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Erdgas-Beben in Groningen: Gebäudesanierung kostet 6,5 Mrd. Euro

Das Groningen-Erdgasfeld im Norden der Niederlande ist das größte Europas und das zehntgrößte der Welt. Entdeckt 1959 und befördert seit 1963 wird es seit ersten Erdbeben ab 1986 verdächtigt, für zahlreiche Erdbeben verantwortlich zu sein. Oder besser gesagt: Die Gasförderung aus diesem Feld. Das jüngste Erdbeben ereignete sich zwischen Weihnachten und Neujahr. Eine Bebenstärke von 2,8 auf der Richterskala wurde gemessen.

Titelte das Oil&Gas-Journal zum 50jährigen Entdeckungsjubiläum 2009 noch, das "Groningen-Gasfeld werde weitere 50 Jahre Gas bereitstellen", so wurde die Kürzung der Förderung Anfang 2014 durch die niederländische Regierung beschlossen. Nun berichtet der Telegraaf basierend auf einem Ingenieur-Bericht, dass Ertüchtigung von 30.000 bis 90.000 Gebäuden in der Region notwendig ist, um den zahlreichen Beben zu widerstehen. 6,5 Milliarden Euro könnte der Umbau kosten. Beauftragt wurde die Studie vom niederländischen Wirtschaftsminister Kamp, nachdem 2012 ein Beben von der Stärke 3,6 gemessen wurde. Laut Telegraaf hatten Seismologen solche Bebenstärken zuvor nicht für möglich gehalten und kamen danach zu dem Schluss, dass die durch die Gasförderung ausgelösten Beben stärker sein könnten, als gedacht. Der Umbau der Häuser ist ein Mega-Unterfangen, bei dem die Region von zahlreichen Baugerüsten geprägt sein dürfte und bei dem die Bewohner zumindest zwischenzeitlich ihre Wohnungen verlassen müssen.

Bis 2013 erzielte die niederländische Regierung Erlöse von ca. 12 Milliarden Euro jährlich aus dem Gasfeld. Durch die angestrebten Förderkürzungen von 49 bis 54 Millionen Kubikmeter auf bis zu 40 Millionen Kubikmeter in 2016 sinken die staatlichen Erlöse vorausichtlich um 600 Millionen Euro in 2014, 700 Millionen in 2015 und 1 Milliarde ab 2016. Über 2 Billionen Kubikmeter Gasvolumen wurden der Erdkruste in der Region seit Förderbeginn entnommen. Kaum verwunderlich, dass sich die Erdkruste neu "zurechtbewegt". Ob die Förderkürzung tatsächlich auch die Beben reduziert muss sich erst noch zeigen. Das Beben zum Jahreswechsel verdeutlicht, dass die Erdbeben nicht einfach aufhören, weil man weniger Gas entnimmt. Zu den schrumpfenden Fördererlösen kommen nun also noch zusätzliche Milliardenausgaben für die Ertüchtigung der Gebäude in der Region. Das Verhältnis zwischen Staatsschulden und Wirtschaftsleistung stieg von 58,5% in 2009 auf 73,5% in 2014, Mindereinnahmen und Zusatzausgaben verschärfen das Schuldenproblem.

Die Niederlande erreichten ihr Ölfördermaximum 1994 und ihr Gasfördermaximum 1996. Das Land ist dennoch der elftgrößte Gasförderer der Welt und lieferte 2013 mehr als ein Viertel der deutschen Gasimporte. Die Niederländische Regierung erließ im Dezember ein Fracking-Moratorium, was es bis 2016 verbietet, Fracking-Aktivitäten vorzunehmen. Diese Haltung verwundert angesichts der Erdbeben-Frage nicht, wird doch auch Fracking für Erdbeben verantwortlich gemacht.

(Dank an Jurriaan)

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15 Kommentare to “Erdgas-Beben in Groningen: Gebäudesanierung kostet 6,5 Mrd. Euro”

  1. Michael Egloff sagt:

    Die Niederlande sind ohnehin das meistverschuldete OECD-Land, insbesondere „dank“ der immensen Privatverschuldung seiner Bürger, die alleine schon das Dreieinhalbfache der niederländischen Wirtschaftsleistung beträgt.
    Siehe hier:

    http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/schulden-der-welt-mckinsey-studie-belegt-deutlichen-anstieg-a-1016749.html

    Und was Bergbauschäden angeht: da braucht man nur mal ins dichtbesiedelte Ruhrgebiet schauen.
    Auch in zig oder gar hunderten Jahren wird es dort noch Gebirgsschläge und Absenkungen geben, weshalb man ja auch von „Ewigkeitsschäden“ spricht.

    Fazit: selbst, wenn die Segnungen des fossil-atomaren Energieparadieses und des sonstigen Bergbaus längst der Vergangenheit angehören werden, sind die Kosten noch von denen zu tragen, die nicht mehr Bewohner dieses Paradieses sein werden.
    Sei es durch die Klimaveränderungen, durch die Akkumulation petrochemischer Substanzen und Schwermetalle in der Biosphäre, durch die Endlagerproblematik, oder eben durch die Bergbau-Ewigkeitsschäden.

    Ich möchte lieber nicht wissen, wie zukünftige Geschichtsschreibung über unsere Epoche urteilen wird…

    • Stefan Wietzke sagt:

      Ich wohne ja im Ruhrgbiet. Was kaum einer weiß ist das der Boden sich her durch 150 Jahre intensiven Bergbau um etwa 30 Meter gesenkt hat. Aber nicht die Tagesbrüche oder „Nachsackungen“ sind das Problem. Die haben inzwischen weitgehend aufgehört.

      Das eigentliche Problem ist, dass ein Teil des westlichen Ruhrgebiets und des Niederrheins durch die Absackung unterhalb des Rheinpegels und der natürlichen Grundwasserlinie liegt. Hier muss also „für immer“ Wasser abgepumpt werden, wenn man nicht die Region dort in eine große Seenplatte verwandeln will. Obwohl, das hat vielleicht auch was für sich.
      So ist die Oberlausitz inzwischen ein sehr schönes Seenland geworden und sogar die Versauerung hat man im Griff.

      Aber das ging auch nur weil da immens viel Geld reingeflossen ist (und noch fliest) um die Region zu rekultivieren.

      • Michael Egloff sagt:

        Ja, die Lausitz ist bei Weitem weniger dicht bewohnt, als das Ruhrgebiet. und die dortigen Tagebaue befinden sich im nicht besiedelten Gebiet (oder dort, wo vorher Ortschaften evakuiert wurden.
        Im Ballungszentrum Ruhrgebiet wäre eine Seenlandschaft eine verdammt teure Angelegenheit.
        Mir ist übrigens bekannt, dass es nach wie vor zu Gebäude- und Infrastrukturschäden im Ruhrgebiet durch kleinräumigere Erdabsenkungen und Erdfälle kommt, hauptsächlich durch sehr alte und nicht sehr tiefgelegene Stollen, die in meist in keiner Karte verzeichnet sind. Erst vor wenigen Wochen gab es dazu einen TV-Bericht.

        Ganz besonders große und fortschreitende Schäden gibt es übrigens in Teilen der Welt durch eine Sonderform des „Bergbaus“, durch die exzessive Wasserentnahme aus Grundwasseraquiferen.
        Um nur mal zwei Beispiele zu nennen:
        Mexiko City verzeichnet riesige Absenkungen und immense Gebäudeschäden durch die Wasserentnahme.
        Und in den nächsten Jahrzehnten befürchtet man, dass mehr als die Hälfte des Stadgebiets von Bangkok in den Fluten versinkt durch die Kombination von Bodenabsenkung und ansteigendem Meeresspiegel.
        Das würde mal eben 5…6 Millionen Einwohner betreffen.
        Und von diesen Beispielen gibt es hunderte.

  2. Michael Egloff sagt:

    Übrigens,
    die neuen Zahlen zu den US-Erdölimporten (Monat Dezember 14) sind veröffentlicht worden.
    Danach ist die US-Importmenge sehr deutlich angestiegen, von 6,296 mb/d im November auf 7,980 mb/d im Dezember.
    Auch gegenüber dem Vorjahresmonat (7,428 mb/d) gab es einen beachtlichen Anstieg.
    Quelle: Querschüsse.de

    Was den Frackern auch zusetzen wird, ist der US-Gaspreis, der derzeit bei 2,60 Dollar liegt, und damit 40% niedriger als vor 2 Monaten.

  3. Bruno Müller sagt:

    Oha, Investitionen von 6,5 Mrd. Euro wegen Magnitude 3,0 – 3,5. Da wird der Architekt hellhörig.

    Leider kann ich kein holländisch um den genauen Wortlaut des Artikels im Telegraaf nachlesen zu können. Die Begründung der dort zitierten Ingenieure, warum nachgerüstet werden muss und wie sie die nachträgliche Stabilisierung von Gebäuden angehen möchten, würde mich schon sehr interessieren.

    Die Region, in der ich Planungsaufgaben wahrnehme, befindet sich in der Erdbebenzone 3. Das ist die höchste, die es in Deutschland gibt (Es gibt 0 bis 3. Vor 2005: 0 bis 4). Daher gehört die Auseinandersetzung mit den Erdbebenrichtlinien zum Alltagsgeschäft. Bereits in der Entwurfsphase ist zu berücksichtigen, dass man dem Tragwerksplaner geometrisch etwas anbieten muss, wo er die Krafteinleitungen im Lastfall Erdbeben (Querbeschleunigungskräfte) in den Baugrund ableiten kann. Beachtet man das nicht, darf man aufwendig umplanen.

    Grob gesagt war das Ziel der alten Erdbebenrichtlinien (vor 2005) folgendes: Das Gebäude darf, beim in dieser Region als schwerstes erwartetes Erdbeben, nicht in sich zusammenfallen und es dürfen keine Ziegel vom Dach fallen. Die neuen Erdbebenrichtlinien (seit 2005) sind so ausgelegt, dass es kein markantes Rissbild in den Fassaden geben darf. Die neue 3 ist also „schärfer“ als die alte 4.

    Es werden hier Querbeschleunigungskräfte angesetzt, die sich bei einer Maximalintensität (Epizentralintensität) von lo = 8 ergeben. Das entspricht einer Magnitude von ca. 6,0. Beim letzten „großen“ Beben hier in der Region im Jahre 1978 mit Magnitude 5,7 ist kein einziges Gebäude in sich zusammengefallen, auch kein Altes aus den Nachkriegszeiten der 50er Jahre, als mit Zement extrem gespart wurde. Die Schadensbilder an den Fassaden waren jedoch z.T. beträchtlich.

    Nun frage ich mich, warum in einer Gegend, in der mit Maximalmagnituden um die 3,5 gerechnet wird, 6,5 Mrd. Euro für die nachträgliche Ertüchtigung von Gebäuden ausgegeben werden muss? Das klingt nach guter Lobbyarbeit von der Ingenieurskammer, um die noch immer lahmende Bauwirtschaft seit 2009 in den Niederlanden ein wenig in Schwung zu bringen. Auch Gebäudeversicherungen sind daran interessiert, möglichst wenig Schadensfälle bearbeiten zu müssen.

    Das Letztere war im Übrigen die inoffizielle Begründung, warum sich die Erdbebenrichtlinien in Deutschland verschärft haben. Es handelt sich dabei um nichts anderes, als um eine Kostenverschiebung von der Versicherungswirtschaft zur Bauherrschaft. Offiziell geht es um mehr Sicherheit für die Bürger. Wie so oft und immer öfters: Mit Angstmacherei kann so manches bewegt und verdient werden.

    • Norbert Rost sagt:

      Danke für diesen fachlichen Einschub. Wünsche mir mehr Architekten, die da einen Blick drauf werfen. Übersetzung des Artikels ist unterwegs zu dir.

    • Jur sagt:

      @Bruno

      Der Inhalt des Gutachtens ist scheinbar (noch nicht) öffentlich. Die Zeitung de Telegraaf berichtet nicht, wie die 6,5 Milliarden zustande kommen. Der genannte Betrag schließt aber auf jeden Fall laut de Telegraaf noch keine Schulen, Kirchen, gewerbliche Gebäude, Brücken, Leitungen etc. mit ein.

      Ich weiß nicht, ob es große Unterschiede zwischen der Bausubstanz in dem betroffenen Gebiet in Groningen und der Region wo Du planst gibt. Auf einem Bild im verlinkten Artikel sehe ich aber eine Außenwand die scheinbar nur ein Backstein dick ist. Ich gehe auch davon aus, dass die (historischen) Fassaden in Groningen erhalten werden sollen. Ich bin kein Baufachmann, aber möglicherweise treibt das die Kosten auch in die Höhe. Vielleicht sind auch Kosten für die Unterbringung der Hausbewohner während der Bauphase mit eingerechnet?

  4. Bruno Müller sagt:

    Die Groninger Region befindet sich offensichtlich unter einem seismischen Dauerbeschuss. Das zermürbt natürlich die Menschen. Die Rissbildungen in den Wänden, auch wenn sie offensichtlich die Standsicherheit der Gebäude noch nicht beeinträchtigen, sind natürlich alles andere als günstig. Schlagregen, den es dort häufig gibt, dringt in die Risse ein, schlägt nach Innen durch und verursacht zusätzlich Feuchtigkeitsschäden.
    Die Wertminderung insgesamt ist natürlich auch keine gute Sache.
    Meine bisherigen Recherchen haben ergeben, dass sich die Charakteristik von natürlichen und „gemachten“ Erdbeben unterscheidet. Ein Erdbeben mit Magnitude von z.B. 3.0, welches durch Gasförderung entsteht, hat eine andere Intensität (lo-Wert) als das natürliche Beben mit 3.0.
    Beispiel: 3.0 in meiner Region erreicht eine Maximalintensität von ca. 5 [lo]. Wirkungsmerkmale wären: Im Freien allgemein spürend, aufweckend, hängende Gegenstände pendeln, verschieben von Bildern.
    Offensichtlich erreicht 3.0 in Groningen einen lo-Wert von ca. 7 als Maximalintensität, denn die Wirkungsmerkmale, wie sie in den verschiedenen Artikeln beschrieben sind, stimmen überein mit: Viele flüchten ins Freie, mäßige Schäden an Gebäuden, Risse im Verputz, in Wänden und Schornsteinen.
    Das entspräche bei einem natürlichen Erdbeben einer Stärke von ca. 4.0 bis 4.5, so meine Einschätzung. Also ganz schön heftig. Auch von partiellen Bodenabsenkungen ist die die Rede. Da passiert offensichtlich mehr, als „nur“ das wackeln des Bodens.

    Das relativiert natürlich meine Einschätzung von 19:49 Uhr vorerst.
    Die Region um Groningen hat ein beachtliches Problem.

    Es gibt auch einen Bericht von einem Beben, das mit einem lauten Knall einherging. Das müssen wirklich harte Stöße sein.
    Ich kenne bei uns grollende Geräusche, die Anschwellen, dann eher weiche Erschütterungen und dann ein abschwellendes Grollen.

    So weit meine Zwischeneinschätzung in dieser Sache.

  5. Stefan Wietzke sagt:

    Tja, 4 Kubikkilometer Öl, 8 Kubikkilometer Kohle plus Abraum sowie 18 Kubikilometer Erdgas (wenn ich richtig gerechnet habe) pro Jahr müssen ja irgendwo herkommen. Wir bewegen in der Zwischenzeit Material in geologischen Ausmaßen.

    Und wenn man das den Leuten buchstäblich unter den Füssen weg zieht kann das nicht ohne Folgen bleiben.

    • Michael Egloff sagt:

      Und nicht zu vergessen: alleine in Indien (!) 250 Kubikkilometer Wasserentnahme aus der Tiefe in einem Jahr (= 5-fache Jahresdurchflussmenge des Nil).
      Größtenteils aus tieferen Grundwasserschichten, die sich nicht in überschaubaren Zeiträumen wieder auffüllen (fossiles Grundwasser).

      • Ert sagt:

        @Michael

        Ja, spannend – denn die, die u.a.Indien als „nächstes“ China sehen haben solche limitierenden Faktoren – die die ganze Gesellschaft destabilisieren können gar nicht auf dem Schirm. Und bis das mit dem Wasser in Indien überkritisch wird… ja das dauert nicht mehr Jahrzehnte….

        Zwar gibt es viele alternative Methoden (Permakultur, etc.) – ich denke aber das der Klimawandel und die teils dafür nötigen Investitionen zusätzliche Showstopper sind. Wenn dann noch bedacht wird, das 50% unter 25 Jahren alt sind…also da ist maximales Potential für massive „Veränderung“.

  6. Bruno Müller sagt:

    Um das bautechnische Thema zu den Groninger Erdbeben von meine Seite vorerst abzuschließen, hier noch ergänzende Infos.

    Wie die nachträgliche Ertüchtigung des Tragwerks von den Gebäuden dort stattfinden soll, darüber gibt es offensichtlich noch keine Veröffentlichungen.
    Die Recherche hat ergeben, dass renommierte Ingenieur- und Projektmanagementbüros in dieser Sache Tätig sind.

    So führt CRUX Engineering BV (Niederlande) im Auftrag von Arcadis BV geotechnische Berechnungen und zusätzliche Recherche hinsichtlich der Verstärkung von Gebäuden in Groningen durch, welche durch Erdbeben beeinflusst werden. In Ihrer Projektbeschreibung halten sie fest, dass Erdbebenberechnungen ein relativ neues Themenfeld in den Niederlanden darstellen, Normenwerke noch unvollständig und praktische Erfahrung nur begrenzt vorhanden sind.

    Arcadis BV ist nach eigenen Angaben ein führender internationaler Anbieter von Beratungs-, Projektmanagement- und Ingenieurleistungen in den Bereichen Infrastruktur, Wasser, Umwelt und Immobilien. Sie entwickeln Ideen, Projekte, Prozesse, Strukturen und setzen sie um – zur Verbesserung von Mobilität, Zukunftsfähigkeit und Lebensqualität.

    Ich bin wirklich sehr gespannt, welche Lösungen die niederländischen Ingeneure vorschlagen werden. Vielleicht kommen sie auf Lösungsansätze, die wir hier im Süden vor lauter Eingefahrenheit gar nicht mehr erkennen. Vielleicht erfinden Sie das Rad einfach neu, von dem auch wir „alte Hasen“ profitieren können.

    Noch ein passendes und abschließendes Beispiel aus der Praxis:
    Hier im Ort gab es vor drei Jahren Untersuchungen, wie im Zuge einer Komplettsanierung die 50 Jahre alte Mehrzweckhalle auch im Hinblick auf Erdbebenlasten zusätzlich ertüchtigt werden kann. Als die Halle seinerzeit neu gebaut wurde, gab es bereits statische Mindestanforderungen, die den Lastfall Erdbeben in der Ausführung zu berücksichtigen hatte. Sie entsprachen allerdings nicht mehr den strengen 2005er-Anforderungen. Die Grundvoraussetzungen waren dennoch gar nicht so schlecht. Der Aufwand bezüglich Bauzeit und Baukosten erschien dem Gemeinderat dann doch zu hoch, so dass dies mit ein ausschlaggebendes Kriterium war, sich für einen Neubau zu entscheiden.

    Hoffen wir für Groningen das Beste.

  7. Platzt angesichts des Ölpreissturzes nun die Fracking-Blase in den USA?
    http://www.heise.de/tp/artikel/44/44080/1.html

    • Stefan Wietzke sagt:

      Was die ganzen Kurzfristwirtschaftsbeobachter immer übersehen, ist der hohe Totzeitfaktor bei Infrastrukturen. Den diese bestehen vor allem aus CAPEX und nur wenig OPEX-Anteilen. Eine Straße hält nach ihrer Fertigstellung erst mal 20 Jahre ohne große Reperaturkosten. Ein klassisches großes Ölfeld kann nach seiner Erschließung jahrzehntelang ohne viel Aufwand produzieren. Ein Abwassersystem hält ohne viel Wartung 100 Jahre.

      Da man die notwendigen volkswirtschaftlichen Kapazitäten aber nicht „sparen“ kann, wäre es sinnvoll die entsprechenden Reinivestitionen immer wieder parallel zu machen. Aber genau die lange Lebensdauer erlaubt eine kurzfristige Sicht. Die Investitionen unterbleiben und erst mal merkt das niemand. Nur wenn die Systeme dann in der Breite zu versagen beginnen, können sie nur dann ersetzt werden, wenn die Volskwirtschaft zumindest vorrübergehend erhebliche Mittel aus dem Konsumbereich in den investiven Bereich verlagert. Wenn mein Dach repariert werden muss, ist eben länger kein Urlaub drin.
      Das kann dazu führen, das das BIP zwar in Summe steigt (enthällt auch immer die Investitionen), der Wohlstand aber trotzdem zurück geht.

      Bei gefrackten Quellen sieht das anders aus. Ein einzelnes Bohrloch erfordert relativ geringe Investitionen. Gleichzeitig erfolgt der Rückfluss der Mittel im wesentlichen in den ersten 1,5 Jahren. Das ist aus Sicht eines Investors eigentlich genial, denn ich muss gar nicht lange Prognosen anstellen, die ohnehin immer falsch sind. Denn Einschätzungen sind über kurze Distanzen deutlich einfacher und im Prinzip auch genauer.
      Dadurch ist das Geschäft eigentlich einfacher geworden.

      Da der Ölpreis aber inzwischen extreme und sehr schnelle Schwankungen aufweist, birgt selbst dieses kurzfristige Geschäft ein hohes Risiko.

      Größere Projekte allerdings werden dadurch praktisch unmöglich gemacht. Oder anders ausgedrückt: Hier ist Markt nicht mehr möglich. Denn es gibt für gewinnorientiertes Kapital keinerlei Investitionsanreize mehr (gut, ein paar Trottel oder Zocker findet man wahrscheinlich immer).

      Das Problem tritt bei allen Produkten auf, bei denen der ökoomischen Kanal zwischen Mindestkosten für die Ausweitung der Produktion und die Zahlungsbereitschaft oder Fähigkeit der Kunden sehr schmal wird. Dann werden die Preise enorm volatil. Das ist auch der tiefere Grund hinter dem „Spekulationphänomen“. Spekulation wird erst dann interessant, wenn die Volatilität aus dem genannten Grund steigt. Das verstärkt sich dann zwar gegenseitig, aber die Behauptung Spekulanten würden das verursachen ist falsch.

      Hoch volatile Preise weisen genau darauf hin, dass sich eben diese Lücke zwischen Zahlungsfähigkeit und Erweiterungskosten schließt.

      Ist dieser Punkt erreicht, funktioniert kein Markt und kein Wettbewerb mehr. Dann kehrt das Wirtschaftssystem des Mittelalters zurück. Eine „Zuteilungsökonomie“ (nicht zu verwechseln mit Planwirtschaft). Und wie das läuft, hängt von der gesellschaftlichen Verfasstheit ab.

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