Zum Textbeginn springen . Zur Navigation springen .

Deutschlands Lieferländer 2012

Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) hat Import-Export-Statistiken auch für Erdöl. Deutschland, welches zu ca. 97% von Importen abhängig ist, hat eine Vielzahl an Lieferanten, wirklich bedeutsam sind aber nur eine Handvoll:

Öl-Lieferländer-Deutschland-2012

7 Länder liefern 84% des deutschen Erdölbedarfs, ganz vorn dabei die europäischen Länder Norwegen und Großbritannien, deren Ölförder-Maxima 1999 und 2001 überschritten wurden sowie: Russland. Mit über einem Drittel "Marktanteil" war Putins Land 2012 mit Abstand der wichtigste Lieferant. Die Versorgung aus Russland erfolg hauptsächlich über Pipelines, die seit Jahrzehnten gewachsen eine sehr enge Verzahnung beider Länder darstellen. Wer hier von wem stärker abhängig ist, läßt sich kaum sagen: Deutschland braucht Russlands Öl, Russland braucht Deutschlands Geld. Ohne die Ölexporte hätte der russische Staatshaushalt mit großen Finanzierungslücken zu kämpfen.

Interessant ist nun die Frage: Wie hat sich in diesen Ländern eigentlich die Ölförderung entwickelt. Russlands Förderung ist auf einem Plateau, Norwegen und Großbritannien haben ihre Peaks hinter sich. Summiert sieht die Förderung in den 84%-Lieferanten so aus:

Ölförderung in Deutschlands Hauptlieferländern

Achtung: Diese Darstellung zeigt nicht, wieviel Öl die Länder nach Deutschland lieferten, sondern wie sich die Förderung in den Ländern selbst entwickelte. Der politische Umbruch in der UdSSR macht sich als starker Einbruch ab 1989 bemerkbar. Nur Kasachstan und Nigeria legten in den vergangenen Jahren bei der Ölförderung zu. Alle anderen Länder haben nur noch marginale Steigerungsraten, sind bereits im Ölförder-Sinkflug oder haben mit besonderen Situationen zu kämpfen: So zeigt sich ein Einbruch der Ölförderung Libyens im Jahr 2011 - das ist das Jahr der libyschen Revolution. Kaum auszumalen, wenn solche revolutionären Zustände Russland erreichen würden, einen Einbruch der Ölförderung dieses wichtigen Lieferanten würde Deutschland nicht unberührt lassen. Angesichts der jetzt laufenden zweiten Revolution in Ägypten innerhalb von 2 Jahren (deren Ausgang ungewiss ist) kann nicht davon gesprochen werden, dass der libysche Fördereinbruch ein einmaliger Fall ist. Immerhin hob die libyische Revolution den Ölpreis 2011 binnen Wochen von 100 auf über 120 US$, also ein schneller Anstieg um 20%.

Auffällig ist auch, dass die Gruppe der wichtigsten deutschen Lieferländer ihren gemeinsamen Fördergipfel im Jahr 2005 überschritten haben. Die Abnahme der Förderung beträgt zwar seitdem relativ bescheidene 5,6%, aber wenn Kasachstan nicht bald sein Kashagan-Feld anschließt, wird wohl kein neuer Peak der wichtigsten deutschen Öllieferländer erreicht werden. Die künftige Versorgung hängt letztlich von der Entwicklung in Russland ab: Von dort kommt der Großteil der Importe, dort zeichnet sich allerdings das Förderplateau bereits ab und Russland diversifiziert seine Lieferstrukturen, indem es neue Pipelines Richtung Asien baut.

Natürlich kann und wird auch Deutschland seine Öllieferanten diversifizieren. Die jetzt unter 16% "andere" zusammengefassten Länder werden bei weiterem Rückgang der Förderung der "alten Lieferländer" deren Rolle übernehmen. Ob allerdings Ägypten, Algerien, Angola, Aserbaidshan, Saudi Arabien, Irak, Tunesien oder Venzuela stabil genug sind? Oder ob es weitere Länder geben wird, die künftig Öl nach Deutschland liefern?

Fakt ist: Der Preis für Öl auf dem nordamerikanischen Markt hat diese Woche den Preis von 100 US$ wieder überschritten. Der Fracking-Vorteil der USA gegenüber dem Rest der Welt löst hat sich preislich gesehen bereits nach 2,5 Jahren aufgelöst.

Interessantes:

Guter Artikel? Wertschätzung per: Flattr this! Bitcoin-Adresse: 197sddH9NhoSXuQLKx6pTSSe6oEJPf9xNa

12 Kommentare to “Deutschlands Lieferländer 2012”

  1. Ert sagt:

    Das The Oil Drum schliesst ist schon der Hammer. Aber nach aller Diskussion ist denen, die das auf dem Detaillevel von The Oil Drum beobachten sicher klar was passiert… das Thema ist abgefrühstückt – interessant ist nur noch Zeitpunkt und Dynamik.

    Das unserer Industrie & Politik das PO Thema auch bewusst ist, zeigen doch die Verbrauchsziele für Fahrzeuge und die Energieziele für Häuser (EnEV) – ab 2021 dann nur noch passiv.

    Das ganze ist ein Spagat um das aktuelle Wirtschaftssystem nicht abzuwürgen, dennoch aber irgendwie zu versuchen das umstellen hinzuwurschteln.

    Letztendlich werden wir alle enger zusammen rücken müssen, wenn die Energie knapp wird. Großfamilie in einem Haus. Alles was Alt, Unpraktisch, ohne Garten und Energieschleuder ist wird als Ruine in der Landschaft bleiben. Für ein Rück- oder Umbau ist kein Kapital mehr da.. aber die Grundsteuern, etc. laufen weiter.

    Ich schreibe letzteres weil ich selber solch einen strategischen Klotz am Bein habe. Kann aber nicht verkauft werden – Sentimentalität der Eltern und andere Sachen. Also pragmatische Energetisch mit Zeitziel 10 Jahre verbessern.

  2. wolfswurt sagt:

    Wie ist es möglich, wenn Großbritannien zum Öl-Importeur geworden ist nach dem Peak 1999, daß es nach Deutschland Öl exportiert?

    Vielleicht ist das nach Deutschland exportierte Öl auf dem Papier vorher in Großbritannien importiert worden?

    • Norbert Rost sagt:

      Ja in der Tat: Großbritannien ist seit 2006 Netto-Importeur, importiert also mehr Öl, als es exportiert. Dass angesichts dieser Situation überhaupt Exporte stattfinden hat vermutlich etwas mit den Pipeline-Strukturen zu tun: Es ist einfacher, die alten Exportleitungen zu nutzen, als umzubauen. Dafür bezieht man selbstbenötiges Öl eben aus anderen Quellen.

      Siehe auch: http://www.heise.de/tp/artikel/36/36764/1.html

  3. Florian Hoppe sagt:

    Zum Wochenende:

    Brent: 107,80 USD
    WTI: 103,11 USD

    Gap: 4,69 USD

    @Andere:

    Polen wirds sicher nicht werden (ok, da waren sie auch scharf aus Gas), da gehen derzeit die Bauern aus angs tum ihr wasser auf die Barikaden.

    http://www.dw.de/polnische-bauern-im-kampf-gegen-fracking/a-16921567

    Übrigens kann ich nochmals nur wärmstens empfehlen sich diesen Vortrag von Rubin und Suzuki anzuhören.

    http://www.cbc.ca/ideas/episodes/2013/03/13/the-end-of-growth/

    • Ert sagt:

      @Florian

      Danke für den Link auf das Rubin/Suzuki Interview!

      Es ist für die Peak-Oil’er hier zwar nichts fundamental neues im Redebeitrag von Rubin – aber der Typ hat einfach einen guten Humor – und mit genau dem ist er erfrischend packend!

      Das Zuhören hat einfach viel Spaß gemacht :-)

      • Florian Hoppe sagt:

        @ERT: Das war auch der Hauptgrund warum ich mir Rubins zweites Buch auch, trotz fehlender Übersetzung, besorgt habe. :)

        Er hat einen guten Schreibstil und schafft es mit passenden Vergleichen die aktuelle Problematik einfach zu erklären.

  4. Florian Hoppe sagt:

    Noch ein kleiner Nachtrag von mir zu Ägypten:

    http://www.nachdenkseiten.de/?p=17876#h05

    Bin eigentlich kein Fan der NDS aber der Kommentar ist ansich richtig, auch wenn der Vergleich mit der franz. Revolution Unfug ist. Eher sollte man mit Europa in den 20er und 30er Jahren des 20 Jhdts vergleichenund sich Hugo Portisch und Sepp Riffs großartige Dokureihe „Österreich I“ ansehen. Bei uns waren die Zustände damals ziemlich ähnlich.

    Zum Leserbrief kann ich nur hinzufügen Emmanuel Todds „Frei! Der arabische Frühling und seine Folgen“ sowie „Die unaufhaltsame Revolution: Wie die Werte der Moderne die islamische Welt verändern“ zu lesen. Diese Werke waren für mich sehr aufschlussreich und stehen ebenfalls im krassen Gesatz dazu was im Zeitungsmainstream verbreitet wird.

    Bei „Frei“ ist übrigens noch zu bemerken, daß das dort transkripierte Interview Anfang Februar 2011 stattfand, also knapp vor dem Bürgerkrieg in Libyen, welcher Gaddafi 8 Monate später das Leben kostete.

    Todd hat wiederholt die Rolle der „Ölrente“ und daurch als Bremser der Modernisierung in bestimmen Gebieten bezeichnet, da diese Staaten wegen seiner Ressourcen nicht von seiner Bevölkerung abhängig ist.

    In Lybien konnte sich Gadaffi lange Zeit durch ölfinanzierte Söldner an der Macht halten. (Als es zum Bürgerkrieg kam, wars natürlich bald damit Essig.)

    Saudi Arabien steckt laut Todds Modell mitten im demographischen Übergang und pumt nicht umsonst seine Ölmilliarden vermehrt in Programme um die Bevölkerung zu befrieden.

    http://www.ft.com/intl/cms/s/0/af13f09c-405f-11e1-9bce-00144feab49a.html#axzz2PanyWaHL

  5. Sukram sagt:

    Russische Ölexporte in EU auf Zehn-Jahres-Tiefpunkt

    Die russischen Öllieferungen in die EU haben derzeit mit 2,1 Millionen Barrel pro Tag den geringsten Umfang seit zehn Jahren erreicht, berichtet Financial Times. Experten führen den Rückgang auf wachsende Exporte nach Osten zurück. Seit 2010 hat Russland nach Angaben des Blattes seine Rohöllieferungen nach Asien auf fast 500 000 Barrel pro Tag wesentlich aufgestockt…

    http://www.brennstoffspiegel.de/energiemarkt.html?newsid=15912&title=Russische+%C3%96lexporte+in+EU+auf+Zehn-Jahres-Tiefpunkt&start=0

  6. […] Entwicklung ist angesichts dessen bedeutsam, dass Russland in 2012 für 36% der Öllieferungen nach Deutschland verantwortlich war und die russischen Ölfirmen ihre Liefermöglichkeiten nach China stark […]

  7. […] diese Forderung an die (instabile) libyische Regierung richten oder an die Abnehmerländer. Deutschland bezog 2012 aus Libyen immerhin 9% seiner Ölimporte, was das Land zum viertgrößten Öllieferanten des Exportweltmeisters macht. Auch […]

  8. […] in einem russischsprachigen Forum ein User namens "pik" auf den Artikel Deutschlands Lieferländer 2012 vom Sommer 2012 verwiesen und eine Diskussion ausgelöst hat und nachdem im SPIEGEL Krimticker […]

  9. […] makes up around a third of German energy supply. Slightly more than a third of this oil is imported from Russia, so add on another 12-13 percent. Germany also gets roughly a […]

Diesen Eintrag kommentieren: