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Peak Oil, der Transition-Town-Ansatz und Resilienzstrategien

Wer sich mit den möglichen Auswirkungen eines Ölförderrückgangs für unsere hochgradig ölabhängige Gesellschaft befasst, stellt fest, dass die üblichen Wege nur begrenzt aussichtsreich sind: Ja, vielleicht bringen noch ein paar Geologen neue große Kohlenwasserstoffvorkommen ans Tageslicht, aber wahrscheinlich, dass diese auch preisgünstig und zeitnah erschließbar sind, ist dies nicht. Ja, vielleicht erfinden ein paar findige Ingenieure noch Maschinen und Methoden, mit denen sich Ölderivate in größeren Mengen ohne allzu große Umweltauswirkungen (und billig) aus anderen natürlichen Rohstoffen herstellen läßt, aber wahrscheinlich ist das nicht. Wahrscheinlich ist, dass tendenziell steigende Ölpreise und eine Verknappung des Ölangebots die Zukunft sind oder Wirtschaftskrisen den Ölbedarf so stark senken, dass nicht die Verknappung das Problem ist - dann sind es aber andere Problempunkte, mit denen gesellschaftlich zu rechnen ist.

Für diesen wenig erbaulichen Ausblick finden sich nur wenig optimistisch wirkende Strategien. Einfallslos wie ich bin, fällt eigentlich nur eine ein: Anpassung an die Umstände. Doch die Suche danach, wie eine halbwegs realistische Anpassung aussehen soll, trägt nicht viele Früchte. Letztlich führen alle Überlegungen immer wieder zu einer Strategie zurück: Resilienz.

"Resilienz" bedeutet "Widerstandsfähigkeit" und kennzeichnet die Eigenschaft eines Systems, sich von störenden äußeren Einflüsse wenig stören zu lassen. Peak Oil - in all seinen Facetten - ist aus diesem Blickwinkel einer dieser "störenden Einflüsse", doch so wie heute unsere technischen und sozialen Systeme aufgestellt sind, sind sie hochgradig anfällig und alles andere als resilient. Ein erfolgreicher Cyber-Angriff, der die saudischen Ölfördersysteme etwas länger lahmlegt, und auch in Deutschland ist Massenarbeitslosigkeit logische Konsequenz. Von Versorgungsausfällen dank "Fremdversorgungsanfälligkeit" ganz zu schweigen.

Widerstandsfähigkeit herzustellen ist das Ziel des Transition-Town-Ansatzes. Als Arbeitsebene wird dabei die kommunale Ebene gewählt. Es soll also die eigene Kommune krisenfester gemacht werden. Die Wahl der kommunalen Ebene folgt nicht zufällig: Es ist die Ebene, in der jedes Individuum vergleichsweise großen Einfluss hat und es ist zugleich das "Nest", in und von dem wir letztlich alle leben. Es mag im Rest der Welt wild zugehen, aber wenn die eigene Kommune dennoch grundversorgt werden kann, ist viel gewonnen.

Nähe und Einfluss

Resilienz-Strategien widersprechen durchaus den bisherigen Strategien zum "Standort-Wettbewerb" der Kommunen. Sie umzusetzen bedeutet daher nicht selten einen Paradigmenwechsel auf kommunaler Ebene einzuleiten. Ohne Verständnis von Peak-Oil-Zusammenhängen und den Wechselwirkungen zum Wirtschaftssystem wird die Notwendigkeit solcher Strategien selten begriffen. Zwar wird auch in Klimaanpassungsüberlegungen zunehmend auf Resilienz-Elemente zurückgegriffen, aber noch versteht man unter "Klimaschutz" in Deutschland vor allem die Vermeidung von Treibhausgas-Emissionen und nicht die Anpassung der lokalen Stadt- und Dorfstrukturen auf Extremwetterphänomene.

Die Anpassung solch komplexer Systeme wie Kommunen oder Unternehmen bedarf mehr als den Austausch der technischen Infrastruktur. Insbesondere, da jedes einzelne dieser Systeme mit einer Vielzahl weiterer Systeme vernetzt sind und in teils lebenswichtiger Interaktion miteinander stehen. Um der Komplexität gerecht zu werden sind demnach ähnlich komplexe Handlungsoptionen erforderlich.

Es mag dennoch seltsam erscheinen, dass ausgerechnet ein Film über Landwirtschaft hier als (erneute) Empfehlung für eine Auseinandersetzung mit Resilienz-Gedanken genannt wird. Der von Nils Aguilar gedrehte "Voices of Transition" startet am 27. April in eine Frühlingstournee durch 14 deutsche Städte beginnend in Hamburg. Der Regisseur wird ebenso anwesend sein wie Vertreter lokaler Transition-Aktivitäten. Auch wenn der Film nicht die Komplexität kommunaler Systeme in seiner Gänze erfasst und s zu kurz greift, einen aus dem fossilen Industriezeitalter kommenden Transformations-Prozess auf die Landwirtschaft zu reduzieren, so gehört Landwirtschaft eben doch zu den entscheidenden Bausteinen unseres Lebens. Schlicht: Sie ernährt uns. Dass pro Hektar bearbeiteter Landwirtschaftsfläche etwa 130 Liter Treibstoffe benötigt werden und die Ernte dann noch gelagert, verarbeitet, (oft) verpackt und über weite Strecken transportiert werden muss, läßt erahnen, dass unsere Lebensmittelversorgung alles andere als widerstandsfähig gegenüber Ölkrisen ist.

Ich selbst darf am 6. Mai um 19 Uhr an der TU Chemnitz auf Einladung des NATUC meine Sicht auf den Transition-Town-Ansatz vorstellen. Zuhörer und Diskutierende - gern mit konträren Meinungen - sind herzlich willkommen! Weiter anstehende Termine in und um Transition-Gedanken und -Aktivitäten zeigt die Webseite transition-initiativen.de.

30 Kommentare to “Peak Oil, der Transition-Town-Ansatz und Resilienzstrategien”

  1. Hallo und vielen Dank für die Worte. Ich habe vor einigen Jahren in Mainz eine TT-Initiative mit aufgebaut. Es hat viel Spaß gemacht. Ich habe viele neue Leute und Initiativen kennengelernt und gemerkt, dass wir alle zusammen tatsächlich etwas bewegen können.
    Wenn sich der Gedanke der Resilienz in den Köpfen der Menschen festsetzen würde, könnten – ausgehend von resilienten Gemeinden – eine neue postfossile Gesellschaft entstehen. Meinen Kindern wünsche ich solche eine Zukunft – ohne Angst vor der Zukunft und mit lokalen und regionalen, resilienten Gemeinschaften.

  2. Mein Menschenverstand sagt mir, das mit zunehmender Verknappung die größeren Städte als “Systemrelevant” eingestuft und vorrangig versorgt werden. Dies wird paradoxerweise viele Menschen in die Städte treiben.
    Eine böse Mausefalle!

    Erst wenn auch die Städte nicht mehr ausreichend versorgt werden können und Krawalle ausbrechen, wird eine genau gegenteilige Stadtflucht ausbrechen. Jedoch dürften dann die Verkehrsmittel mangels Kraftstoff nicht mehr in der Fülle zur Verfügung stehen wie Heute.

    Man ist also gut beraten, “kommunale Überlebensnester” so weit von größeren Städten zu fokussieren wie irgend möglich und sich dabei so leise und unscheinbar zu verhalten wie es nur geht.

    Also jetzt groß Werbung über seine kommunalen Überlebensfähigkeiten und Erfolge zu machen ist nicht unbedingt empfehlenswert.

    Die wenigsten Menschen haben so viel Selbstdisziplin, dass sie sich auch bei starken Hunger und Durst noch rational verhalten können.

    • @Stefan: Ist denn diese Logik konsistent: Vom heutigen Stand der Dinge auf “Hunger und Durst” morgen zu schließen? Zwischen “heute und morgen” (um in diesem Bild zu bleiben), liegen ja Entwicklungen und Aktivitäten, die durchaus antizyklisch wirken dürften. Ich empfinde diese Argumentation als paralysierend, denn sie sagt: Tun kann nichts, weil mein Einfluss zu gering ist. Reden sollte ich nicht über meine Befürchtungen, weil mein Umfeld mich dann für durchgedreht hält; und nicht über meine Erfolge, weil ich dann “Trittbrettfahrer” anlocken würde.

      Diese Argumentation wirkt isolierend: Sie sagt einerseits, dass nach der heutigen Situation sofort eine Nahrungsmittelknappheit eintritt und sie sagt andererseits, dass man vorher sowieso nichts tun kann. (Und in Kombination mit @wolfswurt: Entsprechend auch nichts tun sollte, weil wird ja eh keinen Sinn haben.)

      Ich finde die Sichtweise ehrlich gesagt auch reichlich vernebelt. Sie unterstellt, dass alle Menschen ziemlich gleich sind und läßt besondere Interessen Einzelner außen vor. Kommunalverwaltungen haben die Aufgabe der Daseinsvorsorge, also sollte es im Interesse der kommunalen Mitarbeiter sein, Risikoszenarien “einzupreisen”. Unternehmenslenker genau wie -mitarbeiter haben ein Interesse am Fortbestand ihrer Unternehmen, also haben sie ein Interesse, existenzbedrohende Entwicklungen abzuwenden. Eltern haben Interesse am Überleben ihrer Kinder. Will sagen: Wer immer auf “die Masse” starrt, muss zu dem Ergebnis kommen, dass die sich nicht bewegt (denn sie ist träge und zäh und strebt in so viele Richtungen gleichzeitig, dass sie (als Masse) den Eindruck von Bewegungslosigkeit hinterläßt. Schaut man sich aber Einzelbereiche dieser Masse an, steht man vor der Herausforderung: Wie finde ich Bilder und Argumente für diese Einzelpersonen oder Organisationen, um Bewegung zu provozieren.

      Und sorry: Wenn diese Hoffnungslosigkeit, die sich auch im Ausdruck “Die Politik ist längst zur Fingerpuppe der Industrie und Banken verkommen” zeigt, Standard im Umfeld von Peak-Oil-Besorgten ist, dann mach ich mein Blog lieber zu und leg mich in die Sonne.

      Also: Etwas mehr Konstruktivismus bitte!

      • Konstruktiv, ok.

        Ich war vor etwa 15 Jahren in einer Gemeinde zu Gast. Diese hatte sich vor einigen Jahrzehnten zum Ziel gesetzt, genau diese kommende Katastrophe zu überleben. Auch wenn die öffentliche Vorgabe eine andere ist.
        Angefangen damit, die ersten Fundamente für das erste Haus in der Freizeit von Hand aus dem Fels zu schlagen, steht dort heute gut versteckt, weitgehend unbekannt und finanziert von Kindergarten und Seniorenheim eine stattliche Gemeinde von fast 200 Leuten.

        Mit:
        Eigener Schilfbett Käranlage;
        Zentraler Heizanlage, die dauerhaft mit Holz betrieben werden kann;
        Bäckerei, Käserei und Bauernhof, der weitestgehend von Hand bewirtschaftet wird;
        Ingenieure, Arzt, Tischler, Bauer, Zimmermänner, Schmied, Bäcker, Schneider, Maurer, Musiker, Lehrer…;
        kleiner Feuerwehr und Kapelle bzw. Gemeinderzentrum zum musizieren, Gottesdienst, was auch immer.

        Alles was man dort sieht ist selbst gemacht und selbst finanziert.

        Wenn du also wissen willst, was *mindestens* zu einer Mikrogemeinde gehört, dann schau dich dort um. Wenn du es nicht an die große Glocke hängst, schicke ich dir die Adresse.
        Fahr dort hin, es lohnt sich!

        Um so etwas aufzubauen braucht es vor allem Manpower, Manpower, Manpower und etwas know-how. Denn die Leute dort arbeiten immer noch -zwar in aller ruhe- 10-14 Stunden 7 Tage die Woche. Sogar die Leute aus dem Seniorenheim helfen mit, soweit sie noch können und wollen — und die wollen gerne…

        Solche Mikrogemeinden gilt es aufzubauen oder wenigstens in bestehende Geimeinden mit einzuflechten. Viele kleine Flecken.

    • Roderik sagt:

      Lieber Stefan, vor Jahrzehnten sah ich in einer Zeitung eine Karikatur folgenden Inhalts: Ein Südseestrand, Palmen, dazwischen eine Hängematte mit einem Typen drin und am Horizont die untergehende Sonne. Unterschrift des Bildes: Von hier hat man den schönsten Blick auf den Weltuntergang!
      Unweigerlich kam einem die Frage: Wieso Weltuntergang? Darauf nahm man die Sonne genauer in Augenschein und stellte verblüfft fest – es ist die Erde, die da gerade am Horizont untergeht.
      Kann es sein, dass dein “kommunales Überlebensnest” so eine Art Hängematte sein soll?

    • Flin sagt:

      Was mir bei Städten immer durch denn Kopf geht ist folgendes. Lass dort mal 2 Wochen oder auch länger die Lebensmittellieferungen ausbleiben,ich denke dann hat man sehr schnell Plünderer in der Umgebung,und bei einer Millionenstadt werden das die Dörfer in der Umgebung wohl nicht überstehen. Auch wenn es dort Landwirte gab werden diese wohl bis auf die Knochen geplündert. Ohne moderne Landwirtschaft kann man diese menge an Leuten einfach nicht ernähren. Bleibt nur zu hoffen das dieses Szenario so nie passieren wird.Denn wenn Millionen hungern und anfangen übers Land zu ziehen wird das ganze unlustig.

  3. ab.er sagt:

    Wenn es nach einem Abgeordneten in Kansas ginge, dann würde die Transition Town Bewegung auf den “Index” gesetzt.

    http://www.nachhaltigkeitsrat.de/index.php?id=7706

    aber keine Angst, der Mann arbeitet nur für die Gasindustrie, und die kann Nachhaltigkeit und Resilience zur Zeit überhaupt nicht gebrauchen. Die muss verkaufen, was die Quellen so her geben.

    • Die Politik ist längst zur Fingerpuppe der Industrie und Banken verkommen. Von da ist keine Hilfe zu erwarten. Erwartet werden sollte lieber Widerstand und Schikanen – schon rein aus Selbstschutz, also ganz im Sinne des Resilienz-Gedankens.

      Nehmen wir solches also als gegeben hin, verfallen nicht in emotionale Inkontinez und versuchen weiter, uns für die zukünftigen Ereignisse zu wappnen — bei möglichst klaren Verstand.

  4. wolfswurt sagt:

    @Stefan Brinkmann

    Ihre Aussage kann ich durch die Situation in der Mangelwirtschaft der DDR bestätigen.
    Berlin, Leipzig, Dresden und Rostock waren mit fast allen Waren und Gütern versorgt.
    Sind dann die Großstädter zu Besuch ihrer Verwandtschaft in kleinere Städte oder aufs Land gefahren wurden sie gebeten dies und das mitzubringen.
    Da der Staat DDR vor dem wirtschaftlichen Zusammenbruch aufgelöst wurde, ist die Situation, welche die Großstädter dann aufs Land getrieben hätte, nicht eingetreten.

    Zur Resilienz von Gemeinden:
    Grundlage von Einsicht und dann folgender Entscheidungen und Handlungen ist und bleibt das sich bewußt werden von nicht aktuell zu sehenden oder wahrnembaren Fakten.
    Der Mensch in seinem Wesen ist von natur so angelegt erst auf eintretende äußere Tatumstände zu reagieren und die Notwendigkeit zu Veränderung und Anpassung vorzunehmen.

    Insofern ist das Bemühen um vorsorgliche Veränderung zu loben wird aber wenig Erfolg zeitigen.

  5. Marcus Kracht sagt:

    Norbert, sehr gut finde ich das Buch von Robert Jensen: “We Are All Apocalyptic Now. On the Responsibilities of Teaching, Preaching, Reporting, Writing and Speaking Out”. Er sagt erstens, er sei es leid, ständig Positives sagen zu müssen, denn die Lage ist denkbar schlecht (sagst Du ja selbst). Und er sagt, es wäre an der Zeit, wenn all diejenigen, die es besser wissen, auch aufhören würden, wider besseres Wissen positive Stimmung zu verbreiten. Leider gehören seiner Meinung nach viele Journalisten dazu.

    MaW, es geht um eine ehrliche Bestandsaufnahme. Die müssen wir einfordern. Das hat eben nichts mit Fatalismus zu tun. Ich gebe Dir also Recht insofern, dass wir nicht einfach mit Hinweis auf die anderen aufhören sollen. Im Gegenteil: wenn wir etwas tun, dann werden andere vielleicht mitmachen. Wer auf die Politik warten will, braucht viel Geduld. Zwar ist die Politik notwendig, aber eben zu langsam. Wir haben nämlich nicht mehr viel Zeit.

    • @Marcus: “Ehrliche Bestandsaufnahme einfordern”. Probieren wir das doch mal! Die Frage ist: “von wem?” Wir haben das mit “Dresden auf Entzug” ja probiert: haben uns lokale Akteure eingeladen und denen die Frage gestellt: Wie funktioniert die Stadt ohne Öl? Ergebnis: Wechselhaft. Denn so richtig beantwortet wurde diese Frage nicht; als Hauptansage steht im Grunde im Raum: Niemand weiß wie die heutigen Städte ohne Öl funktionieren. Manche haben Ideen für einzelne Bausteine, aber ein integriertes, eine ganze Stadt betreffendes Konzept existiert nicht.

      Auf “die Politik” zu warten ist definitiv zu wenig. Ich verstehe die politischen Gremien als Führungsinstrumente. Dort, in diesen Führungsgremien müßten eigentlich die Wegweiser entwickelt werden, die Antworten auf die Städte ohne Öl liefern. Aber dort kümmert sich bislang kaum jemand. Was mich zu der Frage bringt: Wie fordern wir denn diese ehrliche Bestandsaufnahme ein, die du benennst?

      Der Verweis auf Hunger&Durst, den Stefan vornimmt, kommt den meisten “Verantwortlichen” so absurd vor, dass sie ihn entweder verdrängen oder ihn für irrelevant einstufen. Wie stellt man Gefahren dar, ohne in der Spinner-Ecke zu landen und dennoch die Dringlichkeit hervorzuheben? Und wie umschifft man das Problem der “Nicht-Zuständigkeit”, die ja fast jeder für sich beansprucht: Weil das Problemfeld Peak Oil (& Co.) so komplex ist, dass es alles und jeden betrifft fühlt sich letztlich niemand zuständig.

      Also: Wenn die Forderung einer “ehrlichen Bestandsaufnahme” im Raum steht, stellt sich im nächsten Schritt die Fragen: Wer soll uns die liefern? Wie fordern wir sie ein? Was machen wir mit dem (zu erwartenden) Ergebnis?

      • Leute für dieses Thema zu sensibilisieren ist wirklich heikel und geht nur über die Medien. Radio Peak-Oil?! Würde ich total cool finden, aber dafür bekommt man bestimmt keine Zulassung und finanziert werden muss das ganze ja auch.
        Man muss es halt dort anbringen, wo die Leute sowieso hinsehen. Litfaßsäulen, Plakate. Muss ja gar nicht groß sein, nur bunt genug, damit es gesehen wird. So wie z.B. ein kleiner Zirkus das macht.
        Das reicht doch schon. Nur halt kontinuierlich. Nicht alle 6 Monate alles raus hauen, sondern lieber alle paar Tage ein bisschen. Lange tröpfeln ist über die Zeit viel effektiver als kurzes ballern – und es wird nie als “öffentliches Ärgernis” gewertet.

        Irgendwann fangen die Leute an darüber zu reden. Zunächst nur beifällig, meist abfällig – man möchte ja nicht als Spinner da stehen. Aber mit der Zeit gewöhnt man sich an das Thema und es wird mehr und mehr offener darüber geredet. Aber das dauert halt.

        Die Masse reagiert anders als das Individuum. Die Masse glaubt grundsätzlich alles, wenn man sie nur lange genug mit was auch immer berieselt. Siehe Lätta und Danone ;)

        Aber im Internet Aufmerksamkeit erregen? Vergiss es!
        Nicht mehr als 1-3% sind überhaupt an Informationen außerhalb öffentlichen Medien interessiert.
        Man kann zwar öffentliche Werbung mit dem Internet verlinken, aber wer hat schon Schreibzeug parat um sich die Adresse aufzuschreiben, bzw. sich überhaupt dazu zu bequemen.

        Also was das betrifft, wird das Internet völlig überbewertet glaube ich.
        Und – Leute die auf ein Plakat reagieren an dem sie vorbei spazieren sind grundsätzlich sehr viel Handlungsbeireiter als die Vollzeit-Internet-Sesselpuper.

      • ab.er sagt:

        Hallo Norbert,

        ja, das Einfordern einer “ehrlichen Bestandsaufnahme” ist sehr schwierig. Wenn ich allein bedenke, wie panisch/ungläubig unser Oberbürgermeister auf den Vorschlag reagiert hat, einmal zu durchdenken, wie denn der Verkehr hier bei einer Reduzierung des motorisierten Individualverkehrs um 20% aussehen könnte, dann ist da bezüglich Darstellung der Problematik noch ein weites Feld offen.

        Und dabei ist ja Peak-Oil das kleinere Problem gegenüber dem Klimawandel. Wenn wir es mit der Bekämpfung/Vermeidung des Klimawandels ernst meinen müssen wir ja einen (großen) Teil der schon bekannten Ölreserven im Boden lassen. Das hat gegenüber Peak-Oil allerdings den Vorteil, dass man da die Wahlfreiheit hat. Ich kann mich ja auch dazu entscheiden, mit den Folgen des Klimawandels leben zu wollen (na ja, ich glaube die Entscheidung fällt eher so, weil man nicht mit den Folgen der Anpassung an den reduzierten Energieverbrauch leben will, über die Folgen des Klimawandels macht man sich da jetzt noch gar keine Gedanken). Diese Wahlmöglichkeit habe ich ja bei Peak-Oil nicht. Das Öl sprudelt einfach nicht mehr in der Menge, die ich brauche, egal ob ich mich daran angepasst habe oder nicht.

  6. Ert sagt:

    Immer wieder schoen zu lesen.

    Aber ggf. Denkt ihr schon den 56 Schritt vor dem ersten. Das Öl ist ja nicht einfach puff und weg!

    Bei einer verknappung wird es erst teuer. Das wird dann zuerst einmal die industrielle basis und den Fahrzeugbau langsam erodieren. Ich denke alleine mit diesem Szenario ist unsere politik schon überfordert. Das Problem wird zuedst sein: essen gibts genug – nur fehlt den Leuten die Kohle dafür.

    Gleichzeitug brechen auch die Kredit finanzierten Systeme und banken zusammen (als Folge).

    Eure sorgen kommen erst später. ..

  7. Patrick sagt:

    Ja, möglicherweise beginnt die Krisen-Spriale tatsächlich zu aller erst mit PEAK DEBT, bevor dann Öl, Gas und Kohle im Lauf der Jahre folgen…

    Zum Thema Internet:
    Ich behaupte, dass wir uns mal anschauen sollten, welche (nicht-Mainsstream)Seiten im Internet zur Informationsgewinnung für Menschen dienen, die ebenfalls zu den “Kritischeren” gehören.

    Mein Vorschlag an Norbert Rost: vielleicht einmal Kontakt mit den Nachdenksteiten aufnehmen?
    Auch wenn es dort natürlich schwerpunktmäßig um (Wirtschafts-)Politik geht, so wird Peak Oil letztlich alles und jeden betreffen.

    Ansonsten wird die Aufmerksamkeit vermutlich erst dann aufkommen, wenn die Krise bereits in vollem Gang ist.

    • ab.er sagt:

      Hallo Patrick,

      ich weiß nicht, ob die Nachdenkseiten ein geeigneter “Kooperationspartner” sind? Auch wenn sie kritisch zu vielen Neoliberalen Auswüchsen sind, haben sie einen blinden Fleck.

      Jemand, der behauptet, es könne noch viel (monetäres) Wachstum geben, weil noch nicht jeder Afrikaner einen Kühlschrank und nicht jeder Eskimo eine Höhensonne (oder war es umgekehrt ;-)? ) hat, hat auch Schwierigkeiten, die Folgen von Peak Oil abzuschätzen.

      Wenn die geophysikalischen Naturgesetze die Verfügbarkeit von (billigem) Rohöl verringern, dann wird es einfach schwierig mit monetärem Wachstum, und man kann wie ein trotziger Dreijähriger herumhüpfen und schreien: “Ich will aber mein Wachstum”, es wird aber kein Wachstum geben. Und die Folgen werden die sein, die wir jetzt auch in Südeuropa beobachten können: Massenarbeitslosigkeit, Zusammenbrüche von Banken und Sozialsystemen (wenn wir Glück haben).

      • Ert sagt:

        Dem kann ich auch gut folgen. Wenn irgendjemand investitionsprogramme etc. fordert, dann heisst das Wittschaft ankurbeln und Energie und Ressourcen verballern.

        Einzig ein Umbau in eine suffizienzwirtschaft oder die Forderung den wirtschaftsoutput jedes Jahr 2-5% zu senken waehren sinnvoll. Dass passt aber auch nicht bei den nachdenkseiten ins Bild. Den Weitblick von z.B. Gail (our finite world) hat eben nicht jeder.

        • Patrick sagt:

          Ich kann eurer Argumentation folgen.

          Aus rein ökonomischer Sicht ist das Gegenteil der Austeritätspolitik natürlich richtig, in sofern möchte ich den Nachdenkseiten in Bezug zur Tagespolitik einfach mal (eine leider selten anzutreffende) Kompetenz zusprechen.

          In wie weit dort das Thema PEAK OIL bisher bekannt ist, weiß ich auch nicht.

          Nur könnte ich mir vorstellen, dass man mit den bisherigen Daten und Fakten (die Norbert bestimmt gut aufbereitet präsent hat)und den inzw. doch zahlreichen Studien vielleicht eine Debatte starten könnte.

          Die IHK hat ja das Erdöl selbst als wesentlichen Faktor benannt.
          Nun müsste man tatsächlich versuchen, die Dinge so zu vermitteln, dass man nicht als “Spinner” durchgeht – aber dass man auf die Dringlichkeit und Gewichtigkeit des Problems aufmerksam macht.
          (wie hier schon geschrieben wurde)

          Wenn politisch nichts passiert, muss man eben andere Wege versuchen.

          Bei Attac kann ich sagen, ist das Thema zumindest irgendwo bekannt, ich habe es zu Hause auf dem Flyer “Abschied vom Wachstumszwang” in einem Satz gelesen.

          Wir müssen die “generell interessierten” Menschen mitnehmen. Die uninteressierten werden wir nie erreichen…

          • ab.er sagt:

            Hallo Patrick,

            ich weiß ehrlich gesagt nicht, wie weit ein schuldenfinanziertes Wachstumspaket (das müsste ja das von Dir beschriebene Gegenteil der Austeritätspolitik sein) mit Peak Oil zusammenpasst?

            Ich glaube eher, dass die (Mainstream-) Wirtschaftswissenschaften noch keine passende Antworten auf die aktuellen wirtschaftlichen Probleme der Euro-Südstaaten und auf die dann von Peak Oil hervorgerufenen Probleme haben. So wie ich das derzeit beurteile, kann man in den aktuellen Randbedingungen eigentlich nur alles falsch machen.

            Schuldenmachen dürfte falsch sein: die Schulden können nicht mehr zurückgezahlt werden, da das dadurch induzierte Wachstum geringer ist, als die Erhöhung der Schulden. Für ein weitergehendes Wachstum fehlen die Voraussetzungen. Es fehlt an billigen Resourcen (Öl und andere Rohstoffe).

            Sparen ist genauso falsch: Dann erleben wir solchen Krisen wie derzeit in Südeuropa mit Massenarbeitslosigkeit, und Zusammenbrüchen von Banken und dem Gesundheitswesen.

            Aber wir dürfen uns keinen Illusionen hingeben. Wenn das Öl richtig teuer wird (oder vielleicht auch, wenn es weiterhin so teuer, wie jetzt, bleibt), dann wird es auch kein Wirtschaftswachstum mehr geben, mit dem wir dann über Schulden alles am Laufen halten können. Peak Oil heißt für mich, dass alle Gewissheiten über Bord geschmissen werden können, weil einfach nichts mehr passt.

            Die Lösung liegt für mich in der Beseitigung der inhärenten Wachstumszwänge. Wahrscheinlich liegen die irgendwo in den Tiefen des Geldsystems. Und wenn man den Bürgern ein stabiles, wenn auch einfacheres Leben anbieten kann, dann kann man sicher auch viele davon überzeugen, dass es eben nicht notwendig ist, ständig was Neues haben zu müssen. Ansonsten ist Verzicht im Moment einfach nur bedrohlich, weil überall nur Abwärtsspiralen zu sehen sind.

          • Ert sagt:

            Die wachstumsdogmatik ist sogar so schlimm, das man auch im Falle Zypern das Geld nicht ausgebucht hat.

            Es wird hingegen in aktien umgewandelt, gesperrt und vorsorglich einbehalten. Letztendlich ist alles uber 100k weg – nur wird es nicht ausgebucht, weil das deflationaer waehre.

            Alles, nur keine wertberichtigung und auch kein ausbuchen uneinbringbarer Forderungen. Wuerde man es eingestehen und billionen ausbuchen, dann wuerde jetzt sofort schon alles implodieren.

          • Patrick sagt:

            ab.er,

            Unser Geldsystem ist meiner Meinung nach in der Tat ein Knackpunkt unserer Probleme.

            Denn Geld kommt schon als Schuld “auf die Welt”, denn es entsteht überhaupt erst durch Kreditvergabe.

            Alles Geld ist somit Schulden und alle Schulden sind Geld!
            (ich glaube sogar Chris Martenson hatte da etwas in seiner Videoreihe)

            Und da die Bank auf 100 Euro Kredit (also Geldschöpfung) Zinsen haben möchte (Geld, das noch gar nicht existiert) und reale Sicherheiten, müssen die Wirtschaftsteilnehmer sich gegenseitig um die Zinsen “schlagen”, nur ALLE können sie eben niemals zurückzahlen.

            Der Zins und Zinseszins ist halt ein Grund für unseren Wachstumszwang, die daraus sich ergebene Konkurrenzsituation ist dann ein weiterer.

            Schulden abbauen heißt gleichzeitig Geld vernichten, diesen Zusammenhang verstehen nur die meisten nicht.

            Die von mir angemerkte Tagespolitik und die Kritik von den Nachdenksteiten haben an sich nichts mit Peak Oil zu tun.
            Meine Hoffnung war, dass man kritischen Berichterstattern die Thematik vielleicht näher bringen kann, da diese sich nicht so sehr durch das “business as usual” der Mainstreampresse, Ölmultis und Regierungen blenden lassen.
            Wie das zur Zeit ja mit dem Fracking gemacht wird

            Aber wenn ich mir den Kommentar von Florian Hoppe durchlese, scheint es ja auch dort “blinde Flecken” zu geben.

            Wie sieht es denn mit Attac aus? Ich bin seit kurzem Mitglied dort, jedoch eher in Form der Unterstützung als Spender.

            Wie schon geschrieben, ist der Begriff Peak Oil dort ja immerhin schon gefallen.
            Vielleicht kann man ja hier nochmal Detailwissen vermitteln und eine gemeinsame Aktion planen oder einen Flyer dazu gestalten?

            Irgendwo müssen wir ja mal den Hebel ansetzen und weitere Unterstützer finden, die auf die Probleme aufmerksam machen, die da kommen werden.

  8. Patrick sagt:

    Nachdenkseiten sollte es natürlich heißen!

  9. Florian Hoppe sagt:

    @Nachdenkseiten:

    Vergiss das schön. Ein paar Attac Leute hatten mal mit Müller zu tun und haben nach einigen negativen Artikeln von ihm diesen lesenswerten Artikel verfasst.

    http://postwachstum.net/2011/05/18/jenseits-des-wachstum-jenseits-des-tellerrands/

    Mit dem Gloabliserungskritker Joachim Jahnke liegen Müller, Berge rund Co. auch seit einigen Jahren im Klinch, unteren anderem wegen Müller Aussage “Die Globalisierung wäre in alter Hut.”

    http://www.jjahnke.net/nachdenkseiten.html

  10. M.U. sagt:

    http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/energiepolitik-industrie-fordert-energiepreisbremse-von-merkel/8135958.html

    Und schon kommt wieder so ‘nen Sack aus seinem Loch gekrochen. Arbeit um jeden Preis für jeden Scheiß! Man könnte nur noch kotzen.

    Wir sind derart gefangen in dieser Ideologie. Unglaublich. Was ist eigentlich der Sinn hinter diesem globalen Wettrennen? Wer geht als erster auf die Bretter? Wir werden Opfer unseres eigenen Erfolges, bauen zielstrebig und mit behaglicher Begeisterung an der größten Rampe der Welt!

  11. M.U. sagt:

    Hier mal noch ein recht interessantes Angebot
    http://future.arte.tv

  12. […] sollte hierfür zunächst der eigenen Wohnort erkennt werden, wie es auch Norbert Rost empfiehlt. Dennis Meadows sieht ebenfalls die größten Chancen, vor Ort Widerstandsfähigkeiten […]

  13. […] Norbert: Peak Oil, der Transition Town Ansatz und Resilienzstrategien. […]

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