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CDU-Außenpolitiker Polenz fordert Öl-Embargo gegen Russland

Der CDU-Außenpolitiker Ruprecht Polenz wird in der WELT mit der Aussage zitiert:

"Ein Öl-Embargo, das die EU gegen Russland verhängt, wäre eine wirksame Sanktion. Ein solches Embargo würde Russland treffen."

Ein solches Embargo würde jedoch nicht nur Russland hart treffen, sondern ganz Europa. Leider hat Ruprecht Polenz nicht mitgeteilt, wie er die Mengen zu ersetzen gedenkt, die sowohl Deutschland wie auch die gesamte Europäische Union aus Russland beziehen. Etwa ein Drittel des Ölbedarfs stammen aus Russland. Russland ist zudem der zweitgrößte Ölexporteur der Welt mit etwa 4,7 Millionen Barrel täglich und mit über 10 Millionen Barrel täglich der drittgrößte Ölförderer der Welt. Oder glaubt er, Europa könne mal eben auf ein Drittel seiner Ölzuflüsse verzichten?

Öl-Lieferländer-Deutschland-2013

Ein europäisch-amerikanisches Ölembargo gegen Russland hätte extreme Auswirkungen. Kurzfristig würde der Ölpreis explodieren, weil Europa die benötigten Öl-Mengen anderswo in der Welt einkaufen müßte. Da dies praktisch unmöglich ist, würden zudem die verfügbaren Ölmengen schrumpfen, spätestens wenn die strategische Reserve von 90 Tagesrationen in Deutschland aufgebraucht ist. Langfristig würde Russland seine Exportrichtung noch drastischer umorientieren und noch stärker den asiatischen Markt zu Lasten des europäischen Markts beliefern. Europa würde seinen wichtigsten Lieferanten für Treibstoffe verlieren und müßte künftig sehr viel höhere Preise im immer engeren Ölmarkt zahlen.

Ruprecht Polenz kann diese Forderung nicht ernst meinen. Entweder hat er sich als Außenpolitiker mit den Energie-Verflechtungen des eigenen Landes, in dem er "Politik macht" nicht befasst, oder er sieht es als seine Aufgabe, extreme Positionen im USA-EU-Russland-Konflikt gucken zu lassen, anhand derer die "gegnerische Seite" ablesen kann, was im politischen Kontext in Europa noch so angedacht werden kann. Die Stimme von Polenz hat Gewicht: Er war laut wikipedia im Jahr 2000 Generalsekretär der CDU, ist Präsident der Deutschen Gesellschaft für Osteuropakunde und von 2005 bis 2013 Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag! Der Jurist war außerdem 10 Jahre lang Präsident der Deutschen Atlantischen Gesellschaft, einem Verein, der im Sinne der NATO Öffentlichkeitsarbeit betreibt. Eigentlich würde man von solch erfahrenen Persönlichkeiten erwarten, dass sie nicht nur über Osteuropa kundig sind, sondern auch über die eigene Verletzlichkeit gegenüber einer Drosselung von Öl- und Gaszuflüssen. Ob der Außenpolitiker die Peak-Oil-Studie der Bundeswehr gelesen hat oder den Peak-Oil-Bericht von Studenten über seine Heimatstadt Münster?

(Dank an Frank)

Nachtrag:

25 Kommentare to “CDU-Außenpolitiker Polenz fordert Öl-Embargo gegen Russland”

  1. Michael Egloff sagt:

    Jawoll! Polenz hat recht!
    Ölembargo gegen Russland!
    Wir liefern denen einfach kein Öl mehr.

    Mein Gott Walter… ähhh Ruprecht!

  2. Haarsträubend! Aber: Ein solches Szenario wäre zweifellos sehr lehrreich und würde in kürzester Zeit die volle Aufmerksamkeit auf Peak Oil lenken. Letztendlich könnte das viel Ärger ersparen.

    • Flint sagt:

      Das wäre wohl der einzig Positive effekt , das plötzlich viele viele Leute aufwachen würden und sich mit dem Thema beschäftigen. Das könnte für die Zukunft hilfreich sein .. passiert aber sowieso nicht.

  3. Florian Hoppe sagt:

    Imo. Glaubt Polenz wohl wie einige andere auch) man könnte die Reagan Strategie” gegen Russland anwenden.

    http://www.google.at/url?sa=t&rct=j&q=&esrc=s&source=web&cd=1&cad=rja&uact=8&ved=0CCEQFjAA&url=http%3A%2F%2Fwww.forbes.com%2Fsites%2Flouiswoodhill%2F2014%2F03%2F03%2Fits-time-to-drive-russia-bankrupt-again%2F&ei=KtPOU-TnBeae7Abnk4CICw&usg=AFQjCNF6IT8Q4R_bfOuLj6qcVCQGyqr3hw&sig2=U84bC8REzTXBnp5rkDsFqg&bvm=bv.71198958,d.bGE

    Allerdings ist dies erstens ziemlich naiv und zweitens….
    http://www.politifact.com/punditfact/statements/2014/mar/13/michael-reagan/ronald-reagans-son-says-his-father-got-saudis-pump/
    ..ist es noch nicht mal sicher ob es wirklich so war und ob es sich nicht dabei um einem Mythos handelt, welcher bewußt in die Welt gesetzt wurde.

  4. Hendrik Altmann sagt:

    Ein Embargo würde Europa und Russland hart treffen, wenn die USA unbedingt einen Konflikt will mit Russland soll Sie Ihn allein austragen, von mir aus kann die auch die Ost Ukraine ihre Autonomie haben, wenn das den Konflikt löst, aber Ich denke darum geht es da gar nicht.

  5. peakenergy sagt:

    Na dann mal los! Versuch macht klug…

  6. Flint sagt:

    Hahahahahaha , der war gut, Moment Hahahahha. Unglaublich wie Naiv dieser Herr ist. Kann er ja mal machen ,dann werden ihn aber erboste Wirtschaftsvertreter und wohl ein paar Autofahrer evtl aufhängen ; )

  7. Frank Bell sagt:

    Hallo,

    was haltet ihr von der Aussage von Rice, Rußland würde eher das Geld ausgehen als den Europäern Öl und Gas?

    https://www.youtube.com/watch?v=Bb4MK0u9CMA

    Komisch ist auch ihr Verweis auf die grosse Menge an Öl und Gas in Nordamerika, denn bei deren Verbrauch ist doch nicht viel mit Export, oder?

    Gerade Rice sollte es doch besser wissen, da sie Insider bei Erdölkonzernen ist.

    (Vielleicht weiss sie es besser als wir?)

    • @Frank Bell: Das ist eine Wette, die man als US-Amerikaner wesentlich leichter eingehen kann als als Europäer.

    • Hendrik Altmann sagt:

      Export? lächerlich, die haben doch noch nicht mal genug für sich selber, zu der Strategie den russischen Staat finaziell kollabieren zu lassen, Ich denke das würde funktionieren, nur wird die europäische Wirtschaft darunter leiden und damit das Volk also Wir, die andere Frage die sich stellt, “warum”, wieso möchte die USA auf biegen und brechen einen Wirtschaftskrieg mit Russland? Und warum sollen wir da mit machen, als Europäer?, wegen der Ostukraine?, wegen der Krim ?, was ist eigentlich danach falls das wirklich klappt?, und Russlands Machtstruktur und Wirtschaft unter Sanktionen und Embargos zusammenbricht? Wer werden die neuen Lenker Russlands sein?, was wird mit den russischen Ölkonzernen passieren?, was mit den russischen Bodenschätzen?, ist dann alles wieder gut?, ich glaube nicht.

    • Michael Egloff sagt:

      Wer dieser Irakkriegstreiber-Veteranin glaubt, ist selbst schuld.
      Ehrlichkeit war noch nie eine hervorstechende Eigenschaft dieser ehrenwerten Gesellschaft.

      Das Gleiche würde ich übrigens sagen, wenn es sich um einen Putin-Berater handeln würde. Ich bin nicht auf einem Auge blind.
      Alles Imperialisten.

      Die Aussage von Rice ist etwa so viel wert, wie die US-BIP-Zahlen oder die US-Arbeitslosenstatistik.
      Potemkin villages everywhere.

    • peakenergy sagt:

      Sie sollte Belege für ihre Behauptungen bringen: Wieviel kann Amerika auf langfristiger Basis exportieren? Wer hat aktuell die größeren Schulden? Europa oder Russland?
      Meine Antworten: Amerika importiert jede Menge und USA/Europa haben gar kein Geld mehr, sie drucken nur welches.
      Beim Pokern nennt sich sich das blöffen. Verlass dich auf deine eigenen Analysen und lass dich nicht gleich von anderen in die Irre führen. Amerika folgt seiner eigenen Agenda. Diese Agenda scheint gerade nicht sehr viel auf Europa Rücksicht zu nehmen. Nur nebenbei: Ich bin auch ein Insider aus der Ölindustrie. Die brauchen dringend höhere Ölpreise damit sie weiterhin noch profitabel bleiben können.

      • peakenergy sagt:

        dieser Kommentar war für Frank Bell

      • Hendrik Altmann sagt:

        Ein höherer Ölpreis wäre erstmal genau das Gegenteil, was die USA da für Russland plant.

      • Bruno Müller sagt:

        Insider! Cool!
        Dann sollten wir noch einen Insider z. B. der Flugindustrie haben, also der Industrie/Wirtschafts-Verbraucherseite mit hohem Mineralölprodukt-Anteil.

        Beide könnten doch die gerade noch erträglichen Preisgrenzen benennen. Dann hätten wir einen aktuellen Preiskorridor, in dem sich der Erdölpreis befinden darf, ohne größere Schäden im Wirtschaftssektor erwarten zu dürfen.

        Sollte der Ölpreis diesen Korridor über einen gewissen Zeitraum verlassen, hieße das für uns Menschen: “Bitte Anschnallen!”

        @ peakenergy, kannst Du einen Preis pro Barrel benennen?

        • Michael Egloff sagt:

          Einen solchen definierten Preis dürfte es nicht geben, Bruno.
          Prinzipiell gilt: je magerer der auszubeutende Tight-Oil-Bereich, je tieferliegender und/oder magerer der Bereich der Teersände, je tiefer und/oder kleiner das Tiefsee-Ölvorkommen, je höher die Schwefelwasserstoffbeimengung (siehe Kashagan), desto höher der break-even-Ölpreis.

          Und die zukünftig auszubeutenden Ölvorkommen dürften durchschnittlich einen immer höher ansteigenden Kapital- und Energieinput pro Barrel verursachen. Bis irgendwann kaum noch Vorkommen vorhanden sind, deren Öl auf eine kaufkräftige Nachfrage trifft.
          Bis dahin vergeht noch einiges an Zeit, aber die letzten 20…30…40% der noch technisch förderbaren Ölmenge werden wahrscheinlich niemals gefördert werden.
          Was auch Öl-Ressourcenangaben völlig gaga macht, abgesehen von der in den letzten Jahren in Mode gekommenen Extremschätzeritis. Siehe Polen, wo die Tight-Oil-Schätzungen mal eben um rund 95% reduziert werden mussten, nachdem man genügend Probebohrungen durchgeführt hatte.

        • Michael Egloff sagt:

          Ergänzung: dann gibt es noch einen zweiten kostensteigernden Faktor für das weltweit gehandelte Exportöl: die ölexportierenden Staaten sind zunehmend gewohnt, aus dem Vollen zu wirtschaften, blähen ihre Staatshaushalte auf, verwöhnen ihre Bürger mit Wohltaten und schaffen eine volkswirtschaftliche Struktur, die oft einseitig von den Öleinnahmen abhängig ist. Zudem wird oft der Binnenölpreis dieser Länder sogar subventioniert – siehe z.B. Saudi-Arabien.
          Wenn dann noch die Exportölmenge beginnt zu sinken, müssen diese gewachsenen Finanzierungsbedürfnisse durch immer weniger Öl befriedigt werden, also der Aufschlag zu den Förderkosten immer höher pro Barrel werden.

        • Hendrik Altmann sagt:

          Also die Pro Kopf Nachfrage sinkt ja schon, von daher wurde dieser Punkt schon erreicht, steigt der Preis weiter, sinkt auch die Nachfrage weiter, kritisch wird es wenn man aus gründen der Wirtschaftlichkeit keine Güter, Ressourcen, Menschen schnell Transportieren kann.

          • Hendrik Altmann sagt:

            die Gesamtnachfrage steigt noch ,die pro Kopf Nachfrage sinkt, wenn China, Indien es nicht mehr schaffen durch Schulden aufnehmen Ihr Wachstum zu stabilisieren, wird auch die Gesamtnachfrage stagnieren, bzw. sinken, da die Schulden jedes Jahr unverhältnismäßig wachsen, dürfte dieser Punkt nicht mehr fern sein.

          • Stefan Wietzke sagt:

            Die Situation muss man etwas differenzierter betrachten. Wenn man die Verschiebeeffekte durch Produktionsverlagerungen herausrechnet, dann ist der Pro-Kopf Verbrauch in Ländern mit realem Wirtschaftswachstum weiter gestiegen. Er fällt da tatsächlich wo die Wirtschaft eingebrochen ist (z.B. Südeuropa). Der korrigierte Pro-Kopf Ölverbrauch ist damit ein guter Indikator für die tatsächliche Entwicklung einer Volkswirschaft.
            Auch die Preisfrage kann man ungefähr beantworten. Der Erdöfachmann Steven Kopits rechnet aktuell mit einem notwendigen Grenzkostenpreis von ca. 130$ je Barrel für neu zu erschließende Quellen. Nach seinen Analysen kann der Ölbedarf bereits seit einer Reihe von Jahren nicht mehr zu akzeptablen Kosten gedeckt werden. Das Angebot ist also fundamental begrenzt. Aus seiner Sicht bremst das das Wachstumspotential der Weltwirtschaft bereits heute massiv aus. Sein sehr interessanter Vortrag ist unter http://www.youtube.com/watch?v=dLCsMRr7hAg zu finden. Dauert etwa eine Stunde.

  8. Patrick sagt:

    Also entweder handelt es sich um ein extrem dämliches Muskelspiel von diesem Politiker oder es ist einfach NUR DÄMLICH!

    Was auch immer, diese politische Kaste kann einem nur noch Angst und Bange machen…

  9. Stefan Wietzke sagt:

    Wir haben mit dem letzten Globalisierungs- und Optimierungsschub die Welt derart vernetzt, das die Folgen einer Aktion im System gar nicht mehr abzuschätzen sind. Aber das man mit einer solchen Maßnahme die ganz große Lunte an das Fass “Weltwirtschaft” legt merkt ja auch ein grenzdebiler Mensch. Wie heißt es so schön: “Man muss nicht besonders blöd sein, um Politiker zu werden, aber es erleichtert die Sache schon ungemein.”

  10. KAOS sagt:

    Also, meine Russischkenntnisse halten sich ja sehr in Grenzen, aber das ist mit großer Sicherheit nicht Polenz, der da twittert. ;)

    Das ist übrigens tatsächlich Russisch und nicht Ukrainisch. Und es liest sich so, als gehörte der Account einer Studentin, die über ihre Freund_innen schreibt, über ihre Prüfungen und ihre Diät etc. ^ ^

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