Zum Textbeginn springen . Zur Navigation springen .

Vankor: Russlands größtes Ölfeld schon am Peak?

Reuters meldet, dass Rosneft die die vorhergesagten Fördermengen des größten Ölfelds Russlands Vankor nach unten angepasst hat. Laut Reuters ist das Ölfeld daher wichtig, weil es sowohl gen Westen wie auch gen Osten liefern kann. Rosneft sagt gegenüber Reuters:

"In the event of possible deviations, existing agreements and the most profitable supply routes will be prioritised."

"Im Fall möglicher Abweichungen (von der Produktion) werden bestehende Verträge und die profitabelsten Lieferrouten priorisiert."

Was nichts anderes heißt wie: Wer die besten Verträge mit dem Ölförderer macht oder gemacht hat, und wer am meisten zahlt, kriegt das Öl.

Diese Entwicklung ist angesichts dessen bedeutsam, dass Russland in 2012 für 36% der Öllieferungen nach Deutschland verantwortlich war und die russischen Ölfirmen ihre Liefermöglichkeiten nach China stark ausbauen. Bereits im Juni wurden sehr überschaubare Wachstumszahlen für die Ölförderung Rosnefts gemeldet verbunden mit intensiveren Geschäftsverbindungen nach China. China macht sich dabei den strategischen Vorteil zunutze, den Reuters "Cash now, Oil later" nennt: Vorabzahlungen auf später zu lieferndes Öl. Die absehbaren Steigerungen, die Rosneft für seine Ölförderung anstrebt (von 4,2 Millionen Barrel pro Tag heute auf 4,4 Millionen Barrel pro Tag in 2020) reichen nicht ansatzweise, um das chinesische Bedarfswachstum zu decken. Reuters nennt für China einen erwarteten Bedarf von 9,2 Millionen Barrel Öl am Tag in 2020. China importierte 2012 4,7 Millionen Barrel Rohöl täglich, das sind 700.000 Barrel Tagesimporte mehr als noch ein Jahr zuvor. Russland wird einen Großteil des Bedarfswachstums decken wollen/müssen. Wenn Rosneft nun noch seine Förderaussichten kürzt, wird das Verhältnis von Ölangebot und Ölnachfrage, dem in Russland vor allem Europa und China gegenüberstehen, arg strapaziert. Rosneft und China vereinbarten auch eine gemeinsame Erkundung neuer Ölfelder in Sibirien und dem Fernen Osten. Mögliche Funde sollen laut RiaNovosti gen Asien fließen.

Im Juni kam hier die Aussicht auf, die seit 2011 existierende Lücke zwischen dem für den US-amerikanischen Markt gültigen WTI-Preis und dem für den europäischen Markt gültigen Brent-Ölpreis würde sich wieder schließen. Doch auch heute klaffen 10 US$ als Preislücke zwischen Europa (Brent: ca. 107 US$) und den USA (WTI: ca. 97 US$), was angesichts der europäisch-russisch-chinesischen Ölsituation die Frage aufbringt: Steht der Ölmarkt mit dem Erreichen der vielen lokalen Ölfördermaxima vor einer Spaltung? Wird sich wie beim Gas eine stärkere Differenzierung der nordamerikanischen und der europäisch-eurasischen Situation ergeben, die jeweils unterschiedliche Versorgungsstrukturen und unterschiedliche Preise hervorbringt? Wenn Russland sich die Importabhängigkeit der (den Peak hinter sich habenden) Europäer und der aufstrebenden chinesischen Volkswirtschaft zunutze macht, könnten zwischen diesen Handelspartnern bald ganz andere Preise akzeptabel sein, als in den USA, die dank Fracking derzeit eine (relative) lokale Überversorgung haben, auch wenn sie die Öl-Selbstversorgung (trotz anderslautender Medienberichte) nicht erreichen.

 

Weitere Infos:

Guter Artikel? Wertschätzung per: Flattr this! Bitcoin-Adresse: 197sddH9NhoSXuQLKx6pTSSe6oEJPf9xNa

13 Kommentare to “Vankor: Russlands größtes Ölfeld schon am Peak?”

  1. Florian Hoppe sagt:

    @USA: Hab ich ja schon vor einigen Tagen gepostet, aber hier nochmal. (Vor allem, weil Patterson inzwischen noch einige Ergänzungen hinzugefügt hat und die Kommentare hoch interessant sind.)

    http://peakoilbarrel.com/bakken-eagle-ford-eia-data/

    Daß Eagle Ford, wo inzwischen mehr Öl gefördert wird als in der Bakken Formation schon Decline Raten von fast 50 Prozent hat ist der helle Wahnsinn.

    Du hast mal hier geschrieben…

    http://www.peak-oil.com/2013/08/fracking-in-der-bakken-formationnord-dakota-peak-in-sicht/

    , daß du denkst, daß das Fördermaximum 2015 erreicht wird. Tja, Patterson wird dir hier wohl voll zustimmen.

    Und damit wird die US Preisentwicklung interessant. Erinnern wir und noch an diesen Artikel vom Juni.

    http://www.businessinsider.com/alliancebernstein-shale-oil-boom-ending-2013-6

    Die Prognose von einem Durchschnittspreis von 96 USD für WTI war im Prinzip richtig, wobei die Syrienkrise den Preis für kurze Zeit doch ziemlich kräftig nach oben geschubst hat.

  2. Ert sagt:

    Weil unsere Qualitaetsmedien auch ueber 12h nach dem Ereignis noch NICHTS berichtet haben: In der Naehe der Japanischen Ostkueste – Fukushima – gabs win 7.1er Beben mit kleinem (kleiner 1m) Tsunami: http://www.reuters.com/article/2013/10/25/us-japan-quake-idUSBRE99O0T820131025:

  3. Ert sagt:

    P.S.: man wusste sofort das absolut NICHTS passiert ist! Sehr beruhigend bei der vollkommen soliden konstruktion der Auffangbehaelter und dem Zustand der Ruine.

  4. Bruno Müller sagt:

    Ich frage mich, warum schickt Rosneft eine solche Meldung an Reuters raus. Das tut kein Unternehmen, auch nicht ein Ölkonzern einfach so. Da zucken doch die Geldgeber (Investoren) zusammen und knausern bei weiteren, jedoch unumgänglichen Investitionen (Global: 7-10 Trillion US-Dollar bis 2035) http://aspo-deutschland.blogspot.de/2013/09/fueling-economic-growth.html. Richtig wäre doch, einen auf Optimismus zu machen.

    Solche Meldungen, bei Reuters platziert, also für die Weltpresse gedacht, können den Ölpreis in Bewegung bringen, in diesem Falle nach oben. Derzeit dümpelt der Warenkorbpreis für einen Barrel Öl so um die 107 US-Dollar herum. Zu wenig für Putins Staatshaushalt, der so um die 150 US-Dollar braucht, um ihn ausgeglichen zu halten. http://www.peak-oil.com/2012/03/putins-preis-ist-heiss-150-dollar-pro-barrel/ Jeder Zusatzdollar tut ihm gut.

    • Norbert Rost sagt:

      Reuters bezog sich auf eine Meldung auf einer lokalen Behördenseite, die jedoch verschwandt. Daraufhin fragte man bei Rosneft an. Sieht nicht so aus, als wäre die Initiative von Rosneft ausgegangen, aber wer weiß?

  5. Ert sagt:

    Interessante Doku von Toby Hemmenway zum Thema Zivilisation, Entwicklung und Energährung – insb. der Weg zur heutigen Art der Landwirtschaft / Bodennutzung und vorhergehenden bzw. alternativen Möglichkeiten: http://www.patternliteracy.com/videos/how-permaculture-can-save-humanity-and-the-planet-but-not-civilization

    Er zeigt auf, das unser heutiges System – auch ohne den Turbo der „Grünen Revolution“ in keiner Weise Nachhaltig ist oder dauerhaft betrieben werden kann – und in der Menschheitsgeschichte auch noch nicht nachhaltig betrieben wurde.

    Angesichts dieser sehr guten und sachlichen Doku – ein Bischen wie Tainter für Essen – wird doch recht plausibel, das die 7-8 Milliarden nicht langfristig gehalten werden kann und das Bodenverschlechterung sowie Erosion sehr ernstzunehmende Themen sind.

    • Florian Hoppe sagt:

      Hier muß man allerdings auch bedenken, daß es hier vorauasichtlich die Länder mit starkem Bevölkerungswachstum, also Indien und Afrika am schwersten haben werden.

      Aber teilweise Frage ich mich ob dieses Wachstumszenario tatsächlich eintreffen wird. Warum?

      http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/bevoelkerungsstudie-indien-und-china-droht-massiver-frauenmangel-a-750782.html

      Wie soll sich die Bevölkerung hier weiter vermehren, wenn es an Frauen nangelt?

      In China hat dieser demographische Wandel schon Folgen.

      http://www.welt.de/politik/ausland/article108689405/Chinas-Gesellschaft-altert-ploetzlich-rapide.html

      Oder schauen wir uns mal diese Karten im Wikiartikel an.
      http://de.wikipedia.org/wiki/Geschlechterverteilung

      Damit bleibt theoretisch Afrika der Kontinent im dem stärksten Wachstum. Und hier stellt sich mir die Frage ob hier AIDs teilweise eine ähnliche Wirkung haben könnte wie bei uns in Europa sie die Pest hatte.

      http://de.wikipedia.org/wiki/HIV/AIDS_in_Afrika
      http://www.netzwerkafrika.de/dcms/sites/nad/themen/aids/wirtschaft.html

      • Stephan sagt:

        Zum Thema AIDS ein Dokument, das eigentlich ganz gut erklärt, warum es ausgerechnet in Afrika so viele AIDS-Tote und -Infizierte gibt bzw. warum es dort genauso gut auch, so viele oder besser so wenige wie bei uns geben könnte:

        „Die Bangui-Definition
        von Guido Höner

        1. Die Definition – Prüfung der Definition für Erwachsene – Prüfung der Definition für Kinder – Neue Krankheit – Neue Definition – Ausdehnung – Anwendungsbeispiel – Verbreitung
        2. Mangelernährung – Produktion – Kolonialismus – Neokolonialismus – Schulden – ‚Fall‘-Beispiel – ‚AIDS-Ethik‘
        3. Pestizide – Absatz – Folgen – Symptome – Weitere Gifte – Öko – Zukunft – Entsorgung
        4. Krankheiten – Statistik – Symptomatik – Kolonialmedizin – Gesundheitsgürtel – Sozialmedizin – Demokratie – Propaganda – Unabhängigkeit – Weltbank
        5. Medikamente – Tropenheilmittel – WHO – Markt – Erpressung – Werbung – Symptome – Die SMON-Viren
        6. Impfungen -Symptome – Ursachen – Pocken – Impfmüdigkeit – HIV-Impfungen – Folgen
        7. Verhütungsmittel – Depo Provera – Norplant – Anti-Schwangerschafts-Impfung – Symptome – Institutionen
        8. Babynahrung – Markt – Folgen – Strukturen
        9. Kommentar
        Dieser Text erschien 1995 in der Broschüre „AIDS – Afrika – Bevölkerungspolitik“ des Projekts Kritische AIDS-Diskussion in Berlin. Für die Website wurde er im Mai 2001 geringfügig überarbeitet.“
        http://www.rethinkingaids.de/afrika/bangui.htm

    • Stephan sagt:

      Zur „Grünen Revolution“:

      „Der „Tresor des jüngsten Gerichts“
      in der Arktis
      Gates, Rockefeller und die GMO-Giganten wissen mehr als wir.

      Von F. William Engdahl, 3. Dezember 2007
      Englisch erschienen in Global Research

      Dieselbe Rockefeller-Stiftung schuf die sogenannte Grüne Revolution. Der Plan dafür entstand während einer Reise nach Mexiko, die Nelson Rockefeller 1946 zusammen mit Henry Wallace unternahm, der im New Deal für die Landwirtschaft zuständig war und später die Saatgutfirma Pioneer Hi-Breed gründete.

      Die „Grüne Revoution“ gab vor, das Problem des Hungers in der Welt zu lösen, in einem ersten Schritt in Mexiko, Indien und anderen ausgewählten Ländern, in denen die Rockefeller-Stiftung aktiv war. Der Agronom der Stiftung, Norman Borlaug, bekam für seine Arbeit den Friedensnobelpreis – nichts worauf man noch stolz sein könnte, nachdem auch Henry Kissinger ihn bekommen hat.“
      http://www.engdahl.oilgeopolitics.net/print/Saatgutbank%20des%20Bill%20Gates%20in%20der%20Arktis.htm

      Die „Grüne Revolution“ bzw. die „Grüne Gentechnik“ ist letztlich auch ein raffiniert eingeführtes Geldumverteilungssystem – von unten nach oben.
      Es gibt weltweit immer noch 1000de Nutzpflanzensorten, die an alle möglichen Gegebenheiten angepasst sind. Die Gentechnik sollte alles viel einfacher und effizienter machen (für das „big Agrobusiness“). Sie hat aber nur zur Zerstörung des Bodens und in die Abhängigkeit bei Millionen Landwirten geführt, weil sie nur kurze scheinbar einen Vorteil bringt – Stichwort „Superunkräuter“.
      Der Grenzwert für den Wirkstoff Glyphosat (Round-up-Ready) wurde für den Import des Futtermittels Gensoja in die EU in den letzten ca. 20 Jahren mehrfach erhöht, weil davon immer versprüht werden muss, um den „Unkräutern“ Herr zu werden.

  6. Roderik sagt:

    Das Spiel: „Cash now, Oil later „macht doppelt Sinn für China.

    Einmal brauchen die Chinesen die Rohstoffe (die immer teuerer zu werden drohen) jetzt, andererseits sitzen sie auf einem Berg von Dollars, der seinen Wert verlieren könnte, wenn die Teaparty sich auf dem Weg in den US-Staatsbankrott durchsetzt. Dieses Schauspiel wird demnächst im Februar 2014 neu aufgeführt werden.

    Also ist es besser, die amerikanischen Haushalte nicht mehr per Anleihen zu finanzieren (das macht die US-Notenbank selber), sondern alle Dollar-Gewinne aus den US-Geschäften in Rohstoffflüsse zu investieren und diese möglichst für die Zukunft zu fixen. Dies betrifft nicht nur Öl.

    Dieses Vorgehen Chinas treibt die Preise in den Regionen, die sich nicht selbst versorgen können.

    • Ert sagt:

      Ja, Norbert arbeitet die wichtigen Details hier sehr, sehr gut raus.

      Die ganze Mechanik ist viel weiter als das reine klassische Verständnis vom klassischen „Peak“. Selbst wenn der absolute globale Förderhöhepunkt erst 2036 sein sollte sind die Fragen doch:
      – Wie sieht die Preisentwicklung aus?
      – Welche Aufwände müssen für die in den nächsten 20 Jahren für neu zu erschliessende Kapazitäten gezahlt werden?
      – Wie sieht das mit der Vorfinanzierung aus?
      – Bleiben die Zinsen so niedrig?
      – Gibts ggf. eine Wirtschaftskrise mit temporären Nachfrage- und Preisrückgang?
      – Was hat das für Auswirkungen auf neue Explorationen?
      – Welche „Ölqualitäten“ werden in Zukunft gefördert?
      – Was ist die „Netto“-Menge die abzüglich der Aufwände für die Förderung wirklich „über“ ist?
      – Wann ist –diese– „Netto“ Menge am „Peak“?
      – Was ist wenn diese Menge noch um die schlechtere Benzin&Co. Ausbeute bei Schwerölen bereinigt wird?
      – Was an Mengen wird schon vorab (ala China) vom Exportmarkt vertraglich „weggesichert“.
      – Welche Menge kommt am globalen Exportmarkt „frei verfügbar“ wirklich wann an?
      – Was ist die Situation von $ und € in 10 Jahren?
      – Werden diese Währungen so wie heute akzeptiert?

      Das fällt mir einfach so Ad-Hoc ein und ist deutlich ausdehnbar.

  7. Michael Egloff sagt:

    Zu Russland: dieses Land war bezüglich der Situation auf dem Weltölexportmarkt in den letzten 15 Jahren der Hauptentspannungsfaktor. Russland zeigte, dass vorübergehend (!) und ausnahmsweise (!) ELM auch mal deutlich anders herum funktionieren kann. Zuerst brach der russiche Eigenbedarf massiv ein und hat seither nie wieder das Niveau der 80er Jahre erreicht.
    Dann gelang es, die zunächst eingebrochene Ölförderung wieder nahe an alte Rekordstände zu treiben, so dass Russland gegenwärtig so viel Öl exportieren kann, wie nie vorher.
    Und nachdem man vor 3 Jahren über ein beginnendes russisches Förderdecline zu spekulieren begann, konnte gegen alle Erwartungen Russland imer noch eine kleine Schippe drauflegen – von Jahr zu Jahr.

    Aber meine Vermutung ist, dass sich in den nächsten 2 bis 3 Jahren der Trend zu drehen beginnt. Ein anziehender Eigenverbrauch ist bereits jetzt festzustellen und wird auch durch die immer noch sehr starken Fahrzeugverkäufe in Russland für die nächsten Jahre wahrscheinlich.
    Andererseits wird in Russland derzeit offensichtlich gefördert, was der Bohrer hergibt. Die produktivsten Fördergebiete in Westsibirien dürften nun die besten Zeiten hinter sich haben und die Förderregionen am kaspischen Meer, Sachalin-2 und anderen Teilen Ostsibiriens werden das wohl nicht mehr länger kompensieren oder gar überkompensieren können – so wie in den letzten Jahren.
    Dazu kommt eine verstärkte Exportorientierung in Richtung Asien.

    Nach den Jahren der positiven Überraschungen könnte Russland in den nächsten Jahren eher für negative Überraschungen – speziell für Europa – gut sein.

    Und wenn man sich die bereits stark dezimierten Reserveschätzungen Russlands ansieht, kann es gut sein, dass Russland seine noch enorme Ölexportkapazität in den 20er Jahren ziemlich schnell einbüßt und Anfang der 30er Jahre völlig verliert.

Diesen Eintrag kommentieren: