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Russland: Peak Oil 2017?

Lukoil ist das größte private russische Ölunternehmen. Wie andere Ölfirmenfirmen auch, veröffentlicht auch Lukoil Studien, die eine Vorausschau auf die künftige Ölmarkt-Entwicklung abgeben. Das von Sommer 2013 stammende Papier "GLOBAL TRENDS IN OIL & GAS MARKETS TO 2025" vertritt eine klare Position:

„Maintaining oil production in Russia requires large-scale use of new technologies. The currently planned projects are unable to compensate production decline on brownfields. Without large-scale use of new technologies, oil production in Russia will begin to fall in 2016-2017.“ (S. 2)

"Die Aufrecherthaltung der Ölförderung in Russland erfordert die Nutzung neuer Technologien in Größenordnungen. Die derzeit geplanten Projekte sind nicht in der Lage, den Förderabfall in den bereits entwickelten Feldern ("brownfields") auszugleichen. Ohne den breiten Einsatz neuer Technologien wird die Ölförderung in Russland ab 2016-2017 beginnen, zurückzugehen."

 

Oder auch:

„Despite the favorable pricing environment, there is a risk that oil production in Russia will begin to decline in 2016-2017, as long as current projects under development are unable to offset decline in production at the currently producing fields. Stable production is possible only if the oil companies intensively employ EOR and develop unconventional resources - and this requires additional tax stimuli from the government.“ (S. 59)

"Trotz des günstigen Preisumfeldes existiert das Risiko, dass die Ölförderung in Russland ab 2016-2017 zu schrumpfen beginnt, wenn aktuell entwickelte Projekte nicht in der Lage sind, den Rückgang der Ölförderung in den derzeit beförderten Ölfeldern auszugleichen. Stabile Ölförderung ist nur möglich, wenn die Ölunternehmen intensiv mit Förderstimulierung (EOR) beginnen und unkonventionelle Ressourcen entwickeln - dies benötigt zusätzliche Steueranreize durch die Regierung."

Lukoil reagiert mit diesen Formulierungen auf die Situation, dass die Ölförderung aller großen privat organisierten Ölfirmen schrumpft, während sie zugleich gigantische Investitionen in die Neuaufsuchung und Erschließung neuer Ölfelder tätigen. Zu deutsch: Es wird viel Geld investiert, aber es kommt keine nennenswerte Steigerung der Ölförderung zurück. Davon war auch Lukoil nicht verschont, auch wenn die russische Lukoil-Förderung 2013 wieder um 1% anstieg, nachdem sie 2011 um 5% schrumpfte. Im Rahmen der Finanzkrise 2008/2009 bot die russische Regierung zwischenzeitlich Steuersenkungen an, um die drohende Ölförderschrumpfung abzuwenden. Auf solch einen Schritt spekuliert Lukoil offenbar wieder, um neue Fördergebiete zu suchen und zu entwickeln. Ausgehend von der Tatsache, dass 90% aller heute beförderten Ölfelder in Russland vor 1988 entdeckt wurden erhofft sich Lukoil offenbar ertragreiches Neuland zu finden - und braucht dafür mehr Geld.

Rasanter Förderabfall in bestehenden Feldern: 11% p.a.

Der Förderabfall der sich in Schrumpfung befindlichen Ölfelder Russlands stieg von 2000 bis 2008 stark an, wie untenstehende Grafik zeigt. Über 12% verloren jene Felder letztlich pro Jahr.

lukoil_oelforderung_foerderabfall_decline russland

Ab 2008, jenem Jahr in dem der Ölpreis zwischenzeitlich auf 147 US$ stieg, griffen dann Stimulierungsmaßnahmen. Aber auch diese konnten nicht verhindern, dass jene Felder, die ihren Peak Oil überschritten hatten, um weitere 11% pro Jahr zurückgehen.

Lukoil:

"To overcome production decline rate, Russia has to annually commission 3-4 oil fields comparable with Vankor."

"Um diesen Förderabfallraten beizukommen, muss Russland jährlich 3 bis 4 neue Ölfelder ausweisen, die vergleichbar mit Vankor sind."

Das 2009 ans Netz gegangene sibirische Ölfeld Vankor beinhaltet geschätzte 3,8 Milliarden Barrel Öl.

Die derzeit in Entwicklung befindlichen großen Felder reichen jedoch offenbar nicht aus, um die Ölförderung stabil zu halten:

"The majority of new fields will be commissioned after 2015, and until then maintaining production at stable levels will remain a very difficult task.
Forecasted production volumes for the new projects are unlikely to compensate the natural decline rate at old fields."

"Die Mehrzahl der neuen Felder werden nach 2015 übergeben und bis dahin wird es eine sehr schwierige Aufgabe bleiben, die Ölförderung auf einem stabilen Level zu halten. Die erwarteten Fördermengen der neuen Projekte können den natürlichen Förderabfall in den alten Feldern wahrscheinlich nicht ausgleichen."

Steuergeld für Öl-Investitionen

Stimulierungen der bestehenden Ölfelder (enhanced oil recovery), die Entwicklung unkonventioneller Ressourcen sowie die Förderung in der Arktis sind Lukoils Bedingungen, um die Ölförderung Russlands zu stabilisieren. Da das alles teure Abenteuer sind, soll der Staat die "passenden Rahmenbedingungen" schaffen - die Steuern senken. Doch selbst mit Steuersenkungen scheint es nicht mehr möglich zu sein, die russische Ölförderung stark zu steigern. Nur die Verlängerung des Ölförderplateaus scheint möglich:

lukoil_russlands_oelfoerderung_steuern

„Nonetheless, in order to maintain stable production in long term the government needs to take additional steps to reform the tax regime for the oil industry. Otherwise decline in production is likely to begin as early as 2016-2017.“ (S. 48)

"Um die Ölförderung langfristig zu stabilisieren muss die Regierung weitere Schritte unternehmen, um die Besteuerung der Ölindustrie zu reformieren. Ansonsten wird der Förderabfall wahrscheinlich bereits 2016-2017 beginnen."

Die Entölungsrate, also der Anteil des herausgeholten Öls im Vergleich zum drinbleibenden Öl, beträgt laut dem Lukoil-Dokument in Russland gerade einmal 20%. Angepeilt werden 37% während in den USA 43% und in Norwegen sogar 50% erreicht wurden. Wenn diese Zahlen stimmen zeigt dies, dass in Russlands Boden noch große Mengen Öls lagern. Dass diese Lager aber mit den heutigen Fördergeschwindigkeiten ausgebeutet werden können, ist jedoch (wenn überhaupt) nur mit großen Staatsgeschenken möglich. Eine Verschlankung des Staatshaushaltes wäre vonnöten, um das Ölzeitalter zu verlängern. Oder noch höhere Ölpreise.

Russland: Deutschlands wichtigstes Lieferland

Russland ist Europas und Deutschlands wichtigster Öllieferant. Ein Drittel des hierzulande verbrauchten Mineralöls kommt aus Russland:

Öl-Lieferländer-Deutschland-2013

Bis auf Kasachstan und einige "andere" Lieferanten ist Russland das einzige Lieferland, dass seinen Peak Oil noch nicht überschritten hat. Glaubt man Lukoils “Globalen Trends im Öl- und Gas-Markt“ gibt es nur eine geringe Chance, dass dies bis über 2017 hinaus so bleibt. Dann hätten alle relevanten deutschen Öllieferländer ihren Peak Oil hinter sich.

Global Peak Oil 2017?

2017 könnte damit zum "magischen Jahr" werden. Denn für die USA erwartet die Energiestatistikbehörde EIA den nächsten Ölfördergipfel ebenfalls für 2016-2017:

US-Oelfoerdung 2014-2040

Russland und die USA sind neben Saudi-Arabien die zwei größten Ölförderer weltweit. Wenn zwei der drei größten Ölförderer weltweit ihren Peak Oil erreichen, dürfte der globale Peak Oil ebenfalls nah sein.

Abhängigkeiten eingestehen, erneute Krise nutzen

Für den ifo Schnelldienst hat der Außenpolitik-Fachmann Josef Braml einen Artikel geliefert, der nochmal die Abhängigkeiten zwischen Russland und Europa thematisiert und davor warnt, dass die Ukraine Gaslieferungen nach Europa abzweigen könnte, falls Russland nicht mehr in das zerbrochene Land liefern will. Die ifo-Pressestelle hat die knackigsten Sätze zu einer Pressemitteilung zusammengefasst: "Experte warnt vor Gasengpass wegen der Ukraine". Das vollständige Papier heißt "Energieversorgung: Welche Alternativen hat Europa? - Europas eigene Energie". Der Artikel greift viele der in diesem Blog in den vergangenen Wochen diskutierten Aspekte auf und kommt zu dem Schluss, es wäre wohl besser...

...die derzeit noch ausgeprägte Abhängigkeit einzugestehen und diese erneute Krise zu nutzen, um die eigene (intellektuelle) Energie Europas in zukunftsgerichtete Bahnen zu lenken.

Diese Aussage kann man nur verstärken. Denn einen Aspekt hat Josef Braml in seinem Papier noch außen vor gelassen: Das Risiko, dass Russland zwar mehr Öl und Gas liefern möchte, aber demnächst vielleicht gar nicht mehr kann.

 

Hinweis:

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41 Kommentare to “Russland: Peak Oil 2017?”

  1. Michael Egloff sagt:

    Auch Norwegen mit seiner führenden Expertise, einem hervorragenden Födermanagement und den für ein Ölexportland extrem hohen Binnenmarktpreisen für Ölprodukte, konnte sich nicht gegen den Decline stemmen.

    Für mich ist die eigentlich spannende Frage nicht, ob der Peak in Russland 2017 oder 2022 überschritten wird, sondern wie der Fördermengenverlauf nachfolgend in den 20er und 30er Jahren sein wird.

    Wird der Rückgang so sanft verlaufen, wie in den Prognosecharts für Russland und die USA eingezeichnet, oder wird er ähnlich steil verlaufen wie bei anderen Ländern, die den Peak bereits eindeutig hinter sich haben.
    Zwar rechne ich im Falle Russland nicht unbedingt mit einer Drittelung der Fördermenge innerhalb von 15 Jahren wie im Falle Großbritannien oder einer Halbierung wie im Falle Norwegens, aber der recht flache Kurvenverlauf insbesondere der gestrichelten Linie im Falle von Steiersenkungen erscheint mir doch übber alle Maßen optimistisch.

    Und im Falle der USA mit fast gleichbleibenden Fördermengen bis 2040 kann ich nur irgendwas schütteln – und sei es auch nur den Kopf.

    • Norbert Rost sagt:

      Tja, Michael, da bist du den meisten Leuten schon einen Schritt voraus…

      Wenn man sich die Decline-Raten in der ersten Grafik anschaut, erreichen russische Ölfelder offenbar leicht Decline-Raten von über 10%. Die werden natürlich ausgeglichen durch neue Felder, die dann ja noch gar nicht im Decline sind sondern ihre Förderung noch steigern.

      Legt man die Erfahrungen Europas an, sind 4 bis 6% pro Jahr ein realistischer Wert: Europas Ölförderung schrumpfte von 2002 bis 2013 um 47%: Also im Grunde eine Halbierung binnen 11 Jahren.

      Dagegen geht die Lukoil-Grafik 2 von einer Schrumpfung von 500 Mio t 2015 auf 400 Mio t 2025 aus, also ein Rückgang um 20% binnen 10 Jahren. Das wäre weniger als halb so schnell wie in Europa.

      Damit dieses Szenario angesichts der überdurchschnittlichen Decline-Raten der alten russischen Felder eintritt, müßten neue Felder am laufenden Band ans Netz gehen.

      Auf solch einem Szenario sollte sich besser niemand ausruhen.

      Aus diesem Blickwinkel sind auch die EIA-Szenarien für die USA vergleichsweise optimistisch. Und natürlich gehen alle diese Szenarien davon aus, dass die Finanzkrise nicht zurückkommt…

      • Frank Bell sagt:

        „Finanzkrise“

        Führt die nicht dazu, dass deutlich weniger verbraucht wird und somit der Vorrat noch länger hält?

        (Wobei sich trefflich streiten lässt, ob der Auslöser der „Finanzkrise“ nicht vielleicht doch der hohe Ölpreis war.)

        • Michael Egloff sagt:

          Hallo Frank,
          es ist mit großer Wahrscheinlichkeit so, dass eine massive Finanz- und Wirtschaftskrise das Verknappungsproblem wichtiger Rohstoffe vorübergehend entschärfen würde. Vielleicht mit Ausnahme der Ressourcen, die für die Ernährung entscheidend sind (Wasser und Boden in etlichen Ländern – nicht in allen!)

          Wenn allerdins diese Finanzkrise die Strukturen des Finanzwesens nachhaltig zerrütten sollte, würde eventuell ebenfalls eine Rohstoffverknappung eintreten – dann nicht aus geologischen sondern aus Gründen der finanziellen Basis der Rohstoffgewinnung, die ja immer kapitalintensiver wird.

          Und das ist genau das Szenario, dass ich irgendwann im Verlauf der nächsten 10 Jahre für das wahrscheinlichste halte: dass die immer mehr zunehende Kapitalintensität sowohl bei der Rohstoffförderung, aber z.B. auch in der Landwirtschaft, der Industrie, der Infrastrukturerhaltung usw. der eigentliche Auslöser der nächsten Krise sein wird. Man sieht es heute schon z.B. an den wegbrechenden Ausrüstungsinvestitionen in Ländern wie Italien, Portugal, Spanien und einer Reihe weiterer Länder.

  2. Stephan sagt:

    „Für den ifo Schnelldienst hat der Außenpolitik-Fachmann Josef Braml einen Artikel geliefert, der nochmal die Abhängigkeiten zwischen Russland und Europa thematisiert und davor warnt, dass die Ukraine Gaslieferungen nach Europa abzweigen könnte, falls Russland nicht mehr in das zerbrochene Land liefern will“

    Hmmm, da gab es doch mal diese bekannte Pipeline namens Northstream, die inzwischen sogar doppelrohrig ausgebaut sein soll und die mit den beiden Rohren eine enorme Menge an Gas transportieren kann. Es soll da aber irgendwelchen merkwürdigen Schwierigkeiten geben diese fertige, zu hoher Transportleistung fähige, Gastransport-Route an das deutsche bzw. europäische Erdgasnetz anzuschließen. Vielleicht gibt es da ja ein gehäuftes Vorkommen von sogenannten Stahlläusen, die man ja noch aus Loriots Zeiten als Steinläuse kannte und die sich angeblich unglaublich gerne in die Verbindungsstellen zwischen zwei Rohren stopfen.

    Ansonsten bliebe, nachdem ja die heimische Pflanzenölnutzung durch den Bundesfinanzminister abgewürgt wurde, auch wenn die heimische Pflanzenölnutzung mit Hilfe des Mischfruchtanbaus weder die Lebensmittelversorgung reduzieren noch zu finanziellen Einbrüchen führen würde, nur noch die Möglichkeit mit Hilfe der massenhaften Produktion von Solarwärmekollektoren in Verbindung mit großen (unterirdischen) Wärmespeichern, optimalerweise als Quelle von Wärmepumpen, die mit Hilfe erneuerbarer Energie betrieben werden, eines der Energieprobleme zu lösen. Aber ich bin mir sicher, dass auch da irgendein schlauer Beschäftigter in Berlin eine Möglichkeit finden wird diese Alternative sinnlos erscheinen zu lassen.

  3. Ert sagt:

    Spannender Post von Udo: http://cassandralegacy.blogspot.de/2014/05/how-to-destroy-civilization.html

    Ugo folgert zu der „NASA gesponserten Studie“, über die in zahlreichen Blogs berichtet wurde, das: „They seem to have identified a feature that, so far, most models had neglected. Although you can always accumulate capital by exploiting natural resources, the final outcome depends a lot on how you spend it. The model tells us, for instance, that a popular recipe to „save the economy“ by „stimulating consumption“ may actually destroy it faster.“.

    So droht uns nicht nur Ungemach von der Ressourcenseite – sondern auch von den aktuellen Rezepten der Politik die Probleme mit den bekannten Mitteln und Methoden zu bekämpfen. Harald Welzer geht in seinem Buch „Selbst Denken“ auch darauf ein – also das um so kritischer die Gesamtsituation wohl wird – das dann umso intensiver die „alten“ Methoden Angewandt werden die „bisher“ immer funktioniert haben.

    • Frank Bell sagt:

      to “save the economy” by “stimulating consumption” may actually destroy it faster.”

      1. Ob dem wirklich so ist? Der Konsum wird doch seit Mitte der 70er Jahre stimuliert, und seitdem haben wir einen Boom (auch an den Börsen), der seinesgleichen sucht!

      Wenn man bedenkt, wieviele Menschen auf der Erde noch nicht partizipieren (Afrika, Asien), dann dürften wir für die nächsten 100 Jahre einen Boom erleben. (Dow Jones 35.000 wird in den USA bereits diskutiert.)

      2. Mir ganz persönlich würde es sogar sehr gefallen, wenn der Crash früher als später käme. Denn noch ist die Fallhöhe geringer.

      • Ert sagt:

        @Frank

        „1. Ob dem wirklich so ist?“

        Ich denke schon…um so schneller und „besser“ sich die Wirtschaft entwickelt, desto schneller erreichen wir die Grenzen. Natürlich dauert das insgesamt gesehen alles viele Jahre.

        „2. Mir ganz persönlich würde es sogar sehr gefallen, wenn der Crash früher als später käme. Denn noch ist die Fallhöhe geringer.“

        Ich denke einen „Crash“ überleben ganz viele nicht….alles zu stark vernetzt und verstrickt und abhängig.

        Bestenfalls können wir eine „Long Emergency“ nach Kunstler erwarten.. also eine langsame Achterbahnfahrt nach unten. dazu ist es aber wichtig, das die Strukturen vorab (und frei nach Norberts Anliegen) lokaler und resilenter werden.

  4. Ert sagt:

    @Norbert

    Danke für das Update. Soweit ich es überblicke geht es überein mit den Daten die bei Peakoilbarrel diskutiert werden – nur das Du wieder einmal einen „draufgesetzt“ hast in der Analysetiefe :-)

    Alles geht in die Richtung die Kopits diskutiert hat: Die Kapitalaufwände um die Förderraten wenigsten beizubehalten steigen immens. Entweder steigt der Ölpreis demnächst deutlich (Kostengetrieben) – oder das Angebot wird sich verknappen. Verknappt sich die Angebotsmenge dann zu stark bzw. zu schnell, dann wird es eine nachfragegetriebene Preissteigerung geben, weil das Angebot zu gering ist. Dies wird dann aber Höchstwahrscheinlich die Nächste Welle der Wirtschaftskrise auslösen.

    In Chin scheint es immer mehr zu kriseln: http://www.theautomaticearth.com/debt-rattle-may-14-2014-china-will-drag-us-down-with-it/. Der Wohnungsbau, der für die Chinesische Wirtschaft extrem wichtig ist – stagniert bzw. fällt bereits. Mal schauen wie lange die noch die deutschen Luxus-Automobile mit den bisherigen Steigerungsraten kaufen (können). Angesichts der Investitionen für die Ausweitung der Produktionskapazitäten wäre aktuell eine Stagnation auf dem Stand von 22 Millionen Kfz/Jahr in China wohl schon ein betriebswirtschaftliches Problem.

    • Florian Hoppe sagt:

      @China: Überrascht nicht.
      @Welzer: Afaik bezieht er sich hier auf Jerod Diamond. Hab in „Selber Denken“ mal ein bisschen reingesehen, fand es aber enttäsuchend. (Und imo. war sein herumhacken auf Mohammed Yunus unfair.)

      @Indien: http://www.zeit.de/politik/ausland/2014-05/indien-wahl-konsequenzen

      Der Artikel ist imo. besser. Die Leute hatten einfach die Schnauze voll von den Ghandis.

      • Florian Hoppe sagt:

        Übrigens ist am Ende von Bardis Post ein Link zu einem Artikel, welcher auch Zitate von Joseph Tainter enthält, sowie einen Link zu einem Review von ihm zu einem Buch von Turchin.

        http://blogs.discovermagazine.com/collideascape/files/2014/03/Turchinreview.pdf

        Tainter selbst scheint von der NASA Studie nicht viel zu halten und bezeichned sie als „trivial und fehlerhaft“.

        Auch Turchins Buch kommt in seinem Review nicht gut weg und nennt es am Ende zu Schluss „naiv“.

        • Ert sagt:

          @Florian

          Kurze Frage an Dich: Stimmst Du Tainters Kritik an Turchin zu?

          • Florian Hoppe sagt:

            @Ert: Sowohl Turchin und Tainter gehen bei ihren Theorien von anderen Schwerpunkten aus.

            Wo ich Tainter zustimme, ist dass man vorsichtig sein sollte sich auf ein bestimmtes Erklärungsmodell zu versteifen.

            Hier übrigens nochmal der Abschnitt mit Tainters Meinung zur NASA Studie.

            http://blogs.discovermagazine.com/collideascape/2014/03/21/judging-merits-media-hyped-collapse-study/#.U3kz_Sj58tN

            Turchin hat übrigens damals eine interessante Antowrt auf Tainters Kritik zu seinem Buch geschrieben.

            http://cliodynamics.info/Tainter%20resp.htm

            Wo wir schon beim Thema Demographie sind, hier hab ich endlich wieder einen relativ aktuellen Artikel meines Lieblingsdemograhen finden können:^^

            http://asia.nikkei.com/Viewpoints/Geopolitico/The-paradox-of-Americas-fading-empire

            Seine Meinung zu China ist interessant. Hier könnte er durchaus rechtbehalten.

            • Norbert Rost sagt:

              @Florian: Es wäre hilfreich, du würdest kurz umreißen, worum es in den Texten geht. Alle zu lesen, um deine Anmerkungen zu ihnen zu verstehen, kostet sehr viel Zeit…

              • Florian Hoppe sagt:

                Ok, ich werde es versuchen.

                Tainter: Er beginnt damit, dass kursierende Kollaps Theorien scheinbar ziemlich oft eher aktuelle gesellschaftliche Probleme in den Mittelpunkt stellen.

                Und aktuell ist das eben die Ungleichheit. Tainter kritisiert hauptsächlich, wie oben schon gesagt, dass siich das Papier zu sehr darauf konzentriert, die Eliten Konsumierung als Ursache von Gesellschaftlichen Zusammenbrüchen darzustellen, ohne dafür wirkliche beweise zu liefern. Außerdem meint er, dass das Papier auch keinem ordentlichen Perr Review unterzogen worden ist und das viele Leute anhand der Graphen für die tatsächliche realität halten und nicht nur für eine Theorie. (Welche er für vereinfachend und fehlerhaft hält.)

                @Turchins Antwort (auf Tainter Review seinen Buches, nicht auf den Kommentar im Artikel:)

                Hier muss ich leider passen, da Turchins Antwort doch recht umfangreich ist und er Punkt für Punkt auf Tainters Kritik eingeht. Wer sich dafür interessiert, muss sich leider die Zeit nehmen beide Papiere zulesen.

                Hier geht es hauptsächlich darum zu beweisen ,wessen Theorie wohl richtig ist.

                @Todd: Der Teil über Russland wurde vor der Krimsache geschrieben.^^

                Aber was China betrifft, meint Todd im Prinzip, dass ihnen ihre Ein Kind Politik wohl ziemlich bald in den Arsch beissen wird, weil sie ein extremes demographisches Ungleichgewicht erzeugt haben. Desweiteren hat China aktuell mit gewaltigen Ungleichheitsproblemen zu kämpfen, welche viel schlimmer als in anderen Länder sind.

  5. Michael Egloff sagt:

    Hallelujah!
    Indien wählt das Wirtschaftswunder!

    http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/indien-wahl-hindu-nationalist-modi-fuer-wirtschaft-gegen-korruption-a-969750.html

    Los, liebe 1,2 Milliarden Inder. Kauft Autos! Baut riesige Shopping-Malls und Großflughäfen. Überzieht die Welt mit Touristenströmen. Esst mehr Fleisch.
    So wie wir das machen und neuerdings auch die Chinesen.

    Willkommen im Garten Eden!

    • Frank Bell sagt:

      „bei denen die Parteifarbe Orange dominiert“

      Oha! Hat da George Soros im Hintergrund die Strippen gezogen und eine seiner berüchtigten Farbenrevolutionen inszeniert?

      • Michael Egloff sagt:

        Naja,
        Modi war bis vor nicht langer Zeit persona non grata in den USA, dem ein Einreisevisum verweigert wurde.
        Diesmal haben die USA offensichtlich nicht die Strippen gezogen. Ausnahmsweise.

    • Ert sagt:

      @Michael

      Wir können gespannt sein.

      Aber wie soll Indien da herauskommen? Lebensmittelhilfen für über 800 Millionen, subventioniertes Benzin, zweitgrößtes Handelsbilanzdefizit, 1/3 der Handels/Deviseneinnahmen gehen für Öl drauf und die Landwirtschaft bekommt immer mehr Probleme.

      Ich denke es ist insgesamt zu spät für Indien, wobei es natürlich möglich ist, das das Land noch einmal ein paar Kohlen drauf packt.

  6. Norbert Rost sagt:

    Condoleeza Rice stellt fest, dass die Europäer Teil des Ukraine-Problems sind. Was für ein Erkenntnisgewinn. Interessant ist aber, was sie vorschlägt, dass die Europäer, speziell Chancellor Merkel tun sollen: Nordamerikanische Energieressourcen nutzen. Zu sehen im Ozy.com-Video auf Welt.de: http://www.welt.de/politik/ausland/article128080462/Europaeer-selbst-sind-Teil-des-Ukraine-Problems.html

    • Norbert Rost sagt:

      Währenddessen drehen manche Russen das Rad einen Wahnsinnsschritt weiter. Ist Twittern demnächst ein Fall für die „Zensur“? http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/internetzensur-russland-droht-eine-twitter-sperre-a-969895.html

    • Ert sagt:

      @Norbert

      Danke für den Link auf das Rice Video in der Welt…. wie selbstsicher die da redet…


      – „If Putin is not stopped now…“
      – „But now we need thougher sanctions…“
      – „The russians will run outt of cash before the europeans run out of energy..“
      „You want more to depend on the north american energy platform – the tremendous bounty of oil and gas that we find….“.

      Das mit der Geopolitik ist schon sehr, sehr schlimm. Aber ist die Rice so borniert, das Sie selber daran glaubt das der größte Nettoimporteur von Energie – die selbige nach Europa exportieren kann/wird? Als Zwischenhändlicher ala SUNIMEX – o.k., das geht – aber nicht als Netto-Exporteur.

      Gru-se-lig!

      • Frank Bell sagt:

        @ Ert

        Nicht nur Condoleeza Rice, die überwiegende Zahl der Amerikaner glaubt, angeheizt durch Presseberichte, dass die Erdölreserven dort RIESIG sind.

        Nicht nur, was Fracking angeht, sondern angeblich liegen im Gold von Mexiko gigantische Reserven. Jedenfalls wird das behauptet – und geglaubt.

        Ich bin mir sicher, dass auch Frau Rice das glaubt.

        • Frank Bell sagt:

          P.S.

          Letztens wurde sogar behauptet, Alaska hätte Kohlevorräte für 2000 Jahren, und man würde nur wegen der Gesetze nicht abbauen dürfen.

          Der gute Mann vergass, dass der harte Winter selbst für Probleme beim Abbau sorgt.

  7. Ert sagt:

    Spannende Zeiten… langsam fällts irgend welchen Leuten in der EU auf… Einer Studie des „The Global Sustainability Institute at Anglia Ruskin University“ meldet: http://www.itv.com/news/update/2014-05-16/france-has-less-than-one-year-of-fossil-fuels-left/

    •“France will run out of its natural gas, oil and coal supplies within the next year, according to experts.
    • Italy has less than a year of gas and coal, and only one year of oil.
    • Germany has over 250 years left of coal but less than a year of oil and only two years of gas.
    • Russia has over 50 years of oil, over 100 years of gas and over 500 years of coal, based on their current levels of internal consumption.

    Die BBC ergänzt (http://www.bbc.com/news/science-environment-27435624) aus dem Report:
    • „Britain has just 5.2 years of oil, 4.5 years of coal and three years of its own gas remaining.“

    • Bruno Müller sagt:

      Ja, spannende Zeiten.

      Möglicherweise ist das Bewusstwerden der europäischen Energieabhängigkeit von Russland ein unbeabsichtigter Nebeneffekt, der durch die gewaltsamen EU-Osterweiterungsaktivitäten ausgelöst wurde.

      Ein Symptom sind die hilflosen und undurchdachten Lösungsvorschläge unserer EU-Politiker. Im Grunde schlagen sie stets vor, Energieströme einfach mal umzuleiten (Das Zeug gibt es ja im Überfluss – sagen ihre Informanten, also die Lobbyisten aus der Fossil-Branche)

      EU-Energiekommissar Oettinger, möglicherweise auch ein Opfer von falsch informierenden Lobbyisten, macht einen neuen Vorstoß: Erhöhung der Gasbevorratung um das Doppelte. Seine Idee lässt er gerade prüfen, möglicherweise von den Lobbyisten, die ihm diesen Floh schmunzelnd ins Ohr gesetzt haben – und möglicherweise für viel Geld.

      Das Ergebnis könnten dem Oettinger die derzeitigen Blogg-Teilnehmer hier in ein paar wenigen Sätzen mitteilen. Gratis.

      Die Kurzfassung in Oettingers Regionalsprache lautet.

      DES GOHT NET ! GLAUB MRs EUFACH !.

      Übersetzt:
      It will not work! Believe me!

  8. M. Sastre sagt:

    Habe gerade bei den dwn davon gelesen, daß größere Teile der weltweiten PKW-Produktion offenbar auf Halde gehen:

    http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2014/05/18/geheime-friedhoefe-warum-verstecken-hersteller-tausende-neuwagen-in-der-pampa/

    Unter diesen Prämissen ist der neuerliche Anstieg der PKW-Produktion, wie u.a. von „querschuesse“ berichtet, unter einem ganz anderen Licht zu sehen und nicht etwa als Zeichen einer langsam einsetzenden Erholung der europäischen Industrieproduktion zu bewerten.
    Ich wohne derzeit auf Mallorca. Auch dort habe ich in diversen Industrie- und Gewerbegebieten große Parkflächen gesehen, auf denen zigtausende erkennbar fabrikneuer oder zumindest ziemlich neuer Fahrzeuge in der prallen Sonne abgestellt sind und dort ihrer weiteren Verwendung harren.
    Auch sonst ist diese Insel ein gutes Beispiel für die exzessive Fehlleitung von Ressourcen und dem völligen Mangel an Problembewußtsein. Sollte ich mal die Zeit finden darüber zu schreiben, werde ich dies vielleicht unter der Überschrift „Mallorca – eine Insel pfeifft auf Resilienz“ tun;-).
    Es wird interessant zu beobachten, was passiert, wenn das einseitige, ölbasierte Geschäftsmodell dieses Touristenmekka durch steigende Energiekosten unter Druck gerät und die hiesige Politik dann mit herunter gelassenen Hosen den Erwartungen ihrer Bürger gegenüber steht.

    • Tom Schülke sagt:

      „Es wird interessant zu beobachten, was passiert, wenn das einseitige, ölbasierte Geschäftsmodell dieses Touristenmekka durch steigende Energiekosten unter Druck gerät und die hiesige Politik dann mit herunter gelassenen Hosen den Erwartungen ihrer Bürger gegenüber steht.“

      Das wird wohl in jeder Komune, jedem Bezitk, Jeder Stadt und jedem Staat für die heutigen verfechter des Wohlstands durch Wachstum, ein heißer Tanz auf dem Vulkan.

      Chinesischer Fluch: „Mögest Du in interssanten Zeiten Leben“..

    • Frank Bell sagt:

      @ M. Sastre

      Das mit den Autos auf Halde ist meiner Meinung nach eine VT, die regelmässig aufgewärmt wird.

      Diese Autos befinden sich in Auslieferungslagern – schlicht und ergreifend.

      Und was die Politiker angeht:

      Die werden auch in 20 Jahren den Sozialhilfeempfängern (Hartz IV) erzählen, dass die sich gefälligst eine Arbeit suchen sollen, sonst könne es kein Wachstum geben. (Und die Bild-Leser werden dann wieder einmal jubeln.)

      • Ert sagt:

        @Frank

        Das mit den Auslieferungslagern sehe ich genauso.

        Aktuell werden ca. 75 Millionen Kfz im Jahr hergestellt – das sind 200.000 Stück am Tag. Selbst eine Million Kfz ist nur eine 5-Tage Weltproduktion… und vom Werk zum Kunden muss das irgendwo rumstehen.

        • Marcel Sastre sagt:

          @Ert,
          @Frank,

          ausschliessen kann ich das nicht. In Anbetracht der heute ueblichen just-in-time-Produktion, bei der Autos teilweise schon nach Käuferwunsch in den Werken konfiguriert werden sind allzugrosse Halden am Produktionsstandort zumindest verdaechtig. Verstaerkt wird dieser Umstand durch die Nutzung z.B. ehemaliger Militaerflugplaetze und Teststrecken als Abstellflaeche. Eher unuebliche und zumeist wenig verkehrsguenstig gelegene Orte, um auf Auslieferung wartende Fahrzeuge abzustellen, oder? Bei deinen Zahlen, Ert, hast du wahrscheinlich auch nicht die Fahrzeuge beruecksichtigt, die unverkauft, als Tageszulassung, bei den Haendlern herumstehen, auf dem Schiffstransport unterwegs sind oder in echten Auslieferungslagern, wie etwa im hamburger Hafen, stehen. Ich vermute stark, dass wir hier nicht von der Produktion einiger Tage sprechen!

          • Frank Bell sagt:

            @ Marcel Sastre

            Bei den Fahrzeugen auf Militärflugplätzen kann es sich auch um Firmen-Leasing-Rückläufer handeln.

            So ein Rückläufer ist 3 Jahre alt.

            Dass es Neufahrzeuge sind, kann man aus den Google-Aufnahmen wirklich nicht schliessen.

  9. Ert sagt:

    Wow – der Spiegel mal zu den Kosten des „AKW-Rückbaus“ in Lubmin: http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/atomkraftwerk-lubmin-rueckbau-abriss-und-entsorgung-eines-akw-a-969790.html

    Sie sagen auch ganz klar: Die Rücklagen der Konzerne werden nicht reichen. Lubim ist deutlich über den veranschlagten Kosten.. und die werden noch weiter Steigen… mal ganz abgesehen vom Mehrfach gerissenen Zeitplan und der Frage wohin mit dem ganzen Zeug.

    • Florian Hoppe sagt:

      @AKW Rückbau: Da gönn dir mal die aktuelle Folge der Heute-Show.^^

      @Autos auf der Halde: Jep, leider eine sich haltende VT/Legende.

  10. Markus Knoll sagt:

    Lösung: Schieferöl, Technik aus China –
    ************************
    Russia targets shale oil boom by next decade

    * Russia, the world’s top oil producer, pumping near capacity

    * Russia needs advanced technologies to sustain output

    * Western firms cautious over new Russia investments

    * Russia may turn east for drilling Technologies


    http://www.reuters.com/article/2014/05/22/russia-forum-oil-idUSL6N0O83OQ20140522?type=companyNews&feedType=RSS&feedName=companyNews

    *********************
    Da sind die Chinesen aber auch (noch) nicht up to date.

  11. […] ablesen, andererseits zuletzt durch einen Bericht des russischen Ölkonzerns LUKOIL, der auf diesem Blog im Mai besprochen wurde. Lukoil setzte den Beginn des Falls der russischen Ölförderung auf […]

  12. […] Entwicklungen im Auge zu behalten. Da ist einerseits Russland, aus welchem Signale des Ölkonzerns Lukoil sowie des Finanzministeriums kommen, die vermuten lassen, dass ab 2016 die Ölförderung […]

  13. […] Problematisch wird diese Untergrenze dann, wenn sie (z.B. bei sinkenden Ölpreisen) dazu führt, dass die Erlöse der Ölfirmen so stark schrumpfen, dass sie nur begrenzt in neue Projekte investieren können. Lukoil, das größte private russische Ölunternehmen schrieb in seinem Öl- und Gas-Ausblick 2013: […]

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