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Deutschlands Öllieferländer 2013 vor dem Konflikt-Hintergrund Ukraine/Russland

Nachdem in einem russischsprachigen Forum ein User namens "pik" auf den Artikel Deutschlands Lieferländer 2012 vom Sommer 2013 verwiesen und eine Diskussion ausgelöst hat und nachdem im SPIEGEL Krimticker zu lesen ist, dass zwar die Gasversorgung in und durch die Ukraine weiterhin problemlos verläuft, aber Gazprom Preiserhöhungen für Gaslieferungen ab dem 2. Quartal prüft, habe ich die Öl- und Gaslieferländer Deutschlands anhand von BAFA-Daten nochmal angeschaut. Für die Öllieferungen hat das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle für 2013 vorerst vorläufige Daten veröffentlicht, für Erdgas liegen die Daten bislang nur bis 2012 vor:

Öl-Lieferländer-Deutschland-2013

Der Rohölverbrauch Deutschlands hat demnach von 2012 zu 2013 von 96 Millionen Tonnen auf 93 Millionen Tonnen abgenommen (-3%). Die Ölförderung in Deutschland hat leicht um 0,8% auf 2,62 Millionen Tonnen zugenommen. Der Anteil Russlands am deutschen Ölverbrauch schrumpfte zwar von 36,2% auf 33,8%, dennoch ist das Land weiterhin Deutschlands wichtigster Ölversorger. Auffällig ist, dass der zweitgrößte Lieferant von 2012 - Großbritannien - seine Öllieferungen stark schrumpfte: Statt 13,3 nur noch 9,3 Millionen Tonnen und damit von einem Marktanteil von 13,8 auf 10%. Norwegen legte dagegen leicht zu, auch wenn dort - genau wie in Großbritannien - der lokale Peak Oil längst überschritten ist. Mit Aserbaidshan und Kasachstan steigern zwei andere Lieferländer im russischen Einflussbereich ihren Anteil, während Libyen aufgrund der instabilen politischen Situation als Lieferant an Bedeutung verlor:

Oellieferungen nach Deutschland 2012 und 2013

Laut ASPO/USA importiert die Ukrainie 75% ihres Ölbedarfs aus Russland, ein strategischer Joker, der schnell zum Einsatz kommen könnte, wenn Russland seinen Einfluss in der aktuellen Krise ausweiten will. Die Bedeutung der Ukraine als Transitland für russisches Erdgas nach Europa ist geschrumpft. Laut ASPO liefen 2004 noch 120 Milliarden Kubikmeter Gas durch Pipelines auf ukrainischem Territorium gen Westen, 2012 waren es "nur" 84 Milliarden Kubikmeter. Dies ist das Ergebnis der Nord-Stream-Pipeline von Russland durch die Ostsee, für die sich Gerhard Schröder stark eingesetzt hatte - sowohl als Bundeskanzler als auch danach. Über Nord-Stream geht inzwischen offenbar ein größerer Teil der Gaslieferungen, was die unsichere Ukraine im großen Energiestrategiespiel ein wenig umgeht.

Die Veränderung der Liefer-Routen ändert aber nichts daran, dass Europa und Deutschland extrem abhängig von russischem Gas sind. Wie stark, zeigt folgende Grafik, die ich leicht erweitert von der BAFA übernommen habe. Sie zeigt die Erdgaseinfuhr (im Gegensatz zu obigen Öldiagrammen ohne Deutschlands Eigenförderung) seit 1966 gegliedert nach Quell-Ländern. Drei große Player versorgen den deutschen Markt: Die Niederlande, Norwegen und Russland. Die Prozentzahlen am Rand der folgenden Grafik weist den Anteil an den Gas-Importen im Jahr 2012 aus (Großbritannien und Dänemark werden seit 2000 aus "Datenschutzgründen" unter "nicht ermittelte Länder" ausgewiesen):

Erdgaseinfuhr nach Deutschland, BAFA

Weiteres:

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11 Kommentare to “Deutschlands Öllieferländer 2013 vor dem Konflikt-Hintergrund Ukraine/Russland”

  1. Florian Hoppe sagt:

    Tja, und wenn Zar Gasputin seine Hand am Hahn hat, hat er den Konflikt scho nso gut wie gewonnen.

    Der Kommentar von Nafeez Ahmed ist imo. besonders lesenswert.

    Dies zeigt wieder einmal wie wichtig Iniziativen, wie in meiner Rezi beschrieben, wichtig für unsere Zukunft sind.

    http://www.peak-oil.com/2014/03/rezension-der-futur-zwei-zukunftsalmanach/

  2. Frank Bell sagt:

    „ukrainischen Milliardäre“

    Da es denen wohl eher um ihren Geldbeutel geht, appellieren sie an das Nationalgefühl…

    (Der Schlusssatz erwähnt diesen wichtigen Punkt.)

  3. Ert sagt:

    @Norbert – danke für die Links auf die BGR-Studien.

    Interessant ist, das die klimatischen Bedingungen, und auch die Energiekosten als Hindernis für die Förderung von Rohstoffen in Grönland angegeben wird – das lässt hoffen, das Grönland nicht auch noch versaut wird – gerade weil dort Uran und viele seltene Erden vermutet werden, die gigantische Umweltschäden beim Abbau und der Aufbereitung hinterlassen.

    Hier noch ein sehr interessanter Kommentar bei Peak-Oil Barrel zu einem neuen Bericht von Jeremy Leggit und Charles Maxwell: http://peakoilbarrel.com/eias-petroleum-supply-monthly-state-texas-reporting-problems/comment-page-2/#comment-10868

    Beiden Artikel, die dort verlinkt sind, gegen auf die Thematik von Peak-Oil und Capex (Kapitalaufwand) der Öl-Majors ein. Es verdichten sich immer mehr die Daten, das wir ein Peak-Oil noch deutlich in dieser Dekade sehen werden – weil der Ölpreis nicht hoch genug steigt, wie es Gail Tverberg schon länger vermutet. Die Volkswirtschaften können einen Preis von >120$/Barrel nicht leisten und mit diesem Preis wird sehr, sehr viel der möglichen neuen Exlorationsprojekte nicht mehr profitabel stattfinden können – also auch nicht angegangen.

    Das macht die Ideen und Projekte aus dem „FuturZwei Almanach“ und eine Postfossile Kultur um so wichtiger.

  4. Markus Knoll sagt:

    Nur keine Panik- genug Reserven ;-)

    „Europe Gas Stockpiles Seen Enough for 45-Day Ukraine Supply Cut“
    http://www.bloomberg.com/news//2014-03-04/europe-gas-stockpiles-seen-enough-for-45-day-ukraine-supply-cut.html

  5. deedl sagt:

    Die Abhängigkeit von Russland ist ein zweischenidiges Schwert. Sicherlich hat Putin theoretisch die Möglichkeit, Europa den Gas- und Ölhahn zuzudrehen. Aber dabei wird vergessen, dass der russische Export hauptsächlich über Pipelines abgewickelt wird. Kurzfristig hat Russland wenig Möglichkeiten, sein Zeug woanders loszuwerden.

    Das bedeutet, Russland hängt an unserem Geldhahn. Das bedeutet zunächst, dass die Gefahr realtiv gering ist, dass Russland uns irgendwelche Hähne zudreht, weil denen dann ganz schnell das Geld ausgeht. Das bedeutet aber auch, dass eine Senkung unseres Bedarfes an fossilen Rohstoffen nicht nur als ein Senken unserer Abhängigkeit, sondern gleichzeitig eine enorme finanzielle Schwächung Russlands ist.

    Wenn Russlands geostrategische Stärke die eigenen Öl- und Gasvorkommen sind, dann haben wir den Hebel in der Hand, diese Stärke zu neutralisieren, indem wir das Zeug nicht mehr abnehmen. Die große Gefahr ist allerdings, dass wir Russland damit ermutigen, neue Pipelineprojekte z.B. nach China zu bauen, und dort sein Zeug loszuwerden.

    Nur wenn wir es schaffen, unsere Abhängigkeit schneller zu senken als Russland neue Pipelines bauen kann, geht dieses Spiel für uns auf.

    Ansonsten werden wir gute Mine zum bösen Spiel machen und weiter brav Monat für Monat Milliarden in Putins Reich überweisen und auf „diplomatische Lösungen“ setzen, also nicht zu viel Schlechtwetter machen.

    • Michael Egloff sagt:

      Hallo deedl,
      zunächst möchte ich Dir völlig recht geben: kurzfristig ist Russland genau so von Europa abhängig, wie umgekehrt.
      Aber mittel-/langfristig (auf Sicht von ca. 10…15 Jahren) hat Russland schon die Möglichkeit, die Öl- und Gasströme mehr in Richtung des unersättlich wachsenden chinesischen Marktes zu lenken. Bemühungen in diese Richtung gibt es ja bereits.

      Und die Möglichkeit, dann diese gewaltigen Volumen durch andere Lieferanten zu decken, wird für Europa sukzessive problematischer werden.
      Langfristig gesehen sind wir also von Russland stärker abhängig, als die von uns.

      Zusätzlich rechne ich damit, dass die russischen Exportkapazitäten bei Öl ab Beginn der 20er Jahre deutlich abnehmen werden, bei Gas spätstens ab den 30er Jahren.
      Und das zusätzlich zu der Tatsache, dass die Öl- und Gasproduktion in Europa ex Russland immer weiter abnehmen wird, wir also immer importabhängiger werden.
      Das wird für uns also selbst dann zum Problem, wenn die geopolitischen Konflikte sich in Grenzen halten.

  6. Florian Hoppe sagt:

    Apropos. Wegen der Gaspreisschwankungen hab ich die letzten Wochen über nicht so auf die Ölpreisentwicklung geachtet.

    Heute schaue ich auf den Graphen bei Finanzen.at sehe bei den Brent und WTI Graphen doch deutliche Unterschiede.

    Brent war den Januar über relativ stabil und schoss erst gegen Ende etwas hoch. Die Preisentwicklung tendiert nach oben, aber nur in kleinen Sprüngen.

    Der WTI Preis hingegen schießt seit Mitte Januar fast kontinuiertlich in die Höhe.

  7. Frank Bell sagt:

    Könnte fracking etwas mit dem von den USA finanzierten Putsch in der Ukraine zu tun haben?

    Hier einige Artikel dazu:

    — + —

    Ukraine has an estimated 42 trillion cubic feet (tcf) of technically recoverable shale gas reserves, according to the U.S. Energy Information Administration (EIA), ranking its deposits as the fourth largest in Europe behind Poland (187 tcf), France (180 tcf), and Norway (83 tcf).

    The EIA believes the most promising shale reserves appear to be in the Lublin Basin, which extends from Western Ukraine into Poland, and the Dnieper-Donets Basin in the East (which borders Russia).

    However, the full extent of these reserves has yet to be proved.

    Drilling began by Polish company Kulczyk Oil Ventures in a license area it acquired in June 2010.

    In January 2013, Royal Dutch Shell signed a $10 billion (€7.45 billion) deal for shale exploration and extraction at the Yuzivska field in the east of the ex-Soviet republic.

    Chevron wants to explore the Olesska shale field in western Ukraine, another $10 billion deal that was finalized in November 2013.

    Officials are also gearing up to finalize a deal with Italy’s Eni SpA and France’s EDF SA for developing offshore oil and gas in the Black Sea.

    — + —

    http://www.sourcewatch.org/index.php/Ukraine_and_fracking

    — + —

    15. Januar 2014 12:00
    Schiefergasförderung

    EU ebnet Weg für Fracking

    Befürworter des Frackings drängen daher auf einen möglichst schnellen Ausbau der Fördertechnik. Vor allem Großbritannien und Polen, aber auch die Ukraine sind an Fracking interessiert. Sie versprechen sich Arbeitsplätze, Wachstum und eine unabhängige Energiequelle. Das zieht bereits Energiekonzerne wie Total an. Der französische Konzern will künftig in Großbritannien Schiefergas fördern. In Frankreich hingegen ist Fracking zum Schutz des Gemeinwohls verboten, ein Verbot, das vom Verfassungsgericht in Paris bereits bestätigt wurde.

    — + —

    http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/schiefergasfoerderung-eu-ebnet-weg-fuer-fracking-1.1863180

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    Russia Concerned About Pollution From Ukraine Fracking

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    http://www.themoscowtimes.com/business/article/russia-concerned-about-pollution-from-ukraine-fracking/492928.html

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    Russia: Fracking To Free Ukraine

    — + —

    https://www.strategypage.com/qnd/russia/articles/20140222.aspx

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