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Video: Dresden auf Entzug 2

Für den 8. November luden wir zum zweiten Mal ins Deutsche Hygiene-Museum Dresden ein, um die Frage zu diskutieren: "Wie funktioniert die Stadt ohne Öl?" Während wir zur April-Veranstaltung 180 Voranmeldungen hatten, von denen wir 40 mangels Platz vertrösten mussten, kamen zur zweiten Veranstaltung trotz größerem Saal "nur" 100 117 Besucher. Lag es möglicherweise am veränderten Spritpreis seit April? Dennoch dürfen wir zufrieden sein, erneut dieses Thema in der Stadt zu diskutieren und gelohnt hat sich der Abend:

Eingeladen hatten wir Prof. Jürg Sulzer von der Stiftungsprofessur Stadtumbau und Stadtforschung an der TU Dresden, Dr. Matthias Mohaupt, Abteilungsleiter Verkehrsentwicklungsplanung im Dresdner Stadtplanungsamt sowie Joachim Breuninger, Direktor des Dresdner Verkehrsmuseums. Da wir von keinem der Referenten eine einfache Antwort auf die Frage nach der Stadt ohne Öl erwarten konnten, erbaten wir uns Antworten auf Teilfragen: Verkehr 2025? Amerikanisierung der Stadtstrukturen? Dresden vor dem Öl? Die als Impulse gedachten Kurzvorträge waren dicht und interessant, doch manchem Besucher reichten die Antworten nicht. Eine Reaktion eines Teilnehmers nach der Veranstaltung war sinngemäß: Er habe wissen wollen, wie die Stadt ohne Öl funktioniert und sei gegangen, als er beim letzten Vortrag erfahren musste, wie viele Pferde zwischen 1850 und 1900 in Dresden im Einsatz waren. Die in dieser Aussage steckende Erwartungshaltungen konnten wir naturgemäß nicht erfüllen: Auch ich möchte gern wissen, wie Dresden ohne Öl funktioniert, aber bislang konnten wir niemanden finden, der darauf tatsächlich eine umfassende und realistische Antwort weiß. Sollte es eine dritte Veranstaltung zu dieser Frage geben (wovon ich ausgehe), werde ich es gleich am Anfang betonen: Bitte erwarten Sie nicht, heute die Antwort auf diese Frage umfassend zu erhalten! Denn was wir mit dieser Veranstaltungsreihe versuchen ist, uns überhaupt der Antwort zu nähern. Bislang gibt es nur sehr, sehr wenige Menschen, die in ihren jeweiligen Fachbereich über Städte ohne Öl nachdenken, aber kaum jemand hat einen Gesamtüberblick und eine fassbare Vision von Städten ohne Öl.

Dr. Mohaupt stellte die aktuellen Überlegungen zum Verkehrsentwicklungsplan Dresden 2025+ (VEP) vor. Der Ölpreis wurde von den Planern nicht im Plan berücksichtigt, eine abseits der Veranstaltung gestellte Anfrage an die Stadtverwaltung begründet dies mit fehlenden "belastbaren und direkten Zusammenhänge[n] zwischen dem Ölpreis und dem tatsächlich realisierten Verkehrsverhalten". In der Tat scheint es keine wissenschaftlich fundierten Untersuchungen zur Preiselastizität zwischen Spritpreis und ÖPNV-Nutzung oder Verkehrsintensitäten zu geben. Die Planer haben mehrere Szenarien entworfen, aus denen Entscheidungen der Politik bzw. der Verwaltung abzuleiten sind, von denen Szenario C einen Verhaltenswandel der Dresdner beinhaltet, und damit einen starken Ölpreisanstieg in gewissem Rahmen abbildet, ohne ihn in Zahlen fassen zu müssen. Die Planungen der Verwaltung sind dennoch recht abstrakt und zielen vor allem darauf ab, Infrastrukturmaßnahmen und Investitionen zu entscheiden. Ein ganzheitliches Bild, welches auch stadtplanerische Fragen abseits des Verkehrs berücksichtigt (z.B. Standort-/Siedlungsfragen) sind im VEP 2025+ nicht abgebildet - was wenig verwundert, schließlich würde das überhaups komplexe Verfahren nicht gerade einfacher.

Als ich Prof. Sulzer wegen dieses Abends anfragte, bezweifelte er zuerst, ob er der Richtige für diesen Abend sei. Einerseits habe er mit Öl wenig zu tun, andererseits finde er seine Gedanken in der Dresdner Stadtentwicklung selten wieder. Grade drum! Sein Kerngedanke ist dann auch schnell umrissen: Verdichtung, Verdichtung, Verdichtung! Die Stadt von morgen müsse für kurze Wege sorgen, indem sie Mischnutzungen kombiniert mit dichten Stadtstrukturen. Nicht für den Verkehr dürfe die Stadt geplant und gebaut werden, sondern für die Menschen, die dort leben.

Joachim Breuninger, der das Dresdner Verkehrsmuseum seit 2010 leitet, ließ zur ihm gestellten Frage extra die Archive durchwühlen: Wie funktionierte denn Dresden vor dem Öl? Er beleuchtete dann auch vor allem die Zeit bis etwa 1900, sprach über Kohle und schlechte Stadtluft, über Pferde und Kutschen, über den ersten Auto-Fahrer und das erste Elektro-Auto in Dresden, die Entwicklung der Straßenbahn und zeigte ein filmische Zeitdokument, welches stark nach Shared Space auf der Augustusbrücke aussieht - ab Minute 73. Jeder Bewohner der heutigen Stadt wird wohl zustimmen, dass wir kaum zu Dampfmaschinen im Stadtgebiet zurückwollen und das Bild von damals nicht das Stadtbild von morgen werden sollte. Genau wie die anderen Beiträge des Abends ging es auch im Rückblick in die Dresdner Geschichte darum, inspirierend zu wirken; um uns der Frage des Abends zu nähern: Wie funktioniert die Stadt ohne Öl?

Direktsprung:

Wie zur April-Veranstaltung brachten wir auch diesmal die Teilnehmer des Abends miteinander ins Gespräch, statt eine hierarchische Situation zwischen Fachleuten und Publikum herzustellen und luden an bereitgestellten Tische zum World Café. Zwei Fragen hatten wir vorbereitet: Was erhoffen und befürchten Sie von einer Stadt ohne Öl? Was sollte 2013 in Dresden zu diesem Thema geschehen? (Beziehungsweise: Was tun Sie?) Die Dokumentationen der Gespräche trugen wir zum Schluss wieder in eine Podiumsdiskussion zwischen den Referenten.

Geklärt ist damit die Frage des Abends nicht. Angerissen mögen wir sie haben. Der Mitschnitt des Abends soll all jenen, die nicht vor Ort waren, einen Eindruck geben, soll dokumentieren, wie wir uns um diese Frage in der Stadt bemühen und soll inspirierend wirken, Ähnliches auch in anderen Städten auf die Agenda zu setzen. Ich danke den Referenten, den Mitorganisatoren sowie Friedrich-Ebert-Stiftung und Deutschem Hygiene-Museum Dresden für Zeit und Engagement!

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18 Kommentare to “Video: Dresden auf Entzug 2”

  1. M.U. sagt:

    Zunächst einmal vielen dank für das Hochladen des interessanten Beitrags. Allerdings muss ich auch sagen, dass es meiner Meinung nach oft am Thema vorbei ging. Der Schwerpunkt innerhalb der Diskussionen lag wie so oft auf Mobilität. Ich würde mir wünschen, dass der Schwerpunk die Versorgung sein sollte. Auch die Frage „Wie funktioniert die Stadt ohne Öl?“ würde ich ändern in „Wie funktioniert die Stadt ohne fossile Energieträger?“. Ein zurück zur Kohle wie Anfang des 19 Jahrhunderts wird es so mit hoher Wahrscheinlich nicht geben. Das damalige Versorgungsniveau mit Kohle ist heute sicherlich nicht mehr realisierbar. Zum einen sind die Vorräte an Kohle heute minderwertiger und zum anderen brauchen wir im steigenden Masse schweres Gerät um diese überhaupt noch fördern zu können. Ich denke, ein Vergleich mit einer Stadt um 1900 ist auf Grund der schon damals weit vorangeschrittenen Industrialisierung immer noch unrealistisch.

    Ein Punkt der immer wieder zu kurz kommt ist die Größe. Immerhin geht es heute um Städte mit Hunderttausenden wenn nicht so gar mit Millionen Einwohnern. Nur die wenigsten Städte bspw. im Mittelalter hätten eine derartige Ausdehnung erreichen können. Die Versorgungsgrundlage einer jeden Stadt ist ihr Einzugsgebiet. Eine typische Stadt im Mittelalter war umgeben von Ländereien für die unmittelbare Versorgung mit Grundnahrungsmitteln. Der Einzugsbereich einer solchen Stadt war gleichzeitig ihre Wachstumsbegrenzung. Mit steigendem Einzugsradius verringerte sich die Versorgungsgeschwindigkeit. Die Nutzung fossiler Energieträger gab uns die Möglichkeit diese Gesetzmäßigkeiten für ein paar wenige Jahrhunderte zu überwinden.

    Heutige Städte, in ihrer heutigen Größe, sind Erscheinungen auf Grundlage billiger Energie und ihrem damit verbundenen fast grenzenlosen Einzugsradius. Sie kamen mit Kohle und Öl und sie verschwinden mit Kohle und Öl. Ich persönlich sehe derzeit jedenfalls keine Alternative um die Versorgungssicherheit solcher nennen wir es mal Superorganismen zu gewährleisten. Angefangen vom Wasser über Nahrung bis hin zu Energie.

    Egal was auch immer wir verändern, diese Zivilisation mit ihrer derzeitigen Kultur kann und wird niemals nachhaltig sein. Sie beruht auf Verzehr und wird sich letztendlich selbst verzehren. Alles was wir tun können ist ihr Sterben mit riesigem Aufwand zu verlangsamen.

    • Norbert Rost sagt:

      Hallo M.U.

      Du sprichst mir aus der Seele. Auch ich wünsche mir mehr Versorgungsblickwinkel, die allerdings sehr schwer mit Referenten zu besetzen sind. Ich selbst kann zwar einiges dazu sagen, aber ich will ja keine Selbstdarstellerveranstaltung draus machen. Es gibt schlicht niemanden, der für Versorgungsfragen verantwortlich ist. Die Selbstorganisation der Wirtschaftsakteure funktioniert klaglos und darf als gegeben hingenommen werden. Jeder Versuch, das zu beschreiben oder kritisch zu beleuchten landet letztlich erstmal auf wissenschaftlicher, nicht jedoch auf praktischer Ebene. Bei der letzten Veranstaltung hatten wir den Konsum-Chef eingeladen, der noch am weitesten Einblick in Versorgungsfragen aus Sicht eines Einzelhändlers gab. Seine Zielrichtung Regionalität stimmt durchaus mit meiner Sicht überein. Die IHK ging sehr allgemein an das Thema ran, auch dort findet sich bislang niemand mit einem umfassenden Bild einer postfossilen Versorgungswelt. Wer außer Händler und Verbünde wäre denn aus Versorgungssicht auskunftsfähig? Bei den statistischen Ämtern brauche ich nicht zu fragen, über Selbstversorgungsgrade gibt es dort keine Daten. Als ich letztens mit jemandem aus dem Ministerium für Umwelt und Landwirtschaft sprach und dort das Thema Selbstversorgungsgrade anbrachte, bekam ich die Antwort: „So denkt doch niemand!“ Aha.

      Insofern: Zielstellung mehr Versorgung zu diskutieren: Ja! Problem: Mit wem?

      Architekten haben einen Schwerpunkt auf den Bau einzelner Häuser. Stadtplaner planen das Ensemble von Häusern und Verkehrswegen, aber betrachten selten ökonomische Fragen. Unternehmer sind ihrem Tagesgeschäft verpflichtet, Verbände oft reine Interessenvertreter einzelner Branchen. Wirtschaftswissenschaftler sprechen meist eine Sprache, die zu weit entfernt vom Bürger ist (da kann ich mich nichtmal ausnehmen) und sind darüber hinaus meist stark spezialisiert. Zudem bleibt ihr Blick oft abstrakt und bietet daher wenig Antwort auf die Frage, wie eine konkrete Stadt ohne Öl funktioniert.

      Apropos ohne Öl: „Wie funktioniert die Stadt ohne fossile Energieträger?“ mag es genauer fassen, ist aber weniger spitz. Machen wir uns nix vor: Ich tausche gern etwas Genauigkeit gegen Verständlichkeit.

      • M.U. sagt:

        „Architekten haben einen Schwerpunkt auf den Bau einzelner Häuser. Stadtplaner planen das Ensemble von Häusern und Verkehrswegen, aber betrachten selten ökonomische Fragen. Unternehmer sind ihrem Tagesgeschäft verpflichtet, Verbände oft reine Interessenvertreter einzelner Branchen. Wirtschaftswissenschaftler sprechen meist eine Sprache, die zu weit entfernt vom Bürger ist (da kann ich mich nichtmal ausnehmen) und sind darüber hinaus meist stark spezialisiert. Zudem bleibt ihr Blick oft abstrakt und bietet daher wenig Antwort auf die Frage, wie eine konkrete Stadt ohne Öl funktioniert.“

        Ein guter Punkt und leider auch wieder einer der Punkte die mich ganz stark an einer geregelten Lösung zweifeln lassen. Wir modernen Gesellschaften halten uns für unfehlbar, denn wir haben die Wissenschaft samt ihrer Experten auf unserer Seite. Eine wie ich finde sehr gewagte Haltung, den es ist gerade dieser hohe Spezialisierungsgrad der uns blind mach. Die Wissenschaft schafft sich in gewisser Weise ihren eigenen blinden Fleck. Es gibt Experten für jeden Mist und jede Disziplin hat ihre eigene Methodik bis hin zur eigenen Sprache. Die Austauschbarkeit der Erkenntnisse zwischen den verschieden Disziplinen wird also immer schwerer und eine Zusammenarbeit zunehmend unmöglicher. Eine Disziplin zweifelt an den Ergebnissen der Anderen oder hält diese vielmehr auf Grund ihres „mangelnden“ Fachwissens für ungeeignet und umgekehrt. Und so kommt es dann auch dazu das jede Fachrichtung (Energieversorger, Gentechnik, Landwirtschaft) ihr eigenes Süppchen koch und felsenfest daran glaubt sie könnte mit ihren Lösungen die Welt retten. Eine Entwicklung die William Catton oder auch ein Michael Greer in ihren Büchern hervorragend beleuchten.

        Was meiner Meinung nach auch ganz wichtig wäre ist eine Technologiefolgen Abschätzung. Den fast jede neue Technologie erscheint im ersten Moment sinnvoll, hilfreich und wünschenswert. In der Langzeitkonsequenzen ergibt sich jedoch oft das Gegenteil. Die Erbauer des ersten Automobils hätten sich in ihren kühnsten Träumen nicht vorstellen können welche Folgen das nach sich zieht. Als die ersten von den Dingern fuhren empfanden die Menschen es als angenehmen Fortschritt. Kein Pferdemist mehr auf der Straße und das klappern der Hufe und Fahrgestelle war verschwunden. Schaut man heute auf eine Stadt wie L.A. oder NY ist es gerade das Auto was Kopfschmerzen bereitet. Städte mit chronischer Arterienverstopfung. Diese Betrachtung könnte man über das Flugzeug, die Medizin, die Landwirtschaft, die Gentechnik oder auch die Vernetzung (der Hype schlechthin und somit die moderne Variante von Alexandria) fortführen. Wie sinnvoll ist die Abhängigkeit von derartigen Systemen?

        „Insofern: Zielstellung mehr Versorgung zu diskutieren: Ja! Problem: Mit wem?“
        Das glaube ich gern. Es gibt vielleicht eine Handvoll Anthropologen die sich damit beschäftigen und dazu vielleicht auch ganz interessante Fakten vorbringen könnten. Ich befürchte nur das denen niemand zuhören wird, da sie oft als rückschrittlich gelten. Jeder der diese Kultur in Frage stellt ist zum scheitern verurteilt. Du kennst das sicherlich, dass Leben als „Spinner“ ist nicht ganz einfach. :)

        „Die Wahrheit triumphiert nie, nur ihre Gegner sterben irgendwann aus.“ – Max Planck

        Bis dahin brauchen wir noch viel Geduld.

        • Ert sagt:

          @M.U.

          „Du kennst das sicherlich, dass Leben als “Spinner” ist nicht ganz einfach. :)“

          Man muss nur lernen das „Spinnertum“ zu kultivieren und des Status der teilweise als Sonderling empfunden wird zu pflegen. Es kristallisieren sich schon die Leute raus – die weiter Denken…. und es gibt viele davon.

          Das Problem ist eben – das fast alle, auch ich, in das aktuelle Geschehen eingebunden sind. Es ist schwierig sich dem zu entziehen ohne seine aktuelle ökonomische Existenz aufzugeben – denn aktuell dreht sich das Rad ja noch.

          Der Prozess das sich das Bewusstsein der Masse ändert ist ein langsamer – und ich frage mich manchmal wie viele die Einsichten die hier Diskutiert werden überhaupt mental verkraften können, ohne das Ihr Weltbild komplett implodiert.

          Gruß,
          Ert

  2. M.U. sagt:

    Peak Oil = Peak Reichweite in jeglicher Hinsicht (Einzugsradius, Einflussbereich (politisch, militärisch)).

  3. M.U. sagt:

    Auch immer wieder gut ist dieses etwas platte Statement: „Der Mensch war immer mobil und wird es auch in Zukunft sein“. Wie kommt man zu solchen Aussagen? Als der Mensch noch als Nomade lebte. Ok! Aber spätestens als er sesshaft wurde war es mit der Mobilität vorbei. Das Einzige was dann noch mobil war dürfte handelnder, politischer oder militärischer Natur gewesen sein. Oder aber halt Völkerwanderungen die auf Grund einer zerstörten Landbasis/Lebensgrundlage erzwungenermaßen stattfinden mussten. Die Reise/Mobilität als solches war ein Privileg ganz weniger. Der gewöhnliche Zivilist (Otto-Normalo) hat die unmittelbaren Grenzen seines Hofes, seiner Siedlung, seines Dorfes oder auch seiner Stadt wohl ein Leben lang niemals verlassen. Täglich 100 km zur Arbeit, 200 km zur Geburtstagsfeier des Bekannten, ein 1000 km Wochenendstrip? Die heutige Mobilität hat in der Geschichte keine Präzedenzfälle.

  4. Tom Schülke sagt:

    Hallo Liebe Peak Oiler…

    Ich hab mir das Video ebenfals zu Gemüte geführt.. Ich freu mich zwar, dass Norbert mit seinem riesigen Engagement so viel in die Wege leitet. Aber auch mich beschlich bei der Diskussion immer mehr die Frage… Haben die Diskutanten überhaupt begriffen, was da auf uns zurollt. Es klang alles nach.. wird schon.. ging ja immer gut.. Wir haben da auch schon einen Bebauungsplan B, und wenn Ihr liebe Bürger mitredet, wird alles gut.

    Und ja.. Exakt wie M.U. es formuliert.. Es ist die große Frage, wie weit Superorganismen wie Berlin, Hamburg , München oder andere Großsstädte im Rahmen sinkender Einzugsgebiete überhaupt noch in der Lage sind, strukturell aufrechterhalten zu werden. Auf Mitlere Sicht habe ich da Zweifel.

    Mir fehlte der Diskutant, der aufsteht und glasklar und eindeutig klarmacht..

    Nein ! ein weiter wie bisher gibt es nicht. Nein, Elektroautos können in einer „Ökonomy of Scale“ preiswert konstruiert werden.. aber nicht in einer auf dauer schrumpfenden Wirtschaft. Nein ! Es ist völlig unklar, ob sich eine Gesellschaft ausschließlich auf Basis Erneuerbarer Energien mit einem EROEI von vielleicht 5-10, dauerhaft einrichten lässt.

    Auf der einen Seite wollen wir als seriöse Stimme wahrgenommen werden, und laufen mit Hiobsbotschaften gefahr, auf die Spinnerseite gestellt zu werden.

    Aber anders herum muß man doch mal ganz klar sagen.. wer , wenn nicht wir kann deutlich , anschaulich und überzeugend die ganze Tragweite des Problems darstellen.

    Es hat in der Diskussion der Eine gefehlt, der kein Blatt vor den Mund nimmt und das Problem auf den Punkt bringt.

    Hätte ich ohne Hintergrundwissen diese Diskussion gesehen, wäre ich mit dem Fazit gegangen.. Dass es irgendwie schon wird. Dass sich tatsächlich irgendwer kümmert.

    gruß Tom

    • Ert sagt:

      @Tom

      Leider erfahre auch ich – das wenn ich „meine Wahrheit“ ungefiltert ausspreche, das ich meine Zuhörer verliere. Die machen Klappe dicht – ich bin ein Spinner – und am Ende habe ich nicht mal einen „kleinen Gedankenvirus“ absetzen können.

      Das Problem an dem Thema – das insb. auch die Politiker haben, wie es Herr Meadows immer wieder bestätigt – es gibt eben keine ’schönen‘ Lösungen. Die Aussicht ist die auf ‚weniger‘ – und das will keiner. Mit ‚weniger für alle‘ gewinnt man keine Wahlen – auch wenn ‚materiell weniger‘ letztendlich ‚gesellschaftlich mehr‘ bedeuten würde.

      Gerade der letzte Aspekt scheint doch die aktuellen Akteure im wirtschaftlichen und politischen Spiel überhaupt nicht zu interessieren.

      • Tom Schülke sagt:

        Hallo Ert,

        Da hast Du natürlich recht. Was nach meinem Empfinden am ehesten wirkt ist halt ein längerer anschaulicher Vortrag, wie zb. von Richard Heinberg oder filme wie „Peak-Oil, ein Böses Erwachen“.

        Aber bei dieser Veranstaltung war der Rahmen für einen entsprechenden Vortrag wohl auch nicht gegeben. Nichts desto trotz, wäre ich durch das video gerne ins Bild gehüpft um den einen oder anderen Wachzurütteln.

        • Ert sagt:

          Hallo Tom,

          Da kann ich verstehen.

          Das Problem z.B. Am ersten Vortrag ist, das man die aktuelle Welt projiziert auf weniger Energie. Dabei aendert sich alles und der Vortrag schaut viel zu einseitig auf seinen engen Bereich.

          Wichtig ist den Leuten EROIE klar zu machen. Oel für plastiktueten wird’s auch noch lange genug geben – nur insb. nicht mehr für den Transport und das heizen.

          Ich denke Deutschland hat weniger Probleme eine. Alternativen Transport zu organisieren als mit dem Zusammenbruch der Kfz-exportindustrie und allem was daran haengt.

          Weiterhin sind doch min. 50% aller Fahrten totaler Schwachsinn und darauf ist sofort verzichtbar! Ohne das es irgendwem schlechter geht.

          Ich denke man muss die diskussionauch versachlichen und insbesondere aufzeigen was hoehere Ölpreise bzw. Eine limitierte Verfügbarkeit gesamtgesellschaftlich und insb. Gesamtwirtschaftkich bedeutet. Da den Dresdner Oepnv herauszuschneiden bringt es nicht.

          Gruß
          Ert

  5. Ert sagt:

    Hier noch ein link auf eine ASPO Kommentar zum neuen IEA 2012 Report: http://www.dasgelbeforum.de.org/forum_entry.php?id=270579

    Sehr gute Analyse der trickerien im Report – kurzzusammenfassung im Artikel, dann link auf das Originale PDF Dokument.

    Weiterhin wird aber auch hier vergessen, das immer mehr von dem brutto geformten öl und Gas gleich wieder in die tanks der Maschinen geht die den Krempel fördern. Bei tight, Shale, Offshore und oelsaenden ist das nicht unwesentlich!

    Die Einschläge kommen naeher.

    • steffomio sagt:

      „…Der Wolfsburger Autobauer will in den kommenden drei Jahren 50,2 Milliarden Euro in den Ausbau der Werke und die Entwicklung neuer Fahrzeuge mit verbrauchsärmeren Antrieben stecken….“

      Das ist keine Absage von Peak-Oil, sondern dessen Bestätigung und der verzweifelte Versuch in den letzten Jahren des Öls mit sparsamen Modellen die Nase vorn zu haben.

      • Ert sagt:

        @steffomio

        Die neuen Antriebe können bei den immer schwereren Kisten nicht mehr viel richten. Zwar ist der neu Golf etwas leichter geworden – aber das ganze aktuelle Pkw-Konzept ist so kaum tragfähig für Massenmobilität in der globalen Gesellschaft.

        Ziel ist immer noch kann klar: mehr Absatz und der Traum von einem insgesamt wachsenden globalen Markt.

        Ds Problem hat dabei natuerlich die ganze Branche, wobei VW hier sicherlich das Größte Potenzial hat Teillösungen bezogen auf das alte Paradigma zu bringen/entwickeln.

  6. Ert sagt:

    Peakoil ist abgesagt – VW investiert 50 Milliarden Euro in den nächsten 3 Jahren.

    Leider steht in den ganzen Berichten nicht, was alleine die Kerninvestitionsquote sein muss, damit das normale Geschäft weiter läuft – also wie viel „Außergewöhnliche“ Investitionen in den ca. 17 Milliarden pro Jahr enthalten sind.

    Quelle u.a.: http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/unternehmen/rekordinvestitionen-trotz-krise-volkswagen-will-50-milliarden-euro-ausgeben-11969513.html

  7. […] e. G.", der lokalen Energiegenossenschaft. Das Konzept des Abends basierte auf den Veranstaltungen "Dresden auf Entzug I + II" sowie "Chemnitz auf Entzug", die wir im vergangenen Jahr organisiert hatten. Im Detail wurde das […]

  8. […] kleinen Gruppe Peak-Oil-Interessierter zusammen und organisierten zwei Abende unter dem Titel "Dresden auf Entzug – Wie funktioniert die Stadt ohne Öl?". Das Veranstaltungsformat fand später Anwendung in Chemnitz und Weimar. (Und will in weiteren […]

  9. […] am parlamentarischen Betrieb "dranhängen" sei hiermit empfohlen, unser Veranstaltungs-Format "Dresden auf Entzug – Wie funktioniert die Stadt ohne Öl?" für die eigene Kommune zu kopieren, um die Problematik einer schrumpfenden Ressourcenbasis im […]

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