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Peak Oil: Chaos und Nichtlinearität

In der Diskussion um die Auswirkungen von Peak Oil wird oft der Verweis auf mögliche chaotische und nicht-lineare Entwicklungen bemüht. So antwortete beispielsweise Robert Hirsch auf die Frage von Matthieu Auzanneau, ob er enttäuscht, empört oder erschrocken über ausbleibende Reaktionen auf Regierungsebene über seine Peak-Oil-Studie sei:

„I was not surprised, because if you spend some time looking at peak oil, if you're a reasonably intelligent person, you see that catastrophic things are going to happen to the world. We're talking about major damage, major change in our civilization. Chaos, economic disaster, wars, all kinds of things that are, as I say, very complicated, non-linear. Really bad things. People don't like to talk about bad things.“ (Robert Hirsch im Interview mit Matthieu Auzanneau (2010): Peak oil : «A conspiracy to keep it quiet» in Washington, says Robert Hirsch. Le Monde)

„Ich war nicht überrascht, weil wenn du einige Zeit mit einem Blick auf Peak Oil verbringst und du ein halbwegs intelligenter Mensch bist, so erwartest du katastrophische Entwicklungen in der Welt. Wir sprechen über bedeutenden Schaden, bedeutende Veränderungen in unserer Zivilisation. Chaos, ökonomisches Desaster, all solche Dinge die sehr kompliziert sind, nichtlinear. Wirklich üble Dinge. Menschen mögen nicht über solch schlechte Dinge sprechen.“

Und auch in der Bundeswehr-Studie sind Verweise auf mögliches chaotisches Systemverhalten in Zusammenhang mit nicht-linearen Abläufen zu lesen:

„Kapitel 3.2. beschäftigt sich mit einem möglichen Sonderfall der Peak Oil Folgen, in dem ein sogenannter ökonomischer „Tipping Point“ überschritten wird, in dessen Folge nichtlineare, teils chaotische Entwicklungen auftreten könnten.“ (BuWe, S. 12) „Seine Konsequenzen sind deswegen nicht vollständig vorhersagbar.“ (S. 12)

„Tipping Points zeichnen sich dadurch aus, dass bei ihrem Erreichen das System nicht mehr proportional auf Änderungen reagiert, sondern chaotisch.“ (BuWe, S. 62)

Richard Heinberg verweist darauf, dass menschliche Gesellschaften chaotische Systeme „sind“, was insbesondere bedeutet, dass kleine Veränderungen große Wirkungen haben können:

„According to the theory, in chaotic systems small changes in initial conditions can lead to big changes in outcomes. Well, human society and history are chaotic systems.“ (Heinberg, Richard (2010): Peak Everything : Waking Up to the Century of Declines, S. 203)

„Gemäß der Theorie können in chaotischen Systemen kleine Veränderungen in den Ausgangsbedingungen zu großen Auswirkungen führen. Und: Menschliche Gesellschaft und Geschichte sind chaotische Systeme.“

Lineares Denken vs. Nicht-Linearität

Ein Beispiel für lineares Denken im Rahmen der Peak-Oil-Diskussion ist die Argumentation mit der statischen Reichweite von Erdölressourcen. Dabei wird die Menge bekannter oder auch für wahrscheinlich gehaltener Ölvorkommen durch die Menge des heutigen Ölverbrauchs geteilt. Heraus kommt eine Zahl von Jahren:

„Für das Jahr 2011 weist der BP Statistical Review einen weltweiten Ölverbrauch von etwa 32 Milliarden Barrel aus. Die nachgewiesenen Ölreserven (wirtschaftlich förderbare konventionelle und unkonventionelle (Ölsande) Ressourcen) werden auf etwa 1.600 Milliarden Barrel beziffert. Die statische Reichweite von Erdöl liegt damit bei etwa 50 Jahren.“ (Heller, Peter: „Peak Oil“ ist Geschichte.)

Diese Aussage geht also von einer konstanten Fördermenge und einer konstanten Verbrauchsmenge aus, sowie von der Annahme, dass sich die heutige Ölfördergeschwindigkeit linear in die Zukunft fortschreiben läßt. Damit bleibt die Kennzahl der statischen Reichweite aber wenig realistisch, denn Kritiker können auf die rasant wachsende Fahrzeugflotte in China oder diverse Studien verweisen, die einen Anstieg des Ölverbrauchs erwarten lassen. Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe merkt zur Verwendung der statischen Reichweite an:

„Eine unkritische bzw. undifferenzierte Darstellung und Nutzung der Statischen Reichweite führt zwangsläufig zu Missverständnissen. Die Statische Reichweite ist nur bedingt dazu geeignet, belastbare Aussagen über die künftige weltweite Versorgung mit Energierohstoffen zu treffen. Sie ist kein Prognose-Instrument, sondern stellt eine Momentaufnahme in einem sich dynamisch entwickelnden System dar.“ (http://www.peak-oil.com/2013/02/neusprech-kapazitaetsmaximum-christophe-de-margerie/)

Kern der Aussage ist hier das Gegenüberstellen einer Momentaufnahme mit der Dynamik in einem sich entwickelnden System. Der Faktor Zeit und der sich im Zeitverlauf ändernde Systemzustand werden bei einer linearen Sichtweise oft weggelassen. Vielmehr übertragen Menschen oft ihre Erfahrung relativer Stabilität ihrer Lebenswelt auf ihre Zukunftserwartung und schreiben so erfahrene Entwicklungen der jüngeren Vergangenheit bruchlos in die Zukunft fort. Nicht-Linearität mitzudenken würde jedoch bedeuten, unerwartete Entwicklungen einzubeziehen, wobei ein Paradox diese Herangehensweise schwierig macht: Unerwartetes wird naturgemäß nicht erwartet, wie soll es also einbezogen werden?

Chaotisches Verhalten komplexer Systeme

Ein Beispiel soll zeigen, wie leicht chaotische Entwicklungen zustande kommen. Das Beispiel soll zudem die relative Unfähigkeit von uns Menschen zeigen, Nicht-Linearität mitzudenken. Ein anschauliches Beispiel liefert dafür Dirk Appelhans in seiner Dissertation „Unternehmensführung in chaotischen Umfeldern“. Appelhans untersucht darin keine Peak-Oil-Prozesse, aber er nähert sich der Frage, wie Unternehmensführung angesichts der Einbettung von Unternehmen in ihre komplexe Umwelt gelingen kann. Als Beispiel für chaotische Dynamik führt er die Verhulst-Beziehung an, die eine einfache Dynamik von Populationen beschreibt. Dabei ergibt sich der künftige Systemzustand aus dem vorhergehenden Systemzustand, ein Prinzip, was auch auf Unternehmen oder Gesellschaften anwendbar ist: Auch der Zustand in einem Betrieb ergibt sich insbesondere aus dem Vortages-Zustand (angereichert um diverse Einwirkungen von der Unternehmensumwelt). In eingespielten Unternehmen würden die meisten Beobachter Vorhersagen für den Tag darauf wagen: Er würde ziemlich ähnlich dem Zustand des Vortages sein. Nehmen wir an, es gäbe zwei Unternehmen, die sich extrem ähnlich sind und denselben Dynamiken unterliegen, so würden die meisten Menschen erwarten, dass der Zustand des Folge-Tags in beiden Unternehmen sich ebenfalls sehr ähnlich sind.

Anhand der Verhulst-Beziehung zeigt Appelhans nun, dass diese Erwartung in die Irre führen kann. Zugrunde liegt die Formel:

xt+1=axt(1-xt)

Anfangswertsensitivität

Übertragen auf die oben genannten zwei Unternehmen, die nach denselben Prinzipien funktionieren bedeutet dies: Der Zustand X am Tag t+1 (=„morgen“) ergibt sich aus einer Verkettung des heutigen Zustands (X am Tag t, also „heute“) mit einem Parameter a und der Zahl 1. Im ersten Beispiel setzt Appelhans den Parameter a auf den fixen Wert 4, so dass die Systementwicklung beschrieben ist durch die Formel: xt+1=4xt(1-xt).

Nun nehmen wir also an, zwei Unternehmen würden nach genau dieser Formel funktionieren, wobei man sagen könnte, die Formel ist eine Art „Entwicklungsvorschrift“, eine Beschreibung dessen, wie sich der Unternehmenszustand von einem Tag auf den nächsten verändert. Um das System „zu starten“ brauchen wir nun nur noch einen Anfangswert xt, also eine Annahme über den heutigen Zustand. Und nun sagt Appelhans beispielhaft: Unternehmen P startet mit dem Anfangswert x0P=0,2 und Unternehmen O startet mit dem Anfangswert x0O=0,20001.

Der Anfangszustand beider Systeme unterscheidet sich also nur in einer Größenordnung von 0,005%, aber ihr Ablauf in der Zeit funktioniert genau nach demselben Prinzip. Vergleichbar wäre das mit zwei Schrauben-Produktionsmaschinen, die am selben Tag vom selben Maschinenbauer hergestellt wurden und sich gleichen wie ein Ei dem anderen bis auf eine winzige Abweichung zwischen Maschine P und O, die überhaupt nur jemandem auffallen würde, der mit einer Genauigkeit von 0,005% nachmessen könnte. Wenn wir vergleichbaren Ähnlichkeiten in unserem „realen Leben“ begegnen, würden wir wohl davon ausgehen, dass beide Maschinen exakt dieselben Ergebnisse bis ins hohe Maschinenalter liefern und auch, dass wir die Erfahrungen mit Maschine P sehr leicht auf eine baugleiche Maschine O übertragen könnten, wir also vergangene Erfahrungen leicht in die Zukunft fortschreiben könnten.

Lassen wir diese beiden Systeme mit dem geringfügig anderen Anfangswert nun laufen, so ergibt sich folgende Zeitreihe:

Anfangswertsensitivität

Wie zu sehen ist, laufen beide Systeme bis zum Tag 13 parallel, doch danach nehmen die Zustände der beiden Systeme so große Unterschiede an, dass man beim Blick auf den Zustand der Systeme kaum auf die Idee kommen würde, dass sie nach derselben Beschreibungsvorschrift funktionieren und am (nahezu) selben Startpunkt begonnen haben. Die 0,005% Abweichung in ihren Startwerten haben sich im Lauf der Entwicklung so aufgeschaukelt, dass ein unerwarteter Zustand eingetreten ist. Die möglichen Werte, die ein System im Zeitablauf annehmen kann, liegt immer zwischen 0 und 1. Nicht nur, dass sich die oben dargestellten Systeme ab Periode 13 unterscheiden, sie erreichen zwischendurch auch sehr gegensätzliche Zustände, beispielsweise in Periode 17, wo die rote Kurve nahe dem Maximalwert 1 liegt während die blaue Kurve nahe dem Minimalwert 0 liegt. Der vorherige Gleichklang der Systeme hat sich völlig aufgelöst und jeder Versuch zu einem konkreten Zeitpunkt vom Verhalten des Systems P auf das Verhalten des Systems O zu schließen, scheitert.

Parametersensitivität

Appelhans' zweites Beispiel setzt wieder auf der Verhulst-Beziehung auf, diesmal sind drei „Maschinen“ im Spiel und alle haben denselben Anfangswert von 0,2. Jedoch wird diesmal der Paratemer a variiert. Während er in obigen Beispiel bei beiden Systemen auf 4 gesetzt war, arbeitet diesmal nur das System 3 mit diesem Parameter. Das System 1 arbeitet mit einem Parameter a=2,75 und System 2 mit a=3,2. Nach obigem Beispiel mit der Anfangswertsensitivität würde wohl kaum jemand erwarten, dass diese 3 Systeme vergleichbare Zustände entwickeln. Bemerkenswert ist jedoch, dass die Dynamiken der drei Systeme sich quasi in ihrer grundsätzlichen Form unterscheiden:

Parametersensitivität

System 1 (blau) schwingt sich auf einen relativ stabilen Zustand ein, der sich sehr nah um Werte von x=0,6363 bewegt. Auch System 2 (rot) zeigt eine gewisse Form an Stabilität, doch oszilliert es von Periode zu Periode zwischen Werten um 0,51 und 0,8 hin und her. System 3, welches wir schon aus dem vorhergehenden Beispiel kennen, zeigt dagegen extreme Vielfalt in den erreichten Werten. In den hier angetragenen 50 Perioden ist zudem kaum ein Muster erkennbar, nach welchem von einem beliebigem Zustand aus auf den Folgezustand geschlossen werden kann. Manchmal oszilliert auch dieses System zwischen sehr niedrigen und sehr hohen Werten, dann aber wieder ist der Ausschlag nicht ansatzweise so stark. Manchmal (z.B. von Periode 14 bis 18) sind die Werte nacheinander sehr niedrig, was auch ab Periode 39 passiert - dort aber nur bis Periode 41, also nicht über einen vergleichbar langen Zeitraum. Ein Muster in der Unregelmäßigkeit ist nicht erkennbar und somit ist die Folgereaktion in (der nicht dargestellten) Periode 51 nur schwer vorhersagbar.

Chaos und Peak Oil

Genau wie sich in obigen Beispielen nicht von der Dynamik in einem System auf die Dynamik in einem anderen System schließen läßt, läßt sich das Beispiel der Verhulst-Beziehung nicht einfach auf die Dynamik unserer Wirtschaftswelt übertragen. Puffer, Reibung, Sollbruchstellen und vor allem steuernder menschlicher Einfluss sind in obigen Beispielen nicht vorhanden, sehr wohl aber in unserer realen Welt. Was die Beispiele zeigen sollen ist, dass Entwicklungen zu unerwarteten (und in diesem Sinne unseren Erfahrungswelten widersprechenden) Dynamiken führen können. Die Frage ist, wie dieses Unerwartete in einer Peak-Oil-Entwicklung daherkommt und was wir ihm entgegenzusetzen haben. Was es zu erforschen gilt ist, wie hoch die Sensitivität unseres Wirtschaftssystems im Großen und im Kleinen (Unternehmen und andere soziale Systeme) auf Peak-Oil-Veränderungen ist, sowie welche Systemveränderungen notwendig sind, um stabile oder zumindest vorhersagbare und damit handhabbare Zukunftszustände herbeizuführen.

Seit Ende der 1980er bis Anfang der 2000er Jahre war der Ölpreis ein vergleichsweise stabiler Parameter auf niedrigem Niveau. Seit 2003/2004 hat sich das Ölpreisniveau signifikant geändert und zweifellos sind Anpassungsreaktionen des Wirtschafts- und Gesellschaftssystems bereits im Gange. Anpassungen gehen in sozialen Systemen immer mehr oder minder aktiv von Menschen aus. Sie können Dynamiken handhaben, die für sich vorhersagbar und beeinflussbar sind. Denkbar ist jedoch, dass im Zuge des Erreichens des „Kapazitätsmaximums“ (de Margerie) Schwellwerte ("Tipping Points") überschritten werden, die eine fundamentale Veränderung im Systemverhalten hervorrufen. Welche Auswirkungen solch eine Schwellwertänderung haben kann zeigt der Vergleich der (nach denselben Prinzipien laufenden) Systeme 1 und 3: Während System 1 mit einem Wert von a=2,75 auf einen sehr stabilen Zustand zustrebt, variiert System 3 mit a=4 seinen Zustand in extremer Form. Übertragen auf Peak Oil bedeutet dies, dass zwei Ölpreisniveaus zu extrem unterschiedlichen Dynamiken jenes Systems führen können, auf welches wir für unser aller Versorgung angewiesen sind.


Wer die Kalkulationen der Beispiele nachvollziehen will, kann dies mit der von mir verwendeten Tabellenkalkulation (OpenOffice) tun: Kalkulation chaotische Entwicklung.ods

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42 Kommentare to “Peak Oil: Chaos und Nichtlinearität”

  1. Ert sagt:

    Das ganze ende nicht bei Peak-Oil.

    Steven Leeb stellt in seinem Buch “Red Alert” von 2012 die These auf, das wir auch vor Pesk-Coal, Peak-Kupfer, Peak-Eisen, Peak-Allem stehen.

    Warum? China!

    Alleine wenn China ein Energieverbundnetz errichtet um zukünftig den Strom von den EE (Solar, Wasser, etc.) zum Verbraucher zu transportieren, inkl. dem Kupfter, Eisen, Silber, den seltenen Erden, etc. die alleine nur für Wind und Solar notwendig sind – dann rennen wir global in ein Ressourcendesaster. Alleine der Aufbau des Verbundnetzes wird auf 20% der bekannten Kupferreserven taxiert.

    Deswegen, so Leeb, hat auch China in Kopenhagen darauf hin gesteuert keine verbindlichen Ziele festzulegen. Wäre das passiert – dann hätte die OECD auch losgelegt und beim Aufbau der EE Infrastrukturen mit China um die dafür notwendigen Materialien geboten. Aber warum teuer einkaufen und teilen?

    Schon heute hat Chinas 97% Weltmarktanteil an der Produktion der seltenen Erden eine massive strategische Relevanz. Die Utopie das uns Wind und Solar retten wird ist absurd – da China die Seltenen Erden dafür kontrolliert – und sollten die erst einmal richtig loslegen für uns nichts mehr übrig bleibt.

    Nun kann man einwenden: Die Welt, ins. Afrika, ist groß. Ja – aber Minenprojekte zu entwickeln dauert. Weiterhin braucht es im Westen eine privatwirtschaftlich ökonomische Basis.

    So sind die Seltenen Erden die die USA von China importiert (fast alles) in nah Leeb 2009 weniger als 100 Millionen USD “Wert” gewesen. Aufgrund dieser “billigen” Preise lohnt einfach keine lokale Produktion bzw. das Investment in den Aufbau neuer Kapazitäten. China handelt aber staatlich Strategisch und Global.

    Zu allem kommt hinzu, das Energie ein direkter Inputfaktor bei den Metallen und Mineralien ist. Bei den aktuellen Ölpreisen ist das alles noch billig. Sollten wir wirklich Post-Peak in innerhalb dieses Jahrzehnts “spürbar” erreichen, dann wird sich dieses auch massivst in allen diesen Preisen niederschlagen. Auch deswegen ist China in einem Wettlauf heute noch billigst Infrastruktur für MORGEN zu schaffen – wobei es keine globale Konkurrenz benötigt, die das gleiche macht.

    Einiges zum Nachdenken.

    • Landwirt sagt:

      China ist bekanntlich Produktions- und Exportweltmeister und somit zwangsläufig auf internationale Kundschaft angewiesen. Wenn nun die Kunden z.B. aus Europa und USA verarmen sollten, sich also den ganzen chinesischen Krempel nicht mehr leisten können, dürften die Chinesen zum großen Teil nur zum Selbstverbrauch produzieren,denn die übrigen asiatischen Staaten sind nicht auf chinesische Waren erpicht, die machen die selbst. Wozu nutzen aber dann all diese hochgepuschten chinesischen Infrastrukturmaßnahmen?

      • Norbert Rost sagt:

        Ich glaube die chinesische Strategie “benutzt” den Export-Ansatz nur: Um finanzielle Mittel und KnowHow ins Land zu holen. Man verkauft sich Anfangs als Billigarbeiter, kriegt darüber Aufträge, an denen man “wächst” (quantitativ und qualitativ), baut internationale Geschäftsbeziehungen auf. Später transformiert man diese auf Export angelegten Strukturen, indem man vermehrt für den Binnenmarkt produziert. Begleitet wird dies von klaren politischen Vorgaben, die immer chinesische Beteiligung bei größeren Aktivitäten ausländischer Firmen vorsehen.

        Bei dieser Strategie geht es nicht um Expansion der Expansion willen (wie es die rein wachstumsorientierten Strategien der westlichen Industrien vorsehen), sondern um den langfristigen Aufbau von Produktionsfähigkeiten auf modernem KnowHow. Wofür diese Produktionskapazitäten später verwendet werden, ist eine andere Frage: Bevölkerungsversorgung, Verteidigung, außenpolitischer Einfluss, …

        Interesse an einer Nicht-Verarmung westlicher Länder hat China aus meiner Sicht jedenfalls nicht aus ökonomischen Gründen!

        • Ert sagt:

          Ja, Norbert,

          Leeb schreibt das die Chinesen eine “Economy of scale” aufbauen wollen. Das geht aber zuerst nur, wenn zusätzliche Absatzkanäle da sind – durch die das u.a. auch finanziert wird.

          Nun ist es zum teil schon so, das westliche Unternehmen in China forschen – weil dort der Markt und die Produktion ist. Das würden die Chinesen selber niemals so machen!

          Was machen die Chinesen? Die machen in Afrika und u.a. auch in Afganistan gigantische Projekte um die Ressourcen dort aus dem Boden zu holen. Nebenbei bauen die noch Strassen, Einsenbahnen, Häuser, etc. pp. bzw. bezahlen sogar teilweise mit der Schaffung der auch von Ihnen benötigten Infrastruktur. Alles dazu – alle Maschinen, etc. pp. kommen aus China! Ein “one-stop-shop”.

          Und das wichtigste dabei: min. 70% der Arbeiter kommen aus China gleich mit – inkl. der bewaffneten Sicherheitdienste.

          Was machen wir in Afghanistan während die Chinesen da eine der größten Kupferminen der Welt hochziehen? Wir ballern da unschuldige ab – die Chinesen schaffen Infrastruktur und zumindest ein paar lokale Arbeitsplätze und viele volle Koffer!

          • Landwirt sagt:

            Lese ich da sowas wie Bewunderung aus deinen Worten, daß die Chinesen in Afghanistan für Infrastruktur und Arbeitsplätze sorgen? Die Afghanen kamen früher auch ohne dergleichen Segnungen aus. Der Westen behauptet ja, Krieg und Bomben seien nützlich für den Aufbau von Demokratie und Freiheit in Afghanistan und der Osten will nun den armen Leuten Arbeitsplätze bringen. In Wirklichkeit wollen alle nur ihren Reibach machen auf Kosten der Afghanen. Die Rüstungsindustrie braucht Kriege, die anderen Geschäftemacher sind auf der Suche nach Konsumenten.

          • Ert sagt:

            @Landwirt

            Bewunderung im Bereich der Zielstrebigkeit der Interessenverfolgung der China seinen Interessen nachgeht – ja.

            Klar das die nur an sich denken.

            Aber deswegen ist es mir umsoweniger klar wofür unsere Soldaten in Afghanistan sind. China macht Business und wir machen Krieg?

            Ich sehe für EU-Europa schwarz. Keine Energie, keine Rohstoffe, keine gemeinsame Strategie == keine Zukunft. Und mit den Russen verderben wir uns es auch noch….

            Was bringen uns die Ammis? Die ziehen uns nur in unnötige Kriege rein. Was haben wir von denen? Die sind weit weg… und verfolgen nicht unsere Ziele als Europa. Unsere Zukunft liegt in einer ökonomischen Zusammenarbeit mit Russland und Nordafrika – zu denen uns direkte kontinental und Binnenmeerwege führen.

        • GermanStacker sagt:

          Das klingt schlau. Man kann nicht umhin, diesen Ansatz zu bewundern, und man hat den Eindruck dass das chinesische Volk trotz der vielen Probleme kollektiv daran glaubt, dass der Plan aufgeht. Irgendwie haben sie diesen Plan-Kapitalismus bisher gut hingekriegt.

  2. Florian Hoppe sagt:

    Nun, sie stellen sich da in der Tat geschickter an als de rWesten. (Der in Afrika, wegen dem kolonialen Erde sowieso nicht gern gesehen wird.)

    Desweiteren lagert China schon Produktionen nach z.b. Nigeria aus. (Daheim gibt es ja bald eine verknappung an Arbeitskräften und allmählich steigende Löhne: http://blog.zeit.de/china/2013/02/15/der-werkbank-der-welt-gehen-die-arbeitskrafte-aus/#comments)

    @Peak Copper:
    http://europe.theoildrum.com/node/6307

  3. Landwirt sagt:

    Da reicht es den Chinesen nicht, ihre Heimat ökologisch ruiniert zu haben, jetzt müssen noch andere hilflose Schwellenländer dran glauben. Doch auch die rührigen Chinesen werden den Niedergang der Ressourcen nicht verhindern. Was machen sie dann?

  4. Florian Hoppe sagt:

    Tja, sie werden wahrscheinlich nach guter alter kornukopischer Ansicht Julian Simon zitieren.

    Kornukopaner glauben ja nicht daß Grenzen von Wachstum und Rohstoffen naturgegeben sind, sondern daß diese durch den technischen Fortschritt nahezu beliebig gedehnt und erweitert werden können.

    Simon wäre nicht so bekannt geworden wenn nicht Paul Ehrlich diese dumme Wette mit ihm abgeschlossen hätte.

  5. steffomio sagt:

    Kleiner stark vereinfachter Rechentest mit Excel/OpenOffice-Calc:
    Ein Mann in einer Wüste mit einem 100liter Wassertank mit einem Loch, wo pro Tag 3liter Wasser heraus kommen. Das Loch wird jedoch jeden Tag kleiner, sodass sich die täglich verfügbare Menge um 0,1 Liter/Tag verringert.
    Der Mann braucht 2 Liter/Tag zum überleben bzw. bevor er beginnt panisch zu handeln.

    Ergebnis:
    Wirft er den Überschuss der ersten Tage weg, ist nach 10 Tagen Schluss obwohl noch 75liter Wasser im Tank sind.
    Behält er den Überschuss als Reserve, ist nach 20 Tagen Schluss mit noch 62 Liter im Tank.

  6. Paul Nellen sagt:

    Robert Hirsch schrieb mir mal in einer E-Mail zur “Bundeswehrstudie”: “Our view is shortages will cause panic and other nonlinear impacts, which need to be carefully considered and which probably will cause much more damage than the study suggests.”
    Man sollte nun eigentlich denken, dass politisches oder Regierungshandeln sich konsequent – “better safe than sorry” – darauf einstellt. Das geschieht aber nicht, wie in vielen andere Politikbereichen auch. Je unbequemer es für den Einzelnen werden könnte, umso weniger wird es öffentlich durch die Politik thematisiert. Neulich las ich in einem Buch, warum das so ist, und dass daran nicht nur “die Politik” sprich “die Regierung” Schuld hat, sondern letztlich wir alle: “Eine dem [...] Desaster vorbeugende Planung… wird systematisch von der zufriedenen Wählermehrheit verhindert” (John Kenneth Galbraith: “Die Herrschaft der Bankrotteure”/The Culture of Contentment, Hoffmann&Campe 1992, S. 54). Die Zufriedenen verlassen sich auf die Garantien und Wohltaten des Daseinsvorsorgestaates, die Politik wiederum rechnet damit, dass ihr die Legitimierung – und die Postenalimentierung – alle 4 (demnächst sogar 5) Jahre zu seiner Regulierung erteilt wird. Die dazu nötigen Mehrheiten finden sich bei uns noch immer, und sie werden vorrangig bedient. Nur dadurch, dass man vermehrt Fragen stellt und Unzufriedenheit mit einem unangemessenen und unzureichenden politischen Problembewusstsein signalisiert, kann sich daran etwas ändern.
    Es ist dennoch nicht anzunehmen, dass die Politik in Zeiten “nichtlinearer, chaotischer Prozesse” und bei schwindender Massenlegitimation im Krisenfall mehr als den Ausnahmezustand anzubieten hat, um die Überlebensfunktionen einer Gesellschaft zu sichern. Hier kann nur eine resilienzbewusste Bevölkerung versuchen, “von unten” und durch Vernetzung Verantwortung zu übernehmen und schon heute an gesellschaftlichen und ökonomischen Haltbarkeitsstrukturen zu arbeiten (vornehmlich im lokalen und regionalen Raum), die einen Systemkollaps vermeiden und die Entfesselung von oft gewalttätigen Panikreaktionen verhindern helfen.

    • Ert sagt:

      Danke für den Kommentar von Hirsch.

      Auch der Rest geht mit meiner Einschätzung der Politik – aber auch der zentralen Wirtschaftsakteure überein.

      Zwar billige ich vielen Vorschänden und Konzernlenkern sehr viel ein- und Durchblick zu. Die offene Formulierung dieser Gedanken verbietet sich aber im Rahmen unserer Finanz- und Wirtschaftsdogmatik.

      Eine Wirtschaft die durch Effizient-, Skaleneffekte und Just-In-Time auch das letzte Quäntchen rausholen will – ist alles andere als robust…..

  7. eliso sagt:

    Was wären wirklich die Zeichen
    für einen globalen Niedergang ? Sofern es abrupter Kollaps ist.

    Wirtschaftskrisen hat es immer wieder gegeben.

    • Ert sagt:

      @Eliso

      Du meintest sicher “kein” abrupter Kollaps.

      Sollte es eine “long Emergency” nach Kunstler [1] werden, aber auch Greer vertritt diese Meinung, dann wird die Presse das jahrelang als “temporäre Krise” deuten. Erst viel viel später wird das mal zugegeben.

      Orlov [3] sieht da schon eher das es zu einem Kollaps, ähnlich dem der UDSSR kommen kann – nur meint er das unsere Strukturen das nicht so einfach abfedern können.

      Der “globale Niedergang” kann im besten Falle ein schleichender Prozess werden – einfach weil sich immer mehr Personen immer weniger Ressourcen teilen müssen. Nach Leeb [4] stehen wir alleine wegen dem Ressourcenbedarf seitens China in ein paar Jahren vor dem Peak-Everything. Hier insbesondere Eisen, Öl, Kohle, Kupfer. Andere führen noch Phosphat an – ohne das eine heutige Landwirtschaft nicht möglich ist. Das was noch an Phosphat da ist – enthält immer mehr toxisches Uran [5].

      Für alle diese Themen habe ich während der letzten 5 Jahre keine Kontraindikationen oder Lösungen gefunden, sondern nur Bestätigungen. Und immer weniger Leute ab bestimmten Positionen sprechen offen darüber – aber immer mehr wird dieses klar.

      Eine Person die ich kenne meinte zu mir: Wenn der ganze Laden noch 10 Jahre hält – warum soll ich Ressourcen Spaaren und nicht fliegen? Das was ich spare verfliegt dann doch nur ein Chinese – weil das ganze bis zum bitteren Ende laufen wird.

      Auch eine Sichtweise.

      [1] J.H. Kunstler – http://www.kunstler.com
      [2] John Michael Greer – http://thearchdruidreport.blogspot.de/
      [3] Orlov -http://cluborlov.blogspot.de/
      [4] Leeb – Buch: Red Alert – http://en.wikipedia.org/wiki/Stephen_Leeb
      [5] http://www.strahlentelex.de/Stx_09_532_S17-18.pdf

      • Marcus Kracht sagt:

        @ Ert

        Danke für diese Hinweise, insbesondere zu Uran im Boden. Scheint, als ob einfach alles im Argen ist, egal wo man hinschaut. Man stelle sich in der Tat vor, in spätestens 10 Jahren ist das System am Ende. Was kann man da machen? Ich denke, die Idee, dann lieber noch ein wenig zu konsumieren, liegt nicht fern und ist wohl das Motto vieler, die instinktiv schon mit dem Wohstand abgeschlossen haben. Viele Politiker wissen um die Lage, gehen aber lieber in Deckung. Leider sollte man sich auch ein wenig auf die Zeit danach einstellen.

        • Ert sagt:

          @Markus

          Ich mache selber schon einiges für die “Zeit danach” – das ist meine hoffnungsvolle Seite und ich genieße die Zeit in der Natur.

          Aber letztendlich mache ich mir auch keine falschen Hoffnungen. Überall schrappeln wir am Limit und Leben auf Substanz. Vieleicht reichts noch für mich….

          Auch Rom ist so zu Grunde gegangen. Landwirtschaftliche “Übernutzung” der Böden und immer weniger Gesamtnutzen der neuen Aktivitäten. Jede neue Aktivität um Sachen zu kitten hat immer mehr Gesamtkomplexität erzeugt, bis der Nettonutzen negativ war. Ugo Bardi fasst Tainter hier sehr schön zusammen: http://europe.theoildrum.com/node/5528. Schönes Essay mit tollen Einblicken in die Geschichte Roms.

      • Für jetzt glaube ich, dass die Politik hinter dem Vorhang gewarnt ist. Mit Solar, Wind und Biosprit ausprobiert hat ob da was geht, um festzustellen dass eigentlich nichts geht.
        Nun wird das Fracking-Fass ganz weit aufgerissen, was die letzten Reste aus den Ölquellen kratzt.

        Allein weil bis zum letzten versucht wird, den noch immer steigenden Bedarf zu decken, anstatt sich auf den schmerzhaften Rückgang einzupendeln, dürfte es ein schnelles Ende geben. Voraus gesetzt, dass keine großen Staaten in die Steinzeit gebombt und somit vorzeitig aus dem Rennen geworfen werden.

        Wenn wie hier:
        http://www.peak-oil.com/2013/01/arte-doku-gas-fieber-online/
        allerorten gebohrt *wurde* und dann an die Reserven gegangen wird…

        Zum Ende hin werden sie bohren wie die Geisteskranken, da bin ich mir ziemlich sicher.

        • Ert sagt:

          Das Problem ist, das mit diesen Sünden alles für die Zeit danach verloren ist.

          Wo es eine Anpassung hätte geben können – und noch immer wäre dieses in Teilen möglich, da wird dann ein gnadenloser Abstieg folgen. Ich denke mal auf dem Nivau von 1970 hätte hier auch keiner irgend ein Problem – und das würde uns schon ziemlich Raum geben.

          Wir müssten umschwenken in eine Phase der Postwachstumsökonomie, wie Sie u.a. Paech (Uni Oldenburg) formuliert: https://www.youtube.com/watch?v=uEfdpRX-CS8. Die Problematik ist: Wie das ganze anfangen, wie umsteuern – in einer Welt die das einzelne Handeln von Deutschland nicht interessiert und wo erst einmal jeder sich einschränken müsste?

          Ich denke nicht das die Gesellschaft dafür schon reif ist. Als Person ohne Kfz ist mir das aus vielen Gesprächen sehr, sehr klar.

          So sehe ich auch Chinas Politik ultimativ verfehlt. Was die machen ist das Land aus der Steinzeit zu holen und dabei versuchen Sie sich ein bisschen Wohlstand zu sichern. Was Sie schaffen ist verbrannte Erde, ausgelaugte Ressourcen und der Verlust einer niederenergetischen Lebensweise die wenigstens noch Überlebenspotential hat.

    • Tom Schülke sagt:

      Das deutlichste Zeichen wäre zunächst sicherlich ein zusammenbruch des Finanzsystems. Das mag zwar auch aus Internen gründen zusammenbrechen, doch die damit einhergehenden Zusammenbrüche der Versorgungsketten wären der entscheidende Punkt.

      Ich kann mir vorstellen, dass wir noch einige Jahre mit technik, Effizienzsteigerungen, Substituten und Ähnlichem gegen den Sog anschwimmen können. Doch Irgendwann wird dann ziemlich sicher ein tippingpoint überschritten.

      Und der wäre das Kippen des Vertrauens in Wachstum. So wie in der Studie Tipping Point von der Feasta beschrieben.

      Vielleicht aber können wir auch die Imensen Einsparpotentiale unserer Energie und ressourcenverschleuderung eine weile lang so nutzetn, dass uns eine längere Anpassungsfrist bleibt. In dem Fall kann ich mir denken, dass grasswurzelbewegungen , Permakultur und alternative Wirtschaftsstrukturen sehr schnell zuwachs bekommen könnten, so dass der Sturz besser abgefedert wird.

  8. Patrick sagt:

    Wir haben aber keine Krise, sondern ein Dilemma. Das will nur keiner einsehen.

    Um die Zinslast unseres abartigen Geldsystems “rauszupressen” benötigen wir Wachstum, das stets über der Zinslast liegen muss.
    Für Wachstum benötigen wir aber, ich sag mal salopp: Geld im Portemonaie der Leute. Das haben wir aber nicht mehr. Und wir benötigen billige Ressourcen und Treibstoffe. (beides werden wir nicht mehr für ein allzu lange Zeit haben)

    Wirtschaftskrisen hat es immer gegeben, das stimmt. Die letzte “wirkliche” ist aber schon fast 100 Jahre her. Heute sind wir dank des verzinsten Schuldgeldsystems an die Grenzen gestoßen.
    Das kapitalistische Wirtschaftssystem geht dem Ende entgegen, das ist alles.

    Die “Krise” seit 2008 ist nur ein Symptom, weil wir und unsere Polithampelmänner sowie deren “Vorgesetzten” die Hochfinanz und Großkapitalkonzerne es eben noch nicht einsehen willen, dass wir uns von gewissen Dogmen verabschieden müssen.

    So benötigen wir unbedingt neue Lösungen für Einkommen, da die Lohnarbeit mehr und mehr durch Automation und Rationalisierung entfällt und den Menschen die Lebensgrundlage entzieht.
    Und viele von denen, die einer einfachen Erwerbsarbeit nachgehen, verdienen so wenig, dass Sie ihren Lebensunterhalt davon nicht bestreiten können.
    Menschliche Arbeit wird besteuert, maschinelle aber nicht, eher im Gegenteil.
    Vollbeschäftigung ist also ein reines Hirngespinnst, dass es niemals geben wird, und doch sind die einzigen Parolen der Politikdarsteller: Wachstum, Wachstum und Arbeit schaffen.

    Für mich ist das ein Dilemma.
    Wir sind irgendwo auf der Schwelle zwischen zwei Systemen, wissen aber nicht wohin das neue führt, während unsere komplette Peripherie noch am alten System klebt und nicht loslassen will. Es leben ja auch einige wenige sehr gut davon.
    Und wenn man sich ansieht, was auf EU-Ebene bereits alles ausgebrütet wurde und wird, dann hat der Niedergang der Demokratie zumindest für mich bereits begonnen…der Rest wird folgen.

  9. Frank sagt:

    Nun denn, alles ist gesagt.
    Solange es Pferdelasagne gibt, Holzpellets in Griechenland mit Restmüll gestreckt werden, der Libor manipuliert wird, …
    scheint der kleinste gemeinsame Nenner im Übervorteilen bei max. Profit zu liegen. Ist das die Natur des Menschen an sich, oder nur unser “System” unser menschliches Miteinander zu organisieren. Die Chinesen sind auf jeden Fall in der Rolle des “game changer”. Ich habe schon im Studium gelernt (1990): “wenn die Chinesen alle anfangen Auto zu fahren, können wir einpacken”. Unser Exporterfolg sägt den Ast ab, auf dem wir sitzen. Zumindest haben wir die zweifelhafte Ehre Zeitzeuge einer historisch einmaligen Entwicklung zu sein.

  10. Patrick sagt:

    Das ist mit Sichherheit richtig, dass wir einpacken können, wenn die alle Auto fahren.
    Aber: wenn wir die Autos nicht exportieren, machen es andere.

    Nur: dieser ganze Exportwahn ist doch Irrsinn. Dadurch das die meisten hier hergestellten Güter exportiert werden, haben wir ein krasses Mißverhältnis zw. den Waren+Dienstleistungen auf der einen und der Geldmenge auf der anderen.
    Importieren tun wir einen viel kleineren Teil, daher ja unser Außenhaldelsüberschuss in gigantischer Höhe.

    Eigentlich importieren wir uns durch unseren Export-Fetisch gleichzeitig die Inflation ins Land.
    Komisch, dass alle so wild darauf sind!

    • Ert sagt:

      Ja, aufgrund dieser ökonomischen und existenziellen Falle läuft das ganze Spiel bis zum Schluss in voller Pulle. Keiner kann aussteigen, keiner aufgeben – da ein Ausstieg auch gleichzeitig den ökonomischen Verfall bedeutet.

      Deswegen gibt es auch für unsere Automobilindustrie in Ihrer aktuellen Lage nur ein Weiter so bis zum Ends***. Innehalten bedeutet Abstieg in den Bankrott oder die Übernahme – den solange die Musik spielt….

      Gerade aber diese Dynamik – getrieben durch die Fremdkapitalaufnahme und den Zwang zur Bedienung der Verbindlichkeiten – der Kern und der hocheffiziente Treiber des Kreditfinanzierten Kapitalismus – macht das ganze aber auch zu einer großen Gefahr.

      • Patrick sagt:

        Klingt vielleicht merkwürdig, aber das einzige was man eigentlich machen kann, ist ein bisschen was von der zukünftig erwarteten Lebensweise quasi heute schon vorleben.

        Konsum sinnloser Sachen vermeiden (auch bewusst kommunizieren: Nichtkonsum als Einstellung!), sich unabhängiger vom Auto machen, mit der Zeit eine entsprechende Wohnlage finden (nicht im letzten Hinterland, nicht unbedingt in einer Millionencity), sich mit Geld nicht noch abhängiger vom Geld machen (z.B. eher kleinere Wohnung oder Haus), versuchen mehr “regional und saisonal” zu kochen – was zugegeben nicht leicht ist.
        etc. Wenn sich mit der Zeit so eine Art kleiner Trend entwickelt, wird zumindest die Fallhöhe etwas gemildert werden.

  11. Landwirt sagt:

    “Mali Einsatz ausgeweitet. Deutschland will viel mehr Soldaten schicken” schreibt unser lokales Blättchen. Für mich eine Neuigkeit, da ich nicht fernsehe. Natürlich müssen die Waffenschmiede weiter Krieg führen, wohin denn sonst mit ihren Tötungsmaschinen, die von klugen Ingenieur-Köpfen ausgedacht wurde? Bomben u.ä. müssen unter die “Feind”völker gebracht und am lebenden Objekt getestet werden, man hat schließlich nicht für die Halde produziert. Ich bin gespannt, wer als nächstes auf der Abschußliste der Kriegstreiber steht. Iran haben sie schon lange im Visier, ebenso Nordkorea.
    Menschliches Leid? Völlig gleichgültig. Ressourcenverschwendung, ökologische Schweinereien? Nach uns die Sintflut. Ist ein Land erst totel zusammengebombt worden, kann wieder an den Aufbau gedacht werden, so verdienen die Geschäftemacher zweimal. Und alle Welt macht mit. Beim Vietnamkrieg gab es wenigstens noch Widerstand, der aber erst nach gründlichem jahrelangen Waffeneinsatz gegen die geschundenen Völker Indochinas zum Zuge kam.

  12. eliso sagt:

    Zitat aus dem Forum: “Man stelle sich in der Tat vor, in spätestens 10 Jahren ist das System am Ende”

    da kann man ja darauf gespannt sein….

  13. Patrick sagt:

    In spätestens 10 Jahren?
    Einerseits wäre es ja gut, wenn es so wäre damit sich nicht noch die nach uns kommende Generation komplett damit rumplagen muss.
    Andererseits glaube ich nicht so recht dran. Da gibt es noch eine Menge rauszupressen aus den Menschen und es wird noch genügend selbstgemachte Hiobsbotschaften geben, die die Menschen wieder in Schrecken und Verzweiflung versetzen (à la 9/11) damit die Leute weiterhin Schutz suchen und Vertrauen in die Verantwortlichen setzen sollen.
    Ich bin da skeptisch, dass es wirklich so schnell geht.

    @Landwirt
    Ich sag es mal mit den Worten von Volker Pispers: wir bieten gleich beides an, Sachen für Arm ab und Arm reparieren (Waffen und Prothesen) – so kann man sich auch seine Kundschaft sichern; es müssen immer nur genügend Konflikte und Kriege in Gang gehalten werden. Die Banken verdienen zur Finanzierung dran, die Waffenhersteller, Prothesenleute und Pharmakonzerne ebenso. Zahlen tut es eh das murrende Volk.

    Was ich wirklich problematisch finde an diesem sehr “vernebelten” Weg der nächsten Zukunft.
    Was soll man seinen Kindern eigentlich beibringen?
    PCs lernen die schon in der Grundschule kennen, Smartphone ebenso…Technik ist toll, aber wie soll man einem Kind erklären, dass das möglicherweise NICHT die Zukunft für deren Generation ist? Autofahren tun wir jeden Tag, aber ob IHR das später könnt?

    Spätestens im Umgang mit gleichaltrigen usw. werden die ja meinen, dass ich in einer Parallelwelt lebe.
    Die hören hier A und woanders B.
    Also gleichzeitig im hier und jetzt leben und dennoch mahnend darauf zu verweisen, dass es ja vielleicht mal viel wichtiger sein könnte, dass man weiß wie man Kartoffeln aus dem Acker bekommt :-)

    • Landwirt sagt:

      Ich glaube, die Jüngsten verstehen sehr wohl, daß die Kartoffeln irgendwo erst wachsen müssen, bevor man sie essen kann, wenn man es ihnen erklärt. Ob sie so etwas in der Schule lernen, sei dahingestellt. Vielleicht sollte man ihnen sogar mal einen leibhaftigen Acker zeigen. Obwohl ich teilweise auf dem Land lebe, habe ich weit und breit noch keinen Kartoffelacker gesehen. Viele dieser Knollen importieren wir aus dem Ausland und kaufen sie dann beim Discounter.

      • Patrick sagt:

        In der Schule lernen die relativ wenig davon. Meine Freundin ist Grundschullehrerein, so dass man wenigstens im Sachunterricht einbringen kann – aber das liegt eben auch im Ermessen des Lehrers.
        Nachhaltigkeit, wo kommt unser Essen her, Konsum hinterfragen, wo kommt unser Strom her => das sind keine Pflichtübungen, aber das sind Themen, die zumindest eine Klasse nun bereits kennt :-)

        So was gehört DRINGENDST in die verbindlichen Lehrpläne. Die Kinder können zig Markenlabels unterscheiden aber keine Birke von der Eiche. Das ist schon bezeichnend für die Entwicklung!

        PS: Ich kaufe immer Deutsche Kartoffeln. :-)

        • Landwirt sagt:

          Glücklicher, der noch deutsche Kartoffeln erhält. (Bitte nicht nationalistisch oder rassistisch auffassen)! Wie ist es mit Hirschbraten (falls nicht Veganer)?
          Da wir mit Sicherheit im Vogelsberg keine Hirsche mehr haben, (wurde mir von Förstern bestätigt, weil die Bösen doch den Wald kaputt machen!) würde ich gerne wissen, ob es überhaupt noch Hirsche in freier Wildbahn hierzulande gibt, oder ob das Hirschfleisch immer tiefgefroren als ehemaliges Farmwild aus Neuseeland importiert wird?

        • Ert sagt:

          Tja,

          (ganz) früher gabs an Schulen Schulgärten – mit Obstbäumen, kleinem Garten, Kräutern, etc.

          Warum solch ein elementares Wissen heute nicht mehr gelernt wird? Es ist mir unverständlich. Zumindest kann ich mich aber an Blätter von Laubbäumen in meiner Mappe erinnern die wir sammeln, bestimmen und aufkleben mussten.

          Ich hatte zumindest noch Hauswirtschafts AG an der Schule – Kochen, Ernährung, Planung wie man Kocht, Backt, Vorbereitet, Zubereitet, etc. pp. Keine Ahnung wie das heute ist – war damals schon eher ungewöhnlich.

          • Patrick sagt:

            Sorry, ich bin Vegetarier – da kann ich nichts zu Hirschfleisch sagen.

            Schulgärten gibt es teilweise je nach Größe und Ausstattung der Schule schon noch.
            Ich glaube dennoch, das elementares Wissen zumindest teilweise verloren gehen wird. “Was die Großmutter noch wusste” könnte ja angesichts Peak Oil und sich der – alleine schon daraus – ergebenen zukünftigen wirtschaflichen langen Depression und Entbehrlichkeiten irgendwann wieder wichtig wären. (Vom monetären Niedergang der breiten Masse durch unser Wirtschafts/Finanzsystem spreche ich da noch nicht mal)
            Das steht natürlich schon irgendwo im krassen Gegensatz zur Smarphone/IT/ich kann alles haben wann ich will/TV-Entertainment Generation!

            Wir leben heute noch in einer ganz anderen Welt und im TV wird sogar tagtäglich eine noch andere (sorgenfreiere) Welt vorgegaukelt.

            Meine große Sorge ist eben dieser Effekt des “bösen Erwachens” eines Tages. Weil niemand drauf gefasst war.

    • GermanStacker sagt:

      Die normalen Bildungsinstitutionen sind der Ort, wo man “Lernen lernt”, mehr nicht. Die komplexe Welt zu verstehen, geht (neben Spezialisierung auf einen winzigen Ausschnitt) nur durch abstrakte Konzepte, die man sich selbst erarbeitet. Und verstehen ist immer der erste Schritt.

      Für mich wurde das Konzept der “Leverage” zum besterklärenden für unsere Situation. Deutsch hat da kein gutes Wort, Größenvorteil na ja. Wir arbeiten mit riesigen Hebeln, die Globalisierung hebelt ja ganze Kontinente gegeneinander. Billiges Öl, billige Arbeit, billiger Kredit, Informationstechnik, Systeme… alles gewaltige Hebel. Und nun sollen wir anfangen, sie freiwillig zurückstutzen (de-leverage), damit sie nicht irgendwann brechen? Fast unmöglich, wenn die Systeme erstmal ihre Eigendynamik haben. Eher heißt es, aus dem Weg gehen bevor es passiert…

    • GermanStacker sagt:

      …Nachtrag zur Veranschaulichung der Hebelwirkung: Geschwindigkeit und Aufprallenergie. Als Motorradfahrer habe ich mich mal damit beschäftigt.

      20 km/h ist etwa die natürliche Höchstgeschwindigkeit des Menschen, daher setzen wir die entsprechende Aufprallgeschwindigkeit mit “1” an. Wer aus vollem Lauf gegen einen Baum rennt, kann bereits tödliche Schädelverletzungen erleiden!
      Bei 50 km/h x 7
      Bei 70 km/h x 12
      Bei 90 km/h x 20
      Bei 105 km/h x 27
      Bei 150 km/h x 56
      Bei 180 km/h x 81
      Bei 200 km/h x 100
      Bei 240 km/h x 144
      Psychologische Tests ergaben, dass ein Motorradfahrer ohne Integralhelm (also mit voller Sinneswahrnehmung) lernen muss, eine natürliche Hemmung abzulegen, schneller als 50 km/h zu fahren – etwa der Bereich, ab dem jedes stehende Hindernis ziemlich tödlich wird. Danach kommen keine Hemmschwellen mehr, da die menschlichen Sinne dafür keine Referenz haben.
      In dieser Hinsicht würde ich sagen, fahren wir deutlich über 100…

      • Norbert Rost sagt:

        Sehr schönes Beispiel @GermanStacker!

        Eine Erweiterung macht unsere Schwerfälligkeit deutlich, zeitliche Aspekte in diesem Rahmen zu berücksichtigen:

        Angenomen ein Fahrer will eine Strecke von 90 km zurücklegen. Tut er dies mit 90 km/h, so benötigt er dafür genau 60 Minuten, also eine Stunde. Steigert er nun seine Geschwindigkeit um 16,7% auf 105 km/h, so braucht er dafür 51,4 Minuten, was einer Zeitersparnis von 14,3% entspricht. Sein Risiko steigt nach deiner Tabelle also von 20 auf 27 (+35%) für einen unterproportionalen Zeitgewinn von weniger als 9 Minuten auf die Stunde.

        Zeitgewinn und Risiko sind also nichtlinear miteinander gekoppelt – zu Ungunsten des Überlebens… (doch in der Wahrnehmung der meisten Menschen bedeutet 10% schneller fahren, 10% schneller ankommen, was aber Unsinn ist) Daher: Fuß vom – ähem – Gas!

  14. GermanStacker sagt:

    …und das ist nur der eine Teil des Risikos – der andere ist fast noch wichtiger im Kontext von Peak Oil. Denn auch die Wegstrecke pro Sekunde steigt ja mit der Geschwindigkeit an (im angesprochenen Beispiel von 50m auf 58m), d.h. man nähert sich einer Gefahrenstelle schneller, und ist schon näher dran bevor man anfängt zu bremsen. Außerdem ist der Bremsdruck niedriger, bei dem die Reifen blockieren.

    Tempo ist ein großer und unterschätzter Faktor.

  15. [...] aufgeweiteten Klüfte nicht exakt vorhergesagt werden kann, sondern ihre Ausbreitungswege eher chaotisch verlaufen. Das Zusammenspiel der verschiedenen Einflussgrößen ist schlicht zu komplex und [...]

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