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Video: Europa nach dem Peak

Da ja lesen nicht mehr so in ist, habe ich 3 Minuten zum Stand der europäischen Ölförderung als Video zusammengestellt. Infos im Schnelltempo. Zur Not: Mehrmals anschauen.

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5 Kommentare to “Video: Europa nach dem Peak”

  1. Schnuff sagt:

    Vielleicht nicht ganz passend dazu, aber dennoch thematisch nah dran und durch meinen Nebenjob auch räumlich nah dran (sitze im selben Gebäude wie das werte Institut) hat das Institut der deutschen Wirtschaft mal wieder eine Lanze für das Wachstum zu brechen versucht.

    http://www.iwkoeln.de/de/presse/gastbeitraege/beitrag/92381

    Mal ein paar Ausschnitte:

    „Auf der Grundlage eines Weltmodells wurde die Bedeutung endlicher natürlicher Ressourcen für die wirtschaftliche Entwicklung und Dynamik ermittelt. In diesem Modell, das Rückkopplungsprozesse und damit Korrekturprozesse insbesondere durch die Veränderung relativer Preise als Ausdruck veränderter Knappheit nicht abbilden konnte, war die pessimistische Weltsicht zwingend angelegt. Die Endlichkeit der Ressourcen führte zu der Einschätzung, die Endlichkeit des Wachstums sei absehbar.“

    Soweit ich weiß handelt es sich bei den Modellen des Club of Rome eben NICHT um ein einziges Modell. Die Parameter wurden doch unterschiedlich eingestellt, um eben verschiedene Vorhersagen treffen zu können. Nur weil die ALLERNEGATIVSTE dieser Vorhersagen („2000 gibt’s kein Öl mehr“) nicht eingetroffen ist, heißt das noch lange nicht dass die Ausgangswerte falsch sind. Die Presse hat sich natürlich auf die negativste Variante gestürzt, bringt ja am meisten Leser, diese „Story…“. Außerdem klingt hier mal wieder das Märchen vom Preis, der alles regelt, an…

    „Die Möglichkeit, über technischen Fortschritt neue Handlungschancen und höhere Leistungskraft auch unabhängig von natürlichen Ressourcen zu begründen, wurde dabei stets geringer eingeschätzt als der Effekt begrenzter Ressourcen. Das Ringen um das ökologische Überleben erscheint dann schnell als hoffnungslos. Dies mündete in Überlegungen einer stationären Ökonomie mit minimiertem Ressourcen- und Materialumsatz und konstanten Produktionsfaktoren (Herman Daly)“

    Hat denn der technische Fortschritt bis jetzt global betrachtet den Ressourcenverbrauch auch nur irgendwo auf der Welt eingeschränkt? Es wird MEHR Kohle verbraucht als vor 30/20/10 Jahren, mehr Öl, mehr landwirtschaftlich ursprünglich nutzbare Fläche vernichtet etc.

    „Der Blick auf kritische Ressourcenbestände wird indes zunehmend weniger skeptisch, da die Möglichkeiten steigender Ressourcenproduktivität positiver eingeschätzt werden.“

    Quelle? Sehen viele ja ein „bisschen“ anders, unter anderem die Bundeswehr…

    „Versteckt übermittelt die Wachstumskritik uns auch eine „Furcht vor der Freiheit“ (Erich Fromm), denn sie verlangt so oder so nach mehr staatlicher Intervention. Dabei hat die Kritik, welche die Voraussetzungen des Wachstums durch Naturkapital und Sozialkapital thematisiert, wichtige Impulse für eine ressourcenorientierte Ökonomik und eine verantwortliche Wirtschaftspolitik gegeben. Wünschenswert wäre es jedoch, wenn wachstumskritische Diskurse offener und bewusster mit ihren freiheitsskeptischen Aspekten umgingen.“

    Ich konsumiere mehr und schneller, also bin ich (frei) …. Bedarf glaub ich keines weiteren Kommentars.

    „Wie soll isoliert dort, wo es – wie auf dem afrikanischen Kontinent – erst um die Gewährleistung elementarer Lebensbedingungen geht, die notwendige Steigerung des Pro-Kopf-Einkommens erreicht werden, wenn Degrowth die politische Zielsetzung ist? Zwar wird der Aufholbedarf der Entwicklungsländer akzeptiert, doch es bleibt offen, ob und wie das damit verbundene internationale Kooperationsproblem gelöst werden kann.“

    Spricht irgendein Wachstumskritiker vom „Degrowth“ der so genannten Dritten Welt? Ich finds langsam menschenverachtend was hier geschrieben wird. Wie wärs mal mit weniger Land Grabbing, weniger Verheizen von Nahrungsmitteln in Autotanks, weniger Verseuchung ganzer Landstriche durch den Abbau von seltenen Erden für die ERSTE Welt? Weniger Supertrawler vor der Westafrikanischen Küste, die ganze Küstenstreifen leerfischen und den ortsansässigen Fischern nichts mehr übrig lassen? Weniger Waffenexporte an Diktatoren in Nahen und Mittleren Osten oder an Unrechtsregime im Subsahara-Afrika? Weniger Rodungen von Regenwäldern, damit der fette Europäer/Nordamerikaner seinen Burger für 99 Cent das Kilo Hackfleisch brutzeln kann?

    Aber das ist die Realität liebe Mitleser und Skeptiker. Solange dies die Stimmen sind, die die Mehrheit hören will, wird sich auch nichts ändern. Beziehungsweise erst dann, wenn aufgrund explodierender Preise und Pipelines eine möglichst billig versorgte Gesellschaft erkennen wird, dass die Geschichten, in die wir hineingeboren wurden, nicht mehr länger verbergen können, dass „niemand auf Dauer über seine Verhältnisse leben kann“ (Zitat). Erst Recht nicht die Erste Welt.

    Wütende Grüße
    Schnuff.

    PS: Sorry für den langen Text, musste das mal loswerden. Vllt. ergibt sich ja eine Diskussion daraus. Hat ja auch mit Peak Oil zu tun ;)

    • Tom Schülke sagt:

      Lieber Schnuff.

      Ich bin voll bei Dir. Und natürlich ist das Thema nicht am Thema vorbei. Peak Oil ist schließlich nur die Erste wenn auch Systemisch zunächst dringlichste Ressourcenkrise die durch Wachstum ausgelöst wird.

      Ich lese gerade die Studie „Trade Off“ von der Feasta..je länger ich mich mit den Ansätzen der Feasta beschäftige, desto wahrscheinlicher und bedeutsamer erscheinenn mir die systemtheoretischen Ansätze einer Betrachtungsweise unserer möglichen Zukünfte.

      aber mit den Worten dieser Studie auf seite 13 oben:

      „the assumption that technology, market mechanisms or shale gas will save the day is made so often, with such confidence and is backed by so little actual knowledge and expertise, that it leads one to suspect that the interlocutors are expressing a cultural mythology rather than offering a reasoned analysis.“

      Das triffts doch wohl voll oder ?

      Und wenn ich dann doch Hoffnung habe, dann wegen Menschen wie euch, die nicht müde werden sich den beängstigenden Fragen zu stellen und sich nicht scheuen in der Öffentlichkeit als scheinbare Spinner zu outen..

      Das war jetzt sozusagen ein Lob … :-)

  2. Patrick sagt:

    Solange die Leute diese Durchhalteparolen hören wollen, wird sich in der Tat nichts ändern.
    Dafür wird das Erwachen dann umso hörter. Je nachdem wieviel Zeit weiterhin verplempert wird, den Status Quo möglichst lange zu erhalten.

    Traurig, dass das ewige Dogma auch nach wie vor nach die „Normalität“ darstellt.

  3. Roderik sagt:

    Hallo Schnuff,

    ich kann die Fülle deiner Frustrationen voll und ganz nachempfinden. Manchmal fühle ich mich auch wie ein Bewohner einer riesengrossen Freiluft-Irrenanstalt, in der die grössten Idioten als Professoren verkleidet herumlaufen und Welterklärung betreiben.
    Die nicht logischen Konstrukte, derer sich der Autor, der von dir zitierten Studie, bedient, liegen ja klar zu Tage. Im Grunde läuft immer alles auf die Björn-Lomborg-Lösung heraus. Seine Lösung: Wenn es ein Problem mit physikalischen Gesetzmässigkeiten unserer Umwelt (Klimawandel) gibt, ändern wir nicht einfach unsere Geschäftsmodelle (CO2-Verbrennung), sondern wir passen uns intelligent den Folgewirkungen unserer Handlungen an und machen noch ein profitables Geschäft draus! (Gewissermassen passen wir uns an unsere eigenen Dummheiten an!)
    Diese gedanklichen Kurzschlüsse ( in der Studie: wir begründen „über technischen Fortschritt neue Handlungschancen und höhere Leistungskraft auch unabhängig von natürlichen Ressourcen“, oder „Versteckt übermittelt die Wachstumskritik uns auch eine „Furcht vor der Freiheit“ oder „Wie soll isoliert dort, wo es – wie auf dem afrikanischen Kontinent – erst um die Gewährleistung elementarer Lebensbedingungen geht, die notwendige Steigerung des Pro-Kopf-Einkommens erreicht werden“) zeichnen immer ein Bild von uns und den anderen.
    Wir: tatkräftig, fortschrittlich, leistungsbereit, aktiv Handlungschancen nutzend, offen, frei, furchtlos und gerecht. Und dort die anderen: verzagt, hoffnungslos, freiheitsskeptisch, unbewusst, emotional, unfrei, ungerecht, selbstbezogen, nicht kooperativ etc.
    Meines Erachtens geht es hier nicht um Wissenschaft als Realtitätserkenntnis, sondern darum, eine Wahrnehmungsübereinkunft interpretierbarer Fakten herzustellen, mit dem Ziel die Gewinner in unseren Gesellschaften und ihre Geschäftsmodelle zu schützen.
    Sonst müsste sich der Autor, sofern er alle Sinne beisammen hat, folgende Fragen stellen:
    – warum landet der überwiegende Teil des Wachstums bei denen (1 Prozent?), die schon alles haben und nicht bei den armen Afrikanern?
    – arbeiten wir in diesem Wachstumsfixierten System, um zu leben oder leben wir nicht viel mehr, um zu arbeiten? Arbeite ich, um frei zu sein? Und warum können wir nicht aufhören?
    – geht es wirklich um gegenseitigen Nutzen oder nicht doch eher um blosse Geldvermehrung um der Geldvermehrung Willen?
    – was nützen mir meine Handlungschancen, mein Fortschritt und meine Leistungskraft ohne Ressourcen? Sind diese Dinge komplementär oder substituierbar?
    Ich musste mich mal aus familiären Gründen mit Sekten beschäftigen und da habe ich gelernt, dass Sektenmitglieder fest an die Glaubenssätze ihrer Organisationen glauben und keiner Argumentation zugänglich sind. Alle diese Organisationen landen in der Realitätsverweigerung. Und das ist kein Zufall. Denn je absurder die Glaubenssätze, die bezeugt werden müssen, umso fester der Kitt, der die Sektierer bindet.
    Nicht ganz, aber so ähnlich funktioniert das m.E. auch in unseren Gesellschaften im Parlament, in den Medien und in den Wissenschaften. Darüber wundere ich mich schon lange nicht mehr.

  4. […] besteht der "Game Change" wohl vor allem in den Risiken, dass der Förderückgang wie beispielsweise in den europäischen Felder nicht durch den Förderzuwachs in anderen Fördergegenden ausgeglichen werden kann. Die IEA […]

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