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Europas Ölversorgung zwischen Russland und China

In Vorbereitung auf die Podiumsdiskussion "Was kommt nach Öl und Gas?" in der 4Elemente-Veranstaltungsreihe in Dresden habe ich mir die aktuellen Zahlen zur europäischen Ölversorgung nochmal angeschaut. Europas Ölversorgung ist für Dresden relevant, weil die Stadt in die europäischen Pipeline- und Handelsstrukturen eingebunden ist. Europas Ölförderung hat seinen Peak längst hinter sich: Seit 2003 schrumpft die jährliche Ölförderung und sie tut es seitdem mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 5,7% pro Jahr. Hält diese Schrumpfungsgeschwindigkeit an, bedeutet dies eine Halbierung der jährlichen Fördermenge alle 12 Jahre.

Auch der Ölbedarf Europas hat seinen Höhepunkt bereits hinter sich. Am höchsten war der europäische Ölverbrauch im Jahr 2006, seitdem sinkt er und zwar mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 1,4% pro Jahr. Das folgende Diagramm zeigt sowohl die Ölförderkurve (dunkelblau) wie auch die Ölverbrauchskurve (dunkelgrün) und schreibt die bisherigen Schrumpfungsraten in eine mögliche Zukunft bis ins Jahr 2030 fort (helle Kurven):

europa_oelfoerderung_oelverbrauch_bis_2013

Nachhaltig wäre, wenn der Ölverbrauch mit derselben Geschwindigkeit schrumpfen würde, wie die europäische Ölförderung. Dies würde jedoch bedeuten, dass sich die Einspar-Anstrengungen vervierfachen müßten. Da Öl insbesondere im Verkehrs- und im Heizungsbereich aber auch in der Chemieindustrie eingesetzt wird, müßte eine Peak-Oil-Anpassungsstrategie diese drei Sektoren einer besonderen "Energie- und Rohstoffwende" unterziehen. Eine politische Diskussion, die die Input-Seite des Energiesystems in den Fokus nimmt, wird bislang nur punktuell sichtbar: So war jüngst zu lesen, dass das Energieministerium aus Klimagesichtspunkten die Stilllegung von 10 Gigawatt Kohlekraftwerksleistung ins Auge fasst und damit Kohle aus Energieträger bewusst aus dem Energiesystem drängt. Ähnliche, die Input-Seite des Energiesystems betreffende Überlegungen findet man hinsichtlich des Ölverbrauchs bislang nicht. Dabei zeigt obiges Diagramm, wo sich bei Fortschreibung der bisherigen Entwicklung Probleme ergeben könnten: Nämlich beim Ölimport nach Europa.

Seit jeher liegt der Ölverbrauch im industrialisierten Europa weit über der eigenen Ölförderung. Von 14 Millionen Barrel Tagesverbrauch wurden nur 4 Millionen Barrel in 2013 im eigenen "Hoheitsgebiet" gefördert - 10 Millionen Barrel mussten täglich importiert werden. Bei einer Fortschreibung der bisherigen Schrumpfungsentwicklung würde jedoch genau diese Zahl nicht mitschrumpfen: Auch in 2030 läge der Importbedarf in dieser Größenordnung. Dies wirft die Frage auf: Wäre dieser konstante europäische Importbedarf überhaupt auf dem Weltmarkt zu decken?

Die 3,8 Milliarden Barrel (600 Milliarden Liter) im Wert von über 400 Milliarden US$ kamen 2013 laut EU-Kommission aus folgenden Weltregionen:

europas_oel_lieferanten_2013

Afrika, insbesondere Libyen, Nigeria und Algerien sowie die frühere Sowjetunion beliefern den "alten Kontinent". Russland lieferte allein 30% des Ölbedarfs und ist damit die wichtigste Quelle für den hiesigen Verbrauch (Kasachstan lieferte 5,6%, Aserbaidschan 4%). Eine Fortschreibung des europäischen Ölverbrauchs ohne gleichzeitige Fortschreibung russischer Lieferungen ist schwer vorstellbar - insbesondere da Europa mit Russland über ein dichtes Pipeline-Netz verbunden ist.

Russlands Ölförderung steigt jedoch nur noch in ganz kleinen Schritten. Der russische Ölkonzern Lukoil sowie das russische Finanzministerium ließen in der jüngsten Vergangenheit verlauten, dass die russische Ölförderung ab 2016 bzw. 2017 schrumpfen könnte. Folgendes Diagramm zeigt die russische Ölförderung (blau) und den russischen Eigenverbrauch (rot) laut EIA-Daten. Die Differenz aus Ölförderung und Ölverbrauch ist, was Russland auf den (Welt-)Markt exportieren kann, diese Kurve ist in grau eingezeichnet:

russland_oelfoerderung_oelverbrauch_exportkapazitaeten

Da der Eigenbedarf wächst, wachsen die zum Export freien russischen Ölmengen seit 2007 nicht mehr. Würde diese Entwicklung bis 2030 fortgeschrieben werden können, könnte Russland seine Importe nach Europa prinzipiell fortführen und damit die konstante Importlücke Europas füllen. Doch nun mehren sich die Zeichen, dass Russlands seinen Peak Oil erreichen könnte. Wie stark die dann folgenden Förderrückgänge sind, läßt sich nur durch Analogien mit anderen Ölförderregionen vorherspüren. Würde die russische Ölförderung sich nach demselben Schema entwickeln wie die europäische, so ist nach dem Überschreiten eines mehrjährigen russischen Förderplateaus mit einem jährlichen Rückgang von 5 bis 7% zu rechnen. Die zum Export übrig bleibenden Ölmengen würden jedoch noch schneller schrumpfen, sofern Russlands Eigenbedarf weiter wächst - was in den vergangenen Jahren mit über 2% pro Jahr passierte.

Doch in die technisch-geologischen Fragen mischt sich zunehmend die Geopolitik. Nicht nur, dass sich die europäisch-us-amerikanischen Sanktionen gegen Russland im Zuge der Ukraine-Krise insbesondere gegen die russischen Energiekonzerne richtete und damit ausbleibendes Kapital und technisches Gerät die Aufrechterhaltung der russischen Ölförderung torpediert. Nein auch Russland richtet sich hinsichtlich seiner Kundschaft neu aus. Der zweite Strang der East-Siberia-Pacific-Ocean-Pipeline (ESPO), der die Exportkapazitäten Russlands Richtung Osten verdoppelt, wurde in 2014 fertiggestellt und weitere Lieferverträge mit dem neuen Ölverbrauchsweltmeister China abgeschlossen. Russland diversifiziert seine Kundenlandschaft, wie man so schön sagt. Und ein Blick auf den chinesischen Ölbedarf zeigt, warum das für Russland lukrativ und für eine europäische Abwartepolitik gefährlich werden dürfte:

china_oelfoerderung_oelverbrauch

In den Top-15 der russischen Ölabnehmer waren 2012 nur zwei nicht-europäische Länder: Japan und China. Zusammen importierten beide Nationen weniger Öl aus Russland als Deutschland. Doch obiges Diagramm zeigt eine sich jährlich vergrößernde Importlücke der wachstumsstärksten Wirtschaftsregion auf dem Planeten: Während die chinesische Ölförderung zwar leicht steigt, schreitet der Ölbedarf mit weitaus größeren Schritten voran und der größer werdende Abstand ist das, was von China auf dem Weltmarkt eingekauft werden muss. Russland, als zweitgrößter Ölförderer auf dem Planeten und direkter Nachbar Chinas ist da die erste Wahl: Zumal der Öltransport per Pipeline organisiert werden kann und nicht aufwändig per Schiff. Angesichts der Öl-Mengen, die China 2013 konsumierte, schrumpft sogar Russlands Ölförderung auf ein neues Maß: China allein verbraucht soviel Öl, wie Russland fördert. Ein gigantischer, weiter wachsender Markt, den Russland mit großer Wahrscheinlichkeit dazu nutzen wird, um gute Preise herauszuschlagen.

Europa wird daher kaum ein business-as-usual weiterfahren können. 1,4% Einsparungen pro Jahr sind zu wenig, angesichts eines Förderabfalls von fast 6% pro Jahr. Das Risiko, zwischen die Räder des Ölfördergiganten Russland und des Ölverbrauchsgiganten China zu kommen, ist für den Ölverbrauchsgiganten Europa hoch. Der europäische Ölbedarf muss schneller sinken. Nachhaltig ist er nur, wenn er dieselben Schrumpfungsraten erreicht wie die Ölförderung: also um 5 bis 6% pro Jahr schrumpft. Dazu bedarf es einer zielgerichteten Energie- und Rohstoffpolitik, die insbesondere den Verkehrsbereich adressiert. Um dort über die Elektrifizierung hinaus Einspargewinne zu erzielen wird man an einer Förderung des ÖPNV und des Schienengüterverkehrs sowie konsequenter Politiken zur Förderung kurzer Wege und zur Reduzierung des Pendlerverkehrs nicht vorbeikommen.

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39 Kommentare to “Europas Ölversorgung zwischen Russland und China”

  1. Ted sagt:

    Sehr gut zusammengefasst, ergänzend möchte ich nur vermuten, dass es sich bei den 1,4% „Einsparungen“ pro Jahr evtl. nicht nur um echte Einsparungen infolge zunehmender Effizienz/Innovation handelt, sondern auch um Auslagerungen energieintensiver Industrien ins Ausland, sowie um Nachfrageausfälle infolge schrumpfender Kaufkraft.

  2. Michael Egloff sagt:

    Ich denke, der EU-Ölverbrauch wird tatsächlich in den 20er und 30er Jahren um durchschnittlich ca. 5% p.a. schrumpfen.
    Aber nicht auf Grund einer durchdachten Anpassungsstrategie, sondern ganz einfach, weil die Menge des weltweit gehandelten Exportöls schrumpfen wird bei gleichzeitig deutlich vergrößerter Nachfrage an Importöl aus Asien. (selbst diese wachsende Nachfrage aus Asien wird zunehmend weniger auf ein der Massenkaufkraft adäquates Angebot mehr treffen).

    Wenn wir den Rückgang des europäischen Ölverbrauchs ansehen, dann dürfen wir nicht aus dem Auge verlieren, welchen Preis dieser unfreiwillige Verbrauchsrückgang in einer Reihe von Ländern hat:
    -Massenarbeitslosigkeit, insbeondere Jugendarbeitslosigkeit,
    -massive Deindustrialisierung (Italien z.B. produziert nur noch ein Fünftel dessen an Autos wie Mitte der 90er Jahre),
    -daraus resultierend ein riesiges chronisches Außenhandelsdefizit einer Reihe von EU-Ländern,
    -Verarmung bedeutender Teile der einstigen unteren Mittelschicht,
    usw.

    Da ist also nichts von Freiwilligkeit oder Planung zu merken, sondern nur wirtschaftlicher und sozialer Niedergang.
    Post Peak Oil tut richtig weh. Und zwar um so mehr, je weniger ölbasierte Wertschöpfung eine Volkswirtschaft noch generieren kann.

    Trotzdem: ich finde Deinen Artikel sehr gut, Norbert, weil er genau die richtigen Fragen stellt.
    Wie können wir in diesem wirtschaftlichen und sozialen Erosionsprozess, der auf Europa in den nächsten 2 Jahrzehnten zukommt, wenigstens ansatzweise eine gesamtgesellschaftliche Strategie entwickeln, damit uns nicht der ganze Laden völlig unkontrolliert um die Ohren fliegt. Heulen und zetern ist mit Sicherheit keine Lösung.

    Aber eines müsste am Anfang stehen: Ehrlichkeit und Realismus.
    Und davon sehe ich bisher nicht viel bei den Wachstumsherbeiwünschern. Wünschen hilft nämlich genau so wenig wie heulen.

    • Ted sagt:

      Stichwort „Wachstumsherbeiwünscher“:

      http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/wolfgang-muenchau-wachstum-wird-teuer-a-996858.html

      Immer wieder dieselben hilflos-absurden Versuche aus der Mottenkiste, Wachstum erzwingen zu wollen.

      • Dieter Meyer sagt:

        Zu Münchau:

        Hut ab, wie der es schafft, so viel groben Blödsinn in so wenig Sätze zu packen.

        Kein Wunder, dass kein Mensch mehr diese alten Medien lesen möchte. Die Kommentare sprechen eine deutliche Sprache.

    • Dieter Meyer sagt:

      Hallo,

      wieviele Menschen gehören denn a) in Deutschland und b) in Europa der (einstigen) unteren Mittelschicht an?

      Werden diese Menschen in Slums leben? Oder wie muss ich mir das vorstellen?

      Wovon werden die Leben, also von welchem Geld oder Einkommen?

      • Michael Egloff sagt:

        Hallo Dieter,
        ich kenne aus meinem persönlichen Erfahrungshorizont schon einige, die früher ganz passabel finanziell zurecht kamen, aber jetzt entweder durch Arbeitslosigkeit oder (öfter) durch massive Lohneinbußen am Rande dessen stehen, was man im heutigen mitteleuropäischen Kontext als Armut bezeichnen kann.
        Viel aisgeprägter ist dieser soziale Abstieg jedoch in Ländern wie Griechenland, Portugal, Spanien, Italien usw.
        Es handelt sich um viele Millionen Menschen in der EU.
        Dass Du nicht zu denen gehörst, ist nicht der Beweis, dass es diesen millionenfachen sozialen Abstieg nicht gibt.

        • Dieter Meyer sagt:

          Irrtum. Ich gehöre zu denen. (Arbeitslosigkeit, die schon viel zu lange dauert.)

          Deshalb interessiert mich, was da geschehen wird. Weil es mich auch verblüfft, das Wachstum alle Probleme lösen soll, wenn ich gleichzeitig sehe, wie arg die Rohstoffseite aussieht.

  3. Michael Egloff sagt:

    Immerhin setzt bei einzelnen Politikern jetzt eine partielle gedankliche Annährung an kommende Probleme ein:

    http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/klimawandel-pentagon-sieht-gefahr-fuer-nationale-sicherheit-a-996957.html

    Zitat:
    „Neben dem Klimawandel sieht das Pentagon die nationale Sicherheit durch Terrorismus, ansteckende Krankheiten, weltweite Armut und Nahrungsknappheit gefährdet.“

    Tja, und da ist Peak Oil noch nicht einmal enthalten.
    Ach ja, Peak Oil mach ja um die USA einen Bogen. Glauben die.

  4. Dieter Meyer sagt:

    off topic:

    Für 2,25 Milliarden: Statoil steigt aus Gasprojekt aus

    Der norwegische Öl- und Gaskonzern Statoil verkauft seinen Anteil an dem Gas-Projekt Shah Deniz an die malaysische Petronas. Die Erlöse sollen zur Zahlung von Dividenden genutzt werden. Statoil fährt Investitionen zurück um mehr an die Aktionäre auszuzahlen.

    http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2014/10/13/fuer-225-milliarden-statoil-steigt-aus-gasprojekt-aus/

    • Hendrik Altmann sagt:

      Aber nichts gelernt aus dem Öl Debakel, so werden Autos mit Elektro Antrieb und der Aufbau einer neuen Infrastruktur dafür beworben. Das diese neue Industrie zu genau den selben Problemen führt, scheint dem Autor von Trend Gedanken nicht in den Sinn zu kommen.

      • Hendrik Altmann sagt:

        Ich kann verstehen das es für viele unmöglich und unvorstellbar ist, das die immer teurere Energie Erzeugung bedeutet, das der industrielle Wohlstand in dem sie aufgewachsen sind, am Ende diesen Jahrhunderts nicht mehr existieren wird und der veränderungs Prozess bis dahin sehr schmerzhaft werden wird, für die Gesellschaft.

        Das klammern an industrielle Nutzung von Erneuerbaren oder Elektro Autos und solch Geschichten hilft da nicht weiter. Da diese schwer subventioniert von fossiler Energie sind.

        Je ehr man akzeptiert das wir weider zurück, zu einer Energie Nutzung wie vor dem fossilen Zeitalter müssen, desto ehr können wir eine Gesellschaft und Zivilisation aufbauen, die eine nachhaltigere und bessere Zukunft erwartet, als in dieser in der wir leben.

      • Kai Fischer sagt:

        Wie soll es zu denselben Problemen kommen ?

        Elektrische Energie kann lokal und erneuerbar in Deutschland erzeugt werden und die Verteilnetze existieren schon. Das sind riesen Vorteile zum Öl.

        Die Akku Technologie ist auch erst am Anfang und kann vielfältig wiederwerwendet werden z.B. Hausspeicher.

        Elektroautos und EE sind die ideale Kombination. Steht doch ein Auto die meiste Zeit herum und kann dort EE-Spitzen durch aufladen abfangen.

        Das in Deutschland 3-phasen Strom an jedem Gebäude vorliegt ist sogar ein „Wettbewerbsvorteil“, ermöglicht das sogar Schnelladung mit 22kw AC oder 43kw AC bzw.

        Ich fahre schon seit 20.000 Km ohne Ol und erzeuge dabei 30% des Stroms selber, der Rest kommt aus EE aus Deustchland. Geht alles JETZT schon.

        Gruß

        Kai

        • Ert sagt:

          @Kai

          Isoliert betrachtet mag dieses funktionieren – nicht aber in einem kompletten Rollout für 50% oder mehr der Bevölkerung. Der „EE-Strom“ den Du bekommst – der ist ein Buchungstechnischer EE-Strom, der selber nicht ohne fossile Kraftwerke zur Netzstabilisierung funktioniert. Der Batterietechnik sind elektrochemische Grenzen gesetzt – und auch ein Recycling gibt es nicht (energetisch) umsonst. Zudem müsste die elektrische (dauer & Spitzen) Leistung vervielfacht werden um alleine Öl & Gas zu kompensieren.

          Das INESS Projekt (BMBF) beschäftigt sich mit Auto-Akkus als EE-Speicher. Das Potential ist aber auf Deutschland betrachtet sehr, sehr gering.

          Viel hört sich schön an – hält aber schon einer einfachen Überschlagsrechnung nicht stand. Noch viel mehr geht dann bei einer vernetzten Betrachtung unter. Wenn dann noch die Zeiträume für Entwicklung und Industriealisierung bez. einer energetischen Umstellung bei Vollbetrieb berücksichtigt werden – selbst wenn die nötigen Technologien schon gerade eben jetzt in den Laboren entdeckt worden wären – dann sprechen wir ebenfalls über einige Dekaden (siehe u.a. auch Hirsch Report).

          • Ert sagt:

            Nachtrag:

            Was ich damit sagen will ist, das wir unseren heutigen Wohlstand für die Masse in der Zukunft nicht halten werden können. Das schleißt nicht aus, das es wenigen sehr gut geht…

            Auch Dennis Meadows hat genau das letztens in einem hier verlinkten Vortrag noch einmal ganz deutlich gesagt und dargestellt.

          • Kai Fischer sagt:

            Isoliert funktioniert das hervorragend. Bei mir und tausenden anderen Privatleuten jetzt schon. Mit Hausspeicher sogar nachts. Und 3-phasig.

            Und bis 50% der 43 Millionen PKW ausgetauscht sind vergehen noch 30 Jahre. Ich sehe das positiv. Was heute bei mir und anderen schon geht sollte in 30 Jahren überall gehen.

            Es kommen auch noch weitere gute Sachen ..
            – Akkus der Post LiIOn Ära in ca. 10 Jahren
            – PV-Erzeugung ohne fossile Energien …

            Denke das „weiter so mit Benzin rumfahren und Kohlestrom ist OK“ keine Option ist.

            Gruß

            Kai

            • Michael Egloff sagt:

              Worauf werden wohl die E-Cars der Zukunft fahren?
              Auf bitumenhaltigem Asphalt wohl eher nicht.
              Kann eine nicht mehr ölbasierte Wirtschaft die Massenkaufkraft generieren, die erforderlich wäre, um der Masse der Menschen den Erwerb eines Elektroautos zu ermöglichen?
              Das glaube ich kaum. In Zeiten, in denen nicht mehr 11% des Einkommens für die Ernährung wie heute in Deutschland ausgegeben werden müssen, sondern mindestens 30% – wahrscheinlich noch mehr.
              Stichwort: Demechanisierung der Landwirtschaft. Denn mit Elktro-Landtechnik lässt sich keine Ernte einbringen bei relistischer Einschätzung.

              • Kai Fischer sagt:

                Schon mal was von Asphaltrecycling gehört ? 95% Quote. Gibts schon heute. Schätze das geht schon klar alles.

          • Kai Fischer sagt:

            Übrigens stabilisiere ICH mit meinem Elektroauto das allgemeine Netz, wenn ohne Ende EE über PV z.B. Mittags reinkommen und ich lastgesteuert beim Arbeitgeber lade.

            Kostenmäßig wird das 3-er Gespann PV + Hausspeicher + Elektroauto schon in wenigen Jahren jedes fossile Konstrukt schlagen. Dazu ne schöne Ansage der UBS:

            http://insideevs.com/subsidy-free-evs-solar-battery-storage-2020/

            Aussage: „UBS says centralized fossil fuel generation will become “extinct” – and it will happen a lot sooner than most people realize.“

            2020 ist nicht sooo weit weg.

            • Michael Egloff sagt:

              Hallo Kai,
              wie viele Menschen im an sich reichen Deutschland werden wohl Deine finanzielle Power haben, um sich Eigenheim plus größere PV-Anlage plus Elektroauto zu leisten?
              Die Mehrheit der Bevölkerung wohl eher nicht, oder?

              Für die Aufnahme wesentlich höherer PV- und Windstromspitzen werden ganz andere Speicherkapazitäten benötigt, als ein paar zigtausend E-Cars.
              Und dann ist ja die Frage, ob man mit dem E-Car eher fahren will, oder eher der Gemeinschaft als Stromspeicher zur Verfügung stehen will. Vermutlich werden sich die meisten für das Fehren entscheiden. Es stehtn also nicht mal annähernd der gesamte E-Car-Bestand als permanente Stromspeicherkapazität zur Verfügung. Genauer gesagt: nur eine relativ kleine Minderheit dieses elektrischen Fuhrparks.

              Und noch einmal die Frage: woher soll in der weiteren Zukunft die Massenkaufkraft herkommen angesichts des wirtschaftlichen Erosionsprozesses infolge des Schwindens zunächst des Importöls, nachfolgend dann des Importgases?

              • Kai Fischer sagt:

                Also das ist ganz einfach. Ich behaupte ja nicht das JEDER ein Auto haben MUSS. Das deutsche Durchschnittsauto hat 152PS und ist WESENTLICH teurer als mein Elektroauto. Auch die äußerst erfolgreichen SUVs sind WESENTLICH teurer. Das können sich Hunderttausende leisten.

                Und gibt es ganz tolle Konzepte zum Kostensenken

                – Carsharing
                – Mitfahrzentrale (Uber etc.)
                – Elektrobusse

                Alles aber ohne Öl und ohne Abhängigkeit und Umweltzerstörung.

                Schau mal, mein Renault ZOE kostet knapp 20.000€. HEUTE schon. Und die Preise sinken dramatisch.

                Und Stromgestehungskosten per PV sind aktuell bei 9ct / kWh und sinken weiter. Auch die Zellherstellung wird wesentlich energieintensiv von Jahr zu Jahr.

                PV auf Mietwohnungen hier in Pinneberg gibts heute schon mit günstigerem Strom für Mieter. In Berlin ebenso. Tendenz steigend.

                Gruß

                Kai

              • Kai Fischer sagt:

                Und zum Thema Speicher: Rechne mal 10 / 20 Millionen Autos mit 20 kwH Kapazität. Das ist schon was.

              • Michael Egloff sagt:

                Da bin ich ja froh, dass der Schwund von 2,4 Millionen Fass Importöl pro Tag nur für Deutschland in den nächsten 3 Jahrzehnten so garkeine wirtschaftpolitischen Konsequenzen haben wird.
                Der Verlust dieser einmaligen Wertschöpfungsquelle wird uns offensichtlich alle richtig reich machen.

                Und ich dachte schon, wenn im noch bestehenden Ölzeitalter der Investitionsstau bei der Infrastruktur immer größer wird und immer mehr Menschen unter Schrumpfung des frei verfügbaren Einmkommens leiden, sich dies in Zeiten zurückgehnder Ölverfügbarkeit (und damit dem Rückgang ölbasierter Wertschöpfungskapazität) drastisch verschärfen wird.
                Mag sein, dass ich da auf dem Holzweg bin. Wer will Fehler in der eigenen Analyse schon ausschließen?

              • Stefan Wietzke sagt:

                Zu @Kai Fischer
                Wir haben das vor ein paar Jahren schon mal durchgerechnet und auch auf der letzten Verbandstagung noch mal diskutiert.

                Das mit den Batteriespeichern ist eine schöne Idee, aber der Teufel steckt wie so oft auch hier im Detail. Erst einmal müssen alle Batterien am Netz hängen. Um auch nur halbwegs interessante Kapazitäten zusammen zu bekommen, reichen da Stellplätze bei Einfamilienhäusern nicht aus. Du musst also den gesamten öffentlichen Raum „verkabeln“.

                Dann muss sicher gestellt werden, dass deine Batterie nicht gerade leer ist, wenn du fahren willst. Das kriegt man nur mit einer Schnelladeinfrastruktur hin. Dazu müssen die aktuellen Netze aufgerüstet werden (vereinfacht gesprochen: Du benötigst dickere Kabel, mehr Transformatoren, mehr Regelungstechnik, etc.: machbar, aber teuer). Außerdem muss in dein Auto ein Wechselrichter eingebaut werden. Das ist absolut ausgereifte Technik (also ohne Kostensenkungspotential). Die kosten dann pro Fahrzeug einen 4stelligen Betrag und halten etwa 10 Jahre.

                Außerdem explodieren deine Ladezylen, was bei aktuellen Lebensdauern von 500 bis 750 Ladezyklen nicht gerade atraktiv ist.
                Nehmen wir mal den technischen Fortschritt vorweg und gehen von 5000 Ladezylen aus. Dann musst du einem Tesla Fahrer immer noch
                4 bis 8ct je genutzte kWh Speicherleistung zahlen, nur um die zusätzlichen Kosten die er hat zu decken. Damit hat er aber noch nichts verdient (außer zusätzichem Ärger mit seinem Auto).

                Alles schöne Laborversuche und könnte im Einfamilienhaus eine interessante Lösung sein (wenn die Ladezyklen stimmen). Ansonsten ist das noch weit von jeglicher Massentauglichkeit entfernt. Von der Bezahlbarkeit gar nicht zu reden.

              • Kai Fischer sagt:

                @Stefan Wietzke

                Also:

                1. Jedes Gebäude hat in D einen 3-phasen Anschluß
                2. Mein ZOE hat einen 43kw Wechselrichter serienmäßig
                3. Ich kann den locker jetzt schon am Haus mit 6-22kw laden.
                4. Die Wallbox war im Preis enthalten
                5. Wenn ich 10kwh nachladen muss ist das aus heutiger Sicht normal, morgen sind es 20kwh in Durchschnitt

                Wo ist das Problem ?
                Da muss kein Netz ausgebaut werden. Die Technik gibts schon seit 2012 serienmäßig. OK, nicht bei BMW und VW.

                Gruß

                Kai

              • Stefan Wietzke sagt:

                @Kai Fischer

                Oh doch! Die Netze sind ja nicht dafür ausgelegt, dass jeder Anschluss auch die 22 kW zieht. Und das schon gar nicht gleichzeitig.

                22 kW sind in etwa die Auslegegrenze (rechnerisch 30 kWh) für einen singulären Hausanschluss oder Kleingewerbe. Denn normallerweise liegen da 4x35er Kabel im Boden. Stöppseln da auch nur drei Leute in der Straße gleichzeitig ihre Autos an, bricht dir die Spannung ein. Oder die Sicherungen in der nächsten Ortsnetzstation fliegen raus.

                Und von Schnellladung wollen wir da noch gar nicht reden.

                Normallerweise begrenzen die Wallboxen nur den Ladestrom oder haben noch einen Gleichrichter drin, aber keinen Wechselrichter. Dann kannst du nicht wieder ins Netz rückspeisen.

                Wie gesagt, bevor ich meine Autobatterie der Allgemeinheit zur Verfügung stellen würde, müsste mir der Netzbetreiber schon so um die 10ct je entnommene und zu seinen Kosten wieder geladene kWh zahlen.
                Und dann packen wir noch mal Lade- und Endladeverluste, Kabelverluste und zwei Transformatoren dazwischen (das passiert schon bei dem Verbrauchsausgleich innerhalb einer kleineren Gemeinde) dann kostet ihn jede gespeicherte und später verkaufte kWh etwa 15-20 ct zusätzlich.

                Primärenergie in Form von Strom zu transportieren und/oder zu speichern, ist so ziemlich das teuerste was man machen kann.

        • Hendrik Altmann sagt:

          Die Probleme bei diesem von dir beschriebenen Modell sind vielfältig, zum einen haben Batterien, Elektroautos, Windparks sowie Solaranlagen einen weiten Weg hinter sich, ebenso die dafür benötigte Infrastruktur.

          Auf diesem Weg ist sehr viel Energie in Form von fossilen Energieträgern in diese Produkte eingeflossen, wäre das nicht der Fall, würde die Produktion und Instandhaltung dieser Produkte nicht funktionieren.

          Ignorieren wir jetzt mal diese Tatsache und nehmen an diese Industrie würde ohne fossile Energieträger funktionieren, dann kommen wir zum nächsten Problem.

          Denn dann würden andere Ressourcen zum Flaschenhals werden, auf einer endlichen Erde ist unendliches Wachstum einfach nicht möglich.

          Aber um den Karren so richtig in den Dreck zu fahren brauchen wir nicht mal mehr wachsen, weil wir die natürliche Regeneration des Ökosystems von dem wir vollständig abhängig sind schon stark überlasten.

          Wenn wir die Ausbeutung des Ökosystems nur auf diesen jetzigen Level belassen, wird die Menschheit das Ökosystem soweit schleifen bis der Mensch darin nicht mehr lebensfähig ist.

          Aber wie gesagt eine Industrie auf Basis Erneuerbarer Energie, ohne Subventionierung durch fossile Energieträger wird es nicht geben, warum erklärt das Modell von Stefan Wietzke sehr gut, mit Labour Return of Energy Invest, und Energy Return of Energy Invest.

        • Genauso wie viele andere „grüne“ Produkte verlagern Elektroautos die Resourcenprobleme nur vom Benutzer weg:
          http://www.heise.de/tp/news/Alles-nur-Volksverdummung-und-Augenwischerei-2242289.html

          Abgesehen davon löst der elektrische Antrieb die meisten durch den hochsubventionierten Kfz-Verkehr bedingten Probleme nicht, denn wer das Auto nimmt
          – belästigt, schädigt und tötet möglicherweise seine Mitmenschen,
          – verschwendet seine Fahrzeit mit körperlicher Inaktivität,
          – lebt seinen Kindern nichtnachhaltige Mobilität vor,
          – besetzt den öffentlichen Raum mit Kfz-Verkehr und dessen Infrastruktur,
          – verhindert selbstbestimmte Mobilität für jung und alt,
          – unterstützt die unsere Demokratie beschädigende, massive Lobbyarbeit der Automobil- und Energiekonzerne und
          – nimmt Naturkatastrophen, Kriege und Neokolonialismus für die Förderung von Erdöl und anderen begrenzten Resourcen in Kauf.

  5. Danke fuer den abschliessenden Bezug zur Mobilitaet. Es waere da schon sehr viel gewonnen, wenn die haarstraeubenden Subventionen fuer resourcenintensive Verkehrstraeger endlich zurueck gefahren wuerden.

  6. Spigola sagt:

    Zur Ölförderung Russlands eine Ergänzung: In seinem blog „oil man“ in der frz. Zeitung le Monde schrieb Matthieu Auzanneau dazu ein Artikel am 18. Juli.

    Aufhänger dafür war eine Depesche der russ; Agentur Itar-Tass vom 7. Juli; darin hiess es, Russlands Ölförderung werde voraussichtlich 2015 nur 195,4 Millionen Tonnen (MT) statt der ursprünglich angepeilten 202,6 MT betragen, Für 2016 rechnet man mit nur 193,4 MT statt 206,4 MT. Als Quelle wird das russische Finanzministerium angegeben. Interessant ist in dem Zusammenhang die verwendete Formulierung „erwarteter Produktionsrückgang“ was nicht nach einer geplanten sondern eher nach einer geologisch bedingten Reduktion der Fördermenge klingt.

    Auzanneau bemerkt allerdings, dass Itar-Tass ein Fehler unterlaufen sein muss: Die genannten Zahlen können unmöglich die Fördermenge darstellen; diese ist viel grösser: laut BP förderte Russland im Jahr 2013 531,4 MT öl. Wahrscheinlich handelt es sich also um die Zahlen der erwarteten Exportmenge. Das könnte laut M. Auzanneau ungefähr hinkommen.

    Er zitiert auch noch den wissenschaftlichen Direktor von Total, Jean François Minster, der zu den russischen Ölreserven sagte, dass einige der grossen russischen Ölfelder sich bereits im Produktionsrückgang befinden; die Rückgangsrate betrage dabei zwischen 6 und 9%. Grund für das Interesse Russlands an der Entwicklung seiner tight oil und arctic oil Vorräte.

    Im World Energy Outlook 2012 prognostiziert die IEA Russland einen Produktionsrückgang von 10,7Mb/d auf 9,2Mb/d bis 2035.

    Link: http://petrole.blog.lemonde.fr/2014/07/18/la-production-de-brut-en-repli-a-partir-de-2015-annonce-le-kremlin/

  7. Dieter Meyer sagt:

    Heiner Flassbeck:

    Preisverfall beim Erdöl hat nichts mit Peak Oil etc. zu tun.

    http://www.heise.de/tp/artikel/43/43048/1.html

    „Mit physischem Angebot und der konkreten Nachfrage nach Öl und nach Ölprodukten hat die jetzige Preisentwicklung praktisch nichts zu tun.“

  8. […] "Sieg der Sanktionen". Dabei ist die russische Ölförderung heute wesentlich für die Ölversorgung Europas verantwortlich. Bei etwas über 10 Millionen Barrel derzeitiger Ölförderung pro Tag […]

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