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Brennstoffspiegel versteht Peak Oil nicht

Im Oktober veröffentlichte der selbsternannte Weltenergierat/World Energy Council eine Studie, die zu der Erkenntnis kam, dass noch eine große Menge flüssige Kohlenwasserstoffe - also: Erdöl - in der Erdkruste lagern. Daraus schlußfolgerten sowohl der Bericht wie auch der Chef der Agentur, Christoph Frei, dass "Peak Oil in eine ferne Zukunft verlegt sei".

Diesen Bericht hat 3 Monate später das Branchenmagazin Brennstoffspiegel wieder ausgegraben, und titelt: "Aktuelle Studien verstärken Zweifel an "Peak Oil"-Theorie". Die Autoren stellen die Frage, "wie lange die Ölreserven noch reichen" und beantworten sie mit einem Verweis auf die oben genannte Studie und auf die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe. Sie stellen fest, dass der Anstieg der weltweiten Ölreserven auf 216 Milliarden der Peak-Oil-Theorie widersprechen würde.

Dabei gilt: Die Peak-Oil-Theorie macht gar keine Aussagen über die Menge an Ölreserven, sondern befasst sich mit der Fördergeschwindigkeit von Öl. Die Mengen im Boden lagernder Ölreserven sagen nichts darüber, wie schnell das Öl gefördert und damit genutzt werden kann. Doch ist genau dies der kritische Punkt: Nicht die Menge des Öls im Boden sondern die Geschwindigkeit mit das Öl zur Nutzung und Verarbeitung bereitgestellt wird, ist für Wirtschaft und Gesellschaft überhaupt relevant. Damit ergeht an die Kollegen vom Brennstoffspiegel dieselbe Erinnerung wie an den Kollegen vom World Energy Council:

"Eine unkritische bzw. undifferenzierte Darstellung und Nutzung der Statischen Reichweite führt zwangsläufig zu Missverständnissen. Die Statische Reichweite ist nur bedingt dazu geeignet, belastbare Aussagen über die künftige weltweite Versorgung mit Energierohstoffen zu treffen."

Dies sagt die von den Autoren ebenfalls benannte Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) und warnt damit all jene, die einfach so die Ölreserven durch die heutige Ölförderung dividieren und mit der entstehenden Jahreszahl zeigen wollen, "wie lange das Öl noch reicht". Ölförderung ist nicht linear. Die BGR warnt zudem:

"Ein globales Maximum der Erdölproduktion, auch bekannt als „Peak Oil“, rückt näher. Nicht schon morgen, doch in einem auch für die heutigen Gesellschaften relevanten Zeitraum. Entweder weil die physische Erschöpfung der natürlichen Vorkommen keine wirtschaftliche Steigerung der Förderung zulässt oder weil der Bedarf dank alternativer Energiebereitstellung auf andere Weise gedeckt werden kann. Je nachdem zu welchem Szenario man tendiert und wie nahe der Zeitpunkt des Erreichens vermutet wird, kann man sich dem Lager der Pessimisten oder Optimisten zurechnen. In jedem Fall sind gravierende Änderungen in den Energiesystemen mit der Abkehr vom Erdöl verbunden."

Eine Steigerung der Ölförderung ist aus geologisch-technischen Blickwinkel laut BGR nur bis maximal 2036 möglich.

Fazit: Einseitig undifferenzierte Berichterstattung, die Äpfel mit Birnen vergleicht und damit schamlos Werbung für Ölheizungshersteller macht.

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Chodorkowski, Yukos und die russischen Ölvorkommen

"Wo Rauch ist, ist auch Feuer" sagt man. Die Medienberichte über die Begnadigung des ehemaligen russischen Ölmanager Michael Chodorkowski kommen etwas zu euphorisch daher. Wie ein Freiheitskämpfer wird der Mann begrüßt, dessen Ölkonzern Yukos 2003 mit Sibneft zum viertgrößten privaten Ölkonzern der Welt fusionieren sollte (Meldung von August 2003). Im Oktober 2003 saß Chodorkowski bereits in Haft, Vorwurf: Steuerhinterziehung. Im November 2003 stoppte der Kreml die Fusion der beiden Giganten und es begann die Entkernung des Yukos-Konzerns.

Ulrich Heyden hat für Telepolis die Beziehung zwischen Putin und Chodorkowski anschaulich aufbereitet und es entsteht einerseits der Eindruck zweiter Akteure mit unterschiedlichen Vorstellungen für Mütterchen Russland. Andererseits wird ein Detail sichtbar, was in der Medienberichterstattung heute kaum benannt wird und das mit einem Blick auf die historische Ölpreis-Entwicklung noch brisanter wird. Heyden schreibt:

"Putin sah es vermutlich auch als Angriff auf seine Strategie der Stärkung Russlands, dass der Yukos-Chef - ohne Absprache mit dem Kreml - mit den US-Öl-Unternehmen Chevron Texaco und Exxon Mobile über den Verkauf von Yukos-Anteilen verhandelte."

Bei N-TV findet sich eine Meldung vom 3. August 2003, wonach Chevron 25% an Yukos kaufen wolle, was immerhin 6,4 Milliarden US$ kosten könne. Bereits in dieser Meldung heißt es, dass Yukos und Sibneft zusammen soviel Öl fördern würden wie Kuwait - kein Wunder, dass ein US-Unternehmen scharf auf diesen entstehenden Energieriesen sei. Auch ExxonMobil war interessiert an Teilen von Yukos: Ein 40%-Anteil wurde am 8. Oktober 2003 im Telegraph diskutiert. Ende September 2003 berichtet Russland Aktuell von den Plänen Chodorkowskis, Yukos bis 2007 zu einem internationalen Player im Ölgeschäft zu machen und sprach von einer absehbaren Fusion mit einem Konkurrenten. Außerdem bemerkt der Artikel:

"[D]ie Aktien von Yukos-Sibneft gelten als Schlüssel zu den Ölvorkommen Ostsibiriens".

Sowohl die Yukos-Sibneft-Fusion wie auch die Beteiligung eines US-Konzerns an den russischen Ölreserven wurde im November durch die Präsidentenpolitik verhindert. Daraufhin setzten die russischen Behörden diverse Dinge in Gang, die letztlich zur Überschuldung von Yukos führten (Steuernachforderungen) und zu einem anschließenden Verkauf wichtiger Unternehmensbestandteile: An russische Neueigentümer.

Diese "Neustrukturierung" von Yukos fand seinen Höhepunkt im Juli 2004, als der STERN berichtete: Yukos-Meldungen lassen Ölpreis verrückt spielen. Ein Blick in den Ölpreis-Chart liefert das interessante Detail, dass zum Höhepunkt der Yukos-Krise im Sommer 2004 der Ölpreis erstmals die 40-Dollar-Marke übersprang und seitdem nie wieder länger unter diese Marke fiel:

Ölpreis und Yukos-Krise

Auslöser war offenbar ein drohender Lieferstop. 2% der weltweiten Ölförderung und ein Fünftel der russischen Förderung gingen damals auf das Konto von Yukos: 1,7 Millionen Barrel täglich, mehr als (damals) Libyen.

Wie obiger Preis-Chart erinnert, lag der Ölpreis in den 30 Jahren zuvor um 20 US$ und stieg erst mit der Jahrtausendwende auf etwa 30 US$. 2004 war der Beginn einer bislang ungekannten Preisralley, die recht zielstrebig auf 140 US$ im Sommer 2008 führte und uns seit 2011 in einem relativ stabilen Preiskorridor von 100 bis 120 US$ hält. Das Jahr der Yukos-Krise, könnte als Kampf darum interpretiert werden, wem die russischen Ölvorkommen gehören: Privaten Eignern oder dem Staat, Russland oder US-Aktionären. Unter dem Titel "Der kalte russisch-amerikanische Ölkrieg" diskutierte das Saar-Echo damals die Konstruktionen, die Chodorkowski für sein Unternehmen vorgesehen hatte. So wie bei seiner Begnadigung deutsche Politiker eine Rolle gespielt haben, haben möglicherweise 2003/2004 ebenfalls deutsche Akteure ihre Finger im Spiel gehabt. Der deutsche Bundeskanzler Gerhard Schröder nannte die Causa Yukos im Dezember 2004 ein "Russland-internes Problem". Der gestiegene Ölpreis hatte Putin in eine vorteilhafte Lage versetzt: Er kündigte für 2005 bis 2007 die vorzeitige Tilgung von Krediten im Umfang von 30 Milliarden Euro an - auch an Deutschland.

Man kann schwerlich eine Absicht hinter den politischen Auseinandersetzungen um Yukos herauslesen, den Ölpreis steigen zu lassen. Dazu sind die Preisfindungsmechanismen zu komplex. Allerdings ist rückblickend klar, dass Putins Politik nicht nur dafür sorgte, die russischen Bodenschätze eindeutig in Russlands Händen zu belassen, sondern auch, die Einnahmen Russlands durch steigende Ölpreise zu steigern. Der Break Even Oil Price (BEOP), also der Ölpreis, um den russischen Staatshaushalt im Gleichgewicht zu halten, lag 2011 bei 108 US$ und 2012 bei 126 US$, also leicht ein Dreifaches dessen, was 2004 bezahlt wurde. Ein Ölpreis des damaligen Niveaus würde aus dem Russland von heute kein Energieimperium machen, sondern vermutlich ein am Staatsbankrott laborierendes Land. Stattdessen erleben wir einen aufsteigenden Riesen, der um die Ukraine kämpfen kann und über Syrien in den arabischen Raum hineinwirkt. Ob dies möglich gewesen wäre, wenn Chodorkowski damals Yukos an Chevron und ExxonMobil verkauft hätte?

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EIA: US-Öl-Fracking erreicht seinen Peak in 2016

Die US-EnergyInformationAdministration (EIA) hat ihren Energieversorgungs-Ausblick auf das Jahr 2014 und danach veröffentlicht. Darin wird deutlich, dass die Ölförderung durch Fracking ihren Höhepunkt bereits 2016 erreichen wird. Damit bestätigt die EIA Vermutungen, die anhand der Bakken-Förderstatistiken hier im August veröffentlicht wurden. Der erst vor 8 Jahren eingesetzte Hype um Fracking wird zumindest beim Erdöl also schon nach etwas mehr als 10 Jahren seinen Höhepunkt erreichen.

US-Oelfoerdung 2014-2040

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Das (neue) Energieimperium: Die Ukraine zwischen Russland und Europa

Im Rahmen eines Schulprojekttages zum Thema "Mobilität global" diskutierte ich mit Schülern zweier 9. Klassen, was ein Land eigentlich braucht, um Mobilität bereitzustellen. Beispielsweise Automobilität. Die Aussagen: Fahrzeuge, Treibstoffe, Straßen und: Geld. Wozu das Geld? Na letztlich, um Fahrzeuge, Straßen und Treibstoffe zu kaufen. Ergo: Geld ist nur das Mittel zum Zweck. Was man eigentlich haben will ist das, was man für das Geld kauft - nicht das Geld selbst.

In Zeiten sich verknappender fossiler Rohstoffe laufen wir auf eine Situation zu, in der Öl und Gas weitaus wertvoller sind, als bloßes Geld. Da man Geld bekanntlich nicht essen kann und selbst sein Heizwert äußerst gering ist, haben Öl und Gas einen ganz eigenen Wert. Wer es hat, kann Mobilität ermöglichen und warme Wohnungen, kann Prozessenergie für Industriebetriebe bereitstellen und mit Gaskraftwerken elektrischen Strom erzeugen. Öl und Gas treiben unsere Welt. Im Film "Dune - Der Wüstenplanet" ist es das "Spice", das Reisen durchs Weltall ermöglicht. In unserer irdischen Welt des 21. Jahrhunderts ist es Öl und Gas, die Mobilität und industrielle Zivilisationen ermöglichen. Wohl dem, der Zugriff auf diese Energieträger hat.

An der Westgrenze des Europäischen Reiches tobt ein Kampf um Einfluss. Die Ukraine ist der Raum im Osten, den die EU gern zu ihrem Einflussbereich zählen würde. Aus Sicht von Putins Russland liegt der ukrainische Raum im Westen. Ob die Ukraine Teil der EU wird oder Teil eines Russland-Verbundes (den manche die neue Sowjetunion nennen), ist Streitpunkt. So zumindest liest man es in unseren - westlichen - Medien, in denen ein ehemaliger Boxer als politische Figur positioniert wird.

Heute wird klar, wie Putin gedenkt, diesen Richtungsstreit zu lösen: Russland hat angekündigt, Staatsanleihen der Ukraine im Umfang von 15 Milliarden US$ zu kaufen (also dem Staat Ukraine Kredit zu geben) sowie zugleich Rabatte auf Gaslieferungen einzuräumen. Welcher Ukrainer, der Interesse an einer warmen Wohnung hat wird dazu Nein! sagen? Was hat der deutsch-ukrainische Boxer zu bieten, außer sein Vorbild eines Millionär-Sportlers?

Natürlich: Die Spezialität der Europäischen Union sind Fördergelder. Milliarden über Milliarden werde jährlich ausgeschüttet. Politik per Portpokasse könnte man das nennen, was offiziell "Angleichung der Lebensverhältnisse" heißt. Ein Versprechen, was auch Putin abgegeben hat - zumindest für die Ukrainer in Russland. Was würde die Ukraine denn anderes tun, als das EU-Geld für jene Dinge auszugeben, die Russland letztlich liefert: Gas und Öl. Wer in der Ukraine strategisch an seine warme Wohnung denkt, der wird nicht umhinkommen festzustellen, dass Europa niemals jene Energie liefern wird, von der Russland noch reichlich hat. Schließlich schrumpft die Ölförderung Europas seit 2002 und die Gasförderung seit 2004. Sich von der EU mit Geld beliefern zu lassen, um dieses postwendend nach Russland zu senden, um von dort die warmen Wohnungen zu kaufen, bedeutet aus Sicht der Ukraine sich auf deine Doppel-Abhängigkeit einzulassen. Geld-Bittsteller gen Westen, Energie-Bittsteller gen Osten. Wenn einer der beiden "Partner" kein Geld mehr schickt oder sich beim Geld-gegen-Gas-Tausch querstellt, bleibt die Heizung kalt.

Öl- und Gasförderung in Europa

Peak Oil und Peak Gas zeigen auf, welche geostrategischen Veränderungen uns bevorstehen. Europäisches Geld ist nur das wert, was die industrielle Basis erschafft. Noch ist Europa im Bereich des Maschinenbaus stark, doch diese Stärke konzentriert sich zunehmend auf den deutschsprachigen Raum in Europa und der Vorsprung gegenüber den Schwellenländern schrumpft. Griechenland, Italien, Spanien und Portugal verkommen zunehmend zur deindustrialisierten Peripherie, zu abhängigen "strukturschwachen Großregionen". Man könnte meinen, die Ukraine kann sich entscheiden, selbst zu solch einer Großregion zu werden oder aber sich einem anderen Hegemon anzuschließen: Dem energiereichen Russland. Dass Russlands Politik zunehmend reaktionär wird und Minderheiten marginalisiert, kann jener Masse egal sein, die diesen Minderheiten nicht angehört und mehr Wert auf warme Behausungen legt. Die Moralkeule, Freiheit kontra Öl&Gas kann das EU-Projekt jedoch längst nicht mehr hochhalten, ist doch die Freiheit des Individuums in jenen EU-Regionen bereits stark eingeschränkt, die eben keine Exportprodukte liefern können. Wer angesichts der Wirtschaftssituation in Griechenland von "Freiheit" spricht, hat möglicherweise sein Politik-Studium gut, aber sein Wirtschaftsstudium schlecht abgeschlossen. Die Freiheit Putins ist eine andere wie die der EU.

Peak Oil & Peak Gas verschieben die Macht-Konstellationen, wie wir sie kennen. Die Abhängigkeit Europas von außenstehenden Energielieferanten nimmt von Jahr zu Jahr zu, so lange keine allumfassende Energiewende den Großteil des europäischen Energiebedarfs aus erneuerbaren Energien liefert. Noch kauft Europa sich im Tausch für deutsche Maschinen seine fossile Energie von außen ein - 100 Milliarden Euro kostet das allein die deutsche Volkswirtschaft pro Jahr. Von allen Weltregionen ist Europa jene einzigartige, deren lokaler Peak Oil nachhaltig - sprich: unumkehrbar - überschritten ist. Wenn diese Tatsache von den äußeren Mächten, von deren Lieferungen Europa abhängt, erkannt wird, wird der alte Kontinent erpressbar. Für die Ukrainer bedeutet eine Entscheidung hin zu Europa daher der schwerere Weg: In einem Sprachenkonglomerat sofort mit der Notwendigkeit einer Energiewende konfrontiert zu sein. Die Hinwendung nach Russland läßt dagegen dieselbe Sprache mit reichlich Öl und Gas verbinden.

Putins Politik setzt voll und ganz auf den Rohstoffreichtum Russlands als Instrument der Einhegung, als Werkzeug zur Machtausübung, als Pfand zum imperialen Ausbau. Lasst Chinas Wirtschaft noch ein paar Jahre wachsen und den Energiebedarf des asiatischen Riesen zunehmen und Europas Abhängigkeit von äußeren Energielieferanten noch etwas steigen, dann ist Russland das Land mit dem Energiejoker. Dieser Joker wird nicht nur Geld einbringen, mit dem die Industriegüter Europas und Chinas eingetauscht werden können, es bringt auch politische Macht mit sich, mit der sich all das eintauschen läßt, was für Geld nicht zu haben ist: Handelsverträge, Goodwill, Zugeständnisse. Russland kann mit diesem Pfund so wuchern, dass daraus ein neues russischzentriertes Imperium entsteht: Ein Energieimperium.

Für Europa ist der Kampf auf dem Schlachtfeld der fossilen Energieträger nicht nur nicht zu gewinnen, er ist bereits verloren! Das Überschreiten der lokalen Öl- und Gasförder-Peaks zeigt es. Europas einziger Weg ist die Suche nach einer neuen Form der Industriekultur, einer Kultur die nicht auf fossilen Rohstoffen basiert - denn deren Quellen liegen außerhalb Europas. Europas einziger Weg scheint in lokalen Energiequellen zu liegen, die zwangsläufig erneuerbar sind. Dieses Bild scheint für viele Europäer noch ungewohnt und aus dem fossilen Denken heraus vielleicht sogar unmöglich. Doch genauso unmöglich ist die Annahme, Russlands oder Saudi Arabiens oder Katars Öl und Gas wird auf ewig für umsonst oder "nur etwas Geld" zu haben sein. Der Umbau von den fossilen Quellen hin zu anderen Energiequellen ist mit dem bestehenden europäischen Industriesystem nur begrenzt kompatibel. Wir fahren in einem fossilgetriebenen Industriesystem, das auf diesen Energieträgern gewachsen und mit ihnen groß geworden ist. Erneuerbare Energiequellen an diesen Strukturen anschließen zu wollen erzwingt eine Wechelwirkung mit den Strukturen, in deren Fortlauf deren Umbau erzwungen wird. Die Energiewende ist eine Kulturwende. Auf wirtschaftlicher Ebene bedeutet diese Kulturwende, Industrie und Wirtschaftsstrukturen noch einmal völlig neu zu denken. Europas Wahl besteht darin, sich - wie die Ukraine - dem russischen fossilen Energieimperium anzuschließen, oder sich aufzumachen, eine neue Art der Energienutzung zu formen, für die das Wort "Imperium" nicht das richtige sein mag. Wenn es aber gelingt, bringt es möglicherweise größere Macht hervor als der Öl- und Gasreichtum Russlands: Die Macht, sich unabhängig - frei! - von fremden Energiequellen zu entfalten.

Mehr:

Nachtrag:

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Kommentarlos, Teil 40

Public Transport?

Gefunden bei wiwogreen

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Peak Oil erfordert eine Transformation der Wirtschaft

Ein Papier von Dr. Christian Kerschner hatte jüngst einige Verbreitung und Reaktionen in der interessierten Medienlandschaft gefunden. Ich habe ihm einige Fragen gestellt, die gemeinsam mit seinen Antworten bei Telepolis zu finden sind:

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Newsticker rund um die fossile Transformation

Das Manager-Magazin fragt, ob die fetten Jahre vorbei sind. Und meint damit, die fetten Jahre der Automobilindustrie. Peak Car, der Höhepunkt der Verkaufszahlen von Automobilen sei auch in den USA überschritten, und dies will was bedeuten. Joschka Fischer, der mal bei Opel seine Kollegen zur Revolution aufrief und daraufhin fristlos entlassen wurde und später Außenminister des Exportweltmeisters war, wirbt derzeit für BMW - genauer: für den Elektro-i3 des Bayrischen Konzerns. Nicht alle seine Parteifreunde finden das witzig.

Wird Erdöl bald billiger werden? fragt die NZZ mit Verweis auf die Entspannungspolitik mit dem Iran. Venezuelas Ölminister Rafael Ramirez antwortet: Bitte nicht. Die OPEC sei schließlich ein Kartell und müsse zwecks Preisstabilität die Ölmengen stabilisieren. Wenn also mehr iranisches Öl auf den Markt kommt, mögen doch bitte andere Kartell-Mitglieder ihren Output drosseln.

Der OPEC-Generalsekretär Abdallah Salem El-Badri wirft einen Blick in die Fracking-Entwicklung in den USA und meint, "an vielen Bohrorten gehen die Förderraten schon jetzt stark zurück, mitunter um 60 Prozent binnen eines Jahres". Der Schiefergasboom nähere sich somit seinem Ende. Der World Oil Outlook, den die OPEC am 7. November veröffentlichte, hat bei weitem nicht jene Aufmerksamkeit erhalten, wie der World Energy Outlook der IEA. In ihrem "upside supply scenario" sieht der OPEC-Bericht den Höhepunkt in der US-Fracking-Ölförderung im Jahr 2020 mit dezentem folgenden Förderrückgang, in ihrem Referenz-Szenario kommt der Tight-Oil-Peak 2017:

opec-woo2013-fracking-usa

(Sollte jemand Interesse verspüren, sich den WOO der Opec mal vorzunehmen um Wichtiges für diese Webseite herauszukristallisieren, nur zu...)

In Norddeutschland wächst währenddessen die Sorge vor Fracking-Aktivitäten, weil Hamburg eine Aufsuchungs-Erlaubnis erteilt hat. Das Deutschlandradio Kultur berichtet von "Angst vor Probebohrungen". Der neue Papst schlug sich bei einem Südamerika-Besuch auf die Seiten der Fracking-Gegner. Nicht nur mit warmen Worten, sondern in einem Kampagnen-T-Shirt - so zumindest berichtet Blickpunkt Lateinamerika.

Dass der Papst kritisch mit Bergbau-Fragen umgeht, sorgt im katholisch regierten Sachsen keineswegs für ein Umdenken in der Braunkohle-Frage. Inzwischen gab es drei Sprengungen von Briefkästen von Tagebau-Kritikern und andere Seltsamkeiten, die den Rahmen demokratischer Auseinandersetzung überschritten haben. Vattenfall dagegen positioniert sich in aktuellen Werbeanzeigen als Mäzen der Region. Nur schade, dass die Anzeigen nicht sagen, dass die abgebildeten Menschen alle direkt oder indirekt bei Vattenfall beschäftigt sind. Der Klima-Lügendetektor wundert sich zudem, wieso Azubis für die Zukunft der Kohle werben, obwohl heutige Kohle-Azubis definitiv nicht ihr ganzes Arbeitsleben in diesem Geschäft verbringen werden. Zukunft?

Die westliche Entspannungspolitik mit dem Iran läßt DIE ZEIT befürchten, dass die Konflikte sich verlagern. Iran und Saudi Arabien sind sich trotz gemeinsamer Mitgliedschaft im OPEC-Kartell spinnefeind. Europa könnte Schlichter spielen. Europa könnte aber auch aus anderen Gründen in einen Konflikt einbezogen werden: In den Konflikt der Ukraine, ob das Land sich nun eher der EU im Westen oder Russland im Osten zuwenden soll. Die Politik entschied jüngst für letzteres, hunderttausend (vor allem im westlichen Teil des Landes) gehen auf die Straße und sehen das anders. Das erinnert an den Gasstreit Russlands mit der Ukraine, der seit 2005 immer mal dazu führte, dass Gazprom dem Land den Gashahn abdrehte. Ganz Europa war davon betroffen, weil durch die Ukraine eine wichtige Versorgungspipeline von Russland in die EU läuft. Ist es auszuschließen, dass Gazprom in diesem Winter erneut die Hähne zudreht?

DIE ZEIT hat ein aufschlussreiches Interview mit dem Gazprom-Vize Alexander Medwedew geführt. Aufschlussreich nicht deshalb, weil das Interview vor Inhalten strotzt. Sondern eher, weil es das gerade nicht tut. Es geht - ganz banal - um Sportsponsoring. Die wichtigen Sachen halt...

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Stellungnahme der Energy Watch Group zum WEO 2013

Der World Energy Outlook (WEO) der Internationalen Energieagentur (IEA) ist ein jährlich erscheinender Bericht, der die Ausrichtung der globalen Energiepolitik begleitet und große Aufmerksamkeit bekommt. Die IEA wurde 1974 nach der ersten Ölkrise als Unterorganisation der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) gegründet. Die Energy Watch Group (EWG) ist ein nichtstaatliches Netzwerk, das eigenständig Analysen zu Energiefragen erarbeitet. Im folgenden die Pressemittelung der EWG zum WEO 2013:

 

Stellungnahme der Energy Watch Group zum World Energy Outlook 2013

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small is beautiful

E.F. Schumacher kritisierte in seinem Buch "small is beautiful" bereits 1973 die Verschwendunglust an fossilen Energieträgern. Er bemerkte, dass in der Gesellschaft nicht zwischen Ertrag und Kapital unterschieden wurde wird. Aus seiner Sicht wäre genau diese Unterscheidung dort am wichtigsten, wo der Mensch jenes "unersetzliche Kapital" aufzehrt, das er "einfach vorgefunden" und "nicht selbst geschaffen" hat. Zitat:

Sehen wir uns dieses "natürliche Kapital" etwas näher an. Zuerst, und am leichtesten erkennbar, haben wir die fossilen Brennstoffe. Niemand, dessen bin ich mir sicher, wird bestreiten, dass wir sie als Ertragsposten behandeln, obwohl sie unzweifelhaft zum Kapital gehören. Behandelten wir sie als Kapital, müsste uns an ihrer Bewahrung gelegen sein. Wir müssten dann alles in unserer Macht Stehende tun, um die gegenwärtige Verbrauchsmenge so klein wie möglich zu halten. Wir könnten beispielsweise sagen, dass das Geld, das aus der Verwertung dieses - unersetzlichen - "Schatzes" stammt, einem Sonderetat zugeführt werden muss, der ausschließlich der Entwicklung von Produktionsverfahren und Lebensmodellen dient, die nicht oder nur zu einem geringen Grade von fossilen Brennstoffen abhängen. Das und vieles andere müssten wir tun, wenn wir fossile Brennstoffe als Kapital und nicht als Ertrag behandelten. Wir tun aber nichts dergleichen, sondern genau das Gegenteil von alldem: Uns liegt nicht im Geringsten an Bewahrung, wir treiben den gegenwärtigen Verbrauch auf Höchstwerte, statt hauszuhalten oder die Möglichkeiten anderer Produktionsverfahren und Lebensmodelle zu untersuchen.

Neuauflage 2013, mit einem Vorwort von Niko Paech.

Bei Amazon anschauen, beim lokalen Händler kaufen. Wie Toni Mahoni uns unterhaltsam erinnert:

Frohe Weihnachten.

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Libyen, Syrien und Iran, November 2013

In der Presse wird eine neue diplomatische Ära mit dem Iran gefeiert. Israel findet es nicht so gut, dass der Iran wieder Uran anreichern darf. Lockerungen der Sanktionen werden offenbar diskutiert, auch wenn Reuters das US-Präsidialamt mit der Aussage zitiert, "in den kommenden sechs Monaten dürfen iranische Rohölverkäufe nicht zunehmen". Das läßt Ausblicke auf den 7. Monat zu. Und es bedeutet offenbar, dass keine weiteren Verschärfungen der Ölsanktionen geplant sind. In der NZZ wies Gerald Hosp schon vor 2 Wochen darauf hin, dass Iran schon vor den verschärften Sanktionen 2011 Mühe hatte, sein Förderniveau von 3,7 mb/d aufrecht zu erhalten. Derzeit findet rund 1 Mio Barrel Tagesförderung weniger den Weg aus der Erdkruste in die globalen Pipelines. Bereits Ende Oktober berichtete swiss-persian.ch über eine "neue Generation" iranischer Ölverträge, die am März 2014 ausländischen Investoren bis zu 100% der Fördermengen zusprechen würde.

Aus Syrien, wo Iran in einen Stellvertreterkrieg verwickelt ist, werden ebenfalls Nachrichten mit Ölbezug gemeldet. Demnach hätten "islamistische Rebellen" das größte syrische Ölfeld Al-Omar eingenommen. Die Ölversorgung der Assad-Regierung sei damit bedroht und damit die Treibstoffversorgung der Zivilbevölkerung und der Armee. Wenn die Assad-Regierung nun von der Selbstversorgung mit Treibstoffen abgeschnitten ist, ist sie noch viel abhängiger von äußeren Mächten. Die Süddeutsche Zeitung vermutet, dass die Assad-Regierung Treibstoffe auch aus dem Iran bekommt. Wenn eine Annäherung der Industriestaaten an den Iran zustande kommt, könnte dieser gedrängt werden, seine Treibstofflieferungen einzustellen, womit das Schicksal der Assad-Regierung besiegelt wäre: Ohne Treibstoffe dürfte die syrische Armee der bisherigen Regierung kein Schutz mehr sein.

Die MENA-Region (Middle East, North Africa) kommt nicht zur Ruhe. Wintershall hat nun seine Ölförderung in Libyen erneut eingestellt, meldet SPIEGEL ONLINE mit Bezug auf einen Bericht der WELT AM SONNTAG. Demnach ruht die Förderung schon geraume Wochen, weil die Exportterminals bestreikt werden. Laut News24.com verlangen die Protestierenden eine fairere Verteilung der Ressourcen ihrer Region, wobei der Artikel nicht klar macht, ob sich diese Forderung an die (instabile) libysche Regierung richtet oder an die Abnehmerländer. Deutschland bezog 2012 aus Libyen immerhin 9% seiner Ölimporte, was das Land zum viertgrößten Öllieferanten des Exportweltmeisters macht. Auch Österreich ist von der Exportblockade betroffen. OMV bezog vor dem Bürgerkrieg etwa 10% seiner Mengen aus Libyen und senkte aufgrund der aktuellen Situation in Libyen Anfang November seine Förderprognose für das Jahr 2013.

OMV kaufte sich kürzlich mit der größten Akquisition der österreichischen Industriegeschichte in norwegische Ölfelder ein, die wissen warum. Dort feierte RWE DEA Norge grade seinen 40. Geburtstag und läßt per Pressemitteilung verlauten: "Erdöl und Erdgas aus Norwegen auch in Zukunft gefragt". Nicht nur norwegisches Öl, könnte man sagen, denn auf Echo-Online wird eine erfolgreiche Probebohrung beim Bohrfeld Stockstadt vermeldet: Mitten in Hessen wird ein Feld reaktiviert, aus dem zwischen 1952 und 1994 sieben Millionen Barrel gefördert wurden. Die Wiedererschließungsbohrung stellt fest: Es gibt noch Öl im Feld. Ob es sich lohnt, daraus wieder zu fördern, wird derzeit geprüft. Sicher ist schon jetzt: Den libyschen Ausfall wird dieses Feldchen nicht ausgleichen können. Dass seine Wiederbelebung dennoch geprüft wird belegt, wie stark sich die Situation seit seiner Schließung 1994 geändert hat.

Fürs Protokoll:

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