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Peak-Oil-Debatte in der Bremischen Bürgerschaft

Noch zu Hoch-Ölpreis-Zeiten im Juli diesen Jahres stellten fünf Abgeordnete von Grünen und SPD im Bremer Landtag eine Große Anfrage "Bremische Strategie zum Umgang mit Risiken der Erdölversorgung und steigenden Ölpreisen". Mitte September hat die Verwaltung der Freien Hansestadt Bremen die 16 Fragen beantwortet, am 20. November diskutierte die Bremische Bürgerschaft die Fragestellung.

Dank Internet sind die zugehörigen Dokumente für jedermann verfügbar: Für Bremer, um sich ein Bild zu machen, wie die Stadtregierenden die Erdöl-Frage vor dem Hintergrund des Peak Oil diskutieren, für Nicht-Bremer, um mögliche Anregungen daraus zu ziehen, eine ähnliche Diskussion im eigenen Bundesland oder der eigenen Stadt anzustoßen. Wichtig zu wissen: In Bremen regiert eine rot-grüne Regierung. Die Anfrage kommt also nicht aus der Opposition, sondern aus Reihen des Regierungslagers. Interessant ist, dass die Anfrage und die Antworten kurz Bezug auf die Peak-Oil-Studien für Thüringen, Sachsen und die Bundeswehr-Studie nehmen.

Im Mitschnitt der Diskussion sind Redebeiträge zu hören von Grünen, CDU, SPD, Linke und Senator für Wirtschaft, Arbeit und Häfen Martin Günthner. Die Diskussion findet vor einem gerade mal zu einem Drittel gefüllten Saal statt, ist also weit davon entfernt, alle Parlamentarier zu erreichen:

71. Sitzung der Bremischen Bürgerschaft (Landtag, 14:30–18:00 Uhr) am 20.11.2014 auf Vimeo.

Der Wirtschaftssenator Günthner beruhigt: Bremen wäre im Vergleich zu anderen deutschen Bundesländern nicht überproportional betroffen. Na dann...

(Dank an Peter)

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35 Kommentare to “Peak-Oil-Debatte in der Bremischen Bürgerschaft”

    • Dieter Schmitz sagt:

      Dann versuche doch einmal in einer Diskussion im Bekanntenkreis, die beiden Aussagen aus dem FAZ-Artikel zu entkräften:

      Das liegt daran, dass sich seit 1980 die nachgewiesenen Ölreserven von 683 auf 1690 Milliarden Barrel mehr als verdoppelt haben.

      Die Vertreter der These, dass das Erdöl endlich sei und bald zur Neige gehen werde, hatten den technischen Fortschritt nicht berücksichtigt.

      Bestes Gegen-Argument:

      Du willst doch nicht behaupten, du wüsstest mehr als a) Ingenieure, die Ölfelder erschliessen, b) Banker, die das ganze bezahlen müssen und c) Politiker, die vielfältigere Informationen bekommen.

      Tja…

      Natürlich gibt es in dem erwähnten Artikel einen DICKEN Widerspruch:

      Einerseits

      dennoch reichen die heute nachgewiesenen Ölreserven beim aktuellen Verbrauch 54 Jahre

      Andererseits

      Die Mahner, die die Endlichkeit der Ölvorkommen beschwören (…) die These vom „Peak Oil“ längst überholt, also dass das Angebot von Öl irgendwann sein Maximum erreichen und dann abnehmen werde

      Einen endlichen Zeitraum nennen, und dann sagen, dass eine Abnahme nicht zu erwarten ist.

      Wahrscheinlich glaubt, er dass sich fortwährend neues Erdöl bildet. Stimmt vielleicht, aber diese These findet man nur bei den Russen und auf allesschallundrauch.

      • Stefan Wietzke sagt:

        Ich bin mir nicht so ganz sicher wo die Ironie anfängt und wo sie aufhört ;-).

        Nehmen wir das mal ernst:

        1. Die nachgewiesenen Ölreserven sind nicht gestiegen, sondern wurden lediglich „umgebucht“. Außerdem soll er mir mal zeigen aus welchen Statistiken er das geholt hat und auf welche Daten er sich bezieht. Ihr kennt die Probleme:
        – keine einheitliche Begriffsdefinition für Ressourcen
        – Frei erfundene Angaben (gern genommen OPEC)
        – Mengen gegen Energiegehalt
        – Wo packe ich NGL hin (Öl oder Gas)
        – P90, P50 oder P10 Mengen?
        – …

        2. Natürlich wurde der technische Fortschritt berücksichtigt. Aber man erkennt hier schnell den ökonomischen Analphabeten, der nicht versteht was eine Grenznutzenfunktion ist.

        3. Das mit dem Experten kann ich immer leicht kontern. Bin nicht nur selber Ingenieur sondern seit nunmehr fast 30 Jahren im Energiesektor tätig. Habe Energiefirmen über ein Jahrzehnt lang in unterschiedlichsten Themen auf allen Wertschöpfungsstufen beraten. Heute unterstütze ich mit meiner Firma Energienutzer beim wirtschaftlich effizienten Einsatz von Energie.

        4. Tja, und das man viele „Banker“ schon mit einem diskontierten Cashflow oder der Berücksichtigung von Oportunitätskosten an den Rand ihrer geistigen Kapazitäten bringen kann, hätte ich früher auch nicht geglaubt.

        Übrigens: Viele der Erkenntnisse und Analysen die wir hier diskutieren, sind unter Energiefachleuten längst Allgemeingut und unumstritten. Und da wird untereinander auch ganz offen drüber gesprochen.

        Und alle wissen immer woran es hapert: Wir wollen einfach unseren materiellen Konsum nicht reduzieren. Und alle haben da immer ein ganz schlechtes Gewissen und buchen dann doch die nächste Fernreise.

  1. Stefan Wietzke sagt:

    Ergänzung:
    Kaum fällt der Ölpreis, schon kommen die Typen aus den Löchern, die glauben das Öl unendlich vorhanden ist. Der Link auf Finanzen.net zeigt das ja auch mal wieder.

    Es ist schon schwierig Sachverhalte rüber zu bringen, die mehr als fünf Minuten Beschäftigung verlangen. Und wenn das dann noch einen IQ von über 20 verlangt wird es schon schwierig.

    • Norbert Rost sagt:

      @Stefan: Ja und vor allem haben diese Typen in den vergangenen 5 Jahren gut die Klappe gehalten. Wenn nur ansatzweise so viele Artikel in den vergangenen Jahren erschienen wären, die Peak Oil mal kritisch beleuchtet und erläutert hätten, wären wir heute weiter.

      Nun aber, der Ölpreis sinkt, dürfen sie ihren Glauben an ein ewiges Weiter-So wieder ausrollen und müssen keine blauen Augen befürchten: denn die große Medien-Welle ist ja auf ihrer Seite. Wiederkäuer sind’s, diese „Journalisten“.

      Aber bevor wir hier wieder abdriften ins Allgemeine: Sag doch mal was zu Bremen! :-)

      • Stefan Wietzke sagt:

        @Norbert
        Ich konnte zwar das Papier aus Zeitgründen nur mal überfliegen, aber es ist natürlich äußerst begrüßenswert das man auf der politischen Bühne darüber diskutiert und auch mal versucht das Ganze zu quantifizieren.
        Außerdem werden einmal verschiedene Aspekte in der Diskussion angerissen und man kommt mal von den Globalaussagen weg. Aber nur so kann eine Diskussion beginnen, die einfach ein mühsames herantasten an ein sehr vielschichtiges Thema ist.

        Das der Saal bei der Debatte halb leer ist finde ich gar nicht schlimm. Man könnte sagen er ist halb voll. Denn das ist in einer Debatte im Parlament schon ziemlich viel.

        In dem Dokument selbst ist mir allerdings aufgefallen, dass da noch mit viel Hoffnung gespielt wird. So ist der Kostenvergleich von Elektro- und Benzinautos eine Äpfel/Birnen Nummer.

        Auch die Entkopplung von BIP und Energieverbrauch ist ja so ein Ding. Hier handelt es sich um Verschiebemechanismen zwischen den Staaten und ein in den Industriestaaten statistisch aufgeblasenes Wachstum.

        Der Primärenergieverbrauch pro Kopf ist in den letzten 20 Jahren in Deutschland weitgehend konstant geblieben.

        • Michael Egloff sagt:

          Ja, es gibt sie, diese kleinen Inseln der Erkenntnis im Ozean der Ignoranz wie die Anfrage und Teile der Diskussion in Bremen zeigen.
          Dabei ist die Grünen-Abgeordente schon weiter in der Erkenntnis als Andere, weil sie betont, dass am Öl auch die Verfügbarkeiten anderer Energieträger hängen. Jedenfalls zu heutigen Preisen und in heutigen Mengen. Übrigens inklusive z.B. der Windkraft.

          Die jetzigen Ölpreise führen vermutlich leider dazu, dass einige dieser kleinen Erkenntnis-Inseln vom Ignoranz-Ozean wieder überschwemmt werden.
          Nach dem Motto: „Na bitte, die Technologie hat doch noch jedes Probelm gelöst. Es wird kein Öl-Problem in absehbarer Zukunft geben. Wir haben uns umsonst Sorgen gemacht.“

          Dabei sollte uns GERADE dieser Einbruch der Ölpreise besorgt machen. Er steigert nicht nur sowohl Unbekümmertheit und auch etwas zeitversetzt den Verbrauch, sondern er droht, ebenfalls zeitversetzt, einen wirtschaftlich determinierten Peak Oil mit erheblichem Einbruch der Mengen insbesondere bei Exportöl in wenigen Jahren zu verursachen.
          Denn eines ist wohl sicher: die Investitionen in Exploration, neue Förderprojekte und sogar die Instandhaltung werden bei diesen oder noch niedrigeren Preisen massiv runtergefahren.
          Je länger die Ölpreisbaisse andauert und je niedriger das Preisniveau, desto stärker der nachfolgende Ölengpass.
          Gerade das, was jetzt als preisliche Widerlegung eines Ölproblems gefeiert wird, wird in wenigen Jahren dieses Problem sehr plötzlich zum Vorschein bringen.
          Und zwar nicht als einen geologisch induzierten allmählichen Ölverfügbarkeitsrückgang, sondern als einen finanziell/wirtschaftlich hervorgerufenen plötzlichen Verfügbarkeitseinbruch mit enormen Preisanstiegen.

  2. Bruno Müller sagt:

    Ich merke schon, dass es immer eine Herausforderung darstellt, sich mit Neuem zu beschäftigen. Erwähnt werden ja in der Debatte die Begrifflichkeiten „Kleine Anfrage“ und „Große Anfrage“. Kleine Anfrage kannte ich bisher. Und ich fragte mich, ob es da ein Gegenstück gibt – tatsächlich , es gibt auch eine „Große Anfrage“.

    Dass Anfragen grundsätzlich auch aus den eigenen Regierungsfraktionen kommen können, war auch neu für mich.

    Ist das nicht merkwürdig, dass derartige Grundlagen demokratischer Werkzeuge nicht zur Allgemeinbildung gehören? Zumindest nicht zu meiner.
    Aber ist es nicht genauso merkwürdig, dass das Wissen um Peak Oil und was es genau bedeutet ebenso nicht zur Allgemeinbildung gehören? Wir mit unserer Lebensweise sind ja immerhin von Öl abhängig, Ich meine sogar noch abhängiger als von Demokratie.

    Was möchte ich damit sagen? Ein jeder kennt sich in seinem Spezialgebieten aus und denkt, das sollte doch allgemein bekannt sein. Defizite sollten wir daher nicht dem Anderen vorwerfen, sondern ihm durch Zuarbeiten von Informationen helfen , diese abzubauen.

    Wer möchte Herrn Strohmann darüber informieren, dass die USA nicht erdölunabhängig sind? Hier seine Kontaktadresse: ed.nemerb-udcnull@nnamhorts
    Wer übernimmt das?

    Vielleicht kennt sich auch jemand mit unserem Planeten ganz gut aus. Dass er mal explodieren oder implodieren sollte, war mir bisher nicht bekannt.
    OK, das übernehme ich. Ich werde Herrn Strohmann nach seiner Quelle fragen und Euch berichten.

  3. Roderik sagt:

    Hallo Norbert,

    liest man die Presseartikel, findet man Informationen, die nicht ganz zusammenpassen. Das erste Zitat stammt aus dem Interview von Werner Zittel, das zweite von finanzen.net.

    Was stimmt denn jetzt?

    „FR: Sie sagen: Fracking bringt nur einen kleinen Aufschub. Wie lange?

    
Peak Oil wird dadurch ein paar Jahre hinausgeschoben, nicht aber um Jahrzehnte. Zudem könnte der Fracking-Boom auch schnell wieder zu Ende sein, wenn das Erdöl noch länger so billig bleibt. Die Technologie ist aufwendig und teuer. Die Fracking-Firmen in den USA haben wegen der Talfahrt des Gaspreises und dem niedrigen Ölpreis seit fünf Jahren keine Gewinne mehr gemacht, sie sind hoch verschuldet. Für einige von ihnen wird es die Insolvenz bedeuten, wenn der Ölpreis unten bleibt.“(http://www.fr-online.de/wirtschaft/oelpreis–die-oelschwemme-kann-schnell-enden-,1472780,29278220.html )

    oder

    „Heute entwickelt sich die Konjunktur zwar robust, jedoch wird die Illusion aus dieser Zeit, dass die Nachfrage das Angebot stets übersteigen wird, von der sprunghaft gesteigerten Produktion zerstört. Und selbst wenn der Preisverfall noch weitergeht: Die Unternehmen sind nicht unmittelbar gezwungen, ihre Produktion zu reduzieren oder einzustellen – dafür sind die neuartigen Fördermethoden viel zu kostengünstig. Der „Break-Even-Preis“ der Bakken-Formation, einem riesigen US-Fördergebiet, liegt beispielsweise bei geschätzten 42 US-Dollar pro Barrel. Um die Produktion tatsächlich nachhaltig zu drosseln, sind aller Voraussicht nach anhaltende Tiefpreise vonnöten – bis dahin wird der Kampf um Marktanteile im Vordergrund stehen.“(http://www.finanzen.net/nachricht/rohstoffe/Gruener-Fisher-Kolumne-Unerwarteter-Kollaps-Teil-2-Der-Oelpreis-4078275)

  4. Michael Egloff sagt:

    Einheitliche break-even-Preise dürfte es ohnehin nicht geben.
    Was man schon daran erkennen kann, dass einige Firmen, die offensichtlich die allerbesten Bereiche in den qualitativ besten Shales (Eagle Ford und Bakken) ausbeuten, bei höheren Ölpreisen ordentliche Gewinne gemacht haben, während andere Firmen auch bei Preisen von ca. 100 Dollar schon deutlich unprofitabel waren.
    Entsprechend der Ergiebigkeit der jeweiligen Förderstellen könnten sich also die break-even-Preise in einer Spanne von 42 Dollar bis deutlich über 100 Dollar bewegen.
    Große Teile der Shales werden bei den jetzigen Preisen also unausbeutbar, manche Shales sind wahrscheinlich komplett außerhalb des Profitabilitätsbereiches.
    In 10 Jahren dürften auch die dann besten neu auszubeutenden Bereiche weit über den heutigen break-even-Preise der heutigen ergiebigsten Bereiche liegen.
    Einheitliche Angaben zu den erforderlichen Ölpreisen müssen also falsch sein. Ähnlich verhält es sich mit dem Teersandabbau.
    Es ist ja ein Riesenunterschied, ob sich die Teersandschicht in 20 oder 50 Meter Tiefe befindet, oder ob der Ölgehalt bei 12 oder 6% beträgt.

    Das alles sind natürlich nur aus logischer Überlegung resultierende Annahmen eines NICHT-FACHMANNS!

    • Hendrik Altmann sagt:

      Das ist schon richtig, aber was man machen kann ist einen Durchschnitt berechnen, das ist dann zwar kein Break even Preis, der ja wie du sagtest für jedes Unternehmen einzeln berechnet werden müsste, aber eine gute Orientierung um abzuschätzen wie sich die gesamte fracking Geschichte Entwickeln wird.

      Und ja mit jedem Tag der vergeht werden die profitabelsten Stellen ein klein wenig unprofitabeler, und somit steigen die Break even Preise mit der Zeit der Förderung an, wie in jedem Bereich der endlichen Rohstoff Förderung.

      Derzeit kann man aber sagen das der sehr große Teil der Fracking Wells nicht kostendeckend fördert, die Unternehmen bewerben gerne die wenigen Wells die einen niedrigen Break even Preis haben, und stellen das dann gerne so dar als ob alle Ihre Förderanlagen bei diesem Preis operieren könnten.

      Das ist das gleiche wie damals die Reserven um Teilweise 90% höher geschätzt wurden, als sie tatsächlich waren, nur um Investoren zu ködern.

  5. Tom schülke sagt:

    Nun hab ich mir die Debatte einmal angehört und war zum einen begeistert,das tatsächlich einmal das Thema angeschnitten wurde und zum anderen hätte ich am liebsten alle paar Sekunden dazwischengefunkt, weil klar wurde das niemand dort die Dringlichkeit und Bedeutung all der mit peak oil verbundenen Prozesse durchschaut. Natürlich springt einen dort Herrn Strohmanns Märchenbuchkopie der Energieunabhängigkeit der USA an. Aber wer erklärt denen den Eroei… wer klärt Sie Über die fundamentalen Kostenexplosionen der unkonventionellen öle auf?
    Alles wird durch eine kurzsichtige vereinfachende Finanzbrille verzerrt. Und schwups wird der Olpreisrutsch am Ölmarkt zum Baldrian der Energiepolitik. Ach was eher zum Morphium der Energiepolitik.
    Also ich fand den Herrn der linken ja noch am authentischsten .nichts desto trotz erhalten die Redner von mir morgen einen kleinen e-mail Aufklärungsbrief und meine besten Wünsche am Thema festzuhalten.

  6. fliegen sagt:

    Liebe Leute,

    WARUM gibt es bisher in Deutschland, ja in Europa keine einzige Partei, die Postwachstums- und Transition-Inhalte trägt? Es gibt die Linke, villeicht noch die Grünen, bei denen sich sowas mal blicken lässt, aber wenn, dann ganz leise und hinten, und erst recht nicht im Parteiprogrmm. Immer heißt es Wachstum, Arbeitsplätze, Sicherheit, Versorgung (gerne auch Kombination davon). Ist es die Angst, dass die Abkehr von sowas nicht mehrheitsfähig ist? Ist das der angeblich fehlende Realismus? („real“ wie in „Realos“ und „Realwirtschaft“)
    Es wäre mal Zeit, dass jemand auf die wahre Natur der „Krise“ hinweist, und dass solche Stimmen in der Parteienlandschaft auftauchen. Mich wundert’s echt, dass bisher niemand auf diese Idee gekommen ist. Liegt das daran dass solche Leute wie Norber Rost oder Nico Paech von der „großen“ Politik nichts halten und lieber der Kommunalverwaltungen zuflüstern? Aber als Partei könnte man sich zum Ziel nehmen, vorrangig sich die kommunale Ebene vorzunehmen. Und sonst Lobbyismus (wie Norbert ihn macht) und Aufklärungsarbeit leisten, und auch gerne die Wahlen dafür nutzen, das eigene Anliegen publik zu machen.

    Die zweite Idee für eine Partei wäre, (fast) jede Partei unterstützen zu wollen, sofern sie das eigene Anliegen auch unterstützen. Also es geht nicht um die Macht, sondern um die Sache. Wie Michail Chodorkowski es gerade in Russland macht: „ich unterstütze jeden, der sich für die Demokratie einsetzt“ (und erst wenn es gerechte Wahlen gibt, sagt er, soll sich die Opposition aufspalten und gegeneinander antreten). Man könnte eine Postwachstums-Partei sich auch vorstellen wie ein Ort zur Bündelung und Weiterverbreitung dieser Inhalte. Die ganz große Stärke dann wäre, dass diese Partei dann wirtschaftlich frische Ideen und wirklich andere Konzepte bringen würde. Wirtschaft ist soweit ich weiß weder bei den Piraten (Datenschutz, Bildung, direkte Demokratie) noch bei den Grünen (Umwelt, Bürgerrechte, Frieden (?) hmm was war da noch) das stärkste Thema.

    Ein wichtiges Thema wäre auch die Führung. Ich habe mich heute über das tragische Schicksal der Piraten unterhaltet, und meiner Meinung nach liegt ihr Zerfall an einer gewissen Führungs- und Richtungslosigkeit. Soll natürlich auch keine Ein-Mensch-Partei werden, aber ein, oder einige prägende Figuren würden schon nicht schaden.

    Ansiedeln würde ich sowas in eher konservativeren Spektrum, wobei es da neben wirtschaftlichen auch soziale und umweltliche Aspekte gibt und noch viel mehr. Ach und einen verdaulichen Namen sollte sie kriegen, ich tue mich ja auch schwer „die ganze Sache“ zu benennen.
    Stellt euch vor, da würde schon direkt in Bremer Bürgschaft ein Mensch sitzen, der von Peak Oil Ahnung hat, und dem zuzuhören euch hier eine Freude wäre. Wäre doch was, oder?

    • fliegen sagt:

      man könnte sich ja nennen: „Deutschland im Wandel“
      :)

    • Tom schülke sagt:

      Hallo fliegen.
      Am ehesten werden einige Grundlegenden Bekenntnisse zur postwachstumsökonomie und zb zur transitiontownbewegung wohl bei der ödp vertreten.
      Die sind zwar noch nicht total mein Fall als agnostiker.. aber eine ganze Reihe derZielsetzungen die Sie verzreten incl der Anerkennung von peak oil laufen sehr wohl in die richtige Richtung

    • ab.er sagt:

      Hallo fliegen,

      wenn du nur die Parteien betrachtest, die in deutschen Länderparlamenten oder dem Bundestag vertreten sind, dann hast Du Recht. Die erfolgreichste wachstumskritische Partei ist in meinen Augen die ÖDP.

      Aber es ist ja wirklich nicht leicht für die Parteien, Wachstumskritik zu verkaufen und trotzdem gewählt zu werden. Es ist in meinen Augen enorm schwierig, aus der Wachstumskritik eine positive Botschaft zu machen. (Vielleicht können wir hier ja mit einer kleinen Stichpunkt-Sammlung eine Basis schaffen?)

      Wie schwierig die ganze Diskussion ist, habe ich letzte Woche gesehen, als bei einer Veranstaltung der Grünen zum Klimaschutz Toni Hofreiter unwidersprochen von der großen Bedeutung der Autoindustrie für Deutschland reden konnte. Es macht Kritik daran nicht positiver, wenn die Aussichtlosigkeit einer „innovativen“ Autoindustrie aufgrund von Ressourcen-Mangel herausgestrichen werden muss.

      Für die Verteilung der Arbeit nach dem Schwinden der Bedeutung der großen Industriezweige kenne ich noch keine verkaufbaren Blaupausen. Weniger angestellte Arbeit für den Einzelnen ist sicher ein Aspekt davon. Aber es wird wohl auch mehr körperliche Arbeit werden (Gemüseanbau im Garten und Transport auf dem Fahrrad). Das wird nicht jeder positiv finden.

      Ich weiß ehrlich gesagt nicht, ob „Kassandra“ oder eine sehr stark vom derzeitigen Mainstream abweichende Utopie die erfolgversprechendere Strategie ist.

      Mit bloßen kosmetischen Änderungen werden wir nichts schaffen. Die Bilanz des Klimaschutzes, der bisher sehr stark unter dem Motto stand: „Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass“, ist in meinen Augen verheerend. Das wurde für mich deutlich, als in der Pressemeldung zum neuen Bericht des Bundesamtes für Geowissenschaften und Rohstoffe ein „Experten bezweifeln stark, ob dies möglich ist“ die Erreichung der Klimaschutzziele durch kompletten Verzicht auf klimaschädliche Emissionen ab 2050 kommentierte.

      Diese „Expertenmeinung“ könnte doch dazu verleiten, die Hände in den Schoß zu legen, anstatt zu überlegen, welche Randbedingungen wie verändert werden können, um Klimaschutz überhaupt möglich zu machen. Besonders, wenn die Variation der Randbedingungen eigentlich das Infragestellen des aktuellen Wirtschaftssystems ist.

    • Stefan Wietzke sagt:

      Ich glaube die Antwort ist ganz einfach. Stelle einfach mal in deinem Bekanntenkreis folgende Fragen:

      Ich komme ab morgen mit dem halben Einkommen aus (kaufe nur noch die Hälfte, ziehe in eine kleinere Wohnung, schaffe mein Auto ab, verzichte auf weite Urlaubsreisen etc.)

      Deshalb wird allen immer erzählt, das man unvereinbare gesellschaftliche Ziele vereinbaren kann.

      Oder wie hat mal ein amerikanischer Umweltaktivist gesagt (sinngemäß):

      „Ich weiß ja was wir tun müssen um auf einen nachhaltigen Weg zu kommen. Und ich weiß auch wo das endet, wenn wir das nicht tun. Aber ich bin mir nicht sicher, ob ich wirklich eine Partei wählen würde, die genau das umsetzten will.“

      Denn Menschen hoffen immer das der Sturm doch an ihnen vorbeizieht. Und immer wenn das Auge eines Orkans über uns liegt, reden wir uns ein, dass es nun vorbei ist.

  7. Michael Egloff sagt:

    Hallo fliegen,
    die Partei könnte sich „Partei des Abschieds von der Konsumgesellschaft“ nennen, damit die Menschen auch erkennen, was gemeint (und was notwendig) ist. Ohne frei interpretierbare Allgemeinplätze wie „Wandel“.
    Und klar: diese Partei hätte ein Potenzial von vermutlich 0,2% der Wählerstimmen.

    • Ted sagt:

      0,2 Prozent sind vermutlich noch optimistisch. Und von diesen 0,2 Prozent würden evtl. 90% wegbrechen, sobald sie realisieren, was die Umsetzung ihrer Ziele für den eigenen Lebensstandard/Lebenserwartung bedeuten würde.
      Ich schätze dieses Forum hier sehr, weil nah an der Realität diskutiert wird. Zur Realität zählt für mich allerdings auch, die Perspektiven realistisch zu sehen, selbst wenn „Mensch“ sie als destruktiv empfindet. Was schert es die Realität, was wir Menschlein als destruktiv betrachten?
      Und die Realität ist nunmal, dass wir selbst das Kernproblem sind, viel zu viele und viel zu hohe Ansprüche.
      Und selbst wenn bei uns eine solche Partei die geringste Chance hätte, dauerhaft politisch Einfluss zu nehmen, was ändert es an der Gesamtsitution, wenn da draußen mehrere Milliarden danach lechzen und gerade erst beginnen, so zu leben , wie es für uns eine Selbstverständlichkeit ist?
      Ich persönlich setze mir wesentlich bescheidenere Ziele:
      1.)Die Zusammenhänge versuchen zu vermitteln, damit nicht zusätzlich zur desaströsen externen Situation (letztlich), die menschtypischen Schuldzuweisungen die Lage und das zukünftige Leid potenzieren.
      2.) Mich persönlich da zu bescheiden, wo es mehrfach und unmittelbar sinnvoll ist (wie z.B. wenn machbar, hauptsächlich per Rad zu fahren).
      3.) Mich aber auch daran zu erfreuen, wie unglaublich privilegiert unser/mein Leben weltweit und historisch betrachtet ist. KURZFRISTIG gesehen, ist die Lage ohnehin imho positiver, als die Mehrheit hier es wahrnimmt. Denn Mensch ist tatsächlich erfinderisch, auch wenn das letztlich die Fahrt in die Sackgasse beschleunigt.

  8. fliegen sagt:

    Mensch es gibt doch so viele Bücher zu dem Thema. Da gibt es haufenweise Thesen. Und warum muss man immer der Meinung der Leute hinterherlaufen? Wie wär’s, wenn man UNpopuläre, aber richtige und notwendige Dinge vertritt? Wenn wir hier in der gemütlichen Runde damit einverstanden sind, dann ist es auch jedem anderen möglich, dahinter zu kommen. 0,2 % ist erstmal ein riesen Erfolg! Und ein Wahlkampf, in dem unpopuläre, aber frische und wirklich andere Inhalte angesprochen werden.

    Die ÖDP geht in eine gute Richtung, ist mir allerdings nicht ganz geheuer. Ich habe auch über ökologische Parteien rechts der ÖDP recherchiert, und je weiter, desto radikal-ökologischer sind sie, aber auch leider rechtsradikaler. Und ich krieg schon bei der Parole „Umweltschutz ist Heimatschutz“ komisches Gefühl.
    Aber nichtsdestotrotz verdient die ÖDP die Unterstützung und Anerkennung einer wachstumskritischen Partei, insoweit sie eben wachstumskritisch sind. So wie jede andere Partei, denke ich.

  9. Tom Schülke sagt:

    Hallo Peak Oiler…

    Ich habe mir dann mal die Mühe gemacht den Protagonisten der Peak-Oil Debatte in der Bürgerschaft jeweils einen leicht unterschielichen Brief zukommen zu lassen.

    Sagen wir as aufklärenden Bürgerbeitrag. Ich bin gespannt was dabei herauskommt.

    Inhaltlich angeschnitten habe ich fallenden EROEI, Frackingboom und dessen probleme (Kopits), die systemische Bedeutung des Öls und eine kleine Einleitung die die unglaublichen Leistungen des Öls die wir viel zu selbstverständlich nehmen, einmal veranschaaulicht um die Bedeutung des Themas anschaulicher zu machen..

    Bin gespannt ob die die 5 Seiten lesen..

    dauemn drücken oder gleich noch von euch aus etwas hinterher ?

    gruß Tom

    • Tom schülke sagt:

      Nachtrag.
      Freundliche Antwort der grünen Umweltsenatorin.
      In der tat habe man sich vor der Anfrage bei einem Vortrag gründlicher Informiert als es die 5 min beiträge erscheinen lassen. Man werde aber vor der nächsten wahl noch eine Veranstaltung zum Thema haben .
      Sie hat alle meine huzen Wünsche bei sich..
      Von cdu und linken keine reaktion..

      5 seiten text sind vielleicht zu viel? Oder fehlt mir einfach ein Proffesoren Titel.. :(

  10. Bruno Müller sagt:

    Wie angekündigt, habe ich E-Mail-Kontakt mit Herrn Strohmann von der CDU aufgenommen. Als lockerer Einsteig, fragte ich nach seiner Quelle für die von ihm erwähnten Erd-Explosions-Theorie. In drei Sätzen. Mehr Inhalt gab’s noch nicht.
    Er hatte fast postwendend geantwortet und mir die Quelle benannt,
    http://www.welt.de/wissenschaft/weltraum/article111189577/16-Minuten-vor-dem-Ende-der-Zeit-explodiert-die-Erde.html
    wobei er erstaunt war, dass Debatten-Protokolle des Bremer Senats im Süden gelesen werden.

    Freundlich und mit wiederum wenigen Sätzen gab ich ihm zu verstehen, dass es Videomitschnitte gibt und dass mich die Neugierde als Gebäudeenergieberater trieb (Ich schrieb ihn mit meiner Büro-Adresse an), wie das Thema „Erdölversorgung“ wohl in Bürgerschaften/Landtagen diskutiert wird.

    Ebenfalls fügte ich hinzu, dass außer bei den Antragstellerinnen dieses Thema und die Bedeutung gar nicht richtig erfasst wurde und wie damit regional umgegangen werden sollte, im Sinne der Daseinsvorsorge für die Bürger vor Ort, die genau dort eine Ölverknappung und deren Folgen erleben werden.
    Dann habe ich ihm noch meine Unterstützung mit Informationen angeboten.

    Das war gestern Früh. Bisher noch keine Antwort erhalten.

    @ Tom Schülke: 5 Seiten könnten in „Twitterzeiten“ tatsächlich zu viel sein.
    Ob meine Vorgehensweise geschickter war, kann ich nicht sagen.

    Es gibt Menschen, meistens freie Journalisten, die bieten Kurse an, wie der schriftliche Kontaktaufbau mit Politikern oder der Presse am Besten gelingt. So ein Kurs fehlt mir noch.

    • Norbert Rost sagt:

      Top!

      Vielleicht sollten wir mal ein Webinar dazu machen…

    • Michael Egloff sagt:

      Solch komplizierte, fassettenreiche Sachverhalte wie das Öl- und Energiethema lassen sich nun mal kaum unter 4…5 Seiten abhandeln, als Einstieg.
      Und genau das ist das Problem: um sich der Tragweite des Themas bewusst zu werden ist eine Informationsmenge aufzunehmen, die von vielen Zeitgenossen rein vom Umfang her als Zumutung empfunden wird.
      Ich habe seinerzeit ein ganzes Buch lesen müssen (Heinberg: The party´s over) um erst mal die Bedeutung des Ölthemas zu erfassen, egal, ob man Heinberg in jedem Halbsatz zustimmt, oder nicht.
      Da sind Deine 5 Seiten schon sehr knapp bemessen.

      • Tom schülke sagt:

        Vielleicht ist ja gerade ein konzentriertes und vielfältiges feedback aus umfassenderem erklärungsansatz und der „telegrammstil“ von Bruno die beste kombination? Hey… wow. Das Thema interessiert viele Bürger? Mal sehen was die so schreiben.. je mehr da antworten desto eher die chance das echtes interesse erwächst. Klar. Die 5 Seiten sind nötig einige Zusammenhänge verständlich zu machen. Aber brunos Einstieg war strategisch vielleicht besser. Wer weis. Vielleicht liesst er am ende beides.

  11. Bruno Müller sagt:

    Bisher keine Rückmeldung von Herrn Strohmann.

    • Bruno Müller sagt:

      … auf meine zweite E-Mail.

      • Norbert Rost sagt:

        Seitens des http://www.postfossilinstitut.de/ (PFI) regen wir eine Podiumsdiskussion in Bremen an. Gemeinsam mit Peter, der hier mitliest und von dem der Hinweis auf die Debatte in Bremen kam. Mal sehen, wo das im Detail hinführt.

        Wer sich vorstellen kann, sich beim PFI einzubringen, ist herzlich willkommen, sich zu melden.

        • Bruno Müller sagt:

          Noch immer keine weitere Rückmeldung von Herrn Strohmann.
          Na ja, so kurz vor Weihnachten – vielleicht muss er noch Weihnachtsgeschenke besorgen.

          Ich im Übrigen auch noch. Dann noch der Baum … .
          Typisch Männer; immer auf den letzten Drücker.

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