („the economics of happiness“), der am Samstagnachmittag im Witzenhausener Capitol lief. Man kann den Film als 68minütigen Werbetrailer für lokale Strukturen sehen, die einer fragwürdigen Globalisierung entgegengesetzt werden sollen. Man könnte ihn als politisches Statement lesen, welches linksgerichtete Filmemacher der Ideologie des freien Welthandels und der Deregulierung der Privatisierungsmaschine gegenüberstellen. Aber man muss bei solcherlei Kategorisierung dann fragen, warum ein israelischer Unternehmensberater mit Wurzeln in Solingen und eine seit vielen Jahren im Filmvermarktungsgeschäft tätige Powerfrau eine Ethnologin in einem Film zeigen, die im zugeschalteten Live-Stream schlicht besorgt aussieht. Besorgt über die „8 Wahrheiten der Globalisierung“, die einem in der ersten halben Stunde des Films nochmal vor Augen führen, dass die mitteleuropäische „Insel der Glückseligkeit“ Nebenwirkungen in anderen Kulturen auf diesem Planeten hervorruft, die diese Kulturen im Grunde assimilieren. Der amerikanisch-europäische Lebensstil frisst die Vielfalt des Planeten und hinterläßt eine Mono-Kultur, zu der kulturelle Errungenschaften wie Müllverbrennungsanlagen, Arbeitslosigkeit und Altersheime gehören. Der Kulturkolonialismus, den der Film aus einem psychologischen Blickwinkel her zeigt, installiert aber eben auch jene Abhängigkeiten weltweit, die wir hierzulande als selbstverständlich und völlig unproblematisch hinnehmen: Abhängigkeiten von Öl als Energierohstoff, von Wertschöpfungsketten, die quer über den Globus reichen und von Fremdversorgungsstrukturen, die jede Stadt im Chaos versinken lassen, wenn sie mal für 2 Wochen lahmliegen. Der Film macht deutlich, dass da einiges im Argen liegt. Global.

Was der Gesellschaft fehlt, deren Teil wir sind, ist das konkrete Bild, wie es denn besser sein könnte. Und man kann und muss streiten, ob das, was der Film in seiner zweiten Hälfte als Bild umreißt, der Weisheit letzter Schluss ist: Eine zunehmende Lokalisierung. Lokalisierung der Wirtschaftsstrukturen, der kulturellen Vielfalt, der Einflussnahme des Einzelnen. Wie jede Vision, die gesellschaftliche Strömungen seit alters her anbieten, gilt es auch diese kritisch zu hinterfragen. Doch das Bedeutsame an dieser von „Ökonomie des Glücks“ transportierten Vision ist: Es ist endlich mal eine! Die Idee zu sagen, man holt die (lebens)wichtigen Strukturen in den eigenen, lokalen Einflussbereich und tut dies, indem man eben jenen kleinen Einflussbereich nutzt, den jeder von uns vor der Haustür liegen hat, hat das Potential, die Sucht-Starre aufzulösen. Das dürfte der Grund sein, warum sich 120 Menschen in einer Kleinstadt treffen. Und das macht „Die Ökonomie des Glücks“ so wertvoll.

Spannend ist, dass auch das Geschäft der Filmemacher sich wandelt. Sie wollen ihr Wissen und ihre Sorgen transportieren, versuchen Lebensunterhalt und gesellschaftliches Engagement unter einen Hut zu bringen. Auch andere Teilnehmer der Tagung berichten, dass sie nach Wegen aus dem (Hamster-)Rad der herkömmlichen Ökonomie suchen, was ja zwangsläufig nötig wäre, wenn denn klar ist, dass unsere heutige Wirtschaftsweise nicht „nachhaltig“ ist - wie das heute so schön heißt. Wenn denn „mehr Nachhaltigkeit“ tatsächlich nötig ist, bedingt ein Transformationsprozess zu eben diesem „Mehr“, dass die Strukturen sich verändern. Wenn jeder Wirtschaftsteilnehmer, zu denen wir alle gehören, in alle Zeit dieselben Dinge am selben Ort in derselben Weise tut, dann ist das eben kein Wandel. Mehr Nachhaltigkeit ohne Veränderung ist wie Fernweh ohne loszugehen: Träumerei! Wandel hin zu mehr Nachhaltigkeit bedeutet zwangsläufig ein Verändern der alten Strukturen und damit eine Verlagerung zu neuen: Veränderung ohne Veränderung geht nicht. Wie stark diese Verlagerung sein muss oder sollte, ist eine interessante Frage! Wie mögliche neuen Strukturen aussehen ist derzeit nur bedingt fassbar und so ist die Suche nach dem Neuen ein Stochern im Nebel und ein Gehen auf unbekanntem Terrain. So wie die Europäer Amerika besiedelt haben - so könnte man die Transition-Ideen beim aktuellen Stand als eine Art „Reisevorbereitung“ für den Aufbruch zu neuen (gesellschaftlichen) Kontinenten ansehen. Wir wissen nicht, wo das „neue Amerika“ liegt, wo genau man langschippern muss, was einen dort erwartet - aber wir ahnen, dass es anderswo besser sein könnte, als auf dem alten Kontinent.

Das Wort „transition“ kennzeichnet dabei, worum es geht: Um einen Veränderungsprozess. tran.sit. hat Declan Kennedy in seinem Vortrag zur Geschichte permakultureller Designprinzipien die Bewegung abgekürzt und zugleich den Bogen zu Occupy geschlagen: sit. Occupy, ebenso wenig mit wenigen Worten fassbar wie „transition“, hat sich durch Sit-ins auf großen städtischen Plätzen weltweit einen Namen gemacht und ist genau wie transition Ausdruck einer weltweiten Unzufriedenheit mit dem, was ist. „Wir sind die 99%“ hätte jeder rufen können, der Declans Frau Margrit Kennedy am Samstagabend über die Vermögensverteilung sprechen hörte. Sie sprach unter anderem über die systemisch bedingte Dynamik der Geldströme von Arm zu Reich durch das Finanzsystem - quasi eine Art verdeckte Sklaverei, die die Lebenszeit von Milliarden Menschen zugunsten einer kleinen Gruppe Super-Reicher transferiert. (Die Zeit-Diebe der Zeitsparkasse in Michael Endes „Momo“ lassen grüßen.) Die Architektin Kennedy thematisiert seit 30 Jahren diese Funktionsweise unseres Geldsystems und gilt als Mutter der deutschsprachigen Experimente, selbst Geld zu machen. „Regiogeld“ gilt als „aus der Zeit gefallen“, leben wir doch in Europa seit 2001 in einem kontinentalen Währungsraum. Regiogeld folgt der Idee, neue Geldsysteme auf lokaler Ebene auszuprobieren und dabei das traditionelle Geld-Gestaltungsmuster zu überdenken: zentral, effizienzgetrieben, wenig demokratisch. Warum Regiogeld bei transition eine Rolle spielt wird klar, wenn man sich überlegt: Wenn man Wirtschaftstrukturen lokaler gestalten will, welche Gestaltungswerkzeuge haben wir dann überhaupt? Peak-Oil-Szenarien besagen zwar, dass mit dem Ende des billigen Öls die Transportwege kürzer werden und die Menschen wieder lokaler Wirtschaften. Aber damit das funktioniert ist es natürlich sehr hilfreich, wenn noch regionale Strukturen existieren, auf die sich aufbauen läßt. Und so steht jedem Peak-Oil-Besorgten ja immer die Frage im Kopf: Was könnte man denn heute schon tun, damit notwendige Anpassungen nicht zu spät kommen?

Im Open Space zur Frage, wie sich das Thema Peak Oil in die kommunale Politik tragen läßt, wurde deutlich, dass in den meisten Kommunalverwaltungen und bei den (oft ehrenamtlichen) Kommunalpolitikern die tagesaktuellen Problemstellungen überwiegen. Eine Straße muss repariert werden? Der Haushalt muss diskutiert werden? Die kommunalen Schulden wachsen über den Kopf? Die Bewohner wandern ab? Das Schwimmbad muss geschlossen werden? Wo bleibt bei diesem Stakkato an alten und neuen Problemen denn Zeit, die strategische Frage wirklich zu durchdenken: Wie funktioniert die Stadt ohne Öl? Es gibt sie, die engagierten Kommunen, die sich freuen, wenn die Bürger Dinge selbst in die Hand nehmen - und diese dabei unterstützen (z.B. in Basel). Es gibt sie, die Verwaltungsmitarbeiter, die sich als Dienstleister für die Bürger verstehen, von denen sie bezahlt werden. Aber wie findet sie der interessierte Bürger, der helfen will, die eigene Stadt lebenswerter zu machen und funktionsfähig zu halten? Resilienz, also „Widerstandsfähigkeit“ gegenüber jeglichen Verwerfungen von außen, ist Kernidee des Transition-Gedankens, gilt bislang aber nirgendwo als echte kommunale Zielstellung. In den heutigen Kommunen gilt trotz aller Probleme meist weiterhin: „Wir müssen uns im Standortwettbewerb behaupten!“ (Und man nimmt haufenweise Subventions-Geld in die Hand, um Unternehmen aus anderen Kommunen abzuwerben, und nennt das dann „Wirtschaftsförderung“.) Was es braucht, um Peak Oil an kommunale Entscheidungsträger heranzutragen ist Beharrlichkeit, Glaubwürdigkeit und eine Liste mit unbequemen Fragen - so könnte man die Ergebnisse des Workshops zusammenfassen (Flipchart 1, Flipchart 2). Unter dem Stichwort der Daseinsvorsorge sollte es eigentlich Pflicht der Verwaltungen sein, strategische Überlegungen zu Peak Oil anzustellen. Eine Frageliste könnte helfen, diese Pflicht in den entscheidenden Köpfen auftauchen zu lassen.

So wie transition eben kein starres Konzept ist, müssen auch die Formen weiterentwickelt werden, mit denen Konferenzen wie diese künftig organisiert und strukturiert werden. Open Space ist fein, produziert aber oft oberflächliche Ergebnisse, wenn nicht genügend Zeit zur Verfügung steht. Zentrale Treffpunkte (wie Witzenhausen) sind gut, aber für viele Menschen dennoch nur durch stundenlange Reisen erreichbar. Herz-und-Seele-Angebote sind notwendig (wenn man die psychischen Belastungen betrachtet, die Bedrohungsszenarien wie Peak Oil oder der Klimawandel auslösen können), aber die Themen und ihre Präsentationsweise müssen anschlussfähig am Hauptstrom der Gesellschaft bleiben. Spannend wäre, wie erfahrene Kulturschaffende wie Theatermacher oder Konzertveranstalter transition-Ideen verarbeiten würden, um sie dem „Bildungsbürgertum“ in den Großstädten nahezubringen. Spannend wäre, wie Kindergärten oder Schulen transition-Ideen benutzen würden, um mit Kindern die wichtigen Zukunftsfragen zu diskutieren. Spannend wäre auch, wenn Unternehmer sich dem Experiment aussetzen, wie denn ihr Geschäftsmodell in einem transformierten Umfeld funktionieren würde. Das Potential dazu hat dieser Ansatz, das zeigt sich in der Vielfalt der Teilnehmer an der (Un-)Konferenz 2012: Neben Theatermachern und Lehrenden waren auch Unternehmer da, ich begegnete aber auch: einem Verwaltungsmitarbeiter, einem ehemaligen Ingenieur einer Erdöl-Raffinerie, der Landwirtin Christine Rüther (die das Konzept der Solidarischen Landwirtschaft am Beispiel ihres Gemüsebetriebs vorstellte), einem Politologen, einer Journalistin, einem Umweltpsychologen. Punk meets CDU-Mitglied: transition ist offenbar anschlussfähig an allen gesellschaftlichen Schichten. Das macht Hoffnung.

Um diesen Ansatz voranzutreiben, braucht es vor allem Ressourcen und mutige Entscheider. Ressourcen, um professionellere Strukturen aufzubauen, die Konferenzen wie diese nicht zur Selbstausbeutung werden lassen und um mehr Teilnehmer anzulocken. Ressourcen, um überregionale Vernetzungsstrukturen aufzubauen. Ganz konkret braucht es Geld für die Synchronisierung des Films „Die Ökonomie des Glücks“, der ab 1. November ins deutsche Kino kommt und mit deutschen Untertiteln zwar funktioniert, aber die Aufmerksamkeit der Untertitel-Leser stark strapaziert. Synchronisiert könnte er als Werkzeug in vielen deutschsprachigen Städten eingesetzt werden, um für die Zusammenhänge zwischen Globalisierung, Ölabhängigkeit und Umweltfragen zu sensibilisieren und die Idee in die Diskussion zu bringen, mehr lokal zu wirtschaften.

Damit das Ölfördermaximum kein Tiefpunkt der menschlichen Zivilisation wird, braucht es Ideen, die nicht nur von Technik-Ingenieuren erdacht und umgesetzt werden, sondern auch sozialen Wandel. „Transition Town“-Initiativen scheinen Kristallisationpunkt zu sein, wo über diesen Wandel auf lokaler Ebene nachgedacht und er im Rahmen des Machbaren ausprobiert wird. Um den Austausch zwischen den Akteuren des Wandels zu ermöglichen, braucht es Zusammenkünfte wie die Transition-Konferenz in Witzenhausen. Dank an die Organisatoren und Helfer.

interessante Zitate:

  • „Es gibt Liberale in der FDP.“ in der Diskussion um passende Ansprechpartner in der Lokalpolitik.
  • „Banküberfall.“ als Antwort auf die Frage, woher denn Geld für professionelle transition-Strukturen zu bekommen ist.
  • „Der beste Lehrer macht sich selbst überflüssig.“ Declan Kennedy über die Universitätslehre.
  • „Das spornt mich extrem an.“ Christine Rüther über den Motivationsschub, der sich durch das Konzept der solidarischen Landwirtschaft ergibt, bei dem der Landwirt die Leute persönlich kennt, für die er den Salat erntet.

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16 Kommentare to “transition ist kein Substantiv”

  1. wolfswurt sagt:

    Das Mißverhältniss von Raum/Population ist die Ursache aller Übel.

    Dieses Verhältnis ist derart aus dem Gleichgewicht, daß es durch den Verstand nicht mehr gelöst werden wird.

  2. Marcus Kracht sagt:

    Danke für diese ehrlichen Kommentare. Ich fürchte, der Wandel wird erst unter Zwang kommen. Wer das nicht glaubt, der lese Max Weber. Er hat die gesellschaftlichen Rationalisierungstendenzen bereits vor hundert Jahren glasklar beschrieben. Er sagt, der Zwang zur Mechanisierung bzw die Versklavung unter eine mechanistische Ordnung werde erst dann nachlassen, wenn die letzte Tonne Kohle verfeuert ist.

    Dmitry Orlov sagt, vielleicht sei es das Beste, sich für diesen Moment bereit zu halten. Das klingt mir zwar zu pessimistisch, aber vielleicht hat er ja Recht, wenn er sagt, vorher sei die Mehrheit nicht bereit, wirklich zuzuhören. Bis dahin sollten wir einfach fröhlich herumexperimentieren und uns geistig vorbereiten.

    • Tom Schülke sagt:

      Das ist sicher eine wichtige Strategische Frage für die, denen die möglichen (wahrscheinlichen) Konsequenzen von PO bewußt sind.

      Sollte man sich auf die Konzentrieren, bei denen man auf offene Ohren stößt und kann so unter Umständen mehr erreichen, als würde man intensiv aber letztlich Erfolglos die zu informieren versuchen, die ohnehin nicht hören wollen oder können ?

      Ich glaube auch nicht, dass wir einen Umschwung der Macht ins Gesicht schlägt.

      Wenn ich Hoffnung habe, dann eher dafür, dass wir die einen oder anderen Keime sähen können, die zum richtigen Zeitpunkt Früchte tragen (könnten). Leider besteht die Gefahr, das das nicht ausreicht.

      um mit David Korrowitz, dem Autoren von „Tipping Point“ zu sprechen..

      All unsere Ansätze sind gut und richtig. Aber sie stehen leider in keinem Verhältnis zur hypothethischen Bedrohung. Andererseits haben wir keine andere Wahl oder ?

      Am Ende werde ich mich selbst dann besser fühlen, wenn wir Scheitern , unsere Kinder uns aber wenigstens nicht vorwerfen können, dass wir trotz besserer Einsicht untätig waren.

      Und dann sehe ich mir wiederum die Entwicklung von Kuba bei deren künstlichem PO an, und Frage mich ob wir selber nicht zu pessimistisch sind. Denn wenn die Einsicht erstmal reift, sind Menschen zu großen Dingen fähig.

      • Tom Schülke sagt:

        Ähm.. Satz verloren gegangen..

        wollte schreiben:

        Ich glaube auch nicht , dass wir einen Umschwung der öffentlichen Meinunung herbeiführen können, bevor uns die Krise mit Macht ins Gesicht schlägt..

    • Christoph Senz sagt:

      Hallo Tom,

      könntest du dich bitte mal bei mir melden. Ich habe eine Idee für ein paar Visualisierungen.
      Leider habe ich deine Dienst-Mailadresse nicht mehr…:-(
      Hast du meine Mail auf deiner gmx-Adresse bekommen?

      Viele Grüße

      Christoph

  3. feuerkugel sagt:

    @Marcus Kracht
    Erzeugt nicht gerade die Systemtheorie bzw. die Kybernetik, durch die vollständige Zerteilung der Welt in Schaltkreise, Feedback loops und Komponenten, eine mechanistische Ordnung?
    Der „systemische“ Ansatz, was eigentlich nichts anderes ist als Rationalisierung, ist gerade in der Peak-Oil-Bewegung sehr tief verankert. Folgender Dokumentarfilm ist diesbezüglich sehenswert: All Watched Over by Machines of Loving Grace 2/3 – The Use and Abuse of Vegetational Concepts

    Versklavung unter eine mechanistische Ordnung ist auch mit sauberen Energien möglich und vielleicht sogar noch unausweichlicher, zumal die selben Forderungen nach Dezentralisierung, widerstandsfähigen Strukturen und Energieeffizienz auch bei Kurzweil zu finden sind und man mittels Biotechnologie aus dem Menschen zukünftig ein vollständig regulierbares Bestanteil des Systems machen könnte. Anders gesagt ist die Technik- und Fortschrittskritik seitens der Transition-Bewegung wahrscheinlich eine Nebelkerze, da es sich hier offensichtlich um eine technologische Utopie (Cleantech, Vernetzung usw.) handelt.

    Ich bin zwar mit Ihnen einverstanden, dass der einzige Ausweg ein Zusammenbruch der Zivilisation bzw. eine Rückbildung der Technologie ist. Ein „Wandel“ (Lösung der Energieprobleme) würde aber gerade einen solchen Zusammenbruch verhindern und folglich einen Ausweg unwahrscheinlicher machen.

    • Lieber @feuerkugel!

      Sehen wir es so: das soziologische Vokabular, wie auch das systemtheoretische etc lässt sich auf fast alles anwenden. Es ist abstrakt. Weber meinte das auch so. Wir können die Natur als Ansammlung autonomer Agenten sehen, oder nicht, wie auch immer. Die zentrale Frage ist, was wir davon lernen. Der kommende Energiemangel ist gewiss Zwang, der uns große Härten zumuten wird. Und ob jetzt die Versklavung der Menschen aufhört, wenn die sauberen Energien kommen, würde Max Weber wahrscheinlich verneinen. Dennoch liegt der Unterscheid zu früher in der kollektiven Bedrohung, die wir füreinander geschaffen haben.
      Das Bedrohungsarsenal ist so enorm, dass wir uns wünschen müssen, dass es verschwindet.
      Ich stimme also zu, die gesellschaftlichen Utopien der Öko- und Wandelbewegung sind, nun ja, Utopien. Aber sie zeigen die richtige Richtung.

      Das einzige, was wir mit Sicherheit wissen, ist, dass unser jetziger Pfad in die Katastrophe mündet. Die Gesellschaft aber fährt wie ein Tanker stur geradeaus. Die Zeit, einander zu erklären, was die Stunde geschlagen hat, haben wir wohl bald nicht mehr. Was also ist zu tun?

      @Bettina bringt es auf den Punkt: weitermachen! Nicht enttäuschen lassen, wenn keiner hinhört. Es war nicht anders zu erwarten. Wir sind es aber uns und den anderen schuldig, dass wir weitermachen.

      • feuerkugel sagt:

        Ich denke nicht, dass diese Utopien in die richtige Richtung zeigen. Durch die Forderung nach sauberen Technologien und einer Verhaltensveränderung (Gewaltlosigkeit, mehr Kooperation, weniger Fleischkonsum, usw.) wird die Lebensdauer der technischen Zivilisation erhöht und dies könnte sich angesichts neuer Technologien wie z.B. der synthetischen Biologie als fataler Fehler herausstellen. Nicht nur, weil künstliche Organismen beträchtliche Umweltschäden im Falle einer versehentlichen oder gewollten Freisetzung(Geo-Engineering, biologische Waffe) anrichten könnten, sondern auch weil zunehmende Überwachung, Kontrolle und Fremdbestimmung notwendig wird um kriminelle oder terroristische Anwendungen dieser Technologien auszuschliessen. Zudem könnte es auch sein, dass nach einer gewissen Zeit die Verhaltensveränderung durch andere Mittel als PR und Überzeugungsarbeit durchgesetzt wird (siehe dazu z.B.: Genetically engineering ‚ethical‘ babies is a moral obligation). Warum gerade Umweltorganisationen diese Entwicklung vorantreiben ist deshalb mehr als merkwürdig.

  4. Lieber Norbert,

    da hilft nur weitermachen.

    Liebe Grüße aus Düsseldorf

    Bettina

  5. wolfswurt sagt:

    @Marcus Kracht

    Was Weber noch nicht ahnen konnte ist: die totale Abhängigkeit von „Der Maschine“, welche das Leben in unserer heutigen Zivilisation bestimmt.

    Diese Abhängigkeit von Maschine/Technik führt nun zu einem psychologischen Zustand des Menschen, welcher bei kleinsten Störungen im technischen Ablauf unkalkulierbar reagieren wird.
    Das Wesen Mensch wird alles tun, um die durch die Technik bequemen Lebensverhältnisse zu erhalten, bis hin zur Unterwerfung als Sklave unter die Herrschaft der Technik.
    Diese Unterwerfung findet in allen Schichten der Bevölkerung statt und am intensivsten in der Oberschicht, sind es doch jene die am bequemsten durch Technikeinsatz ihr Leben gestalten.

    Diese bedingungslose bereits stattfindende Unterwerfung, erinnert sei hier nur an die unmenschliche Nachtarbeit an Maschinen zur Produktion sinnloser Güter, wird Verhaltensweisen im Störunsfall, z.B. durch Energiemangel, hervorrufen, welche uns die Augen reiben lassen werden.

    Diese zu erwartenden kollektiven psychologischen Verhaltensstörungen werden furchtbarer sein als PO selbst.

    Ölmangel ist auszugleichen – Strommangel nicht.

    Strom ist die Grundlage unserer heutigen zivilisatorischen Lebensweise schlechthin.
    Und um diesen Zustand zu erhalten werden die Menschen wiklich bereit sein dafür die letzte Tonne Kohle und den letzten Baum zu verheizen.

    • Tom Schülke sagt:

      Das sehe ich anders.

      Strommangel ist ein tiefgreifendes schwerwiegendes Problem. Das Gedankenexperiment, was denn in unserer Zivilisation geschehen würde, wenn wir einfach mal für 2 Wochen keinen Strom haben spricht Bände. So wie ein Zusammenbruch der Finanzmärkte würde eine Ansteckungsgefahr für andere Wirtschaftsbereiche bestehen, die zu einem Zusammenbruch führen könnte.

      Und dennoch ist Öl wesentlich gravierender als Strom. Denn mit Strom bekommen wir bei der aktuellen Struktur unserer Transportketten die Kartoffel nicht auf den Teller. Pestizide, Kunststoffe usw. sind alle abhängig von Öl und trecker fahren auf absehbare Zeit mit Diesel.

      Das vorrangige Problem ist doch der Transport und unsere Abhängigkeit von globalisierten Liefer- und Produktionsketten. Da scheint mir Öl leider doch relevanter als strom.

  6. wolfswurt sagt:

    Nachtrag:

    Trotz dieser Sichtweise habe ich einen Wald von 1600 Buchen und 3200 Eichen gepflanzt.

  7. Ich greife noch einmal einige Bemerkungen auf. Wahrscheinlich sind wir uns im Wesentlichen alle einig, aber ich wollte einige Unklarheiten meinerseits beseitigen.

    1. Kurzfristig ist sowohl Öl- wie Strommangel ein schwerwiegendes Problem. Ich erlebe es täglich, wie sich unsere Gesellschaft immer stärker von Computern abhängig macht. Ein Ausfall würde totalen Stillstand bedeuten ähnlich einem Lock-In-Syndrom. Alles Weitere hängt von der Fähigkeit und Bereitschaft der Menschen ab, zu improvisieren.

    2. Die Sozialutopien weisen schon die richtige Richtung, denke ich. Wir werden wohl nicht dort ankommen, aber sie müssen uns Richtschnur sein. So war es immer. Religionen waren und sind auch Sozialutopien, vergessen wir das nicht. Das war es, was ich mit Richtung meinte, nicht die Technikutopien. Von denen halte ich nicht viel. Dass auch saubere Technik nicht unbegrenzt zur Vefügung stehen wird (von freier Energie mal zu schweigen), dämmert so langsam vielen.

    3. In der Tat sind die heutigen Kontrollmechanismen erschreckend. Max Weber hat sie nicht ahnen können, aber hätte man ihm die Technik gezeigt, er hätte sofort verstanden, wo sie hinführen wird.

    4. Alles scheint darauf hinauszulaufen, dass unsere technische Zivilisation erst dann wirkungsvoll infrage gestellt wird, wenn sie gegen die Wand gefahren ist.

    5. Wir dürfen nicht aufgeben.

    Herzliche Grüße an alle,

    Marcus

  8. feuerkugel sagt:

    Bei sozialen Utopien sehe ich das Problem, dass viele Werte grundsätzlich mit den Erfordernissen dieser Zivilisation übereinstimmen und in vielen Fällen mit dem Einsatz von Technologien besser zu verwirklichen sind(z.B. mittels Propaganda die Konflikte innerhalb der Gesellschaft zu reduzieren oder mittels Internet die Menschen zu verbinden). Nicht zu unterschätzen ist in diesem Zusammenhang, dass aus humanistischer Sicht jeder zum Unmenschen wird der die technische Entwicklung aufhalten will, denn die Überbevölkerung sowie AIDS oder Krebs machen den technischen Fortschritt durchaus notwenig, will man das Leben der Menschen verbessern – obendrein eine verbreitete Rechtfertigung für Forschungen im Bereich der Biotechnologie. Natürlich gibt es verschiedene Strömungen innerhalb der humanistischen Weltanschauung und eine paar Werte wie Freiheit(Selbstbestimmung) und Würde losgelöst können die Technik sicher wirkungsvoll in Frage stellen.

    Dennoch denke ich, dass die Hoffnung doch noch nach Utopia zu gelangen wahrscheinlich eines der wesentlichen Motive ist, die den Menschen dazu verleiten, sich dem Diktat der Technik zu unterwerfen.

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