Zum Textbeginn springen . Zur Navigation springen .

Ölpreisverfall: Billionen-Risiko und kollabierende Nordseeölindustrie

Goldman Sachs hat 400 zukünftige Großprojekte zur Ölförderung untersucht, ob diese bei einem Ölpreis von 70 US$ noch profitabel sind. Weniger als ein Drittel dieser Projekte sind noch profitabel, Projekte im Gesamtwert von 930 Milliarden US$ sind es nicht mehr. Mithin besteht das Risiko, dass diese Investments mehr kosten als ihre Ölförderung einbringt. Diese Projekte stehen für eine Ölförderung 7,5 Millionen Barrel Öl pro Tag im Jahr 2025. Ihr Platzen würde also eine enorme Menge Zukunftsöl vom Markt nehmen.

Hinzu kommt, dass der aktuelle Ölpreis schon 10 Dollar unter der Analyse-Grenze von Goldman Sachs liegt und somit noch mehr Projekte betroffen wären. Auch sind die Tight-Oil und Schiefergas-Gebiete in den USA noch nicht in diese Analyse einbezogen - vermutlich weil sie aus vielen kleinen Projekte bestehen und nicht als ein Großes. Die Gerüchte, der Fracking-Boom der USA basiere auf inzwischen faulen Krediten, halten sich hartnäckig und könnten, die Vorstufe zu einer neuen Finanzkrise darstellen. Bloomberg zitiert den Energieminister der Vereinigten Arabischen Emirate damit, dass die OPEC erst eingreifen würde, wenn der Ölpreis unter 40 US$ sinkt.

Für 2015 stehen laut Bloomberg in den Ölfirmen Investitionsentscheidungen für 800 Projekte in Höhe von 500 Milliarden US$ an. Das aktuelle Preisniveau dürfte starken Einfluss darauf haben, ob die Entscheidungen zugunsten oder zuungunsten der Projekte ausfallen. Je länger das aktuelle Ölpreisniveau anhalte, umso mehr der "Zombie-Projekte" würden aufs Abstellgleis geschoben und damit könnte der anschließende Ölpreis-Anstieg umso rasanter ausfallen, warnt Bloomberg.

Dazu passt ein Bericht der BBC, nach welchem in der Nordsee beim aktuellen Ölpreis kein einziges neues Ölförderprojekt mehr profitabel wäre. Die Budgets in den aktiven Firmen würden für 2015 zurückgefahren, Personal entlassen, Projekte stillgelegt. ConocoPhillips entlässt in Großbritannien 230 von 1650 Arbeitern und kündigt eine Kürzung des Investitionskapitals um 20% für 2015 an. Goldman Sachs zufolge wäre eine Kürzung von 30% der Investitionsbudgets quer durch die Branche denkbar. Der Nordsee-Förderer Apache kürzt das Gehalt der Mitarbeiter ab 1. Januar um 10%.

Die Entwicklung widerspricht völlig den Szenarien der Internationalen Energieagentur, wonach in den kommenden Jahren jährlich 900 Milliarden US$ in neue Öl- und Gas-Investments gesteckt werden müßten, um das Förderniveau aufrecht zu erhalten. Allerdings hat die IEA auch schon andere prophetische Aussagen gemacht, so 2011, als sie vor einer Ölkrise ab 2015 warnte, wenn nicht genügend Investitionen fließen würden. Die Situation in der Nordsee bedroht zudem die sowieso schon wacklige europäische Ölversorgung. Der europäische Selbstversorgungsgrad mit Öl schrumpfte 2013 auf 26,5% auf das Niveau von 1982. Seitdem die Nordsee-Förderung 1996 ihren Peak erreichte schrumpft Europas Ölförderung seit 2002 um 4 bis 7% pro Jahr. Der Ölpreisverfall könnte die Entwicklung beschleunigen.

Jeden, der sich auch nur ein wenig mit Marktmechanismen auskennt, sollte dieser extreme Preiseinbruch beunruhigen.
Manche Ökonomen, die nun über das tolle “Konjunkturprogramm” und den Sieg über Öl-Oligarchen und Scheichs jubeln, kommen mir vor wie manche Urlauber in den Weihnachtsferien 2004 auf Phuket, die sich darüber freuten, wie herrlich breit plötzlich der Strand wurde und wie die Fische auf dem freigelegten Meeresgrund zappelten…
Ein Kommentator

Leider haben Politik, Behörden und die meisten Unternehmen diese Entwicklung weiterhin auf der leichten Schulter, obwohl sich hier ein Doppelrisiko aus Finanz- und Energiekrise auftürmt. Eine Peak-Oil-Strategie wird in den meisten Institutionen weiterhin nicht oder nicht angemessen diskutiert.

Guter Artikel? Wertschätzung per: Flattr this! Bitcoin-Adresse: 197sddH9NhoSXuQLKx6pTSSe6oEJPf9xNa

24 Kommentare to “Ölpreisverfall: Billionen-Risiko und kollabierende Nordseeölindustrie”

  1. Michael Egloff sagt:

    Solche Statements in den Golfstaaten, wie das, man würde erst bei unter 40 Dollar eingreifen, ist ein Hinweis darauf, dass die relevanten Teile der OPEC Gefallen gefunden haben an den abstürzenden Ölpreisen.
    Natürlich nicht an den niedrigen Ölpreisen als solchen, aber an der mit ihnen verbundenen Konfusion in Teilen der Hochkosten-Förderländer, die sich nun anbahnen könnte.
    Die Golfstaaten bauen wohl darauf, dass sie in wenigen Jahren um so kräftiger absahnen können, wenn die Fracking-, die Terrsand- und die Tiefseeblase geplatzt sind.
    Vermutlich wird die Entwicklung ihnen recht geben. Dann wäre das Frohlocken des Westens über die „ohnmächtige OPEC“ schnell vorbei.
    Es stimmt eben nicht, dass auf der letrzten OPEC-Konferenz keine Entscheidung getroffen wurde.
    Auch die Entscheidung, nichts zu tun gegen die abstürzenden Ölpreise, ist eine Entscheidung und keine Nicht-Entscheidung.
    Und zwar eine von den relevanten Teilen der OPEC bewusst getroffene Entscheidung und kein Akt der Ohnmacht.

  2. Hendrik Altmann sagt:

    Diese Entwicklung ist höchst beunruhigend, wer hätte gedacht das, das beste Szenario als Ursache für den niedrigen Preis der Ukraine Konflikt sein würde, das schlimmste wäre wohl ein wirtschaftlicher Weltkrieg der Ölfördernationen um Marktanteile.

    Nordamerika hat mit aller Macht jedes Jahr die Produktion von Öl und Gas drastisch erhöht, und damit eine Gegenreaktion provoziert.

    Und ja Saudi Arabien hat gute Karten in diesem Spiel als Gewinner hervor zu gehen, das Ziel kann nur sein die Welt hoch abhängig von Öl zu halten, und der wichtigste Produzent zu bleiben, das alles erreicht man mit einem niedrigem Ölpreis, Nord Amerika und Russland werden wohl den kürzeren ziehen in diesem Krieg um Marktanteile.

  3. Bruno Müller sagt:

    Hallo Hendrik,

    aber das wird Saudi Arabien auch nicht helfen.
    Sie sind doch wie ca. 95 % aller Staaten zu 99 % von internationaler bis globaler Arbeitsteilung abhängig, welche wichtige Produkte produziert, wie z.B. elektronische Bauteile, welche z.B. die Kraftwerkes-Regelkomponenten benötigen, damit es ausbalanciert stabil Strom im Netz gibt. Selbst Notstromaggregate laufen nicht ohne funktionierende Elektronik. Kein Strom – kein modernes Leben. Nur eines von vielen Beispielen.

    Wenn Russland und die USA wegen deutlichen Ölmarktverschiebungen so abschmieren, dass sie in eine tiefe Rezession fallen, und davon ist auszugehen, wenn sie deutlich Öl-Marktanteile verlieren oder die Eigenverbrauchsproduktion drastisch zurückfahren müssen, kollabieren die Weltmärkte mit, kollabieren die global arbeitsteiligen Produktionslinien und somit auch Saudi Arabien.

    Ich denke, das ist allen Akteuren sehr bewusst. Darum frage ich mich nach dem Sinn des Ganzen – und finde keinen Sinn. Aber da passt Marcus Krachts Beobachtung in seinem Aufsatz „Geisterschiff“ sehr gut, dass es gar keinen Plan mehr gibt, weil es, so meine ich, offensichtlich keinen Plan mehr braucht. Durchwursteln bis es knallt und dabei noch mal die Muskeln spielen lassen, weil Mann es einfach so gewohnt ist.

    Theorie abgehandelt. (Oh je, andere haben noch nicht einmal die Theorie hierzu gefunden, wie Herr Strohmann, CDU vom Bremer Senat – doch ich arbeite daran).

    Praktisches Handeln beginnen, weiterführen, vollenden – so viel Resilienz wie nur möglich, für seine Gemeinde, sein Lebensumfeld, seine Familie, für sich, schaffen – materiell, sozial und psychisch – und nicht vergessen: Beten lernen.

  4. Frank Bell sagt:

    Meeensch, seid ihr alle Pessimisten!

    HIER die gute Nachricht:

    Ölpreis-Absturz rettet Frankreichs Wirtschaft

    Quelle:

    http://www.welt.de/wirtschaft/article135551834/Oelpreis-Absturz-rettet-Frankreichs-Wirtschaft.html

    Oder werden wir etwa wieder veräppelt???

    • Stefan Wietzke sagt:

      Nein, wir werden nicht veräppelt. Für alle einigermaßen breit aufgestellten Industrienationen ist der Ölpreisverfall ein wunderbares Konjunkturprogramm. Und die zusammen erzeugen global nicht nur die meißten Güter, sondern wickeln auch den Welthandel weitgehend unter sich ab. Wenn ein paar Förderländer dann wirtschaftlich kollabieren, ist das solange für die anderen Belanglos, solange dadurch keine politischen Unruhen ausgelöst werden, die die Rohstoffproduktion gefährden.

      Und das dann vielleicht ein paar Millionen Leute wirtschaftlich abstürzen, interessiert ja hier nun nicht wirklich.

      Spannend wird erst der nächste Preisanstieg. Unterbleiben nämlich jetzt die langfristigen Investitionen, schafft das die Vorraussetzungen für einen neuen Preisrekord.

      Aber ich bleibe dabei: Ich glaube der Ölpreis wird real (außer kurze spekulative Übertreibungen) nicht weit über 120 $ steigen. Denn dann ist es für die hochentwickelten Industrienationen nicht mehr möglich noch Prodouktivitätsgewinne zu erzielen. Auf mittlere Sicht ist der Ölpreis nach unten durch die durchschnittlichen minimalen Produktionskosten gedeckelt und nach oben durch die Zahlungsfähigkeit der globalen Volkswirtschaft.

      Noch pumpen wir etwa 75% der Förderung aus alten „billigen“ Feldern. Die haben Produktionskosten von z.T. unter 20 $. Aber deren Anteil nimmt weiter stetig ab. Und jeder zusätzliche Aufwand um die Förderung in diesen Feldern oben zu halten, erzeugt halt zusätzliche Kosten.

      • Roderik sagt:

        Sinkende Ölpreise sind in Ländern, die Erdöl importieren auf kurze Sicht so eine Art „Konjunkturprogramm“. Auf mittlere oder längere Sicht könnte es ein reines Nullsummenspiel sein . wie hier erklärt wird: Was wir in der Binnenkonjunktur gewinnen, verlieren wir beim Export.

        http://www.flassbeck-economics.de/billiges-oel-konjunkturprogramm-fuer-die-welt/

        • Stefan Wietzke sagt:

          Flassbeck ist einer der wenigen Ökonomen der sein Hirn benutzt und wirklich versucht hinter die Dinge zu sehen.

          Seine Argumentation hinsichtlich der Finanzströme ist plausibel, aber nicht hinsichtlich der Güterverteilung. Denn die rohstoffexporierenden Staaten (gilt eben nicht nur für Öl), verbrauchen nämlich keineswegs die Güter die dem tatsächlichen Wert ihrer Exporte entsprechen. Damit sponsern sie mit ihren viel zu billig abgegebenen Rohstoffen die Industriestaaten.

          Wenn man David Ricardos Theorie des komperativen Handelsvorteils folgt, dürfte das eigentlich gar nicht passieren. Und von deren Gültigkeit geht Flassbeck in seiner Argumentation aus (tun eigentlich alle Ökonomen).

          Ricardos Theorie ist bestechend. Im Kern besagt sie, dass zwei Volkswirtschaften aus ihrem Handel immer einen Vorteil ziehen können, wenn beide sich auf ihre Kernkompetenzen konzentrieren (das ist trivial). Aber das Geniale an seiner Erkenntnis war, das das auch dann gilt, wenn der eine Partner dem anderen in jeglicher hinsicht produktiv überlegen ist. Intiutiv würde man erwarten, dass dann der Stärkere die gesamten Gewinne auf sich konzentriert. Ricardo konnte das mathematisch vollständig und wiederspruchsfrei nachweisen. Trotzdem funktioniert das in der Praxis häufig nicht.

          Ich habe lange gebraucht, um dahinter zu kommen woran das liegt. Denn es kann viele Ursachen dafür geben. Nicht funktionierende Märkte, besonders starke Unterschiede in Einkommen und Leistungsfähigkeit zwischen den Volkswirtschaften usw.

          Der richtige Antwort ist aber eine andere und versteckt sich direkt in Ricardos Werk.
          Als Beispiel zur Erläuterung seiner Theorie verwendet er ein einfaches Modell mit England und Portugal als Handelspartner und nur zwei Produkten, nämlich Wein und Tuch. Ricardo betrachtet damit von Anfang an Konsumprodukte. Das bedeutet er setzt implizit voraus, dass die Arbeitsteilung zwischen den Volkswirtschaften vertikal erfolgt, jeder der Partner also eine Bündel kompletter Wertschhöpfungsketten kontrolliert und aus diesen den Ertrag erwirtschaften kann. Das ist zwischen den Industrienationen zweifellos gegeben. Daher funktioniert sein Ansatz hier auch.

          Aber im Kontakt mit unterentwickelten Volkswirtschaften ist das nicht so, denn hier erfolgt die Arbeitsteilung horizontal. Also es verteilen sich nicht gesamte Wertschöpfungsketten auf die Staaten, sondern Wertschöfpungsstufen.

          Innerhalb einer Wertschöfpungskette gibt es aber genau zwei Punkte, von der aus sie kontrolliert werden kann. Entweder über den Kundenzugang (also das Ende der Kette) oder über benötigte Rohstoffe (also den Anfang der Kette). Dejenige der die Kontrolle über eine Wertschöpfungskette inne hat, bestimmt aber auch die Verteilung der Erträge endlang dieser Kette.

          Von Seiten der Industriestaaten, die immer noch 80% des Konsumpotentials auf sich vereinen ist klar das sie das Ende der Kette kontrollieren.

          Die Rohstoffseite haben aber andere im Griff haben. Und gesamtwirtschaftlich sind diese weniger von den Produkten der Industriestaaten abhängig als umgekehrt. Die Rohstoffpreise hätten also seit langem viel höher sein müssen.

          Das das nicht so ist, hat nun keine ökonomischen, sondern schlicht soziale und politische Gründe, die ich hier aber aus Platzgründen nicht diskutieren will.

          Die horizontale Arbeitsteilung ist übrigens der Grund, warum unterentwickelte Nationen wirtschaftlich nicht über Freihandel aufsteigen können. Sondern das gelingt nur über folgenden Mechanismus: Abschotten des eigenen Marktes, dann gnadenlos erfolgreiche Nationen kopieren. Und das nicht nur technisch sondern auch hinsichtlich Organisation, Methoden und produktivitätsrelevanter gesellschaftlicher Funktionen. Gnadenlos den Export unter Nutzung des eigenen Lohnvorteils ankurbeln. Sobald dann eine vertikale Marktverteilung möglich ist, kann man die Handelsschranken abbauen. Alle Nationen die England auf dem Weg in die Industralisierung erfolgreich gefolgt sind, haben das so gemacht. Von Deutschland über Japan bis zu China.

          Ricardos Theorie funktioniert, aber nur unter bestimmten Randbedingungen.

  5. Roland Mösl sagt:

    2008 stellte ich er erstmals vor. 2011 hielt ich darüber eine Keynote beim GELS – Global Economic Leaders Summit:

    Wir brauchen eine internationale Organisation für den Ölausstieg.

    • Stefan Wietzke sagt:

      Das wird nicht funktionieren. Der Grund dafür ist einfach die globale „Gerechtigkeitslücke“ und der notwendige Abschied von der Idee eines globalen Wachstums.

      Seit dem entstehen der ersten Hochkulturen ist die Güterverfügbarkeit immer extrem ungerecht verteilt gewesen. Kein Gesellschaftsmodell hat daran je etwas geändert. Immer hatten die oberen 5% einen Zugriff auf mehr als die Hälfte der Vermögenswerte. Außer bei besonders blutigen Revolutionen, bei denen man dann diese 5% schlicht eliminiert hat. Und dann dauerte es meistens nicht lange und die alte Verteilung war wiederhergestellt. Es gilt der alte Satz: „Der Trog bleibt, nur die Schweine haben gewechselt.“

      Warum sollte irgend jemand massiv auf Wohlstand verzichten, wenn andere das nicht tun?

      Solange Typen wie Leonardo DiCaprio, der wahrscheinlich einen ökologischen Fußabdruck wie ein halber indischer Bundestaat hat, vor der Uno über Klimawandel schwadronieren, wird sich da gar nichts tun.
      Die früh industrialisierten Staaten müssten nicht nur ihr Wohlstandsniveau drastisch runterschrauben, sondern auch einen erheblichen Teil davon in den Rest der Welt umlenken.

      Einfach mal abschecken, wer bereit ist auf das materielle Wohlstandsniveau in der Mitte der 60er Jahre zurückzukehren. Da war Europa kein darbender Kontinent mehr und man konnte da ganz gut leben. Vielen Leuten kommt das aber heute wie die Steinzeit vor.

      Ich bin daher auch nicht so optimistisch wie Harald Welzer und Niko Paech. Die ja recht haben, dass wir bei einer Verabschiedung vom Konsum auch viel gewinnen können.

      Aber die Leute fühlen sich ja schon massiv bedroht wenn Deutschland mal ein paar Flüchtlinge aufnimmt (nicht alle).

      Nein, schon das Ansinnen einer globalen „Zusammenarbeit“ halte ich für nicht richtig. Die westlichen Industriestaaten haben die Nummer angezettelt. Und wenn die mal von 50% von ihrem Konsum runter sind, dann können sie bei den anderen mal höflich anfragen, ob die nicht auch mitmachen wollen.

      P.S. Wie schon Tainter in seinem Buch „Collapse of complex societies“ schreibt, sind große Zusammenbrüche auch immer große „Gleichmacher“. Die Vermögenspanne nimmt dann massiv ab. Das blöde daran ist aber eine zweite alte Erkenntnis: „Gleichheit gibt es nur im Elend.“

  6. Ert sagt:

    Spannende Zeiten… ich erinnere mich immer noch gut an den Vortrag von Kopits – und den Preisen, die die Producer haben. Zusammen mit dem Investbedarf den auch der WEO thematisiert ist das alles uberhaupt nicht gut. Was solls… das es vor 2020 kritisch wird – damit habe ich immer gerechnet… nutzen wir alle die geborgte Zeit.

    P.S.: Ich bin noch da, aber bis ende Jannuar habe ich kaum Zeit fuer Internet & Co. – Nutze die geborgte Zeit ;-)

  7. Marcus Kracht sagt:

    Lieber Norbert,

    die Entwicklung widerspricht der IEA nur insofern, als man die von der IEA vielleicht sogar gewollte Interpretation verwendet, dass die Investitionen, die kommen *müssten* auch tatsächlich kommen *werden*. Zwischen Wollen und Können liegt ein riesiger Unterschied, und die Kluft wird sich sehr schnell weiten. Man sollte diese Verschiebung sehr genau beobachten, sie findet sehr oft statt, in allen Bereichen.

    Marcus

  8. Frank sagt:

    Gute Bestandsaufnahme von Norbert zur gegenwärtigen Situation. Selbst Lieschen Müller müsste erkennen, dass bei diesem Preisniveau in einem Jahr nennenswerte Mengen fehlen werden.

    Saudis Oil Minister Naimi ist vergleichbar mit der Yellen von der FED. Wenn die sprechen bebt der Markt.

    Er scheint dies schon vorweg zu nehmen.

    http://peakoil.com/publicpolicy/saudi-oil-minister-naimi-says-oil-price-drop-temporary

    Der Ölpreis hat gestern einen satten Sprung nach oben hingelegt.

    Von der Psychologie müssten wir die tiefsten Preise gesehen haben.

    Für eine satte wirtschaftliche Erholung der Wirtschaft werden die Ölpreise nicht lange genug auf diesem niedrigen Niveau bleiben.

    Auf der anderen Seite sind scheint die Ölindustrie schon finanziell angeschlagen zu sein.

    2015 wird ein wirklich spannendes Jahr.

    • Michael Egloff sagt:

      Vor allem fällt auf, wie hektisch es gegenwärtig auf dem Ölmarkt zugeht. Preissprünge von 3 bis 4 Dollar im Tagesverlauf, sowohl nach unten wie auch nach oben, gehören schon fast zur Normalität.
      Deshalb würde ich keine Wette abschließen, ob wir die Tiefstpreise schon gesehen haben. Zur Zeit reichen schon halbwegs schlechte Konjunkturdaten aus China, um den Preis noch einmal 5% absacken zu lassen.

      Beim jetzigen Preislevel verbuchen die sechs größten westlichen Ölfirmen tägliche Mindereinnahmen von ca. 320 Millionen Dollar, die tight-oil-Frackingfirmen täglich ca. 160 Millionen Dollar, im Vergleich zur Jahresmitte.
      Sress pur für Vorstände und Aktionäre.
      O.k., einige haben Versicherungen gegen fallende Preise abgschlossen. In den Fällen dann eben Stress pur für die versicherungsgebenden Banken und Fonds, bis die Versicherungen auslaufen.
      Versicherungen gegen Preisturbulenzen dürften zukünftig sehr teuer werden.
      Wie auch die Verzinsung der Anleihen der Fracking-Firmen deutlich ansteigen wird.
      Also: niedrigere Einnahmen (derzeit ca. -40%) plus steigende Fremdkapitalkosten bei schon vordem sehr hohem Verschuldungsgrad.

      • Michael Egloff sagt:

        Übrigens sehr interessant die Information von Steffen Buckold, dass in den USA in einigen Regionen noch nicht einmal der WTI-Preis erlöst werden konnte und die 50-Dollar-Marke in Einzelfällen unterschritten wurde.
        Auch das ein Beleg für den Stress im Ölmarkt.

  9. Dieter Schmitz sagt:

    @ Stefan Wietzke

    Zum Wohlstandsverzicht:

    Es geht natürlich nicht an, dass sich immer nur der kleine Mann einschränken soll (Rente mit 67, keine Lohnerhöhung, alles wird teurer, nicht nur „gefühlt“), während die Reichen immer reicher werden und das mit staatlicher Unterstützung („Leistungsträger“).

    • Stefan Wietzke sagt:

      Da hast du völlig recht. Das Einschränken müsste immer von „oben“ anfangen.
      Aber dann kann man ja keine schönen Artikel in der GALA mehr schreiben, wie die Superreichen in ihren Schlössern abhängen oder auf ihren 120 Meter Yachten rumdüsen.

      Es ist eben nicht nur so, dass die „Reichen“ anderen bewusst was wegnehmen wollen, sondern das wir als statusorientierte Spezies dieses biologisch determinierte Ding nicht ablegen können.

      Und genau da hat Niko Paech sowas von Recht. Wenn wir unseren Status im wesentlichen über materielle Dinge symbolisieren, dann kann es keine „reduktive Moderne“ geben.
      Nur über einen kulturellen Wandel kann das gelingen. Oder über die brutale Variante. Und die endet immer damit, dass die „oben“ einfach mehr Mittel haben sich weiterhin den Zugriff zu sichern.
      Das war ja genau der Tenor einer NASA-Studie hierzu. Große Einkommensuterschiede verhindern nach ihrem Modell die rechtzeitige Krisenreaktion einfach dadurch, das die am oberen Ende die Probleme erst spüren wenn der Karren schon im Dreck steckt. Am Ende haben sie zwar die selben Probleme wie die Armen, aber eben erst viel später.

  10. Tom schülke sagt:

    Richard heinberg hat eine sehr schöne Zusammenfassung der aktuellen Situation geschrieben…

    http://www.postcarbon.org/the-oil-price-crash-of-2014/

  11. thomas sagt:

    Triangle of Doom Chart bei Erdöl und Gold ein link von mir vom 7.Nov 2014 bin ziemlich angeflamed worden als ich wagte im standard forum auch ein problem für die omv … http://bit.ly/1wZg7iB

  12. Flint sagt:

    WTI 53 Dollar pro Fass, einfach nur Unglaublich wie DUMM diese Leute sind. Ja man muss zugeben sie haben eine wahnsinnige Macht über die Welt der Menschen,Noch. Und doch wird der Zeitpunkt kommen an dem der Preis steigen wird, man könnte nun hier anführen …die OPEC hat keine Lust mehr auf Machtspielchen oder auch die Nachfrage übersteigt das Angebot. Völlig egal welcher Grund es auch sein wird,irgendwann wird es so Schlimm werden das auch der Letzte Treudumme erkennen wird, wir wurden verarscht , der Profite wegen.

Diesen Eintrag kommentieren: