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4500 werden es nicht schaffen

Über ASPO Deutschland bin ich auf folgenden Artikel gestoßen: "Collapse: The Post-peak Narrative", sinngemäß übersetzt und interpretiert, "Zusammenbruch: Die Geschichtsschreibung nach dem Erdöl-Fördermaximum", vom 06.12.2013. Zu lesen auf culturechanche.org.

Darin wird beschrieben, wie sich verschiedene Entwicklungen in den verschiedenen Gesellschafts- und Wirtschaftsbereichen mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit ereignen könnten, wenn die globale Förderrate von Erdöl rückläufig sein wird. Der Autor Peter Crabb beschreibt dabei Ereignisse in unterschiedlichen Bereichen.

  1. Stillstand technologischer Systeme
  2. Wirtschaftlicher Absturz
  3. Institutionen werden handlungsunfähig
  4. Zusammenbruch des Ökosystems
  5. Gewalt und Konflikte
  6. Wegsterben der Bevölkerung

Das sind mögliche Szenarien, welche Crabb in seinem Artikel jeweils noch erläutert. Sie stellen sicher nicht die einzigen Varianten dar, sie sind in dieser Weise und Ausprägung dennoch nicht auszuschließen und als sehr wahrscheinlich einzustufen, denn es sind die typischen Merkmale einer zusammenbrechenden Hochkultur, die es in der Vergangenheit lokal auf dieser Erde immer wieder gab. Im Prinzip nichts Neues.

Ich denke am überraschensten und mental bedrohlichsten liest sich jedoch Punkt Sechs der oben aufgeführten Auflistung: "Wegsterben der Bevölkerung". Peter Crabb, ein Sozialpsychologe mit einer Anstellung an der Pennsylvania State University, der für diesen Artikel über 40 Bücher als seine Leselektüre benennt, geht davon aus, dass von den derzeit 7,1 Milliarden auf der Erde lebende Menschen nur noch an die 2 Milliarden Menschen leben werden, wenn sich nach einem zu erwartenden Systemzusammenbruch wieder ein stabiles und tragfähiges System eingependelt haben wird. Er bezeichnet diesen Prozess als Wegsterben von überschüssigen "Öl-Menschen" (Original: "petro people"). Die Todesursachen sieht er in Hunger, Infektionskrankheiten, extremen Temperaturen (vermutlich wegen fehlenden Klimaanlagen und Heizbrennstoffen) und Morde durch Überlebenskämpfe. Viele Menschen werden freiwillig ableben, weil sie das Elend, das sie auf sich zukommen sehen oder bereits mit ihnen oder um sie herum passiert, nicht mehr ertragen können.

Das düstere Bild das er aufzeigt, wird noch verstärkt durch die Bemerkung, dass es der Filmindustrie bisher noch nicht gelungen sei, Szenen von Tod und Leid so darzustellen, wie sie sich abspielen könnten, wenn die globale Ölförderung spürbar abnimmt.

Wie deprimierend.

Ist das jetzt die Wahnvorstellung eines durchgedrehten Psychologen? Es gab, wie er schreibt, einige Hinweise in seinen benannten Quellen, dass es 2 Milliarden sein werden. Die Begründungen darin fand er plausibel und schloss sich ihnen an. Ohne diese Quellen zu prüfen, stellt sich für mich die Frage, wie nahe diese an einer möglichen Realität mit 2 Milliarden "Überlebenden" auf unserem Planeten sind? Doch wie kann ein Überprüfungsansatz aussehen? Nun, was im Großen für unseren Globus gilt, müsste doch auch im Kleinen für meinen Wohnort Gültigkeit haben.

Es gibt so eine schöne Weisheit: Wer die Zukunft erkennen möchte, muss die Vergangenheit studiert haben. Also, fang ich mal irgendwo an. Im Ort, in dem ich lebe, gab es im Jahr 1900, also vor über 100 Jahren rund 2.000 Einwohner. Die Dorfbewohner waren - wie üblich hier in dieser Region - Bauern, Handwerker, zum Teil Arbeiter und Taglöhner in der heimischen Kleinindustrie (Mühlenbau, Ziegelei), viele mit Nebenerwerb wie Gaststättenbetrieb oder das Binden von Bürsten und Besen.

Ernährt hatten sie sich von der eigenen Vieh- und Landwirtschaft. Die Anbauflächen haben sich überwiegend innerhalb der Ortsgemarkungsgrenzen befunden. Die Erntewege mussten kurz sein, denn der Raumwiderstand war zu dieser Zeit noch sehr hoch. Die Böden waren insgesamt sehr ertragreich. Laut Erzählungen gab es lediglich Fruchtwechselbrachen. Selbst der angrenzende Wald hatte nicht diese Ausdehnung, war dort also auch zum Teil Acker- oder Wiesenfläche. Ich habe mir auch mehrfach bestätigen lassen, dass es offensichtlich keine nennenswerten Überschüsse gab, die in die nahe liegende Stadt "exportiert" werden konnten. Zu dieser Zeit gab es bereits die Dampfmaschine und vereinzelt Elektrizität im Ort. Riemenbetriebene, mobile Dreschmaschinen, die per Pferdegespann von Ort zu Ort, also von Dreschschuppen zu Dreschschuppen zogen, waren bereits im Einsatz. Auch die eingleisige Eisenbahnlinie gab es hier schon. Also, ein gewisser Technologiegrad war 1900 im Ort vorhanden und wie erwähnt, die Einwohnerzahl lag bei 2.000. Es gab zu dieser Zeit zusätzlich ca. 900 Stück Rinder, die nicht nur zur Milch- und Fleischproduktion, sondern auch als Transporttiere und zur Ackerarbeit eingesetzt wurden.

Nun ist der Ort auf beinahe 6.000 Einwohner angewachsen, also um den Faktor drei. Der sprunghafte Anstieg begann nach dem 2. Weltkrieg. Die Ackerfläche hat sich seitdem nennenswert verringert, durch den zugelassenen Walddruck und durch die wachsenden Siedlungsflächen samt Straßenbau; diese sind schätzungsweise um den Faktor fünf bis sechs angestiegen.

Einwohnerzahl meines Wohnortes

Folgt man der Prognose von Peter Crabb, so wird sich die Bevölkerung im globalen Durchschnitt um den Faktor 1 / 3,6 verringern. Sicher sieht er regionale Unterschiede durch unterschiedliche Rahmenbedingungen. Doch warum hält er gerade diesen Wert für plausibel? Und hält er einer lokalen Gegenprobe Stand?

Nehmen wir diesen Durchschnittswert für meinen Ort, würde dies eine Dezimierung auf ca. 1.700 Einwohner bedeuten. Dies war zumindest die Einwohnerzahl von 1810.

Dann mal weiter in diese Richtung.

Eine Grundvoraussetzung für ein tragfähiges System in der Past-Peak-Oil-Epoche wird sein, dass die Grundnahrungsmittel für die Dorfbewohner wieder vor Ort hergestellt werden können. Der Raumwiderstand ist dann wieder so hoch, dass lediglich Sonder- und Luxusgüter lange Wege zurücklegen werden. Dies bedeutet auch, dass die Landwirtschaft von Fossilkraft (Traktor) mit Intensivdüngung auf überwiegend Lebendkraft (Mensch und Tier) mit moderater Düngung erfolgreich umgestellt werden muss. Ein Umstellungsprozess der eine besondere Herausforderung darstellt - kaum vorstellbar, dass dies reibungslos gelingen kann. Dieser Umbruch wird enorm sein. Rund 85 % der Menschen waren um 1900 noch landwirtschaftlich tätig, derzeit sind es gerade mal um die 3 %. Um 1900 erzeugte ein Landwirt im deutschen Kaiserreich Nahrungsmittel für 4 weitere Personen und dies, obwohl die industrielle Entwicklung in Deutschland bereits in vollem Gange war. Im Vergleich dazu waren es 2004 bereits 143 Personen pro Landwirt. Zahlen, die zur Orientierung für die lokale Betrachtung durchaus brauchbar sind.

Auch die Wasserversorgung für Menschen und Tiere muss als Mindestvoraussetzung gewährleistet sein. Das Gelingen unterstellen wir mal und soll nicht weiter vertieft werden. Die Gegend hier ist sehr wasserreich.

Der historische Rückblick zeigt, wie viele Menschen in meinem Wohnort von der umliegenden, landwirtschaftlichen Fläche versorgt werden konnten. Es waren maximal, mit Plateau-Sprüngen nach oben, um die 2.000. Der Betrachtungszeitraum liegt zwischen den Jahren 1600 und 1930, also in einer Zeit, da auf dem Lande Erdölerzeugnisse noch gar keine oder kaum eine Rolle spielten. Die Abgabe des Zehnten bis ca. 1850 hatte sicher einen gewissen Einfluss, der hier jedoch nicht weiter verfolgt wird. 2.500 Einwohner scheint hier also das Maximum für ein Gleichgewicht zwischen örtlichem Nahrungsangebot und den dadurch am Leben zu erhaltenden Menschen und Tieren zu sein. Maßgeblich spielt natürlich auch der Gesundheitszustand der Menschen eine entscheidende Rolle, der jedoch stark gekoppelt ist mit der Ernährungsversorgung.

Berücksichtigt man die Reduzierung der verwendbaren Ackerfläche wegen Überbauungsmaßnahmen und Bodenqualitätsverlusten durch Übernutzung (z.B. durch den Anbau von Energiepflanzen wie Mais) der letzten 100 Jahre, wären es unter denselben Vorraussetzungen wie damals möglicherweise nicht mehr als 1.500 Personen, die aus dem Umfeld ernährt werden könnten. Vermutlich wird es wieder diese Einwohnerzahl sein, die sich hier im Ort in der Epoche des Past-Peak-Oil einpendeln wird.

Die Zeit zwischen Zusammenbruch und stabiler Struktur, die Einpendelzeit, kann durchaus von den Szenen geprägt sein, welche die Filmindustrie bisher nicht auf die Bildschirme bringen konnte. Nach einer Kompensationszeit werden uns aber das Wissen, die Fähigkeiten und die Werkzeuge, die wir derzeit haben und beherrschen kaum helfen (z.B. Computer und alles, was damit getan werden kann). Und das Wissen, die Fähigkeiten samt Werkzeuge die uns helfen könnten (z.B. Gemüseanbau, Heilpflanzenkunde, Zugsäge, Klemmbock, Getreidemühlen samt Herstellung oder Bedienung), sind bereits jetzt schon in der Breite verloren gegangen. Ein Verlustprozess, der sich Tag für Tag fortsetzt. Es ist daher durchaus denkbar, dass es Anfangsjahre geben könnte, in denen wir, wegen unserer Hilflosigkeit noch schlichter leben werden, als zu Beginn des Industriezeitalters. Es sind in Teilbereichen durchaus primitive Zustände, wie zu Zeiten der Sammler und Jäger denkbar und das in einer optisch "modern" geprägten, urbanen Umgebung. Ein kaum vorstellbarer Spannungsbogen ergibt dieses Bild.

Wie viel wir an Fortschrittserkenntnissen aus der Easy-Oil-Epoche bis nach der Einpendel-Epoche retten und dann auch anwenden können, um die uns bekannten Alltagserleichterungen zu ermöglichen, ist ungewiss aber ich würde hier keinen Faktor über 1,1 einsetzten, bezogen auf das historische, stabile System der Before-Oil-Gesellschaft. Ich denke, solche Dinge, wie die Erkenntnisse über Hygiene, vor allem bei der Wundversorgung, werden erhalten bleiben und sehr hilfreich sein.

Helfen wird auch die oberirdische Infrastruktur. Das geschaffene Wegenetz ist enorm angewachsen und vor allem asphaltiert. Die Asphaltdecken und auch die Brücken- und Tunnelbauwerke werden uns noch eine lange Zeit dienend erhalten bleiben. Inwiefern und vor allem, wie lange wir noch die Erzeugung und Verteilung von regenerativem Strom (Wind, Sonne, Wasser) aufrechterhalten können, wird sicher davon abhängen, welche Möglichkeiten es dann geben wird, die hierfür benötigten Generatoren-Rohstoffe aus dem Boden zu holen. Das Beste ist längst ausgebeutet. Da verhält es sich wie mit dem Erdöl. Easy-Rohstoffe ist vorbei. Elektrischer Strom ist nur dann sinnvoll, wenn es auch elektrische Verbraucher gibt. Auch die hierfür benötigten Rohstoffe für deren Herstellung werden, wenn nicht aus dem Bereich des "Urban Minings" besorgt, aus dem Boden kommen müssen. Und dieser Boden ist eher in Übersee zu finden. Wie wird dann der Transport organisiert?

Wann genau nach Peak Oil die Übergangsphase beginnen und wie lange sie andauern wird, bis sich nach dem Kollaps wieder lang anhaltende, tragfähige Strukturen gebildet haben werden, ist eine nicht zu beantwortende Frage. Dass es so kommen wird, ist aus der derzeitigen Wissenslage heraus eher eine Tatsache als eine Glaubensangelegenheit. Die mir vorliegenden Ortschroniken bilden eine durch Statistiken und Berichte belegte Vergangenheit ab, die ohne Erdöl stattfand.

Der historische Rückblick ist hierfür der unbestechliche Beweis, der eine Gesellschaft beschreibt, die ohne Erdöl auskommen musste und in dieser Zeit, in dieser Ortschaft im Durchschnitt kaum über 2.000 Menschen anwuchs.

Peter Crabbs Globalprognose hält also durchaus einer Überprüfung stand, denn die Lokalprognose verhält sich (mathematisch) ähnlich; zumindest passt sie für meinen Wohnort sehr gut. Und es kann nun auch umgekehrt der Schluss gezogen werden, dass die Reduzierung der Weltbevölkerung etwas mit der Ernährungslage zu tun haben wird. Die Städte und Dörfer der Welt können sich lediglich durch Selbstversorgung ernähren, die sie, wegen des hohen Raumwiderstandes vor Ort organisieren und bewerkstelligen müssen. Größere Städte werden wegen der Ernährungslage enorme Schwierigkeiten bekommen. Der Druck durch Abwanderung aufs Land würde sehr hoch sein. Neue Ansiedlungen, auch in Wäldern, werden vermutlich entstehen. Eine Art Stadt-Land-Wanderung (Völkerwanderung) könnte in Gang gesetzt werden. Nach Crabbs Prognose sind dann öffentliche Institutionen handlungsunfähig und können hier sicher nicht ordnend eingreifen. Harte Konflikte mit den Landbewohnern wären nicht auszuschließen.

Dieser Ort in dem ich lebe, wird jedoch die Menschen kaum durch Abwanderung verlieren. Möglicherweise gibt es einige Panik-Abwanderer. Doch wo sollten sie denn hin? Global passiert zur selben Zeit in verschiedenen Geschwindigkeiten und Ausprägungen dasselbe. Der Menschenverlust erfolgt durch den Tot, der vor Ort stattfinden wird (Crabb: Hunger, Infektionskrankheiten, Erfrieren, Morde, Selbstmorde). Und das in jedem Ort meiner Region. So konsequent möchte man gar nicht denken. Darum verstehe ich viele Menschen, die keinen Zugang zu solchen Überlegungen finden können.

Peak Oil und Erdbevölkerung

Unauffällig wäre der Wegsterbeprozess von 4.500 Menschen, wenn er sich über 110 Jahre erstrecken würde, also mit derselben, bisherigen Sterblichkeitsrate und es keine Neugeborenen gäbe. Eine sehr theoretische und unwahrscheinliche Betrachtung. Bei angenommenen 10 Jahren Dauer (der Prozess verläuft sicher nicht statisch, eher schubartig), würde sich die jährliche Sterberate im Durchschnitt mehr als verachtfachen. An jedem Tag stirbt dann im Ort mindestens ein Mensch, bis 1.500 Menschen übrig bleiben. Schlimm. Diese Betrachtung hält sich jedoch am Idealverlauf auf (siehe Grafik). Realistischer in diesem Zusammenhang erscheint mir der Seneca-Effekt, ein Begriff und eine Sichtweise, welche der Biochemiker Ugo Bardi aus Florenz mit geprägt hat. Bei dieser Dynamik ist davon auszugehen, dass der Zusammenbruch wegen sich beschleunigender Wechselwirkungen schneller vonstatten geht, als sein Aufschwung zuvor. Vorstellbar ist bei dieser Dynamik, dass die Population nach unten durchbricht, in eine Zwischenphase, in der die Weltbevölkerung zunächst auf rund eine Milliarde zusammenbricht, bis dann ein Maximalzuwachs erfolgt, der aus den oben beschriebenen Gründen eine Obergrenze haben wird.

Kaum begreifbar, ich weiß.

Ich zitiere aus der Peak-Oil-Bundeswehrstudie, Ausgabe Nov. 2010, um dieses Nichtbegreifen verstehen zu können:

Anschaulich ist, an was man sich gewöhnt hat. Das Durchdenken der Konsequenzen des Peak Oil wird nicht von den alltäglichen Erfahrungen und nur partiell von historischen Parallelen geleitet. Entsprechend schwierig ist es sich vorzustellen, welche Bedeutung ein sukzessiver Entzug einer der wichtigsten Energiequellen unserer Zivilisation haben kann. Psychologische Barrieren sorgen für das Ausblenden an sich unbestreitbarer Fakten und führen zu fast instinktiver Ablehnung einer eingehenden Auseinandersetzung mit dieser schwierigen Thematik.

Nun könnten wir hier bereits aufhören nach- und weiterzudenken, da die Unerträglichkeit dieses Gedankens einen genug erschöpft. Wer möchte, kann hier gerne eine Pause einlegen. Aber es kann einem auch der erleichternde Gedanke erschleichen: Wohl dem, der es bis dort hin geschafft hat. Er oder sie wird leben, zwar einfacher und arbeitsintensiver aber möglicherweise erfüllter.

Dennoch möchte ich Ihre Sensibilität weiter strapazieren. Sie müssen schon entschuldigen. Aber ich stelle mir folgende Frage, die sich lediglich auf nur eines der vielen, kritischen und technischen Überbleibsel aus der Easy-Oil-Epoche bezieht. Aber sicher kein Unbedeutendes:

Sind wir Menschen auf diesem Globus in der Lage, während oder nach dem Kollaps die Behälter für abgebrannte, hochradioaktive Brennstäbe von Atomkraftwerken in einem sicheren Endlager abzustellen?

So sehr ich es mir auch wünsche, aber vor dem Systemzusammenbruch werden wir es, wenn wir so weiter trödeln wie bisher, kaum ordentlich hinbekommen. Selbst für Deutschland optimistisch betrachtet: Noch 17 Jahre, bis wir wissen wohin damit (die Bundesregierung will ein Ergebnis bis 2031); 6 Jahre für die Planung, 12 Jahre für den Bau - zusammen also 35 Jahre. Das wird kaum reichen. Auch nicht für die optimistische BGR-Prognose: Peak Oil erst 2036 (bei geologisch-wirtschaftlichem Optimum, sonst schon früher). Die Behälter werden eines Tages undicht und sich dann über die tausende von Jahren auflösen, ob "sicher" verwahrt, hilflos verbuddelt oder über Tage gelagert - auf der ganzen Erde. Niemand hat bisher ein offizielles Endlager für die derzeit 400.000 Tonnen hochradioaktiven Abfalls. Täglich werden es mehr. Und können wir in den Abklingbecken aller rund 450 auf der Erde derzeit existierenden Atomkraftwerke den Mindestwasserpegel so lange aufrechterhalten und kühlen, bis von diesen Brennstäben keine Gefahr mehr ausgeht? Also so um die 1 bis 2 Millionen Jahre? Wer soll dies tun, wenn wir zu 80 % wieder Bauern sein müssen? Und sind die Becken so lang wasserdicht?

Möglicherweise hatte auch der Quantenphysiker und Begründer des Begriffs "Energiesklave" Hans-Peter Dürr so ein Bild vor Augen, als er in einem seiner Vorträge bemerkte:

Wir sind am Ende einer 3,5 Milliarden Jahre währenden Entwicklung des Lebendigen auf dieser Erde. Hätten wir uns in diesen 3 Milliarden Jahren so verhalten, wie wir uns derzeit verhalten, dann wären wir nicht hier. Wir haben eine Erfahrung von 3 Milliarden Jahren, dass Kooperation des Vielfältigen ein Grundstein des Lebendigen ist, und wenn wir das nicht erfüllen können, dann werden wir aus der Evolution rausgeworfen. Vielleicht ist es schon entschieden, dass wir diese Bedingungen nicht mehr schaffen, und also hier die Evolution verlassen wollen. Dass man sagt, schafft den Menschen ab, wir fangen noch mal von Vorne an, das ist nicht mehr reparierbar.

Mutig fasst er sich ein Herz und fügt hinzu:

Ich bin nicht der Meinung. Es ist reparierbar.

Und verweist auf Menschen, die diese Schieflage auch erkannt haben und sich derzeit organisieren, die sich aber, so meint Dürr, stärker vernetzen müssen. Dann schlage ich mal vor, das Eine anzugehen oder weiter voranzutreiben, nämlich den Wandel für Past-Peak-Oil vorbereiten. Als die geeignete Zielebene sollte hierfür zunächst der eigenen Wohnort erkennt werden, wie es auch Norbert Rost empfiehlt. Dennis Meadows sieht ebenfalls die größten Chancen, vor Ort Widerstandsfähigkeiten gegen von Außen einwirkende Schocks aufzubauen, um, wie es auch Niko Paech formuliert, sie soziale Fallhöhe zu reduzieren.

Es geht also darum Substrukturen im Sinne der Nachhaltigkeit auf lokaler Ebene aufzubauen, zu üben und sie zu pflegen, die dann greifen oder weiter aufgebaut werden können, wenn die etablierten, nichtnachhaltigen Strukturen beginnen zu versagen, in den Bereichen Wissen, Wasser- , Ernährungs-, Energie-, und Geldversorgung, Gemeinsinn, Demokratiekultur, usw.. Der Menschenverlust wird bei aller Vorbereitung jedoch nicht zu verhindern sein, folgt man der oben dargelegten Logik.

Das Andere bleibt eine globale Herausforderung der verantwortlichen Staatspolitiker. Das ist dann deren Job. Wir sollten Sie aber regelmäßig daran erinnern. Die müssen an so Vieles denken, da kann man auch schon mal etwas Wichtiges vergessen. Für einen 40-jährigen "sicheren" Betriebszustand sind die Brennstab-Behälter, die sich derzeit in Zwischenlagern (einfache Hallen) befinden technisch ausgelegt. Den sollte man nicht ausreizen und vor allem nicht die Rechnung ohne Peak Oil machen, sonst könnten wir von der Evolution schlussendlich doch rausgeworfen werden.

Bruno Müller, Architekt, 16.04.2014

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39 Kommentare to “4500 werden es nicht schaffen”

  1. Tom Schülke sagt:

    UUffffff..

    Nach diesem Artikel muß man erstmal tief durchathmen.. Und das obgleich ich gerade einem Freund ein vergleichbares Scenario in einem Brief geschrieben habe.

    Es ist ein schwer zu ertragender Gedanke und doch ist es notwendig ihn zu denken. Wenn ich an meine zwei Jungs denke, dann kommen mir bei solch einer Zukunftsaussicht die Tränen.

    Meine Strategie mit sowas umzugehen ist , es eher schubweise an mich herannzulassen. Das gibt mir dann den Anstoß aktiv zu werden.

    Und.. Was am schlimmsten ist, ist das Gefühl der Gefahr hilflos ausgeliefert zu sein. Aber das genau ist der Fehler.. man kann eetwas tun. Noch ist es möglich. Noch haben wir die Chance, Pionierarbeit zu leisten. Und das..

    ist es was einen wieder aufbauen kann.

    Nicht abzuwarten wie das Kaninchen vor der Schlange..

    Meinen Respekt für diesen Artikel.

    Tom

  2. Ert sagt:

    @Bruno

    Sehr gut zusammengefasst, beschrieben, gefolgert und in Kontext gesetzt!

    Das ganze ist aber noch sehr optimistisch. Warum?

    a) Ich hatte letztens hier einen Link vom Technikfolgenausschuss des Bundestages bez. des Stromnetzes – die Kernkraft wird dort gar nicht erwähnt. Die ganze Kernkraft ist international so gestaltet, das es kein Zurück mehr gibt…nur weiter. Eine Mamutaufgabe 440 AKW Blöcke entsprechend runter zu fahren und zu sichern.

    b) Wie Du richtig schreibst sind viele Acker-Flächen verschwunden – und die bestehenden in einem viel schlechteren Zustand als noch vor 100 Jahren. Es ist aber noch problematischer: Auch die Obstbäume die es damals gab sind weg – machen ja nur Arbeit! Die Ackertiere sind nicht mehr da – ganz zu schweigen von den Geräten und dem Wissen.

    Es gibt also kein Zurück vom Pfad der industriellen Gesellschaft – alternativ gibt es zum „Überschwung“ ein „Unterschwung“ bez. der Bevölkerungsentwicklung. Auch Ugo Bardi hat ja viel dazu geschrieben (vergl. mit Rom, Seneca Cliff) und der Standardrun der LtG beinhaltet all dies.

    Wenn es nun soweit ist – was alles geht – wann ein breites Bewusstsein der Änderung und der Vorbereitung einsetzt – was und in Punkto CO2/Treibhauseffekt und damit verbundenem Klimawandel bevorsteht ist nicht seriös vorherzusagen. Einzig, das es nicht mehr so weiter geht und noch Handlungsraum besteht um die Achterbahnfahrt in der zweiten Hälfte zu gestalten!

    Die Problematik – also die aktuelle – ist der Spagat zwischen zwei Welten. In der aktuellen muss das überleben gesichert werden – aber die Qualifikationen & Tätigkeiten hier sind in der „Post-Peak“ Welt ggf. irrelevant. Mit den Qualifikationen und Tätigkeiten der Post-Peak Welt ist es aber aktuell schwer sich sein ökonomisches Überleben zu sichern… insbesondere wenn man zu früh zu viel macht. Also Augen auf und flexibel sein.

    Deswegen propagiere ich ja einen graduellen Verzicht… ein runter fahren. Paech bringt es in D da wohl aktuell am besten auf den Punkt. Aber Ihn und auch Meadows hast Du ja zitiert… ich gehe da komplett überein.

    Spannende Zeiten! Trübsal blasen hilft hier nichts – dadurch wir auch nichts besser und aktuell gehts den meisten in D doch noch (im Vergleich zum Rest der Welt) gut!

    • Bruno Müller sagt:

      Vielen Dank Ert für Deine Ergänzungen.

      Zum Thema Obstbäume wäre zu sagen, dass es in unserer Region sehr viele davon noch gibt. Sie werden bei uns „Streuobstwiesen“ genannt. Ein Kulturgut, das in den letzten Zehn Jahren wieder Beachtung gefunden hat und gepflegt wird.

      Es gibt ein lokales „Apfelsaftprojekt“. Alle im Ort liefern ihre Äpfel (Fallobst) zentral an, das gesammelte Obst wird zu einer Fruchtsaftfirma geliefert, die mit großen, modernen Geräten den Saft herstellt. Das Produkt kann in Saftflachen abgefüllt in zwei Läden, einem „Vollsortimenter“ und einem Bioladen hier im Ort gekauft werden.

      Die Leute sind stolz auf IHR Produkt und daher motiviert, die Bäume zu pflegen.

      Derzeit wird hier ein Projekt angeschoben, den Baumschnitt einer thermischen Verwertung (Hackschnitzelanlage) zuführen soll, statt es vor Ort auf der Wiese zu verbrennen, was sogar erlaubt ist und auch getan wird.

      Es wird hier und da etwas im Sinne kommunalenwirtschaftlichem Strukturaufbau durchaus getan, eher intuitiv, nicht geplant im Sinne einer Transition. Aber es ist gut.
      Meine Aufgabe hier im Ort sehe ich darin, in diese Richtung Impulse zu geben, auf einer ganz praktischen, „volksnahen“ Ebene. Und es funktioniert eigentlich gut.

      Ein Thema, wie es in meinem Artikel behandelt wird, kann ich hier im Ort nicht diskutieren.
      Es würde auch nichts bringen, weil es nichts bewegen würde. Dennoch ist es ein Thema, das einen natürlich umtreibt und mit dem man sich an einem Karfreitag schon mal beschäftigen kann. Wer mit Karfreitag etwas anfangen kann, der kann auch mit Ostern etwas anfangen.

    • Finde ich auch noch sehr optimistisch weil:
      Zum Ende der Energieversorgung stehen die Menschen mit Nichts in der freien feindseligen Natur. Die haben dann nicht die Technologie des 17. Jahrhunderts, sondern absolut nichts.

      Die Zeit bis zum Ende der Energieversorgung bringt so viele Probleme, dass da niemand die Muße haben wird, Arbeitskühe und -Pferde zu züchten oder alte Gerätschaften herzustellen.

      Darum dürfte am Ende der fossilen Energieversorgung in den Industrienationen so gut wie niemand mehr leben.
      Wie auch?!

      Das einzige was man tun kann ist darauf hinzuweisen, dass das eben so kommt und das Optimismus in dieser Situation absolut und unerbittlich tödlich ist. Vielleicht, dass doch noch der ein oder andere realisiert, wie tief der Boden sein wird auf den wir aufklatschen werden und entsprechende Vorbereitungen für ein Leben auf eben diesen Boden trifft.
      Alles andere ist zum größten Teil Zeitverschwendung.

      • Bruno Müller sagt:

        @ Stefan Brinkmann

        Vielen Dank für Deine Antwort.

        Du siehst trotz eines möglichen und dadurch tödlichen Optimismus eine Art von Vorbereitung, was sehr positiv ist.
        Was schlägst Du vor? Welche Vorbereitungen wären aus Deinem Blickwinkel keine Zeitverschwendung?

        • Was keine Zeitverschwendung ist?
          Als erstes das Fundament erfassen, der Boden auf dem wir dann stehen werden.
          Als nächstes vergleichbare Situationen aus der Vorzeit finden und die Schnittmengen erfassen: Was hatten die alles, was wir heute nicht mehr haben. Beispielsweise dürfte es keine Probleme mit dem beschaffen von Eisen geben – liegt ja überall herum, mit guten Ackerböden sieht es da schon schlechter aus.

          Dann abschätzen, in welchen Größenordnungen solche Past-Oil Zivilisationen realisierbar wären. Die dürften wohl eher Dörflich sein, selbst wenn Behausungen an Stadträndern genutzt werden.

          Bei der Umsetzung sollte ein wesentlicher Punkt sein, zu lernen sich unsichtbar zu machen. Der moderne Mensch kennt keinen Hunger und wird in den letzten Monaten des Ölzeitalters entsprechend übersteigert verzweifelt darauf reagieren, auch wenn eine wirkliche Lebensgefahr noch in weiter Ferne liegt.

          Alles in allem ein schwieriges Unterfangen, in solch turbulenten Zeiten in aller Verschwiegenheit kleine „Arche Noas“ zu errichten. Da dürfte Spott das kleinste Problem sein. Das beste wird sein, gar nicht in der breiten Öffentlichkeit wahrgenommen zu werden. Klingt sehr Egoistisch, aber geht nicht anders, will man kleine Überlebensinseln durch bringen.

  3. frank sagt:

    WOW,
    was für eine Analyse. Das ist eine Hommage an die Olduvai Theorie. Herunter gebrochen auf die lokale Ebene. Aber es ist differenzierter. Es ist anzunehmen dass die „Elite“ durchwegs von der Lage der Nation Kenntnis hat. Da sind unzählige Think Tanks am werkeln. Somit ist anzunehmen, dass mit gezinkten Karten gespielt wird. Es besteht die Wahrscheinlichkeit, dass das Szenario eher in Richtung „Die Tribute von Panem“ läuft. Denn es gibt nach PEAK OIL sehr wohl noch Öl und Rohstoffe, diese reichen halt nicht mehr für alle. Den einzigen gedanklichen Bruch an der Stelle habe ich mit der globalen Wertschöpfungskette. Es sind einfach zu viele Akteure eingebunden, welche auch versorgt werden möchten. Kann ein elitärer Kreis von ca. 500 Mio. den heutige Lebensstandard halten?
    Auf jeden Falle ist die Botschaft der Abhandlung zu begrüßen. Den Weg, der MICHAEL C. RUPPERT gegangen ist, ist keine Lösung.
    Abschließend möchte ich auf eine Kuriosität aufmerksam machen. Der Ölpreis scheint derzeit wie angenagelt.
    http://www.zerohedge.com/news/2014-04-17/what-oil-war-premium.

    Ist es der Black Swan of Cairo?

    http://www.foreignaffairs.com/articles/67741/nassim-nicholas-taleb-and-mark-blyth/the-black-swan-of-cairo

    So entsteht der Eindruck, dass die Märkte immer mehr manipuliert werden. Es scheint die politische Elite entfernt sich immer mehr der ihrer eigentlichen Aufgaben. Siehe Ukraine Krise. Kurios: In einschlägigen Blogs wird angemerkt, dass der Westen nicht mal mehr einen ordentlichen Stellvertreterkrieg hinbekommt. Der ukrainischen Armee fehlt es an Nahrung und Treibstoff.

    • Bruno Müller sagt:

      @ frank

      Auch die „Eliten“ kochen nur mit Wasser. Sollte es dort für sie „Überlebens“-Pläne im Sinne einer Weiterführung des gewohnten Lebensstiles geben, dann bin ich davon überzeugt, dass sie sich selber etwas vormachen. Auch solche Pläne würden meiner Meinung nach scheitern, weil sie nicht über ihren eigenen, ökonomisch getriebenen Schatte springen können. Auch dort würde Mangel und dann untereinander Neid entstehen, sie werden sich nicht mehr einig sein und zersplittern. Sie sind auch nur Menschen.

  4. Patrick sagt:

    Da muss man erstmal schlucken, denn hier trifft man geballt auf all die Punkte, die man sich ansonsten in seinen Gedankengängen nur so grob vorstellt. Sehr sehr bitter, wenn es nur annähernd so kommen sollte.

    • Bruno Müller sagt:

      @ Patric.

      Das ist natürlich kein einfacher Spagat zwischen dieser bitteren Erkenntnis und der doch so wichtigen Zuversicht.

      Zuversicht macht einen handlungsfähig. Die Erkenntnis hilft aber auch, Projekte in die richtige Richtung anzuschieben oder unseren Politikern, ob auf kommunaler oder nationaler Ebene die richtigen Fragen zu stellen.

      Selbst ein Brief an Frau Merkel der unbeantwortet bleibt, hat eine Wirkung, wenn auch eine ganz, ganz kleine.

  5. Tom schülke sagt:

    Kennt ihr die studie tipping point von david korroeitz von der feasta ? Seine studie untermauert sehr stark die hier so klar beschriebenen möglichen post peak entwicklungen. Es war ja auch eine der grundlagen bei det bundeswehrstudie zu peak oil. Das eliten ihr abgeschottetes leben dann unbeeiflusst fortführen könnten ist auf grund unserer heute unvorstellbar komplex interagierenden wirtschaft eine illusion.die die infrastruktur erzeugenden firmen werden massenweise verschwinden. Wer soll den eliten die elektronik ihrer alarmanlagen liefern wenn ökonomies of scale auf regionale wertschöpfungsketten kollabieren? Eher werden regionale grundbrsitzer ihre vorteile ausspielen und massenhaft besitzlose in neue abhängigkeiten geraten auf dann handwerklicher basis, aber doch eher wie 1800 bis 1900. Hoffentlich wird die regierung in der frühphase der entwicklung eine bodenreform einleiten die wenigstens solche pseudofeudalen strukturen eingrenzt. Es wird auch so verdammt hart werden

  6. Michael Egloff sagt:

    Ich schließe mich der Anerkennung für diese beeindruckende Analyse an.

    Jetzt mal aus einer anderen Perspektive betrachtet: würde es irgendetwas bringen für die Menschheit, wenn sich das Ölzeitalter insbesondere für die vielen ölimportabhängigen Länder noch weitere 5 oder 10 Jahrezehnte verlängern ließe?
    Aus rein egoistischer Sicht derjenigen, die schon älter sind (so wie ich) in gewisser Weise schon, mit abnehemender Tendenz. Sozusagen aus der Nach-mir-die-Sintflut-Perspektive.

    Aber für die heute sehr jungen Menschen und für diejenigen, die heute noch nicht geboren sind, wäre ein solches Szenario eines ölbasierten Weiter So ein worst-case-Szenario.
    Die in der Analyse angesprochenen Basisressourcen Boden, sauberes Süßwasser, Fischgründe usw. würden noch stärker erodieren.
    Die Menschheit würde nach 2050 die 10-Milliarden-Grenze überschreiten und die Urbanisierung noch weiter voranschreiten.
    Die Emissionen aller Art würden sich noch mehr akkumulieren, sowohl die klimarelevanten gasförmigen, als auch die Kunststoffverseuchung der Ozeane, die Kontaminierung der Böden mit Schwermetallen und petrochemischen Verbindungen (von Tensiden bis hin zu Pharmaka) würde sich weiter erhöhen.
    Die Regenwaldmassacker würden weitergehen.
    Die Aufrüstung auf Ebene der Staaten, nichtstaatlicher Milizen und Privatpersonen würde noch weiter voranschreiten.
    usw.

    Da dies alles das Gegenteil von wünschenswert wäre, liegt das Fazit auf der Hand: je eher das Ölzeitalter und das fossile Zeitalter insgesamt an sein Ende kommt, desto besser für die nachfolgenden Generationen. Eine Aufrechterhaltung des heutigen Status Quo für weitere 50 oder 100 Jahre wäre verhängnisvoll.
    Das muss man kostatieren, obwohl natürlich ein Ende des Ölzeitalters eine gravierende Zäsur in der Menschheitsgeschichte darstellt. Nur ist sie eben unausweichlich. Wirklich wünschenswerte Szenarien mit Blick auf dieses Jahrhundert gibt es nicht mehr. Die Menschheit hat sich in den letzten 10000 Jahren totgesiegt.
    Die Quittung für diese fortlaufenden Siege wird nun ausgestellt. Seit dem Ende der letzten Eiszeit hat sich die Zahl der Menschen mal eben versiebenhundertfacht, seit Beginn der christlichen Zeitrechnung immerhin verfünfunddreißigfacht. Tendenz weiter steigend.
    Und diese sehr viel mehr Menschen sind runtergerechnet auf jeden einzelnen Durchschnittsmenschen außerdem noch wesentlich potenter geworden, was (Über-)Nutzung der natürlichen Ressourcen und Verusachung von schädlichen Emissionen angeht.

    Und da soll es doch tatsächlich Menschen geben, die meinen, all das könne folgenlos so weitergehen.

  7. Michael Egloff sagt:

    Auf welch dünnem Eis die menschliche Zivilisation in ihrer heutigen Form gegründet ist, zeigt ja schon die Berechnung der Folgen eines großen Vulkanausbruchs oder sogar eines Supervulkans.
    Ein Ausbruch im Bereich der Toba-Klasse vor 70000 Jahren würde durch die nachfolgenden mindestens 10 globalen Mißernten wohl deutlich über 90% der heute lebenden Menschen das Leben kosten.
    Aber selbst ein Ausbruch der Santorin- oder Tambora-Klasse, mit dem alle paar Jahrhunderte zu rechnen ist, würde zu 1 bis 2 globalen Mißernten führen. Selbst hier würde vermutlich die Zahl der Opfer innerhalb von 2 Jahren die 1-Milliarde-Grenze überschreiten. Und massive Migrationsbewegungen aus besonders dicht besiedelten Gebieten mit heute schon erodierter Basis an natürlichen Ressourcen auslösen.

    A propos Massenmigration: genau diese wird die Entwicklung dieses Jahrhunderts prägen. Wir stehen vor einer Epoche der Völkerwanderungen.
    Indien errichtet derzeit auf der gesamten Grenze zu Bangladesch einen 3-fachen, nahezu undurchdringlichen Stacheldrahtzaun.
    Warum wohl?
    Wird allerdings den Indern auch nicht viel helfen, sich die noch wesentlich beengter lebenden Bangladeschis vom Hals zu halten.
    2050 hat Indien auch schon ca 500 EW pro Quadratkilometer, die Wüste Thar, den Himalaya und andere, sehr eingeschränkt kultivierbare Gebiete mitgerechnet.
    Und spätestns dann werden die einst reichlichen Tiefengrundwasserbestände, die heute etwa 250 Kubikkilometer Wasser pro Jahr bereitstellen (= 5-fache Jahresdurchflussmenge des Nil) aufgebraucht sein.

    • Bruno Müller sagt:

      @ Michael Egloff

      Richtig, es ist das dünne Eis, das mich ebenfalls irritiert.

      Als Architekt ist es wichtig zu wissen, welche Baugrundverhältnisse sich unter den zu errichtenden Gebäudefundamenten befinden und das im Idealfall bis 10 Meter Tiefe. So weit nach unten können Gebäudedrücke wirken.

      Dünnes Eis ist kein solider Baugrund.

  8. Flint sagt:

    Was wohl mit all den Atomwaffen passieren wird wenn Staat und Armee zerfallen, in noch viel schlimmerem Ausmaß als damals in der Sowjetunion. da gings ja schon drunter und drüber.Dann stehen da überall Bunker ohne Besatzung und rotten vor sich hin .. na Mahlzeit.

  9. Marcus Kracht sagt:

    Vielen Dank für diese Analyse. Zwei Dinge fallen mir hier ein. Erstens die schon erwähnten Kernkraftwerke, die leider eine Gefahr darstellen, wenn sie nicht ordnungsgemäß heruntergefahren werden. Und zwar eine wie ich meine sehr große Gefahr.

    Zweitens die Tatsache, dass die heutige Landwirtschaft zwar höhere Erträge bringt, aber dafür Energie verbraucht anstatt selbige zu liefern. Die Zahl 2 Milliarden halte ich nicht für zu niedrig.

    Wie viele Menschen es sein werden, hängt aber wohl weniger von der Tragkraft des Ackers ab als von der Fähigkeit der Gesellschaft, sich rechtzeitig umzustellen. Genau da sehe ich schwarz. Wir können uns im Augenblick nur ansatzweise ein Bild machen, was es bedeutet, wenn Investoren heute im Großen Stil Ackerland kaufen. Die Gefahr eines Feudalsystems wohl ist nicht von der Hand zu weisen. Und die bedeutet Armut für die meisten und hohe Sterblichkeit.

    • Bruno Müller sagt:

      @ Marcus Kracht

      Da hast Du in Deinem letzten Absatz einen nicht von der Hand zu weisenden Aspekt angesprochen.
      Vielen Dank für diesen ergänzenden Hinweis.

      Wie war das nach dem endgültigen Zerfall des römischen Reiches oder anderen Hochkulturen? Haben sich da im Anschluss sofort wieder Feudalstrukturen entwickelt? Da kenne ich mich zu wenig aus. Ich weiß, so eine isolierte Betrachtung als Vergleich hinzuzuziehen ist schwierig.

    • Ert sagt:

      @Roland Mösl

      Anstatt den Autor den Artikels so zu verunglimpfen würde ich Sie bitten konstruktiv dar zu legen, wie Sie meinen, das 7 und ggf. bald 9 Milliarden Menschen über voll erneuerbare Energien versorgt werden können und wie diese Art der Energien konkret aussehen, die die fossiles Energieträger ablösen.

      Können Sie mir bzw. uns hier auf Dokumente mit einigermaßen plausibilisierten Szenarien verweisen, die aufzeigen wie das ganze stofflich-energetisch funktionieren könnte? Was ist das energetische Zielniveau? Wie lösen Sie die Wasserprobleme in Indien und China?

      Warum ist irgendwer ein Feind des Lebens – wenn der möchte das die Menschheit sich auf eine Langfristpopulation von 1 oder 2 Milliarden reduziert?

      7 Milliarden Menschen vernichten 200 Spezies pro Tag, überfischen die Meere und schaffen mit der industriellen Tierhaltung ein milliardenfaches Massenleiden. Ja wir schaffen durch Kriege und mehr – noch viel Leid unter uns. Ich halte Ihre Anklage für doch sehr verkürzt und einseitig orientiert.

      Sind also die Leute des Club of Rome ‚Weltuntergangssektierer‘? Trifft das gleiche auf einen Herr Meadows zu, der bei der VW Stiftung Ende 2012 sagte das er einen Kollaps aktuell für unausweichlich hält? Heinberg? Martenson? Kunstler? Korowics? Hirsch? Jackson? Alles Sektierer?

    • m. sastre sagt:

      Marcus,

      die Idee, das sich neue Feudalsysteme entwickeln oder zumindest eine Art Gutsherrschaft ist ein Gedanke, der mir auch sehr einleuchtend erscheint.
      Das bei einem Bevoelkerungsrueckgang auf 2 Milliarden Menschen, inklusive extremer Migrationsstroeme, noch irgendeine gesamtstaatliche Ortdnung oder nur etwas wie ein solidarisches und sittliches Einvernehmen ueberleben wird, halte ich fuer weitgehend ausgeschlossen. Unter diesen Bedingungen werden auch alle Eigentumstitel auf Land infrage gestellt werden, zumindest solange ihre Besitzer sie nicht auch praktisch verteidigen(im Zweifel indem sie selber darauf sitzen und ihre Ansprueche mit Zaehnen und Klauen verdeutlichen). Ob ein in den USA oder sonstwo angesiedelter Finanzmarktfonds in der Lage sein wird, z.B. in Polen einen Ansprechpartner zu finden, der ihm seine Rechte gegenueber der dortigen Bevoelkerung sichert, darf bezweifelt werden.
      Letzten Endes reden wir hier doch von einem Totalreset innerhalb eines Zeitraumes x, anders kann ich Brunos lesenswerten Beitrag gar nicht interpretieren. Moeglicherweise ist der Landbesitz und seine Nutzung in der Anfangsphase der beschriebenen Entwicklung auch gar nicht die erfolgversprechendste Strategie, da Anbau, Pflege, Ernte und Verarbeitung der Lebensmittel ein langwieriger und mit vielen Risiken besetzter Prozess ist. Wenn es schlichtweg zu viele Menschen fuer zuwenig landwirtschaftlich nutzbare Flaeche gibt, wird sich der Verteilungskampf eher um die fertig produzierte Kalorie herum bewegen, als um deren Produktionsbasis.
      Anders ausgedrueckt:Jemand der wertvollen Goldschmuck erbeuten will, ueberfaellt sinnvollerweise einen Juwelier (denn dieser verfuegt ueber das werthaltige Endprodukt) und nicht die Goldmine um dort Erz oder Abbaugeraet zu entwenden.
      Einen Vorgeschmack darauf, wie „duenn das Eis“ des zivilisierten Umgangs miteinander, um es mal in den Worten von Michael auszudruecken, mittlerweile ist, zeigt sich, wenn in den USA mal fuer ein paar Stunden der Strom ausfaellt oder Lebensmittelgutscheine aufgrund eines Softwarefehlers kein Limit mehr haben. Oder wie gerade hier:

      http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2014/04/18/brasiliens-polizei-muss-streik-wegen-gewalt-welle-abbrechen/

      wenn in Brasilien die Polizei streikt.

      Das eine Regierung in der Aufloesungsphase noch so etwas wie eine Landreform durchfuehrt (und durchsetzt!) setzt ein Mass an vernunftbegabtem Handeln vorraus, das ich es zum jetzigen Zeitpunkt fuer ausgeschlossen halte.
      Vielleicht setzt sich irgendwann so eine Art Gewohnheits- oder neues Landrecht durch, nachdem derjenige das Land besitzt, der es eigenhaendig bebaut und eben solange, wie er es bebaut.

      Ich habe vor einiger Zeit einige historische Buecher gelesen u.a. wurde dort beschrieben, das waehrend des Dreissigjaehrigen Krieges viele Aecker unbestellt blieben, weil es sich fuer die Bauern nicht lohnte, eine Ernte einzubringen. Diese wurde naemlich umgehend von einer der kriegfuehrenden Parteien konfisziert, oder alternativ von Vertretern der naechstgroesseren Stadt. Dieser Umstand verstaerkte den Hunger natuerlich noch einmal.

      Die grosse und einstmals maechtige Stadt Rom soll an ihrem Tiefpunkt nach dem Zusammenbruch des Imperiums ueber gerade mal 40 000 Einwohner verfuegt haben. Welch ein Kulisse muss es fuer die wenigen verbliebenen Einwohner gewesen sein, die ihr kaergliches und vereinzeltes Leben im Angesicht der Monumente einstiger Pracht und groesse fuehrten!

      • Tom Schülke sagt:

        Nun liebe leute…
        bei aller unbestreitbarer wahrscheinlichkeit eines Rückgangs der Bevölkerung.. Ach was eine gewissheit ist es eher..

        Sollten wir hier uns nicht in unserem Pessimismus hochschaukeln.. Schauen wir mal auf einen optimistisch stimmenden (sicherlich hinkenden) vergleich.

        In Kuba war gelang es die Bevölkerung innerhalb von nur 5 Jahren zur besten Eigenversorgung zu bewegen die möglich war.

        Wenn es brennt, wird die Regierung vergleichsweise schnell unter druck gesetzt werden zu reagieren.. Und das wird sie auch. Warum sollte es nicht gelingen dann augenblickklich sämtliche öffentlichen flächen der allgemeinheit zur Lokalen versorgung zur Verfügung zu stellen..

        Unsere Aufgabe ist es in dem Moment mit den richtigen Ideen zur Stelle zu sein.

        Die Chance besteht.

        Und solange die existiert, sollten wir Sie einfordern.

        • Marcus Kracht sagt:

          @m.sastre

          Ich denke, mittelfristig ist der Aufkauf von Land durchaus von Vorteil. Wer Geld hat, kann ja Leute bezahlen, um die Felder nicht nur zu bestellen sondern auch zu schützen. Solange die bestehende Ordnung anhält, versteht sich. Für die Zeit danach wage ich keine Prognose. Die schleichende Enteignung, die da vor sich geht, erfüllt mich mit Sorge. Ihre Wirkung wird sie spätestens in ein paar Jahren entfalten.

          @Tom Schülke
          Wir könnte durchaus von heute auf morgen mit etwa der Hälfte auskommen. Und die Gärten, die heute noch voll von schönen Blumen und Gräsern sind, ließen sich auch wunderbar anders einsetzen. Allerdings müsste sich erst einmal die Idee durchsetzen, dass wir mageren Zeiten entgegengehen, auf die man sich besser vorbereitet.

  10. Roland Mösl sagt:

    Unglaublich dümmliche Rechnung einer Weltuntergangssekte.

    Anstatt einen radikalen Umstieg auf erneuerbare Energie zu fordern,
    spielt man mit 5 Milliarden Toten herum.

    Ich habe diese Verabschungswürdigen schon 1992 gehasst
    und zutiefst verachtet. Es sind Feinde des Lebens.

    Diese primitven Jammerer, die keine Lösung aktzeptieren
    wollen haben es nicht verdient als Mitglieder der
    menschlichen Zivilisation genannt zu werden.

    Gegen die waren ja sogar Hitler und Stalin nette Leute.

    Nichts als Lust am Weltuntergang.

    • Bruno Müller sagt:

      @ Roland Mösl

      Die Forderung 100 % Erneuerbare steht – nicht erst seit Gestern.
      Das ist EINE Gemeinsamkeit Aller hier Diskutierenden; daran besteht kein Zweifel.

      Von Weltuntergang war bisher gar nicht die Rede. Da besteht offensichtlich ein Missverständnis.

      Es würde in der Tat ungemein helfen, diese 100%-Erneuerbare-Forderung durchgesetzt zu bekommen.

      Ob dies ausreichen würde, Kohle, Gas, Öl und Uran in den derzeit nach wie vor ansteigenden Tagesmengen als Energiemenge und in selber stofflichen Qualität ersetzten zu können, ist eine ganz andere Frage. Mir ist hierfür bis jetzt keine seriöse Nachweisführung bekannt.

      Und Ert hat oben Recht, dass es nicht zielführend ist, den Fokus lediglich auf die Energie zu reduzieren. Es geht auch um Wasser und um den immer geringer werdenden Mineralgehalt beim Ausbeuten von Bodenschätzen, wie z.B. bei Kupfer.

      Dennoch, was wäre also Ihr Vorschlag? Wie sieht eine radikale Forderung mit legalen und demokratischen Mitteln aus, die zu hundert Prozent zum Erfolg führt, 100 % Erneuerbare sofort bei allen Politikern weltweit, vom örtlichen Gemeinderat, bis zum US-Präsident durchgesetzt zu bekommen?

      • Ert sagt:

        @Bruno

        ja… und letztendlich haben alle „Knappheiten“ (Energie, Wasser, Metalle, Fische, etc.) einen gemeinsamen Nenner: Unser Wachstumsdogma!

        Wer 100% erneuerbare Energien will – der will auch ein insgesamt anderen energetischen Lebensstiel – denn rein mit (solaren) EE ist die Party die wir aktuell veranstalten nicht aufrecht erhaltbar. Zumindest ist dies aktuell wissenschaftlich-technisch in keiner Weise (absehbar) darstellbar.

        Jeden der „den radikalen Umstieg“ auf 100% EE fordert – und der weiterhin ein privates (und nicht gewerblich genutztes) Kfz hat, mehr als Anteilige 15-20qm Bewohnt oder Langstreckenreisen mit Flugzeug, Schweröl-Schiff, Kfz oder Bahn macht – der meint es nicht ernst. Punkt!

        Damit will ich nicht sagen, das 100% EE nicht funktioniert – das hat bis vor 200 Jahren sogar klasse funktioniert – ist aber eben mit „klitzekleinen“ und entsprechenden Komfort-Einschränkungen zum „heute“ verbunden.

  11. m. sastre sagt:

    Lieber Roland Moesl,

    eigentlich bin ich ja bereit, mit jedem zu diskutieren, der ernsthaft argumentiert. Dies vermisse ich bei ihnen jedoch vollkommen, zumal ihre Vorwuerfe auch sachlich absolut falsch sind. Aber um das zu erkennen, muessten sie sich hier etwas einlesen und das kostet Zeit und erfordert einen ernsthafteren Umgang mit der Thematik.
    Das Sie so aggressiv in einem Forum auftreten, das ihrer Meinung nach doch nur aus Sektierern und Jammerern besteht, zeigt mir deutlich, dass sie vor diesem Thema eher eine erhebliche, vielleicht unbestimmte,Angst verspueren und deshalb durch Aggression ablehnend reagieren muessen – anderenfalls koennten sie auch einfach weiterklicken und sich ein anderes, passenderes, Forum suchen.
    Ich finde ihren Beitrag dennoch sehr aufschlussreich und bedanke mich ausdruecklich, da wir hier auch Themen wie „kognitive Dissonanz“ besprechen und sie ein wunderbares Beispiel hierfuer darstellen.

    Ich wuensche ihnen ernsthaft Erfolg bei ihrer Energiewende und empfehle ihnen ihm zwischenmenschlichen Umgang die Hitler- und Stalinvergleiche etwas zurueckzufahren, da es ihnen sonst schwerfallen duerfte, Wohlwollen unter ihren Mitmenschen und fuer ihre Positionen zu hervorzurufen.

  12. Tom Schülke sagt:

    Hallo Herr Mösel.

    Ich weis nicht ob Sie Ihren Eindruck von diesem Forum ausschließlich auf diesen einen Artiikel Stützen.

    Peak-Oil.com ist vorrangig eine Informationsquelle rund um Die Energieversorgung und Resilientere Lebensentwürfe im Angesicht von Peak Everything.

    Dieser ARtikel gehört sicher in das äußerste Spektrum Pessimistischer Einschätzungen unserer zukünftigen Entwicklung. Hier werden auch andere Vertreten. DAs bedeutet nur eben nicht das es sich dabei um Unsinn handelt. Die Denkansätze zb. der Bundeswehrstudie oder der Komplexitätswissenschaften, zeigen ganz eindeutig, das das oben beschriebene Szenario überaus ernst zu nehmen ist. Und selbst wenn die Eintrittswahrscheinlichkeit „nur“ 5% betrüge, so sollte die Konsequenz aus ganz rationalen Risikoerwägungen die Sein, das ein derartiger Einbruch der Menschheit wie das Risiko eines Supergaus in der Atomkraft zu betrachten sein sollte. Es sollte alles darann gesetzt werden es so weit wie möglich zu vermeiden.

    Lesen Sie doch bitte öfters hier. Neben Informationen die sämtlichst sehr rational vorgetragen werden finden sich immer wieder auch optimistisch stimmenden Ideen einen anderen Lebensstil umzusetzten, zu dem auch , und ich glaube da für alle vorredner hier sprechen zu können, eine 100% Versorgung aus Erneuerbaren Energien gehört.

    Nur ist es so, das deren Umsetzung nicht sicher realisiert werden kann. Daher können wir uns gerade ja auch im Hinblick auf Peak Eeverything, den Schwund der Mutterböden, des Trinkwassers, der Biodiversität und dem Rückgang wichtiger Industrierohstoffe eben nicht nur auf 100% Erneuerbare alleine verlassen. So sehr es sich hier jeder wünscht.

    Ich stimme Ihnen Zu, das gerade dieser ARtikel wirklich den Boden der tiefsten unserer Ängste und Befürchtungen anspricht. Vielleicht kommt es weniger schlimm. Vielleicht gelingt uns ein sanfterer Abstieg und manchmal sogar nur ein Umstieg zu einem Besseren Leben.

    Nur die Gefahr das es so kommen kann zu Verleugnen und als Lebensfeindlich abzuwürdigen halte ich für falsch. Die Gefahr ist eernst zu nehmen.

    Erst als zweiten Schritt brauchen wir nun Mut das Problem auch mit aller Kraft anzugehen.

  13. peakenergy sagt:

    Lieber Roland Mösl,
    Nachdem ich gestern den Artikel von Bruno Müller gelesen habe, wollte ich zunächst gleich einen Kommentar dazu schreiben. Einen ersten Entwurf habe ich nach einer halben Stunde gelöscht. Wollen sie wissen, warum? Der Artikel hat mich ganz schön mitgenommen.
    Viele der Aspekte, die Bruno Müller in seinem Artikel beleuchtet, waren in den letzen Wochen bereits in amerikanischen Blogs Thema. Gerade das Thema der Bedrohung durch atomare Altlasten in der Post Peak Zeit. Aber solche Gedanken in der eigen Sprache zu lesen, verkleinert den emotionalen Abstand doch enorm. Sie scheint der Artikel auch berührt zu haben, das ist gut so. Auch ihre Reaktion ist für mich OK, denn sie ist ehrlich. Was den Ton und die Wahl der historischen Vergleiche angeht, jedoch daneben. Was mich wirklich rührt, ist die Reaktion der Mitforisten hier. Sachlich, argumentativ, mitfühlend und dazu mit einer sehr hohen fachlichen Kompetenz. Mit purer Emotion kommen sie hier im Forum nicht durch. Das ist hier ein anderes Niveau. Legen sie uns ihre Argumente, nicht ihre unbedachten und ungefilterten Emotionen, plausibel und konstruktiv dar.

  14. Ert sagt:

    Chris Martenson mit seiner Analyse zum amerikanischen Gas-Export nach Europa: „US Gas Will Never Replace Russian Gas For Europe – Economically & energetically implausible“: http://www.peakprosperity.com/blog/85239/us-gas-will-never-replace-russian-gas-europe

    „There’s nothing sensible about the recent attempts to link US LNG exports to freeing Europe from its dependence on Russian NG.

    The numbers just don’t work.“

  15. MéK sagt:

    Eine Chance sehe ich in der Permakultur.
    Als Beispiel was da möglich ist: Masanobu Fukuoka der ohne Einsatz von Maschinen und natürlich ohne Pflügen, Düngen, etc. mit seinem Verfahren im Wechsel Wintergerste und Reis anbaute und damit einen um 30% höheren Ertrag erzielen konnte wie die benachbarten Bauern mit ihrer industriellen Landwirtschaft.
    Der aus einem völlig heruntergewirtschafteten Kartoffelacker mit einem speziellen Bebauungsplan mit Bäumen mit starken Wurzeln die den, durch den Kunstdünger stark verdichteten, Boden mit ihren Wurzeln wieder auflockern konnten (die Löcher für die Bäume mussten teilweise gesprengt werden), und anderen Pflanzen den Boden wieder fruchtbar machen konnte.

    Eine andere Person ist Sepp Holzer.
    Der vor allem mit seiner – ich sag mal – Landschaftsgestaltung für optimale Bedingungen zum Anbau sorgt.
    Im großen Stil z.B. Wasserretentionsbecken mit denen er besonders in trockenen Gegenden dafür sorgt, daß das in nassen Jahreszeiten angesammelte Wasser auf natürliche Weise an seine Umgebung abgegeben wird.
    Terassierung an Hängen um Erosion zu verhindern.
    Uvm.

    Oder andere die der Natur im großen und ganzen mit ihrer Bepflanzung (Obst- Nussbäume, Beerensträucher, und da zwischen was essbar ist und passt) nur lenken.
    Auch hier lassen sich durch die mehreren Ebenen mehr Kalorien pro Fläche herausziehen wie mit der industriellen Landwirtschaft.

    Das funktioniert natürlich nur mit der Natur. Der Boden und auch alles drum herum muss lebendig bleiben. Dann braucht es keinen Pflug, kein Dünger, keine Gifte und vor allem viel weniger Arbeit.

    Es gibt auch Konzepte wie man ohne Erde nur mit Küchen- Gartenabfällen Gemüse wachsen lassen kann.

    Wenn möglichst bald ein Umdenken in Sachen Ernährung (zumindest ein gutes Stück weit weg von tierischen Produkten, Kohlenhydrate, Alkohol. Hin zu einer saisonalen und vor allem lokalen Ernährung… Kurz: nicht nur das Essen was einem am liebsten ist sondern was möglichst das was am besten für sich und seine Umwelt ist) stattfinden würde, hätte ich keine große Angst vor dem was uns noch bevor steht.
    Aber eines ist auch klar, dass die ganzen ausgelaugten Böden viele Jahre brauchen bis sie sich so weit regeneriert haben, daß man ohne chemische Keule da was bzw genügend raus bekommt.
    Und da bei den Massen eigentlich das genaue Gegenteil vom Umdenken geschieht, halte ich es auch hier für wahrscheinlich, daß der Karren mit Vollgas gegen die Wand gefahren wird. Und dann von heut auf morgen umstellen geht natürlich nicht.

    Es wird momentan so viel verschwendet oder falsch genutzt.
    Massentierhaltung und die extrem große Anbaufläche die dafür verschwendet wird.
    Wieviele Lebensmittel unnütz weg geworfen werden.
    Wie viele Lebensmittel wegen zu langer Transportwege verderben.
    Wie gesagt auch ohne Land kann man was anbauen – wenn auch natürlich nicht ausreichend viel.
    Im Ziergarten muß dann eben dem Gemüsebeet weichen. Und das konsequent.

  16. Stephan sagt:

    Hallo,
    ich würde ich gern mehr oder weniger kurz ein paar Gedanken vortragen, die doch etwas Optimismus wecken können. Es liegt nämlich, zumindestens in Deutschland doch vieles nicht so im Argen wie man meinen könnte, auch wenn die Ackerfläche pro Einwohner relativ gering ist.

    Wir haben inzwischen (da ich den Kommentar mal eben so schreibe, habe ich nicht die neuesten Zahlen zur Verfügung), Stand Juli 2013, laut Fraunhofer Bericht zur Stromproduktion aus Wind- und Sonnenenergie (Bericht für 1. bis 3. Quartal 2013), 30,5 GW installierte Windleistung und 34,6 GW installierte Photovoltaikleistung. Der größte Teil der Photovoltaikleistung dürfte noch 15 Jahre oder länger mit geringfügigem Arbeitsaufwand (Reinigung der Solarzellen von Dreck) zur Verfügung stehen. Und auch danach könnte man die Solarzellen mit vertretbarem Aufwand recyclen können (Solarzellen sind letztlich nichts anderes als Glas). Bei der Windenergie dürfte ebenso ein großer Teil der WKAs (Windkraftanlagen) mindestens zehn Jahre oder mehr ohne größere Reparaturen, wie Austausch von Getrieben oder Rotorblättern, betrieben werden können.

    In Deutschland wird alles mögliche mit großem Energieaufwand produziert, das man nicht wirklich zum Überleben braucht. Wenn es hart auf hart kommt, reicht auch der ÖPNV, um von Punkt A nach Punkt B zu kommen, vor allem gibt es dann keine Staus mehr.

    Wenn es wirklich hart auf hart kommt, gibt es bereits die entsprechenden Gesetze, mit denen praktisch alles beschlagnahmt werden kann (siehe VerkLG – Verkehrsleistunggesetz oder die WiSiV – die Wirtschaftssicherstellungsverordnung, beide aus dem Jahr 2004).

    Zum Thema Transport: Man kann sich z.B. bei gutem Wind, vor allem im Norden, im Falle eines Falles auch per Windskating fortbewegen, auch wenn dies natürlich nur eine Nischenanwendung darstellt.

    Zum Thema Arbeitstiere: Es gibt immer noch jede Menge Pferdezuchtbetriebe, auch in Deutschland, z.B. für die Kaltblutpferde, die für Arbeiten wie Stämmerücken im Wald oder für den Transport von Bierfässern (ganz wichtig! ;-) ) eingesetzt werden. Das Stämmerücken per Pferd findet inzwischen auch immer mehr Anhänger. Für die Feldarbeit eignen sich auch Pferde wesentlich besser als Rinder bzw. Ochsen.

    Alte Techniken und Werkzeuge werden in sogenannten Mittelaltervereinen und historischen Vereinen bzw. Vereinen für den Erhalt von Windmühlen, Getreidemühlen, alten Schmieden etc. gepflegt. Im Eine-Welt-Laden kann man heute noch einfache gute Kaffemühlen kaufen, mit denen man zu Not sogar Maiskörner mahlen kann (selber getestet). In vielen Dörfern gibt es schon oder bald wieder Dorfbackhäuser.

    Die Qualität heutiger Lebensmittel (in den Discountern) ist nicht mehr mit derjenigen aus dem Jahr 1900 vergleichbar, auch wenn ein bekannter Lebensmittelchemiker ständig etwas anderes behauptet (man vergleiche mal den Geschmack eines echten Biobieres mit einem beliebigen „guten“ heutigen Bier aus dem Supermarkt – nie wieder wird man danach ein solches „gutes“ Bier trinken). Von daher wäre es für unser aller Gesundheit gut, wenn wir uns auf diesem Gebiet wieder zurückentwickeln würden, d.h. zurück vor die Zeit der Erfindung des Haber-Bosch-Verfahrens (Massenproduktion von Kunstdünger).

    “ Die Asphaltdecken und auch die Brücken- und Tunnelbauwerke werden uns noch eine lange Zeit dienend erhalten bleiben.“

    Da wäre ich jetzt nicht ganz so optimistisch, wenn man sich überlegt wie einfach z.B. ein Löwenzahn durch eine relativ dicke Asphaltdecke brechen kann. Auch Betonbauwerke haben nur eine begrenzte Haltbarkeit ohne regelmäßige Wartung, nicht nur wegen der Witterungseinflüsse, sondern auch aufgrund diverser Mikroorganismen wie Bakterien oder Pilze (Stichwort Lithobionten bzw. autochthone Mikroflora).

    • Stephan sagt:

      Noch eine Ausführung zum Thema Ernährungssicherung und benötigter Fläche.

      Mit Hilfe der biologischen Landwirtschaft und Techniken der Permakultur ist es möglich die Menschheit noch eine ganze Weile zu ernähren. Ich schätze, dass man sogar 15 Milliarden Menschen auf der Erde ernähren könnte, wenn man dies politisch durchsetzen könnte. Ob man dann allerdings wenigstens einmal noch pro Woche Fleisch essen kann, kann ich derzeit nicht sagen.

      Es gibt bereits alle Informationen, die man dazu benötigt, im Netz. Hier ist eine kleine Auswahl davon.

      Zunächst ein wichtiger Filme, zum Thema biologische Landwirtschaft:

      Zukunft pflanzen – Bio für 9 Mrd. Menschen (ein Film von Marie-Monique Robin, Autorin des Films „Mit Gift und Genen“)
      http://vimeo.com/51911008 (1h35min)

      Der Film wurde im September 2012 auf Arte ausgestrahlt und war auch eine Weile in der Arte Mediathek zu sehen und auf Youtube auf Deutsch.

      Eine Beschreibung der Arbeit des australischen Mineninspektors und Hobbyfarmers P.A. Yeomans (Wiederherstellung eines fruchtbaren Bodens innerhalb von ein paar Jahren, aber auch die optimale Ausnützung des Niederschlags in trockenen Gebieten):

      Kapitel 10 aus „The City Forest“:
      „The Soil Sense“
      (Das Bodenverständnis)
      http://www.soilandhealth.org/01aglibrary/010127yeomansIII/010127ch10.html

      Kapitel 5 aus „The Keyline Plan“:
      Soil Improvement on Pasture Lands
      (Bodenverbesserung auf Weideland)
      http://soilandhealth.org/01aglibrary/010125yeomans/010125ch5.html

      Hier gibt es einige Bilder dazu:

      THE GEOGRAPHICAL AND TOPOGRAPHICAL BASIS OF KEYLINE
      by the late Prof J. MacDonald-Holmes, Dean of the Faculty Geography, University of Sydney.
      http://www.yeomansconcepts.com.au/basis-of-keyline.htm

      Und wenn man mir schon nicht glaubt, dann wenigstens einem Fachmann auf dem Gebiet Landwirtschaft und auch nicht etwa ein Akademiker (ich weiß nicht ob Herr Wenz Agraringenieur ist), sondern ein echter Praktiker, der weltweit Landwirte berät. Der Biobauer Friedrich Wenz aus dem Ortenaukreis, dessen Vater den Verband Bioland mitgegründet hat, erklärt in seinem Vortrag wie und wieso die biologische Landwirtschaft gegenüber der konventionellen Landwirtschaft im Vorteil ist:

      moderner biologischer Landbau Teil 1
      http://www.youtube.com/watch?v=s1YJ2fWQGPE

      moderner biologischer Landbau Teil 2
      http://www.youtube.com/watch?v=STmrWIeTyKI

      moderner biologischer Landbau Teil 3
      http://www.youtube.com/watch?v=Bvcln-Le_7o

      Speziell der dritte Teil des Vortrags, ab 01:00min, ist interessant, weil es ein Feld zeigt, das innerhalb von zwei Jahren (2002-2004) komplett von konventioneller auf biologische Landwirtschaft umgestellt wurde. Im dritten Jahr zeigen sich sogar sehr deutliche Unterschiede gegenüber einem konventionell bearbeiteten Feld, das direkt an das biologisch bearbeitete Feld (ohne Pflanzenschutzmittel?, ohne Düngergaben) angrenzt.

      Dies ist quasi ein weiterer Beweis für die Aussagen von P.A. Yeomans, dass man einen ausgelaugten, unfruchtbaren konventionellen Boden sehr schnell in einen biologisch bewirtschafteten, fruchtbaren Boden zurückverwandeln kann.

      Ich werde demnächst hier einen Artikel veröffentlichen, der zeigt wie man diverse „unfruchtbare“ Gebiete, d.h. Wüsten, Halbwüsten und Savannen, innerhalb von ein paar Jahrzehnten in fruchtbare, grüne Länder umwandeln kann (egal ob Saudi-Arabien, die Sahara oder etwa das Zentrum Australiens). Es laufen bereits diverse Projekte dazu weltweit, die diese Aussage stützen.

      • Bruno Müller sagt:

        Ein herzliches Dankeschön für die vielen, sehr guten, ehrlichen und fundierten Kommentare, Antworten und Anregungen.
        Ich weiß, die emotionale Herausforderung war enorm und ging an die Grenzen des Erträglichen und Vorstellbaren.
        Vielen Dank an Norbert für seinen Mut derartige, von mir formulierten Gedanken und die daraus hergeleiteten Schlussfolgerungen zuzulassen und zur Diskussion zu stellen.

        Am Liebsten wäre es mir gewesen, wenn sich mir ein Ansturm klarer Widerlegung meiner Überlegungen entgegengestellt hätte. Im Sinne von „Bruno, aus diesen und diesen und diesen Gründen liegst Du völlig falsch!“ Wenn ich dadurch erkannt hätte, Eins und Eins falsch zusammengezählt zu haben und erleichtert eine neue Sichtweise der Dinge bekommen hätte. Ich wäre froh gewesen. Die klare, einfache Wunder- oder Zauberformel gibt es wohl nicht.

        Dennoch, beobachtet man die Entwicklung der Diskussion, zeigt sich, dass nicht Erstarrung oder Resignation, sondern am Ende gute, bereits erprobte Lösungsansätze und Lösungen im Bereich der Ernährungsversorgung den Schlussakkord bildeten, welcher durch Stephan und Me’K angeschlagen wurden.

        Und das ist gut so.

        Bei konsequenter und schneller Umsetzung werden es auch die 4500 schaffen. Davon bin ich fest überzeugt.

        • Ert sagt:

          @Bruno

          Solange irgendwer noch Lebensmittel exportiert und die Veränderungen nicht so schnell Stattfinden – solange können wir als „D“ auch noch Mitbewerber am Weltmarkt „überbieten“.

          Wehe dem, der eine Schuldenburg hat – und schon heute angesichts der Nahrungs- und Energiebpreise am Limit kratzt. Bevor es spannend wird, sehen wir noch ganz andere Energiepreise, Abgaben und Nahrungsmittelpreise…

  17. […] Artikel von Buno Müller über einen möglichen Bevölkerungsrückgang von heute über 7 Milliarden Menschen auf 2 Milliarden Menschen macht Angst. Er ist jedoch ein […]

  18. fliegen sagt:

    So. Lasst uns mal die Arche bauen. Was braucht der Mensch? Essen, Kleidung, Behausung. Die Lebensgrundlage des Menschen ist der Boden, auf dem er lebt, und konkret Erde, Tiere und Pflanzen. Darum sollte gekümmert werden: um die Bodenqualität, um Arbeitstiere, Nutztiere, um gute alte Getreidesorten, Obstbäume, regionales Gemüse… Der Mensch soll wieder lernen, mit all dem umzugehen und für sich selbst zu sorgen. Mit Tieren arbeiten, weben, spinnen, schmieden, anbauen, mit Holz, Stroh und Lehm bauen, Alltagsgegenstände selber herstellen, allgemein alter Handwerk, pff, die Liste ist noch viel länger. Und natürlich wieder lernen, in Gemeinschaft zu leben, denn purer Eigennutz wird tödlich werden. Zudem sollten auch die Fähigkeiten der noch früheren Zeiten lebendig sein, wie das Sammeln und Jagen, oder „aus dem Nichts“ Feuer machen, denn wer weiß, wie hart die „Sintflut“ werden wird. Das alles sind positive Impulse. Natürlich sind negative Impulse, das „nicht machen“ in der heutigen Welt absolut notwendig: also Verzicht, Verminderung, Vertrauen auf industrielle, aber „nachhaltigere“ Methoden, wie das Recycling, „Ökostrom“ und Bio. Aber das allein reicht nicht.

    Ok, ich will was praktisch umsetzen. Was hat die jetzige Gesellschaft zu bieten? Mache ich ne Ausbildung, so bin ich mit starren industriellen Strukturen und Maschinen konfrontiert, dem „Fortschritt“, der in einer postfossilen Gesellschaft völlig sinnlos ist (und paradoxerweise immer schneller und immer weiter fort schreitet). Studiere ich, so wird das nicht besser. Fazit: unsere Gesellschaft und ihre Strukturen sind nicht imstande, diese Probleme zu bewältigen. Parallelstrukturen müssen her. Wie soll das entstehen? Ich habe von dieser FuturII-Stiftung gehört. Die gefällt mir nicht. „Nachhaltige Unternehmen“, „Unternehmen die nicht wachsen“ zu unterstützen, ist so wenig, soo wenig.. Wo bleibt denn die Materie? Was tun denn all die Unternehmen? Würden sie oder ein abgewandelter Konzept von ihnen in einer postfossilen Gesellschaft standhalten oder zu Staub zerfallen? Und jetzt, wenn die gute Fee käme… Das wichtigste Kommunikationsmittel heutzutage, sowie die stärkste Kraft ist GELD. Es müsste also eine Stiftung her, die solche bodenständigen Projekte unterstützt und anschubst. Leider kenne ich nur eigennützige Stiftungen entweder von Parteien, oder von Großunternehmen, die letztendlich nur ihren eigenen Erzeunissen zugute kommen. Und kapitalistisch bis zum Knochenmark sind sie auch.
    Nicht nur die Nachricht von der Sintflut müsste verbreitet werden, und nicht nur die Idee von der Arche ausgearbeitet, sondern es müssen Pläne dieser Arche gezeichnet werden, und schon diese Zeichnung ist eine Umsetzung, denn sie geschieht nicht nur auf Papier, sondern auch im Gedächnis, in den Händen und Füßen der Menschen, und auf dem Boden, auf dem sie arbeiten und leben.
    Zudem muss der ökologische Aspekt der ganzen Sache bedacht werden. Nicht nur der Eigennutz des Einzelnen wird tödlich sein, sondern auch der pure Eigennutz der Menschen insgesamt, langsamer, aber tödlich. Die Natur muss geliebt und geachtet werde, wir können nicht mehr alles mut ihr machen, wie es uns passt. Und das müsste tief ins Bewusstsein eingehä.. eingeflochten werden. Und so ein abendländisch-christlicher Geist „macht euch die Erde untertan“ ist da wohl wenig hilfreich (vielleicht sollte ich dann auch die christlichen Metaphern lassen..). Aber das ist jetzt nebensache, jetzt geht es erstmal darum, die Skizze zu skizzieren und die Segel zu spannen.

    Konkrete Fragen? – Wo sind diese Stiftungen? Wo sind diese Organisationen? Wo sind diese Ausbildungsmöglichkeiten? Wo ist dieses Geld, was das alles schon heute ermöglichen könnte? Das Wissen und die Kraft liegt überall herum, es muss nur gebündelt werden. Ganz egal ob diese Bündelung geschehen wird oder nicht, ich werde all diese Dinge anstreben und umsetzen, an und in meinem Leben.

    Ich habe wenig Erfahrung mit all den Dingen, von denen ich rede. Deswegen habe ich jetzt wohl einiges ungenau beschrieben. Das muss weiter vertieft und gefeilt werden. Und das ist der einzige Ausweg aus dieser Lage, neben Leugnung, Resignation oder Durchdrehen.

    Ich weiß nicht wie ihr aber ich will leben.

    • fliegen sagt:

      Wo diesbezüglich bestimmt gestritten werden kann: Ob die Gesellschaft der Zukunft eine Industriegesellschaft sein sollte und wird, oder nicht. Industrielle Lösungen verbergen sich hinter Stichworten wie „100% Erneuerbare“ oder „Kreislaufwirtschaft total“. Diese Meinungen teile ich nicht. Zum einen denke ich das wird nicht funktionieren, zum anderen denke ich das wäre nicht gut. Wichtig dabei ist, dass wir nicht wie bisher im Wunschadenken verankert bleiben: wir wollen es so, wir brauchen dies, und das, also soll es sein. Sondern wir müssen schauen, was gut ist, und verträglich, und nicht nur für die Menschen (wir sind nicht allein auf dieser Erde! egal wie sehr wir wuchern), und erst dann was wir brauchen. Aber ich hoffe diese Diskussion wird nicht die maßgebliche sein. Ich will konstruktiv sein. Sollen Solarzellen, Winteräder, Batterien und Brennstoffzellen ein Teil der Arche sein. Mein Ding ist es nicht, aber vielleicht bringt es ja was.
      Auf jeden Fall bin ich der Meinung, dass wir unseren Horizont nicht nur erweitern, sondern aufbrechen sollten, und sowohl Resignation als auch Wunschdenken beiseite lassen.

      Her mit euren Skizzen :)

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