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Kampagne: Erdöl- und Erdgasförderer lobbyieren bei den IHKs für Fracking

Der WEG Wirtschaftsverband Erdöl- und Erdgasgewinnung e.V. lobbyiert derzeit direkt bei den Industrie- und Handelskammern für den Einsatz der Fracking-Technologie zur Erdgas-Gewinnung in Deutschland. Die Kammern werden per Brief um Unterstützung gebeten, "die Akzeptanz für die Erschließung und Nutzung der heimischen Ressourcen auch in Ihrem Umfeld zu stärken". Verwiesen wird auf die die "hochentwickelte, jedoch aktuell viel diskutierte Frac-Technologie", die schon "hundertfach zur Anwendung" kam. Die Webseite nennt konkret 300 Frac-Einsätze in Deutschland seit 1960, die für ein Drittel der deutschen Eigenversorgung verantwortlich sind. Da die deutschen Erdgasförderer bewiesen hätten, "dass sie sicher, umweltverträglich und wettbewerbsfähig Erdgas produzieren können" würden sie künftig diese Technologie gern auch zur Gasförderung in Kohleflözen und Schiefergesteinen einsetzen. Der Satz "Auch Deutschland verfügt über ein enormes Potential an Erdgas, das für viele Jahrzehnte zu einer stabilen, unabhängigen und bezahlbaren Energieversorgung beitragen kann" suggeriert mit Verweis auf das "Golden Age of Gas" in den USA, dass Erdgas diese jahrzehntelange Energieversorgung leisten kann: Dabei geht es bei den deutschen Schiefergasreserven um eine statische Reichweite von gerade mal 13 Jahren.

Den Anschreiben liegt eine Broschüre der WEG-Schriftenreihe Standpunkte bei, die eine Rede von Dr. Markus Kerber enthält, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI). Er hielt diese im Oktober beim "Berliner Energiefrühstück des WEG" und knüpft darin nahtlos am Wachstumsdogma an: "Wachstum braucht Energie. Die deutsche Industrie braucht auch Energie-Rohstoffe aus Deutschland." Markus Kerber argumentiert in dieser Rede insbesondere mit den Abhängigkeiten Deutschlands von fernen Lieferanten und schlägt auch den Bogen zur Notwendigkeit von Erdgas-Kraftwerken für den Prozess der Energiewende. Gas sei, so das Papier, als Teil der Energiewende zu betrachten.

Mit den Anschreiben an die IHKs erhärtet sich der Verdacht einer konzertierten Kampagne der Erdöl- und Erdgasförderer, bei denen die Grundfrage nach der Versorgungssicherheit mit Öl und Gas (Peak Oil, Peak Gas) jedoch nur oberflächlich gestriffen und zugunsten einer Fracking-Debatte umgelenkt wird. Der Vorstand des Wirtschaftsverband Erdöl- und Erdgasgewinnung e.V. wird besetzt durch Personal der Firmen ExxonMobil, RWE Dea, Wintershall, ITAG Tiefbohr GmbH, GDF SUEZ. Mitglied sind außerdem u.a. Baker Hughes, DrillTec GUT, Esso, Halliburton, OMV, Shell, aber auch die Gewerkschaft Münsterland Erdöl und Erdgas GmbH (von der leider keine Webseite zu finden ist).

Der Verein vertritt mit dem IHK-Anschreiben klar die Interessen seiner Mitglieder. Das ist legitim. Aufgerufen sei der Verband jedoch, die gesellschaftlichen Risiken eines globalen Öl- oder Gasfördermaximums ebenfalls zu thematisieren und die Forderung nach neuen Förder-Technologien damit in einen größeren gesellschaftlichen Kontext zu stellen. Dann würden nicht nur einseitige Interessen gut verpackt und vertreten, sondern die Industrievertreter als Verantwortung übernehmende gesellschaftliche Akteure erkennbar.

Nachtrag: Der Manager-Magazin-Artikel von Nils-Viktor Sorge über den Fracking-Hype ist nun auch bei SPIEGEL ONLINE erschienen.

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3 Kommentare to “Kampagne: Erdöl- und Erdgasförderer lobbyieren bei den IHKs für Fracking”

  1. Volker Frirt sagt:

    diese billige und grundfalsche Argumentation vom „heimischen“ Gas und dessen Vorteilen für die deutsche Wirtschaft ist völlig an der Wirklichkeit vorbei! Gas wird aus deutschenm Boden gewonnen und Umweltsünden im Boden sind dann in unser aller Untergrund, dann also wirklich „heimisch“. Das Gas jedoch, sobald es imRohr eines der Förderunternehmen strömt, ist im Besitz des Unternehmen und sein Eigentum. Es muss nur eine kleine „Abgabe“ dafür an das
    Bundesland leisten, aus dessen Boden das Gas strömt.
    Die Zahlen belegen das ganz klar, „heimisches“ Gas spielt keine wirkliche Rolle beim Energiemix, denn es strömt nicht in „heimische“ sondern in fremde Rohre. Und deren Betreiber handeln nicht „heimisch“ sondern Aktionärs-bezogen international.
    Die Zahlen für D von 2011:
    Import gesamt: 95 Mrd m3 Gas
    Verbrauch gesamt: 95 Mrd m3
    Förderung gesamt:ca.14Mrd m3
    Export gesamt:knapp 14Mrd m3

    Kapiert?

    Volker Fritz

  2. […] und Einflussnahme ist im milliardenschweren Öl- und Gasgeschäft keine Seltenheit. Im Februar 2013 lobbyierten deutsche Öl- und Gasfirmen für Fracking per Briefkampagne bei den…. Der Matt-Damon-Film "Promised Land", der die Auseinandersetzung von Landkäufern im Auftrag […]

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