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Das Peak-Oil-Problem lösen

Ich habe sehr viel Spaß, bei Vorträgen über Ölförderraten und Förderkurven, über Förderrückgänge in ausgewählten Ländern und geopolitische Risiken die anschließende Frage in den Raum zu stellen:

in-welcher-stadt-dieses-planeten

In welcher Stadt dieses Planeten werden wohl die wichtigsten Entscheidungen zur Lösung des Peak-Oil-Problems getroffen?

Suggestiv bietet meine Vortragsfolie an: Berlin, Paris, Moskau, Washington, Bagdad, Peking, Riad, Oslo.

Die darauffolgende Folie zeigt: einen Google-Maps-Screenshot genau jenes Ortes, in dem ich grade vortrage. Es ist Sinn dieses kleinen Vortragsabschnitts, die Irrwege zu zeigen, auf die wir uns gern lenken lassen: In keiner der großen politischen Städte auf diesem Planeten wird das Peak-Oil-Problem "gelöst" werden, denn das Problem besteht ja daran, dass in allen Städten und den meisten Dörfern dieser Welt Öl heutzutage viel zu wichtig ist. Ein Hinauszögern des Ölfördermaximums, was manche Haupt-Städte möglicherweise veranlassen könnten, "löst" das Problem ja nicht, sondern verschiebt nur den Moment, wo das Problem spürbar wird. Die Lösung des Problems besteht deshalb nicht darin, auf ungewisse Entscheidungen in irgendwelchen Hauptstädten zu warten, sondern sich zu fragen:

Wie sorge ich dafür, dass der Ort, an dem ich lebe, notfalls auch ohne Öl funktionsfähig bleibt?

Haltung!

In einem Interview mit der ZEIT-Redakteurin Christiane Grefe bei der Volkswagenstiftung wird Dennis Meadows gefragt, wie er sich seine Kräfte bewahrt angesichts seiner seit 40 Jahren andauernden Aktivitäten, die kaum spürbare Wirkung zeigen. Meadows antwortet:

Two Ways.

One is to realize that you don’t have to change the world. Ethically as a person you need only to behave in a way, such that if everybody behave that way it would solve the problem.

The second way is to shrink your boundaries. I used to be worried about the global climate, now I’m worried about how to foster social connections inside my town.

Zwei Wege:

Einer ist zu realisieren, dass du nicht die ganze Welt ändern musst. Moralisch gesehen muss du als Mensch nur in einer Weise handeln, die - wenn jeder so handeln würde - das Problem lösen würde.

Der zweite Weg ist, deine Grenzen zu schrumpfen. Ich war besorgt um das globale Klima, jetzt kümmere ich mich darum, wie ich soziale Beziehungen in meiner Stadt fördern kann.

Meadows hat sich eine Haltung zugelegt, die einerseits seine geistigen Fähigkeiten davor bewahrt, in eine Sackgasse zu geraten und ihn handlungsunfähig zu machen; andererseits eröffnet er sich selbst ein Handlungsfeld, in dem er machtvoll bleibt. Viele Menschen starren bei politischen Fragestellungen (zu denen man die Peak-Oil-Problematik zählen kann) auf jene politische Ebene, die ihnen durch die Medien tagtäglich präsentiert wird: Die Ebene der Bundespolitik. Diskussionen um politische Fragen bewegen sich daher oft der Ebene von Bundesregierung und Bundestag. Dabei ignorieren die Diskutierenden gern, dass sie oft keinerlei Kontakte in diese Ebene haben: Wer kennt schon einen der 600 Bundestagsabgeordneten so gut, dass er diesen zu Handlungen in Berlin bewegen kann?

Ähnliche Macht-Losigkeit besteht für die meisten von uns auch hinsichtlich der Fragen der Ölversorgung. Wer kennt Leute in Saudi Arabien, die dort das weltgrößte Ölfeld Ghawar bearbeiten? Wer kennt Gazprom-Mitarbeiter mit Einfluss in Russland oder Fracking-Ingenieure in den USA? Den meisten Peak-Oil-Interessierten fehlen solcherlei Einflussmöglichkeiten ebenso wie dem Großteil der Bevölkerung, daher führen reine Diskussionen um die globale Ölversorgung in eine Sackgasse der Machtlosigkeit.

postfossile Anpassungsstörung

Rob Hopkins hat in seinem "Transition Handbook" (deutsch: Energiewende, das Handbuch) eine Post-Erdöl-Belastungsstörung beschrieben, die man korrekter eine "postfossile Anpassungsstörung" nennen sollte. Bei Hopkins wird aus dem Geologie-Problem schrumpfender Erdöl-Erträge plötzlich ein Psychologie-Problem. Das Wissen um die eigene Ölabhängigkeit in Kombination mit einer als bedrohlich empfundenen Versorgungsunsicherheit macht Angst. Zerrissenheit kommt auf zwischen einer medialen Dauerbeschallung, in denen diese Fragestellungen nicht oder nicht angemessen auftauchen, und der Ungewissheit darüber, wie lange das heutige Wirtschafts- und Gesellschaftsmodell noch trägt. Machtlosigkeit führt zu Resignation, bei denen sich so mancher lieber in seinen (Berufs-)Alltag flüchtet um sich nicht den Ausblicken stellen zu müssen, die Peak Oil mit sich bringt oder der sich eine Wunschlogik zulegt, die auch Dennis Meadows in oben genanntem Interview beschreibt: Egal welche Argumente für Peak Oil oder den Klima-Einfluss von Treibhausgasen vorgelegt werden, akzeptabel ist für Wunschlogistiker keines davon.

Als sicher dürfte gelten, dass unsere Gesellschaften vor einem fundamentalen Transformationsprozess stehen. Entweder, weil sinkende Ölverfügbarkeit zu einer Schrumpfung der ölgetriebenen Lebensstile führt oder weil neue Energiequellen und Technologien die heutigen Strukturen verändern. (Wahrscheinlich ist, dass beides zugleich passieren wird; Ausgang ungewiss.) Den Kopf in den Sand zu stecken und die Entwicklung an sich vorbeiziehen zu lassen, dürfte keine angemessene Reaktion sein, denn wir alle sind Teil dieser ölsüchtigen Gesellschaft. Selbst wenn wir individuell kein Auto fahren, keine Flugreisen machen oder keinen Plastikmüll kaufen, sind wir dennoch eingebunden in ein soziales Netz aus Menschen, deren Leben stark von Öl abhängt, sowie in ölbetriebene Versorgungsstrukturen - und damit ist niemand "wirklich unabhängig".

Wo hab ich wirklich Einfluss?

Doch führt diese Erkenntnis zu Gefühlen von Machtlosigkeit, wenn man auf Ebenen starrt, in denen man einflusslos ist. Daher ist es hilfreich, sich zu vergegenwärtigen, wo man eigentlich Einfluss hat:

Nähe-Einfluss-Macht

Der österreichische Nationalökonom Leopold Kohr warnte seit langem vor der zerstörerischen Energie großer Strukturen und empfahl ein "Zurück zum menschlichen Maß". Von ihm kann man lernen, wie sinnvoll es sein kann, in kleinen Strukturen zu denken, denn man lernt auch - wie obige Grafik zeigt - dass mit einem "Absteigen" von den großen politischen Ebenen hin zur individuellen Ebene nicht nur die Distanzen kleiner werden, sondern auch der eigene Einfluss zunimmt. Es ist jedenfalls um Längen wahrscheinlicher, dass ein Mensch sein direktes Umfeld zum Handeln bringt, als die Regierung eines ganzen Landes, wenn er zu keinem einzigen Regierungsmitglied persönliche Beziehungen pflegt. (Würde er persönliche Beziehungen zu Regierungsmitgliedern pflegen, würden diese ja dann doch wieder zu seinem direkten Umfeld zählen.)

Dass die Gedanken Kohrs oder auch Meadows letztlich deckungsgleich mit den Ideen der "Transition Towns" sind, ist kein Zufall. Steht doch das nach E.F. Schumacher benannte College in Totnes, jener über die Grenzen Kleinbritanniens hinaus bekannten Stadt, in denen Rob Hopkins sein Konzept einer "Stadt im Energiewandel" umsetzt. Schumacher war Schüler und Freund von Leopold Kohr, in seinem Hause vollendete er sein bekanntes Werk "small is beauftiful". (2003 brachte der Deutschlandfunk eine "Lange Nacht" über Leopold Kohrs "Lehre vom rechten Maß". Einen Mitschnitt zur privaten Nutzung kann ich auf Anfrage gern zusenden.)

Die werden sich schon was einfallen lassen...

Eine der ersten Grafiken auf dieser Webseite war ein Kommentar zu einer Haltung, welche mir damals oft begegnete: Die Mentalität des "Die werden sich schon was einfallen lassen":

Die werden sich schon was einfallen lassen

Das Bild entstand im Sommer 2008, also vor 6 Jahren (Dank an MK). Wer sind "die", die sich seitdem etwas einfallen ließen? Die Fracker in den USA, deren Abstieg bereits sichtbar ist? Die Ingenieure von Fukushima, die mit ihrem Super-GAU in 2011 zeigten, dass Atomkraft keine Lösung ist? Die Bundesregierung mit ihrem "Energiekonzept" vom Herbst 2010 (vor Fukushima!), in dem bis 2020 eine Million Elektro-Autos bis 2020 angepeilt werden?

Come together

Wir sind die, die sich etwas einfallen lassen müssen. Und wenn wir das tun, sollten wir uns daran erinnern, welchen Einflussbereich wir wirklich haben. Die eigene Kraft auf diesen Einflussbereich zu konzentrieren ist wesentlich wirksamer, als dorthin zu starren, wo man nichts bewegen kann. Das eigene Dorf oder die eigene Stadt ist somit als "das natürliche Arbeitsfeld" zu betrachten, auf welches jeder seinen Tun konzentrieren sollte. Das geht natürlich leichter, wenn man es nicht allein tut, sondern mit anderen zusammen.

Jede Kraft wird größer, wenn man sie mit anderen zusammenlegen kann. Daher werde ich für die DeGrowth-Konferenz vom 2. bis 6. September 2014 in Leipzig zu einem Leser-Treffen einladen, vermutlich am Tag 2, Donnerstag, den 4.9. zum Thema "Bündnisse bilden". Bitte im Kalender reservieren! Sollte jemand Vorschläge für die Form eines Zusammentreffens haben oder sich gar ein bisschen in die Organisation einbringen wollen, nur zu. Um den Raumbedarf abzuschätzen, hilft es, wenn Interessierte mal kurz "piep" machen. Die Konferenz-Organisatoren nehmen weiterhin Beitragsvorschläge für die Konferenz entgegen. Wer etwas zu Peak Oil anbieten möchte: Die Einreichungsfrist wurde bis Ende Februar 2014 verlängert...

 

Sonstiges:

Vernetzung:

  • Bündnis 90/Die Grünen treffen sich zur Bundesdelegiertenkonferenz Anfang Februar in Dresden. Am Rande der Konferenz wird es ein separates Arbeitstreffen zu Peak Oil geben. Grüne Mitglieder, die auf der BDK sind und Interesse an diesem Treffen haben, mögen sich melden.

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34 Kommentare to “Das Peak-Oil-Problem lösen”

  1. Tom Schülke sagt:

    piep… ;-)

  2. Ert sagt:

    Ich habe leider noch keine Zeit gehabt in die einzelnen Sessions reinzuschauen, aber anfang Dezember gab es eine Veranstaltung „Nobel Week Dialogue 2013“ mit dem Fokus Energie.

    Links:
    – Programm: http://www.nobelweekdialogue.org/programme/programme/
    – Videos: http://www.nobelweekdialogue.org/watch-online/highlights-video/

    Da waren anwesend u.a.: Fatih Birol, Günther Oettinger, Hans Vestberg, Steven Chu, David Gross, etc. pp.

    Die Themen in den Sessions sind sehr umfangreich: Fossil fuel dependence, Future for Nuclear, The promised land of renewables, How can we decrease our energy usage?.. etc. pp. – ich werde mich mal versuchen da durch zu schauen und würde mich hier auch über Feedback freuen.

  3. Ert sagt:

    @Norbert

    Ganz im Sinne dieses Beitrages möchte ich auch noch auf H. Pestalozzi und sein Buch „Auf die Baeume Ihr Affen verweisen“.

    Bei SR2 Klassiker gibt es auch noch ein Interview von 1989 vom Ihm: http://pcast.sr-online.de/play/sr2-fragen-klassiker/2011-06-29_pestalozzi28051989.mp3

    Kurzbeschreibung: Hans A. Pestalozzi, „Auf die Baeume, ihr Affen!“ Der schweizerische Wirtschaftswissenschaftler und ehemalige Migros-Manager glaubt nicht mehr, daß man dieses System aendern kann. Er fordert Anarchismus und Basisdemokratie.. Zudem spricht er auch noch ganz stark die Reduzierung und das Hamsterrad an, das was man lokal tun kann/muss, etc. pp. – Klasse!

    • Hansi sagt:

      Vielen Dank für den Hinweis und den Link zum Interview Ert! Das ist ja wirklich noch genau so zutreffend und aktuell wie es 1989 schon war. Das sollte sich jeder mal anhören. Ich werde es gleich an ein paar Freunde weiter empfehlen.

      Aus heutiger Sicht besonders interessant zu hören ist die Frage einer Frau (etwa bei Minute 35): „Kann es sein, dass wir im Jahr 2000 im Alltag den modernen Maschinen, z.B. Computer, nicht mehr ausweichen können?“
      Rückblickend gesehen ist genau das eingetroffen! Und Pestalozzis Hoffnung, dass uns diese Maschinen von der Muss-Arbeit befreien, ist leider nicht eingetreten – sondern seine Befürchtung ist eingetreten, dass wir uns wieder nur abhängig machen und uns unser Leben von diesen neuen Maschinen diktieren lassen.

  4. Martin sagt:

    Ebenfalls Piep!

    Ich bin seit Monaten stiller Leser und tauche immer tiefer in die Materie ein. Mittlerweile habe ich meine Hoffnung auf einen rationalen Ausweg ohne massives Negativwachstum aus dem Dilemma „Klimawandel & Peak Alles“ aufgegeben. Ich habe wirklich versucht jeden Stein umzudrehen und bin allen möglichen Strohhalmen (Grünes Wachstum usw.) nachgegangen – ohne Erfolg…

    Daher wende ich mich jetzt der praktischen Seite des Themas zu: Was heißt das jetzt konkret für mich und meine Familie, was kann ich konkret tun und und wo packe ich am sinnvollsten an. Und für mich am wichtigsten: Wie bringe ich meinem Umfeld nahe, dass sich mein Weltbild um knapp 180 Grad gedreht hat. Kein leichtes Unterfangen, man steht mit der Radikalität der Situation doch ziemlich allein da.
    Ich würde mich daher über persönliche Kontakte zu Menschen freuen, denen man nicht erst in endlosen Diskussionen den eigenen Standpunkt erläutern muss.
    Im Netz gibt es ja auch allerlei Seiten, die sich irgendwie an den Themenkomplexen abarbeiten, wobei ich hier im peak-oil-Forum die Diskussion am gehaltvollsten finde. Norbert Rost und den meisten regelmässigen Kommentatoren: Hut ab!

    Der 04.09. ist daher schon mal vorgemerkt.

    Beste Grüße in die Runde: Martin

  5. Florian Hoppe sagt:

    Piep :)

  6. Patrick sagt:

    Ich kann mich im Großen und Ganzen dem Kommentar von Martin anschließen.
    Meine Hoffnung schwindet ebenfalls, dass wir Gesamt-Gesellschaftlich noch rechtzeitig das Ruder herumreißen können.

    Mich würde auch in erster Linie interessieren, was man privat / persönlich machen kann, wie man zumindest sein engeres Umfeld einbeziehen kann. Das allein ist schon schwierig genug…

    Ich mach auch mal „Piep“, allerdings weiß ich leider nicht, ob eine Teilnahme am 04.09. klappt, da ich definitiv die ganze Woche Urlaubsvertretung für eine Kollegin machen muss (jaja, das Hamsterrad) und nicht sicher bin, ob ich in dieser Zeit 1 – 2 Tage fehlen kann.
    Zumal Leipzig nicht gerade um die Ecke ist, wenn man aus der größeren Umgebung von Dortmund kommt.
    Interessant wäre ein Treffen aber auf jeden Fall!

    • Michael Egloff sagt:

      Hi Martin & Patrick,
      die Frage nach dem, was man persönlich tun kann, ist leicht zu beantworten:
      genau das, was selbst dann sinnvoll wäre, wenn wir uns hier alle in unserer Einschätzung der zukünftigen Entwicklung irren würden und der Status quo noch ein weiteres Jahrhundert aufrecht zu erhalten wäre (was allerdings aus Sicht der vielen anderen Erd-Mitbewohner-Spezies und der späteren Menschengenerationen alles Andere als wünschenswert wäre).
      Was ist also in jedem Fall sinnvoll?
      -Erhaltung seiner eigenen körperlichen und geistigen Leistungsfähigkeit (Sport treiben, gesund ernähren / Über- und Fehlernährung vermeiden usw.),
      -Stärkung sozialer Netzwerke gegenseitiger Solidarität im Familien-, Freundes- und Nachbarschaftskreis, sich Zeit nehmen für andere Menschen,
      -Training eines materiell bescheidenen Lebensstils, seine wirklichen Bedüfnisse von Scheinbedürfnissen zu unterscheiden lernen (immer mehr besitzen zu wollen macht nicht glücklicher, sondern unfreier und im Ergebnis eher weniger glücklich),
      -Basiskompetenzen erlernen (z.B. Gartenbau – Gartenarbeit verschafft ein wirkliches Zufriedenheitsgefühl)
      -seinen Kindern (im meinen Fall schon Enkeln) vermitteln, dass nichts Gewohntes von Dauer sein muss und nichts selbstverständlich ist. Und vermitteln, dass man ab und zu mal fragen sollte: was passiert, wenn sich alle Menschen auf der Welt so verhalten, wie ich. Da kommt man ohnehin zu ernüchternden Ergebnissen…
      -nicht den großen Missionar spielen wollen. Wo der Erkenntnisprozess noch nicht weit gediehen ist, erzeugt man mit missionarischem Eifer eher eine gegenteilige Reaktion und wird überdies als Sonderling betrachtet. Was der Etablierung von Netzwerken gegenseitiger Unterstützung eher zuwiderläuft.

      • Michael Egloff sagt:

        Ergänzung:
        natürlich war meine Aufzählung nicht vollständig.
        Wichtiger weiterer Punkt z.B.: private Verschuldung so weit wie möglich vermeiden (ein bescheidener Lebenstil macht das ohnehin leichter(, auch als Geschäftsmann möglichst Eigenkapitalquote von 100% anstreben.

        • Ert sagt:

          Dem kann ich voll zustimmen – auch meine Linie und Praxis.

          Wenn alleine das genug machen – dann bricht das System zusammen. Denn das debitistische System, das „Wirtschaftssystem, in dem verschuldete Privateigentümer versuchen, dem permanent auf ihnen liegenden Liquiditätsdruck zu entkommen“ braucht die konstante Verschuldung von neuen Mitspielern.

          Würgen wir dies ab, dann haben wir genau das hier: http://sdw.ecb.europa.eu/home.do?chart=t1.2 – sinkende Neuverschuldung (M3 ist nur ein Zeichen dafür.. real werden aktuell mehr Kredite abgebaut als neu aufgenommen… ganz böse für das System).

          • Ert sagt:

            So schließe ich dann auch mein Finanzkapitel in meinen Schreibprojekt aktuell mit:

            „Löst man sich vom dem Ziel bzw. dem Glauben das eigene Einkommen maximieren zu müssen – dann wird viel einfacher. Denn von einer Fiktion sollten wir uns befreien: Geld kann nicht (einfach so) in die Zukunft gespart werden. Geld (als Guthaben) ist immer die Schuld eines anderen – und diese Schuld ist nur so gut wie die Möglichkeit des anderen in der Zukunft durch eine (wirtschaftliche) Tätigkeit anderes (Kredit-) Geld zu verdienen (einzusammeln) um damit die eigene Schuld (den Kredit) zurückzuzahlen (zu tilgen).

            So sollten wir uns alle – individuell – der Frage stellen, welchen Lebensstandard wir in der Zukunft haben können, möchten – oder eigentlich brauchen. Denn der Lebensstandard, welcher im Mittel überhaupt auf der Welt für jeden möglich ist sinkt mit der zunehmenden Welt-bevölkerung, der Ausbeutung der natürlichen Ressourcen und Zerstörung unserer Umwelt. Zwar ist unser Lebensstandard heute global höher als vor 100 Jahren und das für viel mehr Menschen – aber dies nur auf der Grundlage einer zeitbegrenzten und dramatischen Übernutzung aller globalen Ressourcen, insbesondere auch Öl, möglich gewesen.

            Dem voraus geht eine längere Einführung in den Debitismus mit vielen praktischen Beispielen.

  7. Tom Schülke sagt:

    Auch ich schließe mich Martin an.

    Mich freut vor allem, das in den Kommentaren immer wieder großartige Links zu finden sind. Teusche ich mich, oder sind die diskussionen im letzen halben Jahr deutlich umfangreicher geworden ?

    Und ich freu mich viele hier mal persönlich kennenzulernen, wenn wir uns Treffen. Vielleicht ergibt sich daraus ja auch mal die eine oder andere Aktion, Strategie, Synergie, was wir und zusammen mit Norbert Rost auf die Beine stellen können.. Es würde verdammt gut tun, das geschehen nicht nur passiv abzuwarten. Natürlich privat im direkten Umfeld, aber auch was die Öffentlichkeitswirksamkeit der Informationene dieser Seite hier betrifft.

    Ich habe auch den Eindruck, das viele Hier immer wieder mit dem Gedanken Spielen, Ihre Ideen Gedanken und Wahrnehmungen in Schriftform zu verpacken. Das geht mir auch so. Ich kann mir vorstellen das einem ein Treffen dabei einen kleinen Stoß geben kann.

    Und Norbert der hier nach wie vor den relativ einsamen Vortänzer macht, würde das denke ich ganz besonders freuen..

  8. Jur sagt:

    Ich möchte auf den m. E. interessanten Vortrag von Simon Michaux hinweisen über Peak Oil und Bergbau.

    • Jur sagt:

      Sorry, da lief was schief mit dem Link. Der obige Link ist falsch. Zweiter Versuch.

      Vortrag von Simon Michaux.

      • Ert sagt:

        Supervielen Dank – genau solch eine Präsentation hat mir noch gefehlt. Chris Martenson spricht ja in seinem Crash-Course die generelle Thematik der Rohstoffe und der Energie die für die Gewinnung eingesetzt werden muss an, aber nicht in diesem Detail.

        Alleine die zweite Folie wo der Primärenergieverbrauch in „per capita“ und „total consumption“ mit dem Bevölkerungswachstum seit 1850 in Relation gesetzt wird (plus Differenzierung der verschiedenen Energieträger) habe ich schon ewig gesucht!

        • Jur sagt:

          Die Informationsdichte im Vortrag ist hoch, aber wahrscheinlich eher was für Leute die sich schon mit der Thematik ein wenig befasst haben. Die Zuhörer dürften nach dem Vortrag platt gewesen sein, denn gefühlsmäßig versucht Michaux einen anderthalbstündigen Vortrag in 45 Minuten durchzuziehen :-).

          Er sieht den Peak Energy vielleicht auch zu pessimistisch nämlich schon dieses Jahrzehnt. Immerhin versucht Michaux hier und da im Vortag noch ein bisschen Hoffnung einzustreuen bzw. präsentiert Lösungsansätze.

          • Michael Egloff sagt:

            Hallo Jur,
            ich vermute den Peak Gesamtenergie global für den Verlauf der 20er Jahre, den Peak Pro-Kopf-Energie in den Energiehochverbrauchsländern mit hohem Importbedarf an Energierohstoffen (also z.B. Deutschland) aber klar in diesem Jahrzehnt. Und das ist ja für uns der entscheidende Faktor.
            Wahrscheinlich liegt der Peak Pro-Kopf-Energie schon hinter uns, wird aber zunächst noch durch effizientere Energienutzung kompensiert.
            In den 30er-/40e-e Jahre wird sich dann erweisen, welch wichtige Rolle das dann in den importabhängigen Ländern immer knapper werdende Öl für die Verfügbarkeit anderer Energiearten spielt.
            Z.B. garantiert Öl die Verfügbarkeit an Kohle in heutiger Menge und zu heutigen Preisen.
            Und keine große Windkraftanlage wird ohne Einsatz ölbertriebener Transport- und Montagetechnik installiert werden können.

          • Ert sagt:

            Das „Peak-Energy“ Problem ist viel komplexer.

            Es geht nicht um die Energie die noch da ist, sondern auch um die Finanzierung von Projekten, die Sie auch verfügbar machen. Und das ganze hängt am Finanzsystem und der wirtschaftlichen Verfassung der Nachfrager.

            Eine neue Finanz- und Wirtschaftskrise kann und dahin bringen. Dann fallen die Nachfrage, damit die Preise, damit die Investitionen in neue Exploratioen, etc. pp. – Teufeskreislauf!

  9. Patrick sagt:

    @Michael, Ert, Tom

    Ja vielen Dank einmal für diese kurze Aufzählung. Im Großen und Ganzen sind das auch exakt die Dinge, die ich heute bereits versuche zu leben oder zumindest schon mental zu entwickeln.

    Das wären auch solche Punkte, die sich sicherlich bei einem persönlichen Treffen hervorragend diskutieren ließen.

    Der größte Stein, der mir ehrlich gesagt im Magen liegt ist eben das Thema „Verschuldung“.
    Ja – ich würde sie auch am liebsten vermeiden. Ich wohne heute mit meiner Freundin in einer kleinen Doppelhaushälfte und das passt auch. (frisch eingezogen, sogar mit 60 qm Gartenanteil = allerdings besitze ich da bisher NULL Kompetenz!)
    Nur irgendwann stellt sich ja sicherlich der Wunsch ein, etwas eigenes zu haben.
    Da ist schon die Frage: ist man als Mieter dauerhaft besser dran (unter Peak Oil, Finanzcrash/Wirtschaftscrash-Berücksichtigung) oder doch besser als Immobilienbesitzer – damit aber auch „Schuldner“ für die nächsten 30 Jahre?

    Ich würde auch gerne sinnvolle Kurse besuchen (Fahrrad Reparatur, Handwerk-Fähigkeiten für Heim-/Hausarbeiten erlernen…alles was praktisch werden könnte), da ich auf dem Gebiet leider schlecht bin und zur typischen Gruppe der Schreibtischtäter gehöre.

    • Michael Egloff sagt:

      Hallo Patrick,
      wer in diesen Zeiten ultraniedriger Zinsen 30 Jahre Finanzierungszeitraum benötigt, kann sich eine Immobilie eigentlich nicht leisten. Denn in Zeiten höherer Zinsen würde derjenige dann den Schuldendienst kaum noch leisten können.
      Außerdem reicht eine 30-jährige Verschuldung weit in den Zeitbereich (bis 2044) hinein, der eine markante Absenkung des materiellen Lebensniveaus bringen dürfte.
      Wer in den 30er Jahren noch hoch verschuldet ist, wird kaum eine Chance haben, den Schuldendienst zu leisten und sein finanziertes Eigentum zu behalten.

      Insofern haben die heute jungen Leute leider wesentlich schlechtere Aussichten als meine Generation der heute ca. 60-jährigen.
      Denn sie werden nicht nur mit großer Wahrscheinlichkeit von massiven Wohlstandsverlusten betroffen sein, sndern im Laufe des Berufsleben in vielen Fällen erleben, dass ihre berufliche Ausbildung mehr oder weniger obsolet wird. Denn der Arbeitsmarkt wird sich in den nächsten 30 Jahren grundlegend verändern – ist zu vermuten. Und zwar in einer anderen Richtung, als in den letzten 30 Jahren. In Richtung der Zunahme von Berufen, in der Muskelkraft wieder eine größere Rolle spielt.

      Nebenbei: bei allen meinen Aussagen über die Zukunft besteht auch IMMER die Möglichkeit des Irrtums. Dessen bin ich mir stets bewusst. Aber ich befüchte eine hohe Eintrittswahrscheinlichkeit für meine Prognosen.

    • Ert sagt:

      @Patrik

      Eine selbst bewohnte Immo ist Luxus und wie jeder Luxus es wert wenn man sich das leisten kann und Spaß dran hat.

      Eine Immo hat mehr Unterhaltskosten als eure kleine Wohnung – und eine eigene Wohn-Immo ist oft viel größer als eine Miet-Immo. Wer da mit Miete geht in Eigentum kalkuliert rechnet sich oft viel schön.

      Die Frage ist – wie sicher ist Dein Job und das geografische Umfeld? Liess mal „Arbeitsfrei“ von F. Rieger (CCC Pressesprecher) um einen Ausblick auf die zukünftige Arbeitswelt zu bekommen… im Falle das es noch 10… 15 Jahre so weiter geht: http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/rezensionen/sachbuch/constanze-kurz-und-frank-rieger-arbeitsfrei-wo-du-hingehst-da-will-auch-die-maschine-hingehen-12622669.html

  10. Jur sagt:

    Hallo Michael,

    Danke für die obige Antwort. Seit knapp zehn Jahren beschäftige ich mich jetzt mit Peak Oil und dies hat auch mit dafür gesorgt, dass ich und meine Familie unseren Kurs geändert haben.

    die Frage die sich aber wahrscheinlich hier viele stellen ist: wann werden wir richtig spürbare Veränderungen bemerken aufgrund von Peak Energie die auch bei uns, in den reichen westlichen Ländern, zu gesellschaftlichen Verwerfungen führen?

    Ich verfolge Deine Beiträge in verschiedenen Foren übrigens schon seit einigen Jahren mit großem Interesse.

    • Michael Egloff sagt:

      Hallo Jur,
      die Einschätzung des Beginns und des Verlaufs dessen, was ich meist als „Epochenwechsel“ bezeichne, ist sehr schwierig. Bei terminlichen Vorraussagen kann man ganz schnell auf´s Glatteis geraten. Seit 2008 musste ich meine Meinung permanent an neue Gegebenheiten anpassen. Nichts gegenüber sollte man so skeptisch sein, wie gegenüber seinen eigenen Prognosen.
      Aber ich bin derzeit der Meinung, dass die 20er und 30er Jahren gerade für die Ressourcenhochverbrauchsländer mit hohem Importbedarf bei wichtigen Rohstoffen sehr spannend werden dürften.

      Es kann aber durchaus sein, dass der erste Schlag gegen die hyperkomplexen Strukturen zunächst garnicht primär von der Energie-/Rohstoffseite kommt, sondern von der Seite der hoffnungslos überdehnten Finanzmärkte.
      Sollten zunächst erst einmal die Finanzmarktstrukturen grundhaft erschüttert werden, könnte das die Öl-/Rohstoffproblematik sogar vorübergehend (!) entschärfen. Weil eine globale Finanzmarktkrise die Nachfrage nach Rohstoffen erst einmal deutlich absenken würde.

      Aber so richtig wünschenswert wird wohl kein Szenario sein. Genau so wenig wie das Szenario „weiter so“, wenn es denn möglich wäre.
      Wir Menschen haben uns „totgesiegt“. Nur schlichte Gemüter können auf die Idee kommen, die fortlaufenden „Siege“ über die Natur könnten folgenlos und von noch langer Dauer sein.

  11. Michael Egloff sagt:

    Hallo Ert,
    Deinem Beitrag von 19:16 Uhr stimme ich zu. Hatte ihn erst nach Verfassen meines letzten Beitrags gelesen, bei dem ich einen ähnlichen Ansatz hatte.

    • Ert sagt:

      Hallo Michael,

      genau diese Thematik beschreibt ja auch Gail Tverberg. Ich habe das letztens so zusammengefasst:

      Auch die Versicherungsmathematikern Gail Tverberg hat schon lange diese These und fast dieses und die Auswirkungen folgend zusammen : „Basically, high oil prices cause financial problems, like the ones that lead to low wage growth and the need for super-low interest rates. But we can’t get the shale oil out without these high oil prices and super low interest rates. If interest rates go up, everything falls apart, from oil production to our ability to buy houses and cars”. In einem neuen Beitrag geht Frau Tverberg noch genauer auf die Problematik ein, die auch Herr Miller von BP anführt: „In my view, our real concern should be the third item above, ‚Oil Prices Don’t Rise High Enough.‘“ und begründet dieses ausführlich – fast Identisch mit Herrn Kopits.

      Nach Herrn Kopits wird auch China nichts daran ändern. Öl- (Energie)-Preise liegen seiner historischen Daten nach in enger Relation mit dem BIP – und die historische Grenze ist bereits erreicht – auch für China, das aber noch bis ca. 120$ je Barrel ‚Luft nach oben‘ hat, bevor der Preis die Nachfrage und damit das Wirtschaftswachstum deutlich bremsen.

      So ist der erste energetische Engpass der höchstwahrscheinlich sichtbar werden wird die Verknappung des Öls, da mit dem Wachstum, gerade in China, der globale Bedarf aktuell noch stetig steigt. Wenn nun aber entsprechende Investitionen in zukünftige Kapazitäten ausbleiben, wird der Ölpreis über den Preis steigen, der für die Volkswirtschaften noch tragbar ist und kann zusammen mit den bestehenden finanziellen Problemen, die nachfolgend beschrieben werden, eine Wirtschaftskrise auslösen. Ob es danach eine Wiederholung von 2008/9, mit einer anschließenden Erholung gibt, ist eine andere Frage die hier den Rahmen sprengen würde. Jede nachfolgende Erholung dürfte aber schlechter ausfallen – da durch fehlende Investitionen wären der Krise das spätere energetische Angebot zusätzlich reduziert werden würde. Aber auch das ist nur eine Krisendynamik von vielen möglichen.

  12. Patrick sagt:

    Vielen Dank für eure Kommentare.

    Die 30 Jahre für eine Immobilienfinanzierung war jetzt auch nur ein theoretischer, üblicher Ansatz.
    Ich würde mir auf gar keinen Fall eine überdimensionierte Immobilie zulegen.
    Allerdings hat Eigentum auch Vorteile:

    – man kann nicht wegen Ärger mit dem Vermieter oder „Eigenbedarf“ gekündigt werden
    – man kann Verbesserungen am Haus vornehmen, von denen man langfristig profitiert (Dämmung, PV-Anlage o.ä.)

    Und falls wirklich in 1 – 2 Dekaden alles auseinanderfällt und die Leute ihre Hypotheken reihenweise nicht mehr bedienen können, dann muss sich der Staat ja sowieso was einfallen lassen.
    Da Geld ja zum Großteil nur aus Buchgeld besteht, dass von privaten Banken geschöpft wird, sollte der TATSÄCHLICH entstandene Schaden für eine Bank nur ein Bruchteil der Finanzierungssumme betragen!
    Aber gut, das ist ein anderes Thema.

    Würdet ihr lieber in einer Mietimmobilie wohnen (BJ 50er Jahre und daher schlechte Dämmung – vor allem Fenster / Fensterrahmen) oder ein entsprechendes Eigentum erwerben oder eine andere (modernere) Mietimmobilie bevorzugen?

    • Tom Schülke sagt:

      Tja.

      Die Frage nach Eigentum treibt natürlich auch mich um, wobei es als Alleinverdiener ohne jede Aussicht auf Erbschaften mit zwei Kindern ohnehin eine rein theoretische Frage bleibt.

      Ich meine die Entscheidung für oder gegen ein Eigenheim ist auch eine Frage der Eintrittsgeschwindigkeit der Krise. Sicher sollte man in der Erwartung eines wirtschaftlichen Niederganges oder Zusammenbruches, keine Verschuldungen aufnehmen.

      Ob aber Miete oder Eigentum sinnvoller ist, hängt auch davon ab, wie tiefgreifend, wie schnell oder wie sanft die Krise eintritt. Zunächst ist wohl zu erwarten das man in Städten oder kleineren Städten besser fährt, solange die grundlegenden Versorgungsstrukturen funktionieren. Alles wird teurer, aber die kürzeren Wege, die Chance auf verbliebene Jobs mögen zunächst zu einem Anstieg der Stadtbevölkerung führen, da steigende Energiekosten das Häuschen im Grünen schneller verteuern als das Wohnen in der Stadt.

      Tritt die Krise aber schnell ein und werden sich selbst verstärkende Rückckopplungen wirksam wie ich es durchaus für wahrscheinlich halte, so das fehlende Zahlungsmöglichkeiten elektronischer Währung, oder ein Zusammenbruch des Stromnetzes eintritt, oder die Energieversorgung nur noch unzureichend ausreicht, so das das Versorgungseinzugsgebiet der Stadt unter die Grenze Schrumpft die eine Mindestversorgung sicher stellen kann, dann wird man froh sein sogar noch in der alten Hütte mit geringer Wärmedämmung auf dem Land zu leben, solange man bereits erste Schritte zur Eigenversorgung bewerkstelligt hat.

      Persönlich traue ich mich nicht zu irgend einer Form von Verschuldung, habe alle Lebensversicherungen gekündigt, und versuche eher das wenige Geld das ich habe in robuste Möbel, Werkzeug, und demnächst evtl in einen Schrebergarten zu investieren. Zudem habe ich einen kleinen Teil zur Solaranlage meines Schwagers beigesteuert. Ich denke auch darüber nach, ob man nicht eine kleine Solaranlage sozusagen auf Wartestellung auf den Dachboden legt, da ich meine das beim Eintritt der Krise unter Umständen alle Vorbehalte des Vermieters dahinschmelzen, und da zu dem Zeitpunkt, Erneuerbare Versorgungsstrukturen unter Explodierenden Preisen leiden werden. Nahrungsmittel haltbar machen, auch ohne Strom, Werkzeuge wie Manuel bzw. mit dem Fuß angetriebene Nähmaschinen, solche Dinge könnten später weit mehr wert werden..

      gruß Tom

  13. Michael Egloff sagt:

    Hallo Patrick,
    natürlich ist eine selbstgenutzte Immobilie in Eigenbesitz schon anzustreben, wenn man sie sich leisten kann. Man ist damit einfach selbstbestimmter und kann z.B. selbst über das Maß an energetischer Optimierung entscheiden. Nicht alles ist immer sinnvoll. Und das, was an Verzinsung des für die Immobilie eingesetzten Kapitals kalkuliert wird, behält man quasi für sich.
    Man sollte nach meiner Meinung aber mindestens 30% der Bau-/ Kaufkosten selbst beisteuern könnnen – je mehr, desto besser.
    In überhitzten Immobilien-Teilmärkten wie z.B. in München oder Hamburg würde ich derzeit generell vom Immobilienkauf abraten. Wenn da in einigen Jahren die Blase platzen sollte, steht man mit seiner überteuert gekauften Immobilie sonst leicht kreditmäßig „unter Wasser“. Da nutzt auch der Hinweis nichts, dass es international noch überhitztere Immo-Märkte gibt, wo der Quadratmeterpreis noch wesentlich höher ist.

    Der Staat wird übrigens keinesfalls den Immobilienbesitzern in 1 bis 2 Jahrzehnten bei Tilgungsproblemen hilfreich zur Seite stehen. Denn die Handlungsfähigkeit der Staaten wird immer begrenzter werden, weshalb ja auch solidarische Netzwerke so wichtig werden in der Zukunft. Der Staat wird in 15 Jahren nach meiner Meinung das heutige Maß an Existenzsicherung keinesfalls mehr leisten können. Schon in den letzten 10…15 Jahren gab es ja eine merkliche Erosion der Sozialstaatsfunktion.

  14. Ert sagt:

    @Patrick

    Und falls wirklich in 1 – 2 Dekaden allesa useinanderfällt und die Leute ihre Hypotheken reihenweise nicht mehr bedienen können, dann muss sich der Staat ja sowieso was einfallen lassen.

    Warum? Macht der Staat das in GR? Nein! Der erhöht sogar noch die Grundsteuern um 600% – denn die Immobesitzer sind die einzigen wo es in der Masse was zu holen gibt – notfalls bis zur Pfändung!

    Der Staat (bzw. seine „Diener“) sind letztendlich auch nur andere verschuldete
    Immobesitzer – und die können mit den Steuern leben – weil daraus Ihre eigenen Einkommen finanziert werden ;-)

    Weiterhin ist nicht klar wie und wann eine Krise eintritt, wo zuerst und in welcher Geschwindigkeit und Form Sie sich dann weiter frisst. Wenn Du dann Deinen Job verlierst…… bevor alles zu Ende ist….

    Da Geld ja zum Großteil nur aus Buchgeld besteht, dass von privaten Banken geschöpft wird,

    Großteil?

    Guthaben == Schulden! (Stützel, Saldenmechanik)

    „nur aus Buchgeld“?

    Jedem Guthaben steht ein Schuldner gegenüber – die Bank verwaltet letztendlich nur das „Guthaben-Schuldenbuch“.

    sollte der TATSÄCHLICH entstandene Schaden für eine Bank nur ein Bruchteil der Finanzierungssumme betragen!

    Die Bank ist dann pleite – und die Einlagen (die Guthaben) auch weg. Was meinst Du warum es die ganzen Banken-Bailouts gab? Weil mit dem Schuldenstreichen ist auch das Guthabengeld weg.

    Leider gibts dazu sehr viele Falschdarstellungen. Da ich meinen Text dazu hier noch nicht online stellen kann – liess in der Zwischenzeit mal: http://www.dasgelbeforum.de.org/sammlung/Martin,%20Paul%20C.,%20Der%20Kapitalismus%20-%20Teil%201.pdf – das ist ein guter Einstieg.

  15. Patrick sagt:

    @Ert

    erstmal Danke für die Kommentare.

    Wenn praktisch niemand mehr seine Hytptheken bedienen kann, fällt ja quasi sowieso alles aus den Angeln. Damit wäre die Finanzwirtschaft am Ende und die Realwirtschaft vermutlich auch. Ich denke schon, dass sich eine Nation dann etwas einfallen lassen muss.

    Das wäre als Mieter aber auch nicht anders. Wenn du deine Miete nicht zahlen kannst (Jobverlust), dann fliegst du auch raus. Ich sehe da keinen großen Unterschied.

    Der Mittelweg wäre wahrscheinlich eine Eigentumswohnung, die nicht so teuer ist und die man vielleicht schon in 10 – 15 Jahren abbezahlen kann, wenn man vorher etwas Eigenkapital angespart hat.

    Aber im Grunde weiß ja niemand, was genau uns erwartet.

    Dass mit dem Buchgeld und dem tatschälich entstandenen Schaden der Bank war so gemeint:

    Banken schöpfen (Buch-)Geld aus dem nichts via Kreditvergabe. Es wird nur ein kleiner Prozentsatz (Mindestreserve) benötigt. z.B. Zentralbankgeld oder Kundeneinlagen. Der Rest entsteht neu via Bilanzverlängerung.

    Wenn eine Bank nicht die volle Höhe zurückbekommt, ist ja im eigentlichen Sinn nicht ein Schaden in gleicher Höhe entstanden, denn den überwiegenden Teil des Geldes gab es vorher ja überhaupt nicht.
    Die tatsächlichen Kosten für die Banke sind ja nur die „Beschaffungskosten für die Mindestreserve“, einen Anteil an Eigenkapitalbereitstellung (gemäß Basel)Personal-, Overheadkosten etc. (das übliche wie in den meisten Firmen! Irgendwo habe ich da mal einen sehr interessanten Bericht gelesen über den tatsächlichen Schaden im Falle eines Kreditausfalls.

    „Jedem Guthaben steht ein Schuldner gegenüber.“ Das ist 100% richtig. Bei der Giralgeldschöpfung bucht die Bank Summe X auf mein Konto und hat damit neues Geld geschaffen. Wenn dieses Geld (oder ein Teil davon ) verschwinden sollte – Bilanzverkürzung – dann ist es eben so, wie es vorher war. Es sind doch nur Buchungsvorgänge. Die Bank bleibt nur auf einen Teil der Kosten sitzen. Das Geld, dass vorher nicht existierte, ist eben wieder weg…
    Es herrscht heute jedoch immer noch der Glaube, dass Banken lediglich Geld einsammeln und weiterverleihen. Das ist aber nicht der Fall, weil de facto das Geld gehebelt wird und nur ein kleiner Teil wirklich Kundeneinlagen sind.

    Banken können trotzdem pleite gehen, wenn das Eigenkapital weg ist (dann können keine Kredite mehr generiert werden, ergo keine Margen mehr generiert werden)
    Oder wenn Banken mit Geld zocken (Investment nennt man das ja heute blumig, auch wenn ich etwas anderes darunter verstehe), z.B. Schrott-Papiere aus den USA kaufen :-)

    Aber das alles ist ein anderes und recht abstraktes Thema, was nicht unbedingt hier in diesen Blog gehört.

    Andere Frage, die sich aus der eher vorhandenen Abneigung eines Immobilienerwerbs ableiten lässt:
    – Was soll man dann sinnvolles mit dem Ersparten machen? Werkzeug, Möbel ok, aber die hat man dann ja auch recht schnell und gut ist es.
    – Wenn es sich anbietet, könnte man eine Gartenparzelle kaufen zum Gemüseanbau etc. Aber das ist in größeren Städten kaum möglich oder es ist einfach zu weit von zu Hause entfernt. (wenn ich erst 10 km fahren muss, bringt es ja nichts)
    Und wenn man umzieht – aus welchen Gründen auch immer – kann es noch weiter außerhalb der persönlichen Reichweite liegen und man wäre zum Verkauf gezwungen.

    Also – was soll man mit Ersparnissen tun??

    Ich würde mir keine PV-Anlage „auf Halde“ legen, weil es ein Stück Technik ist, dass bestimmt nicht besser wird wenn es rumliegt. Wie lange ist die Nutzungsdauer dieser Technik?

    Ach ja: eine private Rentenversicherung oder sowas habe ich natürlich auch nicht, da der ganze Riester-Blödsinn nur die Maschmeyers & Co. auf unsere Kosten bereichert. Das mit der „privaten, kapitalgedeckten Vorsorge“ ist ja nichts als negative Stimmungmache gegen die gesetztliche Rente.

    @Michael
    „Schon in den letzten 10…15 Jahren gab es ja eine merkliche Erosion der Sozialstaatsfunktion“
    –> das stimmt, aber das ist zu 100% politisch so gewollt. Deutschland ist ja nicht ärmer geworden, nur haben wir eine Machtelite, die die Umverteilung weiter vorantreibt und den Sozialstaat ganz nach neoliberaler Agenda weiter aushöhlen möchte, damit sich eine kleine Kaste von vielleicht 10 % der Bevölkerung extrem bereichern kann.
    Unsere Berliner und Brüsseler Politik ist ja auch eine einzige Katastrophe. Ich empfehle übrigens das Buch „Der Sieg des Kapitals“ von Ulrike Herrmann. Ein hervorragendes Wirtschaftsbuch.
    …aber natürlich auch weitestgehend abseits von Peak Oil, wobei schon am Ende des Buches dargelegt wird, was den Kapitalismus beenden wird.

    Was auch immer kommen mag, es wird nicht besser werden – zumindest nicht, bevor es erstmal richtig richtig schlecht geworden ist.

    Da wir ja alle noch irgendwie im Hamsterrad mitlaufen müssen (zumindest mehr oder weniger) stellt sich ernsthaft die Frage:
    – Was mit dem Geld davon machen?

  16. Ert sagt:

    Nur kurz:

    Wenn praktisch niemand mehr seine Hytptheken bedienen kann, fällt ja quasi sowieso alles aus den Angeln.

    Ja.. ist aber alles eine Frage der Geschwindigkeit und wie, wo wann…

    Das wäre als Mieter aber auch nicht anders. Wenn du deine Miete nicht zahlen kannst (Jobverlust), dann fliegst du auch raus. Ich sehe da keinen großen Unterschied.

    Kannst verkleinern, Wohngemeinschaften, etc. pp. Bei einer Privatinsolvenz ist aber gleich ALLES weg!

    Wenn eine Bank nicht die volle Höhe zurückbekommt, ist ja im eigentlichen Sinn nicht ein Schaden in gleicher Höhe entstanden, denn den überwiegenden Teil des Geldes gab es vorher ja überhaupt nicht.

    Nein, das ist so nicht richtig.. auch der Film nicht den Du da gesehen hast… es ist ja gerade das Problem das genau dies viele so falsch darstellen. Wenn Du nicht zurückzahlen kannst – dann MUSS von irgendwelchen anderen Konten auch was gelöscht werden! Liess Stützel (Saldenmechanik), Steiger, Heinsohn, etc. – aber bitte nicht absoluten Hobbyökonomen die sich auf nichts beziehen könne. Hat mich auch 3 Jahre in die Irre geleitet.

    Das Geld, dass vorher nicht existierte, ist eben wieder weg…

    Zeigt leider das Du das mit der Kreditgeldschöpfung nicht so richtig verstanden hast. Bilanzverlängerung etc. pp. – alles richtig. Es ist aber nicht „einfach so“ wieder weg – es geht auf das EK der Bank. Ist das Negativ ist die Bank platt… und das Geld von leuten die mit Deinem „Pleitier“ nichts zu tun hatten. Das hat dann aber systemische Auswirkungen!

    Da wir ja alle noch irgendwie im Hamsterrad mitlaufen müssen (zumindest mehr oder weniger) stellt sich ernsthaft die Frage:
    – Was mit dem Geld davon machen?

    Einfach weniger Hamstern – dann hast Du Zeit und kein Problem mit den Überschüssen, die andere „verMoMo’en“.

  17. Patrick sagt:

    @Ert

    erstmal Danke für deinen Kommentar.

    Ich kenne die von dir genannten Autoren leider nicht, stoße jedoch bei entsprechender Internetrecherche auch auf deutliche negativ-Kommentare zu diesen Autoren.
    Es ist wahrscheinlich so, wie es meistens ist: Fragt man 10 Leute, bekommt man 10 unterschiedliche Antworten.
    Ich werde jedoch versuchen, das Thema „Saldenmechanik“ in Bezug auf die Giralgeldschöpfung zu klären, in dem ich eine E-Mail an Ulrike Herrmann von der TAZ schicke. Sollte ich eine Antwort erhalten, werde ich sie gerne mitteilen.

    „Einfach weniger Hamstern…“
    Ja, das klingt in der Tat sinnvoll, ist in der Praxis jedoch schwierig. Ich kann wohl nicht zu meinem Chef gehen und ihm sagen: ich möchte jetzt statt 40 nur noch 35 Stunden arbeiten! Klar, entsprechend weniger Gehalt könnte man aushalten…aber die Arbeit muss ja trotzdem erledigt werden (und die Tendenz der letzten Jahre hießt ja in BRD: wieder mehr arbeiten ungeachtet aller Produktivitätssteigerungen!)
    Somit müsste mein Chef mich wahrscheinlich durch einen 40-Std-willigen ersetzen.
    Da sehe ich momentan leider keine Option für…

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