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Saudi-Aramco-Chef fordert Ölbranche zu Investitionen auf

40 Milliarden US$ investiert der saudische Ölkonzern Saudi Aramco jährlich in den kommenden 10 Jahren, um die Förderkapazitäten des wichtigsten "Swing-Producers" der Welt aufrecht zu erhalten. Diese Zahl nannte der CEO Khalid Al-Falih auf der Offshore Northern Seas-Konferenz (ONS), die seit Montag bis Donnerstag im norwegischen Stavanger stattfindet. Saudi Aramco ist Hauptsponsor der Tagung. Bei aktuellen Ölpreisen entspricht die Investitionssumme den Erlösen aus dem Verkauf von 1 Million Barrel Öl pro Tag. Zum Vergleich: Die EIA gibt den Rohöl-Export Saudi Arabiens für 2010 mit 7 Millionen Barrel und den Export von Raffinerie-Produkten mit 1,5 Millionen Barrel pro Tag an. Ein Siebtel seines Rohölexports will die Firma also über die kommenden 10 Jahre in die Aufrechterhaltung der Ölförderung investieren.

Zugleich warnte der Chef des Ölunternehmens die Besucher der Konferenz, dass die Bereitstellung von Öl schrumpfen würde, wenn die Industrie nicht angemessene und rechtzeitige Investitionen tätigt. Die Ölfirmen würden von steigende Förderkosten und durch die Ansprüche der Aktionäre in die Zange genommen mit der Gefahr, dass unzureichende Investitionen zu einer Schrumpfung der Ölförderung führen könnten. In der Branche werden die Unsummen für Investitionen (Capex) kontrovers diskutiert, BP und Shell haben beispielsweise ihre Investitionen bereits zurückgefahren, auch auf Total und für den Ölausrüster Schlumberger dürfte dies für 2014 zutreffen. Laut dem Energie-Investment-Ausblick der IEA müssen bis 2035 17.500 Milliarden US$ in die Öl- und Gasförderung fließen, um den steigenden Weltbedarf zu decken, wobei 80% dieser Summe den Rückgang der bestehenden Felder ausgleichen sollen. Würde Saudi Aramco 40 Milliarden jährlich bis 2035 investieren, würde die Firma also 800 der 17500 Milliarden bereitstellen: 4,6% der Gesamtinvestitionen.

In einem Interview für das Konferenz-Fernsehen warb Khalid Al-Falih für eine langfristig aufgestellte, robuste Öl-Lieferindustrie (inklusive Schiffen und Förderfirmen u.ä.). Dort sagte er auch, dass die Kosten für die Erschließung neuer Ölvorkommen leicht beim Doppelten dessen lägen, was noch vor 10 Jahren zu zahlen war.

Die Förderung von Tight Oil per Fracking in den USA nennt Al-Falih in diesem Video einen "Segen". Diese Entwicklung habe die Versorgungsprobleme neutralisiert, die in den vergangenen Jahren im Nahen Osten und Nordafrika aufgekommen seien. Die Ausweitung der US-Ölversorgung habe die Ölpreise davon abgehalten auf Preisniveaus zu "eskalieren", die die Märkte nach der Finanzkrise nicht hätten tragen können. Damit sagt der Firmenlenker im Grunde, dass das US-Fracking die Welt davor bewahrt hat, im Zuge der Bürgerkriege und Revolutionen in der MENA-Region (Middle East/Nord Africa) in eine schwere Rezession durch explodierende Ölpreise und Energieverknappung zu trudeln. Ohne Fracking in den USA steckten wir heute demnach bereits in großen wirtschaftlichen Schwierigkeiten, wie sie in pessimistischen Peak-Oil-Szenarien regelmäßig gemalt werden. Diese Erkenntnis zeigt zugleich, wie extrem abhängig unsere Wirtschaftsweise trotz "Energiewende" und weltweitem Solarboom von der Verfügbarkeit relativ preiswerten Öls ist. Und sie läßt erahnen, dass Risiken wieder zunehmen, wenn die us-amerikanische Ölförderung ihren neuen Peak in 2016 erreicht, wie das die EIA annimmt.

Keineswegs würde Saudi Arabien die Ölförderrekorde in den USA als Bedrohung ansehen, wird Khalid Al-Falih auch in der Kongress-Zeitung von Dienstag zitiert. Vielmehr importiert Saudi Arabien nun die Technologie für eigene Förderprojekte. In drei saudischen Gebieten wurden bereits Shale-Gas-Vorkommen entwickelt, die aber mangels Pipeline-Infrastruktur noch nicht befördert werden. Laut Khalid Al-Falih trug die Tight-Oil-Ernte in den USA auch zur Stabilisierung der Ölpreise auf hohem und damit investitionsbefähigendem Niveau bei, weil sie leicht zu regulieren sei - man könne die Tight-Oil-Förderung offenbar gut steuern. Die dadurch erzielten hohen, aber nicht wirtschaftsschädlichen Ölpreise sind hilfreich, um Investitionen z.B. in Offshore-Projekte zu stecken und die Ölversorgung auch in Zukunft zu sichern. Wenn die Aussage über die gute Steuerbarkeit der Tight-Oil-Förderung stimmt, erklärt dies in Teilen auch die relative Konstanz der Ölpreise zwischen 100 und 120 US$ seit 2011.

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45 Kommentare to “Saudi-Aramco-Chef fordert Ölbranche zu Investitionen auf”

  1. Michael Egloff sagt:

    Ich weiß nicht, ob man von einer „Steuerung“ der Fracking-Aktivitäten in den USA sprechen kann.
    Ich habe den Eindruck, es wird gefrackt wie besessen. Also eher ungesteuert, mit der Absicht der Generierung einer maximal möglichen Fördermenge.

    Ein Boom halt.

    • Michael Egloff sagt:

      Ergänzung: da ich mich prinzipiell zu der wahrscheinlichen Fehlerhaftigkeit meiner Prognosen bekenne, fällt es mir nicht schwer, auch diesen Irrtum zuzugeben: die stark Peak-aufschiebende Wirkungs sowohl des Fracking, als auch der EOR nicht erkannt zu haben.
      2008 hatte ich aus einem Bauchgefühl heraus den Peak Oil (alle fossilen Ölarten) für 2012…13 prognostiziert.
      Aber nach wie vor steigt die all-liquids-Menge (auch ex „Biosprit“) deutlich an. Eben vor allem dank Fracking und EOR.

      Bei EOR scheint mir in absehbarer Zeit die Grenze des physikalisch Möglichen in Reichweite zu sein, so dass ich nicht mehr mit diesen Zusatzeffekten wie in der Vergangenheit rechne. Höchstens insoweit, dass sich Länder, die bisher diese neuen Techniken noch nicht in der Breite einsetzen, dies zukünftig tun. Kandidaten wären z.B. Venezuela, der Iran, der Irak (derzeit aber kaum vorstellbar) usw.
      Z.B. Mexiko holt ja derzeit ausländisches Know How in seinen etwas rückständigen Ölsektor.
      Beim Fracking sind alle Szenarien nicht auszuschließen: angefangen von dem Szenario, dass der US-Frackingboom in seinem Ausmaß international eine Eintagsfliege bleibt, bis hin zu dem Szeanrio, dass andere Länder (z.B. Russland, China) mit Verzögerung jeweils ähnliche Zusatzmengen generieren.
      Das würde Peak Oil womöglich um weitere 10…15 Jahre hinausschieben.
      Wobei ich dieses „optimistischste“ Szenario bei Lichte betrachtet keineswegs als „optimistisch“ ansehe.
      Würde es doch unseren anthropogenen Anfangsimpuls für einen rückkoppelnden Klimawandel nochmals deutlich verschärfen und die ölgetriebene Überbeanspruchung natürlicher Ressourcen noch einmal verstärken.
      Das wäre ein Pyrrhus-Sieg, der zukünftigen Generationen von Menschen noch mehr Probleme bescheren würde.

      • Hendrik Altmann sagt:

        Im Grunde sagt das doch nur aus, das wenn nach der IEA, der Fracking Boom 2016 seinen Peak erreicht und danach in einen starken Decline fällt, (da ja Fracking wells eine hohe Decline Reate haben), wir in genau den Problemen stecken vor denen uns der Fracking Boom gerettet hat, oder sehe ich das jetzt falsch? Und Russland wollte 2020 so um die 200 bis 300 K bpd produzieren, mit Fracking soweit ich weiß, bin mir aber nicht ganz sicher.

        • Norbert Rost sagt:

          @Hendrik: gefracktes Öl hat einen hohen Decline pro Bohrung, aber das bedeutet nicht, dass die Summe aller Bohrungen denselben Decline nach dem Peak hat: Denn dies wäre nur der Fall, wenn man Peak alle Bohrungen sofort eingestellt werden. Das scheint mir unrealistisch. Die EIA geht ja auch von einem eher sanften Rückgang nach dem Peak aus: http://www.peak-oil.com/wp-content/uploads/2013/12/US-Oelfoerdung-2014-2040.png

          Dennoch spricht der Grundtenor deiner Aussage das Risiko an, vor dem wir stehen: Wenn das US-Tight-Oil der neue Puffer ist, der die Ausfälle in Libyen, Irak und Co. ausgleicht, trägt dieser Puffer erstmal recht sicher bis 2016 und wächst bis dahin sogar noch! Und es ist denkbar, dass weitere Puffer online gehen, weil Fracking offenbar nun langsam auch anderswo auf der Welt ausgerollt wird. Die Saudis experimentieren damit ebenfalls und auch Russland & Co. wollen das einsetzen.

          Risiken liegen aber darin, falls die Tight-Oil-Förderung tatsächlich höhere Kosten haben sollte, als angedacht und das ganze eine „Blase“ ist, wie manche glauben (siehe Link zu Finanzen100.de oben). Oder wenn die Finanzierungen für die weiteren Bohrungen ausbleiben, weil sich die Finanzmärkte verändern (z.B. durch steigende Zinsen). Dann könnte dem Puffer die Luft schneller ausgehen, weil nicht soviel „nachgefrackt“ wird.

          Natürlich gehen parallel andere Felder in den Decline, so wie aber auch neue Felder online gesetzt werden. Es ist schwer, da den Peak letztlich genau zu „terminieren“. Zumal zwischendurch ja in der MENA auch wieder Ruhe einkehren könnte und damit der US-Puffer gar nicht gebraucht wird…

          • Hendrik Altmann sagt:

            An einen sanften Rückgang glaube ich nicht, jeder weitere well der gebohrt wird ist weniger Wirtschaftlich als der letzte, (Best first Prinzip).
            Auch denke ich in dem Zusammenhang, mit der Tatsache, das viele der jetzigen wells schon Verluste einfahren nicht, das immer weiter neue Brunnen gebohrt werden, zwecks der Wirtschaftlichkeit. Ich denke das das nicht nur die Fördermenge der bestehenden Brunnen zurück gehen wird, sondern auch die Zahl der neu gebohrten Brunnen.

            • Michael Egloff sagt:

              Letztlich erhöht jede weitere krampfhafte Verlängerung des auf fossiler Energie basierenden Wachstumsparadigmas nur die Fallhöhe, macht also die Folgen gravierender.
              Genau wie übrigens auch die krampfhafte Verlängerung des gegenwärtigen Kreditzyklus, den man bereits als völlig überdehnt bezeichnen kann.
              Beides gehört ja untrennbar zusammen: „Ölzyklus“ und Kreditzyklus.
              Interessant dabei, dass man sowohl Teile der Öl- und Gasförderung als auch die sogenannten „geldpolitischen Instrumente“ als „unkonventionell“ bezeichnet.
              „Verzweifelt“ wäre treffender.

              Meine gegenwärtige (!) Prognose lautet, dass die Ökonomie, genauer gesagt das immer dysfunktionaler werdende Finanzsystem, der eigentliche Trigger des Peak Oil wird, eventuell noch im Zusammenhang mit geopolitischen Erschütterungen.
              Dieser finanzsystemisch induzierte Peak wird dem rein geologisch induzierten Peak zuvorkommen.
              In einer Kombination aus Vernichtung von Massenkaufkraft und Investionskraft.
              Überhaupt wird einem flüchtigen Beobachter (und fast niemand mehr ist in dieser overnewsden Welt ein gründlicher Beobachter) die kommende Entwicklung wie eine reine Krise des Finanzsystems erscheinen, und nicht als Ressourcenkrise.
              Was bei genauer Betrachtung eben nur die halbe Wahrheit ist. Denn die Verfügbarkeit an billigen (!) physischen Ressourcen ist die Basis jeder mehrwerterzeugenden und stark arbeitsteiligen Wirtschaft.
              Das Finanzsystem ist nur das schwächste, weil am meisten überdehnte und am meisten virtualisierte Glied der Kette.
              So, wie das Finanzsystem heutiger Art nicht ohne die physische Basis der Wertschöpfung existieren kann, kann auch die immer kapitalintensivere Gewinnung von Schlüsselrohstoffen – vor allem Öl – ohne ein gut funktionsfähiges Finanzsystem nicht in ausreichendem Maß abgesichert werden.

              • Hendrik Altmann sagt:

                Da bin ich deiner Meinung Michael, auch ich sehe das Fracking und die Teersand Produktion als Verzweiflung an, das bestehende Wirtschaftssystem so lange wie Möglich am leben zu halten. Ich habe in einigen Artikeln gelesen das nur wenige Fracking Brunnen auch tatsächlich Profitabel sind, daraus schließe ich das, das ganze vielleicht nur gemacht wird um ein total Kollaps der Wirtschaft zu verhindern, vielleicht mit versteckten Subventionen vom Staat?

      • Patrick sagt:

        @Klimawandel

        Neulich lief bei Arte wieder eine Sendung mit dem Titel „Dem Klima auf der Spur“
        Auch dort wird von mehreren Seiten erwähnt, dass sich die Veränderungen z.B. des grönländischen Eisschilds sehr viel schneller ereignen, als man noch vor einigen Jahren angenommen hatte.
        Alles in allem jedenfalls keine guten Nachrichten.

        • Plepe sagt:

          Ja, die Doku hat mich auch ziemlich schockiert, obwohl mir die Auswirkungen des Klimawandels anundfürsich bewusst sind. Die Aussichten sind wohl viel schlimmer als wir alle annehmen.

          Ich denke in 20 Jahren wird das böse Erwachen kommen …

          • Michael Egloff sagt:

            Wenn es nicht so traurig wäre, könnte man lauthals darüber lachen:
            der IPCC wird von den sogenannnten „Klimaskeptikern“ als Panikmacher diffamiert.
            Tatsächlich liegen aber die aktuellen Wete des Meeresspiegelanstiegs, der Gletscherschmelze in Grönland und der Westantarkris und das Abtauen des arktischen Meereises über den negativsten Prognosen, die der IPCC vor 10 Jahren verkündet hat.
            An Hand der Entwicklungen der letzten Jahre kann man also den IPCC als ausgesprochen optimistisch bezeichnen.

    • Norbert Rost sagt:

      Den Eindruck hab ich auch.
      Aber Khalid Al-Falih sagt etwas anderes – oder zumindest interpretiere ich seine Aussage im verlinkten Video so. Falls das jemand anders interpretiert (oder meine Interpretation seiner Aussage bestätigt), würde ich mich über einen Kommentar hier freuen.

      • peakenergy sagt:

        Meine Interpretation des Interviews mit Herrn Al-Falih ist folgende:
        Ohne die weltweiten Fracking Aktivitäten
        würde es bereits jetzt zu einer signifikanten Verknappung des Öls kommen. Folge: Eine systemische und lang anhaltende Wirtschaftskrise mit einem großen Einbruch der Ölnachfrage und tiefen finanziellen Verwerfungen. Folge einer solchen Krise wäre dann ein Einbruch der Ölpreise und ein Investitionsstopp mangels Kapital. Insofern stabilisiert das Fracking wohl tatsächlich (trotz der Verluste der amerikanischen Fracker) die Situation. Die Ölpreise sollen hoch, aber nicht zu hoch sein oder gar plötzlich stark steigen.
        Wenn schon Saudi Arabien Fracking begrüßt und gut 15% seiner Öleinnahmen in neue Explorationen steckt, lässt sich erahnen, wie es um die Saudi Arabische Ölproduktion steht.
        Passend zum Interview von Herrn Al-Falih hier noch ein Interview aus dem Jahre 2011 von Fatih Birol, dem Chefökonomen der IEA:
        http://www.youtube.com/watch?v=iKkISqOCnVA
        Fatih Birol sagt sehr viel direkter was Sache ist und was die Chefetagen der Konzerne auch wissen (Solche Journalisten wie die Interviewerin in diesem Video wünschte ich mir mal bei unseren „Leitmedien“).

        • Hendrik Altmann sagt:

          genau peakenergy, du erwähnst ja auch die Unwirtschaftlichkeit der Fracking Geschichte, um einen Absturz der Förderung zu verhindern, müssten irrsinnig viele neue Brunnen aufgestellt werden, die dann deutlich weniger fördern als die ersten paar tausend, also auch deutlich weniger profitabel sind, sprich völlig unprofitabel. Warum sollten die Ölkonzerne sich in so einen wirtschaftlichen Selbstmord verheddern? Eine hohe Decline Rate pro Brunnen, bedeutet doch das riesige Mengen neuer Brunnen aufgestellt werden müssten, um nicht einen ebenso hohe Decline Rate in der Gesamtproduktion zu erhalten. Ich denke genau diese Problematik macht doch die Fracking Bubble aus oder nicht?

          • Norbert Rost sagt:

            @Hendrik: Diese Dynamik des „Neubohrens zwecks Ausgleichen des Decline der alten Bohrungen“ ist aber in der EIA-Analyse mit großer Wahrscheinlichkeit schon eingepreist. Die 2016er Peak-Fracking-Prognose hat die „Ersatzbohrungen“ schon einkalkuliert – mit einem eher sanften Decline der „Summe aller Förderbohrungen“.

          • peakenergy sagt:

            Vielleicht sollten wir davon wegkommen, den Fracking Boom unter rein wirtschaftlichen Gesichtspunkten zu sehen. Es ist zur Zeit wichtig, das die Ölmengen bereitgestellt werden. Das muss ja gar nicht unbedingt wirtschaftlich sein, solange man am Ende jemanden hat der die Zeche (=Verluste) zahlt. Irgendwann gehen halt Firmen pleite und Anleger verlieren Geld. So etwas passiert im Kapitalismus.

            • Norbert Rost sagt:

              Das ist ein sehr interessanter Gedanke! Allerdings ist er sehr zwiespältig, denn er bedeutet dann wohl, dass das Fracking planwirtschaftlich bzw. im Sinne einer Kommandowirtschaft durchgeführt wird.

              Ich hatte das im GelbenForum mal als „Fluidums-Änderung“ angedacht, der Gedanke treibt mich immer noch um:
              http://www.dasgelbeforum.net/forum_entry.php?id=262980

              Allerdings zeigt ja auch die Geldpolitik sowohl durch die FED wie auch die EZB (oder die japanische Notenbank), dass es dort schon lange nicht mehr „marktwirtschaftlich“ zugeht, sondern systemstabilisierend. Alte Dogmen sind da längst auf dem Haufen gelandet. Die Wechselwirkungen zwischen Finanz- und Energiesystem sind ja kaum erforscht und schon gar nicht verstanden…

              • peakenergy sagt:

                Für solch eine Plan- und Kommandowirtschaft gibt es ein Beispiel aus der nahen Vergangenheit. Die sogenannte Bankenrettung in der Finanzkrise 2008. Da war gar nichts mehr mit Marktwirtschaft. Warum sollte man nicht auch notleidende Ölfirmen retten. Die sind ja auch wie es so schön heisst „systemrelevant“.

              • Stefan Wietzke sagt:

                Das ist eigentlich gar nicht so kompliziert. Gehen wir mal von einem an sich funktionierenden System aus. Das bedeutet im größten Teil der monetarisierten Wirtschaft (also der BIP-Bereich) funktioniert einigermaßen nach den Regeln einer Wettbewerbswirtschaft und der Geldmarkt ist nicht aufgepumpt, sondern die umlaufende Geldmenge entspricht in etwa dem realen Produktivkapital.
                Energie macht nun nichts anderes als Arbeitskraft zu ersetzen. Sie erhöht also die Arbeitsproduktivität (Basis jeden realen Wachstums).
                Da bei einigermaßen funktionierendem Wettbewerb die Preise gegen die Grenzkosten streben, ist der Preis einer Ware ein ganz gutes Maß für die ihr enthaltene Arbeit. Produktivitätssteigernd kann Energie nur dann sein, wenn der Aufwand für die Bereitstellung nutzbarer Energie sowie für Entwicklung, Bau und Betrieb der arbeitsersetzenden Maschinen jetzt weniger Arbeit benötigt wird, als ich ersetzen kann. Ansonsten macht die ganze Nummer keinen Sinn. Jedenfalls nicht im Sinne von Wachstum.
                Das Wachstum ist also tot, sobald die Energie zu teuer, sprich der Aufwand zu ihrer Bereistellung zu hoch wird.

                Ein einfaches Beispiel: Zwei Arbeiter brauchen 10 Stunden um 100 Tonrohling herzustellen. Jetzt erfinden sie eine Maschine, die dafür sorgt, dass sie nur noch 1 Stunde brauchen. Die Maschine funktioniert mit Holz. Über die Lebenszeit muss der Aufwand für Bau, Instandhaltung und das Schlagen und Heranschaffen des Holzes unter 9 Stunden je 100 Rohlinge bleiben. Sonst hätte man das weiter von Hand machen können.

                Was die Notenbanken machen hat eine tiefer liegende Ursache. Da das reale Wirtschaftswachstum schon seit langem unterhalb der durch Zinsen und Renditeerwartungen vorgegebenen Erwartungen liegt (unter anderem wegen dem beschriebenen Effekt, ist aber nicht der Einzige), sprich die Renditen nicht erzielbar sind, hätte es jetzt entweder zu globalen Abschreibungen (was nichts anderes als ein Schuldenschnitt ist) kommen müssen. Das wollte keiner. Also bläst man die Geldmenge auf. Damit können die Renditeerwartungen auf dem Papier erst mal erfüllt werden. Verschwinden die Renditen, gibt es aber auch keinen Grund mehr in irgendwelche Zukunftsprojekte/Technologien etc. zu investieren. Jedenfalls dann nicht, wenn es einem vor allem um Rendite geht. Das trocknet die Finanzierungsbasis weiter aus. Also Geld verschenken.

                Das geht so lange gut, bis irgendeiner schreit, der Kaiser ist ja nackt oder irgendwann versucht wird, dieses Illusionsvermögen auf breiter Front in echte Werte zu tauschen. Assetinflationen kommen ja nicht zufällig daher.

  2. Stefan Wietzke sagt:

    Es ist wichtig, den Blick nicht zu verengen. Ich bleibe bei der Überzeugung, dass die tatsächlich förderbare Menge eher unwichtig ist.

    Öl war bis vor etwa 10 Jahren nie ein Markt. Der Preis wurde durch das Nachfragekartell des Westens politisch unten gehalten, denn nur billige Energie kann ein Produktivitätswachstum und damit überhaupt Wirtchaftswachstum erzeugen. Erst als China, das in das Kartell aus poltischen und kulturellen Gründen nicht eingebunden ist, eine aureichende Größe erreicht hat, hat sich so was wie ein Markt eingestellt.
    Die Analyse der bisherigen Ölpreis/Wachstumskrisen lässt erwarten, dass das Wachstum in entwickelten Volkswirtschaften dann entgültig abgewürgt wird, wenn die Ausgaben für Öl etwa 6% des Welt-BIP erreichen. Dann ist der Förderaufwand so hoch, wie der induzierte Produktivitätsfortschritt.

    Das ist wie bei einem Schiff. Nur so lange wie das Gewicht des verdrängten Wassers größer ist als das Eigengewicht des Schiffes schwimmt es.

    Ich kann jetzt zwar die Förderung subventionieren (z.B. durch Umweltzerstörung, Steuererleichterungen, Spritzuschuss wie in vielen Ländern des Nahen Ostens), aber damit entziehe ich der Volkswirtschaft trotzdem die entsprechenden Mittel. Fällt nur nicht so direkt auf.

    Steigt der Preis über die genammte Grenze vernichtet er sogar Produktivität. Das bedeutet dann ein reales Schrumpfen der Wirtschaft. Das bedeutet der Güteroutput geht zurück.

    Aleine der steigende Förderaufwand ist für unser Wirtschaftssystem also tötlich. Den ersten Husten gab es 1973, dann folgte durch Verschleppung die Grippe und seit 2007 ist die Lungenentzündung ausgebrochen.

    Die gesellschaftlichen Auswirkungen sind ja längst spürbar. In Mittel- und Nordeuropa eher weniger aber in Südeuropa und den USA bereits massiv.

    Der Pfad nach unten ist also längst beschritten. Fragt sich nur wie sich das Gefälle entwickelt.

    Und was die Wachstumsfreunde nicht sehen wollen, ist die Tatsache, das nicht die Abkehr von der Wachstumsreligion in die Steinzeit führt, sondern das Festhalten an ihr.

    • Stephan sagt:

      Und dann gibt es noch das Problem des steigenden Bedarfs in den Förderländern Dank steigendem Wohlstand und/oder steigender Bevölkerungszahlen sowie das Problem der schlechter werdenden Ölqualität (Stichwort Schwefelgehalt).

      Dann gibt es aber noch die Möglichkeit auf Bioenergie (Biomasse, Windenergie, Wellenenergie, Geothermie, Wasserkraft, Solarenergie) umzusteigen.

      Nicht ganz vergessen darf man auch den härter werdenden Konkurrenzkampf, der in Kriege ausarten könnte, wie man gerade am Beispiel der Auseinandersetzungen zwischen Kanada und Russland um arktische Ölvorkommen bzw. Rohstoffe sehen kann.

      • Stephan sagt:

        Sorry, Verwechslung, statt Bioenergie muss es alternative Energien heissen.

      • Stefan Wietzke sagt:

        Alternative Energien können das Öko- und das poltische Abhängigkeitsproblem lösen, jedenfalls dann wenn ich sie lokal bereitstellen kann.

        Das Wachstumsproblem lösen sie leider nicht, denn ihre Bereitstellung ist ebenfalls sehr aufwändig. Wenn nicht, hätte sie sich ganz alleine durchgesetzt. Alternative Energien müssen die Gleichen Eigenschaften liefern wie fossile Energieträger hinsichtlich

        – Energiedichte
        – Speicherfähigkeit
        – Transportfähigkeit
        – Austauschbarkeit
        – Transformierbarkeit

        Keine alternative Quelle tut das. Alleine der daraus resultierende Zwang sehr viele Technologien parallel einsetzen zu müssen, verringert das Produktivitätspotential durch Begrenzung des Mengeneffektes.

        Zusätzlich ist das Potential vieler Quellen beschränkt:

        – Wasser, weitgehend genutzt, weiterer Ausbau führt zu kolossalen Umweltschäden
        – Biomasse, kaum zusätzliches Potential. Schon der heute verwendete Anteil (macht den mit Abstand größten Teil heutiger regenerativer Energien aus), führt zu massivem Raubbau

        – Strom aus Wind, Solar, Wellen: Extrem aufwändig, da ich hoch entropische Energie in niederentropische wandeln muss. Es hat schon einen Grund, warum nicht schon frühe Hochkulturen Wind in der Breite als Energiequelle eingesetzt haben. Windmühlen und Segelschiffe sind ja keine Erfindungen der Neuzeit. Und auch Fortschritte in Engineering und Materialkunde hebeln die Grundgesetze der Thermodynamik nicht aus.

        Ein Beispiel für den Aufwand:
        Die wahrscheinlich billigste Art Strom regenerativ zu erzeugen, sind Parabolrinnenkraftwerke in Regionen mit sicherer Sonneneinstrahlung. Wenn man den erwarteten Strombedarf für 2100 zu Grunde legt, modernste Technologien anwendet (4mm beschichtetes Spezialglas) und eine Lebensdauer eines Spiegels von 20 Jahren ansetzt (was noch erhebliche technische Fortschritte benötigen würde), dann liegt der Weltbedarf an Spiegelglas bei etwa 2 Mrd. Tonnen pro Jahr. Und das nur für die Instandhaltung.

        Und dran denken: Strom macht nur ein Viertel des Energiebedarfs aus.

        Und nie vergessen: 2,3% reales Wachstum bedeuten eine Verzehnfachung in 100 Jahren und eine Verhundertfachung in 200 Jahren.

        • Hendrik Altmann sagt:

          Und das wichtigste alternative Energien werden zurzeit massiv von fossilen subventioniert in Produktion, Transport, Wartung und Bereitstellung der Produktionsmaterialien. In 50 Jahren müssten die Alternativen ohne diese Subventionierung auskommen, und dann wäre da noch die Energieinfrastruktur auch massivst subventioniert…

        • Stephan sagt:

          Zum Thema Biomasse antworte ich schon mal weiter unten, weil das ein einfach umfangreiches Thema ist.

  3. Hendrik Altmann sagt:

    Das Problem einer Subventionierung wäre, das die Kosten immer weiter steigen würden mit abfallender EIoER. Auch würde der Großteil des Aufwandes, für eine solche Subvention vom kleinen Bürger bezahlt, von seiner Arbeitsenergie abgezogen werden.

    • Stefan Wietzke sagt:

      Eben. Subventionierungen lösen ein Kostenproblem nicht, sondern verschieben es nur. Deshalb bin ich grundsätzlich ein Gegner jeder Art von Subventionen und Verschiebungen. Sie haben zwei unangenehme Effekte. Sie führen zu einer Fehlalokation volkswirtschaftlicher Mittel und verzehren die Problemwarnehmung von Gesellschaften. Außerdem werden aus strukturellen Gründen nie alle Bürger gleichmäßig an der Finanzierung beteiligt. Und von den Subventionen können auch nie Alle partizipieren.

      Und du hast natürlich Recht. Am Schluss zahlen die, die sich am wenigsten wehren können.

      • Hendrik Altmann sagt:

        Genau deswegen brauchen wir schnellstens einen Masterplan der Weltgemeinschaft, sowie große Investitionen in den Umbau, sowie sollte das Thema in die große Öffentlichkeit getragen werden.
        Die Problematik tot zu schweigen hilft niemanden, die Transition Bewegung kann unmöglich alles alleine stemmen.

  4. Stephan sagt:

    Mehrere Schlechte Nachrichten für Fatalisten, aber gute für andere Leute ;-)

    Ein quasi biologisch arbeitender Maisbauer aus den USA, genauer aus Illinois, hat 2012, während einer extremen Dürreperiode (schlimmste seit 50 Jahren) etwa sieben (in Zahlen: 7! ;-) ) mal mehr Mais pro Hektar geerntet wie seine konventionell arbeitenden Kollegen:

    Gottgewollt oder vom Menschen gemacht?
    Die große Dürre im Maisgürtel der USA
    Von Susanne Arlt, Beitrag vom 05.12.2012

    Der 49-Jährige hat ausgesprochen gute Laune. Auch wenn in den vergangenen Wochen in Monmouth kaum ein Tropfen vom Himmel gefallen ist, geht es seinem Mais prächtig. […]“Die Bauern hier sprechen davon, dass sie aufgrund der Dürre nur zwölf Scheffel Mais pro Hektar in diesem Jahr ernten werden. Ich werde vermutlich 80 Scheffel pro Hektar einfahren.

    Seit zwölf Jahren bearbeitet der Farmer seinen Acker nicht mehr auf althergebrachte Weise. Per Luftdruckluft bringt er jetzt den Dünger in die Erde und legt das Saatgut gezielt direkt darauf. Das schone Umwelt und Geldbeutel, sagt der 49-Jährige. Nach der Ernte lässt er die Pflanzenreste einfach liegen. Der Boden erodiert nicht mehr und kann den Regen besser speichern. In Zeiten der Dürre ist das ein Segen. Ein Geschenk des Himmels? Davis, gottesfürchtig und konservativ wie die meisten Farmer im Mittleren Westen, grinst und sagt dann:

    „Den Boden nicht zu bearbeiten – das ist der einzig wahre Weg. Aber die Menschen hier sind stur. So wie sie ihre Haare seit 50 Jahren immer in eine Richtung kämmen, so bearbeiten sie eben auch ihren Acker.

    http://www.deutschlandradiokultur.de/gottgewollt-oder-vom-menschen-gemacht.979.de.html?dram:article_id=230076

    Im Artikel wird noch erwähnt, dass die anderen Baueren ihre Äcker vier bis fünf Mal pro Jahr bearbeiten/umgraben. Dadurch wird das aktive und für die Pflanze notwendige Bodenleben stark gestört.

    Der oben erwähnte erstaunliche Ertrag des Maisbauern entspricht dem, was der Biobauer Friedrich Wenz in seinem Vortrag (3. Teil) im April 2011 anhand von einigen Fotos erklärt hat (ein Vergleich zwischen seinem Feld und das eines Nachbarn):

    moderner biologischer Landbau Teil 3
    https://www.youtube.com/watch?v=Bvcln-Le_7o

    Auf dem Wenz’schen, neu übernommenen konventionell bearbeiteten Feld aus dem Jahr 2002, ergibt sich, bei einer sehr ungünstigen Witterung im Jahr 2004, trotz geringer Bearbeitung und ohne Dünger (und Pflanzenschutzmittel?) ein guter Ertrag, gegenüber einem eingebrochenen Ertrag beim Nachbarn. D.h. in nur 2 Jahren, mit geringer Humusneubildung, ergab sich ein sehr gutes Ergebnis, was bedeutet das weniger die Humusquantität als vielmehr die Humusqualität entscheidend ist.

    • Stephan sagt:

      Nächste gute Nachricht:

      Möglichkeiten der Sanierung verseuchter Böden mit Hilfe von Pilzen

      Die Infos stammen aus dem Film „Pilze – Pioniere der Biotechnologie“ (51min19s). Darin wird u.a. beschrieben wie Pilze mit Hilfe von selber produzierten Enzymen Mineralöle/Erdöl (innerhalb von vier(!) Monaten) so aufbereiten können, dass auf dem ehemals verseuchten Boden wieder Pflanzen wachsen können (ab 8min30s):

      Pilze – Pioniere der Biotechnologie
      von Karl Napp, Veröffentlicht am 09.12.2013
      http://www.youtube.com/watch?v=Vke_BraoyTw

      Die Technik nennt sich „Mycoremediation“ und dazu gibt es jede Menge Infos im Netz.

      Ein sehr interessanter englischer Artikel dazu mit Bildern über die Möglichkeiten, mit Hilfe von Pilzen, die Ölpest der Deepwater Horizon in den Griff zu kriegen:

      The Petroleum Problem
      Date: 06/03/2010 00:35 Posted by Paul Stamets

      http://www.fungi.com/blog/items/the-petroleum-problem.html

    • Hendrik Altmann sagt:

      Nun müssen nur noch diese neuen? alten! Bearbeitungsformen in die breite Anwendung. Allerdings bin ich ein wenig skeptisch über die Erträge, ich meine wenn tatsächlich solch gute Erträge (Profite) erzeugt werden, warum muss der Herr Wenz noch Vorträge
      machen und die Werbetrommel schlagen? Ich kann nur hoffen das an diesen Erträgen was dran ist.

      • Patrick sagt:

        Ich vermute mal, dass Herr Wenz ein Pionier ist und hier sehr viel Idealismus vorhanden ist, diese Methoden den Bauern näher zu bringen.
        Ich glaube gerne, dass die meisten Bauern die Dinge genau so handhaben wie die Eltern und Großeltern…da klingt so eine „neumodische Methode“ wahrscheinlich für so eingefahrene und sture Bauernköpfe (sorry!) erstmal nach Schabernack.
        Inzwischen sind die Bauern vermutlich so auf Spur der Agrochemie und Agrotechnik gebracht, dass die den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sehen. Jedenfalls stelle ich mir das Bauern-Völkchen schon als sehr schwierige Gruppe vor, besonders wenn die sich etwas „sagen lassen müssen“.

        Daher hoffe ich darauf, dass Herr Wenz ein Scharlatan ist sondern diese Methoden unbedingt verbreiten will. Es wäre in unser aller Interesse!
        Ähnlich engagierte Menschen finden sich ja überall auf der Welt, das konnte man in diversen guten Dokumentationsfilmen sehen.

    • Michael Egloff sagt:

      Selbst, wenn der Farmer kaum höhere Ertäge als seine nicht lernwilligen Kollegen gehabt hätte, wären seine Methoden sinnvoll.
      Einfach wegen der deutlichen Verminderung der Bodenerosion und der Verbesserung der Bodenqualität.
      Ackerboden wird heute meistens behandelt wie Dreck.
      Dabei ist er wertvoller als Gold.
      Kein Mensch braucht Gold zum (über-)leben. Fruchtbaren, intakten Ackerboden aber auf jeden Fall.
      Selbst wenn der Farmer beim Vergleich seiner Ernteerträge übertrieben haben sollte – die anderen sollten schleunigst von ihm lernen.
      Ich mache das in meinem Garten genau so: mulchen und nur oberflächliches leichtes auflockern der Oberfläche.
      Grasabschnitt, Laub, sogenannte Ernteabfälle und Küchenabfälle – alles wird um Mulchen und zum Kompostieren genutzt.
      Auf künstlichen Dünger verzichte ich komplett.
      Derzeitige gärtnerisch produktiv genutzte Fläche: 500 Quadratmeter, weitere 1000 in Reserve – wenn ich mal mehr Zeit habe.

      • Michael Egloff sagt:

        Ergänzung: auf Grund einer leichten Hangneigung (ca 3% Neigung) habe ich die Beete terassiert. Das stoppt die Erosion durch Starkniederschläge.
        Mir graust es, wenn ich sehe, dass in bergigen Regionen die Ackerfurchen auch noch in der Regel hangaufwärts angelegt werden.
        Als wollte man die maximal mögliche Bodenerosion erreichen.

      • Hendrik Altmann sagt:

        Das ist richtig ich bin auch voll hinter der nachhaltigen Landwirtschaft, nur wenn sie nicht wenigstens die selben Erträge bietet oder man damit höhere Preise erreichen kann, hat sie gegen die industrielle kaum eine Chance, in der heutigen Profit orientierten Marktwirtschaft.

        • Stefan Wietzke sagt:

          Das hat nicht nur mit Profit zu tun. Denn der Preis ist ein Ausdruck für den Aufwand. Steigt der, muss der Preis höher sein. Im Umkehrschluss bedeutet dass, das der Anteil den du für Ernährung ausgeben musst steigt. Ergo, bleibt weniger für andere Güter übrig. Du kommst aus der Falle nicht raus, dass ein gewisser Konsumverzicht unumgänglich ist.

          Es geht dann eher darum, weniger Konsum positiv aufzuladen wie Paech und Welzer das versuchen.

          Trotz der Diskussion über Konsumverstopfung: Verzicht ist erst mal weniger. Ich wär ja schon froh, wenn wir uns aus dem „immer mehr“ mal lösen könnten. Und das gilt für alle. Denn der Treiber ist ja nicht nur der Käufer sondern vor allem der, der ihn dafür bewundert. Und das tun auch die, die gar keine Möglichkeit haben selbst am Spiel teilzunehmen. Wie wäre es mal nicht die Moderatoren im Fensehen dafür zu bewundern, dass sie für ihr belangloses Gelaber Millionen kassiert, sondern sich wundern, warum jemand so blöd ist das zu bezahlen. Und dann die Glotze einfach mal aus lassen.

          • Hendrik Altmann sagt:

            Ich meinte mehr den Profit, also das was du als Gewinn einbehälst, jedes Unternehmen strebt einen möglichst hohen Profit an, denn bedeutet ein hoher Profit zugleich
            man kann die unliebsame Konkurrenz die weniger Profitabel ist aus dem Rennen drängen. Konsumverzicht ist so eine Sache, wenn es einzeln tun bringt es wenig, da die Ressourcen gleich von anderen Konsumfreudigen genutzt werden.
            Tun es alle werden Ressourcen für Wachstum frei, und wir stehen wenig später vor dem selben Problem, Expansion und Wachstum ist der zweitstärkste Trieb nach dem Überlebenstrieb in der Natur, zu der wir auch gehören, den den Gottstatus haben wir noch nicht erreicht.
            Nach meiner Meinung ist das Wirtschaftssystem hier unser Problem, da es das Ökosystem versucht zu imitieren, sprich immer weiter zu Expandieren und zu wachsen wo es nur geht, das Ökosystem nur hatte Milliarden Jahre zeit sich perfekt an die Ressourcen der Erde anzupassen und diese nicht zu überdehnen.

    • Stefan Wietzke sagt:

      Gab da auch einen Bericht, ich glaube aus Sierra Leone, wo es gelungen ist durch Zwischenpflanzungen mit einem einheimischen Gewächs ausdedörrt Böden innerhalb weniger Jahre wieder zu regenerieren. Ich bleibe da auch weiterhin dabei: Ein recht gutes Leben auf diesem Planeten ist für eine ziemlich große Bevölkerung möglich. Wir wissen auch alles, was wir dafür brauchen. Wir können nur an unserer eigenen Dummheit scheitern.

      • Hendrik Altmann sagt:

        Auch hier sehe ich das bestehende Witschaftssystem als eigentlichen Problemfaktor, in diesem System wirst du halt nicht belohnt nachhaltig zu wirtschaften, außer du bist profitabler als die nicht nachhaltig wirtschaftenden Unternehmen. Als Dummheit würde ich es nicht bezeichnen, wenn man in diesem Wirtschaftssystem operiert, muss man sich halt an die Spielregeln halten, oder man fliegt raus, die große Herausforderung ist das ganze System zu kippen, und ein neues zu integrieren was Nachhaltigkeit belohnt, dann könnten auch all die Methoden die von die angesprochen wurden zu Einsatz kommen Stefan, den ohne Frage würden sie uns einer nachhaltigen Welt viel näher bringen.

      • Michael Egloff sagt:

        Natürlich können Zwischenfruchtpflanzungen sehr wertvoll sein.
        Beispielsweise Leguminosen-Kulturen, die die Stickstoffversorgung der Böden verbessern.
        Zwischenfrüchte und Mulchung haben eine gemeinsame Aufgabe: den Boden möglichst überhaupt nicht ungeschützt Wind, Trockenheit oder Regen auszusetzen und die Erosion zu minimieren. Wobei natürlich JEDE landwirtschaftliche Nutzung eine höhere Ersosion mit sich bringt als bei dem urzeitlichen artenreichen und dichten Mehrgenerationsbewuchs außerhalb der Eiszeiten.
        Aber zwischen den Erosionsraten wirklich (!)ökologischer oder rein profitorientierter Landwirtschaft klaffen natürlich Welten.
        Wobei mir klar ist, dass sich auch nicht-ökologische Landwirte oft nicht gerade durch Reichtum auszeichnen, sondern oft eher durch Schuldenreichtum.
        Die wirklichen Übeltäter sind letztlich die Lebensmittelverbraucher mit ihrer Jagd nach den blligsten LEBENSmitteln.
        Unser Wohlstandsmodell ist generell nicht annähernd haltbar, wollten wir die langfristige Weiterexistenz der Menschheit absichern.

        Ein besonders krasses Beispiel für extrem kurzsichtige Landnutzung sind die immer ausgedehnteren Energiemaiskulturen.
        Die Vegetationsphase dieser Pflanzenart macht das Anpflanzen von Zwischenfrüchten fast unmöglich. Auch gemulcht wird natürlich nicht, denn die gesamte Biomasse wird ja für die „Bio“-Gasproduktion genutzt.
        So liegen diese Äcker gerade im Frühjahr ungeschützt. Was im energiemaisreichen Nordeutschland immer wieder zu Staub- oder Sandstürmen führt, die an Sandstürme in der Sahara erinnern. Wie bei der durch den Sandsturm verusachten Massenkarambolage in Meck Pomm vor 3 Jahren:

        http://www.sueddeutsche.de/panorama/autobahn-bei-rostock-massenkarambolage-im-sandsturm-mehrere-tote-1.1083092

        Dazu kommt, dass diese Monokulturen oft jedes Jahr auf den gleichen Flächen angepflanzt werden, ohne Fruchtwechsel oder einjährige Brachzeiten.

        Die „grüne“ Energieerzeugung aus Biomasse ist in größeren Teilen das ganze Gegenteil von nachhaltig, sondern schädigt teilweise die Basisressourcen Boden und Wasser sehr stark.
        Nicht alles, was „Erneuerbare Energie“ heißt, ist vernünftig.

        • Stefan Wietzke sagt:

          Schön das du das wunderbare deutsche Wort Lebensmittel, nämlich Mittel zum Leben betonst.
          Demnächt ist wieder Ernte Dank Fest. Noch vor nicht allzu langer Zeit wurde dieses Fest von vielen begangen weil ihnen die Abhängikeit von unserer Umwelt bewusst war. Aber umso mehr wir den Abstand zwischen diesen Dingen und uns erhöhen umso mehr erscheinen sie uns Wertlos im tiefsten Sinne des Wortes. Es geht eben auch immer um eine Wertedebatte. Und die kann nur von unten kommen.

        • Patrick sagt:

          i.P. volle Zustimmung.

          Allerdings hat man in der Sendung „Zukunft pflanzen“, die mal bei ARTE lief, u.a. davon berichtet, wie in Mexico auch Mais in Mischkultur angepflanzt wird. Es scheint also auf jeden Fall zu funktionieren.
          Nur eben wahrscheinlich nicht in einer industriellen Form von Landwirtschaft.
          Aber das ist die einzige, die heute praktisch noch wahrgenommen wird.
          Ohne diese wären unsere Lebensmittelpreise sehr viel höher und ein Massenkonsum wie im heutigen Wirtschaftsmodell wäre gar nicht mehr möglich.

          Erst die möglichst billige Befriedigung der Grundbedürfnisse haben ja das heutige System überhaupt erst ermöglich!
          Der Kapitalismus braucht also billiges Essen. Sonst ist Ende.

        • Stephan sagt:

          Hier ist ein passender Artikel vom Februar diesen Jahres zu eben diesem Problem des Maisanbaus in England zu sehen mit einem entsprechenden Bild dazu:

          Muddying the Waters
          (Verschlammung des Wassers)
          Posted February 18, 2014 by George Monbiot

          Am Freitag fuhr ich zur Quelle der Themse. 300 Meter rund um den Stein, der die Quelle markiert, befanden sich gepflügte Felder, die sich im Einzugsgebiet türmten, die ohne jegliche Bedeckung im Winter und durch schwere Maschinen verdichtet waren. Schlammiges Wasser floß die Straßen herunter. Ein paar Kilometer weiter flußabwärts wird es wieder in den Wohnzimmer erscheinen. Man kann das gleiche entlang des gesamten Themse Einzugsgebietes sehen: 330 km Idiotie, optimal konstruiert um Katastrophen zu produzieren.

          Sie mögen vielleicht bisher dem naiven Glauben angehangen haben, dass wenn man Milliarden an wohlhabende Landbesitzer verteilt, dass man etwas dafür zurückbekommen würde, etwas anderes als das endlose Jammern der britischen Farmer Gewerkschaft. Aber die Politik wurde in diesem Land so gut in Beschlag genommen, dass die Defra – was früher mal Ministerium für Umwelt, Lebensmittel und Landwirtschaft hieß – heute „Wir tuen alles was die Farmer Lobbyisten sagen“-Ministerium bedeutet. Wir zahlen 3,6 Mrd. Pfund pro Jahr für das Privileg unsere Tiere auszurotten, unsere Landschaft kahl zu machen, unsere Flüsse zu vergiften und unsere Wohnzimmer überfluten zu lassen.

          http://permaculturenews.org/2014/02/18/muddying-waters/

          George Monbiot schreibt übrigens wöchentlich eine Kolumne im Guardian (das ist die Zeitung, die zwar ziemliche Probleme aufgrund ihrer Veröffentlichungen zu den staatlichen Überwachungspraktiken in Großbritannien hatte, aber vor kurzem leider dadurch aufgefallen ist, dass sie als eine der ersten die Mär von dem zerstörten russischen Phantomkonvoi verbreitete, es war glaube ich sogar ein Journalist des Guardian, der einer der Urheber dieser Ente war).

          Man könnte dennoch Mais umweltfreundlich anbauen, wenn man z.B. zwei bis drei Wochen nach der Maisaussat Klee einsäen würde oder gleich auf Direktsaat umsteigen würde, d.h. wenn man die Maissamen direkt in eine Wiese säen würde (genauer wohl in eine kleine Rille).

          • Stephan sagt:

            Der Klee würde zum einen den Boden bedecken und gleichzeitig mit Hilfe seiner Knöllchenbakterien einen großen Teil der von der Maispflanze benötigten Energie liefern.

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