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Political Peaking – Wenn Putin am Ölhahn dreht.

Peak Oil diskutiert die Frage, wie und wann Ölförderbegrenzungen erreicht werden und wie sich diese auf Wirtschaft und Gesellschaft auswirken. In dieser Diskussion taucht gelegentlich der Begriff des "political peaking" auf. "political peaking" meint dabei das Erreichen eines Fördermaximums nicht aus geologischen Gründen, sondern aus politischen. Es tritt dann auf, wenn politische Entwicklungen dazu führen, dass die Fördermengen bewusst gedrosselt werden, um politische Ziele zu erreichen. Vor dieser Gefahr steht Europa angesichts der Krim-Krise.

Die folgende Grafik zeigt, von welchen Seiten der Ölpreis unter preissteigerndem Druck steht. Einerseits sind es steigende Förderkosten, die letztlich den Ölpreis treiben, andererseits ist es steigende Nachfrage oder unterlassene Investitionen, die den Preis treiben. Als drittes zeigt die Grafik politische Treiber, die letztlich auf den Ölpreis wirken:

Einwirkungen auf den Ölpreis

Bündnis zwischen China und Russland in Arbeit

Das Risiko eines "political peaking" steigt für Europa derzeit stark an. Der SPIEGEL berichtet, dass Russland und China zu ähnlichen Positionen bei der Krim-Krise gefunden haben und über neue Bündnisse verhandeln. Dem Block aus EU und USA attestieren die Chinesen entweder nicht die Kapazität, das in der Ukraine aufscheinende Chaos zu handhaben oder nicht die dafür nötige Weisheit. In der Konsequenz rücken China und Russland näher zusammen und bereiten ein Abkommen über militärpolitische Zusammenarbeit vor. Solch ein Abkommen könnte zu einem Militärbündnis führen, das die Alleinstellung der NATO aufhebt. Die geopolitischen Gewichte würden sich massiv verschieben - ausgelöst durch (unüberlegte) EU-Aktivitäten in der Ukraine.

Die chinesisch-russische Zusammenarbeit im Bereich der Energieversorgung ist nicht neu. Zuletzt im Juni 2013 wurde ein größerer Deal zwischen chinesischen Abnehmern und Rosneft vereinbart, der Reuters zu folgender Bemerkung brachte:

Mit welcher Geschwindigkeit sich Russland beim Ölexport umorientiert, hat viele Branchenexperten überrascht. Binnen fünf Jahren hat das Land riesige Volumina nach Asien umgelenkt, die ursprünglich für Europa bestimmt waren.

Allgemein geht China einen sehr strategisch erscheinenden Weg, wenn es darum geht, den Einfluss auf künftige Ölquellen und Ölströme zu sichern. Diese Entwicklung scheint sich nun nochmal zu beschleunigen. Eine solche Strategie ist auf Seiten Europas nicht auszumachen. Hierzulande gilt der Glaube, der Markt würde das alles schon regeln. Damit wird die Energieversorgung nahezu allein den "Marktteilnehmern" überlassen, also überwiegend großen, profitorientierten Konzernen. Eine dahinterstehene Strategie ist nicht zu erkennen und Diskussionen darüber wurden zuletzt im Keim erstickt, als der ehemalige Bundespräsident Köhler einen politischen Diskurs forderte und über sein öffentliches Nachdenken letztlich zurücktrat.

Political Peaking schon in der Bundeswehr-Studie thematisiert

In der aktuellen Version der Bundeswehr-Studie zu Peak Oil lesen wir:

So könnte es im Bewusstsein der Überschreitung des Peak Oil und angesichts des Strebens von Staaten nach eigenen, möglichst nachhaltigen Vorteilen zu einer gezielten Einschränkung des Angebots kommen („Political Peaking“), beispielsweise um das nicht geförderte Erdöl nachfolgenden Generationen des eigenen Landes zu erhalten. Je klarer würde, wie knapp Erdöl tatsächlich ist, desto mehr würden die Preise des Erdöls und damit die Gewinne der Förderländer steigen. Das Kalkül des „Political Peaking“ würde umso nachvollziehbarer werden. Ein Political Peaking würde die Peak Oil-induzierte Verknappung des Angebots und die damit zusammenhängende Preissteigerung noch weiter verschärfen.

Die Autoren bemerken hier: Da die konventionelle Ölförderung seit 2005 nicht mehr steigt und Europas Ölförderung seit 2002 Jahr für Jahr schrumpft, entsteht eine ausnutzbare Situation: Wenn Russland bewusst den Ölfluss nach Europa verringert, das Angebot also aus politischen Gründen verknappt, hat Europa kaum Möglichkeiten, alternative Lieferanten zu finden. Denn die Tatsache des globalen Ölfördermaximums erlaubt keine Umlenkung von Ölströmen in den Größenordungen, wie Russland sie derzeit liefert.

Die Bundeswehr-Studie nennt im Zusammenhang der Öllieferungen konkret: Russland:

Ob und unter welchen Bedingungen es vor dem Hintergrund des Peak Oil zusätzlich zu einem „Political Peaking“ kommen könnte, ist nicht vorherzusagen.[..] Damit könnte Russland mit seinen derzeitig bereits beträchtlichen Liefermengen in den Fokus rücken. Zwar könnte es einen Ausfall anderer Lieferanten Deutschlands durch seine immensen Vorräte grundsätzlich decken, eine weitere Erhöhung der Liefermengen könnte jedoch das bestehende, derzeit noch weitgehend als beidseitig betontes Abhängigkeitsverhältnis zugunsten Russlands verändern und das Verhältnis zu anderen Abnehmern entlang der Pipeline belasten.

Die Studie diskutiert an dieser Stelle also vielmehr, ob Russland als Ersatz-Lieferland für Ausfälle anderer Lieferanten herhalten könnte. Dabei tritt nun genau das Gegenteil ein: Das mit "immensen Vorräten" gesegnete Russland könnte die Lieferungen verknappen, in diese Lücke müßten andere Länder treten.

Die im folgenden genannten alternativen Lieferländer wie Tunesien, die Republik Kongo, Äquatorialguinea, Turkmenistan sowie Usbekistan und der Sudan können nur begrenzt die russischen Liefermengen ersetzen und gelten zudem nicht gerade als die stabilsten Eckpfeiler der globalen Weltordnung.

Grotesk anmutende Außenpolitik Europas

Bedauerlich ist, dass erst eine akute Krise im europäisch-russischen Grenzraum dazu führt, dass solche Fragen in den Medien, in der Wirtschaft und der Politik intensiver diskutiert werden. Die Bundeswehr-Studie, die all diese Szenarien vorausschauend ansprach, ist bereits seit 2008 öffentlich, doch die Politik muss sich dem Vorwurf stellen, bislang weitgehend untätig geblieben zu sein.

Wie absurd der Streit "um" die Ukraine inzwischen ist, offenbart die Forderung des neuen ukrainischen Präsidenten Arsenij Jazenjuk, die EU möge Energie in die Ukraine liefern. Hierzulande nennt man dies, "einem nackten Mann in die Tasche greifen". Wie bereits im Dezember 2013 diskutiert, ist Europa wegen schrumpfender Öl- und Gasförderung überhaupt nicht in der Lage, Energie an die Ukraine zu liefern, sondern kann allerhöchstens Geld bereitstellen, mit dem die Ukraine dann wieder Energierohstoffe in Russland kaufen kann. Es zeigt sich bereits das Ende der europäischen Expansionspolitik: Es werden immer neue Regionen finanziell alimentiert, doch die Finanzströme sind nicht ökonomisch unterfüttert. Die Stabilität des europäischen Finanzsystems endet ein weiteres Mal dort, wo Luftbuchungen vorgenommen werden - und genau diese Art Transaktionen werden von den EU-Beamten der ukrainischen Führung offenbar versprochen und nun von dieser eingefordert. Im Balance-Spiel zwischen dem westlichen Block und Russland (und demnächst vielleicht China) übersehen die Verantwortlichen die Bedeutung, die Energie in der Wirtschaft hat. Auf neue Maschinen und Autos, die Russland hauptsächlich aus Deutschland importiert, kann man zweifellos eher verzichten, als auf die Treibstoffe, die diese Maschinen antreiben. Zu befürchten ist, dass die Politiker auf europäischer, Bundes-, Landes- und Kommunalebene überhaupt kein Gefühl für die Bedrohung haben, die ihr Handeln auslöst. Die aktuelle Politik hinterläßt den Eindruck, die Bedeutung von Energieflüssen wird auf politischer Ebene überhaupt nicht verstanden.

Siehe auch:

  • Stichwort: Strategische Ellipse
  • Kurz vor seinem Rücktritt band Köhler seine energie- und außenpolitischen Überlegungen in seine Rede im Weltverkehrsforum in Leipzig 2010 ein und empfahl als Lokalstrategie den Transition-Ansatz: Videoausschnitt aus der Rede

Weiteres:

Zur Ukraine:

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46 Kommentare to “Political Peaking – Wenn Putin am Ölhahn dreht.”

  1. peakenergy sagt:

    Solche unaufgeregten, inhaltlich mit validen Informationen und systemischen Zusammenhängen überquellende Zustandsbeschreibungen des Ukraine Konfliktes, wünscht man sich dieser Tage in den Leitmedien unserer Republik.
    Die Politik und ein Großteil der Medienwelt hat die Energieproblematik noch nicht einmal im Ansatz verstanden oder reflektiert. Nur so ist die Dissonanz zwischen Energierealität und dem aktuell zu beobachtenden politischen Handeln zu erklären.
    Daher mein ganz persönlicher Ansatz zur Überwindung dieser zu beobachtenden Dissonanz: Den (energie-) politischen Amoklauf beobachten (gegebenenfalls mit dem Kopf schütteln), den kommenden Sommer geniessen und das eigene Handeln auf der lokalen und regionalen Ebene verstärken. Das macht krisenfest, handlungsfähig und glücklich. Wir leben in sehr ereignisreichen Zeiten. Die gilt es zu gestalten. Aber nicht mit dem fossilen politischen Gebaren unserer Tage! Norbert Rost, you made my day!

  2. Tom Schülke sagt:

    Dem schließe ich mich an. Ein wirklich schöner differnzierter, unaufgeregter Artikel, der im Gegensatz zum Polemischen Wirrwar der Tagespresse Zusammenhänge erklährt.. vielen Dank.. mal sehen ob man das mal irgendwo im Hickhack der Diskusionen Posten kann..

  3. Michael Egloff sagt:

    So ist das.
    Je weniger Länder zukünftig mit nennenswertem Exportpotenzial übrigbleiben, desto mehr werden diese restlichen Ölexportländer die Exporte nach Sympathie oder Antipathie zu den Nachfrageländer gestalten können.

    Aus der heute noch beidseitigen Abhängigkeit wird tendenziell immer mehr eine einseitige Abhängigkeit der Importeure von den Exporteuren. Bei Öl noch stärker und eher als bei Gas, aber in dem Maße, wie der Anteil des Flüssiggasmarktes prozentual zunimmt bzw. alternative Pipelineverbindungen vorhanden sind (im Falle Russland und Mittelasien z.B. nach China), dann auch bei Gas.

    Es kann also nichts schaden, wenn in Berlin schon mal rechtzeitig Lobpreisungen an das saudische Königshaus, den iranischen Rat der Ayatollas oder an den russischen Präsidenten vorformuliert werden.

    Nicht dass es im Jahr 2032 heißt: „Der saudische Exportlenkungsrat hat beschlossen, Deutschland wegen des kritischen Artikels in der Süddeutschen Zeitung über das saudische Königshaus bis auf Weiteres nicht bei den Ausschreibungen für Öllieferungen zu berücksichtigen. Die für Deutschland vorgesehenen Lieferungen bekommt jetzt China zusätzlich.“

  4. Michael Egloff sagt:

    Genau genommen besteht ja der politische Einfluss auf die Exportölmengen und Preise in dreierlei Hinsicht:

    1. innenpolitische Verwerfungen z.B. durch ethnische Konflikte in manchen Ölförderländern (sehr gut zu beobachten im Irak und in Libyen, demnächst vielleicht auch in Venezuela).

    2. Interesse von immer mehr Ölexportländern, die eigenen Ölvorkommen durch bewusstes Absenken der Exportmengen zeitlich für den zukünftigen Eigenbedarf zu strecken. Der daraus generierte Preisanstieg sorgt dafür, dass sich die Einnahmeausfälle in Grenzen halten.

    3. Geopolitische Erwägungen, Definierung von religiös oder geopolitisch eher befreundeten oder gegnerischen Ländern und Berücksichtigung dieses Aspektes bei der Exportstrategie. Dies um so mehr, je weiter Nachfrage und Angebot auf dem Weltölexporktmarkt auseinanderlaufen.
    Außerdem werden vermutlich Länder bevorzugt werden, die für das Exportland besonders wichtige Güter als Tausch anbieten können (bei den Golfstaaten z.B. Nahrungsmittel).

    Überhaupt werden sich in Zeiten knapper werdender Ressourcen und krisenhafter Entwicklungen des Finanz-/Währungssystems zunehmend Tauschhandelsmechanismen im internationalen Handel etablieren.
    Länder, die kaum wichtige Rohstoffe oder Nahrungsmittel etc. anbieten können, werden es am schwersten haben.

  5. Bruno Müller sagt:

    Norbert, vielen Dank für die sehr gut erfassbare Zusammenfassung der energetischen Situation in diesem Konflikt.

    In den Radionachrichten war heute Nachmittag zu hören, dass die ersten Vereinbarungen zwischen der EU und der Ukraine Dinge wie Menschenrechte zum Inhalt hatten. Auch, dass Energie, ich denke damit war Erdgas gemeint, wieder in die Ukraine zurückgeleitet werden soll.

    Da zweifelt man, das gerade gehörte überhaupt gehört zu haben, weil es so absurd ist, wie unreflektiert diese Gesamtsituation von den öffentlich rechtlichen Hörfunkanstalten dargestellt wird.

    Und das Schlimme ist, dass ein so großer Teil der Menschen hier in Deutschland tatsächlich glaubt, dass es hier zu allererst um Freiheit und Demokratie für die Menschen in der Ukraine geht und die ukrainische Bevölkerung so viel Hoffnung in die EU setzt. Sie werden bitter enttäuscht sein. Die Menschen tun mir leid und man hat das Gefühl sich für so viel Verblendung durch die eigene Regierung entschuldigen zu müssen. Und es ist ebenso schlimm zu sehen, wie hier mit so hohen Werten wie Freiheit und Demokratie auf so üble Weise Schindluder getrieben wird, bis sie bei den Menschen mal wieder nichts mehr Wert sind und der Ruf nach der starken, ordnenden Hand wieder laut wird.

    In der Enquete-Kommission „Wachstum, Wohlstand, Lebensqualität“ hat Dennis Meadows vor diesem Ausschuss des Deutschen Bundestages klar zum Ausdruck gebracht, dass die Menschen immer die Ordnung wählen werden. Sprich, bringt die Demokratie Ordnung, wählen sie Demokratie, bring eine Diktatur Ordnung wählen sie die Diktatur. Das hat die anwesende Politikerelite nicht gerne gehört.

  6. Tom schülke sagt:

    Off toppic. Hat einer von euch links zu guten vorschlägen wie sich ein post wachstums finanzsystem realisieren ließe, mit guter erläuterung der vor und nachteile… was für überlegungen existieren dort bereits?

    • Bruno Müller sagt:

      Hallo Tom,
      hierfür gibt es sicher kein fertiges Rezept. Und wer behauptet, er hat es kreiert wird mit großer Wahrscheinlichkeit daneben liegen. Warum? Weil niemand weiß, wie genau sich die Dinge verhalten, wenn sich das Wachstumssystem erledigt hat. Peak Oil wird beim Erledigen sicher ein gehöriges Wörtchen mitreden.

      Ich meine, es ist nicht davon auszugehen, dass die globalisierte Gesellschaft freiwillig, bewusst, also geplant und geordnet in eine allumfängliche Popst-Wachstumsgesellschaft hinübergleitet. Die Eliten, die das hauptsächlich beeinflussen könnten, verfolgen leider andere Interessen. Ist Wachstum im wirtschaftlichen Sinne nicht mehr möglich, werden die Systeme kollabieren (Kollabieren hier: Veränderungen in kurzer Zeit und schneller Abfolge). Ich befürchte dass wir oder spätestens unsere Kinder sich nach einer gewissen Kompensationszeit nach dem Wachstum in einem Postwachstums-Chaos wieder finden werden. Der Sozialpsychologe Peter Crabb befürchtet sogar, dass „es der Filmindustrie bisher noch nicht gelungen sei, Szenen von Tod und Leid so darzustellen, wie sie sich dann abspielen werden“. OK, eine Extremeinschätzung, die aber nicht ganz von der Hand zu weisen ist.

      Wie genau sich ein stabilisiertes Wirtschaftssystem nach dem Chaos darstellt, ist völlig offen. Die Rahmenbedingungen für einen Neustart werden nicht optimal sein: Wenig Erdöl, Kohle, Gas und, Mineralstoffe (Das Beste ist weg, Urban Mining wird das nicht kompensieren können). Die Ackerböden haben durch Übernutzung an Kraft verloren, sind geringer geworden, die Boidiversität hat einen Knacks, auch hier ganz neu, ein Eschensterben und Laubbaumkäfer. Windräder wird es nur so lange geben, so lange es Ersatzteile gibt, die werden ausgehen, weil diese oder zumindest die Rohstoffe aus Übersee kommen und die Schifffahrt wird nach derzeitigem Maßstab äußerst eingeschränkt sein, weil Easy Oil und Easy Coal fehlen, usw. usw., um nur einige wenige Rahmenbedingungen zu nennen. Und dann noch der heikle Umstand, dass wir in Deutschland für eine lokale Selbstversorgung, die auf viel Muskelkraft angewiesen sein wird, zu viele Menschen für die noch verbleibende Ackerflächen sind.

      Was werden wir oder die Menschen daraus machen? Wir wissen es nicht. Irgendein System wird sich etablieren. Und danach wird sich, wenn Geld richtig sein soll, ein neues Geld/Finanzsystem etablieren. Sorry Tom, auf Deine Frage finde ich keinen geeigneten Link und leider auch keine einfache, respektive, keine Antwort.

      • Tom Schülke sagt:

        Hallo Bruno,

        Da hast Du natürlich recht. Was ich aber möchte ist mir einen besseren Überblick zu verschaffen. zb. Vollgeld, Regionalgeld, usw. Was für Vorschläge existieren. Ob es sich umsetzen lässt und welche Erfahrungen man gemacht hat sind natürlich wichtige Fragen. Aber immer wieder stosse ich auf das Problem, das unser Wirtschaftsystem systemischa auf Wachstum angewiesen ist.. oder fundamental Kollabiert. Was gibts also das nicht darauf angewiesen wäre. Gibts Systeme die Langfristige Ziele wie zb. 50 Jahre Aufforstung unterstützen und nicht auf kurzfristige Gewinne angewiesen ist? Wo lägen die nachteile? Kombinierte Ideen.. Das ist ein aspekt mit dem ich mich halt gerne demnächst mal näher befassen möchte..

        • Bruno Müller sagt:

          Hallo Tom

          Als ersten Einstieg und Überblick könnte ich den Link von Monneta empfehlen.

          http://www.monneta.org/

          Die Partner haben hier

          http://www.monneta.org/index.php?id=84&kat=52

          oder hier

          http://www.youtube.com/watch?v=dR8sVHWsDkc#t=54

          verschiedene Sichtweisen zu beschreiben.

          Auch Norbert Rost wurde eingeladen hier

          http://www.monneta.org/index.php?id=222&kat=60

          seine Auswege aus der Finanzkrise für Kommunen und Regionen darzustellen.

          Die sicher prominenteste deutschsprachige Vertreterin von alternativen und komplementären Geldsystemen war Margrit Kennedy, die leider am 28.12.2013 verstorben ist. Sie hat uns ein Füllhorn von Anregungen dagelassen, wie auch ihre Seele. Davon war sie bis zuletzt überzeugt.

          http://www.youtube.com/watch?v=2iOgetX9y1s

        • Ert sagt:

          @Tom

          Regionalgeld ist nur Symptom-doktorei. Es löst ja nicht das Problem der Vorfinanzierung und des Zinses. Vollgeld hält nur ein Teil des Geldes regionaler.. weil es eben ausserhalb nicht akzeptiert wird. Die Regionalgeldsysteme die ich kenne haben aber alle eine 1:1 Kopplung an die jeweilige Landeswährung.

          „Vollgeld“ ist auch so eine komische Sache… was ist daran „Voll“? Hat auch ganz viele Haken meiner Ansicht nach und verschiebt die Problematik nur.

          Was noch o.k. ist, ist meiner Meinung nach die Monetative (http://www.monetative.de/) – die will die Kreditgeldschöpfung (nach Stützel) weg von den Privatbanken nehmen – und auf den Staat verlagern. Die Banken machen also nur noch Kundengeschäft und reichen Durch – aber alle effektive Geldschöpfung passiert bei der Monetative (dem Staat), wo dann auch Zinsgewinne landen – die wieder in die Gesellschaft investiert werden können.

          Da „wir alle“ sowieso für die Missetaten der Banken haften – ist es nur sinnvoll deren Funktion auf das wesentliche zu beschränken und dem Universalhafter (der Gesellschaft) auch die Zinsgewinne zukommen zu lassen. Das Wachstumsproblem wird damit aber nicht entschärft…

          • Norbert Rost sagt:

            @Ert: System-Doktorei? Widerspruch!

            Finanzsysteme sind SYSTEME, die durch verschiedene „Einstellungen/Konfigurationen“ in ihrem Verhalten determiniert werden. Die heutige Konfiguration ist wachstumserzwingend, daher gilt es, neue Systemkonfigurationen zu erproben.

            Regiogelder haben den Vorteil, dass sie auf kleinräumiger Ebene tatsächlich erprobt werden können (im Gegensatz zu einer Reform des EZB-Systems). Parameter, an denen man drehen kann sind:
            * Größe des Währungsraums
            * Emissionsprocedere
            * Träger
            * innere Gebührenstruktur (Feintuning)

            Die von dir gelisteten Punkte, die Regiogeld angeblich nicht lösen könne, verstehe ich nicht. Natürlich lassen sich Leistungen vorfinanzieren – wieso auch nicht? Es ist schließlich ein Finanz-System.

            @Tom:
            Ältere allgemeine Überlegungen dazu hier:
            http://www.regionalentwicklung.de/regionales-wirtschaften/regionalgeld/

            Materialsammlung auch hier: http://www.geldreform.de

            • Ert sagt:

              @Norbert

              Ich habe nicht gesagt, das sich Leistungen nicht vorfinanzieren lassen – nur das es die Probleme die aus Vorfinanzierung und Zins entstehen (‚debitistisches System‘) nicht lösen!

              Die Ansätze sind in sofern gut, also das Sie andere systemische Probleme lösen – nicht aber unbedingt die Wachstumsproblematik.

              Ich habe mal versucht das in Worte zu packen – Sie sind insbesondere verständlich, wenn Du den Wirtschafts- und Finanzsystem-Komplex meines aktuellen Arbeitspapiers gelesen hast.

              Daraus:

              „Teilweise werden alternative Geldsysteme als Lösung zur Umsteuerung in unserem Wirtschafts- und Finanzsystem beschrieben. Drei Begriffe tauchen in diesem Zusammenhang oft auf: Regional-, Voll- und Schwundgeld.

              Aus Sicht des Autors dieser Zeilen ist ein Teil des Regionalgeld welches volle Stabilität verspricht nur eine Symptom-Doktorei, da dies nicht die Aspekte des Vorfinanzierung und des Zinses – und damit des Wachstumszwanges systemisch angeht. Meist haben solche Systeme eine 1:1 Kopplung an die jeweilige Landeswährung (z.B. den Euro). So halten diese Alternativen in der Regel nur ein Teil des Geldes besser innerhalb der regionalen Wirtschaft, weil es außerhalb der regionalen Grenzen nicht akzeptiert wird. Sicher können solche Regionalgeldsysteme zur Stärkung der lokalen Wirtschaft beitragen, weil Sie eben den Mittelfluss lokal halten – die Wachstumssystematik lösen Sie aber nicht.

              Beim Vollgeld ist die Frage was ist daran nun ‚Voll‘ ist – und am ‚bisherigen‘ Geld (z.B. dem Euro) nur ‚Teil‘ ist? Oft wird in den Kreisen der Vollgeldbefürworter die ‚Gelddeckung‘ Thematisiert. Im Sinne des Wachstumszwangs hat aber auch diese Diskussion im Sinne des Autors einen Haken und verschiebt die Problematik nur. Hier wird eine Deckung ‚durch den Staat‘ in Aussicht gestellt – wobei die Deckung allen Guthabens im debitistischen Sinne immer nur durch die Summe der Schuldner sichergestellt werden kann (und niemand anderes). So gibt es denn auch im debitistischen Sinne kein ‚werthaltiges‘ oder ‚sicheres Geld‘, sondern Forderungen.

              Was in diesem Kontext durchaus ein interessanter Ansatz ist, wäre z.B. eine Monetative – neben Judikative, Exekutive und Legislative eine vierte Staatsinstitution. Die Idee dahinter ist: Wenn a) im Ernstfall sowieso der Staat (also die Bürger) für die Risiken der (privaten) Banken einspringen müssen b) und Geld so zentral für die Stabilität eines Staates bzw. der Wirtschaft ist – ja, warum wird dann c) diese wichtige Funktion privaten Institutionen (Banken) überlassen? In einer Monetative wären kurz gesagt die Privatbanken nur noch Abwickler für das Kundengeschäft – müssten sich aber ‚voll‘ (zu 100%) bei der Monetative refinanzieren. So würden denn auch die Zinsen bei der Monetative, also dem Staat, verbleiben und könnten direkt für gesellschaftliche Projekte ausgegeben bzw. reinvestiert werden. Zinsgewinne würden nicht in Banken per Dekret des Staates privatisiert werden, sondern wieder der Gesellschaft zur Verfügung stehen. Dieses wäre ein erster Schritt bez. der Korrektur unserer Geld- und Finanzsysteme. Im Sinne des Debitismus würde sich hier aber nichts ändern – die einseitige Vermögenakkumulation nach Fargione würde aber zeitlich abgeschwächt werden können.

              Zuletzt gibt es noch das so genannte ‚Schwund-‚ bzw. ‚umlaufgesichertes Geld‘ – es ist ein Geldsystem in dem Geldforderungen mit der Zeit in Ihrem Nominalwert, durch eine ‚Demurrage‘ genannte Gebühr, sinken. Dadurch würde nach den Befürwortern eines solchen Systems die Hortung, also die Vermögensakkumulation in Geld oder Forderungen in Geld, konterkariert. Der Geldhalter würde in diesem System dazu motiviert sein, sein Geld so schnell wie möglich auszugeben – also z.B. in Sachwerte oder Dienstleistungen zu investieren, um damit zu versuchen seine Kaufkraft quasi zu ‚retten‘. Durch diese Methode soll der Geldumlauf gesichert werden – deswegen auch die Bezeichnung ‚umlaufgesichertes Geld‘. In der Praxis hätte z.B. ein Geldschein oder eine Forderung ein Ausgabedatum und würde zu bestimmten Stichtagen einen bestimmten Anteil am Nennwert verlieren. Schuldner und Unternehmer würde insofern begünstigt, als das das Geld ‚fließt‘ und die Chance die eigenen Produkte oder Dienstleistungen zu verkaufen, und somit schneller Kredite abzuzahlen, steigt.

              Durch dieses System würden zwar die Vermögensakkumulation die Fargione beschrieben hat deutlich reduziert werden – nicht aber der konsumptive Teil der Wirtschaft. Letzterer würde sogar beschleunigt, wie auch Darstellungen der Schwundgeldbefürworter bezüglich des Mittelalters aufzeigen .

              Die beschriebenen alternativen Geldsysteme könnten also bestimmte Symptome des debitistischen Systems zum gesellschaftlich positiven ändern – wohl nicht aber die inhärente Wachstumsdynamik. Unterstützer dieser Systeme haben aber die Hoffnung, dass es durch diese zu weniger Fehlinvestitionen kommt und sich die Gesellschaft als Ganzes stabilisiert. Dies, da krasse Vermögensunterschiede abgemildert werden und mehr Menschen zu aktiven Teilhabern des gesellschaftlichen Wohlstandes gemacht werden.

              Anm.: Fußnoten nicht kopiert.

              • Norbert Rost sagt:

                @Ert: Achje, Diskussionen, die mir irgendwie bekannt vorkommen. :-)

                Du behauptest, kleinräumiger organisierte Finanzsysteme würden die Probleme von Vorfinanzierung und Zins nicht angehen, bleibst aber jede Argumentation schuldig.

                Mir scheint, du suchst nach der eierlegenden Wollmilchsau, nach dem „eben mal aus dem Hut zu zaubernden Finanzsystem“, was Mutti Merkel dann per Dekret einführt – und machst damit (aus meiner Sicht) einen sehr systemimmanenten Fehler: Du erwartest einen Evolutionssprung, statt einer Evolution; und erwartest diesen von einer zentralen Instanz (Mutti).

                Das ist kein Vorwurf, das ist schlicht, was die meisten hoffen und weshalb ich in diesem Blog unregelmäßig versuche den Bogen zu schlagen zur individuellen Ebene: Von Staats wegen ist keine Veränderung der bestehenden Strukturen und Systeme zu erwarten.

                Wir können daher eine Wette in Betracht ziehen: Kommt eine grundlegende Veränderung des Finanzsystems durch staatliche Institutionen (Stichwort: Monetative) oder durch dezentral emergierende Systeme?

                Ich wundere mich immer, wie selbst größte Systemkritiker die Antwort auf ihre Kritik letztlich aus dem System heraus erhoffen. Ein für mich schwer auflösbarer Widerspruch, der nur im Suff erträglich wird :-)

              • Ert sagt:

                @Norbert

                bitte verstehe mich nicht falsch – ich habe nicht gesagt das diese Sachen nichts besser machen!

                Ich bin selber ein absoluter Befürworter der Idee der Monetative als ersten und sofort ohne Probleme gangbaren Schritt – das Konzept ist sehr gut. Bitte interpretiere in meine Aussagen nichts hinein, was ich nicht geschrieben habe. Eine Argumentation wie Du sie wünscht kann ich im Rahmen eines Blog-Kommentares nicht liefern – sorry, aber das sprengt absolut den Rahmen.

                Ließ zudem den letzten Absatz – ich habe klar ausgedrückt das diese Systeme meiner Ansicht nach vieles besser machen und das durch diese Systeme gesellschaftlich sinnvolle Investitionen – wohl mehr Chancen haben.

                So sehe ich nicht, wo wir in unserer Meinung differieren.

                Das einzige was ich explizit herausstelle ist das ich meine das der Wachstumsdrang rein durch eine Änderung unseres Geldsystems nicht verändert werden kann. Dazu bedarf es auch eines gesellschaftlichen umsteuerns – das ist aber noch einmal ein ganz anderer Themenkomplex… und ich schreibe nicht in einem Blog-Kommentar eine Doktorarbeit ;-)

              • Norbert Rost sagt:

                @Ert: Du sagst, sie „lösen die Wachstumsproblematik nicht“. Und diese Aussage ist mir reichlich dünn. Was „löst“ denn die Wachstumsproblematik? Nur eine Vielzahl ineinandergreifender Veränderungen. Daher macht es wenig Sinn, den Anspruch an Werkzeuge wie Regiogelder zu legen, sie mögen dies tun und sie mit dieser Aussage als „Symptom-Doktorei“ abzutun.

                Das kann ich so nicht unwidersprochen stehen lassen! :-)

              • Ert sagt:

                @Norbert

                Danke für diese konkrete Kritik.

                Diese kann ich nachvollziehen, denn das mit der ‚Doktorei‘ habe ich auch schon in meinem Text überarbeitet, weil es mir selber nicht gefallen hat und in die Irre führt.

                Wichtiger als Regionalgeld ist meiner Ansicht nach die regionale Investition von bereits ‚geschöpftem‘ Kreditgeld abseitig des (privaten) Bankensystems. Dafür ist ‚Regionalgeld‘ sicher auch ein Schritt denkbarrieren zu öffnen.

    • Ert sagt:

      @Tom

      Kannst ja mal Nico Paech fragen – der Forscht darn: http://postwachstumsoekonomie.org/

      Grundsätzlich sehe ich aber nicht so richtig einen Ausweg. Einige setzten ja auch Besteuerung durch den Staat bez. Umweltbelastung und Effizienzgewinne (Faktor 5 – Weizäcker).. aber ob der „Staat“ an sich dazu in der Lage ist? Dann müssten ja alle Wähler, alle Staatsbediensteten und Lobbyisten letztendlich für Wachstumsverzicht und ggf. für persönliche Einschränkungen stimmen…. freiwillig… in der Mehrheit.

      Dafür sehe ich derzeit keine Basis. Mit „Postwachstum“, also Null- bzw.. Negativwachstum können die Zins- und Kreditverpflichtungen der aktuell verschuldeten nicht mehr bedient werden. Die Vermmögensanwärter (benen den Superreichen eben auch die LV’ler, Fondshalter, Riesterer, etc. pp) – müssten alle auf Ihre Zinsen Verzichten.

      Zwar ist dieses immer noch besser als das ganze System und die ganze Welt komplett in die Tonne zu fahren… aber ich denke nicht, das das Bewusstsein dafür da ist den Weg zu gehen….

  7. Florian Hoppe sagt:

    @Tom: Schwer zu sagen. Ein Beispiel für anderes Wirtschaften, was in den letzten Jahren wieder vermehrt genannt wurde, ist die Mondragon Kooperative in Spanien.

    http://www.deutschlandfunk.de/das-wunder-von-mondragon.1247.de.html?dram:article_id=243270
    http://www.monde-diplomatique.de/pm/2014/01/10/a0008.text

    Es gibt auch noch andere theoretische Konzepte wie z.b. „Parecon“, bei denen ich persönlich aber eher skeptisch bin ob sie funktionieren könnten.

  8. Tom Schülke sagt:

    Liebe Leute..

    Nun habe ich wenn ich es richtig Sehe, das eigentlliche Thema des Artikels Sabotiert, das für sich alleine eine Lange Diskussion wert wäre… Aber dennoch Vielen Dank für die Anregungen und Links… Auch interessant was ich in einem Video auf Youtube gesehen habe, eine Diskussion genau über diese Themen, und die Empfehlung für zwei Bücher die ich mir antun werde… „Schulden, 7000 Jahre Geschichte“ (in etwa der Titel, und Occupy Money..

    Nun habe ich neuen Stoff.
    Danke also erstmal

    • Ert sagt:

      @Tom

      Ich Empfehle unbedingt: Paul C. Martin – „Der Kapitalismus, ein System das Funktioniert“. Gekürzte Onlineversion des Autors: http://www.dasgelbeforum.net/sammlung/Martin,%20Paul%20C.,%20Der%20Kapitalismus%20-%20Teil%201.pdf

      Genau um das was Paul C. Martin hier beschreibt ‚einern‘ viele andere „Geld“ Bücher herum. Martin hat es wirklich gut lesbar umschrieben.

      • Tom Schülke sagt:

        Ert, vielen Dank,

        hast Du noch einen anderen Link dazu ? dieser funktioniert nicht..

        Mein Eindruck ist der , das es natürlich eine Reihe von Wachstumsursachen gibt. Das Geldsystem ist eines davon und einies , das ärgerlicher weise ohne Wachstum kollabieren muß. Ein anderer Grund ist die blanke psychologie der Menschen, die im Kollekiv dem wie wurde es genannt „Komperativem Wohlstandsgefühl“ unterliegen und sich immer im Verhältnis zu Ihrer Umgebung einordnen, sich möglicherweise Arm fühlen nur weil der Nachbar 3 Autos hat und Sie nur 2. Die Blüten unseres Systems sind verheerend. Bei der feasta habe ich irgendwo einen Artikel gesehen mit dem Titel „Cap and Share“. Dank meiner leider immer noch vergleichsweise bescheidenen Englischfähigkeiten, habe ich das noch nicht zuende gelesen. Wenn ich es richtig gesehen habe Wird hier zumindest an dem Hebel falscher Anreize gedreht.. Besteuert würde im weitesten Sinne nicht Arbeit sondern Energie und Ressourcenverbrauch und es würde ein erlaubter Maximalbetrag jedem Menschen zur Verfügung gestellt. Der Anreiz ginge also zu massiven Einsparungen an Ressourcen und Energie und die Tendenz wäre das ärmere Menschen durch Ihr Guthaben an „erlaubtem“ Verbrauch, diesen auch verkaufen könnten..

        Das hat aber zunächst nicht viel mit dem Finanzsystem als solchem zu tun.

        So gesehen sind natürlich verschiedene Strategien notwendig oder denkbar, die auch zusammenwirken können.

        gruß Tom

        • Ert sagt:

          @Tom

          Hier noch mal: Paul C. Martin – bzw. einfach den kompletten Link in die Zwischenablage und dann in den Browser kopieren.

          @Frank

          Bez. des Gelben Forums: Ich habe Peak-oil.com über das DGF kennen gelernt. Weiterhin sind dort ziemlich diverse Leute am Schreiben – bez. Atomkraft (Gefahren), Gesellschaft, Wirtschafts- und Geldsysteme, Ernährung, alternative Heilmethoden, (Geo-)politik etc. pp. Das DGF auf Spekulanten zu reduzieren zeugt eher von wenig Beschäftigung mit den Inhalten dort.

      • Frank Bell sagt:

        Das GELBE FORUM?

        Ein Forum der Spekulanten, die an dem Börschenaufschwung, der inzwischen beispiellos in der Geschichte der Börse ist, gut verdienen.

        Na ja… Ob ich das alles ernst nehmen soll?

        Übrigens, die Ukraine wird jetzt als Vorwand zum Fracking in Deutschland genommen.

        Die Politiker sind einfach nur miese (sorry, mehr geht nicht).

        • Tom Schülke sagt:

          im Gelben Forum gibts gewiss viele sonderbare Stilblüten. Aber auch hervorragende Querdenker und interessante Ideen, die einer Betrachtung wert sind..

          Denk zb. an smith 74.. Wenn Er was zur Geologie erzählt lohnt sich das Zuhören…

          Aber gewiss muss man dort.. Und das gilt immer, den Eigenen Verstand nutzen, um die Spreu vom Weizen zu trennen..

      • Stephan sagt:

        Hallo Ert,
        das mit dem Kapitalismus als System, das funktioniert meinst Du aber ironisch, oder?
        Was ist mit den Ländern Griechenland, Italien, Spanien, Somalia, Libyen, Tschad, Sudan, Irak, Sri Lanka, Afghanistan, Mali, Syrien oder jetzt Ukraine?
        Die Menschen dort würden sicher mit großer Mehrheit, wenn sie könnten die Macht der Staaten, Banken und Konzerne sehr gerne von heute auf morgen abschaffen.
        Was war in der Vergangenheit mit Ländern wie Iran (Shah), Spanien (Franco), Portugal(Salazar), Argentinien, Chile (jeweils Militärregierung), Angola (schrecklicher Bürgerkrieg), Vietnam oder Nordkorea?

        Die verbreitete Nutzung von Pflanzenöl in Deutschland wurde auf Betreiben eines Ölkonzerns abgeschafft. D.h. unsere Regierung hat das getan, was ein Konzern gefordert hat. Monsanto, Bayer Crop Science, Microsoft, die Rockefeller-Stiftung, die Syngenta-Stiftung oder die norwegische Regierung haben einen „Tresor des jüngsten Gerichts“, eine quasi unzerstörbare Saatgutbank, in Spitzbergen bauen lassen. Warum? Das Saatgut wurde in jahrtausenden von Bauern entwickelt und bewahrt. Firmen wie Monsanto, Bayer Crop Science, DuPont, Pioneer, Cargill, ADM und andere versuchen auch noch die letzten unabhängigen Saatgutbesitzer in die Knie zu zwingen, weil sie die Weltherrschaft über die Nahrung haben wollen.
        Firmen wie Esso oder Agrium Inc. besitzen Patente zu Bakterien, die bald sehr notwendig sein werden, wenn die Bauern den Kunstdünger nicht mehr bezahlen können.

        Kapitalismus ist kein Sytem das funktioiert, sondern der Untergang der Menschheit mit einem fürchterlichen Ende.

  9. HD sagt:

    Hallo Tom,
    ich hätte da zur Info noch einen link zum Plan B der Wissensmanufaktur
    http://www.wissensmanufaktur.net/plan-b

  10. Patrick sagt:

    Bei der Wissensmanufaktur des Herrn Popp muss man aber aufpassen.

    Die haben dort tatsächlich gute und richtige Dinge angesprochen – insbesondere über die Meinungsmacht, Meinungsmache und die wahren Kräfteverhältnisse zwischen dem Staat und den Banken.

    Allerdings sind sie auch ganz erklärte Zinskritiker und driften durchaus auch mal gerne arg in extrem wilde Verschwörungstheorien ab.

    Ein paar interessante Anregungen kann man dort aber schon bekommen.

    Zum Geldsystem selbst muss ich sagen, dass ich viel darüber gelesen habe – sowohl von Zinskritikern, Wachstumskritikern, linksorientierten Ökonomen – und am Ende muss ich sagen, dass ich nicht schlauer bin als vorher.

    Ich würde jedoch meinen, dass der Zins allein KEIN Wachstumstreiber ist, sondern dass es eine Kombination aus mehreren Systemparametern gepaart mit dem menschlichen Verhalten ist, was dazu führt.

    Nur eins ist klar:
    Der Kapitalismus wird das Ende des Wachstums definitiv NICHT überleben!

    Was statt dessen kommen wird?
    Die Frage ist sehr gut, Tom. Ich halte sie auch für wichtig, aber wenn wir das bestehende System schon nicht 100%ig verstehen können, weiß ich auch beim besten Willen nicht, was es ersetzten könnte.

    Aber vielleicht ist es ganz so, wie Ulrike Herrmann in ihrem Buch (Der Sieg des Kapitals) schreibt:
    Der Kapitalismus ist auch nicht geplant worden, er ist einfach entstanden als die Umstände entsprechend waren und gewisse Faktoren zusammen kamen.

    So wird es wieder sein.

    Wenn wir jetzt mal wirklich davon ausgehen, dass in der Zeit des Finanz/Wirtschaftscrash und der folgenden Peak-Szenarios die Staaten vollkommen überfordert sind, werden diese Strukturen sicherlich zerfallen. Ich glaube nicht, dass wir in 2050 noch die bestehenden Nationalstaats-Strukturen haben werden.
    Separierungstendenzen gibt es ja bereits heute genügend.

    Es werden sich kleinteiligere Regionen ergeben, die vielleicht unterschiedliche Geldsysteme etablieren. Bestimmt wird es eine Kombination aus Tausch- und Regionalgeld sein, aber vielleicht auch andere Dinge, die wir noch nicht auf dem Schirm haben.
    Gerade für den internationalen Handel muss sich ja etwas entwickeln.

    • Bruno Müller sagt:

      Patrick, sehr schön und klar zusammengefasst – volle Übereinstimmung.
      Aus den Umständen und Rahmenbedingungen heraus wird sich nach dem Zusammenbruch etwas Neues entwickeln, auch ein darauf angepasstes Wirtschafts- und Finanzsystem. Ich denke auch, eher kleinteilig.

      Gut geübte und etablierte Regionalwährungen, die es bis dahin geschafft haben auch regionale, fossilenergiearme Wirtschaftskreisläufe zu etablieren, werden mit den Umbrüchen sehr wahrscheinlich besser zurecht kommen.

    • Michael Egloff sagt:

      Bravo Patrick,
      ein sehr kluger Beitrag!

      „Der Kapitalismus ist auch nicht geplant worden, er ist einfach entstanden als die Umstände entsprechend waren und gewisse Faktoren zusammen kamen.“

      So ist es. Und so wird es sein bei der weiteren Entwicklung: die ökonomischen, gesellschaftlichen und politisch/geopolitischen Bedingungen werden sich fotlaufend verändern, so dass eine planmäßige Steuerung auf Basis eines auch noch so klugen Gadankenmodells garnicht möglich ist. Zumal es sowohl auf globaler als auch auf nationaler/regionaler Ebene stark auseinanderklaffende Interessen verschiedener Menschen gibt.
      Bestenfalls kann man Tendenzen annehmen: zunehmend weniger komplex, weniger virtuell, zunehmend regionaler, mehr an realwirtschaftlichen Gegebenheiten orientiert…

      Das könnten sozusagen die objektiven Tendenzen sein, geschuldet den objektiven wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Realitäten und Entwicklungen.

      Und dann könnte man sich noch Tendenzen vorstellen, die wünschenswert wären, aber nicht objektiv vorprogrammiert sind.
      Zum Beispiel ein Geldsystem, das Reichtumsakkumulation verhindert oder begrenzt, also tendenziell egalitär wirkt. Denn wenn die Wertschöpfung gesamt und pro Kopf immer mehr erodiert, die Tendenz zur sozialen Spaltung aber weiter anhält, dann würde dies sozialdarwinistische Zustände bewirken. Mit Verelendung immer größerer Bevöllkerungsgruppen.
      Darin würde ich die Gefährdung ganz prinzipieller
      zivilisatorischer/kultureller Standards sehen.
      Aber z.B. in diesem Punkt ist die weitere Entwicklung völlig offen. Es gibt also auch in Zeiten der vermutlich unumkehrbaren Erosion der Produktivkräfte durchaus Handlungsoptionen.
      Zinsertragsbereicherung in privater Hand würde im weiteren Verlauf einer humanen Gesellschaft zuwiderlaufen, eben durch Verelendung der von dieser Bereicherung ausgeschlossenen Menschen, die vom immer kleiner werdenden „Gesamtkuchen“ dann immer weniger abbekommen.

      Also wären 2 alternative Entwicklungen wünschenswert: 1. vergesellschaftete Zinserträge im Rahmen einer vergesellschafteten, regionalen Finanzwirtschaft. Leider sehe ich in dieser Möglichkeit, so wünschenswert auch sein könnte, auch eine Gefahr von planbürokratisch-despotischen Entwicklungen.
      Die zweite Möglichkeit wäre die Abkehr vom Zinssystem. Das geht natürlich nur bei sehr geringem gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Komplexitätsgrad. Aber genau dahin geht – auf Sicht der nächsten 100 Jahre – immer mehr die Entwicklung: die Senkung des gesellschaftlichen Komplexitätsgrades.

      Wie auch immer: eine wirklich gesteuerte Entwicklung ist nicht zu erwarten. Eher eine holprige bis chaotische. Vermutlich ab den 20er oder 30er Jahren ff.
      Um so wichtiger ist die Etablierung solidarischer Netzwerke in überschaubaren Größenordnungen. Denn das, was wir als Sozialstaat auf nationaler oder bundesstaatlicher Ebene (bereits heute erodierend) kennen, hat nicht die Spur einer Überlebenschance.
      Wir müssen ihn also durch direkte Solidarität zwischen Menschen ersetzen.

    • Ert sagt:

      @Patrick

      Sehr gute Überlegungen und Schlussfolgerungen. Ich denke das Lesen von Paul C. Martins ergänzt sich mit deinen Überlegungen gut – wobei Martin gerade die zu Grunde liegende und oft verborgene Systematik gut erklärt.

  11. Bruno Müller sagt:

    Was sich da im anhaltenden und erweiterten Konflikt mit den Russen abspielt wird für mich immer mehr zum Rätsel. Warum wird auf einmal Putin als das „neue“ Böse von westlicher Seite aufgebaut?
    Wenn es ein Energiekonflikt ist, warum sich dann mit seiner Energiequelle anlegen?
    Wenn es ein Marktkonflikt ist, warum sich dann mit seinem Markt anlegen?
    Ist es ein Teil der strategischen Vorbereitung auf das Freihandelsabkommen EU / USA?
    So riesig sind die Schiefergasvorkommen in der Ukraine auch wieder nicht.
    Warum wird immer wieder, auch heute in der Tagespresse, die Situation so dargestellt, als könnten wir uns von russischem Gas unabhängig machen?
    Versteht das jemand, warum ein derart heißes Eisen angefasst wird? Das tut man doch nicht ohne Not. Um welche Not geht es?

    • Michael Egloff sagt:

      Das ist einfach die sogenannte „transatlantische Solidarität“. Die europäische Politik fühlt sich der Niebelungentreue zu den USA verpflichtet, als Teil einer Staatsräson. So heftigen Prüfungen diese Staatsräson auch ausgesetzt ist (NSA, Finanzmarkthegemonie der USA, usw.)

      Es ist schon fast amüsant, wenn ein Imperialist dem anderen Imperialisten imperialistisches Verhalten vorwirft. Und sowohl die USA als auch Russland haben eben imperialistische Ambitionen, die USA allerdings noch globaler. Auch die Chinesen erreichen zunehmend diesen Status.
      Um so mehr ein Anlass der kleineren Länder (inklusive des realtiven „Elefanten“ Deutschland), sich von diesen imperialen Ansprüchen der großen Atommächte abzusetzen.

      Schiefergasvorkommen in der Ukraine halte ich für keinen relevanten Faktor des gegenwärtigen Konflikts, zumal diese Vorkommen ja nicht mal ansatzweise evaluiert sind.
      Und: unsere Energieabhängigkeit von Russland wird in den nächsten 20 Jehren eher ansteigen als sinken. Wir sollten also den stärker werdenden Konflikt zwischen den USA und Russland besser als neutraler Schlichter und Kritiker begleiten und uns nicht auf die Seite einer der beiden Parteien schlagen.

  12. Stephan sagt:

    Ein sehr guter Kommentar zur deutschen Haltung bei einer alternativen Nachrichtenseite:

    Ein autoritäres deutsches „Wir!“
    Abweichende Meinungen vom Ukraine-Konsens werden kaum mehr geduldet –
    Ein Kommentar von SUSANN WITT-STAHL, 24. März 2014 –

    Warum werden im deutschen Politikdiskurs zusehends die Samthandschuhe ausgezogen und Abweichler energisch zum Einschwenken auf den rechten Kurs, wenn das nichts hilft, in einem strengen Gouvernantenton zur Räson gebracht – und wenn die Verwarnung auch nicht fruchtet, den Querulanten das Wort entzogen?
    http://www.hintergrund.de/201403253035/politik/welt/ein-autoritaeres-deutsches-wir.html

    Man darf nicht vergessen, dass wir nach wie vor dritt- oder viertgrößter Waffenexporteur der Welt sind (nach Umsatz gerechnet, siehe die jährlichen Berichte des schwedischen Sipri-Institutes).

    • Michael Egloff sagt:

      Ganz nebenbei: mir sind derzeit alle suspekt in der Ukraine:
      die einen Mord herbeiwünschende Kleptomanin Timoschenko, der despotische Milliardenkleptomane Janukowitsch, die ukrainischen Nationalisten mit ihrer Vorhut – den rechtsradikalen Svoboda-Leuten, die ebenfalls ziemlich extremen pro-russichen Putinzujubler, der Boxer, der mal eben auf Politik umschult, die ukrainischen Oligarchen, die unter jedem Herrscher ihren Schnitt machen…

      Keine Ahnung, auf wessen Seite man sich da stellen sollte. Wiedert mich alles an.
      Bei solcher illustrer Gesellschaft einfaches Volk zu sein ist ein ziemlich hartes Los.

      • Stephan sagt:

        Ich habe mir gerade mal die Vita der beiden Klitschkos angeschaut. Ich wusste nämlich, dass einer von beiden einen Doktortitel hat. Allerdings gab es mehrmals Berichte, dass dieser oder sein Bruder den Mund auf dem Maidan nicht aufbekommen hat, was wohl weniger am Nicht-Beherrschen des Ukrainischen lag.
        Beide sind erfolgreiche (im Boxen angesichts der oft merkwürdigen Entscheidungen von Ringrichtern heißt das nichts viel) Schwergewichtsboxer gewesen und beide haben promoviert. Allerdings nur in Sportwissenschaften. Das und die wahrscheinlichen Schädigungen des Gehirns durch das Boxen erklärt das Ganze vielleicht etwas.

  13. Ert sagt:

    @Stepahn

    „das mit dem Kapitalismus als System, das funktioniert meinst Du aber ironisch, oder?“

    Das ist der Buchtitel – und er ist weise gewählt. Paul C. Martin hat versucht in diesem Buch zu definieren was der Kapitalismus ist – was macht Ihn aus, was treibt Ihn an? Was hat Marx übersehen?

    Bei der Suche merkt man dann auch, das es keine allgemeingültige Definition von „Kapitalismus“ gibt. So definiert Martin Ihn als: „Ein Wirtschaftssystem, in dem verschuldete Privateigentümer versuchen, dem permanent auf ihnen liegenden Liquiditätsdruck zu entkommen“

    Mit „Perfekt“ meint Martin dann auch das diese System das maximale aus allen, inklusive der Natur, herausholt und alles andere verdrängt – eben das selbst beschleunigende Hamsterrad. Das geht dann so weit, bis das System selber seine eigene Basis zerstört. Martin deckt den Grundmechanismuss auf, erklärt was „Kredit“geld wirklich ist. Dabei verlässt er auch nicht die Stüzel’sche Saldenmechanik und baut auf Steiger auf.

    Ich kann das Lesen nur empfehlen. Alles andere was ich in 2008-2012 bez. Wirtschafts- und Finanzsystem gelesen habe verwirrt oft mehr als das es hilft. Martin bringt die Kernmechanik auf den Punkt und deckt auf was u.a. auch Marx übersehen hat.

    • Stephan sagt:

      Ich habe mir beim Gelben Forum diverse Artikel (aus einem Buch?) von Herrn Martin aber auch Beiträge im Gelben selber durchgelesen, aber den Mechanismus der eigentlichen Geldschöpfung hatte ich trotzdem nicht kapiert.

      Erst als ich letztes Jahr auf die Seite von Egon W. Kreutzer stieß, hatte ich das Geldsystem zum ersten Mal einigermaßen kapiert.
      Dazu kann man die Artikel-Serie „Grundlagen“ empfehlen (Teil 1 und Teil 2 sind schon ziemlich aufschlussreich):

      Geld
      http://www.egon-w-kreutzer.de/Geld/Sammlung%20Geld.html

      Was mir beim gerade nochmaligen kurzen überfliegen des Teil 1 klar geworden ist:

      Die Zinsforderung, die nach Rückzahlung des Kredits, d.h. der nominalen Kreditsumme, übrig bleibt, und deren Höhe im Kreditvertrag mehr oder weniger festgelegt ist (samt etwaiger Gebühren?), kann nur durch Geld, d.h. durch das im jeweiligen Staat gültige offizielle Zahlungsmittel, zurück gezahlt werden, nicht durch Eimer voll Erdbeeren oder durch Schweinehälften. Okay, man kann die Erdbeeren oder die Schweinehälften auf dem nächsten Wochenmarkt verkaufen, aber auch die Käufer meiner Produkte müssen das Geld, d.h. das offizielle gesetzliche Zahlungsmittel, die Münzen, Scheine oder Guthaben auf dem Girokonto, erst einmal irgendwo herbekommen.
      Und Geld kann ja bekanntlich nur durch einen Kredit geschaffen werden => neuer Kredit für die Rückzahlung der Zinsen nötig => Zinseszins-Spirale.

      • Ert sagt:

        Ja, genau das beschreibt Martin schon ganz am Anfang in seinem Buch! Das Problem der Vorfinanzierung.. und auch das alles Geld Kredit ist.

        Weiterhin schreibt er zum Kapitalismus: „Ein Wirtschaften, in dem alle Produktion vorfinanziert ist und in dem Zeit abläuft: Das ist Kapitalismus. Nichts anderes“

        Die Vorfinanzierung ist Kredit. Wegen dem „zeitlichen Faktor“ beim Zins muss das System expandieren. Weil die Zinsen gezahlt werden müssen – bevor Sie als Ausgaben der Banken (über Löhne und Gewinnausschüttungen) wieder in der Wirtschaft landen.

        Weiterhin ist Problematisch wenn viele „Geld Spaaren“ – also nicht wieder ausgeben und akkumulieren. Für alle die Geldforderungen auf dem Konto oder in „Bar“ akkumulieren – muss sich irgendwer neu verschulden, damit die verschuldeten das Geld einnehmen können um Ihrerseits Ihre Schulden bedienen zu können. Ist alles drin bei Martin!

        Kreuzer ist gut beim Einstieg… aber irgendwo wird es (für mich) mehr verwirrend, als es Klarheit schafft. Die Kritik kann ich nachvollziehen – und habe dazu oben bez. Monetative etc. einiges geschrieben.

        Die „Kreditgeldschöpfung“ hat der ehemalige Wirtschaftsweise Stützel schon 1978 ausreichenst in „Volkswirtschaftliche Saldenmechanik“ erklärt – no big news. Wie die (privaten) Zentralbanken funktionieren ist schon in „Lombard Street: A Description of the Money Market“ nachzulesen – 1873 geschrieben! Sogar Lilienthal war ein Geldsystemkritiker (siehe in seinem Museum in Anklam)… der hatte es auch schon raus bekommen….

        Der Zins ist also nicht das eigentliche Problem.. sondern u.a. auch die Geldhortung und insbesondere die Akkumulation, etc. pp. – ein Kommentar reicht aber nicht aus um das alles aufzugreifen. Wollte ja nur klar stellen, das alles in PCM’s Buch enthalten ist…

  14. Patrick sagt:

    Zur stets spannenden ZINS – Thematik habe ich hier noch einen etwas älteren Blog-Beitrag gefunden, den ich gar nicht schlecht finde:

    http://derblickausderferne.blogspot.de/2011/08/zins-und-vermogen.html

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